JEANS FOR JESUS

Album: „19xx_2xxx“ (Universal)

Das Quartett des Mundartpop kommt zumindest auf dem Cover Monumental daher. Beim Anhören, nein sie sind in etwa die gleichen geblieben und haben sich einfach weiterentwickelt, aber nicht so pompös wie auf dem Cover. Ja sie machen es einem schwer, die Jeans For Jesus mit dem neuen, dem dritten Album. Schon der Albumtitel versteht niemand, er spricht sich neunzehnhundert zweitausend aus. Einfach wenn man es weiss. Die Musik, die Beats und Loops sitzen und grooven gehörig und sind das was als Erstes Freude macht am Album. Dann kommt der Gesang. Eine Stimme klingt einigermassen gewöhnlich, aber sonst sind es Fistelstimmen, bei denen ich nie weiss, machen sie jetzt einen Scherz oder meinen die das Ernst. Dann kommen die Texte. Inhaltlich im grossen und ganzen OK, aber so die üblichen Popthemen. Aber vielleicht ist es besser getextet oder auch nicht. Schlau wird man aus diesen Sätzen nicht einfach so, auch hier die Frage, nehmen sie uns oder sich ernst, oder niemanden. Vielleicht ist das Kunst und es versteht nur jemand der sich als Kunstkenner ausgibt. Die 16 Songs sind ja toll, aber hier bitte das Album in Tranchen (nicht wörtlich nehmen) anhören, denn es könnte zuviel werden. Dies ist Schweizer Popmusik von Nerds für Nerds.

Fredi Hallauer

SIXTIES

Live: La Cappella am 19. Januar 2020

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Die Sixties sind eine Gruppe, ein Projekt, ein Traum oder sowas von Regula Küffer, der Berner Flötistin. Sie konnte für die Idee „Lieder, die die Welt nicht braucht…“ ihren Bruder Tom Küffer an der Gitarre, Mandoline und dem Gesang; Wieslaw Pipcynski, Tasten, Akkordeon und Kapellmeister; Richard Scholer am Schlagzeug und Ursula Füri-Bernhard noch Gesang. Sie zeigten vor dem Konzert, Bilder aus ihrer Jugendzeit, zwischen den Schlagern der 60iger und manchmal älter las Regula Küffer aus ihrem Tagebuch von 1967, als sie noch ein Schulkind war. Herrliche kleine Weisheiten über die Familie und die Schule. Diese Episoden entführten einem selber in diese Zeit zurück. Dann sangen sie Schlager auf Deutsch. Einige davon stammten von nicht Deutschen, welche es irgendwie nach Deutschland verschlagen hat und sie dort Deutsch sangen, wie Connie Francis, Gus Backus, Peggy March oder Siw Malkwist. Natürlich fehlten auch Deutsche Interpreten nicht. Nicht alle Schlager waren weitherum bekannt, welche gesungen wurden. Der Abend überzeugte durch die Musikalität der InstrumentalistInnen. Was Regula Küffer auf querflöte, Blockflöte, Piccolo und irgend welchen Pfeifen herausholte war grossartig. Tom Küffer spielte solide Gitarre, wechselte einmal unverhofft die tonart, aber die MitmusikerInnen konnten mithalten. Das perkussive Schlagzeug lies es grooven und was Wieslaw Pipcynski an den Tasten bot, war wieder einmal unbeschreibleich, sagenhaft gut. Der Gesang war nicht so stark, oder vielleicht manchmal etwas unsicher. Ursula Füri-Bernhard stand ein bisschen wie bestellt und nicht abgeholt auf der Bühne herum mit dem Mikrofon dass sie selten brauchte, denn meisten hatte sie die Funktion als Backgroundsängerin und da wäre das Mikrofon auf einem Ständer besser gewesen. Es war ein sehr unterhaltsamer und sympathischer Abend mit viel wunderschöner Nostalgie verbunden.

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Fredi Hallauer

JULIE CAMPICHE QUARTET & VANESSA PAHUD

Live: Premiere Highwire Jazz und Pre-Releasekonzert „Onkalo“ am BeJazz Winterfestival 18. Januar 2020

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Um was ging es. Das braucht zuerst ein paar Erläuterungen, welche Julie Campiche auch abgab, bevor sie dann das Konzert ganz durchspielten bis zum Schluss ohne Zwischenkommentar. Die Band hat ein neues Album aufgenommen, welches am 1. Februar erscheint. Gleichzeitig hat Julie Campiche im Internet ein Video der Trapezkünstlerin Vanessa Pahud gsehen und die Bilder gingen ihr nicht mehr aus dem Kopf. Sie trafen sich dann, beide leben in Genf und ein Projekt entstand. Sie konnten Fabio von BeJazz überzeugen und nun gab es diese Performance zu sehen. Zuerst spielte nur das Quartet mit Julie Campiche an der Harfe und EFX, LeoFurnagalli am Saxophon und EFX, Manu Hagmann am Kontrabass und EFX und Clemens Kuratle am Schlagzeug und EFX. Die Klänge begannen sphärisch, entwickelten sich dann zu schönen Saxophonmelodien mit perlender Harfe, einem oft gestrichenen Bass und einem perkussiven Schlagzeug. Grosse Bögen als gesamtes prägten diese Musik. Dann kam Vanessa Pahud auf die Bühne, sehr ästethisch, sie zeigte sich dem Publikum von hinten und somit ihre ausgeprägte Rückenmuskulatur wenn sie am Trapez arbeitete. Das Quartet spielte weiter, verschwand aber optisch im Dunkeln, später in wenig Licht. Das Augenmerk wurde auf die Trapezkünstlerin geleitet.

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Sie spielte eine Art Theater, welches ich hier nicht erläutern möchte, da ich es nicht ganz oder alles verstand. Es war eine sehr spezielle Performance, leider rückte die Musik ein bisschen aus der Perspektive, das fiel auf, als bei der Zugabe keine Trapezkünstlerin mehr da war. Dies war ein gelungener Abend.

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Fredi Hallauer

FUSSYDUCK

Live am BeJazz Winterfestival am 18. Januar 2020

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Fussyduck sind ein internationales Sextett, welche im Frühling 2019 den BeJazz Transnational Preis gewonnen haben und so nochmals auf die Bühne durften. Fussyduck bestehen aus Robin Antunes an der Violine ( Frankreich), Guiööaume Guedin am Altosax (Frankreich), Florian Weiss an der Posaune (Schweiz), Leamdro Irarragorri am Piano (Schweiz), Daisy George am Kontrabass (England) und Baptiste Dolt am Schlagzeug (Frakreich). Diese sechs jungen Musiker spielten spannenden Jazz zwischen Contemporary und Free. Die Stücke starteten oft mit Flagelot Tönen, kamen zum Chorus der Melodie Instrumente um dann in einem Solo des einen oder anderen Instruments zu fallen und sich noch im Freejazz als Combo zu bewegen. Überzeugt hat die Rhythmus Sektion vom genialen Schlagzeuger über die hart arbeitende Kontrabassistin umd den Augen zwinkernden (musikalisch) Pianisten. Sehr spannend war die Besetzung, Violine, Altosaxophon und Posaune. Manchmal hätte das Ausnutzen des Sextetts, also mehr Gemeinschaftsimprovisation, dem Konzert noch gut getan.

Fredi Hallauer

ROBERTO BRIGANTE

EP: „La Verita“ (CeDe.ch)

Der aus Italien stammende und seit fast 40 Jahren in der Schweiz lebende Cantautori veröffentlicht mit „La Verita“ sein zehntes Studiowerk (Alben und EP) in 20 Jahren Schweizer Musikszene. Sechs neue Songs und sein letzjähriger Sommerhit „Nui ca lu sule“ sind zu hören. Er huldigt stilmässig den grossen italienischen Cantautori. Mal ist es mehr folkig, dann lässt er es rocken oder zieht den Reggaeton zuhilfe um seine Botschaften über die Wahrheit zu transportieren. Roberto De Luca & Paolo Petrini haben die EP mit viel Umsicht produziert. Die Stimme von Roberto Brigante kommt mit der ganzen Energie und der Natürlichkeit zur Geltung. Der einzige Schwachpunkt dieser EP ist, dass es eben eine EP und kein Album ist, mit mehr Songs.

Fredi Hallauer

WOLFWOLF

Album: „Metamorphosis“ (LuxNoise Records)

Das Obwaldner Duo hat sich für das Album mit vielen Gastmusikern verstärkt. Ja sie kommen so richtig unheimlich daher, aus den finsteren Tälern von Obwalden, wo die Wölfe hausen. Mindestens hat man das Gefühl es sei so. Nein für Depressionen bleibt da nichts übrig. Es ist ein rumpelnder, und rollender Rock’nRoll Zirkus der da tönt. Dem Sänger möchte man anhand seiner Stimme schon nicht im Dunkeln begegnen. Die Musik holt sich die Zugaben aus Blues, Americana, Folk und Sound aus Louisiana. Ja da tönt es auch mal nach Bluegrass. Zu hören sind akustische und elektrische Gitarren, eine jazzige Trompete, ein stampfendes Schlagzeug ein Banjo und Dies und Das. Die WolfWolf sind offenbar auch Dieter Meier begegnet und sie haben zusammen „Fat Fly“ in einer typischen WolfWolf Manier aufgenommen. Genau einzuordnen ist diese Truppe nicht, denn immer wenn man das Gefühl hat, jetzt kann ich den Stil definieren, machen sie eine Metamorphose. All das spielt keine Rolle, denn diese Musik macht definitiv Spass, was will man mehr.

Fredi Hallauer

HANTER DRO

Album: “ Death By Algorythm“

Die Luzerner Post-Hardcore Band zeigt zwei Gesichter, welche nicht immer ganz zueinander passen. Einerseits spielen sie Hardcore, was vor allem durch den „Gesang“ zum Ausdruck kommt, manchmal sogar mit mehrstimmigem „Geschrei“. Das andere Gesicht ist ruhiger und von genialer Gitarre gezeichnet, Ambient Musik. Diese Ambient Teile streuen sie in den Hardcore ein, was sehr erfrischend ist, beim Einsetzen des Gesangs wird die Erfrischung wieder unterbrochen. Die Gegensätze sind krass und die Reibung enorm. Wenn das so gewollt ist, OK. Wer sich dieses Album anhört, muss sich aber um die Gegensätze bewusst sein. Ein sehr spezielles Album.

Fredi Hallauer