TUWAN

Live: Sommerbühne Bierhübeli am 23. Juni 2021

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An diesem Konzert wurde vor der Bühne gestanden und das Publikum tat es diszipliniert in kleinen Gruppen mit gutem Abstand. Respekt vor all den vielen jungen Menschen, welche das so gut machten. Durch dieses Setting kam schon bald etwas wie Festivalstimmung auf. Das Berner Duo Tuwan trat zusammen mit einem hervorragenden Tastenmann und einem ebenso versierten Schlagzeuger auf. Tuwan sang sich durch ihr Repertoire, angefangen mit Liedern zur Liebe, zu Frauen und zu sich selber. Da die Texte viele Wiederholungen hatten, sang das Publikum schon bald mit. Musikalisch schwebten sie zwischen Soul, Funk, und Tropic-Sound, was vor allem durch die Rhythmen und in den Melodien zum Tragen kam. Der Höhepunkt war natürlich ihr heimlicher Hit „Hie bini vo dört und dört bini vo hie“, welches sehr schön auf Rassismus anspielt und die Frage nach der Heimat aufwirft, oder ob es eine Mehrzahl von Heimat gibt. Tuwan überzeugten und hoffentlich hört man bald mehr von dieser aufstrebenden Band.

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Fredi Hallauer

ELLA RONEN

Album: „Motherland“

Ella Ronen lebt nun in Zürich und wurde in Tel Aviv geboren. Sie verbrachte früher einige Jahre in Vevey in der Schweiz, zog wieder nach Israel und jetzt lebt sie mit einer eigenen kleinen Familie in Zürich. Das Thema „Motherland“ oder „I’m not from here“ beschäftigte sie schon länger, sie schrieb auch die Lieder bereits früher, aber sie stimmten nicht wirklich für sie. Nun ist die Zeit gekommen und es stimmt. In Zürich, sagt sie, leben alles Ausländer und somit sind es keine Ausländer mehr. Auch die anderen Lieder erzählen aus dem Leben und Ella Ronen’s Umfeld. Ihre warme ruhige Stimme passt gut zu den Songs. Musikalisch bewegt sie sich zwischen Pop und Jazz. Streichinstrumente sind immer wieder zu hören, ein jazziges Schlagzeug, aber auch Tasteninstrumente. Es ist eher ruhige Musik aber sehr packende. Ella Ronen ist eine Entdeckung.

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FUNKY SUPERSPREADERS

Live: Bierhübeli Sommerbühne am 22. Juli 2021

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An diesem Abend erklang lauter, messerscharfer und heisser Funk auf der Sommerbühne des Bierhübelis. Die jungen Musiker um Gitarrist und Sänger da Luke liessen es richtig schön funken. Dusty D (drums), Raly (piano), Durrer (sax), Dave (trumpet) und ein Ersatzbassist standen auf der Bühne. Alles sind exzellente Musiker und brillierten sowohl mit Soli wie auch im Zusammenspiel. Präzis gespielte Rhythmen, herrlicher Hammond Sound, quirrliges Piano und ausgefallene Gitarrensoli kreisten um die Soli von Trompete und Saxophon. Auch der Bassist glänzte mit einer Soloeinlage. Das bewährte Rezept 98% Funk und 2% Jazz funktionierte auch hier. Der Gesang von da Luke hat noch Luft nach oben, das änderte die Band in der letzten halben Stunde ihres Konzertes, mit dem Gastsänger mit türkischen Wurzeln und schönem Berndeutsch (Name leider nicht genau verstanden). Nach eineinhalb Stunden ging ein grooviges und heisses Konzert zu Ende. Funky Superspreaders sollte man nicht verpassen, wenn sie es irgendwo funken lassen.

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FLORIAN SCHNEIDER

Album: „Hals an Hals & Bein an Bein“ (www.florian-schneider.ch)

Der Baselbieter Sänger, welcher bvekannt ist für seine Mundart Schangsongs, hat elf seiner Mundarlieder ins Deutsche übersetzt und neu aufgenommen. Neben seinem Gesang und der Gitarre sind Roman Bislin am Keyboard und Adam Taubitz and der Violine zu hören. Die Texte stammen teils von Florian Schneider und einer wurde übernommen von H.C.Artmann. Drei Songs hat er adaptiert von Tom Waits und Tom Russell. Aber alle Lieder gab es bereits in Mundart. Diese deutschen Versionen sind gut und sprachlich gelungen, aber trotzdem treffen sie nicht so direkt ins Herz wie die Mundartversionen, zumindestens für uns Schweizer. Für deutschsprachige Menschen ist es sicher ein Topalbum.

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/A\

Album: „/A\ (Hummus Records/Two Gentlemen)

Die Musiker welcher hinter dem triangulären A stecken sind ein Trio, mämlich Emilie Zoé, Nicolas Pittet und Franz Treichler. Wer sind die Drei? Franz Treichler kennt man, als Kopf der Young Gods, Emilie Zoé sollte man als Künstlerin unterdessen kennen, sie ist Sängerin und Gitzarristin und Nicoilas Pittet ist ihr Schlagzeuger, aber er war auch Schlagzeuger bei vielen Musiker der Welt, u..a. bei Lee Scratch Perry’s Ur-Dub. OK, nun ist man gleich schlau wie vorher was die Musik dieses Trios betrifft. Es ist tolle Musik. Da hat es langsame Pink Floyd artige Passagen, dort kommen schwere Gitarren daher oder es tönt etwas nach Maschine, dort sogar nach Folk, oder Psychofolk. Die drei vereehren sich nicht gegenseitig und setzten keine Grenzen und das Resultat ist grossartig, abgestimmt. E,s sind herrliche Klangwelten mit Songstrukturen. Gewisse Songs sind tanzbar. Gesungen wird englisch. Den Gesang teilen sich Emilie Zoé und Franz Treichler. Wenn Franz Treichler singt tönt es etwas unheimlich. Da bleibt einem nur eines übrig, Musik ab und geniessen.

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TRALLAMAMA

Live: Bierhübeli im Gustavs Biergarten am 1. Juli 2021

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Die Openair Konzerte im Bierhübeli mit Dach,starteten am 1. Juli mit Trallamama. Das Berner Trio mit der Sängerin Tanja von Erlach, dem Gitarristen und Sänger Martin Diem und dem Kontrabassisten und Geiger Luc Balmer spielte ein Konzert zwischen Folk und Americana. Die Songs waren entweder traditionel oder stammten von bekannten und unbekannten Singer/Songwritern wie Daniel Lanois oder Tom Waits und einigen mehr. Tanja von Erlach überzeugte mit ihrer starken und schönen Stimme und das Defizit vom Herbst 2020, korrigierte sie Positiv. Sie redete viel weniger zwischen den Liedern. Bei einem Song nahm Tanja von Erlach den Kontrabass zur Hand und spielte ihn recht gut. Martin Diem gefiel vor allem mit seinem Gitarrenspiel, aber auch sein etwas brüchiger Gesang hatte seinen Charme. Seine Stimme passt sehr gut zu der Stimme von Tanja von Erlachs, egal ob Lead oder Harmony. Luc Balmer machte seine Arbeit an Geige und Kontrabass gut, aber gewisse Schwächen waren herauszuhören. Es war ein gemütlicher Abend, schöne Musik, trockenes Wetter und wieder ein Stück zurück in die Normalität.

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PIPPO POLLINA

Live: Openair Kulturhof Schloss Köniz am 30. Juni 2021

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Der Cantautori aus Sizilien und Zürich machte auf seiner fünf Konzert Tour durch die Schweiz im Kulturhof Schloss Köniz halt. Es war ein Openair Konzert, mein drittes im Schloss Köniz (eines letztes Jahr und das zweite dieses Jahr) und was passierte jedesmal, ja, es regnete. Pippo Pollina und sein Begleiter Roberto Petroli waren begeistert, dass soviele Leute da waren und im Regen bis zum Schluss ausharrten, denn in Sizilien verschwinden bei einem solchen Konzert alle Leute nach dem ersten Regentropfen. Die Organisatoren machten das bestens, mit Pellerinen und Papiertücher um die Stühle trocken zu wischen. Also der Regen tat dem Konzert keinen Schaden. Pippo Pollina verstand es das Publikum sofort zu begeistern, mit seinen starken politischen und menschlichen Aus- und Ansagen und seinen wundervollen Liedern. Roberto Petroli steigerte die Musik von Pippo Pollina zu unvergessener Virtuosität mit seinen Saxophonen und der Klarinette. Er zeigte sich auch als grosser Musiker bei den Soli. Das Repertoire umfasste bekanntere Stücke von Pippo Pollina und einigen wenigen bisher erst einmal live gespielten Canzoni und ein paar adaptierte fremde Stücke. Vor der Pause spielte er ein Lied nur mit dem Tambourello auf eine Art, welche er als Kind auf Sizilien bei einem alten Schäfer gelernt hatte. Es war unglaublich, was er aus dem Tambourin herausholte.

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Pippo Pollina gelang es, die Sonne in die Menschen zu bringen, obwohl es bis fast am Schluss regnete. Ein eindrückliches und sehr packendes Konzerterlebnis.

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FRITZ WIDMER – Der Berner Troubadour aus dem Emmental

Buch: Biografie geschrieben von Martin Hauzenberger (Zytglogge Verlag)

Martin Hauzenberger hat eine akribische Biografie über Fritz Widmer geschrieben, aber nicht nur über Fritz Widmer. Da Fritz Widmer so vielseitig war gibt es hier auch sehr viel über die Geschichte der Berner Troubadouren, der Berner Liedermacher, der Schweizerischen Liedermacher, der Folkszene, aber auch der Mundartschriftsteller und vielem mehr zu lesen. Fritz Widmer wurde am 5. Februar in Kirchberg geboren und so sind die Schilderungen seiner Kinder- und Jugendzeit auf dem Lande soweit zurück, dass sich nicht so viele Menschen an die Art des damaligen Lebens vorstellen können. Die Schilderungen basieren auf Aussagen von Verwandten und aus Briefen, welche Fritz seinem Enkel schrieb. Der Weg vom Bauernbub ins Gymnasium ist beschrieben, die Entdeckung der Musik, das Studium und der Militärdienst sowie das Lehrersein. Dann begannen die musikalischen Schritte zum Liedersänger. Spannend ist, dass Fritz Widmer mit drei Kollegen 1963 als Schnitzelbanksänger auftraten und den Wettbewerb gewannen. Es folgen die Geschichte der Troubadouren und später seine lockere Verbindung dazu, aber auch das Konkurrenzverhalten der Berner Kleintheater untereinander. So geht es immer weiter bis zu seiner Erkrankung und dem Tod im Jahre 2010. Es sind nicht nur die guten Seiten von Fritz Widmer erwähnt, sondern auch dort wo er aneckte bei Anderen oder wo er mit sich selber haderte. Fritz Widmer war so vielseitig und wollte soviele Sachen machen. Am Ende seines Lebens versuchte er es noch mit einem Mundartlibretto zu einer Mozart Oper. Da Martin Hauzenberger selber Liedermacher ist und bei den Berner Chansonniers sang ab den 70iger Jahren und die Folk- und Liedermacherszene selber erlebte, merkt man dass er sehr viel sehr gut kennt. Er erzählt von seinen Kollegen und Kolleginnen und vergisst auch Leute wie Hansruedi Egli, Urs Hostettler, Ärnschd Born oder Walter Lietha nicht. Dieses Buch ist sehr detailliert und immer noch sehr spannend zu lesen. Humor und Tragik finden ihren Platz. Die 230 Seiten sind mit Texten aus Liedern und Büchern aufgelockert, Fotos gibt es und direkte Texte von Familienangehörigen, Freund*innen und Kolleg*innen. Ein Buch das eine Epoche der Kultur erzählt und einem einen vielseitigen und spannenden Fritz Widmer näher bringt.

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PAT BURGENER

EP: „California Sun“ (Irascible)

Pat Burgener veröffentlicht seine vierte EP. Diesmal ist es sommerlich leichter Folkpop mit schöner akustischer Gitarre, Tambourin, Mundharmonika plus natürlich auch Schlagzeug und Bass. Er singt von Californien, von Amerika und man hat das Gefühl er wartet auf die perfekte Surfwelle. Wunderbar entspannte Songs kommen ihm dabei in den Sinn. Ein lockerer Sommer steht uns mitden vier Songs von Pat Burgeners EP bevor.

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ORCHESTER DIVERTIMENTO feat. MATTHIAS WENGER

Live im Kulturhof Köniz am 25. Juni 2021 21 Uhr

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Das knapp 30köpfige Streichorchester Divertimento eröffnete den Abend mit einer fünfsätzigen Suite von Johann Sebastian Bach. Die Leitung hatte Cliodhna Ni Adoain. Bei der Ouvertüre und dem Air spielte das Orchester etwas zögerlich und verhalten, bei den drei Tanz-Sätzen kam es langsam auf Betriebstemperatur. Dann kam ein Bläserquintett dazu und ein Jazztrio, bestehend aus Jeremias Keller am Elektrobass, Christoph Steiner am Schlagzeug und Perkussion und Matthias Wenger mit Altsaxophon, Sopransaxophon und Tubax. Gemeinsam spielten sie ein Werk von Matthias Wenger, dass er für diese Musiker*innen geschrieben hatte. Es schilderte den Motor der Natur, die Kraft des Sonnenaufgangs, die Gravidität und den Menschen im Hamsterrad. Sofort spielten die Streicher*innen mit Feuer, Bass und Schlagzeug trieben die Musik voran und das Saxophon zelebrierte die Energie. Tutti Teile, Soli und Jazztrio wechselten sich ab. Es war eine fantastische Komposition und die Klangfarben der Instrumente perfekt eingesetzt. Es folgte ein weiteres Stück von Matthias Wenger, mit den Sätzen, Rain – Wood – Air und es führte zurück zum Air von Bach aus der ersten Suite, diesmal jazziger. Als Zugabe spielten sie noch eine grosse Improvisation. Alle brillierten, die Dirigentin bewies Mut und wurde mit einer einzigartigem Leistung aller Beteiligten belohnt. Matthias Wenger zeigte, dass er nicht nur ein brillanter Musiker ist sondern auch ein hervorragender Komponist.

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