KÄNZIG & KÄNZIG QUARTET

Live: Wohnstubenkonzert im Bierhübeli am 25. September 2020

Känzig & Känzig, das ist Anna Känzig (Gesang) und Heiri Känzig (Kontrabass) und dazu ein hervorragender Pianist und ein Schlagzeuger. Anna Känzig ist die Sängerin die man eher vom Pop her kennt und Heiri Känzig ist ihr Onkel, ein international bekannter Jazz Kontrabassist. So durfte man auf diesen Abend gespannt sein. Das Quartett ist seit etwas mehr als einem Jahr unterwegs, spielte aber zum Letztenmal am Abend vom Lockdown. Gleich von Anfang an hörte man, dass es hier um grossartige Jazzmusiker geht. Der Pianist liess die Töne nur so perlen und der Schlagzeuger liess die Becken und Trommeln tanzen. Heiri Känzig wirbelte fast die Saiten der Bassgeige durcheinander und dazu sang Anna Känzig mit ihrer warmen und ruhigen Stimme. Alle Musiker kamen immer wieder zu ausgedehnten Soli. Dazwischen spielten Anna und Heiri Känzig Songs nur mit Kontrabass und Gesang, so wie sie einmal begonnen hatten. Am Anfang liessen sie Jazzstandards aufleben, aber eigenständig interpretiert und mehr und mehr kamen eigene Stücke dazu, meist von Heiri Känzig vor langer Zeit geschrieben, aber nie gespielt und nun schrieb Anna Känzig Texte dazu. Bis zum Schluss wurde es sogar ziemlich popig, aber immer noch mit den grossen Fähigkeiten der Musiker. Ein grossartiger Abend fand mit dem Song „Summers End“ ein Ende und der Sommer wohl auch.

Fredi Hallauer

QUIET ISLAND

EP: „Solid“ (Red Brick Chapel)

Das Genfer Quartett bestehend aus einer Musikerin und drei Musikern haben trotz der männlichen Mehrzahl ein musikalisches Gleichgewicht. Sehr stark sind ihre Harmony Gesänge, welche nach Crosby, Still, nash & Young tönen. Auch musikalisch sind die Vorbilder nicht zu überhören. Es ist oft eine Prise Rock oder ein Schuss Jazz in diesen Folk gemischt, was die ganze EP sehr interessant macht. „Solid“ empfiehlt sich für Menschen, welche Neugierig sind und gerne klanglich schöne Musik haben, ohne in Romantik zu versinken.

Fredi Hallauer

YELLO

Album: „Point“ (Universal Music)

Yello sind zurück und zwar so stark wie fast immer. Es ist immer noch dieser Stakkato Elektropop mit vielen tollen Einfällen welcher einem verblüfft. Schon der Start des Albums mit „Waba Duba“ ist stark und mitreissend. Faszinierend sind die Sounds und Ideen bei „Out Of Sight“. Sie erzählen viele Geschichten, machen einem unruhige Beine und lassen einem Tanzen und das immer mit intelligenter Popmusik. Obwohl da keine handgemachte Musik zu hören ist, spielen sie ihren Sound so gut, dass es nie nach gebastelt klingt. Da gibt es nur eines, Yello Album abspielen, tanzen und zuhören.

Fredi Hallauer

TRALLAMAMMA

Live: Im Bierhübeli feat. Michel Poffet am 22.September 2020

Bild Fredi Hallauer

Das Berner Trio bestehend aus der Sängerin Tanja von Erlach, dem Gitarristen und Sänger Tinu Diem und dem Geiger Luc Balmer hatten ihren grossen Auftritt im Bierhübeli. Mit dabei war als Gast der Kontrabassist Michel Poffet, welcher sehr viel Boden in die Musik brachte, aber auch mit Spielwitz und hoher Musikalität überzeugte. Tinu Diem brillierte ebenfalls mit der akustischen Gitarre, ganz spannend war das Zusammenspiel von ihm mit Michel Poffet. Die Geige kam in der ersten Hälfte etwas kurz, Luc Balmer war auch etwas zaghaft, im zweiten Teil aber drehte er auf und unterstrich die Gesangsstimmen, spielte aber auch einige Soli. Tinu Diem überzeugte auch gesanglich, sei es als Leadsänger und als Harmony Stimme zusammen mit Tanja von Erlach. Sie sang hervorragend, ebenfalls Lead und Harmony und konnte ihre schöne und berührende Stimme sehr vielseitig einsetzen. Was sie leider nicht so gut machte, waren die Ansagen. Sie redete zuviel und nicht gerade gescheites, auch war es nicht lustig. Ihr Bühnenverhalten war auch etwas affektiert, was nicht zu der Musik passte. Hier gibt es noch Möglichkeiten zur Verbesserung. Musikalisch war es wunderschöner Folk, Americana, Singer/Songwriter Songs, Gospel, Country, Acadienne und sogar Jazz, mit „Automn Leaves“. Alles interpretierten sie auf ihre erfrischende und schöne Art. Trallamamma ist ein Trio oder hoffentlich bald ein Quartett mit Michel Poffet, welches man auf dem Radar behalten muss.

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Fredi Hallauer

SOPHIE HUNGER

Album: „Halluzinationen“ (Caroline International/Universal Music)

Sophie Hunger ist Album mässig nach zwei Jahren zurück, aber auch sonst ist sie zurück. Die Synthies spielen immer noch eine dominante Rolle in ihrer Musik, aber keine ausschliessliche mehr und dann sind die Synthies und Drummachines gezielter eingesetzt und verbreiten die Wärme, welche zu Sophies Hunger Stimme passt. Sie singt auch nicht ausschliesslich englisch, sondern auch Deutsch. Ihre Texte erzählen aus dem Leben, aber ein bisschen kryptisch, so dass jeder Mensch heruashören oder hineininterpretieren kann was er will. „Halluzinationen“ ist ein sehr stimmungsvolles Album mit Tiefgang. Wiederum eine Glanzleistung von Sophie Hunger.

Fredi Hallauer

DENISE DONATSCH

Album: „Alter Ego“ (iGroove)

Denise Donatsch, Sängerin, Philosophin präsentiert ihr Album Nummer zwei. sie schreibt und singt ihre Lieder in Mundart. die Texte beziehen sich auf Ereignisse in ungünstigen Momenten und meist in Bezug auf Beziehungen zwischen Menschen. Ihre Stimme ist nicht die stärkste und auch nicht sehr präsent hörbar, was dem ganzen Album nicht zugute kommt. Die Musik ist sehr schön, leicht jazzig. Denise Donatsch ist ein schönes Album gelungen, aber man muss es nicht zwingend gehört haben.

Fredi Hallauer

JASMIN ALBASHI

Album: „Gold“ (Irascible)

Die in Basel lebende Musikerin, Tochter eines palästinensichen Flüchtlings, der in Jordanien aufwuchs und einer Schweizerin suchte ihre Wurzeln. Nach Reisen und Projekten in Palästina entstand dieses persönliche Album. Musikalisch ist es Elektropop, aber dies ist nur ein Transportmittel ihres Gesangs und ihrer Texte. Der Gesang ist dominant und im Zentrum. Mittels Loop schaukelt sie ihre Stimme zu ganzen Chören empor. Sie singt von der Liebe zum Land, von innerem Kampf und Versöhnung oder im Gedenken an ihre Grosseltern, welche in ihre Heimat zurückkehren durften. Es ist ein sehr stimmungsvolles Album mit der warmen, dunklen Stimme von Jasmin Albashi und dazu kommt, dass diese Musik auch tanzbar ist.

Fredi Hallauer

STILLER HAS

Live: „Abschiedstour“ im Bierhübeli am 19.September 2020

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Man durfte gespannt sein, wie sich Endo Anaconda und seine Band präsentieren auf ihrer Abschiedstour. Ja sie überraschten auch die Skeptiker, sie waren so gut wie noch nie. Allen voran Endo Anaconda, er tanzte und bewegte sich, er hatte genug Atem und machte einen recht gesunden Eindruck, was ihm auch den Witz und die Freude am Auftreten ermöglichte. Die Band besteht aus  Boris Klečić – Akustische & Elektrische Gitarren, Mandoline, Banjo, Bass; Roman Wyss – Klavier, Orgel, Posaune und Bruno Dietrich – Schlagzeug, Perkussion, Bass, Handorgel. Boris Klečić mit seinen Saiteninstrumenten löste Begeisterungsstürme aus und Bruno Dietrich legte mit seinen Instrumenten so einen schönen Teppich aus, dass das Klavier und vor allem die Orgel von Roman Wyss, nur selten unangenehm werden konnte. Das Repertoire umfasste die ganze zeit von Stiller Has, von „Feissi Meitli“, über Wallisellen bis zum neuen Album. Die östereichischen Lieder lies er weg und auch sonst war es kein Best Of, sondern ein sehr gutes Konzert. die Zwischentexte von Endo Anaconda waren kritisch und witzig. Er sagte u.a. „Es passiert, dass die eigene Pulsfrequenz fünfmal höher ist als das Alter der Dame mit der man abgemacht hat“. Fazit: Es ist eigentlich schade, dass Stiller Has sich gerade jetzt verabschidet, wo sie live so grossartig sind.

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Fredi Hallauer

NICOLE BERNEGGER

Live im Gustavs Biergarten, Bierhübeli Bern am 17. September 2020

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Es war einfach grossartig was Nicole Bernegger und ihre dreiköpfige Band abgeliefert haben an diesem Abend. an diesem milden, leicht windigen Sommerabend im Garten des Bierhübelis auf kleiner Bühne, traten Nicole Bernegger, ein Bassist, ein Schlagzeuger und ein Gitarrist auf. Alle Musiker gehören zu der Creme de la Creme. der Schlagzeuger gab den Beat an und das Tempo, der Bassist musizierte mit seinem Tieftöner und jagte stellenweise die Band in das Tempo, der Gitarrist begnügte sich oft mit dem Rhathmus um immer wieder in solistische einwürfe, Breaks und ausgewachsene Soli, welche sich gewaschen hatten auszubrechen. Bass und Schlagzeug bekamen ebenfalls zeit für ihre Soli. Nicole Bernegger war gut bei Stimme und Laune und duellierte sich manchmal mit ihrer Stimme und den Instrumenten. Ihr Repertoire umfasstedie letzten jahre mit einigen Songs aus dem letzten Album und einem ganz neuen Song als Zugabe. Sie schaffte es, nicht nur mit Soul zu begeistern, sondern bewegte sich auch im Reggae, Blues und Pop. Das war ein Konzertabend, wie man ihn nicht so oft erlebt, so guuuut.

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Fredi Hallauer

TRYBGUET

Album: „So Wyt So Guet“ (6003 Records)

Trybguet ist eine neue Band mit Padi Bernhard (ex Mash) und Musikern aus verschiedenen Bands wie Lockstoff oder Rocktail. Dieses Debütalbum hat die Band selber produziert und in Nashville abmischen lassen. Dies sagt auch schon etwas über den Sound aus, er ist ganz klar amerikanisch geprägt, mit einem Schuss Countryrock. Padi Bernhard schrieb die Songs, mit einer Ausnahme. Der Coversong stammt von Polo Hofer und Marianna Polistena und ist „Wiene Falter zum Füür“ eine fast vergessene Perle aus den Zeiten von Schmetterding. Als letztes haben Trybguet noch den Mash Hit „Ewigi Liäbi“ aufgenommen, welcher mir in der Mash Version, besser gefällt. Der Sound von Trybguet ist sehr erfrischend, gerade heraus rockig und gewinnt durch die Sängerin Sarah Heer, welche nicht nur Background singt, sondern auch Harmony und Lead, sowie Duett. Die Lieder erzählen von der Liebe, von früher und zu Hause sein. Meine Favoriten sind „Soundtrack“, wo vom Soundtrack des Lebens oder den Songs welche alte Erinnerungen wecken, die Rede ist. Der zweite Favorit ist „Det woni aneghör“ eine wunderschöne Ballade. Dieses Album stieg nicht vergeblich hoch in die Charts ein, Trybguet haben das verdient und man darf offenbar auf mehr gespannt sein.

Fredi Hallauer