HEIRI KÄNZIG

Album: „Travelin‘ “ (Universal)

Heiri Känzig ist wohl einer der renommiertesten Jazzbassisten. Er spielte mit jenen Jazzgrössen und zählt zu den Mitbegründern des Vienna Art Orchestras. Nun ist ein Album unter seinem Namen erschienen mit neun genialen Eigenkompositionen und einer Adaption des Volksliedes „Wenn min Schatz go fuetere goht“. Seine Band besteht aus Veronika Stalder (Stimme), Matthieu Michel ((Flügelhorn), Amine Maaiwi (Oud), Marc Méan (Piano), Lionel Friedli (Schlagzeug) und Heiri Känzig am Bass. Hier wird wirklich musikalisch gereist. Das titelstück entführt uns in orientalische Gefilde, später gehts nach Mombasa, mit den Delphinen wir getanzt oder man reist in eine andere Welt. Die Musik bringt ein beschwingtes Kopfkino in gang. Die Musik ist klar Jazz, häufig vom BeBop geprägt aber dann mit viel World und Ethno Jazz verändert. Alle Musiker spielen sehr viruos und filigran. Das Klavier ist perlend, melodiös, die Oud hält bei allen Stilen mit und bringt immer wieder orientalische Akzente mit ein. Das Flügelhorn bringt einem mit dem warmen melancholischem Ton zum Träumen, Das Schlagzeug pulsiert mal lauter mal leiser aber immer faszinierend und der Bass soliert mal melodiös und dann jagt er mit dem Schlagzeug zusammen wieder den Puls hoch. Es bleibt noch die Sängerin, welche ihre Stimme einfach als wunderschön klingendes Instrument einsetzt und nur beim erwähnten Volkslied Worte singt. Sie macht das wunderbar und sehr vielseitig. Auch das ist Musik die man sich anhören muss, wenn plötzlich Oud und Bass den Puls geben und Flügelhorn und Stimme fast unisono darüber fantasieren und noch viel mehr dass hier passiert. Hören, geniessen und sich überraschen lassen.

Fredi Hallauer

THE LEGENDARY LIGHTNESS

Album: „Bis doch froh“ (Sailing For Peace Records/Irascible)

Die Band kommt aus Zürich und hat bereits mehrere Alben veröffentlicht, bisher alle englisch gesungen. Nun hat der Texter und Sänger die Sprache auf Dialekt umgestellt, da er so seine Beobachtungen besser ausdrücken kann. Genau das tut er auch. „I dä Gsichter vo dä Lüt“ beschreibt er die Menschen in der Stadt Zürich, mit aufgespritzten Lippen und Handys und einigem mehr. Er beschreibt das so treffend, dass man sich die Szenen direkt vorstellen kann. Aber auch in den anderen Liedern trifft er es genau, sei es die Ängste an einem Familientreffen oder was er auch immer besingt. Die Band macht die Musik tanzbar ohne viel Lärm, aber mit einem lockeren Beat und prägnanter Gitarre. The Legendary Lightness haben das Mundafrtlied auf eine neue Ebene gebracht und sie sind stilmässig sehr eigenständig. Gefällt sehr gut.

Fredi Hallauer

SULP

Album: „Tohuwabohu“ (Zytglogge Verlag)

SULP kommen aus Basel und sind ein Trio. SULP heisst Swiss Urban Ländler Passion. Das Trio besteht aus Matthias Gubler mit seinem Tenor- und Sopransaxophon, Simon Dettwiler am Schwyzerörgeli und Hannes Fankhauser am Bass, Tuba und am Alphorn. Mit diesem kleinen und nicht elektronischen Instrumentarium machen die drei Musik welche sich gewaschen hat. Alles ist immer ganz schön transparent. Hier ein Lob an Dänu Extrem, welcher für die Aufnahmen und den Mix verantwortlich zeichnet. Egal was die drei spielen, es klingt immer gut. Leicht schräg, aber noch für alle bekömmlich, da ein Schuss Jazz oder sogar ein bisschen Pop. Neben traditionellen Stücken aus dem Bündnerland und dem Tessin spielen sie viele Eigenkompositionen, etwas von Kasi Geisser oder von Jean.Philippe Rameau und „Love Me Do“ von den Beatles. Schon diese Auflistung zeigt, für SULP ist alles möglich. Als Basler Trio haben sie sich als letztes Stück noch klassischen Fasnachtsmärschen angenommen, nämlich dem Altfrangg und dem Saggodo, aber auch die tönen wie SULP tönt, einfach die Melodien sind bestehend. SULP zeigt mit diesem Album, dass Ländler Musik auch ganz anders klingen kann und bei einem Publikum Begeisterung auslösen kann, welches sonst keine Ländler Musik hört. Dies ist wiederum ein Album für meine persönliche Jahresbestenliste.

Fredi Hallauer

SAM HIMSELF

Album: „Power Ballads“ (Taxi Gauche Records)

Der Basler mit der Wahlheimat New York hat in Basel begonnen dieses Album aufzunehmen und es in New York fertiggestellt. Der selbsternannte „Fondue Bariton“, beeindruckt mit seiner Stimme. Er schafft es auch höhere Lagen zu meistern. Das Album ist einfach, ja fast spartanisch instrumentiert mit Synthesizer, etwas Drums und ein paar wenige Instrumente. Sie unterstützen den Gesang von Sam Himself, geben aber seiner Stimme den ganzen Klangraum, dekcen nichts zu und verdrängen ihn auch nicht. Es ist eine super Produktion. Sam Himself setzt sich in seinen Songs mit den Quellen und Auswirkungen von Macht auseinander. Wunderschönes schlichts Album.

Fredi Hallauer

BITCH QUEENS

Album: „Custom Dystopia“ (Lux Noise)

Die Punkrocker von Bitch Queens sind älter und auch reifer geworden. Was ja einerseits wünschenswert und gut ist, andererseits etwas von ihrem ungestümen Charakter gezähmt hat, was eher schade ist. Man muss mich richtig verstehen, die Post geht immer noch ab und oft ist das wilde und ungestüme noch vorhanden. Die Songs sind etwas melodiöser geworden und manchmal leicht poppig, das ist das was ich meine. Aber die Hooklines sind da, und es kracht oft in der Bude. Man merkt auch dass sie älter geworden sind, denn sie machen sich über sie selber lustig und das ganze Album ist eigentlich eine spassige Angelegenheit. Wer es punkrockig mag ist wie immer bei den Bitch Queens bestens bedient.

Fredi Hallauer

LAPCAT

Album: „Till We Meet Again“ (Mouthwatering Records)

Lapcat sind bei ihrem vierten Studio Album angelangt. Sie spielen den gepflegten Pop mit Elementen aus allen möglichen Musikstilen. Das Songwriting ist sicher ein wichtiger Teil, aber die Musik unterstützt dann die gesungenen Bilder tatkräftig. Mal ist es ein holpriger Beat und auch die anderen Instrumenten streuen Sand ins Getriebe. Dort ist es dann plötzlich Artrock oder auch etwas TripHop. Inhaltlich geht es ums Abschied nehmen, für immer oder eben „Till We Meet Again“. Hoffnungsvolle Musik ohne irgendwo überschwenglich zu sein. Die zärtliche Frauenstimme klingt klar und deutlich und streichelt einem die Trommelfelle. Lapcat haben wirklich etwas von einer Katze, sie sind unberechenbar, aber lieb, kuschelig aber auch ein bisschen kratzig wenn man nicht aufpasst und sie halten einem beim Zuhören auf Trab.

Fredi Hallauer

THE WOODGIES

Album: „Holding Hands“ (Escudero Records)

The Woodgies kommen aus Genf. Es sind zwei Schwestern , welche in der Schweiz geboren sind und irische Wurzeln haben. Sie singen die schönsten Harmonien zusammen seit Simon & Garfunkel, welches auch ihr grösster Einfluss ist. Neben dem wunderschönen Gesang spielen beide auch die akustische Gitarre. Musiker an Piano/Keyboards, elektrischer und akustischer Gitarre und Ukulele, Schlagzeug, Bass und Streicher unterstützen Hannah Leah & Meghan Woodger. Diese Klänge sind wirklich alle sehr schön, ruhig, harmonisch und ziemlich spannungsfrei. Musik zum Geniessen. wer Simon & Garfunkel mag, wird auch von The Woodgies begeistert sein, hier einfach mit Frauenstimmen.

Fredi Hallauer

DALAI PUMA

Album: „OK Ciao Kakao (Red Brick Chapel)

Das Zürcher Trio spielt einen Art Indie Pop, aber alles ist so schräg und queer, dass vielleicht ihr Begriff Rhabarber Pop besser passt. Es singen alle drei, mal Deutsch, mal Englisch und andere Sprachen werden auch noch ab und zu eingeflochten. Sie spielen mit den Worten und verdrehen so ziemlich alles und trotzdem versteht man, was sie meinen. Die Texte haben Aussagen, vielleicht nicht gleich erkennbar aber mit ein bisschen Nachdenken, sollten Alle verstehen was gemeint sein könnte. Die Frauenstimme und die zwei Männerstimmen sorgen für viel Abwechslung, da sie auch im Wechselgesang singen und sprechen wie im HipHop. Musikalisch ist das Album schlicht gehalten. Schlagzeug, Bass und Gitarre plus ein paar Gimmicks Töne. Stark ist der Beat vom Schlagzeug und vom Bass und witzig die Gitarre. Mit Dalai Puma taucht eine erfrischende, freche und schräge Band in der Schweizer Musikszene auf.

Fredi Hallauer

HEIMWEH

Album: „Gold“ (Hitmill Records)

Heimweh braucht man nicht mehr vorzustellen u nd ihren Stil auch nicht. Auf dem aktuellen Album singen sie ihre Hits und ihre Erfolge. Dazu kommen fünf neue Lieder. Leider ist es im Booklet nicht angegeben, welche Lieder neu sind und man muss es heraustüfteln. Hier sei es verraten, es sind die letzten fünf. Francine Jordi ist der einzige Gast, sonst ist es Heimweh pur. Ob die älteren Lieder neu aufgenommen wurden, oder nicht, erfährt man ebenfalls nicht. Ist ja egal, einfach hören und geniessen. Heimweh ist Heimweh und das bleibt „ärdeschön“.

Fredi Hallauer

NOTI

Album: „Take 01“ (Radicalis)

Noti der Produzent und Gitarrist, welcher hinter vielen Musiker*innen steht, ist nun vorne. Einige Musiker*innen sind als Gäste zu hören, so Anna Rossinelli, Caroline Alves, Sam Himself und im Backing Vocals hört man Annie Goodchild. Entstanden sind relaxte Stücke und Songs, welche ekletisch sind, und doch zueinander passen. Notis akustische und elektrische Gitarren bilden den roten Faden ohne dass dieses Album ein Gitarrenalbum geworden ist. Texturen des Basler Symphonieorchesters sind wingewoben und noch viel mehr ist auszumachen. Ruhige, entspannte und interessante Musik ist das Resultat. Diese Klänge muss man hören und kann sie nicht einfach beschreiben,

Fredi Hallauer