ELISCHEWA

LIVE: „Aus dem Licht entstanden“ Kirche Bolligen am 16. Mai 2021

Die Sängerin Elischewa Dreyfus konnte endlich mit ihrem Projekt zusammen mit der Harfenistin Amélie Berner und dem Akkordeonisten Uda Auch auftreten. Sie selber spielte noch das Monochord. Sie spielten eigentlich kein Konzert, sondern boten ein Klangerlebnis, eine Klangreise an. „Aus dem Licht entstanden“ ist ein universelles Gebet, ein etwa einstündiger Zyklus mit Elementen aus der europäischen klassischen Musik, der traditionellen jüdischen Musik und hinduistischen Sanskrit Tradition. Von den klassischen Musikern gibt es u.a. Teile von J.S. Bach, von W.A. Mozart und von Hildegard von Bingen. Im Zentrum stand die berührende Stimme von Elischewa. Sie tönte in den obersten Höhen sehr kraftvoll und in den recht tiefen Lagen immer noch stark genug. Elischewa konnte sehr viel verschiedene Facetten aus ihrer Stimme herausholen und dies machte diese Klangreise so speziell. Die Musik war ziemlich schlicht, aber die Stimme füllte den Raum und zog einemin ihren Bann. Die Texte und Inhalte der verschiedenen Teile gab es als Broschüre zum Nachlesen, aber es war schöner sich diesen Klängen zu widmen und die Texte zuhause zu lesen. Elischewa versteht es ihr Anliegen zu transportieren, ohne dass man ein Wort verstehen muss. Grossartig.

Fredi Hallauer

ANDRYY

Live: Malandryy Tour im Bierhübeli Bern am 15. Mai 2021 um 19.30 Uhr

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Der junge Musiker bekam die Chance auf seiner Garten- und Terassentour im Bierhübeli vor einem kleinen Publikum aufzutreten. Er war gleich sympathisch mit seinem Mundartpop. Ganz alleine mit seinen drei Gitarren und einem Synthesizer hatte er alle Hände voll zu tun. Er macht Elektropop Mundart Pop. Sein Gitarrenspiel kann auch etwas rockig sein. Er spielte sich durch sein Repertoir von rund 40 Minuten und spielte dann noch zwei Songs nochmals in einer akustischen Version plus einen neuen Song. Andryy artikuliert nicht deutlich, oder nicht deutlich genug, damit man seine Texte auf Anhieb versteht, zumindest wenn er noch in einem anderen Dialekt singt als das lokale Publikum spricht. Ansonsten ein gelungener Abend mit einem Musiker, welcher die Zukunft noch vor sich hat.

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Fredi Hallauer

STEFANIE HEINZMANN

Album: „Labyrinth“ (BMG Right Management/Phonag)

Nachdem sie auf dem letzten Album die Liebe, auch zu sich selber, besungen hat, geht es diesmal um Irrungen und Wirrungen. Stefanie Heinzmann singt von Allem was einem leichjt fällt und von den Schwierigkeiten. Von der Unzufriedenheit mit sich selber und das dies OK ist. Sie tut das auf zehn Songs. Es ist Popmusik, dem Elektropop zuzuordnen, aber ziemlich knackig. Musikalisch auf ein Minimum reduziert, vorwiegend Beats und ein bisschen Harmonieunterstützung. So kommt die fantastische Stimme von Stefanie Heinzmann sehr gut zur Geltung. Die Songs klingen nicht nur in den Ohren nach, sie fahren auch direkt in die Beine und man kann sich schon auf die nächsten Stefanie Heinzmann Auftritte freuen wenn man wieder vor der Bühne tanzen darf. Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es, manchmal nähert sich Stefanie Heinzmann gefährlich nahe dem Schreien statt singen. Sie umschifft es immer noch knapp, aber mehr darf es nicht werden. „Labyrinth“ ist ein gutes tanzbares Popalbum.

Fredi Hallauer

THE NEXT MOVEMENT

LIVE: Im Mühligarte Mühle Hunziken am 14. Mai 2021

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Bei misslichem Wetter, kühl und immer wieder Regen, war der Mühligarten ausverkauft. Auf die Bühne traten die gutgelaunten The Next Movement, ein Trio. Der Leadsänger J.J. Flück, der Bassist und Synthie Mann Pascal P. Käser und der Gitarrist Sam Siegenthaler haben sich in besondere Kleidungsstücke gestürzt und heizten sofort mit ihrem Groove, Funk Soul ein. Am Anfang hatte es etwas zäh beim Publikum die richtige Stimmung zu erzeugen, es lag aber nicht an der Band, sondern auch an den Umständen dass man sitzen bleiben musste und bald in einer Hand den Regenschirm hielt, was das Mitklatschen schwierig machte. Doch langsam groovte man sich ein und die Stimmung stieg. Sie grooven herrlich und funken so richtig. Der Gitarrist spielte die unterschiedlichsten brillanten Soli und der Drummer und Sänger sorgte für Stimmung. So präsentierte er einen David Copperdale Trick, er verband dem Bassisten und dem Gitarristen die Augen und nur das Schlagzeug zeigte wie gegroovt wurde.

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Es gelang und erst noch brillant. Ein toller Abend mit endlich mal wieder lauter und guter Musik.

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Fredi Hallauer

SINPLUS

Album: „Break The Rules“ (Kobalt/Awal)

Die beiden Tessiner Brüder haben ein richtiges Rock’n’Roll Album veröffentlicht. Der Sound ordnet sich zwischen Rock und New Wave ein und liegt irgendwo im Rock der 80iger und 90iger Jahre. Mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Stimme ist genau das was es braucht und natürlich viel Leidenschaft. All dies haben Sinplus. Sie singen englisch und erzählen vom Rock’n’Roll Leben von Leidenschaft und sonstiges aus dem positiven Leben. Sinplus erfinden die Rockmusik nicht neu, machen sie aber lebendig. Viel gibt es dazu gar nicht zu schreiben. Schwachpunkte gibt es keine, darum einfach abspielen und geniessen.

Fredi Hallauer

NICOLE JOHÄNNTGEN mit HENRY

LIVE: Albumreleasetour „Henry III“ im Be Jazz am 13. Mai 2021

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Die deutsche Musikerin (Altosaxophon) mit auch noch französischen Wurzeln und seit 16 Jahren in der Schweiz stellte sich in New Orleans eine Band zusammen aus einem Sousaphonspieler, einem Posaunisten und einem Schlagzeuger und nannte sie Henry. Nun ist das dritte Album dieser Formation erschienen und die Releastour läuft. Wegen Corona sind die Reisen auch für Amerikaner etwas schwierig bis unmöglich. Nicole Johänntgen hat aber auch für andere Situationen noch eine Schweizer Version von Henry. And diesem Abend standen nun eine Mischung aus beiden Bands auf der Bühne, nämlich der geimpfte Amerikaner Steven Glenn am Susaphon (hat sich einen Flug ergattert) und die Schweizer Pius Baschnagel am Schlagzeug und Lukas Wyss an der Posaune und selbstverständlich Nicole Johänntgen am Altosaxophon. Sie kündigten es am Anfang gleich an, ganz ernst nehmen sie sich selber nicht. So starteten sie mit Tönen, instrumentalen Zwiegesprächen, Witzen, Spässe und was alles dazu gehört um dann plötzlich in den new Orleans geprägten Offbeat zu fallen und richtig loszulegen. Alle hatten immer genügend Platz für Soli und sogar für lange Soli, insbesondere auch der Sousaphonist und der Schlagzeuger. Manchmal spielten gerade die beiden sozusagen ein Duett. Die Stücke waren jazzig, funky, aber auch wieder ruhiger und getragen. Überraschungen gab es viele musikalische und eine personelle, denn Nicole Johänntgen lud noch einen zweiten Susaphonisten auf die Bühne ein, es war Victor Hege, einen Franzosen, welcher in Basel lebt. Was diese beiden Tiefbläser boten übertraf alles von Qualität und Spielwitz.

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Alle Musiker und die Musikerin überzeugten voll und ganz. Der Schlagzeuger begeisterte mit seinen wahnsinns Soli, nicht im Sinne von Gehämmer und Mätzlis sondern im Sinne der Musikalität und dem Rhythmus. Der Posaunist und die Altosaxophonistin verblüfften mit ganz leisen Tönen, Lufttönen und mit ihren rhytmischen Mustern. In einem Stück spielten sie eigentlich fast ausschliesslich Rhythmus und das Susaphon übernahm die Themen und die Melodie. Verblüffend waren auch immer wieder die wohlklingenden Harmoniewechsel. Es war wiederum ein grandioses Konzert.

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Fredi Hallauer

THE SOULS

Album: „Queenie Pop“

Das Sextett aus Thun spielt auf ihrem Album Queenie Pop, gepflegten, ziemlich rockigen Poprock. Die Songs brillieren durch das Songwriting und manchmal hat man das Gefühl, das ist der perfekte Poprock Song. Als zweites fällt der Gesang auf. Die hohe, klare Stimme glänzt und glitzert über den Instrumenten. Das Schlagzeug macht das ziemlich rockige aus und das Keyboard prögt die Songs zu grossen Songs mit herrlichen Bögen. Der Bass pumpt und funkt und die Gitarren machen alles noch perfekt. Die Songs sind unterschiedlich und Langeweile kommt bei diesem Album nie auf. Darum Album abspielen und lostanzen und geniessen. Ein tolles Album.

Fredi Hallauer

PRIX GARANTI

Album: „Nüt isch guet u aus isch scheisse“ (Nullklultur Records)

Prix Garanti, das Billiglabel von Coop ist auch Programm für die fünfköpfige Band. Was sie machen ist nicht alles schlecht aber alles ziemlich billig. Mundart Elektropop, Underground Mundartsongs wären vielleicht Bezeichnungen des Musikstils. Das Album ist nicht durchwegs tanzbar. Apropos Album, es sind fünf Lieder plus Intro und Outro, Dauer 23 Minuten, schon das ist für ein Album billig. Der Gesang oder eher Sprechgesang wird mit einer weinerlichen Stimme vorgetragen. Die Texte sind teils echt gut, schräg und frech und handeln vom Leben in Bern, zumindest vorwiegend. Wer Prix Garanti nie hört verpasst nichts, wer sie hört kann sie teilweise lustig finden.

Fredi Hallauer

RITA ROOF

Album: „Stimm i mir“ (Universal Music)

Rita Roof mit ihrer samtenen Altstimme arbeitete bisher im Hintergrund, im Backing, von verschiedenen KünstlerInnen wie Phenomden, Dodo, Steff La Cheffe und einigen mehr. Nun tritt sie in den Vordergrund mit ihrem ersten Album. Sie singt vor allem Mundart, in einem Lied dazwischen spanisch und zweimal englisch. Ihre Lyrik sind sehr ansprechend. Sie erzählt aus ihrem Leben als alleinerziehende Mutter, aber auch wie es ist als Frau in der Männer dominierten Musiklandschaft. Die Texte sind sehr ausgereift, klar und nicht nur akustisch gut verständlich. Produziert haben Dodo und Big-J. Das ist dem Sound gut anzumerken. Obwohl die Inhalte der Lieder nicht leicht sind, federt die Musik und der Minister Of Good Vibes hat einen tollen Sound hingezaubert. Stilmässig ist es Reggae, Soul und Pop. Sehr speziell ist, dass da keiner der Stile ausgeprägt pur daher kommt, sondern dass Rita Roof ihren eigenständigen Sound und Mix der Stile hat. Rita Roof ist nicht nur eine begnadete Sängerin, sondern eine sehr gute Songwriterin.

Fredi Hallauer

BRUN & BRUNNER

Live: Konzert „Mitnang“ im Be Jazz Club am 7. Mai 2021

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Auch im Be Jazz Club finden wieder Konzerte statt mit allen Auflagen. So spielten an dem Abend Albin Brun (Sopransaxophon und Schwyzerörgeli) und Kristina Brunner (Schwyzerörgeli und Cello). Neben dem Publikum hatten auch die Beiden auf der Bühne Masken an, ausser wenn Albin Brun sein Saxophon spielte. Trotz diesen Umständen war es ein wundervolles Konzert, denn für Kristina Brunner und Albin Brun war es nicht so einfach zu kommunizieren, denn es blieb nur der Augenkontakt, das Lächeln oder ander Mimiken mit dem Mund musste man sich ausdenken.

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Brun und Brunner spielten in allen möglichen Variationen. Schwyzerörgeli – Sopransaxophon, zwei Schwyzerörgeli, Cello – Schwyzerörgeli und Cello – Sopransaxophon. Musikalisch führten sie das Publikum durch die halbe Welt. Das erste Stück erinnerte an Balkan, dann ging es nach Frankreich, in die Schweiz, genauer zur Schrattenfluh, nach Georgien, in den Norden, nach Afrika oder ins Heimatlose und die Zugaben gehörten dem Musette und dem Ragtime. Das sind alles aber grosse Schubladen. Albin Brun nahm meistens nur Fragmente von den entsprechenden Stilen und dann führte ihn das Komponieren auf eigene Wege.

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Irgendwo bei dem Stück wo es um Flüchtlinge ging, tönten die Beiden fast etwas nach Young Gods, nur leiser. Brun – Brunner können eigentlich alles auf ihren Instrumenten umsetzen. Ein Stück bestand auch fast nur aus Rhythmusmustern und fast ohne Melodie, trotzdem ein Ohrenschmaus. Es war eine Freude den Beiden zuzuhören und zuzuschauen, wenn sogar das Tastenklappern eine Rolle spielte, oder die Luft. Die Virtuosen spielten dicht, filigran und einfach grandios. Die Musik war spannend bis zum Schluss und plötzlich waren 100 Minuten vorbei und das ohne Pause.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer