LE REX

Live: „Bee Flat im Progr Hof am 5. August 2020

Bild Fredi Hallauer

Ein schöner Sommerabend und live Jazz im Hof des Progr in Bern, was kann es schöneres geben. Es spielten Le Rex und ihre Spielfreude zeugte davon, dass auch si begeistert waren. Das Konzert war sehr Corona konform und ein Ohrenschmaus. Die drei Bläser (zwei Saxophone, eine Posaune) solierten und duellierten sich, manchmal auch zwei gegen einen oder alle drei miteinander. Der Tubaspieler hielt dagegen mit einem Tuba Groove, welchen es nicht oft zu hören gibt, aber auch mit fasziniernden Soli. Mit der Tuba, aber auch in einem anderen Beat musizierte der Schlagzeuger, den er trommelte nicht einfach sondern er spielte fast Melodie, mindestens in den Mustern der Bläser, oder eben Gegenmelodie. Es war sehr faszinierend was die fünf exzellenten Musiker vor einem begeisterten Publikum ablieferten. Ich glaube man könnte das immer wieder hören und hört jedesmal etwas anderes. Wahrscheinlich haben auch alle Ohrenpaare etwas anderes herausgehört und darum lässt sich nur sagen, es war ein wundervolles Konzert.

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Fredi Hallauer

TINU HEINIGER & FRIENDS

Live: Openair Konzert Schlosshof Köniz am 2. August 2020

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Die Ausgangslage war sehr schlecht. An diesem Abend regenete es ohne Unterlass und die Temperatur sank um gute 10 Grad zum Vortag. Trotzdem war das Publikum da. Am Anfang spielten Tinu Heiniger und Hank Shizzoe, neuere Lieder von Tinu Heiniger oder von ihm adaptierte ausländische Lieder, wie „Rösi“ von Fabrizio De Andre oder Songs von Bob Dylan.

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Bis zu „Rösi“ kam noch keine Stimmung auf, dann brachte er mehr Spannung in die Melancholie hinein. Mit „Noah“ von Mani Matter brach der Damm ganz. So endete ein gemütlicher, leicht durchzogener erste Konzertteil.

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Im zweiten Teil kamen die Musiker Wolfgang Zwiauer (Bass) und Gere Stäuble (Drums) hinzu und es kam eine wunderschöne Stimmung auf. Die Lieder waren gemischt, also ältere und neue Lieder.

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Als dann noch Shirley Grimes mit einem Soloauftritt startete (The Times They Are Changing“), mit Wolfgang Zwiauer weiterfuhr mit einem eigenen Song und einem irischen Song kam etwas magisches in den verregneten Schlosshof.

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Alle Musiker spielten dann noch einige Lieder zusammen, teils mit irischen Wurzeln, aber auch eigene Heiniger Lieder. Als Zugabe spielten sie „Die gfallene Ängel“ von Polo Hofer und Hannery Ammann, da kamen aber dann die gesangliche Grenzen von Tinu Heiniger zum Vorschein.

Es war ein wunderschönes Konzert trotz der schlechten Witterung.

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COLIBRI

Live unter der Linde im Schlosshof Köniz am 29. Juli 2020

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Mit ihrem sehr funktionalem Anhänger der offenbar nicht nur sehr praktisch ist, sondern auch noch schön aussieht gastierte die Band im Schlosshof Köniz. Der Veranstalter verlangte ein nicht lautes Konzert, darum schaltete die Band auf ein moderates Set mit viel Worldmusik und nur wenig Rock. Der Sound war sehr gut und auch ausgewogen gemischt, alles von dem Anhänger aus. Colibri sind Saitenvirtuose Disu Gmünder, welcher auch für die Kompositionen zeichnet und der Bandleader ist, dann die hervorragende Sängerin Nicole Wiederkehr, welche auch Geige, Gitarre, Mundharmonika und kleine andere Instrumente spielte. Chrigu Rechsteiner spielte den Kontrabass und die Geige und Rolf Huwyler bearbeitete das Schlagzeug. Der Anfang des Konzertes war ziemlich spanisch lastig und da wäre es nett gewesen, wenn die lieder mit ein paar Worten erklärt worden wären, was später bei den englischen Songs geschah. Die Stücke wurden immer lebhafter und wurden in den verschiedensten Sprachen bis zu Mundart gesungen. Nicole Wiederkehr verstand es mit ihrer Performance das Publikum in ihren Bann zu ziehen, was den Musikern mit ihren Soli gelang. Es war ein wunderschöner Abend mit Musik zum Geniessen.

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NICK PORSCHE

Album: „Big Fish“ (Irascible)

Nick Porsche kommt aus Biel und debütiert mit diesem Album. Seine Popmusik lässt hinhören. Er verwebt HipHop, Worldmusik, Reggae, Karibik, Soul und R’nB mit hinein. Die Songs leben von den Instrumenten ebenso wie von der Vielfältigkeit der Stimme. Das Album kommt dank den verschiedenen Stilmittel und dem verschiedenen Einsatz der Stimme vielfältig und doch aus einem Guss daher. Nick Porsche macht Popmusik, welche nicht zum Mainstream gehört, aber trotzdem sehr Radio tauglich ist. Es macht Freude ihm genau zuzuhören.

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LOUIS JUCKER & COILGUNS

Album: „play Kråkeslottet (The Crow’s Castle) & Other Songs from the Northern Shores“ (Hummus Records)

Der Schweizer Folk Liedermacher ist auch ein Punkmusiker bei den Coilguns. Hier haben sie, die Coilguns, ein Album unter Louis Jucker’s Namen aufgenommen, weil es nochmals andere Musik ist. Aufgenommen wurde in einem abgelegenen Haus in Norwegen, alle vier Musiker im selben Raum und live aufgenommen, ohne Overdubs. Diese Musik ist etwa so schwierig zu versthen wie meine Erklärungen. Irgendwo zwischen Noise Blues und Punkfolk mit manchmal dylanesken Einschüben. Diese Klänge sind sehr speziell, erfreuen einem manchmal, gehen aber einem an anderen Stellen gehörig auf die Nerven. Wahrscheinlich reicht fünfmaliges Hören nicht um diese Musik zu erfassen und ich merke wie sie mir bei jedem mal Anhören über weitere Strecken besser gefällt. Das ist Sound für Wagemutige.

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NOTI WÜMIE

Live: Gartenkonzert in Gustavs Biergarten, Bierhübeli Bern am 18. Juli 2020

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Dieses witzige, zynische, satirische und hervorragende Konzert fand an dem Abend statt, an dem Greis mit Chlyklass auf der Hauptbühne des Gurtenfestivals gespielt hätte. Nun aber fertig mit Wehmut und hätte, den er spielte mit Noti Wümié im Garten des Bierhübelis, an einem wunderschönen Sommerabend. Die Leute erschienen zahlreich und die Stimmung war toll. Wie immer überlegten sie sich ein Szenario und präsentierten sich auch so. Eigentlich können sie immer spielen, sagte Wümié, denn viele Menschen kommen nie an ihre Konzerte und der Abstand sei immer gewährleistet. Er zerpflückte das neue Album von Bob Dylan und betonbte, dass die alten Lieder der Künstler immer die besten seien. Er selber hat in diesen Zeiten ohne Auftritt nichts Neues geschrieben, so bestand das Repertoire meist aus bekannten Songs, welche man ja aber nicht so oft gehört hat, da Notie Wümié nicht unzählige Auftritte haben. „Die Mörderin“, „All wo mir i d Finger chunnt“ (auf französisch), „Die Strass wo ich dra wohne“ (in der HipHop Version) und viele mehr waren dabei. Ob ein Lied ein Hit ist, hängt vom Publikum und nicht vom Interpret ab, betonte er.

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Faszinierend war wie immer das Gitarrenspiel von Benjamin Noti, welcher mit einem schmunzeln auf den Lippen, aber ohne viel Mimik die schönsten Töne, Läufe und Rhythmen zu Sinn un Unsinn von Wümié, spielte. Ein gemütlicher Abend zum Nachdenken und lachen, beste Unterhaltung also.

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OPEN SEASON

Album: „Rock Steady“ (Mainland Music)

Die Berner Rocksteady, Reggae und Ska Band feiert ihr 20 jahre Jubiläum mit einem Album voll warmen, fetzigen und groovigen Songs. Sie verbreiten die Good Vibes auf natürliche Art. Neben der starken Rhythmus Sektion kommen auch die Bläser zur Geltung und der Gitarrist wirft kurze Brücken und Solos dazwischen. Der Opener „Hey You“ bringt einem sofort in die richtige Stimmung, „Rocksteady“ erzählt ein bisschen aus der Band Bio und getanzt kann bis zum Schluss mit Genuss. Open Season haben bei diesem Album weitgehend auf elektronischen Firlefanz verzichtet und gehen in Richtung Back To The Roots, was der Musik sehr gut tut und richtig Spass macht beim Tanzen und Hören.

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EPHREM LÜCHINGER

Album: „Klaviertagebuch, mein musikalisches Logbuch zum Lockdown“ (Irascible)

Der Komponist und Pianist Ephrem Lüchinger hat während dem Lockdown jeden Tag ein kurzes Klavierstück aufgenommen. Teils sind es neue Kompositonen, teils sind es Filmmusiken von ihm, welche er auf das Klavier übertrug. Die Titel sind kurz und verbreiten eine zuversichtliche und positive Stimmung. Mal geht es ruhiger zu, ein andermal quirliger, aber nie wild und auch nie dunkel. Es ist sehr schön dieser Musik zu lauschen, sie tut gut. Das ist Musik der man zuhören muss, welche aber nicht kopflastig ist, sondern das Gemüt anspricht. Wunderbar.

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TSCHUGGR

Album: „Trotzdäm“ (Equipe Music)

Wer sind diese Tschuggr, das weiss man nicht so genau. Wahrscheinlich sind es gestandene Musiker, welche nun Mundartrock machen. Klar ist, Tschuggr ist ein klassisches Rocktrio. Sie rotzen in alter Berner Rock Art daher, schreien sich die Seele aus dem Leib, was dem ganzen einen Touch Punk verleiht. Wie das bei solchen Band häufig ist, versteht amn den Gesang nicht sehr gut, da er etwas in den Hintergrund gemischt wurde. Grundsätzlich stehen sie kritisch zur heutigen Gesellschaft und man darf die Songs ruhig unter Protestsongs einordnen. Tschuggr lassen einem etwas ratlos zurück. Die Musik ist Old School Bärner Rock, alles bewusst etwas handgestrickt und dadurch wohltuend. Der Sound und die Produktion entsprechen einer Garagenband, was ja auch nicht schlecht ist. Tschuggr machen spass und haben etwas zu sagen.

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DIVVAS

EP: „Challenge Deep“ (Blaublau Rec/Irascible)

Das Zürcher Duo minimalisiert die Musik und die Melodien. Mit zwei Gesangsstimmen (Frau und Mann), Gitarren, Bass und Synthies, sowie Effekte schaffen sie das auf spezielle Art. Die ganze EP führt in die tiefsten Abgründe der Psyche und ist auf ihre Art trotzdem Aufstellend. Hier ist zuhören gefordert und dabei entdeckt man clevere Arrangements, Effekte und Rhythmen. viel mehr gibt es zu diesen 7 Songs, eines davon in Mundart, und 29 Minuten Spieldauer nicht zu sagen. Sehr ruhige Musik und trotzdem aufregend schön.

Fredi Hallauer