STEINER & MADLAINA

Album: „Wünsch mir Glück“ (Glitterhouse Records/Irascible)

Dies ist dass zweite Album dieses Frauen Duos, welches seit der Schulzeit beste Freundinnen sind und einen Deutschlehrer hatten, welcher sie beeindruckte und ihnen die Freude am kreativ Texten mitgab. So sind denn auf diesem Album alle Lieder auf Deutsch. Stilmässig würde ich das deutsche Rock Chansons nennen. Musikalisch werden sie von drei Jungs unterstützt an Gitarre, Bass und Schlagzeug. Selber spielen die beiden ebenfalls Gitarre oder auch mal Piano, und beides nicht schlecht. Das wesentliche bei Steiner & Madlaina sind aber die Texte. Sie sind erfrischend mit einem bitteren Nachgeschmack, wütend oder umschmeichelnd aber irgendwo sind im Text immer irgendwelche Nadeln oder Rasierklingen versteckt. Das ist die Art wie man souialkritische und politische Lieder schreibt, ohne Zeigefinger aber viel bissiger. So lautet beispielsweise der Refrain von „Heile Welt“ „Damit unsere heile Welt / noch eine Weile hält / halten wir uns raus / nur so fühlen wir uns Zuhaus.“ Ich glaube das illustriert das oben geschriebene gut genug. Alle Lieder sind textlich gut, durch die zwei Stimmen ist auch für Abwechslung gesorgt. „Wenn ich ein Junge wär“ ist ein anderer Anspieltipp. Eigentlich könnte man jedes Lied zum Anmspieltipp machen, also hinsetzten und genau hinhören ist gefragt und dann wirkt dieses Album auch entsprechend gut, ohne Depressionen zu verursachen.

Fredi Hallauer

RIO WOLTA

Album: „Belle Epoque“ (Sihlfeld Produktionen/Irascible)

„Belle Epoque“ ist das dritte Album des Zürchers, welcher sich sowohl in der Musik, dem Film und Theater auskennt. Dies ist ein Konzeptalbum mit textlichen Collagen von Filmsequenzen aus dem Archiv des Schweizer Fernsehens, Musik von Rio Wolta und englischer Lyrik ebenfalls von ihm. Wewnn man erwartet, dass dies eine wirre Sache ergibt, liegt man falsch. Alles kommt aus einem Guss. Die Musik ist sehr elegisch und die Texte werden dafür mehr gesprochen als gesungen. Ja es ist Popmusik, sehr intelligente und faszinierende. Es lohnt sich diese Musik anzuhören, nach hinten zu lehnen und einfach geniessen..

Fredi Hallauer

PEGASUS

Album: „Unplugged“ (Gadget/Phonag Records)

Die Bieler Band startete vor vielen Jahren als eine Band mit akustischer Musik. Auf diese Wurzeln haben sie sich zurückbesonnen und ein ganzes Unplugged Album aufgenommen. Es ist ein Rückblick auf ihr Schaffen, aber nicht nur, denn drei Lieder sind neu, eines davon das herrliche Duett mit Anna Rossinelli, welches nicht nur stimmlich sehr schön ist, sondern auch ein sehr schöner Song. Die Songs wurden alle von Lillo Scrimali und Philip Niessen neu arrangiert und produziert, also von zwei Männern, welche viele, viele Unplugged Alben produziert haben. Neben den vier Männern von Pegasus hilft auch ab und zu ein Streichquartett mit, sowie die beiden Produzenten mit Saiten- und Tasteninstrumenten, zwei Bläsern und einem Mandolinenspieler. Aber keine Angst diese zusätzlichen MusikerInnen machen nicht einfach einen lückenlosen Sound, sondern spielen lediglich ein paar schöne Klangfarbtupfer. Die Songs von Pegasus haben sie aus ihrer gesamten Zeit ausgewählt. „Unplugged“ ist also kein Best Of Album sondern eine Rückschau auf viele Jahre gemeinsam Musik machen und gleichzeitig in der heutigen Zeit bleiben. Dieses Album ist ein Meilenstein und erst noch ein sehr schöner.

Fredi Hallauer

ALBIN BRUN & KRISTINA BRUNNER

Album: „Midnang“ (albin.brun@bluewin.ch)

Albin Brun spielt Schwyzerörgeli, Sopransaxophon und Waterphone; Kristina Brunner spielt Cello und Schwyzerörgeli. So hatten die beiden jene Möglichkeiten, welches ihrer Instrumente sie zum Instrument des Gegenüber einsetzten. Dabei entstand spannende Musik, welche nicht so leicht einzuordnen ist. Durch das Schwyzerörgeli hat es sicher einen Touch von etwas anderer Volksmusik. Rhythmisch stehen diese Klänge manchmal dem Jazz sehr nahe, auch repetitive Teile gibt es. Für mich ist das einfach tolle Musik. Dreizehn der vierzehn Kompositionen stammen von Albin Brun und eine von Kristina Brunner. Ohne nachzulesen, ist es nicht herauszufinden ob das Stück von Albin Brun oder Kristina Brunner ist. Es ist erstaunlich welche Klänge die Beiden den Örgelis, aber auch den anderen Instrumenten entlocken. Wichtig zu wissen ist, dass es immer konkrete Musik ist, welche man als HörerIn nachverfolgen kann und nicht abstrakt wird. Dieser Musik muss man zuhören, dann entwickelt sie die volle Wirkung. Ein sehr gelungenes Album für Menschen welche es mögen etwas anderer Musik zu lauschen.

Fredi Hallauer

ELI SCHEWA

Album: „Aus dem Licht entstanden“ (Lunatic)

Eli Schewa, eigentlich Elischewa Dreyfus, ist eine Sängerin aus Biel. Sie ist die Tochter einer christlichen Mutter und eines jüdischen Vaters, welche gemeinsam ein interreligiöses und interspirituelles Zentrum gründeten welchem ein indischer Lehrer die Idee gab. Alle diese Elemente plus die Musik aus all diesen Kulturen mit der schönen ausgebildeten Stimme von Elischewa vereinen sich auf diesem Album. Musikalisch wird sie unterstützt durch Amélie Berner an der Harfe und Uda Auch am Akkordeon. Aufgenommen wurde in der Stadtkirche Biel. Das gibt einen wahnsinnig schönen Klang und die Musik, der Gesang berühren einem sofort. Das Repertoire besteht aus eigenen Kompositionen, zwei Sanskrit Mantras, einer Bach Melodie mit Text von Eli Schewa, einer Adaption eines Liedes von Hildegard von Bingen, dem Ave Maria, zwei jüdischen Melodien mit Text von Eli Schewa und R. Kahn. Was hier nach einem Durcheinander tönt kommt in Wirklichkeit aus einem Guss, einem Herzen. Das Booklet verrät noch etwas mehr über Hintergründe und alle Texte sind auch auf Deutsch und Englisch nachzulesen. Dies ist ein Album mit sehr wohltuender Musik, vor allem in diesen schwierigen Zeiten und für die Weihnachtszeit oder Weinuka.

Fredi Hallauer

RAPHAEL WALSERS GangART

Album: „Stüdis De La Natüra“ (Anuklabel)

Raphael Walsers GangArt ist ein Quintett, dass dem Jazz zuzuordnen ist. Die Musik entstand im Dialog mit der Engadiner Illustratorin Pia Valär, von welcher auch das Albumcover stammt. Zusammen mit dem Kontrabassisten spielen der langjährige Kollege und Schlagzeuger Jonas Ruther, welcher den Puls zusammen mit dem Bass meistens vorwärtstreibt, wenn die beiden nicht den Lead übernehmen. Die beiden Saxophonisten Niculin Janett und Ganesh Geymeier legen ihre Tonlinien darüber, meist in einer ruhigen Art im Vergleich zur Rhythmussektion. Der Pianist Marc Méan nimmt in der Mitte Stellung und schliesst sich da dem Bass und Schlagzeug an, und dort den Saxophonisten oder er geht seine eigenen Wege. Das ist auch die Idee von GangArt, es ist offener Jazz mit viel Raum für Improvisation. Wer sich mindestens ab und zu in die Bergwelt, in die Natur wagt, sieht bald seine eigenen Bilder beim Hören dieser Klänge. Da gibt es das Liebliche und Schöne, aber auch Steile und Anstrengende oder sogar Schroffes und Bilder von der Gewalt der Natur. Diese Musik ist relativ schwierig zu umschreiben. Vielleicht ist wichtig es ist kein Freejazz und wer Jazz mag wird auch dieses Album mögen.

Fredi Hallauer

GRÜNES BLATT

Album: „Bradule“ (Narrenschiff)

Grünes Blatt ist ein Quintett um Irina Ungureanu (Stimme), und Dominique Girod (Kontrabass). Die anderen MusikerInnen sind Vera Kappeler (Klavier/Harmonium), Matthias Spillmann (Trompete) und Urs Vögeli (Gitarre). Das Quintett nimmt sich der rumänischen Volksmusik und Volkslieder an um sie eigenwillig zu interpretieren oder neu zu komponieren. Die Gesangsstimme ist eine der Stimmen, welche einem berührt, dazu kommt der oft warme gestrichene Kontrabass, welcher aber durchaus auch mal schräger und wilder und exzessiver ist. Die Trompete übernimmt die Gesangsmelodie oder spielt eine Kontermelodie. Der Gitarrist ist mehrheitlich für die Spannungen und Disharmonien zuständig, wo er vom Kontrabass unterstützt wird. Vera Kappeler versteht es ganz unterschwellig ihr eigenwilliges Klavierspiel hineinperlen zu lassen. Das ergibt einen Folk Jazz, mal mehr Folk mal mehr Jazz und zwar bis zu Freejazz Teilen. Wer sich gerne in ein Abenteuer der rumänischen Folklore mit viel Jazz hineinstürzt, wird hier bestens bedient. langweilig wird es einem nie.

Fredi Hallauer

SWING THING

Album: „Under The Sky’s Blaze“ (Narrenschiff)

Die Zürcher Sängerin Dela Huettner singt Jazz und Swing. Begleitet wird sie von drei Musikern, nämlich Adrian Mira an der Klarinette, ThomasGoralski am Piano und Samir Boehringer am Schlagzeug, zusammen sind sie Swing Thing. Bei drei von neun Songs hat Dela Huettner die Musik geschrieben und dort haben andere die Texte geschrieben, bei „Arabesque“ von Henry Mancini schrieb sie einen Text dazu. Die anderen Songs sind von Thelonious Monk, Joe McCoy/Benny Goodman und ein weiterer von Henry Mancini plus zwei weitere Songs von weniger bekannten Komponisten. Die Band mit der Sängerin swingen sich leicht und herrlich durch dieses Repertoire. Die warme Stimme und die eigenständigen und angenehmen Interpretationen der Sängerin machen dieses Album zu einem Vergnügen für einen gemütlichen Abend.

Fredi Hallauer

DR. MO

EP: „La mi nid los“ (Bakara Music)

Der Berner Produzent (u.a. 079 von Lo & Leduc) griff selber zum Bleistift, schrieb eigene Lieder in Mundart und spielte sie dann auch ein. Das Resultat sind sechs sauber produzierte Mundartsongs. Sauber bedeutet in diesem Falle absolut perfekt, zu perfekt, so dass alles ziemlich glatt herüber kommt. Alle Songs klingen ähnlich und auch textlich, es geht um Liebe und Zwischenmenschlichkeit, ist Dr. Mo kein grosser Wurf gelungen. Sicher keine schlechte EP, sie mag sich aber nicht aus dem Mittelfeld hervorheben.

Fredi Hallauer

NATE

EP: „Fourstreet EP“ (Equipe Music)

Der 20jährige Berner Mundart Rapper mit der markanten Bassstimme debütiert mit einer vier Song EP. Die Musik und der Beat ist recht interessant und nicht 0815 HipHop/Rap Beat. Mit dabei sind zwei andere junge KünstlerInnen, nämlich Midas und Sophie Grimes. Diese beiden machen, dass die Texte besser verständlich sind, denn Nate versteht man nicht besonders gut, da die tiefen Töne der Musik und der Beats sich decken mit der Bassstimme von Nate. Leider muss man sagen, das ist nicht so schlimm, denn die Texte sind nicht schlecht, aber auch nicht überragend. Fourstreet ist eine schöne Einsteiger EP mit Möglichkeiten zur Verbesserung.

Fredi Hallauer