THE AMBER UNIT

Album: „Kolmanskop“ (Radicalis)

The Amber Unit sind ein Quintett aus Basel mit dem Sänger Victor Hofstetter, eine Stimme die sich sofort ins herz brennt. Musikalisch muss man sie dem Indie Rock zuordnen, sie lassen aber viele andere Einflüsse und viele eigenständige Ideen einfliessen. Zu hören sind Gitarrenklänge jeglicher Art, fantasievolles Schlagzeug, mal perkussiver und dann wieder rockiger. Mit einer Geige im Instrumentarium erweitern sie das Klangspektrum enorm. Ihre Songs sind mal verträumt, ruhig und dann wieder episch mit grossen Bögen und ebensolchen Songs. Diese Musik kommt sehr ehrlich und authentisch daher. Es macht Freude dieses Album zu hören.

STEVE LEE /GOTTHARD

Album: „The Eyes Of The Tiger“ (Sony Music)

Der Untertitel dieses Albums lautet: „In Memory Of Our Unforgotten Friend“ und das gilt für Steve Lee, welcher vor zehn Jahren diese Welt verlassen musste. Von ihm fanden sich noch die Stimme auf Bändern und vor allem den Titelsong, welcher noch nicht weiter aufgenommen wurde bisher. So haben die heutigen Gotthard die Songs neu aufgenommen und „Eyes Of The Tiger“ sogar in einer akustischen und einer elektrischen Version. Nick Mäder, der heutige Sänger singt die Backgroundstimmen. Mit dabei sind auch bei drei Songs The G-Strings, welche auf der Unplugged Tour mit dabei waren. Bei diesem Album geht es um die Stimme von Steve Lee und die gut zur Geltung zu bringen, und dies ist gelungen. Wer ein Rockalbum erwartet wird enttäuscht sein, es ist ein akustisches Balladenalbum mit schönem Gitarrenspiel, manchmal fast ein bisschen folkig. Neben „One Life One Soul“, „Heaven“ und anderen Balladen Klassikern gefallen „Lift Up“ und „Hush“ sehr gut, da es Songs sind mit etwas mehr Schwung und natürlich „Eyes Of The Tiger“. Dieses Album ist, wie es der Untertitel sagt, eine Erinnerung an Steve Lee.

Fredi Hallauer

MANUEL STAHLBERGER & BIT-TUNER

Album: „I däre Show“ (Irascible)

Diese beiden Männer passen gut zusammen. Bit-Tuner schafft es Beats und Klangbögen zu schaffen, welche die Stimmungen der Texte aufnehmen und sie aufbauen zu einem grossen Finale, welches nie stattfindet. Manuel Stahlberger sprechsingt seine Texte von Menschen auf der trüberen Seite des Lebens, oder über diejenigen, welche im Alltag gefangen sind. Die Texte sind gute Beschreibungen, haben Humor, wenn auch einen grauen. Sehr schön ist die Beschreibung seines ersten Matchbesuchs im Stadion. Sehr dunkelgrau und gut erzählt „Loch im Augenlid“. mehr zu verraten wäre schade, dieses Album ist zum Hören da. Wer schräge Erzählungen, mit eher knappen Worten mag, liegt mit diesem Album genau richtig.

Fredi Hallauer

ZODER

Album: „Weathertales“ (iGroove)

Das Quintett aus dem Bieler Seeland spielt handgemachten Pop-Rock mit Folkeinflüssen. Die Besetzung ist Standard, Sänger, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboard. Die Band geht keine Experimente ein und erfindet auch die Rockmusik nicht neu, sondern sie spielen angenehmen und gängigen Radio tauglichen Pop Rock. Die Harmoniegesänge überzeugen und erzeugen sogar Hühnerhaut. Ein unauffälliges und unaufgeregtes Album zum Geniessen.

Fredi Hallauer

CYRIL CYRIL

Album: „Yallah Mickey Mouse“ (Les Disques Bongo Joe, Born Bad/Irascible)

Die beiden Cyrils sind sehr stark zurück. Sie lassen uns auf ihren chaotischen Reisen durch Zeit und Orte tanzen. Die Musik hat also Drive, kein Wunder mit einem Schlagwerker und einem Sänger, sowie Gitarren und Banjospieler an Bord. Dazu kommen seltene Instrumente aus verschiedensten Ecken der Welt und Sampling, vor allem Stimmen. Das ist Weltmusik in Perfektion und sie macht Spass. Der Sänger erzählt die Geschichten, welche seltsamer nicht sein könnten. Die Psychedelik fehlt auch nicht. Gesungen wird meist französisch und dazwischen auch arabisch. Dieses Album ist ein Wurf.

Fredi Hallauer

VERSCHIEDENE MUSIKERINNEN UND MUSIKER

Live: „Hommage an Fritz Widmer“ im La Cappella am 19. Oktober 2020

Martin Hauzenberger Bild Fredi Hallauer

Fritz Widmer, der Berner Troubadour, hat ein sehr grosses Werk hinterlassen. Einige dieser Lieder und Texte wurden an diesem Abend gesungen und gelesen. Zusammengestellt und moderiert hat ihn Martin Hauzenberger. Im ersten Teil sangen die Jungen wie Oli Kehrli, Lisa Catena und Ben Vatter seine Lieder.

Lisa Catena Bild Fredi Hallauer

Da waren die alten lustigen Lieder dabei mit Weisheiten und die Kürzest Lieder. Das Berner Seemanslied sangen sie dann zu Viert.

Bild Fredi Hallauer

Im Programm waren auch der „Amerikabrief“, gesungen von Oli Kehrli. Diese erste Teil wurde hervorragend und abwechslungsreich präsentiert. Schon beim ersten Lied, warfen andere SängerInnen von der Empore Refrainfetzen hinein. Ein Interview auf Hochdeutsch von Franz Hohler mit Mani Matter wurde eingespielt, mit der Aussage von Mani Matter, dass sich Berndeutsch nicht für Matrosenlieder eigne, was Fritz Widmer herausgefordert hat ein solches zu schreiben.

Nach der Pause sang Liv Martin Lieder von Fritz Widmer, eines davon bearbeitet und ein etwas zu langes, eigenes Lied.

Bild Fredi Hallauer

Dann gab es neues Leben auf der Bühne, die alten Weggefährten Otto Spirig, Sam Graf und seine zwei Töchter betraten die Bühne. Die Töchter kamen aus Irland, wo sie leben und begeisterten mit ihrem Cello und Geigenspiel. Sie erhielten eine Bewilligung aufzutreten, aber nur mit Maske. „Cervelat“ das erste Lied von Fritz Widmer, fand ebenso Platz, wie Lieder in denen er Landschaften beschrieb, oder die übersetzten schwedischen Lieder. Martin Hauzenberger sang ein passendes Hommage Lied, in dem mindestens 16 Lieder von Fritz Widmer angesprochen wurden. Zum Schluss sangen alle zusammen ein Carl Michael Bellman Lied und als Zugaben „Karibou“.

Otto Spirig Bild Fredi Hallauer

Es war ein wundervoller Abend, sensibel, respektvoll, unterhaltend, liebevoll und einfach grossartig.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

PINA JUNG

Album: „Wuwei“ (Irascible)

Hinter dem Pina Jung versteckt sich die Sängerin Stefanie Gubser. Sie hat ihre Geschichten und Überlegungen zum Leben zusammen mit Knackeboul und dem Produzenten Henrik Amschler in Musik übertragen. Teils sind die Beats nahe dem HipHop, teils mehr Elektropop. Der Gesang und Sprechgesang von Pina Jung geht dafür Richtung Jazz oder hebt in den Dreampop ab, um darauf wieder rhythmisch auf dem Boden des Pop zu landen. Das hier ist ein komplexes Album, bei dem sich in den Songs noch vieles entdecken lässt.

Fredi Hallauer

QONIAK

Album: „Mutatio“

Das Duo, welches zusammen das Gymnasium besuchte und sich später an der Luzerner Jazz Schule wieder traf gehen mit Schlagzeug und Synthie ihre eigenen Wege. Es ist klar Synthie Jazz, Experimental Sound, und Technojazz. Das alles und die Musik tönt in etwa so verrückt wie der name des Duos. Kantig, grob und hart kann es hier tönen, aber auch sphärisch und jazzig. Mal ist der eine Dominat, dann der andere oder sie spielen auf Augenhöhe, wie es sich für ein solches Album gehört. Spannende Sounds für nicht alle Lebenslagen und Situationen.

Fredi Hallauer

PINK PEDRAZZI

EP: „The Island“

Wer kennt ihn nicht, den Schweizer Singer/Songwriter mit dem Hut und einer unverkennbaren Stimme. Er ist zurück mit einer ersten EP, welche bald eine weitere folgen soll. Sein filigranes Spiel auf der akustischen Gitarre ist ein weiteres Markenzeichen und dazu kommt der federnde Sound, welcher er zusammen mit einem Bassisten und Schlagzeuger hat. Dazwischen sind auch einmal weibliche Backgroundstimmen zu hören. Stilmässig gehört er zu den Folk Pop Singer/Songwritern mit Americana und etwas Soul getränkten Klängen. Er singt von der Insel nicht nur als Traum, sondern auch, dass das Paradies dort nicht ist, oder vom Gefangensein in seinem eigenen Körper, aber allles recht easy und sicher nicht romantisch. The Island ist ein schlichtes und berührendes Album.

Fredi Hallauer

CAROLINE ALVES

Album: „Moonlight“

Dies ist das erste Album der Musikerin aus Biel mit brasilianischen Wurzeln. Die grosse Schublade ihrer Musik ist Pop, dies ist aber wirklich nur die grobe Richtung ihrer Musik. Caroline Alves hat uns viel zu erzählen in ihren englisch gesungenen Songs. Sie ist für mich eine moderne Singer/Songwriterin. Sie wählt die Elektronik, aber auch Instrumente um ihre Texte zu unterstreichen. Die Songs haben interessante Beats, welche diese Musik nahe an den HipHop bringen. Das brasilianische Element ist ebenfalls herauszuhören, weniger im Rhythmus als in der Phrasierung des Gesangs. Es gibt hier viel zu hören und die einzelnen Songs klingen sehr unterschiedlich. Vielleicht eignet sich der Titelsong mit KT Gorique) zum Einsteigen und das Hören dieses Songs verlangt dann sowieso nach mehr.

Fredi Hallauer