FLORIAN SCHNEIDER

Album: „Schangsongs 4“ (www.florian-schneider.ch)

Florian Schneider macht es uns Hörerinnen und Hörer nicht einfach. Was einmal schräge, düstere und unbequeme Geschichten aus dem Baselbiet waren, sind nun sehr dunkle, morbide und unangenehme Gedanken. Die meisten Lieder sind in der Ich-Form getextet. Die meisten Lieder sind destruktiv, da hat er sechs Kugeln im Lauf dort nahm er 800 Liter Nitro mit. Er kann aber auch bitter-süss romantisch sein im „Nacht am Bosporus“ oder „Rose vom Fluehbärgwald“. Deftig erotisch geht es dann im „Chnabeturner“ zu und her. In anderen Liedern geht es um verflossene Liebschaften oder ein schönes Schlaflied für ein Kind. In „Tschinderassa“ geht es dann nocheinmal mörderisch zu. Ja eigentlich sind es viele Lieder in typischer Florian Schneider Art, welche ich auch selber gut mag, aber die etwa drei Lieder sind mir doch zu morbid. Noch etwas zur Musik, die ist wie immer wunderschön. Gespielt wird sie von Roman Bislin am Keyboard und Adam Taubnitz an der Violine.

Fredi Hallauer

LOUIS JUCKER

Album: „Something Went Wrong“ (Hummus Records)

Louis Jucker ist ein junger Musiker aus La Chaux-de-Fonds der schon sehr viel Musik gemacht hat, alleine und in Gruppen, aber auch ein eigenes Label hat auf dem viel Musik erscheint. Wer ihn nicht kennt, nun ist Zeit ihn musikalisch kennen zu lernen. Auf diesem Album ist er Singer/Songwriter mit seltsamen und berührenden Liedern. Sein Stil ist der Folk bei dem er viele Register zieht. Er spielt auf selber gemachten eigenartigen Instrumenten oder setzt ganz spärlich Elektronik ein. Die Gitarre ist und bleibt das Hauptinstrument. Die Reise durch die zehn Songs ist eine Entdeckungreise die sich lohnt.

Fredi Hallauer

COLOUR OF RICE

Album: “ Late River Run“

Colour Of Rice ist auf diesem Album im Trio unterwegs. Mit dabei ist ein Schlagzeuger und ein Multiinstrumentalist mit Piano, Bass, Gitarren. So ergeben sich viele Spielmöglichkeiten. Das besondere daran ist, dass sie es nicht übertreiben. Es geht immer noch um die Songs von Colour Of Rice. Durch das Schlagzeug wird das ganze etwas rhythmischer, bewegter und die E-Gitarre bringt den Folkrock in die Musik. Aber auch eine gewisse jazzige Note ist vorhanden. Die Produktion tönt nach Low Budget und gerade die sonst so klare Stimme der Sängerin klingt manchmal etwas durch den Nebel. Man muss sich auch etwas an die neuen Klänge von Colour Of Rice gewöhnen, aber nach mehrmaligem Hören merkt man wie wunderschön diese Musik ist.

Fredi Hallauer

TINKABELLE

Album: „Greatest Hits … and some more“ (Phonag)

Um Tinkabelle war es Album mässig etwa sieben Jahre ruhig, live sind sie noch immer unterwegs in einer etwas geänderten Formation, da Tanja (Vocals) und Res (Banjo) die Band verliessen. Einige Aufnahmen der Band sind vergriffen, so stellten sie eine Greatest Hits und noch mehr zusammen. Die 18 Songs zeigen noch einmal die Bandbreite der Pop/Country/Folk Band aus dem Raum Zürich. Ihre handgemachte Musik ist herzlich, warm und erfrischend. Bei den Aufnahmen hat es auch ein paar Gäste wie Andrea Benz, Mae Ann Jordan auf einem unveröffentlichten Song, dazu kommen verschiedene Live Aufnahmen. Ein tolles Album.

Fredi Hallauer

MICHELLE ARIANE

Album: „Bridge The Great Divide“

Michelle Ariane ist eine Schweizer Sängerin mit amerikanischen Wurzeln, die tief im mittleren Westen liegen. Aufgenommen hat sie dieses Album in Nashville. Die Stadt hat ihr betreffend Sound den Stempel aufgedrückt. Sie ist eine Singer/Songwriterin in der Art von Bonnie Raitt bis Joni Mitchell, Bob Dylan bis Fleetwood Mac. Sie kleidet ihre Lyrics in feinsten Folk, Folk Pop und Americana. Ihre klare Stimme nimmt einem sofort gefangen. Sie singt vom Leben und vom Leben in Zürich „Rivers Of Zurich“. Die Musik ist handgemacht, Fingerpicking Gitarre, Piano, Bass oder ein bisschen Keyboard, da und dort ein anderes Instrument, aber keine Elektronik. Ein wunderbares Album mit ehrlicher und bestechender Musik.

Fredi Hallauer

BALTHASAR STREIFF & YANNICK WEY

Album: „Büchel Box“ (Zytglogge)

Der Büchel ist landläufig die kleinere Version eines Alphorns, aber eigentlich ein sehr eigenständiges Instrument. Offiziell ist es eine Naturtrompete. Der Büchel kommt in der Innerschweiz vor, und als Naturtrompete gibt es sie in Ungarn, in Österreich heisst das gleiche Instrument Wuschzhorer. Balthasar Streiff und Yannick Wey spielen Stückli aus diesen Regionen, dazu noch Musik des Büchel-Missionars Dr. Alois Bucher und eigene Kompositionen. Büchelmusik ist lebhafter und wilder als die Alphornmelodien, zumindest so wie sie von den Beiden gespielt wird. Sicher hier geht es um Hardcore Folk, oder Traditionen, trotzdem ist dieses Album sehr gut anzuhören. Die Gsätzli und Stücke sind in kleine Gruppen eingeteilt und wechseln sich ab. Die Stücke von Alois Bucher haben Titel wie „Die Drii redidi no einisch midenand“ oder „Ds Adlers Flug“ und da kann man wunderschön das Kopfkino einschalten und die Klänge geniessen. Mit der „Büchel Box“ ist ein sehr interessantes und spannendes Album gelungen.

Fredi Hallauer

SCHLAMASSEL

Album: „Chnächt oder Chünig“

Die Berner Folkgruppe Schlamassel ist bekannt für ihre Musik aus der jiddischen und osteuropäischen Kultur. Sie gehen aber immer wieder ein paar Schritte darüber hinaus. Musikalisch sind sie sehr stark, fast egal was sie spielen, sie haben da für alle Stile ihre Spezialistinnen und Spezialisten. Die beiden Geigerinnen sind in der osteuropäischen und in der irischen Musik zuhause. Der Bassist ist sowieso ein Hansdampf in allen Gassen, die Klarinettistin und Saxophonistin hat ihre Stärke in der jiddischen Kultur, der Gitarrist kann es in allen gefilden sehr gut und der Perkussionist überzeugt ebenfalls. Sie spielen neben den osteuropäischen und jiddischen Liedern und Tänzen, einen Swing, ein Lied von Element Of Crime, eines von Polo Hofer und zwei traditionelle Schweizerlieder. Die Sängerin versteht es die jiddischen und osteuropäischen Lieder mit viel Hingabe zu singen, bei den anderen Stilen klingt sie emotionslos, flach und langweilig. Beim „Wenn mys letschte Schtündli schlaht“ ist die Intonierung nicht sauber. Spannend ist das „Langwieser Lied“, das zwar schwach gesungen ist, aber im zweiten Teil hängen die Musiker irische Tänze an. Ein Folkalbum, welches Schwachstellen hat.

Fredi Hallauer

BLIND BOY DE VITA

Album: „Cumpà“ (Mouthwatering Records)

Blind Boy De Vita ist Glauco Cataldo, ein zwei Meter Hüne aus Luzern mit italienischen Wurzeln. Die zwei Meter machen sich auch in seiner beeindruckenden Stimme bemerkbar. Er spielt Gitarren, meist akustische und singt dazu in italienisch, englisch und Fantasiesprache. Seine Klänge kommen aus West- und Südafrika, wo er sich öfters aufhält. Er singt, schmeichelt ist wütend und auch psychedelisch. Dazwischen sind es richtige Saitenseancen die er da abfährt. Er spielt sehr gut Gitarre und zeigt wie offen das Folk sein kann, wichtig ist die Gesinnung dahinter und die scheint bei Blind Boy De Vita zu stimmen. Er ist ein Musiker der auf alle Bühnen gehört, ob klein ob gross oder sogar Open-Air.

Fredi Hallauer

CHEZ LIM

Album: „Live at Hafenkneipe“ (Stolen Broken Records)

Das Zürcher Folk Trio hat das erste Album, nach über 70 Konzerten, gleich live aufgenommen. Sie betiteln ihren Stil als Storytelling Folk, man kann es gut auch Singer/Songwriter Folk bezeichnen. Sie erzählen Geschichten von Träumen, Sehnsucht, Gut und Böse und von der Familie. Gesungen wird englisch. Die drei begleiten sich mit akustischen Gitarren. Ihre Vorbilder sind klar in den frühen 70iger Jahren zu finden. Der dreistimmige Gesang mit der Frauenstimme klingt gut und sehr nostalgisch. Die Altstimme der Sängerin ist leider selten als lead zu hören. Der Leadsänger hat eine rauhe und markante Stimme, welche recht beeindruckt aber oft nicht sauber intoniert. Dieses Album ist sicher ein schönes Erinnerungsstück, für diejenigen, welche das Trio bereits live erlebten. Ansonsten für die Nostalgie doch lieber die Vorbilder von Chez Lim.

Fredi Hallauer

ANDY TRINKLER

Album: „Drive On“ (www.andytrinkler.ch)

Der Berner präsentiert und mit seinem achten Album schönen Singer/Songwritermusik. Alles ist handgemachte Musik mit viel Gitarren, aber auch die Hammondorgel kreischt dazwischen hinein und natürlich ein easy Beat mit Bass und Schlagzeug. Er singt mit seiner angenehmen und souveränen Stimme, Geschichten von der Strasse. Er erzählt seinen Roadmovie, manchmal mit Augenzwinkern. Alles ist schön Laidback angerichtet zwischen Americana, Folk, Rock und da oder dort ein Schlücklein Blues. Andy Trinkler gehört wirklich seit Jahrzehnten zur Schweizer Musikszene und versteht es immer noch tolle Musik zu machen. Mit einer Ausnahme sind es alles Eigenkompositionen. Die Ausnahme ist Levelland von James McMurtry. Dies ist Musik die der Seele gut tut, ein bisschen Frühling dazu.

Fredi Hallauer