COLOUR OF RICE

Album: “ Late River Run“

Colour Of Rice ist auf diesem Album im Trio unterwegs. Mit dabei ist ein Schlagzeuger und ein Multiinstrumentalist mit Piano, Bass, Gitarren. So ergeben sich viele Spielmöglichkeiten. Das besondere daran ist, dass sie es nicht übertreiben. Es geht immer noch um die Songs von Colour Of Rice. Durch das Schlagzeug wird das ganze etwas rhythmischer, bewegter und die E-Gitarre bringt den Folkrock in die Musik. Aber auch eine gewisse jazzige Note ist vorhanden. Die Produktion tönt nach Low Budget und gerade die sonst so klare Stimme der Sängerin klingt manchmal etwas durch den Nebel. Man muss sich auch etwas an die neuen Klänge von Colour Of Rice gewöhnen, aber nach mehrmaligem Hören merkt man wie wunderschön diese Musik ist.

Fredi Hallauer

TINKABELLE

Album: „Greatest Hits … and some more“ (Phonag)

Um Tinkabelle war es Album mässig etwa sieben Jahre ruhig, live sind sie noch immer unterwegs in einer etwas geänderten Formation, da Tanja (Vocals) und Res (Banjo) die Band verliessen. Einige Aufnahmen der Band sind vergriffen, so stellten sie eine Greatest Hits und noch mehr zusammen. Die 18 Songs zeigen noch einmal die Bandbreite der Pop/Country/Folk Band aus dem Raum Zürich. Ihre handgemachte Musik ist herzlich, warm und erfrischend. Bei den Aufnahmen hat es auch ein paar Gäste wie Andrea Benz, Mae Ann Jordan auf einem unveröffentlichten Song, dazu kommen verschiedene Live Aufnahmen. Ein tolles Album.

Fredi Hallauer

MICHELLE ARIANE

Album: „Bridge The Great Divide“

Michelle Ariane ist eine Schweizer Sängerin mit amerikanischen Wurzeln, die tief im mittleren Westen liegen. Aufgenommen hat sie dieses Album in Nashville. Die Stadt hat ihr betreffend Sound den Stempel aufgedrückt. Sie ist eine Singer/Songwriterin in der Art von Bonnie Raitt bis Joni Mitchell, Bob Dylan bis Fleetwood Mac. Sie kleidet ihre Lyrics in feinsten Folk, Folk Pop und Americana. Ihre klare Stimme nimmt einem sofort gefangen. Sie singt vom Leben und vom Leben in Zürich „Rivers Of Zurich“. Die Musik ist handgemacht, Fingerpicking Gitarre, Piano, Bass oder ein bisschen Keyboard, da und dort ein anderes Instrument, aber keine Elektronik. Ein wunderbares Album mit ehrlicher und bestechender Musik.

Fredi Hallauer

BALTHASAR STREIFF & YANNICK WEY

Album: „Büchel Box“ (Zytglogge)

Der Büchel ist landläufig die kleinere Version eines Alphorns, aber eigentlich ein sehr eigenständiges Instrument. Offiziell ist es eine Naturtrompete. Der Büchel kommt in der Innerschweiz vor, und als Naturtrompete gibt es sie in Ungarn, in Österreich heisst das gleiche Instrument Wuschzhorer. Balthasar Streiff und Yannick Wey spielen Stückli aus diesen Regionen, dazu noch Musik des Büchel-Missionars Dr. Alois Bucher und eigene Kompositionen. Büchelmusik ist lebhafter und wilder als die Alphornmelodien, zumindest so wie sie von den Beiden gespielt wird. Sicher hier geht es um Hardcore Folk, oder Traditionen, trotzdem ist dieses Album sehr gut anzuhören. Die Gsätzli und Stücke sind in kleine Gruppen eingeteilt und wechseln sich ab. Die Stücke von Alois Bucher haben Titel wie „Die Drii redidi no einisch midenand“ oder „Ds Adlers Flug“ und da kann man wunderschön das Kopfkino einschalten und die Klänge geniessen. Mit der „Büchel Box“ ist ein sehr interessantes und spannendes Album gelungen.

Fredi Hallauer

SCHLAMASSEL

Album: „Chnächt oder Chünig“

Die Berner Folkgruppe Schlamassel ist bekannt für ihre Musik aus der jiddischen und osteuropäischen Kultur. Sie gehen aber immer wieder ein paar Schritte darüber hinaus. Musikalisch sind sie sehr stark, fast egal was sie spielen, sie haben da für alle Stile ihre Spezialistinnen und Spezialisten. Die beiden Geigerinnen sind in der osteuropäischen und in der irischen Musik zuhause. Der Bassist ist sowieso ein Hansdampf in allen Gassen, die Klarinettistin und Saxophonistin hat ihre Stärke in der jiddischen Kultur, der Gitarrist kann es in allen gefilden sehr gut und der Perkussionist überzeugt ebenfalls. Sie spielen neben den osteuropäischen und jiddischen Liedern und Tänzen, einen Swing, ein Lied von Element Of Crime, eines von Polo Hofer und zwei traditionelle Schweizerlieder. Die Sängerin versteht es die jiddischen und osteuropäischen Lieder mit viel Hingabe zu singen, bei den anderen Stilen klingt sie emotionslos, flach und langweilig. Beim „Wenn mys letschte Schtündli schlaht“ ist die Intonierung nicht sauber. Spannend ist das „Langwieser Lied“, das zwar schwach gesungen ist, aber im zweiten Teil hängen die Musiker irische Tänze an. Ein Folkalbum, welches Schwachstellen hat.

Fredi Hallauer

BLIND BOY DE VITA

Album: „Cumpà“ (Mouthwatering Records)

Blind Boy De Vita ist Glauco Cataldo, ein zwei Meter Hüne aus Luzern mit italienischen Wurzeln. Die zwei Meter machen sich auch in seiner beeindruckenden Stimme bemerkbar. Er spielt Gitarren, meist akustische und singt dazu in italienisch, englisch und Fantasiesprache. Seine Klänge kommen aus West- und Südafrika, wo er sich öfters aufhält. Er singt, schmeichelt ist wütend und auch psychedelisch. Dazwischen sind es richtige Saitenseancen die er da abfährt. Er spielt sehr gut Gitarre und zeigt wie offen das Folk sein kann, wichtig ist die Gesinnung dahinter und die scheint bei Blind Boy De Vita zu stimmen. Er ist ein Musiker der auf alle Bühnen gehört, ob klein ob gross oder sogar Open-Air.

Fredi Hallauer

CHEZ LIM

Album: „Live at Hafenkneipe“ (Stolen Broken Records)

Das Zürcher Folk Trio hat das erste Album, nach über 70 Konzerten, gleich live aufgenommen. Sie betiteln ihren Stil als Storytelling Folk, man kann es gut auch Singer/Songwriter Folk bezeichnen. Sie erzählen Geschichten von Träumen, Sehnsucht, Gut und Böse und von der Familie. Gesungen wird englisch. Die drei begleiten sich mit akustischen Gitarren. Ihre Vorbilder sind klar in den frühen 70iger Jahren zu finden. Der dreistimmige Gesang mit der Frauenstimme klingt gut und sehr nostalgisch. Die Altstimme der Sängerin ist leider selten als lead zu hören. Der Leadsänger hat eine rauhe und markante Stimme, welche recht beeindruckt aber oft nicht sauber intoniert. Dieses Album ist sicher ein schönes Erinnerungsstück, für diejenigen, welche das Trio bereits live erlebten. Ansonsten für die Nostalgie doch lieber die Vorbilder von Chez Lim.

Fredi Hallauer

ANDY TRINKLER

Album: „Drive On“ (www.andytrinkler.ch)

Der Berner präsentiert und mit seinem achten Album schönen Singer/Songwritermusik. Alles ist handgemachte Musik mit viel Gitarren, aber auch die Hammondorgel kreischt dazwischen hinein und natürlich ein easy Beat mit Bass und Schlagzeug. Er singt mit seiner angenehmen und souveränen Stimme, Geschichten von der Strasse. Er erzählt seinen Roadmovie, manchmal mit Augenzwinkern. Alles ist schön Laidback angerichtet zwischen Americana, Folk, Rock und da oder dort ein Schlücklein Blues. Andy Trinkler gehört wirklich seit Jahrzehnten zur Schweizer Musikszene und versteht es immer noch tolle Musik zu machen. Mit einer Ausnahme sind es alles Eigenkompositionen. Die Ausnahme ist Levelland von James McMurtry. Dies ist Musik die der Seele gut tut, ein bisschen Frühling dazu.

Fredi Hallauer

JULIA HEART

EP: „Nashville Session“ (Little Jig Records)

Die Luzernerin ist kurz nach der Veröffentlichung ihrer selbstbetitelten EP nach Nashville gegangen und hat dort Musikerkollegen um sich geschart und in nur einem Tag diese wundervolle EP aufgenommen. Es sind nur akustische Instrumente zu hören wie Mandoline, Geige, Kontrabass und Gitarre. Entstanden sind vier akustische Songs zwischen Americana und Folk mit leichtem Country Touch. Selbstverständlich sind die Songs und die Stimme von Julia Heart, welche diese Musik so speziell machen. Die ausdrucksstarke Stimme der Luzerner Sängerin erzeugt weiterhin Hühnerhaut. Es sind schlichte Songs aber durch die Interpretation der Musiker und der Sängerin wirken sie ganz gross. Diese Songs sollte man öfter im Radio hören.

Fredi Hallauer

ADAYA

Album: „New Land“ (Echo Kollektiv)

Die Berner Sängerin, Multiinstrumentalistin und Poetin veröffentlicht ihr zweites Album. Das Album gehört in die Sparte Folk, aber auch Singer/Songwriterin. Adaya hat eine wundervolle und warme Stimme und begleitet sich mit Gitarre, Banjo, Bouzouki und Zither. Ein paar MusikerInnen ergänzen dann noch mit weiteren Instrumenten. Adaya hat eine Grossmutter mit Geschichte, sie war Buchautorin und Poetin. Es handelt sich um Juliette de Bairacli Levy. Man soll aktuelle MusikerInnen nicht mit ihren Vorfahren in Verbindung bringen, das schätzen viele nicht. Bei Adaya ist das etwas anderes, denn sie hat mehrere Gedichte der Grossmutter genommen und vertont. Wenn man nicht weiss, welche das es sind, fällt das nicht auf, denn sie selber hat eine sehr ähnliche Art der Poesie. Adaya macht sich auf in neue Länder, zumindest musikalisch, da tönt es mal ruhig und dann wieder wild. Gypsy Musik ist zu hören, aber auch ungestüme fast rockige Songs sind darunter. Adaya ist eine Entdeckung, für alle jene die sie bis jetzt nicht gekannt haben.

Fredi Hallauer