SULP

Album: „Tohuwabohu“ (Zytglogge Verlag)

SULP kommen aus Basel und sind ein Trio. SULP heisst Swiss Urban Ländler Passion. Das Trio besteht aus Matthias Gubler mit seinem Tenor- und Sopransaxophon, Simon Dettwiler am Schwyzerörgeli und Hannes Fankhauser am Bass, Tuba und am Alphorn. Mit diesem kleinen und nicht elektronischen Instrumentarium machen die drei Musik welche sich gewaschen hat. Alles ist immer ganz schön transparent. Hier ein Lob an Dänu Extrem, welcher für die Aufnahmen und den Mix verantwortlich zeichnet. Egal was die drei spielen, es klingt immer gut. Leicht schräg, aber noch für alle bekömmlich, da ein Schuss Jazz oder sogar ein bisschen Pop. Neben traditionellen Stücken aus dem Bündnerland und dem Tessin spielen sie viele Eigenkompositionen, etwas von Kasi Geisser oder von Jean.Philippe Rameau und „Love Me Do“ von den Beatles. Schon diese Auflistung zeigt, für SULP ist alles möglich. Als Basler Trio haben sie sich als letztes Stück noch klassischen Fasnachtsmärschen angenommen, nämlich dem Altfrangg und dem Saggodo, aber auch die tönen wie SULP tönt, einfach die Melodien sind bestehend. SULP zeigt mit diesem Album, dass Ländler Musik auch ganz anders klingen kann und bei einem Publikum Begeisterung auslösen kann, welches sonst keine Ländler Musik hört. Dies ist wiederum ein Album für meine persönliche Jahresbestenliste.

Fredi Hallauer

THE WOODGIES

Album: „Holding Hands“ (Escudero Records)

The Woodgies kommen aus Genf. Es sind zwei Schwestern , welche in der Schweiz geboren sind und irische Wurzeln haben. Sie singen die schönsten Harmonien zusammen seit Simon & Garfunkel, welches auch ihr grösster Einfluss ist. Neben dem wunderschönen Gesang spielen beide auch die akustische Gitarre. Musiker an Piano/Keyboards, elektrischer und akustischer Gitarre und Ukulele, Schlagzeug, Bass und Streicher unterstützen Hannah Leah & Meghan Woodger. Diese Klänge sind wirklich alle sehr schön, ruhig, harmonisch und ziemlich spannungsfrei. Musik zum Geniessen. wer Simon & Garfunkel mag, wird auch von The Woodgies begeistert sein, hier einfach mit Frauenstimmen.

Fredi Hallauer

PALE MALE

Album: „Season Finale“ (Phonag)

Der Genfer Musiker debütiert mit diesem grandiosen Album. Musikalisch bewegt er sich zwischen Folk, Americana und 80iger Rock. Wichtig ist, alle Instrumente wurden gespielt und nicht gesampelt oder mittels Sinthi erzeugt. Da sind wunderschöne Streicherpassagen, majestetische Bläser. eine Lapsteel Gitarre, Backgroundgesang, neben Gitarren, Bass und Schlagzeug. Dazu kommen die schönen Melodien mit viel Wiedererkennungswert. Was wäre die wundervolle Musik ohne den textlichen Inhalt. Auch der stimmt bei Pale Male. Er erzählt aus seinem Leben und Beobachtungen, welche er machte. So zum Beispiel von der Landflucht der spanischen ländlichen Bevölkerung. Sein Vater ist Spanier und kommt aus einem Dorf, welches heute mehr oder weniger eine Ruine ist. Persönlich wird es, wenn er von seiner schmerzhaften seltenen Krankheit erzählt, der Psoriasis-Arthritis. Eines ist zu hoffen, dass noch mehr so tolle Alben von Pale Male erscheinen und dass man ihn bald einmal auf unseren Bühnen erleben darf.

Fredi Hallauer

AVIELLE

Album: „Oread“

Avielle lebt in der Schweiz und hat arabisch – jüdische Wurzeln. Sie lebte schon fast überall auf der Welt und ist vielleicht die typische Weltenbürgerin. Sie ist aber auch Singer/Songwriterin mit Gitarre und zelbriert einen Stil zwischen Folk, Jazz und Americana. Avielle ist inspiriert von der Musik der späten 60iger Jahre, als Musik noch ein Teil von Pazifismus und sozialer Revolution war. Die Songs hat sie in den Schweizer Alpen geschrieben und der Albumtitel weist darauf hin, denn Oreaden sind in der griechischen mythologie, Bergnymphen. Sie erzählt in ihren Songs viel von der natur, den Bergen, Pflanzen und Tieren, vom Wind und Wetter und macht dies als Sinnbild für die Menschheit und die Gesellschaft. Avielle singt mit einer warmen Alt-Stimme und lässt es einem sehr angenehm werden, wenn man ihr zuhört. Ein aussergewöhnliches Album.

Fredi Hallauer

BANDELLA VISTA MARE

Album: „Bandella Vista Mare“ (Narrenschiff)

Die Bandella ist die kleinere Form der Harmoniemusik und war in ganz Norditalien verbreitet, heute kommt sie nur noch im Tessin vor und auch da immer seltener. Der im Tessin lebende Peter Zemp hat nun dieses Projekt gestartet um den Bandellas auftrieb zu geben. Die Bandella Vista mare ist eine Zusammensetzung der Bandella Chilometro Zero mit vier Blechbläsern und einer Klarinette, dazu kommt Pierino e il lupi mit Bassklarinette, Perkussdion und Peter Zemp am Akkordeon, als Gast ist Albin Brun mit dem Sopransaxophon dabei und Matteao Mazza am Schlagzeug. Die Band nimmt die typische Bandella Musik auf, läst sie aber in den Jazz eintauchen, am zeitgenössischen Folk schnuppern und viel Humor einflechten ohne dabei die ernsten Seiten zu vergessen. So ist dieses Album ein reines Hörvergnügen. Musik zum zuhören und vom Süden träumen.

Fredi Hallauer

JEANIE JOHNSTON

Album: „Tales From The Shore“ (www.jeaniejohnston.ch)

Jeanie Johnston war ein Schiff, welches viele Migranten von Irland in die USA brachte. Jeanie Johnston ist aber auch eine vierköpfige Band aus Luzern, welche die Folkmusik spielen, zwischen Irland und den USA und manchmal auch von der Schweiz oder sonstwo. Die Sängerin und Flötistin Kathrin Künzi, schrieb für zwei Lieder die Lyriks und teilweise die Komposition, bei andern Liedern ist sie auch für die Arrangements verantwortlich. Acht Songs sind Traditionals, eines stammt vom Sänger, Gitarristen, Banjo- und Dobrospieler Othmar Brügger, welcher auch für Arrangements zuständig ist. Im ganzen sind 13 Songs zu hören. Mit zu der Band gehört Vincent Millioud an der Geige und Claudio Strebel am Kontrabass. Es ist Folk zwischen keltisch, Buegrass, Oldtime, einem Schuss Zigeunerjazz und Schweizer Folklore. Sie singen das Guggisberglied und haben noch mehr der heimweherzeugenden Harmonien rausgenommen und so die Geschichte vom Vreneli so richtig auf den Boden gebracht. Ein sehr gutes und topaktuelles Mundartlied ist „Mitholz“, welches Kathrin Künzi und Othmar Brügger geschrieben haben. DasLlied erzählt von der Explosion 1947 im Mitholz und der Situation dass alle Leute aus dem Dorf heute ausziehen sollen. Jeanie Johnston liefern ein herrliches und engagiertes Folkalbum ab und sind hoffentlich bald damit landauf und landab auf den Bühnen zu sehen. Gehört auf die Liste des Albums des Jahres.

Fredi Hallauer

CORIN CURSCHELLAS ILS FRÄNZLIS DA TSCHLIN

Doppel-CD „1,2,3! Dai Hop! (R-Tunes)

Dieses Doppelalbum erschien bereits 2019, aber es kam mir erst jetzt zu Gehör. Mit 55 Liedern und zwei Booklets. ein wahres Doppelpack. Mit dabei sind Corin Curschellas und die Gruppe Ils Fränzlis da Tschlin plus La Triada und Las Ledigas, welches beides Frauengruppen sind einerseits aus dem Umfeld von Corin curschellas, andererseits aus dem Umfeld von Ils Fränzzlis da Tschlin. Diese Formationen singen miteinander, alleine oder in kleineren Besetzungen diese rätoromanischen Liedern in allen Idiomen. Es sind eigentlich Kinderlieder, traditionelle und komponierte von rätoromanischen Komponist*innen. Diese Lieder sind sehr fein, filigran mit ebensolcher Musik. Als Erwachsene*r kann man dieses Doppelalbum sehr wohl geniessen, ohne das Gefühl zu haben, es sei kindisch. Die schönen Gesänge der Frauen sind ein Ohrenschmaus, ebenso die Melodien der Geige, Klarinette, Bratsche oder des Cellos. Der Kontrabass bringt das fetzige dazu. Ein Teil der Lieder sind A-Cappella gesungen. Einen einzigen Wermuthstropfen gibt es, im Booklet steht, die deutschen Übersetzungen der Lieder seien auf einer angegebenen Webseite nachzulesen oder herunterzuladen. Leider gibt es dort nirgend Übersetzungen oder man findet sie nicht. Trotzdem anhören und das schöne Folkalbum geniessen.

Fredi Hallauer

BURGER

Album: „Mängisch zart u mängisch wild“

Burger ist ein Quartett aus Bern und ihr Sänger und Songschreiber heisst mit Familienname Burger. Sie spielen eine Art Berner Chanson Folkrock. Musikalisch spielen sie zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug und Gesang. Dabei kommen leicht rockige Sound zustande, manchmal auch Folk oder Country. Das wichtige bei Burger sind aber die Texte. Sie erzählen aus dem Leben. Es sind Geschichten die meistens nicht von der Sonnenseite des Lebens handeln. Der Höhepunkt des Albums ist „Hus a dr Bahnhofstrass“, welches auf die Geschichte eines 100 jährigen Hauses blickt. Als Gäste bei zwei anderen Liedern sind Anna Mae und Mandana dabei. „No mal dervo cho“ erzählt von Ereignissen, welche dich oder mich hätten treffen können. Generell ist das Album ruhig gehalten, meistens Midtempo. Der Albumtitel bezieht sich nicht auf die Musik, sondern auf eine Zeile aus einem Lied. Auf dem Album sind auch noch Gastmusiker vertreten, denn man kann da und dort Keyboards hören, oder auch Instrumente. Minuspunkte sind, dass Burger nicht immer sauber intoniert und auch in der Musik zwischen Leadgitarre und den restlichen Instrumenten gibt es zwei dreimal Reibungen, welche wohl nicht absichtlich so aufgenommen wurden. Burger ist ein Mundart Lieder Album das tiefgründig unterhaltend ist, ohne lustig sein zu wollen, aber auch kein belehrendes Album, sondern gemütliche Musik mit Tiefgang.

Fredi Hallauer

TURKEY THE BIRD

Album: „Turkey The Bird“ (Vis Viva Publishing)

Das Trio aus Neuseeland mit Schweizer Beteiligung sagt von sich selber, sie sind die neuseeländische Antwort auf Simon and Garfunkel. Aber nun von Anfang an. Das Trio besteht aus dem Schweizer André Manella, welcher seit 12 Jahren in Neuseeland lebt und als Musiker auch unter dem Namen Sonic Delusion bekannt ist. Er singt spielt Gitarre und bedient das Basspedal. Ebenfalls Gitarre und am Singen ist Adrian Whelan, ein in Neuseeland lebender Ire und am Banjo, Singen ist der echte Neuseeländer Sol Bear Coulton. Die drei spielen lebendigen Folk, stark irisch gewürzt. Der oft dreistimmige Harmoniegesang ist erfrischend und sehr speziell ist auch das Banjospiel von Sol Bear Coulton. Dieser Sound ist der perfekte Sommer Sound für die Garten- oder Strandparty. Ganz ernst nehmen sich die drei nicht und sie haben viel Spass, einfach die Musik machen sie seriös. Ein leichtes Album das gute Laune verbreitet und Spass macht.

Fredi Hallauer

TORP

Album: „Time Flies“ (ListenCollective)

Torp ist ein Singer/Songwriter zwischen Folk und Pop aus dem Prättigau. Geboren wurde er in Norddeutschland, kam als acht Jähriger in die Schweiz in den Kanton Graubünden und lebt nun im Raum Zürich. Er hat nun sein Debütalbum veröffentlicht. Er erzählt uns viele Geschichten, dasrum sicher ein Singer Songwriter. Einige Stücke sind klar folkig mit viel Fingerpicking Gitarre, bei anderen setzt er halbe Ochester ein mit einem dichten Sound. Es hat Songs auf diesem Album, welche zum Indiepop gehören, mit grossen musikalischen Bögen und sogar Stadion Sound. Es ist interessant Torp zuzuhören, einerseits den Geschichten und andererseits mder spannenden Musik. Ein gelungenes Debüt.

Fredi Hallauer