IKAN HYU

Album: „Withdrawal Symptoms“ (Mouthwatering Records)

Zu ihrem zehnjährigen Bestehen hat das Duo ihr zweites Album aufgenommen. Man hört hier die Weiterentwicklung der beiden Frauen hervorragend. Wichtig ist, Ikan Hyu sind ein echtes Duo, sie spielen alles selbst. Mit ihren verschiedenen Synthesizern, einem Kassettengerät, einem Walkie-Talkie, über dem sie die Gitarre darüber spielen, und mehr eigenwilligen Ideen entstanden diese Klanglandschaften. Die Songs gehen fast fliessend ineinander über. Inhaltlich erzählen die Beiden von Freundschaft, Nähe und Distanz und allem, was dazugehört. Das Album beginnt ganz leise und fein und man fragt sich, ob hier mit dem Download oder dem Album etwas schiefgelaufen ist. Dann aber bekommt das Album mehr und mehr Drive und Ikan Hyu werden zu den „Haifischen“ aus Indonesien, dort bedeutet der Name nämlich Haifisch. Ein cleveres, kraftvolles Album, das sich auch zum Tanzen bestens eignet.

Fredi Hallauer

CARROUSEL

Album: „Eclaircie“ (Melloman/Jazzhouse Records)

Das Duo Carrousel ist mit einem neuen Album am Start. Es klingt so wie das Albumcover aussieht, nämlich hell und leicht. Sophie und Leonard singen, und spielen Gitarren, Akkordeon, Tasteninstrumente und Perkussion. Sie werden unterstützt mit Bass, Schlagzeug, Ukulele, Piano, Trompete und Perkussion. Gesungen wird französisch. Schon die Sprache und natürlich die Musik geben dem Ganzen den typischen französischen Flair. Der Wechsel der Stimmen (Frau und Mann) gibt dem Sound noch mehr Leichtigkeit. Die Lieder erzählen aus dem Leben, sie sind positiv und verströmen viel ebensolche Energie. Beim Hören des Albums hört man Sophie hüpfen und man hüpft selbst dazu, egal was man gerade sonst macht. Es ist immer wieder eine Freude, Carrousel zu hören, und überraschend, was für neue Ideen sie haben.

Fredi Hallauer

Interview:

Am Seaside Festival Spiez sprachen Kathrin und Fredi Hallauer mit Sophie und Leonard. Hier kann man das Interview hören.

SHEM THOMAS

Album „be.“ (Shema Records)

Shem Thomas nahm mit „be.“ sein 3. Album auf. Seine Stimme ist nach wie vor unverkennbar. Sie erinnert etwas an Cat Stevens oder James Blunt. Seine Songs gehen sofort ins Ohr. Die Musik ist  weniger gitarrenlastig, sondern auch mit Elektronik durchsetzt und produziert. Die Songs mit Gitarre gibt es auch. Ein wunderschönes Duett ist „We Can“ zusammen mit Jaël. Die raue und die feenhafte Stimme sind Balsam für die Ohren. „Chilbibahn“ ein Mundartlied, ist gut gelungen. Überhaupt hat Shem Thomas ein gutes Songwriting über das ganze Album hinweg. Es sind energiegeladene Songs über das Leben und das Sein. Sie verströmen Hoffnung und teils auch Lebensfreude. Die meisten dieser modernen Indie Folksongs sind tanzbar. Der Opener „Coastline“ fetzt so richtig. Ein grossartiges Album, welches die heimische Musikszene prägt.

Fredi Hallauer

HEIMWEH

Album: „Fründschaft“ (Hitmill)

Den Schweizer Pop Jodel Männerchor gibt es seit zehn Jahren. Nun erschien das Album zum zehnjährigen Bestehen. Wer jetzt denkt, ja es wird tönen wie bisher, der liegt nicht ganz richtig. Schon bald fällt auf, dass die Lieder etwas mehr nach Pop und weniger nach Jodel tönen. Klar, oft kommt dann der Chor, aber eher im Hintergrund, und die Instrumente spielen vorn mit. Es sind jetzt fast alle Männer, welche bei einem Lied den Lead haben, und dies über eine längere Zeit. „Scho lang nüme tanzt“ tönt ganz anders als Heimweh bisher, es ist ein beschwingter Popsong. Bei „Stah nomal uf“ wurde die Musik vom Sänger Alain Boog mitgeschrieben. Beatrice Egli singt bei „So schön cha s’Läbe si“ mit und hat ebenfalls am Text mitgearbeitet. Sonst stammen die Lieder und die Produktion von George Schlunegger. Als letztes Lied gibt es „Rosmarie“ zu hören, dieses Mal mit Orchesterbegleitung, was aber wenig bringt. Wer die Gruppe Heimweh mag, wird sie immer noch mögen. Womöglich könnte dieses Album den Geschmack von mehr Menschen treffen.

Fredi Hallauer

LEROCQUE

EP: „Legacy“

Leroque ist ein jüngerer Musiker, welcher mit starkem Pop auftrumpft. Die Musik ist auf den Punkt produziert und alle Songs fahren direkt ins Tanzbein. Das ist aber noch nicht alles. Die Lieder handeln davon, dass wir mit allem, was wir tun und erleben, Spuren hinterlassen. So singt er von seiner Jugendzeit, der Liebe oder dem Alltag heute, wo er etwas ruhiger ist, trotzdem aber leise Spuren hinterlässt. Sechs Songs, welche nach mehr verlangen.

Fredi Hallauer

BASCHI

Album: „Bürgin“ (Universal Music)

Baschi nahm ein neues Album auf. Es ist sehr gelungen. An den Texten haben neben Baschi noch Dabu Bucher, Thomas Fessler, Valentino Vivace und Stefanie Heinzmann mitgearbeitet. Die letzteren beiden singen jeweils ein Duett auf dem Album mit Baschi. Produzent ist Thomas Fessler, welcher auch musikalisch gewirkt hat, neben Jean-Pierre von Dach. Christian Riesen, Matthias Kräutli, Tamara Olorga. Dabu Bucher und Ben Mühlethaler. Diese Koryphäen der Schweizer Musikszene sind dann auch hörbar. Das Album ist sehr sauber produziert, die Musik ist gut gespielt und die Texte haben Niveau. Baschi singt voller Emotionen mit einer kraftvollen und präsenten Stimme. Seine Lieder erzählen von seinem Vater, von seiner Jugend, von Liebe, von Italien und einigem mehr. Die Songs sind sowohl ernsthaft als auch selbstironisch, genau das, was man von Baschi gewohnt ist. Er kann mit diesem Album sicher ein weiteres Mal durchstarten.

Fredi Hallauer

THE GARDENER AND THE TREE

EP: „Sole“ (Nettwerk Music Group)

Das bekannte Schweizer Quartett, liess sich etwas Zeit mit neuer Musik, ist aber jetzt zurück. Die neue EP klingt stark wie eh und je. Sechs abwechslungsreiche Songs, mit grosser Musikalität sind hier zu hören. Geprägt wird der Sound weiterhin von der charismatischen, tiefen Stimme und dem speziellen Timbre des Sängers. Diese Popmusik ist einzigartig und das Klavier gibt den Ton an unter den Instrumenten. Sehr wohltuend klingt auch der Harmoniegesang. Dies ist eine EP über die man nicht viel schreiben kann, die muss man sich einfach anhören, und dann werden die meisten begeistert sein.

Fredi Hallauer

KARLI

EP: „Vögel und Müüs“

Karli ist nun solo unterwegs. Wer ist denn Karli? Er ist derjenige der Band Plankton, welche bedeutend war in der Schweizer Musikszene. Jetzt ist er solo unterwegs mit Mundartliedern. Er erzählt aus dem Leben, wie er Vögel und Mäuse begraben hat, aber in seinem halben Leben noch nie einen toten Menschen sah. In anderen Liedern singt er von der streikenden Karte an der Kasse, von „Ewigi Liebi“ im Ohr, von schlechtem Wetter am Geburtstag, von verlorenen Schlüsseln. Es sind alles kleine Episoden, die wir alle kennen, und darum sind die Lieder so direkt zugänglich. Musikalisch ist es Gitarre, Bass, Vintage Synthies, da eine Trompete, dort ein anderes Instrument. Der Sound ist sparsam, aber sehr passend und warm. Man darf sich auf sein Album im Herbst freuen.

Fredi Hallauer

NOEMI BEZA

EP: „You’ll Find Me There“ (Universal Music)

Die junge Sängerin zeigt mit ihrer zweiten EP, dass sie zur Schweizer Musikszene zu zählen ist und dies in der ersten Reihe. Sie stammt aus Äthiopien und wurde vier Monate alt von einer Schweizer Familie adoptiert und wuchs im kanton Thurgau auf. Sie singt englisch. Noemi Beza macht Popmusik zwischen Indie Pop und Indie Folk mit treibendem Rockeinfluss. Das Spektrum der vier Songs ist sehr breit. Inhaltlich setzt sie sich u.a.mit der Suche von ihrem Platz im leben auseinander. Es ist fröhliche und aufgestellte Musik und bestens zum Abtanzen geeignet.

Fredi Hallauer

NICKLESS

Album: „Cars And Things That Go“ (Universal Music)

Der Zürcher Musiker ist mit einem neuen Album zurück – und wie! Die Musik strotzt nur so vor Energie. Er mischt modernen Synthpop mit 80er-Sound und Energie. Da geht es fröhlich zu und her, auch wenn er von einsamen Herzen singt. Nicht nur die Musik hat Power, seine Stimme ebenfalls. Er singt in ziemlich hoher Stimmlage und fällt nur selten in die Kopfstimme. Als singender Schlagzeuger hat es natürlich als Rhythmus, echtes Schlagzeug dabei und nicht nur Elektrobeats. „Take Me Dancing“ ist eigentlich fast das Motto des Albums und bei diesem Song singt Crimer noch mit, also 80er-Sound im Quadrat. Bei diesem Album gilt: Abspielen und tanzen in allen Lebenslagen oder auf die nächste Party mitnehmen. So soll Popmusik tönen, treibend und clever.

Fredi Hallauer

TAL ARDITI

Album: „Love Myself“ (Mouthwatering Records)

Tal Arditi ist bereits wieder mit neuer Musik am Start. Das Album tönt quirliger, verspielter und lebendiger. Seine schöne Stimme gibt den Songs den entsprechenden Charakter. Es sind liebliche Popsongs mit viel Charme und vertrackten Beats. Der Inhalt der Lieder dreht sich um Selbstakzeptanz. Er hatte selbst Probleme damit und verarbeitet dies nun in diesen Songs. Ein wunderschönes Album ist entstanden. Tal Arditi sollte man gehört haben, zumindest einmal, aber dann wirkt seine Magie und man wird ihn immer und immer wieder hören.

Fredi Hallauer

TO ATHENA

Album: „Have I Lost My Magic“ (Mouthwatering Records)

Dies ist bereits das dritte Studioalbum der Luzerner Musikerin und Sängerin To Athena. Inhaltlich ist es ein persönliches Album, welches von der Suche nach der verloren geglaubten inneren Magie erzählt, von Verletzlichkeit, von zwischenmenschlichen Beziehungen, Burn-out und Missbrauch. Musikalisch bewegt sich das Album in einer riesigen Palette, welche im Universum von To Athena möglich ist. Da sind geringe Arrangements mit Streichern und Piano und/oder Harfe zu hören, um dann wiederum grosse Bögen zu spannen mit fast schon symphonischem Ausmass. Man darf diese Musik als Kammerpop bezeichnen.Grundsätzlich sind die Songs und Lieder eher ruhig und vielleicht etwas traurig und gleichzeitig auch hoffnungsvoll und voll Sonnenschein. To Athena versteht es, Stimmungen zum Publikum zu bringen, ohne dass man alles versteht. Das lässt ihre Erfolge auch in Mexiko mit Mundartliedern erklären. Sie singt auf diesem Album Englisch und Mundart.

Fredi Hallauer

ODD BEHOLDER

Album: „Honest Work“ /Sinnbus/Mouthwatering Records)

Die Musikerin erzählt vom Arbeitsalltag mit den Frustrationen, unfairen Arbeitsbedingungen, ökologischen Krisen und emotionaler Einsamkeit. Es erzählt von einer Gesellschaft, die Leistungsdruck internalisiert und dabei Leistung nur vage definiert. Von Erschöpfung, Zorn und Druck und vom Leben jener, die versuchen, sich darin zurechtzufinden und ihre Würde nicht zu verlieren, und damit wahrscheinlich scheitern. Musikalisch betont sie die Beats und den Bass. Die Stücke lehnen sich an elektronische Musik der Neunzigerjahre an; an Trip-Hop, Drum ’n’ Bass, 2-Step Garage und Industrial. Die Stimmung ist dunkler Pop und trotzdem mit einer Leichtigkeit, welche Mut macht und vielleicht sogar aufstellend ist, wenn man unter schwierigen Bedingungen arbeiten muss. Ein sehr engagiertes und intelligentes Album.

Fredi Hallauer

GIGI MALUA

EP:“Malua“ (Universal Music)

Die junge Sängerin nannte sich bei ihrer früheren EP einfach Gigi, sie ist jetzt Gigi Malua. Wer sich die EP anhört, erkennt sie gleich bei den ersten gesungenen Tönen wieder. Gigi Maluas Stimme hat einen hohen Wiedererkennungswert. Musikalisch ist es sauber produzierter Pop. Wichtig sind die Texte. Sie erzählt fünf verschiedene Geschichten und doch haben sie Gemeinsamkeiten. Es geht um Mental Health, Sucht, Liebe und die Parallelen dazwischen, die im Alltag oft übersehen oder bewusst ausgeblendet werden. Gigi Malua hat viele Doppeldeutigkeiten in ihren Texten und das sehr bewusst. So hört jedermann etwas anderes aus den Songs oder vielleicht mehrere Sachen fast gleichzeitig. Die Sängerin will, dass dies geschieht, und will offen bleiben. Erklärungen braucht es keine, alles soll so im Raum stehen bleiben. Mit dieser EP fordert uns Gigi Malua heraus, und dies auf eine anspruchsvolle Weise und trotzdem mit Genusseffekt.

Fredi Hallauer

LIGHT FOOD

Album: „Far From Over“ (Irascible)

Das Quartett aus dem Seeland kommt in der klassischen Besetzung daher: zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Der eine Gitarrist übernimmt den Leadgesang und die anderen drei Musiker singen die Chöre. Die sechzehn Songs verströmen gute Laune und Lebenslust mit hoher musikalischer Qualität, das ist, was wir in heutiger Zeit benötigen. Light Food spielen Rock, Blues, Oldies und Pop. Der eine Gitarrist spielt gelegentlich die Mandoline, was dem Sound eine spezielle Note gibt. Überhaupt, das ist handgemachte Musik mit akustischer und elektrischer Gitarre oder eben der Mandoline. Der Sänger hat eine starke und markante Stimme, er gibt dem ganzen Sound sein Charisma. Zu dieser Musik lässt sich herrlich abtanzen und gute Laune tanken. Einfach ausprobieren, lohnt sich.

Fredi Hallauer