THE GARDENER AND THE TREE

EP: „Sole“ (Nettwerk Music Group)

Das bekannte Schweizer Quartett, liess sich etwas Zeit mit neuer Musik, ist aber jetzt zurück. Die neue EP klingt stark wie eh und je. Sechs abwechslungsreiche Songs, mit grosser Musikalität sind hier zu hören. Geprägt wird der Sound weiterhin von der charismatischen, tiefen Stimme und dem speziellen Timbre des Sängers. Diese Popmusik ist einzigartig und das Klavier gibt den Ton an unter den Instrumenten. Sehr wohltuend klingt auch der Harmoniegesang. Dies ist eine EP über die man nicht viel schreiben kann, die muss man sich einfach anhören, und dann werden die meisten begeistert sein.

Fredi Hallauer

KARLI

EP: „Vögel und Müüs“

Karli ist nun solo unterwegs. Wer ist denn Karli? Er ist derjenige der Band Plankton, welche bedeutend war in der Schweizer Musikszene. Jetzt ist er solo unterwegs mit Mundartliedern. Er erzählt aus dem Leben, wie er Vögel und Mäuse begraben hat, aber in seinem halben Leben noch nie einen toten Menschen sah. In anderen Liedern singt er von der streikenden Karte an der Kasse, von „Ewigi Liebi“ im Ohr, von schlechtem Wetter am Geburtstag, von verlorenen Schlüsseln. Es sind alles kleine Episoden, die wir alle kennen, und darum sind die Lieder so direkt zugänglich. Musikalisch ist es Gitarre, Bass, Vintage Synthies, da eine Trompete, dort ein anderes Instrument. Der Sound ist sparsam, aber sehr passend und warm. Man darf sich auf sein Album im Herbst freuen.

Fredi Hallauer

NOEMI BEZA

EP: „You’ll Find Me There“ (Universal Music)

Die junge Sängerin zeigt mit ihrer zweiten EP, dass sie zur Schweizer Musikszene zu zählen ist und dies in der ersten Reihe. Sie stammt aus Äthiopien und wurde vier Monate alt von einer Schweizer Familie adoptiert und wuchs im kanton Thurgau auf. Sie singt englisch. Noemi Beza macht Popmusik zwischen Indie Pop und Indie Folk mit treibendem Rockeinfluss. Das Spektrum der vier Songs ist sehr breit. Inhaltlich setzt sie sich u.a.mit der Suche von ihrem Platz im leben auseinander. Es ist fröhliche und aufgestellte Musik und bestens zum Abtanzen geeignet.

Fredi Hallauer

NICKLESS

Album: „Cars And Things That Go“ (Universal Music)

Der Zürcher Musiker ist mit einem neuen Album zurück – und wie! Die Musik strotzt nur so vor Energie. Er mischt modernen Synthpop mit 80er-Sound und Energie. Da geht es fröhlich zu und her, auch wenn er von einsamen Herzen singt. Nicht nur die Musik hat Power, seine Stimme ebenfalls. Er singt in ziemlich hoher Stimmlage und fällt nur selten in die Kopfstimme. Als singender Schlagzeuger hat es natürlich als Rhythmus, echtes Schlagzeug dabei und nicht nur Elektrobeats. „Take Me Dancing“ ist eigentlich fast das Motto des Albums und bei diesem Song singt Crimer noch mit, also 80er-Sound im Quadrat. Bei diesem Album gilt: Abspielen und tanzen in allen Lebenslagen oder auf die nächste Party mitnehmen. So soll Popmusik tönen, treibend und clever.

Fredi Hallauer

TAL ARDITI

Album: „Love Myself“ (Mouthwatering Records)

Tal Arditi ist bereits wieder mit neuer Musik am Start. Das Album tönt quirliger, verspielter und lebendiger. Seine schöne Stimme gibt den Songs den entsprechenden Charakter. Es sind liebliche Popsongs mit viel Charme und vertrackten Beats. Der Inhalt der Lieder dreht sich um Selbstakzeptanz. Er hatte selbst Probleme damit und verarbeitet dies nun in diesen Songs. Ein wunderschönes Album ist entstanden. Tal Arditi sollte man gehört haben, zumindest einmal, aber dann wirkt seine Magie und man wird ihn immer und immer wieder hören.

Fredi Hallauer

TO ATHENA

Album: „Have I Lost My Magic“ (Mouthwatering Records)

Dies ist bereits das dritte Studioalbum der Luzerner Musikerin und Sängerin To Athena. Inhaltlich ist es ein persönliches Album, welches von der Suche nach der verloren geglaubten inneren Magie erzählt, von Verletzlichkeit, von zwischenmenschlichen Beziehungen, Burn-out und Missbrauch. Musikalisch bewegt sich das Album in einer riesigen Palette, welche im Universum von To Athena möglich ist. Da sind geringe Arrangements mit Streichern und Piano und/oder Harfe zu hören, um dann wiederum grosse Bögen zu spannen mit fast schon symphonischem Ausmass. Man darf diese Musik als Kammerpop bezeichnen.Grundsätzlich sind die Songs und Lieder eher ruhig und vielleicht etwas traurig und gleichzeitig auch hoffnungsvoll und voll Sonnenschein. To Athena versteht es, Stimmungen zum Publikum zu bringen, ohne dass man alles versteht. Das lässt ihre Erfolge auch in Mexiko mit Mundartliedern erklären. Sie singt auf diesem Album Englisch und Mundart.

Fredi Hallauer

ODD BEHOLDER

Album: „Honest Work“ /Sinnbus/Mouthwatering Records)

Die Musikerin erzählt vom Arbeitsalltag mit den Frustrationen, unfairen Arbeitsbedingungen, ökologischen Krisen und emotionaler Einsamkeit. Es erzählt von einer Gesellschaft, die Leistungsdruck internalisiert und dabei Leistung nur vage definiert. Von Erschöpfung, Zorn und Druck und vom Leben jener, die versuchen, sich darin zurechtzufinden und ihre Würde nicht zu verlieren, und damit wahrscheinlich scheitern. Musikalisch betont sie die Beats und den Bass. Die Stücke lehnen sich an elektronische Musik der Neunzigerjahre an; an Trip-Hop, Drum ’n’ Bass, 2-Step Garage und Industrial. Die Stimmung ist dunkler Pop und trotzdem mit einer Leichtigkeit, welche Mut macht und vielleicht sogar aufstellend ist, wenn man unter schwierigen Bedingungen arbeiten muss. Ein sehr engagiertes und intelligentes Album.

Fredi Hallauer

GIGI MALUA

EP:“Malua“ (Universal Music)

Die junge Sängerin nannte sich bei ihrer früheren EP einfach Gigi, sie ist jetzt Gigi Malua. Wer sich die EP anhört, erkennt sie gleich bei den ersten gesungenen Tönen wieder. Gigi Maluas Stimme hat einen hohen Wiedererkennungswert. Musikalisch ist es sauber produzierter Pop. Wichtig sind die Texte. Sie erzählt fünf verschiedene Geschichten und doch haben sie Gemeinsamkeiten. Es geht um Mental Health, Sucht, Liebe und die Parallelen dazwischen, die im Alltag oft übersehen oder bewusst ausgeblendet werden. Gigi Malua hat viele Doppeldeutigkeiten in ihren Texten und das sehr bewusst. So hört jedermann etwas anderes aus den Songs oder vielleicht mehrere Sachen fast gleichzeitig. Die Sängerin will, dass dies geschieht, und will offen bleiben. Erklärungen braucht es keine, alles soll so im Raum stehen bleiben. Mit dieser EP fordert uns Gigi Malua heraus, und dies auf eine anspruchsvolle Weise und trotzdem mit Genusseffekt.

Fredi Hallauer

LIGHT FOOD

Album: „Far From Over“ (Irascible)

Das Quartett aus dem Seeland kommt in der klassischen Besetzung daher: zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Der eine Gitarrist übernimmt den Leadgesang und die anderen drei Musiker singen die Chöre. Die sechzehn Songs verströmen gute Laune und Lebenslust mit hoher musikalischer Qualität, das ist, was wir in heutiger Zeit benötigen. Light Food spielen Rock, Blues, Oldies und Pop. Der eine Gitarrist spielt gelegentlich die Mandoline, was dem Sound eine spezielle Note gibt. Überhaupt, das ist handgemachte Musik mit akustischer und elektrischer Gitarre oder eben der Mandoline. Der Sänger hat eine starke und markante Stimme, er gibt dem ganzen Sound sein Charisma. Zu dieser Musik lässt sich herrlich abtanzen und gute Laune tanken. Einfach ausprobieren, lohnt sich.

Fredi Hallauer

FOX MARGUERITE

Album: „Bar De L’Helice“ (Irascible)

Fox Marguerite sind ein Quartett aus Genf, eine Sängerin und drei Musiker. Sie machen Musik an der Schnittstelle von französischem Chanson und rohem, verträumtem Rock. Die Band zeigt eine grosse Verspieltheit in den Rhythmen, welche in dezenten Latinrhythmen, Tango, Samba bis zu Dancefloor ausufern kann. Mit den klassischen Rockinstrumenten Bass, Schlagzeug und Gitarre machen sie die ganze Musik, roh und eindrücklich. Gesungen wird auf Französisch und die Sängerin macht das recht witzig und theatralisch. Ihre Stücke erzählen von Diskrepanzen, vereitelten Impulsen und imaginären Welten. Ein Schmunzeln ist beim Hören dieser Musik immer möglich. Dieses Album ist erfrischend und macht Spass.

Fredi Hallauer

DABU FANTASTIC

Album: „Live in Bümpliz“ (Gadget/Phonag)

Endlich ist es da, das lang ersehnte erste Live Album von Dabu Fantastic. Aufgenommen wurde es im Sternensaal Bümpliz und es war der Tourabschluss von der Ciao Baby Ciao Tour. Übrigens: Es war das 50. Konzert dieser Tour. Am Anfang hielt Bänz Friedli eine kurze Rede über Berndeutsch und Zürcher, welche näher bei Mani Matter sind als mancher Berner. Dann folgte das Konzert mit alten und neuen Hits, angefangen bei So Easy bis zu Min Ort und Die letschte drü Minute. Mit dabei natürlich auch Angelina, Ciao Baby Ciao, Vo vorn und Teddybär von den Rumpelstilz. Als Gäste sind neben Bänz Friedli, Nina Valotti, Riana und Baschi dabei. Die Band ist in Hochform, Dabu und DJ Arts ebenfalls, und das Publikum singt aus voller Brust und tönt sehr textsicher. Dabu sagt nur das Notwendige zwischen den Titeln und das nicht zwischen jedem. Mit diesem Album ist man wirklich am Konzert von Dabu Fantastic dabei. Ein wunderschönes Live Album.

Fredi Hallauer

MAKEL & FRIENDS

Album: „Mister Moon“ (Makel Music/CeDe.ch)

Makel veröffentlichte sein viertes Album in sechs Jahren. Der Musiker, Sänger und Singer/Songwriter versucht, Hoffnung und Leichtigkeit in die schwierigen Zeiten zu bringen. Dies schafft er, obwohl auch er manchmal seine Zweifel hat, wie man hört. Musikalisch zieht er viele Register. Da ist etwas Pop dabei, Singer/Songwriter, Liedermacher, Folk und Indie Folk plus ein Schuss Americana. Seine Freunde sind sehr vielseitig und spielen auf den üblichen Popinstrumenten, sind Bläser und spielen Cello und singen. Immer wieder ist eine Frauenstimme zu hören im Lead, Duett und Backing. Er singt viel auf Englisch, drei Lieder in Mundart und einmal Spanisch. Die Texte auf Mundart sind nicht alle wirklich geglückt, mit Ausnahme von „Der Himmu gits doch“. Insgesamt ist es ein gut gelungenes Album mit starker Musik und wunderschönen Arrangements.

Fredi Hallauer

LO & LEDUC

Album: „Krise als Chanson“ (Bakara Music)

Dies ist das sechste Studioalbum der beiden Berner Mundartmusiker. Nach einer Pause ist vieles neu. Lo & Leduc sind politisch geworden, singen zwei Lieder auf Deutsch und es sind nicht einfach Partysongs. Das Album beginnt mit einer politischen Klavierballade. Sie heisst „Für Love“ und die Lyrics zeigen, worum es beim Album geht. „Dr Eint behouptet, dass dr Anger immer nume lügt. Dr anger seit, alles, wo dr eint seit, stimmi nid – U die Aller- Aller- Aller- Allermeiste säge nüt“ ist eine der Textzeilen. Die Texte sind klar, und trotzdem muss man aufpassen, um alles genau zu hören und zu verstehen. Mit dem dreimaligen Anhören des Albums erschliesst es sich noch lange nicht ganz. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Zwei andere Textbeispiele: In „Martha“ und anderen Songs offenbart sich das Politische, das Abgründige im Nebeneinander der Dinge: „Am Bahnhofsiigang schwäbe d Giige, Sibe Füfzg dr Huus-Iistee. Visavis vo mir im Abteil hocket eine mitem Gwehr“. In „Loyalty x Many Men“: „Mir hei chly Dräck uf dr Zunge, Goldstoub a de Fingertips, Drohne finge ihri Ziel dank Schwizer Mikrochips“. Es werden immer wieder viele Themen angesprochen, wie Gesundheitswesen, Krankenkassen, Geld Politik, Klima, Religion und viele mehr. Die beiden deutschen Lieder sind textlich sehr stark, trotzdem sind sie für mich weniger berührend als die Mundartlieder. Die Sounds sind elektronisch mit den bekannten tropischen Rhythmen, einfach eine etwas dunklere Stimmung. Tanzen darf man trotzdem dazu. Produziert hat grösstenteils Kali, welcher bereits verschiedene internationale Künstler:innen produziert hat. Mit dabei sind auch Gäste. Badnaiy, To Athena und Pronto sind es konkret. „Krise als Chanson“ ist Lo & Leducs bestes Album und gehört auf jede Bestenliste.

Fredi Hallauer

KOHOBA

Album: „Memories In Plastic“ (Irascible)

Die Berner Band spielt Tiefgang-Pop in mehreren Hinsichten. Der Bass spielt eine wesentliche Rolle im Sound, der Sänger tönt besonders schön, wenn er in den tieferen Lagen singt und am bedeutendsten sind die Texte, welche Tiefgang haben. Der Sound ist neben dem Bass von Synthies geprägt, welche manchmal nur Farbtupfer beisteuern und andere Male so richtig kräftig herumflirren. Die Songs sind teilweise richtige Hymnen. Chorgesang ist zu hören und die bereits erwähnte Baritonstimme. Kohoba strotzen vor Optimismus und sie sind der Meinung, dass man die Welt nur tanzend verändern kann. Ein erfrischender Sound, welchen man nicht jeden Tag hört.

Fredi Hallauer

KUNZ

Album: „Stadt Land Fluss Poet“ (Universal Music Switzerland)

Kunz hat zwölf neue Lieder für sein siebtes Studioalbum aufgenommen. Es sind Lieder über die „Kleinigkeiten“ im Leben. Alle Geschichten handeln vom Glück und vom Glücklichsein. Folkballaden und Pophymnen wechseln sich ab. Hervorragend gelungen ist das Duett mit Anna Känzig „Die ganzi Wäut“. Vielfach sind es spärlich instrumentierte Stücke, und dabei kommt sowohl die Musik, die einzelnen Instrumente als auch der Gesang gut zur Geltung. Das Album tönt immer noch nach Kunz. Es ist Wohlfühlmusik für den Alltag. Die Texte sind nicht tiefschürfend, aber schön. Das, was man benötigt zum Glücklichsein.

Fredi Hallauer