GIGI MALUA

EP:“Malua“ (Universal Music)

Die junge Sängerin nannte sich bei ihrer früheren EP einfach Gigi, sie ist jetzt Gigi Malua. Wer sich die EP anhört, erkennt sie gleich bei den ersten gesungenen Tönen wieder. Gigi Maluas Stimme hat einen hohen Wiedererkennungswert. Musikalisch ist es sauber produzierter Pop. Wichtig sind die Texte. Sie erzählt fünf verschiedene Geschichten und doch haben sie Gemeinsamkeiten. Es geht um Mental Health, Sucht, Liebe und die Parallelen dazwischen, die im Alltag oft übersehen oder bewusst ausgeblendet werden. Gigi Malua hat viele Doppeldeutigkeiten in ihren Texten und das sehr bewusst. So hört jedermann etwas anderes aus den Songs oder vielleicht mehrere Sachen fast gleichzeitig. Die Sängerin will, dass dies geschieht, und will offen bleiben. Erklärungen braucht es keine, alles soll so im Raum stehen bleiben. Mit dieser EP fordert uns Gigi Malua heraus, und dies auf eine anspruchsvolle Weise und trotzdem mit Genusseffekt.

Fredi Hallauer

LIGHT FOOD

Album: „Far From Over“ (Irascible)

Das Quartett aus dem Seeland kommt in der klassischen Besetzung daher: zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Der eine Gitarrist übernimmt den Leadgesang und die anderen drei Musiker singen die Chöre. Die sechzehn Songs verströmen gute Laune und Lebenslust mit hoher musikalischer Qualität, das ist, was wir in heutiger Zeit benötigen. Light Food spielen Rock, Blues, Oldies und Pop. Der eine Gitarrist spielt gelegentlich die Mandoline, was dem Sound eine spezielle Note gibt. Überhaupt, das ist handgemachte Musik mit akustischer und elektrischer Gitarre oder eben der Mandoline. Der Sänger hat eine starke und markante Stimme, er gibt dem ganzen Sound sein Charisma. Zu dieser Musik lässt sich herrlich abtanzen und gute Laune tanken. Einfach ausprobieren, lohnt sich.

Fredi Hallauer

FOX MARGUERITE

Album: „Bar De L’Helice“ (Irascible)

Fox Marguerite sind ein Quartett aus Genf, eine Sängerin und drei Musiker. Sie machen Musik an der Schnittstelle von französischem Chanson und rohem, verträumtem Rock. Die Band zeigt eine grosse Verspieltheit in den Rhythmen, welche in dezenten Latinrhythmen, Tango, Samba bis zu Dancefloor ausufern kann. Mit den klassischen Rockinstrumenten Bass, Schlagzeug und Gitarre machen sie die ganze Musik, roh und eindrücklich. Gesungen wird auf Französisch und die Sängerin macht das recht witzig und theatralisch. Ihre Stücke erzählen von Diskrepanzen, vereitelten Impulsen und imaginären Welten. Ein Schmunzeln ist beim Hören dieser Musik immer möglich. Dieses Album ist erfrischend und macht Spass.

Fredi Hallauer

DABU FANTASTIC

Album: „Live in Bümpliz“ (Gadget/Phonag)

Endlich ist es da, das lang ersehnte erste Live Album von Dabu Fantastic. Aufgenommen wurde es im Sternensaal Bümpliz und es war der Tourabschluss von der Ciao Baby Ciao Tour. Übrigens: Es war das 50. Konzert dieser Tour. Am Anfang hielt Bänz Friedli eine kurze Rede über Berndeutsch und Zürcher, welche näher bei Mani Matter sind als mancher Berner. Dann folgte das Konzert mit alten und neuen Hits, angefangen bei So Easy bis zu Min Ort und Die letschte drü Minute. Mit dabei natürlich auch Angelina, Ciao Baby Ciao, Vo vorn und Teddybär von den Rumpelstilz. Als Gäste sind neben Bänz Friedli, Nina Valotti, Riana und Baschi dabei. Die Band ist in Hochform, Dabu und DJ Arts ebenfalls, und das Publikum singt aus voller Brust und tönt sehr textsicher. Dabu sagt nur das Notwendige zwischen den Titeln und das nicht zwischen jedem. Mit diesem Album ist man wirklich am Konzert von Dabu Fantastic dabei. Ein wunderschönes Live Album.

Fredi Hallauer

MAKEL & FRIENDS

Album: „Mister Moon“ (Makel Music/CeDe.ch)

Makel veröffentlichte sein viertes Album in sechs Jahren. Der Musiker, Sänger und Singer/Songwriter versucht, Hoffnung und Leichtigkeit in die schwierigen Zeiten zu bringen. Dies schafft er, obwohl auch er manchmal seine Zweifel hat, wie man hört. Musikalisch zieht er viele Register. Da ist etwas Pop dabei, Singer/Songwriter, Liedermacher, Folk und Indie Folk plus ein Schuss Americana. Seine Freunde sind sehr vielseitig und spielen auf den üblichen Popinstrumenten, sind Bläser und spielen Cello und singen. Immer wieder ist eine Frauenstimme zu hören im Lead, Duett und Backing. Er singt viel auf Englisch, drei Lieder in Mundart und einmal Spanisch. Die Texte auf Mundart sind nicht alle wirklich geglückt, mit Ausnahme von „Der Himmu gits doch“. Insgesamt ist es ein gut gelungenes Album mit starker Musik und wunderschönen Arrangements.

Fredi Hallauer

LO & LEDUC

Album: „Krise als Chanson“ (Bakara Music)

Dies ist das sechste Studioalbum der beiden Berner Mundartmusiker. Nach einer Pause ist vieles neu. Lo & Leduc sind politisch geworden, singen zwei Lieder auf Deutsch und es sind nicht einfach Partysongs. Das Album beginnt mit einer politischen Klavierballade. Sie heisst „Für Love“ und die Lyrics zeigen, worum es beim Album geht. „Dr Eint behouptet, dass dr Anger immer nume lügt. Dr anger seit, alles, wo dr eint seit, stimmi nid – U die Aller- Aller- Aller- Allermeiste säge nüt“ ist eine der Textzeilen. Die Texte sind klar, und trotzdem muss man aufpassen, um alles genau zu hören und zu verstehen. Mit dem dreimaligen Anhören des Albums erschliesst es sich noch lange nicht ganz. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Zwei andere Textbeispiele: In „Martha“ und anderen Songs offenbart sich das Politische, das Abgründige im Nebeneinander der Dinge: „Am Bahnhofsiigang schwäbe d Giige, Sibe Füfzg dr Huus-Iistee. Visavis vo mir im Abteil hocket eine mitem Gwehr“. In „Loyalty x Many Men“: „Mir hei chly Dräck uf dr Zunge, Goldstoub a de Fingertips, Drohne finge ihri Ziel dank Schwizer Mikrochips“. Es werden immer wieder viele Themen angesprochen, wie Gesundheitswesen, Krankenkassen, Geld Politik, Klima, Religion und viele mehr. Die beiden deutschen Lieder sind textlich sehr stark, trotzdem sind sie für mich weniger berührend als die Mundartlieder. Die Sounds sind elektronisch mit den bekannten tropischen Rhythmen, einfach eine etwas dunklere Stimmung. Tanzen darf man trotzdem dazu. Produziert hat grösstenteils Kali, welcher bereits verschiedene internationale Künstler:innen produziert hat. Mit dabei sind auch Gäste. Badnaiy, To Athena und Pronto sind es konkret. „Krise als Chanson“ ist Lo & Leducs bestes Album und gehört auf jede Bestenliste.

Fredi Hallauer

KOHOBA

Album: „Memories In Plastic“ (Irascible)

Die Berner Band spielt Tiefgang-Pop in mehreren Hinsichten. Der Bass spielt eine wesentliche Rolle im Sound, der Sänger tönt besonders schön, wenn er in den tieferen Lagen singt und am bedeutendsten sind die Texte, welche Tiefgang haben. Der Sound ist neben dem Bass von Synthies geprägt, welche manchmal nur Farbtupfer beisteuern und andere Male so richtig kräftig herumflirren. Die Songs sind teilweise richtige Hymnen. Chorgesang ist zu hören und die bereits erwähnte Baritonstimme. Kohoba strotzen vor Optimismus und sie sind der Meinung, dass man die Welt nur tanzend verändern kann. Ein erfrischender Sound, welchen man nicht jeden Tag hört.

Fredi Hallauer

KUNZ

Album: „Stadt Land Fluss Poet“ (Universal Music Switzerland)

Kunz hat zwölf neue Lieder für sein siebtes Studioalbum aufgenommen. Es sind Lieder über die „Kleinigkeiten“ im Leben. Alle Geschichten handeln vom Glück und vom Glücklichsein. Folkballaden und Pophymnen wechseln sich ab. Hervorragend gelungen ist das Duett mit Anna Känzig „Die ganzi Wäut“. Vielfach sind es spärlich instrumentierte Stücke, und dabei kommt sowohl die Musik, die einzelnen Instrumente als auch der Gesang gut zur Geltung. Das Album tönt immer noch nach Kunz. Es ist Wohlfühlmusik für den Alltag. Die Texte sind nicht tiefschürfend, aber schön. Das, was man benötigt zum Glücklichsein.

Fredi Hallauer

CENZO

EP: „Schärbemeer“

Der Aargauer Musik debütiert mit seiner Solo-EP. Er singt Mundart und unterlegt sie mit Popmelodien und urbanen Beats. Seine Texte sind zeitgemäss und handeln von Verletzlichkeit und Hoffnung und von Stillstand und Aufbruch. Ein gesellschaftsrelevantes Lied ist „Wissi Rose“. Dieser Aufruf zu Frieden könnte nicht genauer formuliert sein und passt genau jetzt wieder hervorragend, leider. Cenzo ist ein Liederschreiber und Musiker, den man auf dem Radar behalten sollte.

https://mx3.ch/t/1Zuy

https://mx3.ch/t/1Y8h

Hier sind zwei Songs über mx3 zu hören.

Fredi Hallauer

AARON ASTERIA

Album: „No Time For Heroes“

Der Schweizer Singer/Songwriter und Popmusiker sprengt schon mit seiner Stimme viele Grenzen. Seine Hymnen sind episch und passen stilmässig gut zu seinen Themen. Es geht darum, dass wir keine Helden benötigen, sondern selbst Helden sein sollen. Um Selbstverständlichkeit und Selbstbewusstsein. Es sind grosse Themen, aber Aaron Asteria schafft das. Mal erklingen Rockgitarren, dort zieht er die Punkattitüde aus der Schublade und dann wird er wieder romantisch. Die charismatische Stimme ist umwerfend und er wird damit auf jedem Festival oder in jedem grossen Club oder in jeder Arena begeistern. Einen Song singt er in Mundart, aufgenommen in einer Live-Session und dieser Song besitzt bereits Kultstatus, also die Ohren offenhalten.

Fredi Hallauer

KADEBOSTANY

Album: „The Outsider“ (NSK/Republic of Kadebostany)

Der in die Schweiz adoptierte Kadebostany, fand erst als 20-Jähriger heraus, wo seine Wurzeln liegen, nämlich in Algerien. Er schlägt mit einer neuen Crew ein neues Kapitel der Kadebostany Geschichte auf. Auffällig ist, dass die neuen Songs in das herkömmliche Songschema passen. Musikalisch werden analoge Instrumente eingesetzt und eine feine elektronische Textur daruntergelegt. Das ganze Album ist nicht mehr vorwiegend von der elektronischen Musik geprägt. Die beiden Leadsänger:innen geben dem Sound noch einen neuen Touch. Das Resultat ist ein ziemlich abwechslungsreiches Album, tanzbar und ein aussergewöhnliches Popalbum, ohne experimentell zu sein.

Fredi Hallauer

JOEL GOLDENBERGER

EP: „I Choose Joy“

Der Popsinger/Songwriter singt in fünf Songs vom Halt in stürmischen Zeiten, von Abschied und Mut und davon, trotz allem Freude zu haben. Seine Stimme klingt grossartig und die Songs sind wie gemacht für Stadien oder Festivals. Musikalisch liegt er im Trend der grossen Popsänger, ruhig und doch bewegt. Joel Goldenberg ist ein Künstler, von dem man gerne mehr als fünf Songs hören möchte.

Fredi Hallauer

DEZABEL

EP: „Backseat Confession“

Dezabel ist eine schweizerisch-amerikanische Kollaboration von Jazelle Paris Rodriguez und dem Produzenten Bilgi Sakarya. Da ist einerseits die weibliche Stimme, welche sich sowohl im Pop als auch in Funkgefilden wohlfühlt. Dann ist die Musik zwischen Pop und Funk mit meist druckvollem Bass. Die EP ist mit sechs Songs bestückt und schöpft die Popsong-Strukturen aus. Ein Stück internationaler Pop und erst noch ein „einheimisches“ Gewächs.

Fredi Hallauer

DACHS

Album: „Ich Wöt Mir Selber Is Gsicht Chotze“ (Mouthwatering Records)

Dies ist das vierte Album von Dachs. Sie bleiben sich treu mit frechen Songtiteln, gesellschaftsrelevanten Texten in den Feinheiten, manchmal auch sonst. Musikalisch versuchen sie, sich etwas breiter abzustützen, da fliesst Hip-Hop hinein, dort ein wenig Indie oder Disco. Die Basis ist der Pop und die Electronica. Diese breitere Abstützung des Sounds geschieht vorwiegend in den Intros, dann nimmt der Beat Fahrt auf und die Songs ähneln sich ziemlich stark. Auch das Muster des Gesangs wiederholt sich in den verschiedenen Liedern. Zwei aussergewöhnliche Kollaborationen sind zu hören, zum einen mit To Athena und zum anderen mit Luuk. Dies ist ein Album, welches wiederum Zeichen setzt in der Schweizer Musikszene.

Fredi Hallauer

DOM SWEDEN

EP: „Schattetanz“

Der Zürcher Mundartpopmusiker nahm vier Lieder auf. Sie handeln allesamt von gebrochener Liebe, vom Verlassenwerden und von der Frage: Was nachher? Musikalisch ist es Pop. Das Songwriting hat eine hohe Qualität zu den oben erwähnten Themen. Ein kleiner Wermutstropfen sind die künstlichen Ausflüge in die Kopfstimme, obwohl dies nach meiner Meinung nicht nötig wäre und die Melodie mehr Fluss hätte. Aber da Dom Sweden offenbar unter der zerbrochenen hörbar leidet, will er uns mitleiden lassen.

Fredi Hallauer