DIE AERONAUTEN

Album: „Neun Extraleben“ (Tapete Records/Irascible)

Ja die Aeronauten gibt es noch einmal mit neuen Liedern zu hören und das in alter Frische. Olifr Maurmann starb im Januar 2020. Die Bandkollegen haben sich nach der Trauer und im Lockdown zusammengerauft und die Materialien, welche bereitstanden, da sie ja mit Olifr Maurmann an einem neuen Album gearbeitet hatten, zu einem Album gemacht, nicht zuletzt auch für Olifr Maurmann. Da ist alles zu hören, was man von den Aeronauten kennt, da ein Funken Punk, dort eine gehörige Portion Rock’n’Roll, hier Melancholie und viel Optimismus. Die schrägen Ideen der Texte machen Spass. Etwas wehmütig wird einem wenn man Oli Maurmann singen hört „Mir geht’s gut“ obwohl er Herzprobleme hatte, oder auch im Titelsong, wo er neu beginnt und singt „Jetzt weiss ich wie es geht“. Überhaupt das Thema Aufbruch, wieder aufstehen wenn es einem umhaut und weitermachen, sind die zentralen Themen dieses Albums. Dies ist nach 30 Jahren Aeronauten ein Album das so frisch tönt als wäre es ihr erstes.

Fredi Hallauer

NADJA ZELA

Album: „Greetings To Andromeda. Requiem“ (Patient Records/Irascible)

Die Musikerin aus Zürich verlor ihre Stimme, nachdem unerwarteten Tod ihres Mannes. Sie setzte sich mit Klängen auseinander und schrieb eine Musik zu den Fragen des Todes. Da fand sie die Stimme wieder. Nun ist es ein Rock Requiem von 75 Minuten Dauer geworden. Die Stimmen, nämlich auch die ihrer drei Musiker sind wichtig, egal ob im Vordergrund oder Hintergrund, ob klar oder verzerrt. Gitarrensounds bilden spezielle Klänge, welche auch die Stimmung verbreiten. Der Bass spielt melodiös, das Schlagzeug einfache gerade Rhythmen, dazwischen auch ein bisschen Elektronik, oder zur Stimmung passend ein Harmonium. Gesungen wird vorwiegend Englisch, aber ebenfalls mal Französisch und Mundart. Diese Musik kommt wirklich wie ein Requiem daher, musikalisch spröd, minimal, oft soft aber da und dort auch mal kräftig, vor allem auch das Schlagzeug hat diesen Trauermarsch Beat im Repertoire. Diese Musik kann man nicht wirklich beschreiben, man muss sie sich anhören und das lohnt sich.

Fredi Hallauer

DEAR MISSES

Album: “ Monster’s Mother“ (Monobuster Records/Irascible)

Das Quartett kommt aus dem Muotathal, Kanton Schwyz und dies ist ihr drittes Album. Sie spielen Bluesadelic und bleiben diesem Stil treu. Schöne Geschichten, ausgedehnte Soli, verzerrte Gitarren, aber auch fast folkige in die Nähe des Americana rückende Songs gibt es hier zu hören. Die Vier verstehen ihr musikalisches Handwerk, das heisst sie holen aus ihren Instrumenten das raus was sie wollen ohne Elektronik zu Hilfe zu nehmen. Übermütiges und Trauriges gibt es zu hören, wie das im Leben so ist. Ein Album einer jungen Band, welches viel Beachtung finden sollte.

Fredi Hallauer

FELIX RABIN

Album: „Pogboy“ (Phonag)

Der in der Schweiz lebende Gitarrist debütiert mit einem Album. Bis jetzt stand er auf vielen Bühnen mit bekannten Musikern. Er gewann auch Preise als Gitarrist. Sein Album ist etwas durchzogen. Seine kräftige E-Gitarre klingt zwischen Rock und Jazz, eher auf die druckvolle und härtere Art. Félix Rabin ist kein Flitzefinger, wer hier einen filigranen Gitarristen erwartet, kommt nicht auf seine Rechung. Er singt englisch. Was dem in Neuchatel lebenden Musiker fehlt, ist ein gutes Songwriting, da ist noch viel Luft nach oben vorhanden.

Fredi Hallauer

TRYBGUET

Album: „So Wyt So Guet“ (6003 Records)

Trybguet ist eine neue Band mit Padi Bernhard (ex Mash) und Musikern aus verschiedenen Bands wie Lockstoff oder Rocktail. Dieses Debütalbum hat die Band selber produziert und in Nashville abmischen lassen. Dies sagt auch schon etwas über den Sound aus, er ist ganz klar amerikanisch geprägt, mit einem Schuss Countryrock. Padi Bernhard schrieb die Songs, mit einer Ausnahme. Der Coversong stammt von Polo Hofer und Marianna Polistena und ist „Wiene Falter zum Füür“ eine fast vergessene Perle aus den Zeiten von Schmetterding. Als letztes haben Trybguet noch den Mash Hit „Ewigi Liäbi“ aufgenommen, welcher mir in der Mash Version, besser gefällt. Der Sound von Trybguet ist sehr erfrischend, gerade heraus rockig und gewinnt durch die Sängerin Sarah Heer, welche nicht nur Background singt, sondern auch Harmony und Lead, sowie Duett. Die Lieder erzählen von der Liebe, von früher und zu Hause sein. Meine Favoriten sind „Soundtrack“, wo vom Soundtrack des Lebens oder den Songs welche alte Erinnerungen wecken, die Rede ist. Der zweite Favorit ist „Det woni aneghör“ eine wunderschöne Ballade. Dieses Album stieg nicht vergeblich hoch in die Charts ein, Trybguet haben das verdient und man darf offenbar auf mehr gespannt sein.

Fredi Hallauer

ANNIE TAYLOR

Album: „Sweet Mortality“ (Taxi Gauche Records)

Dies ist das Debütalbum der Zürcher Rockband. Es geht in ihrer Musik kräftig zur Sache. Sie spielen Rock zwischen Grunge, Punk und Indie Rock. Auffallend ist der Gesang der Sängerin. Sie singt mit viel Power und meist so richtig herrlich aufmüpfig und kratzbürstig, sie kann aber durchaus auch mal liebevoll klingen. Der Bass gefällt auch sehr, er macht Dampf und lässt es rocken und rollen. Der Sound hat ein ausgeklügeltes Design. Während der Bass die untere Lage der Gesangsstimme übernimmt, mindestens im Power, verziert die Gitarre die Zwischenräume und das Schlagzeug treibt das ganze weiter vorwärts. Annie Taylor ist eine Schweizer Rockband, die schon lange gefehlt hat.

Fredi Hallauer

KRIZZ

Album: „Just One Person“

Krizz aus dem Kanton Aargau begeistert mit schöner Musik zwischen Rock, Blues und Country. Seine Songs hat er zum Grossteil selber geschrieben. Die E-Gitarre versteht er zu Handhaben, die tönt über das Album immer sehr präsent und sehr gut. Neben Bass und Schlagzeug fällt noch eine dezent eingesetzte Hammond Orgel auf, welche die Gitarrenklänge unterstützt, untermalt oder auch mal Kontrapunkte setzt. Krizz hat eine rauchige und hauchige Stimme, welche manchmal etwas kräftiger sein dürfte. Dies ist ein schönes Album mit handgemachter Musik.

Fredi Hallauer

TSCHUGGR

Album: „Trotzdäm“ (Equipe Music)

Wer sind diese Tschuggr, das weiss man nicht so genau. Wahrscheinlich sind es gestandene Musiker, welche nun Mundartrock machen. Klar ist, Tschuggr ist ein klassisches Rocktrio. Sie rotzen in alter Berner Rock Art daher, schreien sich die Seele aus dem Leib, was dem ganzen einen Touch Punk verleiht. Wie das bei solchen Band häufig ist, versteht amn den Gesang nicht sehr gut, da er etwas in den Hintergrund gemischt wurde. Grundsätzlich stehen sie kritisch zur heutigen Gesellschaft und man darf die Songs ruhig unter Protestsongs einordnen. Tschuggr lassen einem etwas ratlos zurück. Die Musik ist Old School Bärner Rock, alles bewusst etwas handgestrickt und dadurch wohltuend. Der Sound und die Produktion entsprechen einer Garagenband, was ja auch nicht schlecht ist. Tschuggr machen spass und haben etwas zu sagen.

Fredi Hallauer

PAUL ETTERLIN

Album: „Easy does it“ (www.pauletterlin.com)

Der Schweizer Musiker, Gitarrist, Sänger, Komponist und noch einiges mehr veröffentlichte sein sechstes Studioalbum. Diesmal singt er wieder englisch, was seinen Songs sehr gut ansteht. Der Album Titel ist Programm, denn es ist Easy Westcoast Rock den es hier zu hören gibt. Hervorragend ist einserseits der Gesang mit einer rauchigen rauhen schönen Stimme vorgetragen und dazu die E-Gitarre, welche dazu jubiliert. Aufgenommen wurde in zwei Studios in England und in Paul Etterlin’s eigenem Studio. Das ganze ist eine tolle Produktion, mit gutem Songwriting, lies abwechslungsreichen Songs mit Wiedererkennung. Das ist Musik zum Hören und geniessen oder auch zum Tanzen. Handgemachte Musik der besten Art und der richtige Soundtrack für diesen Sommer.

Fredi Hallauer

THE ANIMEN

Album: „Same Sun/Different Light“ (Two Gentlemen/Irascible)

Das Genfer Quartett zeigt nun auf ihrem dritten Album, dass sie aus der Rockszene nicht mehr wegzudenken. Ihr leichter, swingender Gitarrenrock passt bestens in den Frühling. Die Gitarre swingt, und die Rhythmussektion lässt es genüsslich rumpeln und rollen. Der Sänger singt mit cooler Stimme, mal expressiver, mal ober cool seine Texte. Viel gibt es zu diesem Album nicht zu schreiben. Das ist Rock’n’roll pur vom Anfang bis zum Schluss und ein Genuss.

Fredi Hallauer