SERAINA TELLI

Album: „Green Live“ (Metalville)

Die Schweizerin Seraina Telli lebt ihre Musik vorwiegend auf der Bühne aus, zusammen mit ihrer Band und dem Publikum. Ihre markante Stimme geht einem wirklich durch Mark und Bein, im positiven Sinne. Zusammen mit ihrem Bassisten und ihrem Drummer plus zwei Musikern, welche dies und das spielen, rockt sich Seraina Telli durch ihr Live-Programm in ganz Europa und den USA. Sie selbst singt nicht nur, nein, sie schrieb die Songs, spielt Gitarre und Piano. Dieses setzt sie bei den Balladen und ruhigeren Songs ein. Der Power wird verstärkt durch den Schnitt des Albums. Die Songs folgen sich sozusagen nahtlos, manchmal etwas zu abrupt. Dies ist ehrliche Rockmusik, genau auf den Punkt gebracht. Es darf so richtig gerockt werden.

Fredi Hallauer

TONI VESCOLI

Doppelalbum: „Reis Wyter 1988 – 2026“ (Cereus)

Toni Vescoli, der Grossvater der Schweizer Rockmusik,  stellte die Nachfolge von „Zytreis“ zusammen. Das Doppelalbum deckt die Epoche nach dem Mundartfolk von Toni Vescoli, bis heute ab. Es wird klar gerockt, mal englisch, mal Mundart. Die Aufnahmen entstanden mit seiner Band oder später mit anderen guten Musikern. Zu hören sind 36 Songs, begonnen mit „Mache Wasi Will“ von 1993 bis „Rock’n’Roll Fan“ von 2019. Dazwischen natürlich die Dylan Songs von 1993, die Songs mit und von Augie Meyers aus dem 1999 und viele weitere Perlen. Dazwischen gibt es auch die Klassiker und bekannte Lieder, aber auch Trouvaillen. Eine solche ist „Em Friede z’lieb“ von 1988. Toni Vescoli bringt uns seine Geschichte, aber auch die Musikgeschichte von früher wieder in Erinnerung. Das Doppelalbum ist mit einem schönen Booklet ausgestattet, mit einigen Informationen, aber nicht zuviel. Eine sehr schöne Sammlung.

Unter diesem Link gibt es unzählige Videos von Toni Vescoli, auch seinen Kanal findet man hier.

https://www.youtube.com/results?search_query=toni+vescoli+

Fredi Hallauer

SHÄDY

Album: „Desire“ (Hena Music/IMusician)

Dies ist das erste Soloalbum des Rockmusikers aus dem Seeland. Er spielte in den verschiedensten Bands und machte sich auch einen Namen als David Leach. Dieses Album nahm er in Mark Knopflers Studio auf, mit dem Produzenten Andy Wright (u.a. Bon Jovi, Jeff Beck, Simple Minds). Shädy lässt öfter die Stromgitarre weg und setzt die akustische Gitarre ein, einmal sogar eine Mandoline. Wenn aber die Stromgitarre einsetzt, dann so richtig fetzig und herrlich rockig. Die Songs strotzen vor Zuversicht und sind leichtfüssig. Das Songwriting ist vielleicht etwas gleichförmig, aber für ein Album absolut o.k. Ein Duett gibt es ebenfalls zu hören, da stimmt aber am Anfang etwas mit der Intonation nicht ganz. Ansonsten überzeugt der Rocksänger Shädy.

Fredi Hallauer

MARC AMACHER

Album: „Overdrive“ (Hoboville)

Marc Amacher ist bereits wieder mit einem neuen Album am Start. Es ist ein ziemlich raues, ungeschliffenes Werk geworden mit vielen Ecken und Kanten. Er singt mit seiner typischen Stimme und spielt seine Gitarre dazu, welche oft ebenso wild und ungeschliffen ist wie der Gesang. Er hat Mitstreiter:innen an Bass, Schlagzeug, Gitarre und Gesang. Musikalisch schöpft er aus dem Blues und definiert ihn bis zum Rock und dem Stil den er gerade benötigt oder will, ohne sich Gedanken über die Schubladen zu machen. Oft könnte man diesen Sound als Blues-Trash definieren und das im positiven Sinne. Marc Amacher macht keine Kompromisse, er ist einfach sich selbst. Beim Duett „You Can’t Beat Time“ mit Katarina Michel schaltete er einen halben Gang zurück und sie zwei Gänge hinauf, und so entstand ein bemerkenswerter Song. Beim Hören dieses Albums merkt man: Marc Amacher lebt den Blues und spielt den Blues.

Fredi Hallauer

LIGHT FOOD

Album: „Far From Over“ (Irascible)

Das Quartett aus dem Seeland kommt in der klassischen Besetzung daher: zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Der eine Gitarrist übernimmt den Leadgesang und die anderen drei Musiker singen die Chöre. Die sechzehn Songs verströmen gute Laune und Lebenslust mit hoher musikalischer Qualität, das ist, was wir in heutiger Zeit benötigen. Light Food spielen Rock, Blues, Oldies und Pop. Der eine Gitarrist spielt gelegentlich die Mandoline, was dem Sound eine spezielle Note gibt. Überhaupt, das ist handgemachte Musik mit akustischer und elektrischer Gitarre oder eben der Mandoline. Der Sänger hat eine starke und markante Stimme, er gibt dem ganzen Sound sein Charisma. Zu dieser Musik lässt sich herrlich abtanzen und gute Laune tanken. Einfach ausprobieren, lohnt sich.

Fredi Hallauer

DIMI ROGERS

Album: „It will get better“ (Endless Mission Records)

Dimi Rogers ist ein Rockquartett, bestehend aus Frank Dinke (Vocals), Roger Wüthrich (Bass), Jeff Kneubühler (Drums) und Markus Mühlehof (Gitarren). Die vier spielen ehrliche, handgemachte Rockmusik zwischen treibenden Grooves und ruhigen Stücken. Komponist und Texter ist Frank Dinke. Die Songs erzählen genau von dem, was der Albumtitel verspricht, nämlich geerdet bleiben und daran glauben, dass es besser wird. Etwas, was genau heute notwendig ist, um nicht den Mut zu verlieren. Das ist ein Stück aufgestellte Rockmusik, gut bekömmlich und das Richtige für den Alltag.

Fredi Hallauer

LONE ASSEMBLY

Album: „Knots & Chains“ (Irascible Records)

Das Genfer Quartett debütiert mit einem Album, welches aus dem Dunkeln kommt und trotzdem Lichtblicke gibt. Es handelt von Schmerz, Entfremdung und Trauer, macht aber Mut und gibt Hoffnung. Sie untersuchen mit jedem Song eine andere Art von Macht und hinterfragen sie. Der Sound hat die kühle Ästhetik der 80er Jahre und die wurde opulent und modern produziert. Schon nur die grosse Baritonstimme des Sängers ist es wert, dieses Album anzuhören. Diese Klänge wirken befreiend. Lone Assembly singen englisch. Dies ist kein düsteres Album, sondern Musik aus der Tiefe.

Fredi Hallauer

VERONICA FUSARO

Album: „Looking For Connection“ (deepdive records)

Veronica Fusaro geht mit ihrem Album wieder einen Schritt weiter. Die Thunerin produzierte dieses Album zwischen Bern und Berlin. Es sind treibende Songs zwischen Pop, Rock und Soul. Ihr Schwergewicht liegt dieses Mal mehr auf dem Gesang als auf der Gitarre, aber Gitarre gibt es trotzdem noch genug zu hören. „Alice“ sticht aus den zehn Songs heraus, eine wunderschöne, moderne Soulnummer. Veronica Fusaro zeigt hier, dass sie eine ausgezeichnete Soulsängerin ist. Die Inhalte der Lieder drehen sich sowohl um Persönliches als auch um Universales. Ein Grundtenor ist die Vernetzung, also in den sozialen Netzwerken präsent zu sein, aber gerade so gerne menschliche Nähe zu spüren. Veronica Fusaro ist hier ein wundervolles Album gelungen.

Fredi Hallauer

AD-RIAN & THE RISE

Album: „Under One Sky“ (Creative Production GmbH)

AD-RIAN ist ein Musiker mit über 40 jähriger Erfahrung. Er spielt solide Rockmusik. Seine Kompositionen sind sehr melodiös und eingängig. Seine charismatische Stimme fliesst wie etwas rauer Whiskey in die Ohren. The Rise ist eine Band, welche sich ebenfalls sehen und hören lassen darf. Mauro Zombicchiatti am Bass und Thomas Wild am Schlagzeug (beide von Polo Hofer Schmetterband), Bernie Weber am Piano und Chris Stalder an der Leadgitarre. Das Resultat sind gute und handgemachte Songs, solide gespielt. Rock aus der guten alten Zeit ohne Firlefanz und Elektronik.

Fredi Hallauer

ELIE ZOE

Album: „Shiftings Forms“ (Humus Records)

Elie Zoé nannte sich vorher Emilie Zoé, da Elie aber ein stimmliches Problem bekam und die Stimme neu finden musste, fand sie auch einen neuen Namen. Elie Zoé tönt nun viel tiefer und etwas weniger exzessiv im Gesang. Die Songstrukturen sind noch sehr ähnlich. Meistens fangen die Songs ruhig oder leise an, um sich dann zu steigern. Elie begleitet sich an Gitarren und dem Piano, unterstützt wird sie von einem Schlagzeuger. Gesungen wird auf Englisch. Die Songs von Elie Zoé waren schon immer berührend und mit der neuen Stimme haben sie noch die Dimension Sinnlichkeit erhalten. Elie singt von der Natur, erzählt Geschichten, von Veränderungen und Verschiebungen. Dieses Album gehört zu den Geheimtipps.

Fredi Hallauer

THE BEDROOM SOUL CLUB

Album: „Fucked Up & Dry“ (Irascible)

Dies ist das zweite Album des Rockquintetts aus Luzern. Im Schlafzimmer sollen Gefühle entstehen und diese mit dieser Musik transportiert werden. Das gelingt der Band und vor allem dem Sänger aber nicht. Was zu hören ist, das sind viel Gitarren, also zeitloser Gitarrenrock. Die Gesangsstimme eiert irgendwo herum und der Mann ist weder Sänger noch Shouter. Da gibt es für das Songwriting und den Gesang noch viel Luft nach oben.

Fredi Hallauer

TRAUFFER

Album: „Heubode“ (Sony Music)

Trauffer ist zurück und wie! Er startet so richtig durch als Alpentainer. Vieles ist neu, nämlich der Produzent, der grössere Teil der Band und dadurch auch der Sound. Trauffer ist volkstümlicher, rockiger. Er versteht es mit diesem Album, richtig zu feiern und gute Laune zu verbreiten. Der Produzent heisst Georg Schlunegger, bekannt von Heimweh, Stubete Gäng, Schwiizergoofe, Megawatt. Die zwölf Mundartlieder schrieben die beiden zusammen. Der musikalische Leiter der Band ist der Schlagzeuger Massimo Buonanno und die Geschwister Monney, Jodlerinnen aus Freiburg, sind die weiblichen Stimmen mit viel Power. Auch das Örgeli ist stark besetzt mit Julian von Flüh. Das Songwriting ist auch gelungen und Peinlichkeiten sind keine mehr zu hören. Natürlich sind auch einige Gäste dabei, nämlich der Männerchor Heimweh, der Sänger Grüezi Italia und die Volksmusiker Rusch Büeblä. Das Ganze gibt echt tolle Partymusik, wo die Post abgeht.

Fredi Hallauer

ROCK OUT

Album: „Let’s Call It Rock’n’Roll“ (Phonag)

Rock Out ist eine blutjunge Band aus dem Emmental, welche genau das machen, was der Bandname und der Albumtitel sagen. Sie machen handgemachten Hardrock im Quartett. Auf dem Album ist ein Keyboard mit dabei, welches aber nicht ins Gewicht fällt. Es ist ein hämmerndes Schlagzeug, ein pumpender Bass, schrammende und kreischende Gitarren, also Rockmusik auf den Punkt gespielt. Da ist kein Schnickschnack zu hören. Der Sänger brilliert mit einer hohen Stimme, welche an gewisse Vorbilder erinnert, und er setzt diese Stimme zwischen singen und shouten ein. Wer Rock mag, muss sich diese Jungs unbedingt anhören.

Fredi Hallauer

LOVEBUGS

Album: „Heartbreak City“ (Lovebugs/Phonag)

Nach sieben Jahren sind die Basler in neuer Besetzung. Mit dabei ist noch Adrian Sieber (Gitarre, Gesang) und Florian Senn (Bass), neu dabei sind Matthias Gusset (Keyboards), Manuel Meisel (Gitarre) und Philipp Gut (Schlagzeug). Somit tönen die Lovebugs neu, etwas moderner und verbinden aber ihren Sound mit ihren Wurzeln, Der Gesang und die Kompositionen von Adrian Sieber sind weiterhin typisch für den Klang der Band. Wundervoll sind die Gitarrenwände hinter dem Gesang und das perlende Piano dazu. Lovebugs singen vom Abgrund, vom Untergang und der Hoffnung, dass es nicht so ist. Sie spielen sozusagen nahe der Abbruchstelle. Das Album ist vielseitig, mit ihrem typischen Stadionsound und intimeren Stücken. Vielleicht gewinnt das Keyboard mehr an Bedeutung in dieser Klangwelt. Die Lovebugs sind und bleiben ein sicherer Wert in der Schweizer Musikszene.

Fredi Hallauer