ELIANE AMHERD

Album: „La Degustation“

Die Walliserin, welche die meiste Zeit in New York lebt, legt ein Album voller Lebensfreude vor. Irgendwo zwischen Latin, Brasil, Jazz und Rock singt sie von den Weinen. Sie hatte die verschiedenen Rebberge und Kellereien besucht und sich informiert und dann im Lockdown in New York diese grandiose Hommage an ihre Heimat geschrieben. Sie singt, englisch, französisch und Walliser Mundart. Der Gesang ist lebhaft, fröhlich ja vielleicht manchmal sogar ein bisschen vorwitzig oder frech und genau das macht dieses Album speziell. Die Sängerin und Gitarristin hat alle Songs selber geschrieben. Sie spielte sie mit Musiker*innen aus New York ein, nämlich mit Amanda Ruzza am Bass, Rosa Avila am Schlagzeug und Bashiri Johnson (Miles Davis, Police etc) an der Perkussion. Die Gastsängerin Pauline Lugon singt bei „*Pinot ou Fendant“ im Duett mit Eliane Amherd. Die Unterwalliser Gastsängerin hat auch das Cover und Karten zum Album gezeichnet. Eliane Amherd ist ein frisches und tolles Album gelungen, welches in den immer noch schwierigen Zeiten sehr gut tut.

Fredi Hallauer

URGES

Album: „Never Gonna Change“ (Irascible)

Das Quingtett aus Baden hat sich ganz dem Rock gewidmet, gemäss ihrem Albumtitel „Never Gonna Change“. In der klassischen Besetzung Sänger, zwei Gitarristen, Bassist und Schlagzeuger legen sie wild los. Der Schlagzeuger wirbelt kräftig herum und setzt die Becken gut ein. Der Bassist pumpt den Beat hoch und macht immer wieder Ausflüge in die höheren Töne seines Instruments. Die Gitarren lassen es einerseits krachen und andererseits setzt die Leadgitarre markante Akzente. Das ist Sturm und Drang oder Rockmusik wie es sich gehört, nichts gekünsteltes, einfach frech von der Leber weg.

Fredi Hallauer

SINPLUS

Album: „Break The Rules“ (Kobalt/Awal)

Die beiden Tessiner Brüder haben ein richtiges Rock’n’Roll Album veröffentlicht. Der Sound ordnet sich zwischen Rock und New Wave ein und liegt irgendwo im Rock der 80iger und 90iger Jahre. Mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Stimme ist genau das was es braucht und natürlich viel Leidenschaft. All dies haben Sinplus. Sie singen englisch und erzählen vom Rock’n’Roll Leben von Leidenschaft und sonstiges aus dem positiven Leben. Sinplus erfinden die Rockmusik nicht neu, machen sie aber lebendig. Viel gibt es dazu gar nicht zu schreiben. Schwachpunkte gibt es keine, darum einfach abspielen und geniessen.

Fredi Hallauer

THE SOULS

Album: „Queenie Pop“

Das Sextett aus Thun spielt auf ihrem Album Queenie Pop, gepflegten, ziemlich rockigen Poprock. Die Songs brillieren durch das Songwriting und manchmal hat man das Gefühl, das ist der perfekte Poprock Song. Als zweites fällt der Gesang auf. Die hohe, klare Stimme glänzt und glitzert über den Instrumenten. Das Schlagzeug macht das ziemlich rockige aus und das Keyboard prögt die Songs zu grossen Songs mit herrlichen Bögen. Der Bass pumpt und funkt und die Gitarren machen alles noch perfekt. Die Songs sind unterschiedlich und Langeweile kommt bei diesem Album nie auf. Darum Album abspielen und lostanzen und geniessen. Ein tolles Album.

Fredi Hallauer

THE GREEN FLAMINGOS

Album: „In The Witching Hour“ (The Southern Oracle Records/Irascible)

Das Sextett aus Genf und Frankreich spielt Musik mit einer Stimmung zwischen den Stunden wo gehext wird und hellem Sonnenschein. Sie schaffen sich mit ihrer Musik Luft in diesen unsicheren und schwierigen Zeiten und das nicht nur auf Corona bezogen. Die Hoffnung schwebt immer irgendwo in ihren Songs, meist in der Frauenstimme, manchmal übernimmt aber auch die E-Gitarre die Hoffnung. Ein satter Bass erdet die Klänge und das Schlagzeug hält mit minimalem Aufwand aber interessantgem Spiel alles zusammen. Das Keyboard macht den trockenen Sound etwas sphärischer. The Green Flamingos verdienen es unbedingt, dass man ihnen ein Ohr leiht.

Fredi Hallauer

DEAD MILLY

Album: „Reset“ (Sailing For Peace Record)

Die Zürcherinnen, ja richtig gelesen, das ist eine richtige tolle Frauenband zwischen Punk und Rock, also Frauenpower. Die Frauen mögen nicht mehr schweigen und machen das Maul auf, schreien und singen laut in die Welt hinaus was sie bedrückt, was sie wütend macht. Gitarre, Bass und Schlagzeug, also die klassische Trio Besetzung mit Gesang und Background, alles von den drei Musikerinnen übernommen. Es tönt nicht immer nur brachial, „Lucy“ hat einen sehr verspielten Anfang, der immer wieder kommt, dazwischen ist es aber dann sehr laut und hat Metalelemente. „Clouds“ beginnt wie ein Folksong, mit Folkgitarre, zweistimmigem Gesang und man erwartet dann immer den ultimativen Power, der ist zwar vorhanden aber wird schön langsam aufgebaut und bleibt ein herrlicher Folkrocksong. So gibt es bei Dead Milly viel zu entdecken, zu geniessen oder einfach mit den Frauen die Wut rauszuschreien.

Fredi Hallauer

FOMIES

Album: „Reversal“ (Bleu Lagon Records/Irascible)

Die Band kommt aus der welschen Schweiz, singt aber englisch und macht spannende und zeitgemässe Rockmusik. Hier prallen E-Gitarren, Bass, Schlagzeug und Hammond/Keyboard auf wilde Synthieklänge. Die Musik verkörpert das Chaos, welche die Menschheit bis heute angerichtet hat und verlangt die Umkehr. Um das geht es auch in den Texten der Songs. Die Texte sind oft nicht verständlich aber die Musik, die Beats und die Sprachmelodie sprechen die eigene Sprache, welche alle Menschen verstehen. Das ist eher härtere Rockmusik, mit einem Schuss Psychedelik und einer Prise Blues. Die Fomies sprechen die Sprache der jungen Generation und machen auch ihre Musik weit abseits von Mainstream und das erst noch genial.

Fredi Hallauer

DIE AERONAUTEN

Album: „Neun Extraleben“ (Tapete Records/Irascible)

Ja die Aeronauten gibt es noch einmal mit neuen Liedern zu hören und das in alter Frische. Olifr Maurmann starb im Januar 2020. Die Bandkollegen haben sich nach der Trauer und im Lockdown zusammengerauft und die Materialien, welche bereitstanden, da sie ja mit Olifr Maurmann an einem neuen Album gearbeitet hatten, zu einem Album gemacht, nicht zuletzt auch für Olifr Maurmann. Da ist alles zu hören, was man von den Aeronauten kennt, da ein Funken Punk, dort eine gehörige Portion Rock’n’Roll, hier Melancholie und viel Optimismus. Die schrägen Ideen der Texte machen Spass. Etwas wehmütig wird einem wenn man Oli Maurmann singen hört „Mir geht’s gut“ obwohl er Herzprobleme hatte, oder auch im Titelsong, wo er neu beginnt und singt „Jetzt weiss ich wie es geht“. Überhaupt das Thema Aufbruch, wieder aufstehen wenn es einem umhaut und weitermachen, sind die zentralen Themen dieses Albums. Dies ist nach 30 Jahren Aeronauten ein Album das so frisch tönt als wäre es ihr erstes.

Fredi Hallauer

NADJA ZELA

Interview:

Fredi Hallauer sprach per Skype mit Nadia Zela. Hier zu hören.

Album: „Greetings To Andromeda. Requiem“ (Patient Records/Irascible)

Die Musikerin aus Zürich verlor ihre Stimme, nachdem unerwarteten Tod ihres Mannes. Sie setzte sich mit Klängen auseinander und schrieb eine Musik zu den Fragen des Todes. Da fand sie die Stimme wieder. Nun ist es ein Rock Requiem von 75 Minuten Dauer geworden. Die Stimmen, nämlich auch die ihrer drei Musiker sind wichtig, egal ob im Vordergrund oder Hintergrund, ob klar oder verzerrt. Gitarrensounds bilden spezielle Klänge, welche auch die Stimmung verbreiten. Der Bass spielt melodiös, das Schlagzeug einfache gerade Rhythmen, dazwischen auch ein bisschen Elektronik, oder zur Stimmung passend ein Harmonium. Gesungen wird vorwiegend Englisch, aber ebenfalls mal Französisch und Mundart. Diese Musik kommt wirklich wie ein Requiem daher, musikalisch spröd, minimal, oft soft aber da und dort auch mal kräftig, vor allem auch das Schlagzeug hat diesen Trauermarsch Beat im Repertoire. Diese Musik kann man nicht wirklich beschreiben, man muss sie sich anhören und das lohnt sich.

Fredi Hallauer

DEAR MISSES

Album: “ Monster’s Mother“ (Monobuster Records/Irascible)

Das Quartett kommt aus dem Muotathal, Kanton Schwyz und dies ist ihr drittes Album. Sie spielen Bluesadelic und bleiben diesem Stil treu. Schöne Geschichten, ausgedehnte Soli, verzerrte Gitarren, aber auch fast folkige in die Nähe des Americana rückende Songs gibt es hier zu hören. Die Vier verstehen ihr musikalisches Handwerk, das heisst sie holen aus ihren Instrumenten das raus was sie wollen ohne Elektronik zu Hilfe zu nehmen. Übermütiges und Trauriges gibt es zu hören, wie das im Leben so ist. Ein Album einer jungen Band, welches viel Beachtung finden sollte.

Fredi Hallauer