GURTENFESTIVAL

GURTENFESTIVAL 2017

Interviews

Hier sind die Interviews zu hören: https://www.mediapool.ch/gurtenfestival/gurtenfestival-17/interviews/

Festivalbericht

MITTWOCH 12. Juli 2017

Pünktlich um 15 Uhr eröffnete Long Tall Jefferson in der Bamboo Bar. Seine Songs pur mit Gitarre, Gesang und Mundharmonikas vorgetragen faszinierte er das schon zahlreichend anwesende Publikum. Long Tall Jefferson spielt eine wunderschönen  Folkgitarrenstil. Zusammen mit seiner Stimme ist es herrlicher Old School Singer/Songwriter Style. In seinen Liedern erzählt er hauptsächlich vom Unterwegs sein. Eine wunderschöne Eröffnung mit Erinnerungen an das erste Gurtenfestival vor 40 Jahren.

Die Waldbühne wurde dann von Sophie Louise eröffnet. Sie ist eine der vier Gewinnerinnen des Waldbühne-Contests. Mit ihrer grossen Musikalität und Vielseitigkeit  überzeugte sie das anwesende Publikum. Sie legte ein kraftvolles Konzert mit Folkpop hin, das auch mal rockig wurde.

Die Hauptbühne eröffnete der Engländer der aussieht wie ein Amerikaner und eigentlich auch amerikanische Musik macht, Rag’N’Bone Man. Der Berg war voll besetzt und er begeisterte das Publikum von Anfang an. Mit seiner Stimme überzeugte er die letzten Zweifler und seine Hit wurden mitgesungen. Seine Band begleitete ihn hervorragend. Auch seine kuscheligeren Songs meisterte er sehr gut und wurde nicht kitschig, sondern schrammte am Kitsch knapp vorbei. nach dieser Phase gab er nochmals kräftig Gas. Rag’N’Bone Man war der erste Höhepunkt des Gurtenfestivals 2017 und legte die Latte für die nachfolgenden Künstler hoch.

Die Waldbühne wurde dann von Who’s Panda gerockt, einer Rockband aus dem Aargau, welche alles gaben und es kam tolle Stimmung auf. Obwohl sie bereits drei Alben veröffentlichten, kannte sie hier fast niemand, das wird sich aber nach dem kraftvollen Auftritt verändert haben.

Kraftvoll ging es auf der Hauptbühne weiter mit dem Duo Royal Blood. Laute Gitarre und ein wildes Schlagzeug mit Rockgesang boten die beiden. Das Publikum wurde nach spätestens vier Songs unaufmerksam, mehr passierte nicht. Wie gesagt Rag’N’Bone Man setzte die Latte hoch.

Nicht beeindruckt von solchen Massstäben waren Dabu Fantastic auf der Waldbühne. Sie spielten sich in die Herzen des Gurtenfestival Publikums und gaben alles. Der Berg bebte bei ihren wilderen Songs oder erstrahlte in unzähligen Lichtern bei den ruhigen Liedern. Dabu tanzte mit dem Publikum und beide zeigten, dass auch eine Zürcher Mundartrockband in Bern Erfolg haben kann.

Auf der Hauptbühne war es Zeit für die Amerikaner Macklemore & Ryan Lewis. Der Rapper und sein DJ plus ein koboldartiger Multiinstrumentalist boten eine tolle Show, unterstützt von Tänzern und weiteren Musikern, welche je nach Song auf der Bühne erschienen. Störend war das Einspielen von „Kinderchören“ in den Refrains, es passte einfach nicht ganz. Macklemore begeisterte mit klaren politischen Statements, er liess das Publikum nicht nur „Fuck Off Trump“ singen, sondern erklärte auch, was das schlecht an Trump ist und wie gut es doch auf dem Gurten ist, wo wir alle zusammen den Frieden feiern, das menschliche Dasein ohne Fragen nach Unterschieden. Bravo Gurtenfestival und bravo Macklemore für solche klare Botschaften. Auch da schliesst sich der Kreis zum 1. Festival.

Donnerstag 13. Juli 2017

All To Get Her rockten die Waldbühne als Start in den Donnerstag. Mit ihrem powervollen Punkrock weckten sie die Hinterste und der Letzte. Zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug legten die kräftige Basis für den Gesang. Ein guter Anfang für eine tolle Band.

Auf der Hauptbühne legten nachher Pegasus los. Sie begeisterten mit ihren melodiösen Popsongs und einem soliden Auftritt. Die drei Pegasus Musiker traten mit zusätzlichen Musikern auf. Das Publikum sang mit und es war ein schönes und angenehmes Konzert.

Pedestrains übernahmen die Stimmung auf der Waldbühne. Mit ihrem popigen Reggae und sanftem Ska brachten sie die Sommer- und Festivalstimmung weiter. Auch das war ein solides und unaufgeregtes, angenehmes Konzert.

Nun stieg die Spannung vor der Hauptbühne. Lo und Leduc wurden vom eigenen Ansager, nämlich Reeto von Gunten angesagt. Dann ging es los. Gute eineinhalb Stunden spielten und sangen sich die beiden mit ihrer tollen Band durch ältere und neue Songs. Sie waren selber von der Menschenmenge die mitmachte überwältigt. Dieses Konzert dürfte in die legendären Konzerte von Schweizer Bands am Gurtenfestival eingehen und Lo und Leduc sich in den Kreis von Züri West und Patent Ochsner einreihen.

Sehr sympathisch und professionell rappte nemo auf der Waldbühne los. Sofort hatte er das Publikum gewonnen das sehr zahlreich am Hügel stand. Er rappte und hüpfte auf der Bühne herum, ging selber an das Piano und sang „s‘ Zündhölzli“ von Mani Matter. Nemo liess nie Langeweile aufkommen und es wird nicht mehr lange dauern, bis er Lo & Leduc auf die Hauptbühne folgt.

Trust, das sind Stress, Gabriel Spahni von Pegasus und Evelynn Trouble werden als Supergruppe gehandelt und bestiegen so die Hauptbühne. Das Konzert begann verspätet,  das Publikum stand nicht so zahlreich am Hügel wie erwartet (auf der Zeltbühne war Jeans for Jesus) und Stress stresste bevor ein Ton gespielt wurde, das Publikum, dass es nach vorne kommen soll. Das Konzert war dann ebenfalls solide aber immer etwas angestrengt. Stress war dominant, Gabriel Spahni machte einen lockeren Eindruck und Evelynn Trouble sang sehr gut. sobald sie den Lead hatte, zeigte sich was Trust wirklich bieten könnte. Um eine Supergruppe zu werden, steht da noch Arbeit an.

Freitag 14. Juli 2017

Karavann begann den dritten Festivaltag mit einem wunderschönen Auftritt. Ihr sonniger Pop mit etwas Elektronik versetzt verbreitete herrliche Stimmung und gute Laune. Die Sonne, der blaue Himmel und diese eingängigen Songs mit einem Sänger und seiner eindrücklichen Stimme passte einfach zusammen.

Die Hauptbühne führte auch heute diese Stimmung weiter mit Irie Révoltés. Die achtköpfige Band mit Reggae, Dancehall und Dub gab dann etwas mehr Druck und politisches Statement. Das Tempo der Songs steigerte sich ebenfalls. Es war ein weiteres sehr sympathisches Konzert, welches das Publikum begeisterte.

Nun ging es zur Zeltbühne, wo Lucky Chops angekündigt waren. Das New Yorker Sextett besteht aus fünf Bläsern und einem Schlagzeuger. Sie spielen Funky Brass und fuhren in die Tanzbeine. Ihre Stücke sind Coverversionen von vielen amerikanischen Hits. Sie brachen auch immer wieder aus den gängigen musikalischen Schemen aus und begeisterten das Publikum.

Nun war es soweit, Züri West betrat die Hauptbühne. Die 20’000 Menschen vor der Bühne waren gespannt. Züri West konnte dann die Erwartungen nicht erfüllen, bis zu den Zugaben. Das Konzert war sauber gespielt, die Songs gut, aber all zuviele Songs unbekannt, entweder neu oder Songs aus alten Programmen, die es nie wirklich geschafft hatten bekannt zu werden. Die Ausstrahlung von Kuno Lauener war sehr gering und sie spielten ihr Set herunter. Bei den Zugaben kam dann „Mängisch find s Glück eim“ und dann endlich endlich „Schänke dir mis Härz“ wo der zwanzigtausend köpfige Chor mitsingen konnte und Züri West in ihr Herz schloss.

Panda Lux übernahmen die Waldbühne und rockten sie gewaltig. Mit hochdeutschen Texte und oft wilden und ausufernden Instrumentalteilen zeigten sie, dass Panda Lux Grosses bieten kann.

Casper war der nächste Künstler auf der Hauptbühne. Er verblüffte schon mal mit einer schrägen Bühnenebene. Als Rapper trat er aber nicht mit DJ sondern einer sehr rockigen Band auf. Es war ein super Konzert mit einem sehr sympathischen Frontman, Pyrotechnik guter Musik und tollen melodiösen Rapsongs.

Auf der Waldbühne startete Mario Batkovic sein Konzert, solo mit Akkordeon. Er sass weit hinten auf der Bühne und spielte Stücke wie sie von seinem Soloalbum bekannt sind. Der gut gefüllte Hügel wurde leise und lauschte den doch sehr speziellen Klängen, welche eine seltsame Faszination ausstrahlen. nach einigen längeren Stücken traten dann zwei Schlagzeuger und ein Keyboarder auf die Bühne. Nach den leisen Anfängen wurde es sehr laut und es ging richtig los. Zwischendurch nahm Mario Batkovic andere Instrumente, elektronischer Art in Bearbeitung und liess es richtig krachen. Das Publikum war begeistert von dieser speziellen Musik.

Samstag 15. Julie 2017

Ein ganz spezielles Konzert gab Jessiquoi. Sie hatte einen Leiterwagen mit ihrem Equipment und legte eine schräge, schrille One Woman Show auf die Bühne. Ihren Electrodance fährt sofort in die Beine. Sie DJt, singt, tanzt, spielt chinesische Flöte und chinesische Harfe und mischt und produziert alles selber. Sie zu sehen ist ein Erlebnis.

Saint Motel auf der Hauptbühne spielten locker flockigen Pop mit Latin Einflüssen. Sie kamen gut rüber und verbreiteten gute Laune.

Seven folgte auf der Hauprbühne. Er taufte sein neues Album zusammen mit seiner hervorragenden Band. Es war ein hervorragendes Konzert welches das Publikum begeisterte. Seven überzeugte in seiner ganzen Bandbreite und die Musiker liessen es herrlich grooven.

Asgeir aus Island liess seinen spährischen Electro-Singer/Songwriter Pop auf das Publikum im Zelt los. Die Musik war herrlich und wunderschön, das Publikum wollte aber etwas lebendigeres.

Auf der Waldbühne liess es die Amacher Band krachen. Er wurde von Oli Hartung, Sami Bauer und Jüre Schmidhauser unterstüzt. Die Gitarre war meistens verstimmt und die Songs etwas ähnlich. Ein schönes Intermezzo aber nichts Zwingendes.

Die Beginner rockten mit ihrem Rap den Berg. Satte Bässe des Old School DJs legten den Boden für die beiden sympathischen Rapper und zwei Backgroundsängerinnen. Das Publikum geriet ausser Rand und Band.

Auf der Waldbühne nahmen Death By Chocolate den Gurten fast auseinander. Sie rockten was das Zeug hielt. In der kühlen Abendluft heizte sie so richtig ein. Death by Chocolate spielten das Energie geladenste Konzert dieses Festivals

Das Gurtenfestival 2017 war ein herrliches Festival, sowohl vom Programm wie vom Wetter was auch zu einer sehr guten Stimmung führte.

Fredi Hallauer

 

LINKS:

DABU FANTASTIC

Albumbesprechung

DEATH BY CHOCOLATE

Albumbesprechung

FROM KID

Albumbesprechung

JEANS FOR JESUS

Albumbesprechung

JESSIQUOI

Besprechung der Singles

KARAVANN

Albumbesprechung

LEN SANDER

Albumbesprechung

LO & LEDUC

Albumbesprechung und Konzertbesprechung Bierhübeli und Interview Gurtenfestival 2017

MARIO BATKOVIC

Albumbesprechung

NEMO

EP Besprechung

PANDA LUX

Albumbesprechung

PEDESTRIANS

EP Besprechung

PEGASUS

Albumbesprechung

SEVEN

Besprechung des Albums

TRUST

EP Besprechung

WHO’S PANDA

Albumbesprechung

ZÜRI WEST

Albumbesprechung