ROBERTO BRIGANTE

EP: „La Verita“ (CeDe.ch)

Der aus Italien stammende und seit fast 40 Jahren in der Schweiz lebende Cantautori veröffentlicht mit „La Verita“ sein zehntes Studiowerk (Alben und EP) in 20 Jahren Schweizer Musikszene. Sechs neue Songs und sein letzjähriger Sommerhit „Nui ca lu sule“ sind zu hören. Er huldigt stilmässig den grossen italienischen Cantautori. Mal ist es mehr folkig, dann lässt er es rocken oder zieht den Reggaeton zuhilfe um seine Botschaften über die Wahrheit zu transportieren. Roberto De Luca & Paolo Petrini haben die EP mit viel Umsicht produziert. Die Stimme von Roberto Brigante kommt mit der ganzen Energie und der Natürlichkeit zur Geltung. Der einzige Schwachpunkt dieser EP ist, dass es eben eine EP und kein Album ist, mit mehr Songs.

Fredi Hallauer

WOLFWOLF

Album: „Metamorphosis“ (LuxNoise Records)

Das Obwaldner Duo hat sich für das Album mit vielen Gastmusikern verstärkt. Ja sie kommen so richtig unheimlich daher, aus den finsteren Tälern von Obwalden, wo die Wölfe hausen. Mindestens hat man das Gefühl es sei so. Nein für Depressionen bleibt da nichts übrig. Es ist ein rumpelnder, und rollender Rock’nRoll Zirkus der da tönt. Dem Sänger möchte man anhand seiner Stimme schon nicht im Dunkeln begegnen. Die Musik holt sich die Zugaben aus Blues, Americana, Folk und Sound aus Louisiana. Ja da tönt es auch mal nach Bluegrass. Zu hören sind akustische und elektrische Gitarren, eine jazzige Trompete, ein stampfendes Schlagzeug ein Banjo und Dies und Das. Die WolfWolf sind offenbar auch Dieter Meier begegnet und sie haben zusammen „Fat Fly“ in einer typischen WolfWolf Manier aufgenommen. Genau einzuordnen ist diese Truppe nicht, denn immer wenn man das Gefühl hat, jetzt kann ich den Stil definieren, machen sie eine Metamorphose. All das spielt keine Rolle, denn diese Musik macht definitiv Spass, was will man mehr.

Fredi Hallauer

HANTER DRO

Album: “ Death By Algorythm“

Die Luzerner Post-Hardcore Band zeigt zwei Gesichter, welche nicht immer ganz zueinander passen. Einerseits spielen sie Hardcore, was vor allem durch den „Gesang“ zum Ausdruck kommt, manchmal sogar mit mehrstimmigem „Geschrei“. Das andere Gesicht ist ruhiger und von genialer Gitarre gezeichnet, Ambient Musik. Diese Ambient Teile streuen sie in den Hardcore ein, was sehr erfrischend ist, beim Einsetzen des Gesangs wird die Erfrischung wieder unterbrochen. Die Gegensätze sind krass und die Reibung enorm. Wenn das so gewollt ist, OK. Wer sich dieses Album anhört, muss sich aber um die Gegensätze bewusst sein. Ein sehr spezielles Album.

Fredi Hallauer

MODERN DAY HEROES

Album: „Thirteen“ (BrillJant Alternatives)

Das Bieler Rocktrio lässt es so richtig rocken. Hier sind Songs aus ihrer 13jährigen Bandgeschichte zu hören, welche teilweise von den vergriffenen Alben stammen, dazu gibt es eine ganze Reihe neuer Songs und Coverversionen. Bei einigen Songs hilft Marc Amacher kräftig mit und heizt noch zusätzlich ein. Die Band geht mit ihren Wurzeln ganz weit zurück, nämlich bis in die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts zum Blues- und Folksänger Leadbelly mit dem Song „Black Betty“ und machen daraus einen Bluesrock Stampfer. Die Coverversionen passen sehr gut in das Album, denn sie werden sehr eigenständig interpretiert. Die handgemachte Musik von Modern Day Heroes macht richtig Spass und wer sich das am Morgen anhört kommt sicher gut durch den Tag, aber auch zur jeden anderen Tageszeit gibt dieser Rock gute Laune.

Fredi Hallauer

CHLYKLASS

Album: „Deitinge Nord“ (Chlyklass Records/Sound Service)

Das Berner Rap Kollektiv Chlyklass ist zwanzig Jahre alt geworden und darum haben sie in ihrem Studio noch ein Album aufgenommen. Dabei zeigt sich, dass die Chlyklässler nicht nur älter geworden sind sondern auch reifer. Die Beats sind genial und das Album hat auch einen gesunden Drive. Neben der Elektronik spielen akustische Drums, Violine, Bass und einmal noch ein Charango. Aber das wichtigste bei Chlyklass sind natürlich die Texte und die sind auch gelungen. Weiterhin machen sie sich auch ein bisschen über sich selber lustig. Einmal erzählen sie von ihren Auftritten und dem Nachher erzählen, vom Autogramm geben und Duschen und Nachhausefahren. Sie sind auch gesellschaftsrelevanter geworden. Sehr eindrücklich ist das Lied „Nid üses Revier“, über die Natur die zurückschlägt. Dem fehlenden Swiss Musik Awards trauern sie weiterhin hintennach. Aber alle Texte sind interessant, unterhaltend und regen zum Nachdenken an. Chlyklass ist hier wieder ein gutes Album gelungen, mit vielen was man von ihnen kennt, aber doch eben weiter entwickelt.

Fredi Hallauer

BABS GINGER

EP: „Babs Ginger“ (Record Jet)

Die Berner Sängerin ist schon lange musikalisch unterwegs, nun mit ihrer neuen EP. Sie spielt Klavier und singt mit einer warmen, gefühlvollen Stimme. Ihr Klavierspiel unterstützt die Stimme bestens. Es sind gute Songs, aber leider wurden da zuviele billige elektronische Instrumente beigemischt wie ein monotones Schlagzeug und irgendwelche Streicher. Wenn man sich das Firlefanz weghört, ist es eine schöne EP. Inhaltlich geht es um Liebe, Beziehungen und anderes Zwischenmenschliches. Eine bessere Produktion hätte den Songs viel gebracht.

Fredi Hallauer

PRALINE BLEU

Album: „Praliné Bleu“ (s.kettler@gmx.ch)

Dieses Album erschien bereits vor drei Jahren und ist immer noch das aktuelle Album der Gruppe. Das Berner Quartett spielt Folk und das vor allem instrumental. Praliné Bleu bestehen aus der Flötistin Sandra Kettler, der Geigerin Talita Karnusian, dem Gitarristen und Komponisten Jüre Walter und dem Kontrabassisten Christoph Geissbühler. Auf dem Album wirkt noch die Geigerin Christa Steingruber bei vielen Stücken mit. Praliné Bleu spielen sich vom „Lulu Swing“ (Lulu Reinhardt) über Irland nach Osteuropa und Frankreich und Spanien durch Volksmusik und vielen Eigenkompositionen im Stile von Volksmusik. Dazwischen gibt es dann auch Stücke wie „Schneeflocke“ oder „Tatort“ welche Stimmungen transportieren. Die Gruppe hat ein hohes musikalisches und auch kompositorisches Niveau und begeistert mit dieser Musik diejenigen HörerInnen, welche gute Musik mögen.

Fredi Hallauer