JAËL

Album: „Nothing To Hide“ (Phonag)

Jaël ist wieder da, in alter Frische und reifer. Die elektronischen Spielereien hat sie über Bord geworfen und setzt wieder aufs Handgemachte wie Piano, Gitarre, Bass, Schlagzeug und Streicher. wichtig sind die schönen Melodien und die grossen eingängigen Refrains. Jaël erzählt Geschichten, teils aus ihrem Leben und andere könnten aus dem Leben sein. Ihre schöne Stimme bezaubert. wunderschön ist das zweisprachige Duett mit dem Franzosen Roman Chelminsky. Es ist ein ruhiges und doch lebhaftes, fröhliches und sogar manchmal quirliges Album geworden.

Fredi Hallauer

STEPHAN EICHER

Album: „Homeless Songs“ (Universal Music)

Stephan Eicher hat zwischen 2016 und 2019 neue Songs aufgenommen die nirgends hineinpassten, darum der Albumtitel. Ein Song ist ein Fragment von 45 Sekunden und andere dauern knappe bis gute zwei Minuten, ein Fünf- und ein Sechsminüter ist aber auch dabei. Stephan Eicher singt meist französisch, dreimal Berndeutsch und auch Englisch. Die berndeutschen Lieder sind von Martin Suter gestextet, zwei davon bereits in einer anderen Version auf Songbook zu hören. Musikalisch hat er mit einem Streichquartett zusammen gearbeitet, welches mal zum Schunkeln einlädt, aber auch ab und zu etwas schwülstig ist, oft aber sehr filigran. höhepunkte sind dann, wenn vor allem das Piano zu hören ist. „Homeless Songs“ ist ein sehr schönes Album von Stephan Eicher, ruhig, manchmal sogar etwas spröde (positiv), einfach Eicher halt. es knüpft irgendwo an seine grossen Alben an.

Fredi Hallauer

XEN

Album: „Lieblingsrapper“ (Universal Music)

Der Zürcher Rapper mit kosovarischen Wurzeln setzt neue Massstäbe im Schweizer Mundart Rap. Es ist eingängiger Strassenrap mit intelligenten Texten. Er erzählt von seinem leben und seinen Erfahrungen. Hier geht es nicht um Party, Frauen und drogen sondern um Liebe, Familie, Respekt, Selbsterkenntnis und einiges mehr. Der Sound ist technisch hochstehend elektronisch und trotzdem leicht bekömmlich. wie bei den Rappern üblich gibt es eine viele Gäste nämlich: Stereo Luchs, Sido, L Loko und Drini und Chekaa. Bei diesem Album sitz jeder Track, jedesd Wort und jeder Ton, überflüssige Skit gibt es nicht. Eines der besten Rap Alben.

Fredi Hallauer

BITCH QUEENS

Album: „City Of Class“ (LuxNoise)

Die Basler Punkrock Band musste in der Kulturstadt, welche von vielen Kunstmäzenen bevölkert wird, wegen einem Familienquartier Bau ihr Probelokal räumen. Es wurde plattgewalzt. Darum sind sie jetzt wütend und lassen das deutlich hören. Diese Wut führte auch zur Selbstreflexion und so nehmen sie sich selber auf die Schippe, genauer ihr leben als Mittelklasse Boys. Themen wie Sexismus und Klassismus ergeben sich natürlich aus den oben genannten Gründen. Das ganze gibt ein tolles Punkrockalbum mit viel Power, mehrstimmigem Gesang, zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Die Post geht ab, die Party kann fahren, aber mit Niveau. Gut gemacht Boys.

Fredi Hallauer

DEAD VENUS

Album: „Bird Of Paradise“ (Non Stop Music Records)

Das Trio um die Komponistin, Texterin und Sängerin Seraina Telli (vormals Burning Witches) faszinieren mit ihrem Debüt Album. Die beiden Multiinstrumentalisten zaubern eine vielseitige Musik aus keyboards, Gitarren, Bässen und Schlagzeug. Die Sängerin taucht einem in Wechselbäder mit den harten Rocksongs und dann wieder den sinnlichen, sanften Liedern. So macht es auch die Musik, da nur Piano Begleitung oder eine akustische Gitarre und dort das volle Gewitter. Trotz dieser Vielseitigkeit kommt das Album in einem Guss daher. Seraina Telli versteht es in jedem Genre mit ihrem Gesang zu überzeugen. Vielleicht kann man diesem Stil Prog Rock sagen, aber irgendwie muss man dieses Genre für Dead Venus noch ausweiten. Ein tolles album für offene Ohren.

Fredi Hallauer

REDEEM

Album: „Paperthin Skin“ (Motor Entertainement)

Die Rockband kommt mit einem sehr starken Album daher. Stark im Sinne von kräftigem Rock. Bodenständige Bässe, klares Schlagzeug und Gitarrenobertöne legen das richtige Fundament um abzurocken. Der Gesang ist ebenfalls kräftig mit einer Baritonstimme. Oft sind es schöne Melodien welche der Sänger daherschmettert, aber er fällt immer wieder ins Schreien, was er eigentlich nicht nötig hat. Redeem widersetzen sich mit diesem Album den Widrigkeiten des Lebens und das machen sie sehr gut, mit viel Enthusiasmus und Lebensfreude.

Fredi Hallauer

MARC AMACHER BAND

Live: „Road House Tour“ in der Mühle Hunziken, Rubigen am 14. September 2019

Bild Fredi Hallauer

Das Quartett legte gleich voll los mit ihrem lauten Bluesrock. Marc Amacher röhrte wie wild und die beiden Gitarristen duellierten sich buchstäblich bei den Doppelsoli. Eine Setliste existierze nicht und so mussten die anderen Musiker erahnen was Marc Amacher im Sinn hatte. Es gab Situationen da mussten die Mitmusiker ab den Einfällen von Marc Amacher lachen. Erst nach 45 Minuten kam eine leisere differenzierte Passage und das war eine der wenigen. Ansonsten war der Sound zu laut und undifferenziert. Gesungene Worte waren nicht zu verstehen, nicht einmal die Sprache zu identifizieren. Gegen Schluss wurde es etwas besser, vor allem die Bluesharp klang gut. Es war ein Energie geladenes Konzert von heissem Bluesrock und so Sachen, wie es Marc Amacher nannte.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer