OESCH’S DIE DRITTEN

Album: „Die Reise geht weiter“ (Universal)

Die Familienkapelle ist weiter auf Reise, besinnt sich aber stark auf ihre Wurzeln und ihr Heimat, die Schweizer volkstümliche Musik. Diese Musik spielen sie rassig und ziemlich wie sir sie kennen. Akkordeon, Schwyzerörgeli, Gitarre, Kontrabass und Gesang bilden den Klangkörper. Gesungen wird vorwiegend Mundart aber auch mal französisch, spanisch oder englisch. Das Jodeln findet auch seinen Platz. So ist für ein breites Publikum viel Musik dabei. Als Bonus ist das 17minütige Wältenbummler Medley als Liveaufnahme aus Montreux zu hören plus eine weitere Live Aufnahme, die Hymne der Ski Weltmeisterschaft Crans-Montana. Ganz am Schluss noch die Schlagerversion von „Heimat“, welches aber in der Originalversion viel besser gefällt. Das ist Musik für das Herz und die volkstümliche Party, oder besser um selber gut gelaunte durch die Wohnung zu tanzen, da party’s im Moment nicht angesagt sind.

Fredi Hallauer

DEAR MISSES

Album: “ Monster’s Mother“ (Monobuster Records/Irascible)

Das Quartett kommt aus dem Muotathal, Kanton Schwyz und dies ist ihr drittes Album. Sie spielen Bluesadelic und bleiben diesem Stil treu. Schöne Geschichten, ausgedehnte Soli, verzerrte Gitarren, aber auch fast folkige in die Nähe des Americana rückende Songs gibt es hier zu hören. Die Vier verstehen ihr musikalisches Handwerk, das heisst sie holen aus ihren Instrumenten das raus was sie wollen ohne Elektronik zu Hilfe zu nehmen. Übermütiges und Trauriges gibt es zu hören, wie das im Leben so ist. Ein Album einer jungen Band, welches viel Beachtung finden sollte.

Fredi Hallauer

LOUIS JUCKER

Album: „Something Went Wrong“ (Hummus Records)

Louis Jucker ist ein junger Musiker aus La Chaux-de-Fonds der schon sehr viel Musik gemacht hat, alleine und in Gruppen, aber auch ein eigenes Label hat auf dem viel Musik erscheint. Wer ihn nicht kennt, nun ist Zeit ihn musikalisch kennen zu lernen. Auf diesem Album ist er Singer/Songwriter mit seltsamen und berührenden Liedern. Sein Stil ist der Folk bei dem er viele Register zieht. Er spielt auf selber gemachten eigenartigen Instrumenten oder setzt ganz spärlich Elektronik ein. Die Gitarre ist und bleibt das Hauptinstrument. Die Reise durch die zehn Songs ist eine Entdeckungreise die sich lohnt.

Fredi Hallauer

THE AMBER UNIT

Album: „Kolmanskop“ (Radicalis)

The Amber Unit sind ein Quintett aus Basel mit dem Sänger Victor Hofstetter, eine Stimme die sich sofort ins herz brennt. Musikalisch muss man sie dem Indie Rock zuordnen, sie lassen aber viele andere Einflüsse und viele eigenständige Ideen einfliessen. Zu hören sind Gitarrenklänge jeglicher Art, fantasievolles Schlagzeug, mal perkussiver und dann wieder rockiger. Mit einer Geige im Instrumentarium erweitern sie das Klangspektrum enorm. Ihre Songs sind mal verträumt, ruhig und dann wieder episch mit grossen Bögen und ebensolchen Songs. Diese Musik kommt sehr ehrlich und authentisch daher. Es macht Freude dieses Album zu hören.

STEVE LEE /GOTTHARD

Album: „The Eyes Of The Tiger“ (Sony Music)

Der Untertitel dieses Albums lautet: „In Memory Of Our Unforgotten Friend“ und das gilt für Steve Lee, welcher vor zehn Jahren diese Welt verlassen musste. Von ihm fanden sich noch die Stimme auf Bändern und vor allem den Titelsong, welcher noch nicht weiter aufgenommen wurde bisher. So haben die heutigen Gotthard die Songs neu aufgenommen und „Eyes Of The Tiger“ sogar in einer akustischen und einer elektrischen Version. Nick Mäder, der heutige Sänger singt die Backgroundstimmen. Mit dabei sind auch bei drei Songs The G-Strings, welche auf der Unplugged Tour mit dabei waren. Bei diesem Album geht es um die Stimme von Steve Lee und die gut zur Geltung zu bringen, und dies ist gelungen. Wer ein Rockalbum erwartet wird enttäuscht sein, es ist ein akustisches Balladenalbum mit schönem Gitarrenspiel, manchmal fast ein bisschen folkig. Neben „One Life One Soul“, „Heaven“ und anderen Balladen Klassikern gefallen „Lift Up“ und „Hush“ sehr gut, da es Songs sind mit etwas mehr Schwung und natürlich „Eyes Of The Tiger“. Dieses Album ist, wie es der Untertitel sagt, eine Erinnerung an Steve Lee.

Fredi Hallauer

MANUEL STAHLBERGER & BIT-TUNER

Album: „I däre Show“ (Irascible)

Diese beiden Männer passen gut zusammen. Bit-Tuner schafft es Beats und Klangbögen zu schaffen, welche die Stimmungen der Texte aufnehmen und sie aufbauen zu einem grossen Finale, welches nie stattfindet. Manuel Stahlberger sprechsingt seine Texte von Menschen auf der trüberen Seite des Lebens, oder über diejenigen, welche im Alltag gefangen sind. Die Texte sind gute Beschreibungen, haben Humor, wenn auch einen grauen. Sehr schön ist die Beschreibung seines ersten Matchbesuchs im Stadion. Sehr dunkelgrau und gut erzählt „Loch im Augenlid“. mehr zu verraten wäre schade, dieses Album ist zum Hören da. Wer schräge Erzählungen, mit eher knappen Worten mag, liegt mit diesem Album genau richtig.

Fredi Hallauer

ZODER

Album: „Weathertales“ (iGroove)

Das Quintett aus dem Bieler Seeland spielt handgemachten Pop-Rock mit Folkeinflüssen. Die Besetzung ist Standard, Sänger, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboard. Die Band geht keine Experimente ein und erfindet auch die Rockmusik nicht neu, sondern sie spielen angenehmen und gängigen Radio tauglichen Pop Rock. Die Harmoniegesänge überzeugen und erzeugen sogar Hühnerhaut. Ein unauffälliges und unaufgeregtes Album zum Geniessen.

Fredi Hallauer

CYRIL CYRIL

Album: „Yallah Mickey Mouse“ (Les Disques Bongo Joe, Born Bad/Irascible)

Die beiden Cyrils sind sehr stark zurück. Sie lassen uns auf ihren chaotischen Reisen durch Zeit und Orte tanzen. Die Musik hat also Drive, kein Wunder mit einem Schlagwerker und einem Sänger, sowie Gitarren und Banjospieler an Bord. Dazu kommen seltene Instrumente aus verschiedensten Ecken der Welt und Sampling, vor allem Stimmen. Das ist Weltmusik in Perfektion und sie macht Spass. Der Sänger erzählt die Geschichten, welche seltsamer nicht sein könnten. Die Psychedelik fehlt auch nicht. Gesungen wird meist französisch und dazwischen auch arabisch. Dieses Album ist ein Wurf.

Fredi Hallauer

VERSCHIEDENE MUSIKERINNEN UND MUSIKER

Live: „Hommage an Fritz Widmer“ im La Cappella am 19. Oktober 2020

Martin Hauzenberger Bild Fredi Hallauer

Fritz Widmer, der Berner Troubadour, hat ein sehr grosses Werk hinterlassen. Einige dieser Lieder und Texte wurden an diesem Abend gesungen und gelesen. Zusammengestellt und moderiert hat ihn Martin Hauzenberger. Im ersten Teil sangen die Jungen wie Oli Kehrli, Lisa Catena und Ben Vatter seine Lieder.

Lisa Catena Bild Fredi Hallauer

Da waren die alten lustigen Lieder dabei mit Weisheiten und die Kürzest Lieder. Das Berner Seemanslied sangen sie dann zu Viert.

Bild Fredi Hallauer

Im Programm waren auch der „Amerikabrief“, gesungen von Oli Kehrli. Diese erste Teil wurde hervorragend und abwechslungsreich präsentiert. Schon beim ersten Lied, warfen andere SängerInnen von der Empore Refrainfetzen hinein. Ein Interview auf Hochdeutsch von Franz Hohler mit Mani Matter wurde eingespielt, mit der Aussage von Mani Matter, dass sich Berndeutsch nicht für Matrosenlieder eigne, was Fritz Widmer herausgefordert hat ein solches zu schreiben.

Nach der Pause sang Liv Martin Lieder von Fritz Widmer, eines davon bearbeitet und ein etwas zu langes, eigenes Lied.

Bild Fredi Hallauer

Dann gab es neues Leben auf der Bühne, die alten Weggefährten Otto Spirig, Sam Graf und seine zwei Töchter betraten die Bühne. Die Töchter kamen aus Irland, wo sie leben und begeisterten mit ihrem Cello und Geigenspiel. Sie erhielten eine Bewilligung aufzutreten, aber nur mit Maske. „Cervelat“ das erste Lied von Fritz Widmer, fand ebenso Platz, wie Lieder in denen er Landschaften beschrieb, oder die übersetzten schwedischen Lieder. Martin Hauzenberger sang ein passendes Hommage Lied, in dem mindestens 16 Lieder von Fritz Widmer angesprochen wurden. Zum Schluss sangen alle zusammen ein Carl Michael Bellman Lied und als Zugaben „Karibou“.

Otto Spirig Bild Fredi Hallauer

Es war ein wundervoller Abend, sensibel, respektvoll, unterhaltend, liebevoll und einfach grossartig.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

PINA JUNG

Album: „Wuwei“ (Irascible)

Hinter dem Pina Jung versteckt sich die Sängerin Stefanie Gubser. Sie hat ihre Geschichten und Überlegungen zum Leben zusammen mit Knackeboul und dem Produzenten Henrik Amschler in Musik übertragen. Teils sind die Beats nahe dem HipHop, teils mehr Elektropop. Der Gesang und Sprechgesang von Pina Jung geht dafür Richtung Jazz oder hebt in den Dreampop ab, um darauf wieder rhythmisch auf dem Boden des Pop zu landen. Das hier ist ein komplexes Album, bei dem sich in den Songs noch vieles entdecken lässt.

Fredi Hallauer