HANK

EP: „These Days“(Radicalis Music)

Das Basler Quartett hat eine gemütliche EP aufgenommen. Wohlbekömmliche Musik und trotzdem nicht Durchschnitt sondern darüber. Mehrstimmiger Gesang, ja fast Chöre prägen den Gesang, dazu kommen Jazz angehauchte Gitarren oder Keyboards, feines Drum und ein satter Bass. Es ist Musik zum Wohlfühlen, Kuscheln oder was auch immer, aber nie ist diese Musik kitschig oder romantisch im herkömmlichen Sinne. Hank beweisen Eigenständigkeit.

Fredi Hallauer

SAM HIMSELF

EP: „Slow Drug“

Sam Himself lebt seit mehr als 10 Jahren in New York USA. Er ist vermehrt mit seinem Solo Projekt unterwegs und überzeugt auf der ganzen Linie. Im Juni 2020 wurde er auch Best Talent bei Radio SRF. Zuerst fällt einem seine betörende Baritonstimme sehr positiv auf. Er erzählt in seinen Songs vom Leben, auch vom Zürcher Nachtleben. Zu der Stimme kommt die Musik, Indiepop, welcher den namen verdient, eigenständig klingt und mit guten Musikern gespielt wurde. Das sind fünf Songs die einem sehr „gluschtig“ machen für mehr.

Fredi Hallauer

FLEXFAB & ZILLER BAS

EP: „Mugogo Part 1“

Der in der Schweiz lebende Produzent FlexFab lernte in Kenya den Rapper Ziller Bas kennen, welcher bei einem Auftritt von FlexFab mit rappen begann. Entstanden sind vier Songs mit moderner afrikanischer Club Musik mit Rap. Ziller Bas rappt in Suaheli, English und in seiner Muttersprache Giriama, d.h. eigentlich in einem Gemisch aus diesen drei Sprachen. Dieser Sound fährt in die Beine und begeistert sicher viele Clubbesucher welche tanzen wollen. Man darf auf weitere Teile dieser Zusammenarbeit gespannt sein.

Fredi Hallauer

ILS FRÄNZLIS

Album: „Mit Alles Und Scharf“ (Zytglogge)

Ils Fränzlis da Tschlin spielen sechs der 19 Stücke in der altbekannten Besetzung Kontrabass, manchmal Akkordeon, Bratsche, Cello, Geige und Klarinette und das alles von janett gespielt, nämlich Curdin, Madlaina, Cristina,anna Staschia und Domenic. Die andern Stücke sind mit drei Zusatzfränzlis aufgenommen worden, nämlich mit Barbara Gisler (Cello und Kontrabass), Niculin Janett (Saxophon) und Balthasar Streit (Trompete) und dazwischen wird auch mal gesungen. sie spielen viele traditionelle Stücke, aber genau die oft in der erweiterten Besetzung und auch einem erweiterten Volksmusik Verständnis. Der Jazz fliesst immer wieder sanft ein durch das Saxophon aber auch rhythmisch, am deutlichsten natürlich „Lush Life“ von Billy Strayhorn, dort aber auch wieder die Volksmusik im Jazz. „Il Cumün In Silenzi“ ist ein acapella Lied auf romanisch, welches auch den wunderschönen Klangkörper der Frauen und Männer Stimmen zeigt. Eigenkompositionen gibt es auch einige zu hören, die manchmal in ganz andere musikalische Gefilde triften, wie z.B. „Polca #4#“. Die Trompete bereichert die Klangfarben der Fränzlis, egal ob sie mit Stakkatos die Musik noch lüpfiger macht, oder ein bisschen Balkan hineinbläst. Was die Fränzlis da spielen ist Neue Volksmusik und Weltmusik in Perfektion ohne ihre Herkunft zu verleugnen. Dieses Album gehört auf die Liste der besten Alben für 2020.

Fredi Hallauer

HELENKA

Album: „Vocal Desaster“ (Helenka)

Helenka das ist Helena Danis aus Bern mit slowenischen Eltern. Sie ist ebenso Komödiantin wie auch Dichterin. Sie singt Mundart und auch mal Deutsch. Ihre Musik ist minimaler Elektropop der lockig, flockig daherkommt und die Liedtexte total unterstützt. Aber diese Texte sind der Wahnsinn in der wirklichen Bedeutung des Wortes. Da ist ein Liebeslied an die Geburtsstadt Burgdorf, das die Stadt nicht zu Werbezwecken verwenden wird. Sie wird kabarettistisch zur Singlehrerin oder Atemtherapeutin, oder singt über die Liebe zu einem Haustier. Aber auch Medikamente, welche die Kinder brav machen bekommen ihren Speck weg und noch vieles mehr. Wie gesagt diese Lieder sind schräg, wahnsinnig, verrückt und trotzdem ist da viel Wahrheit darin verpackt. Es ist schon lange her, dass jemand so erfrischende Songs gesungen hat und so frech und ehrlich.

Fredi

ALOIS

Album: „Azul“ (Red Brick Chapel)

Das Quintett aus dem Kanton Aargau spielt Popmusik für den Dancefloor. Neben den Synthies und Elektronischen Instrumenten kommen auch Bass, Schlagzeug, Gitarre, Perkussion und Gesang hinzu. Stilmässig nutzen sie die tropische Variante des Pop, mit karibischen Rhythmen, Dub, Aber auch 80iger Synthie-Wave und Spuren von Trap sind enthalten. Trotz den bewegten Rhythmen ist der Sound doch recht weich und träumerisch und manchmal kommt er auch in ein fast meditatives plätschern. Der Gesang schwebt darüber und dahinter, ist vernebelt und manchmal schwer verständlich. Man kann davon ausgehen, dass er einfach ein weiteres Instrument ist und als Klang in dem Sound macht er sich recht gut. Alois spielen Sound für die sanfte Party und geeignet zum Abhängen.

Fredi Hallauer

MICHELLE ARIANE

Album: „Bridge The Great Divide“

Michelle Ariane ist eine Schweizer Sängerin mit amerikanischen Wurzeln, die tief im mittleren Westen liegen. Aufgenommen hat sie dieses Album in Nashville. Die Stadt hat ihr betreffend Sound den Stempel aufgedrückt. Sie ist eine Singer/Songwriterin in der Art von Bonnie Raitt bis Joni Mitchell, Bob Dylan bis Fleetwood Mac. Sie kleidet ihre Lyrics in feinsten Folk, Folk Pop und Americana. Ihre klare Stimme nimmt einem sofort gefangen. Sie singt vom Leben und vom Leben in Zürich „Rivers Of Zurich“. Die Musik ist handgemacht, Fingerpicking Gitarre, Piano, Bass oder ein bisschen Keyboard, da und dort ein anderes Instrument, aber keine Elektronik. Ein wunderbares Album mit ehrlicher und bestechender Musik.

Fredi Hallauer

BALTHASAR STREIFF & YANNICK WEY

Album: „Büchel Box“ (Zytglogge)

Der Büchel ist landläufig die kleinere Version eines Alphorns, aber eigentlich ein sehr eigenständiges Instrument. Offiziell ist es eine Naturtrompete. Der Büchel kommt in der Innerschweiz vor, und als Naturtrompete gibt es sie in Ungarn, in Österreich heisst das gleiche Instrument Wuschzhorer. Balthasar Streiff und Yannick Wey spielen Stückli aus diesen Regionen, dazu noch Musik des Büchel-Missionars Dr. Alois Bucher und eigene Kompositionen. Büchelmusik ist lebhafter und wilder als die Alphornmelodien, zumindest so wie sie von den Beiden gespielt wird. Sicher hier geht es um Hardcore Folk, oder Traditionen, trotzdem ist dieses Album sehr gut anzuhören. Die Gsätzli und Stücke sind in kleine Gruppen eingeteilt und wechseln sich ab. Die Stücke von Alois Bucher haben Titel wie „Die Drii redidi no einisch midenand“ oder „Ds Adlers Flug“ und da kann man wunderschön das Kopfkino einschalten und die Klänge geniessen. Mit der „Büchel Box“ ist ein sehr interessantes und spannendes Album gelungen.

Fredi Hallauer

STEFF LA CHEFFE

Album: „PS“ (Bakara Music)

Bei PS handelt sich hier nicht um Pferdestärke sondern um Post Scriptum, also einem Nachtrag. Die Berner Rapperin ist nun seit 10 Jahren musikalisch unterwegs und sie blickt zurück und nach vorn. Der Blick richtet sich vor allem auf ihr eigenes Seelenleben mit Up und Downs von Beziehungen. Somit hat PS doch etwas mit Stärke zu tun. Textlich ist das Album nicht mehr so schwermütig wie das letzte, es gibt durchaus flockig – lockere Titel wie „Holunder“ oder „Gladiole“, aber auch „Eifach“ oder „Karate“ gefallen sehr gut. Musikalisch besinnt sich Steff la Cheffe auf die HipHop und Rap Roots. Es sind einfache Beats mit ausgeklügelter Gitarre dazu und sie selber bleibt beim Sprechgesang dem Rap. von popig ist hier nichts zu hören. Steff La Cheffe zeigt sich von der Seite als Poetin. Bei „Einisch“ hilft Remy Rem mit und das bringt gerade gar nichts. Nun sollte eigentlich Steff la Cheffes Innenleben ausgeleuchtet sein und ich glaube sie hat auch zu anderen Themen viel zu sagen.

Fredi Hallauer

MONOGLOT

Album: „Make“ (Hout Records)

Monoglot sind fünf Musiker welche in Basel leben und arbeiten. Mit dabei sind Musiker aus island und Deutschland. Sie spielen Post Jazz auf eine ganz besondere und sehr ansprechende Art. Neben Bass, Schlagzeug und Gitarre sind zwei Saxofone dabei und manchmal wenig Synthie. Sie ufern nicht in endlosen Solis aus, nein, Soli sind eher selten. Das Prinzip ihrer Musik besteht aus dem Kollektiv, etwas Minimal und repetitive Musik, Pattern kommen sehr häufig vor. Ihr Sound ist druckvoll, selten vorhersehbar, witzig, intelligent und vielleicht sogar manchmal etwas rockig. Der E-Bass übernimmt teils die Melodik, während die Saxophone die Rhythmik übernehmen. Also ungewohnte Klänge erwarten einem, aber für offene Ohren und Herzen auch sehr spannende und genussvolle Musik.

Fredi Hallauer