NAÏMA

Album: „Roots“

Die 24 jährige Schweizer Künstlerin schliesst mit diesem Album den Rückblick auf ihre Jugend ab. Die Musik ihrer Jugend war Reggae und so ist es denn ein herrlich, federndes Reggaealbum geworden. Naima singt zu der Frage, was wir unseren Kindern für eine Welt überlassen, sie singt vom streng sein mit sich selber oder zeigt uns ihre Wurzeln, den Reggae. Ihre Stimme ist kraftvoll und klar, die Worte akustisch wie auch aussagemässig sehr verständlich. Der Reggae ist so richtig tanzbar. Das Negative ist, dass Naima ihre neuen Songs in einem anderen Stil machen wird, denn ihre Jugend und damit auch der Reggae ist abgeschlossen. Sind wir gespannt, aber geniessen wir vorerst dieses ausgezeichnete Album.

Fredi Hallauer

CAPORICCI

Album: „Si Colora“ (www.caporicci.info)

Caporicci sind Annalisa Spagnoli (Gesang) und Andreas Michel (Piano Forte), beide sind für Worte und Musik zuständig. Mit dabei sind noch Adam Taubitz an der Geige, Christoph Fluri an der perkussion und Eveline Eichenberger an der Klarinette. Gesungen wird ausschliesslich italienisch, aber für alle welche diese Sprache nicht verstehen sind die Texte im Booklet auch auf Deutsch abgedruckt. Sie handeln von Liebe, von Frieden, ein Schlaflied für ein kleines Kind, aber auch von Gefühlen zu sich selber oder dem Kauf eines neuen Mantels und was das mit der Person welche ihn kaufte, machte. Die Musik ist warm, manchmal von San Remo inspiriert, macht aber Ausflüge in Weltmusik, Latin, Soul oder sogar ein bisschen Funky. Die Stimme von Annalisa Spagnoli passt da bestens dazu, sie ist ebenfalls warm, schön, sprüht vor Lebensfreude oder kann auch mal traurig sein. Andreas Michel’s Pianospiel ist ebenso vielseitig, mal reiht er die Töne wie perlen auf eine Kette, dann wird es wieder rhythmischer oder jazziger. Die anderen Musiker steuern das ihre zu diesem sehr gelungenen Album bei.

Fredi Hallauer

JAZZORCHESTER UNI BERN feat. BEAT RUFI

Live: „Soulmate“ im Kulturhof Schloss Köniz am 21. Dezember 2022

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Das Jazzorchester der Uni Bern ist eigentlich eine klassische Big Band. Verschiedene der jungen Leute konnten nicht mithelfen, so wurde das Orchester durch bekannte Jazzmusiker aus Bern ergänzt. Geleitet werden sie von Wolfgang Pemberger. Sie starteten mit einem Stück noch ohne featuring Gast und zeigten was sie so drauf haben. Es wurde soliert vom Piano zu Trompete und Saxophon und auch mit den vollbesetzten Registern geblasen. Dann stand Beat Rufi im Mittelpunkt. Er ist ja eigentlich sonst der Gastgeber im Kulturhof, heute war er Gast bei dem Orchester. Das Thema war weniger Jazz als Soul und ein bisschen Rock’n’Roll. Rufi legte sich ins Zeug und glänzte mit seiner souligen und rauhen Stimme. Auch beim Gitarrenspiel zeigte er verschiedene Facetten und dazwischen setzte er einem ins Staunen mit seinem Flitzefinger Spiel. Das Programm war toll zusammengestellt, immer wieder Gitarre und Gesang, aber auch all die Solisten:nnen kamen zum Zuge. Mike Maurer sang mit Beat Rufi ein Duett, ein andermal kamen beide Gitarristen gemeinsam zum solieren oder es solierten gleich zwei Saxophonist:innen miteinander. Stücke von Tower Of Power, von Dr. John, von Booker T. and The M.G’s kamen neben Standards zum Zuge. Das Orchester hamonierte unter sich und zusammen mit Beat Rufi. Sie hatten alle wahnsinnig Spiellust und ab und zu hatte man das Gefühl, dass der Orchesterleiter Mühe hatte seine wilden Musiker:innen im Zaum zu halten. Eine Zugabe wurde gespielt und dann war das Konzert zu Ende, da das Orchester keine weiteren Stücke mehr hatte. Ein grossartiger Abend.

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Fredi Hallauer

ROMAN NOWKA’S HOT 3 feat. STEPHAN EICHER

Live: „Mani Matter“ in der Mühle Hunziken am 20. Dezember 2022

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Dies war ein sehr spezielles Konzert in allen Belangen. Die Musiker waren extrem gut, Mani Matter habe ich noch nie so gehört und die Musiker hatten eine extreme Spielfreude. Das Konzert startete mit Roman Nowka’s Hot 3, das sind der Gitarrist und Bandleader Roman Nowka, Bassist und Backgroundsänger Simon Gerber und der Schlagzeuger Lionel Friedli. Sie spielten Mani Matter instrumental und dabei kamen die Melodien vielmehr zur Geltung und man entdeckte die Schönheit der Lieder ohne den Text, auf den man sonst mehr achtet. Nach ein paar Stücken spielte die Band eine Ausnahme, nämlich eine Eigenkomposition, welche nach der Hälfte zu Ende war, da dem Gitarristen eine Seite riss.

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Dann kam Stephan Eicher auf die Bühne und die Lieder bekamen ihren Text, aber auch Soli mit der Melodie. Schlagzeuger und Bassist unterstützten den Gitarristen die Geschichten auch in Töne umzusetzen. Neben den Arrangement der Musiker, spielten sie auch ein Arrangement eines Mani Matter Liedes von Evelinn Trouble. Da ja eigentlich Endo Annaconda bei dem Projekt hätte mitmachen sollen und es auch kurz gemacht hatte, wurde auch für ihn eine Hommage gemacht mit einem Gedicht von Jürg Halter, welcher es selber las und einem Song mit ihm.

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Stephan Eicher und Roman Nowka’s Hot 3 spielten dann noch einen originalen Stiller Has Song. Ganz zum Schluss spielten sie natürlich „Hemmige“ in der Stephan Eicher Version und so fand ein wahnsinns tolles Konzert sein Ende, ohne Zugabe, wie das mit Stephan Eicher so ist. Dieses Konzert wird unvergesslich bleiben.

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Fredi Hallauer

PHILIPP FANKHAUSER

Album: „Heebie Jeebies“ (Funkhouse Blues Publishing/Phonag)

Das Album trägt den Untertitel „The Early Songs Of Johnny Copeland“. Johnny Copeland war der Bluesvater von Philipp Fankhauser und sein Mentor in den USA. Die hier zu hörenden Songs stammen aus den 60iger Jahren, jener Zeit als Philipp Fankhauser geboren wurde. Der Blues wurde in jener Zeit auch etwas vom Soul verdrängt und so wundert es einem nicht, wenn die frühen Copeland Songs souliger Blues oder bluesiger Soul sind. Die Verschmelzung von Soul und Blues liegt Philipp Fankhauser sehr gut und darum wurde das auch ein gelungenes Album. Die Songs werden auf den Punkt gebracht, auch musikalisch, da gibt es keine ausufernden Soli, weder von der Gitarre noch von sonst einem Instrument. Der Saxophonist Daniel Durrer gehört jetzt ganz zur Band und so gibt es, zum Stil des Albums passend, keine Bläsersection sondern Saxophon pur. Lesley Bogart singt die Backing Vocals und bei einem Song noch Lucky Wüthrich, sonst ist alles Philipp Fankhauser Band pur. Die Musik ist etwas rauher und kantiger als bei den letzten Alben und dadurch erfrischend, wenn auch nicht fröhlicher, aber Fröhlichkeit erwartet ja beim Blues niemand. Philipp Fankauser und seine Band ist ein sehr starkes Album gelungen, ein weiterer Meilenstein in der Bandgeschichte.

Fredi Hallauer

FANNY ANDEREGG QUARTETT

Live: „10 MONTHS“ im Be Jazz am 16. Dezember 2022

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Das akustische Quartett mit Fanny Anderegg Gesang, Stefan Aeby am Piano, Jocelyne Rudasigwa am Kontrabass und Lionel Friedli am Schlagzeug spielte ihr Programm, welches nächstes Jahr als Album erscheinen wird. Fanny Anderegg sang sehr vielseitig, sprachlich meistens englisch und manchmal Fantasiesprachen, Scat oder einfach Stimme. Alle Songs waren bewegt, aber nie hektisch. Der Pianist spielte den Flügel nicht nur mittels Tasten, sondern er manipulierte auf den Saiten mit Gegenständen oder spielte sie direkt, was spannende Klänge ergab, welche bestens zu Fanny Andereggs Stimme passten. Natürlich bekam er auch immer wieder viel Raum für Improviationen, welche Begeisterung auslösten. Der Schlagzeuger rollte einen herrlichen Rhythmusteppich aus und jeweils am Ende von jedem Set bekam er ein längeres Solo, in welchem er lange den Grundbeat hielt und den langsam verfeinerte, bevor er dann ausbrach und so richtig wild loslegte. Die Bassistin strich und zupfte ihre Bassgeige, was sowohl Sounds wie auch Rhythmus ergaben. Die Lieder handelten vom Leben und geboren werden im weitesten Sinne. Es ging um ein Schlaflied für ihre Kinder, über den Underdog oder Aufruf zum Frieden, aber auch um unser Dasein. Manchmal sang Fanny Anderegg feenhaft, dann etwas tiefer und intensiver und ein paar Mal kam sie dem Rap ziemlich nahe. Ein wunderschönes und vielseitiges Konzert entliess ein zufriedenes Publikum in die eisige Nacht.

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Fredi Hallauer

MUSIQUE SIMILI

Album: „Rendez-vous“ (Edition Simili)

Musique Simili braucht man hier eigentlich nicht mehr vorzustellen, trotzdem hier kurz die aktuelle Besetzung, welche das Album eingespielt hat. Marc Hänsenberger am Akkordeon, Piano, Glockenspiel, Gesang und Arrangements; Ioanes Vogele an der Gitarre und Gesang; Juliette Du Pasquier an der Geige, dem Bass und Gesang sowie Line Loddo am Gesang, Bass und Perkussion. Das Album ist eine Hommage an Georges Brassens und fünf seiner Lieder sind darauf vertreten, die anderen elf Titel sind Eigenkompositionen und Volksmusik aus Russland und Rumänien. Das gesamte Album stellt das Savoir Vivre rund um George Brassens dar und das Südfranzösische Flair. Der Albumtitel stammt vom ersten Lied, wo Brassens singt, es ist egal wenn der Himmel grau ist, das Geld ausgeht und der Vermieter mich aus der Mansarde schmeissen will, ich habe ein Rendez-Vous mit dir. Teils werden die französischen Texte dazwischen auch deutsch gesungen. Ansonsten ist es einfach fantastische Musik mit Akkordeon, Geige, Bass und dem vielseitigen Gesang. Auch das Geigenspiel ist sehr motiviert und die Pizzicati sind prägnant und geben den Liedern so richtige Kanten. Ein sehr schönes Album, welches ein breites Spektrum von Publikum anspricht.

Fredi Hallauer

PRONTO

Album: „Luno V“ (Universal)

Der Solothurner Rapper, Sohn eines Schlagzeugers mit Wurzeln in Ghana hat ein neues Album aufgenommen und produziert. Er rappt da, teils wahrscheinlich Mundart und in einem Sprachengewirr. Alles ist so seltsam verhallt und/oder so genuschelt das man schlichtwegs kaum ein Wort versteht. Die Sounds, pure Elektronik, sind zum Teil recht interessant. Das Album ist aber nicht überwältigend.

Fredi Hallauer

ROGER STEIN

Live: „Alles vor dem Aber … ist egal“ in der La Cappella am 14. Dezember 2022

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Roger Stein ist Schweizer, lebte länger in Wien und nun in Berlin. Neuerdings hat er wieder ein Bein in der Schweiz. Kennen tun ihn in der Schweiz wenige, in Deutschland ist er ein fester Bestandteil der Liedermacherszene. Aber nun zum Konzert. Er betrat die Bühne, setzte sich an den Flügel und legte so richtig los. Er hämmerte einen Boogie in die Tasten und sang dazu „Alles vor dem Aber … ist egal“. Er erklärte nachher, dass er sich auch mit kleinen Fragen beschäftigt, welche natürlich grosse Fragen sein können, wie das Wörtchen Aber. „Ich bin kein Rassist aber …“ Man vertut sein Leben mit Entscheiden, welche immer ein Aber dabei haben. So sang er im Laufe des Abends bitterböse, witzige, gesellschaftskritische und sehr ernste Lieder, alle brachten es auf den Punkt. Er sang vom Leben, der Liebe, der Winterlandschaft, dem Individualismus, dem Glück und einigem mehr. Seine Moderationen waren ebenso scharfzüngig wie treffend mit Humor, Witz und Sarkasmus getränkt. „Künstler haben die Aufgabe, die Welt zu spiegeln wie sie ist und nicht nur wie sie denkt“; oder „Wir leben im Dauerdruck des Indivdualismus“. Er spielte nicht nur Klavier in vielen Stilen, sondern arbeitet auch mit einem Loopgerät in das er mit seiner Stimme und Salzmühlen die Sounds aufbaute. Roger Stein ist eine Entdeckung, und wie ich beim Publikum gehört habe, nicht nur für mich. Also aufgepasst, er kommt sicher wieder, und dann nicht verpassen.

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Fredi Hallauer

KASCHMIR

Album: „Gold“ (kaschmirband.ch)

Da kommt noch ein Album daher, das sich gewaschen und unheimlich stark und eigenständig ist. Aber beginnen wir von vorne. Der Band Name hat nichts mit Geografie oder Wolle zu tun, man lese ihn auf Schweizerdeutsch. Die Band ist ein Quartett bestehend aus Jessie Wezel am Gesang, E-Gitarre und akustische Gitarre; Thomas Marmier, Gitarren, Mandoline und Chörli; Philippe Mathys am Schlagzeug und Luca Leombruni am Kontrabass und E-Bass. Musikalisch ist es entspannter Americana und dazu der Gesang von Jessie Wetzel mit einer sehr jungen Stimme aber gereiften Texten. Sie plappert in Gesangsform über das Leben, das Scheitern und den Tod in einer sexy Art, wie es noch nie oder sehr selten in Mundart gehört wurde. Dazu immer die wunderschöne Musik mit E-Gitarren, Lapsteel Gitarre, wiegendem Bass. Aber wer sich so schön aufgehoben fühlt in diesen Klängen wird plötzlich durch andere Töne geweckt und dann kommt dazu eine Textzeile die zu denken gibt. Ein sehr cleveres Bandkonzept und Mundartpop den man so noch nie gehört hat. Achtung dieses Album kann süchtig machen.

Fredi Hallauer