SILVER DUST

Album „Lullabies“ (Escudero Records)

Das Quartett aus dem Jura legt so richtig los. In der Besetzung zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug und natürlich Gesang. Die Hauptperson Lord Campbell singt und spielt Gitarre und etwas Keyboard und Programming. Ihr Sound ist eine Mischung aus Metall und Gothik. Es sind immer Harmonien zu hören und auch der Gesang ist im erträglichen Rahmen. Die Musik mit dem Gesang hat etwas hypnotisches. Gesungen wird Englisch und Französisch und dazwischen auch mal Lateinisch. Der Albumtitel ist etwas irreführend, denn Schlaflieder sind das keinesfalls, sondern eher die Musik für einen Höllenritt doch ein Fantasyland. Nicht Musik für jedermann.

Fredi Hallauer

BERNER SYMPHONIE ORCHESTER und PHILIPP FANKHAUSER

Live: „Über ds Chrüz“ im Casino Bern am 5. Mai 2022

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Der Abend startete mit dem Berner Symphonieorchester unter der Leitung von Wayne Marshall. Sie spielten „An American in Paris“ von George Gershwin. Es war grossartig wie das Orchester dieses Stück umsetzte mit den Bläsern und auch dem Schlagwerk. Wayne Marshall hatte das Orchester gut im Griff und leitete es sozusagen mit dem Zeigefinger. Dann trat Philipp Fankhauser und seine Band auf die Bühne. An der Gitarre war Lucky Wüthrich an Stelle von Marco Jencarelli. Daniel Durrer spielte das Saxophon und vier Sängerinnen ergänzten das Ganze. Zusammen mit dem Berner Symphonieorchester spielten sie 4 Songs von Philipp Fankhauser arrangiert von Sebastian Schwab.

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Die Stücke tönten sehr schön und der Klangkörper des Orchesters brachte den Blues in eine andere Dimension. Nach der Pause kam ein ganz spezielles Stück, nämlich eine Ode an Josef Ganz. Philipp Fankhauser las die Geschichte des jüdischen Erfinders von Hitlers VW Käfer, seine Verfolgung, seine Flucht, sein Neustart in der Schweiz, neue Verfolgung da ohne Arbeitserlaubnis gearbeitet, Auswanderung nach Australien, den kurzen Aufflackern der Anerkennung und seinem Tod. Sebastian Schwab komponierte Musik dazu für das Symphonieorchester und die vier Sängerinnen von Philipp Fankhauser Band. Die Musik war eine düstere Art Filmmusik und dazu sangen die vier Frauen immer wieder „Maikäfer flieg“. Ein sehr eindrückliches Stück. Es folgten in Erinnerung an Hanery Amann „Chasch mers gloube“ in Berndeutsch gesungen von Philipp Fankhauser. Nach „Born all over“ übernahm das Symphonieorchester noch einmal alleine und sie spielten von George Gershwin die Ouvertüre zum Musical „Strike up the band“. Zusammen mit der Philipp Fankhauser Band gab es dann noch die Zugaben. Es war ein sehr schönes Konzert mit einigen Höhepunkten. Manchmal war das Symphonieorchester ein bisschen zu nahe an einem Begleitorchester und auch die Band von Philipp Fankhauser war etwas zahm. Der Gitarrist und Saxophonist konnten kurze Soli spielen sowie der Trompeter und der Posaunist des Symphonie Orchesters. Das Konzept „Über ds Chrütz“ ist auf einem guten Weg aber es dürfte etwas mutiger gehandhabt werden. So ging ein gemütlicher Abend zu Ende für ein Publikum des Symphonieorchesters und der Philipp Fankhauser Band.

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Fredi Hallauer

MARIUS BEAR

Album: „Boys Do Cry“

Der Appenzeller ist mit einem neuen Album am Start und da ist auch der ESC Song 2022 der Schweiz darauf zu hören. Aber beginnen wir mit den anderen Songs. Es ist ein Popalbum geworden, welches von seiner speziellen Stimme geprägt ist. Die Musik ist handgemacht mit ein paar elektronischen Effekten angereichert. Es gibt bewegte und ruhige Songs zu hören. In den Balladen kommt die Stimme von Marius Bear sehr gut zum Tragen, da sie da sehr natürlich klingt. In vielen der bewegteren Songs versucht Marius Bear die Stimme nach oben zu pressen und das ist wahrscheinlich nicht nur mühsam, sondern klingt auch so. Ansonsten ein schönes Popalbum mit rockigen Einflüssen. Der ESC und Titelsong fällt aus dem Rahmen, denn da hat man den Sound mit einer gehörigen Portion Zucker versüsst in Form von Streichern. Ich glaube das ist nicht der Sound von Marius Bear.

Fredi Hallauer

POFFET TRIO feat. Thomas Knuchel & Marc Stucki

Album: „No More Tears“ (Zamp Records)

Das Poffet Trio besteht aus Myria Poffet am Piano und Gesang, Michel Poffett am Kontrabass und David Elias am Schlagzeug. Auf diesem Album sind noch Thomas Knuchel an der Trompete und Marc Stucki am Tenorsaxophon dabei. Das Album beginnt mit wunderschönem Pianospiel. Die 11 Stücke gehen von Jazz Standards bis hin zu Popmusik. Aber keine Angst das ist kein Pop Album, denn die Stücke werden alle im Jazz Modus gespielt. Myria Poffet spielt nicht nur wunderschön Piano sondern sie singt ebenso wundervoll. Dazu kommt das fantasievolle Bassspiel ihres Vaters und das alles umspielende Schlagzeug. Die beiden Bläser ergänzen das Trio bestens und bringen neue Dimensionen in diese Musik. So umfasst das Album ein Repertoire von Abbey Lincoln zu Shirley Horn, Mal Waldron, Dzke Ellington, George Gershwin, Rodgers/Hart zu Britney Spears und Double. „Toxic* von Britney Spears geht am weitesten vom distinguirten American Songbook Jazz weg, und da können die Bläser so richtig die Wilden sein. „The
Capt’n of my heart“ passt sich sehr schön in das Programm ein und wer das Stück nicht kennt, könnte meinen es sei American Songbook, dabei isgt es ein grosser Schweizer Pop Hit. Die Musik auf dem Album ist ziemlich ausgeglichen und gegenüber dem Livekonzert auch gemässigter. Das ist klar, denn es steht nicht soviel Zeit zur Verfügung um lange Soli und Freejazz Eskapaden zu machen. Ein sehr schönes Jazzalbum.

Fredi Hallauer

MGM

EP: „MGM“

MGM sind Dieter Meier, Phillip Bluedög Gerber und Schöre Müller. Alle drei sind Gitarristen und Sänger. Jeder hat 2 Songs beigesteuert. Der Stil bewegt sich zwischen Folk Blues und leicht rockigen Songs. Das Gitarrenspiel klingt sehr gut und faszinierend. Der Gesang ist bei einzelnen Songs etwas seltsam gemischt. Vor allem Schöre Müller klingt etwas schwach. Die drei begleiten sich nicht nur gegenseitig auf den Gitarren sondern sie singen auch Harmonie. Es sind 6 unterschiedliche Songs zuhören mit akustischen Gitarren und englischem Gesang.

Fredi Hallauer

NOLA KIN

EP: „Fallstreak“ (Orange Peel Records)

Die Musikerin Carla Fellinger hat sich für drei jahre von der Musikszene zurückgezogen und taucht nun mit ihrem Soloprojekt und einer ersten EP auf. Vier Songs hat sie aufgenommen im üblichen Sound, viel Keyboard, Elektronik, etwas Gitarre und Drum. Auffallend ist ihre warme Stimme. Die Songs sind ruhig und erzählen von Verletzungen und sich dazu bekennen und sich so zu mögen wie es jetzt ist. Ich möchte fast sagen ein bisschen das übliche. Eine Art Therapie für die Künstlerin, sonst muss man es nicht unbedingt hören.

Fredi Hallauer

HECHT

Album: „For Life“ (Gadget/Phonag Records)

Die zwölf neuen Lieder von Hecht drehen sich alle um die Liebe. Die Luzerner aus Zürich setzen ziemlich auf Hit und Stadionhymnen. Die Rockband ist viel popiger geworden und sie haben sich musikalisch an Dabu Fantastic angenähert oder angebiedert. Ansonsten ist das Album gut produziert, die Texte sehr gut verständlich, sowohl akustisch wie auch sprachlich. Tiefgang fehlt sowohl bei den Texten, wie auch musikalisch. Eine Idee, wei sie die Texte nämlich doch zu aktuellen Themen singen können gibt das Lied „Liebi & e Beat“, da ist die Umwelt ein kleines Thema. Aber OK, Hecht sind zurück und das mit einem neuen Album auf die kommende Festivalsaison. Tanzen, mitsingen und feiern ist mit diesen Liedern garantiert.

Fredi Hallauer

MARIUS BEAR

Live: „Boys Do Cry“ Tour im Bierhübeli am 23. April 2022

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Marius Bear startete das Konzert im Duo mit seinem Gitarristen mit einer sehr souligen Nummer. Die Stimme von Marius Bear kam dabei besonders gut zur Geltung und die ist nun einfach Soul pur. Die Band kam nachher dazu, also Keyboard, Bass und Schlagzeug. Die Songs wurden eher popiger und dann rockten sie so richtig ab. Der geniale Gitarrist beherrschte die Rockgitarre und kann da so richtig Gas geben und lange Soli spielen die das Rockgitarren Herz schneller schlagen lassen. So spielte sich Marius Bear durch sein Repertoire, natürlich fehlte auch der ESC Song oder Titel Song der Tour nicht. Die Soulstimme setzte Marius Bear nun im Soulpop, Soulrock bis hin zu Pop und Rock ein. Immer wieder pausierte die Band und Marius Bear sang alleine mit dem Gitarristen und das waren die Songs des Abends. Die anderen Songs waren OK aber da gefiel mir dann einfach die Rockgitarre sehr. Was an diesem Konzert nicht stimmte, war das Licht, das Publikum wurde in den vorderen Reihen geblendet und auch von weiter hinten war das Licht so ungünstig, dass man die Mimik von Marius Bear beim Singen nicht sah, schade.

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Fredi Hallauer

SING MEINEN SONG

Trippel-CD „Volume 3“ (Phonag Records)

Alle Tauschsongs und die Duette sind auf den drei CD’s zu hören. Mit dabei waren diesmal Stress, Melanie Oesch, Noah Veraguth, Seven, Dabu Fantastic, Caroline Chevin und Naomi Lareine. Dazu eine hervorragende neunköpfige Band. Bei Melanie Oesch sind meistens noch Oesch’s die Dritten dabei, bei Dabu Fantastic ist das natürlich DJ Arts. Die drei CD’s kann man sehr gut hören ohne die Fernsehsendung gesehen zu haben es gibt viel unglaubliches zu entdecken. Naomi Lareine ist eine der Überraschungen, sie singt nicht einfach R’n’B, nein sie zieht durch das ganze Spektrum los. Toll ist ihre Version von Jagge (Dabu Fantastic), welche sie auf die frauliche Seite verändert und zur Handtasche wird, da die Frauenjacke keine Innentasche hat. Caroline Chevin singt französisch, lässt es rocken oder singt ein wunderbares Duett mit Melanie Oesch. Noah Veraguth entwickelte sich zum Disco King oder zum ganz grossen, schlichten Performer beim „Mini Stadt“, er singt auch plötzlich französisch oder spielt ein Lied im Bossa Nova Stil. Das Seven sehr vielseitig ist wissen wir von den früheren Sing meinen Song Alben und auch da zeigt er viele Facetten. Dabu Fantastic ist sehr sprachgewandt und singt sogar in Deutsch, Jodelt und übernimmt die Songs aus dem englischen und französischen in Mundart. Stilmässig zieht auch er viele Register. Melanie Oesch kann nicht nur Jodeln und das tut sie auch nicht bei jedem Song. Nein sie versteht es ganz spezielle Stimmungen aus den Songs zu nehmen, mal klingt sie bluesig, dann ist es eine Ballade oder „D Sunne“ wird zu El Sol mit spanischer Musik. Die grösste Überraschung war sicher Stress, er singt sehr viel, er singt Mundart, macht „Les Welsch“ zu einem Song um den Röstigraben zu überbrücken. Er kann sogar rocken und noch vieles mehr. Ein Album das sich lohnt zu hören und man kann auch sehr gut zum einen und anderen Song tanzen oder Party machen. Also für Alle etwas.

Fredi Hallauer

POFFET TRIO feat. THOMAS KNUCHEL & MARC STUCKY

Live: Albumtaufe „No More Tears“ im BeJazz am 22. April 2022

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Der Abend startete mit dem Poffet Trio ohne Gäste, nämlich Myria Poffet (Piano, Gesang) Michel Poffet (Kontrabass) und David Elias (Schlagzeug). Myria Poffet reihte die Töne aneinander wie eine Perlenkette, Michel Poffet liess seinen Kontrabass singen oder entlockte ihm wilde, rhythmische Harmonien und David Elias würzte das ganze mit seinen Drums. Beim zweiten Stück kamen Thomas Knuchel an der Trompete und Marc Stucky am Tenorsaxophon dazu. Sie stimmten in die wunderschöne Melodie des distinguirten Jazz vom American Songbook ein, bliesen Chöre und schöne Soli, bis sie sich dann losrissen und richtig zusammen loslegten und nahe an Free Jazz kamen, was auch die anderen Musiker*innen mitriss. Plötzlich hatte eine unsichtbare Kraft, alles wieder im Griff und der Song endete wie er begann als wäre nichts gewesen. Solche spannende Momente gab es viele an diesem Abend, mit Ausflüge in BeBop oder in den Pop.

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Myria Poffet spielte nicht nur herrlich den Flügel, nein sie sang ebenso, fein und ausdrucksstark, schmeichelnd und gefühlvoll. Das Repertoire umfasste vor allem das neue Album mit Klassikern des Jazz, mit bearbeiteten Songs von Tom Waits, Britney Spears oder Double. David Elias arbeitete wie ein Wecker und dazwischen zeigte er, dass er auch voll Gas geben kann und liess die Stöcke nur so wirbeln. Die Bläser spielten sehr vielseitige Soli oder Begleitungen und Michel Poffet war sowieso wiederum eine Klasse für sich.

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Fredi Hallauer