PHENOMDEN

Album: „Streunendi Hünd“ (One Ton/Irascible)

Phenomden liess uns lange auf ein neues Album warten. Er lebte sechs Jahre in Kingston/Jamaika und nun ist er zurück in der Schweiz mit einem Albumund einer Tour. Phnomden ist vielseitiger geworden. Er entdeckte den Soul und lässt nicht nur den modernen Reggae und den Roots Reggae erklingen, nein es ist auch viel grooviger Soul zu hören. Alle zehn Songs sind Mundart und handeln von den verschiedensten Lebensgefühlen, Liebe, Selbstzweifel, Nicht zur Ruhe kommen. Aber auch von einem Ride durch Kingston oder eine Zusammenfassung von den verschiedensten Johnny Songs mit schönen verzerrten Gitarren machen sich sehr gut. Die Feuerzeughymne „Ich gseh di“ setzt dem Album noch die Krone auf. Aber eigentlich ist jedes Lied eine Perle, eine interessante Geschichte oder fährt mit Groove in die Beine. Trotz der Vielseitigkeit kommt das Album aus einem Guss daher.

Fredi Hallauer

FANTU

Album: „Westside“ (Equipe Music)

Fantu von Chlyklass und PVP veröffentlicht sein erstes Solo Album. Auf acht Tracks erzählt er seine Geschichten. Die Musik bewegt sich von klassischem Berner HipHop zu modernen Urban Sounds. Fantu rappt seine Geschichten in einem coolen Slowdown Rhythmus. Als Gäste sind Baze, Krisl und Greis dabei. Das schöne Cover hat übrigens auch Baze gemacht. Die Texte sind Geschichten eines Erwachsenen und es macht Spass zuzuhören. „Frag di Friseur“ hat etwas aktuelles. Die heutigen Errungenschaften und Lebensweisen werden auf eine ganz spezielle, ruhige, leicht zynische Art herrlich kritisiert. Fantu reiht sich zuvorderst in die Reihe der Rapper ein mit diesem Album.

Fredi Hallauer

JOHNNY NABU

EP: „Liebe Grüsse“

Johnny Nabu ist ein Zürcher Duo, welches Urbanen Mundart Sound macht, so zwischen HipHop, Rap und Pop. Die beiden besingen vor allem Zürich, das Leben der jungen Erwachsenen, das Gehetze, die Pausen und auch das Fernweh um dieser Stadt zu entkommen. Die Beats beigesteuert und produziert hat Gabriel Spahni von Pegasus und Stress. Die beiden Freunde und Lehrer haben als Gemeinsamkeit auch die Musik. Da und dort sind Frauenstimmen zu hören, so erklingt ein abwechslungsreicher Sound. Johnny Nabu ist eine moderne Pop EP mit sechs Liedern gelungen, welche Chancen hat im Radio gespielt zu werden.

Fredi Hallauer

BURGER

Album: „Mängisch zart u mängisch wild“

Burger ist ein Quartett aus Bern und ihr Sänger und Songschreiber heisst mit Familienname Burger. Sie spielen eine Art Berner Chanson Folkrock. Musikalisch spielen sie zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug und Gesang. Dabei kommen leicht rockige Sound zustande, manchmal auch Folk oder Country. Das wichtige bei Burger sind aber die Texte. Sie erzählen aus dem Leben. Es sind Geschichten die meistens nicht von der Sonnenseite des Lebens handeln. Der Höhepunkt des Albums ist „Hus a dr Bahnhofstrass“, welches auf die Geschichte eines 100 jährigen Hauses blickt. Als Gäste bei zwei anderen Liedern sind Anna Mae und Mandana dabei. „No mal dervo cho“ erzählt von Ereignissen, welche dich oder mich hätten treffen können. Generell ist das Album ruhig gehalten, meistens Midtempo. Der Albumtitel bezieht sich nicht auf die Musik, sondern auf eine Zeile aus einem Lied. Auf dem Album sind auch noch Gastmusiker vertreten, denn man kann da und dort Keyboards hören, oder auch Instrumente. Minuspunkte sind, dass Burger nicht immer sauber intoniert und auch in der Musik zwischen Leadgitarre und den restlichen Instrumenten gibt es zwei dreimal Reibungen, welche wohl nicht absichtlich so aufgenommen wurden. Burger ist ein Mundart Lieder Album das tiefgründig unterhaltend ist, ohne lustig sein zu wollen, aber auch kein belehrendes Album, sondern gemütliche Musik mit Tiefgang.

Fredi Hallauer

BLAY

Album: „Heimspiel“ (Sony Music)

Blay, das sind Bligg und Marc Sway. Angekündigt wurde etwas Neues, das Resultat zeigt das aber nicht. Dieses Album ist OK und es ist beste Mundart Popmusik. Sie tönt eigentlich wie Bligg, nur das dazwischen marc Sway auch noch mitsingt. Es ist Rap Pop mit grossen Hymnen für das Stadion, es sind Balladen oder einfach sonst gute Songs. Inhaltlich sind es die Themen die man von Bligg kennt, nämlich vom Vater der immer unterwegs ist, oder vom gegen den Strom schwimmen, von Menschen die zu früh von uns gegangen sind oder von der Liebe. Konsumrausch und Wissen sind ebenfalls besungene Themen. Wie gesagt ein tolles Album, vielleicht waren die Erwartungen an mehr Innovation zu hoch.

Fredi Hallauer

RITA ROOF

Album: „Stimm i mir“ (Universal Music)

Rita Roof mit ihrer samtenen Altstimme arbeitete bisher im Hintergrund, im Backing, von verschiedenen KünstlerInnen wie Phenomden, Dodo, Steff La Cheffe und einigen mehr. Nun tritt sie in den Vordergrund mit ihrem ersten Album. Sie singt vor allem Mundart, in einem Lied dazwischen spanisch und zweimal englisch. Ihre Lyrik sind sehr ansprechend. Sie erzählt aus ihrem Leben als alleinerziehende Mutter, aber auch wie es ist als Frau in der Männer dominierten Musiklandschaft. Die Texte sind sehr ausgereift, klar und nicht nur akustisch gut verständlich. Produziert haben Dodo und Big-J. Das ist dem Sound gut anzumerken. Obwohl die Inhalte der Lieder nicht leicht sind, federt die Musik und der Minister Of Good Vibes hat einen tollen Sound hingezaubert. Stilmässig ist es Reggae, Soul und Pop. Sehr speziell ist, dass da keiner der Stile ausgeprägt pur daher kommt, sondern dass Rita Roof ihren eigenständigen Sound und Mix der Stile hat. Rita Roof ist nicht nur eine begnadete Sängerin, sondern eine sehr gute Songwriterin.

Fredi Hallauer

FATIMA DUNN

Album: „Abestärn“ (TOURBOmusic)

Fatima Dunn ist Schweizerin mit irischen Wurzeln. Sie ist ein OneWomanOrchestra mit Cello, Loopgerät, Effektgerät und Kuhglocken, natürlich mit ihrem Gesang. Die Lieder sind alle Mundart. Zwei der zwölf Lieder sind Schweizer Volkslieder, nämlich „Anneli wo bisch geschter gsi“ und „Schönster Abigstärn“. Die anderen Lieder stammen aus der Feder von Fatima Dunn und passen sich bestens ein. Stilmässig darf man das als Pop bezeichnen. Was andere mit Elektronik machen, spielt sie mit Cello, Stimme, und Effekten. Es ist sehr eigenständige Musik und wunderschön. Textlich geht es sehr viel um Verliebtsein, mir kam spontan der Begriff Musenalptexte in den Sinn, aber sie klingen wunderbar. Fatima Dunn ist mit diesem, ihrem zweiten Album, sicher eine lohnende Entdeckung für 2021.

Fredi Hallauer

ZID

Album: „300km/h“ (Sony Music)

Nach einer EP und der Tour mit Bligg ist ZID zurück mit einem Album, für welches er die Songs in der Zwischenzeit schrieb. Es sind alles Mundartpop Songs. Die Texte erzählen aus dem Leben eines jungen Menschen. Es sind Geschichten rund um die Liebe, manchmal auch ein bisschen philosophisch, aber immer klar und direkt. Musikalisch lehnt er sich stark an die 80iger Jahre an und so entstanden tolle tanzbare Popsongs. Dazwischen kommt auch ein Rapper zum Zug, was noch weitere Energie in den Song bringt. ZID ist auf gutem Weg mit eigenständigem Stil in der Mundartszene Fuss zu fassen. Seine Lieder sind sowohl, Radio, Party und Konzert tauglich.

Fredi Hallauer

RODAS

Album: „Rodas“ (R-Tunes)

Rodas ist ein Trio, welches seit fünf Jahren existiert und nun das Debütalbum veröffentlicht. Rodas ist romanisch und heisst Räder. Das Trio besteht aus Corin Curschellas (Gesang, Dulcimer), Patricia Draeger (Akkordeon) und Barbara Gisler (Cello). Bernd Bechtloff steuert als Gast, gelegentlich treibende Perkussion bei. Dieses Album ist ein Meisterwerk, dies sei hier vorweggenommen. Die warme Stimme von Corin Curschellas wird umspielt, verstärkt, in Stimmung versetzt durch das Akkordeon und das Cello. So wachsen die drei zu einem Ganzen, eben einem Trio zusammen. Musik und Texte, Stimme und Stimmung, alles ist Eins. Stilmässig ist es grundsätzlich Folk, zwischen Tango, jazzig, Tarantella, keltisch und Schweiz. Nun zu den Liedern. „Zuckerbäcker“ eröffnet sehr stark. Es geht um die Menschen welche aus Armutsgründen die Schweiz verlassen mussten, und diejenigen, welche von Afrika kommen, wir die gerne nach Afrika gehen, die Umwelt und unser eingebildetes Gebahren mit Subventionen und so. Dann braucht es nur einen Virus und alles steht Kopf. Es folgen romanische Lieder, sehr unterschiedlicher Art, aber grossartig gesungen und gespielt. „Es hed es Schneeli gschnijet“, ein Volkslied wird umwerfend interpretiert. Da kann man ab Akkordeon, Cello und Gesang nur staunen. Das Trennungslied „Bahnhof SBB“ gehört zu den Balladen. Der Kühreihe „Loba Loba“ spricht für sich. Es ist ein Geniestreich dieses Stück nicht als Chor oder Sologesang aufzuführen, sondern in dieser Trio Besetzung. Bei „La Stria Saira Per Saira“ flippen die drei zu Beginn richtig herrlich aus, um dann in eine liebliche Melodie zu verfallen. Nicht so lieblich ist der Text von „A Mim Rhi“. Nein nicht Basel, sondern am Anfang des Rheins handeln diese schaurigen Geschichten. Wie gesagt, dieses Album ist grossartig und bei jedem Anhören entdeckt man neue verzaubernde Harmoniewechsel und viel mehr. Rodas gehört zu sicher auf die Liste, Album des Jahres, obwohl erst April ist.

Fredi Hallauer

MILCHMAA

Album: „-muat“ (AINIAC Entertainement)

Der Churer, Rapper mit serbischen Wurzeln und Gymlehrer, veröffentlicht sein zweites Album. Die Texte handeln genau von diesem Spannungsfeld. Da geht es um die Rapper und ihre Musik. Mit seinen in der Schweiz lebenden Landsmännern geht er auch heftig zu Gericht. Das Spannungsfeld, balkanische Wurzeln zu haben und in der Schweiz zu leben und sogar Schweizer werden und dann rechts wählen. Aber jeder Mensch ist bei diesen Texten gefordert, Flüchtlingsfrage, Rassismus und Armut in der Schweiz und vieles mehr. Textlich ist dies ein sehr gesellschaft relevantes Album. Musikalisch nimmt er das Spannungsfeld ebenfalls auf. Neben den Rapbeats klingt Folklore aus dem Balkan mit. Dazwischen sind es dominante schöne Chöre. Bei vielen Songs hat er Gäste mit dabei. Milchmaa ist im Moment der beste Rapper der Schweiz.

Fredi Hallauer