IRMA KREBS

Album: „Summerhits“

Das Berner Quartett in der klassischen Rockbesetzung rumpelt durch alle Stilarten aber immer im besten Berndeutsch.“Fotzelschnitte“ tönt ein bisschen nach den alten Berner Mundartrockbands. Dann wird es aber moderner von der Musik her, mal ein bisschen funkig, oder Indie Pop oder balladesk. Aber eigentlich ist die Musik nur der Träger für die Texte zwischen höherem Blödsinn und Tiefsinn. Auf den ersten Eindruck sind die Texte einfach nur schräg und witzig oder skurill, wenn man aber ein bisschen darüber nachdenkt, haben ein paar Lieder viel Potential für Tiefsinniges. Dieses Album ist sicher für Menschen welche es gerne etwas schräg haben.

Fredi Hallauer

QL

Album: „Punküberfall“(Sony Music)

Die Seeländer Funpunker haben zehn knallharte Mundart Songs abgeliefert. In gewohnter Art nahmen sie bestehende Lieder in ihr Repertoire auf und kleideten sie in ein Punkgewand. Vier Lieder stammen aus ihrer eigenen Feder und die können mit den adaptierten Liedern bestens mithalten. Spaß macht aber wenn man das Hecht Lied Kawasaki in dieser punkigen Version hört. Es Kafi am Pischterand von Vreni Schneider hat es ebenfalls auf dieses Album geschafft. Meitschi von Florian Ast kommt so zu einem Tempo geladener Version. Wunderschön ist das Lied Blue Bayou, welches nun Bielersee heißt. Alles im Griff von Jürgen Drews und Hollywood von den Stoakogler runden das Album ab. Da ist nirgends etwas tiefsinniges dabei, Aber sehr, sehr viel Spaß und genügend Stoff zum Abtanzen.

Fredi Hallauer

SCHÖRGELI

Album: „Troumfänger“ (Phono Vertrieb GmbH)

Schörgeli, das sind Daniel Thürler am Schwyzerörgeli, Fredu Mosimann am Bass und Gesang, George Schöre Müller an den akustischen Gitarren und Gesang und Matthias Kohli am Schlagzeug und Gesang. Die vier spielen Musik zwischen Volksmusik und Americana. Es gibt sowohl Lieder wie auch Instrumentalstücke zu hören. Gesungen wird meist Mundart aber auch französisch. Mit einer Ausnahme sind es alles Eigenkompositionen. Es ist eine vielseitige Musik die da zu hören ist. Da klingt es nach Mundart Cajun und dort ein bisschen nach Span, hier nach englischer Volkstanzmusik und irgendwo einfach nach schöner Musik. Die Kompositionen sind unterschiedlich gelungen. Manchmal überzeugt das Örgeli mit fantasievollem Spiel, ein andermal sind es die Gitarren, es gibt aber Momente da fehlt plötzlich die Fantasie. Das ist ein kunterbunter Musikstrauss, welcher einem die Träume einfangen kann. Ein Album für die Gemütlichkeit.

Fredi Hallauer

HECHT

Album: „For Life“ (Gadget/Phonag Records)

Die zwölf neuen Lieder von Hecht drehen sich alle um die Liebe. Die Luzerner aus Zürich setzen ziemlich auf Hit und Stadionhymnen. Die Rockband ist viel popiger geworden und sie haben sich musikalisch an Dabu Fantastic angenähert oder angebiedert. Ansonsten ist das Album gut produziert, die Texte sehr gut verständlich, sowohl akustisch wie auch sprachlich. Tiefgang fehlt sowohl bei den Texten, wie auch musikalisch. Eine Idee, wei sie die Texte nämlich doch zu aktuellen Themen singen können gibt das Lied „Liebi & e Beat“, da ist die Umwelt ein kleines Thema. Aber OK, Hecht sind zurück und das mit einem neuen Album auf die kommende Festivalsaison. Tanzen, mitsingen und feiern ist mit diesen Liedern garantiert.

Fredi Hallauer

HANSRUEDI EGLI

Album: „Vom Cho, vom Si u Ga“ (www.hansruediegli.ch)

Der Berner Gitarrist und Liedermacher hat in all den langen Jahren seit 1977 sein fünftes
Album veröffentlicht. Es ist ein reifes Album eines reifen und weisen Liedermachers und eines guten Musikers. Er pendelt zwischen Folk und Pop und feinster Gitarrenmusik sowie träumerischen Instrumentalstücken. Neben ihm spielen vierzehn Musiker*innen auf dem Album mit, von den üblichen Instrumenten bis zu Pipes, Flutes, Flöte, Saxophone, Sousaphon, Englisch Horn, Streichinstrumente und schöner weiblicher Backing Vocals. Ein träumerisches Stück ist „Conamara“Gitarrenstücke hat es immer wieder. Aber Hansruedi Egli kann nicht nur mit der Gitarre Geschichten erzählen, er kann das ebensogut mit Worten. So erzählt er von sich und der Natur, seine Beobachtungen und Erlebnisse. Wer diese Texte nur oberflächlich hört verpasst etwas, denn seine philosophische Betrachtungen wollen uns etwas sagen und die Aussagen sind engagiert. Das Album ist mit 15 Titeln vollgepackt, abwechslungsreich und aus einem Guss. Für mich ist das im Jahr 2022 der erste Anwärter für mein Album des Jahres.

Fredi Hallauer

MEGAWATT

Album: „Felsafescht“ (Hitmill/Musikvertrieb)

Die wilde Rockband aus dem Rheintal zelebriert den 80iger und 90iger Rock mit modernen Stilelementen. Der Sänger singt in seinem sympathischen Rheinthaler Dialekt. Das Schlagzeug hämmert wild und kräftig und gibt so diesem Rock den richtigen Drive. Das Keyboard macht den 80iger Touch aus, wir sagten dem anno dazumal, Turborock, das ist, wenn das Keyboard jede Soundlücke füllt. Die Gitarren kommen dabei etwas zu kurz, da das Keyboard den Sound prägt. Aber es gibt schöne Gitarren Soli und auch bei den Balladen kann man in den Gitarrenklängen schwelgen. Der gesamte Sound hat etwas viel Hall oder sagt man heute er wurde dreidimensional gemischt, das ergibt eine weniger starke Präsenz des Gesamtsounds, aber das ist Geschmacksache. Es ist ein gutes AOR Mundartrockalbum, aber irgend ein Gewürz hat man beim abschmecken vergessen,

Fredi Hallauer

DABU FANTASTIC

Album: „So Easy“ (Gadget/Phonag Records)

Dabu Fantastic nehmen jetzt alles so easy, oder eben doch nicht. Die Musik, die Lieder bewegen sich wirklich zwischen easy und nachdenklich. Offenbar bekam Dabu gefallen am Chorgesang und so starten sie gleich mit einem Acapella Lied, welches wirklich sehr schön ist und sehr gut tut. Es folgt dann ein sehr schöner kurzer Beschrieb über Männer- aber auch Frauenchöre, welche eher nach der Chorprobe bei Bier oder Wein singen. „Mit de Rabe“ ist ein schönes und nachdenkliches Lied, welches unser streben nach Licht (lies Liebe und Glück) schildert. To Athena ist Gastsängerin bei „Die Falschi“ Baze Gastsänger bei „Easy Tue“. Die beiden tiefgründigsten Lieder sind „Niemert Gweckt“ und „Muet“. Ein Lied, welches von der Art her stark an Mani Matter erinnert ist „Wenn’s mir wieder guet gaht“, nicht wegen dem verwandten Titel, sondern wegen der auf den punkt gebrachten kurzen Lyrik. Dabu Fantastic verstanden es für dieses Album, leichtes und schönes mit tiefgründigem zu mischen, aber auch mit den nachdenklichen Liedern einem nicht in einen negativ Strudel zu reissen. Dabu Fantastic ist definitiv in der obersten Liga der Mundart Pop Gruppen angekommen.

Fredi Hallauer

GEORGE

Album: „Dr Louf vom Läbe“ (Hena Music/CeDe.ch)

George ist zurück und wie er im ersten Track singt „Es geit wieder los“. Und wie es los geht. George und seine Band spielen sehr rockig und mit viel Power, so richtig guten Mundartrock. Die Band besteht aus zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Keyboard. Dazu kommen noch ein paar Stimmen und hie und da ein Gastinstrument. Viel auffallender als die gute Musik sind aber die Texte. George singt nicht nur von Heimat und Liebe, das sogar wenig aber gut, sondern auch von sich und wie es einem ergehen kann, wenn man plötzlich nicht mehr mag. Das Lied zu Heimat „Mini Schwiz, dini Schwiz“ ist ein ausgesprochen kritisches Lied über Zustände in unserem Land. George ist hier ein grosser Wurf in seiner Karriere gelungen und er kann sich mit diesem Album zu den guten Mundartrock Texter und Musiker einordnen. Kleines akustisches Minus gibt es, da seine Stimme ein paar Mal verhallt und sonst ein bisschen manipuliert wurde, was zu künstlich tönt. Eigentlich ist Georges Stimme einfach so wie sie ist, nämlich auch ehrlich und darum schaden solche Tricks.

Fredi Hallauer

HEIDI HAPPY

Album: „Nid Für Ewig“ (Silent Mode)

Heidi Happy hat sich neu erfunden, sie singt jetzt viel Mundart und Deutsch. Fünf Lieder sind Mundart, drei Deutsch und drei Englisch und eines zusammen mit Meimuna auf Französisch. Sie singt viel von Herzschmerz, Liebe und was dazugehört, aber auch um den Zucker in der Glacé und das geht dann weiter bis zum Protest gegen Krieg, das haben die ja früher auch gekonnt, singt sie. Textlich sind es nicht gerade grosse Würfe. Musikalisch ist alles sehr leicht und luftig zwischen Folkballade und Elektropop ja sogar Dreampop. Manchmal klingt alles ein bisschen sehr verhangen und gehaucht, an der Stimme von Heidi Happy hat man elektronisch gearbeitet, was ich schade finde, denn sie hat eine sehr schöne Stimme (nachzuhören auf dem MTV Album von Patent Ochsner). „Nid für Ewig“ ist ein geeignetes Album nach dem Feierabend um zu entspannen.

Fredi Hallauer

STAHLBERGER

Album: „Lüt Uf Fotene“ (Irascible)

Das Quintett Stahlberger um den Sänger Manuel Stahlberger hat ein etwas helleres Indiepop Album herausgegeben. Die Musik ist sehr speziell und mit viel Elektronik durchsetzt, manchmal knapp tanzbar. Die Texte sind ebenfalls speziell, was ja bei Stahlberger immer der Fall ist. Er beobachtet wieder sehr genau und schildert diesmal nicht wirkliche Geschichten sondern Situationen. Der Ausgang der jeweiligen Situation ist jeweils offen und hinterlässt ein beklemmendes Gefühl. Oft sind die Texte aber auch entsprechend geheimnissvoll. Ein Album dass man selber hören muss um zu entscheiden ob es einem anspricht oder nicht.

Fredi Hallauer