JEANS FOR JESUS

CD: „Pro“ (Universal Music)

Unknown.jpeg

Das Berner Quartett legt auf ihrem zweiten Album musikalisch einen Zacken zu. Ihre Popmusik teils vom R’n’B geprägt ist oft sehr minimalistisch instrumentiert. Gesungen wird Mundart mit zwei französischen Liedern. Mutig ist es von den Bernern einen anderen Weg und Stil einzuschlagen als so viele Mundartbands. Solchen Mundartpop gab es vor Jeans For Jesus nicht. Der Gesang ist zumindest für ältere Ohren gewöhnungsbedürftig aber immer gut verständlich, was vor spärlichen Chorgesang nicht immer zu sagen ist. In den Texten werden auch mal kompliziertere Themen behandelt wie Flüchtlinge. Die Lyriks hat noch Entwicklungspotential, da die Messlatte von aktuellen Berner Bands natürlich sehr hoch gelegt ist.

Fredi Hallauer

TROUBAS KATER

LIVE: Bierhübeli Albumtaufe am 28. April 2017

Troubas Kater starteten die grosse Show mit den Bläsern, zwei Posaunen und eine Trompete, am vorderen Bühnenrand und QC war noch nicht zu sehen. Es startete wie ein Feuerwerk und die Band hielt diese Spannung und das gut einstudierte Konzert bis zum Schluss durch. Das ausverkaufte Bierhübeli dankte es der genialen Band um QC mit mitsingen und mitmachen. Klar es wurden die Lieder der neuen CD gespielt und einige ältere Sachen, aber alles sehr gut arrangiert, sowohl musikalisch wie auch showmässig. Diesmal stachen vor allem die Bläser sehr hervor. Toll geblasene Soli, oder auch gemeinsames Spiel mit Akkordeon überzeugten. Die Perkussion oder das Getrommel sind wichtige Anteile der Band und so stand der Drummer plötzlich mit einer umgehängten Trommel da und die Bläser wurden zu Perkussionisten. Der Gitarrist Matthias Urech stand weniger im Rampenlicht als bisher, legte aber musikalisch einen soliden Rhythmusboden und spickte immer wieder filigrane Töne in das Getrommel und Gebläse. QC überzeugte einmal mehr mit seiner Wortgewandtheit, seinem jonglieren mit Wörtern und das Ausspielen von Wortwitz und Wort-Doppeldeutigkeiten. Genial wie er das macht. Das war ein genialer Konzertabend auf höchstem Niveau und Troubas kater haben kräftig zugelegt. Es lohnt sich auch das neue Programm anhören zu gehen.

Fredi Hallauer

CD: „Aber morn…“ (Zytglogge Verlag)

Unknown.jpeg

Die Berner Band mit dem speziellen Klang zwischen HipHop, Chanson, Folk, Balkan und noch vielem mehr brilliert auf ihrem zweiten Album. QC der Sänger ist in seinen Texten viel präziser unpräzis geworden. Seine Geschichten, Aussagen und prägnanten Worte kommen messerscharf daher, das natürlich unterstütz mit toller Musik und super Musikern. Bereits das erste Lied „Bärnstei“ hat es in sich. Da geht es nicht um den Schmuckstein der eigentlich ein Harz ist oder doch auch? Genau so spielt Troubas Kater mit den Worten. Ganz tolle Lieder sind natürlich „Kei Sinn“ oder „Aus Egau“, oder oder oder. Eigentlich müsste man alle Lieder aufzählen. Bei Troubas Kater geht die Post ab und zwar nicht nur für die Beine auch für den Kopf, denn der muss aufpassen dass er mitkommt oder doch nicht ist doch egal.

Fredi Hallauer

ZÜRI WEST

CD: „Love“ (Soundservice)

Unknown Kopie 15.jpeg

Züri West ist mit einer unaufgeregten, aber starken CD zurück. Beim ersten Lied „Schatteboxe“ erkennt man die Band nicht wieder. Die Basis ist ein schönes Piano und der Text handelt von Liebe wie der Album Titel sagt und meistens vom Ende der Liebe, vom weggehen. Entweder geht er oder sie. Dann folgen irgendwo typische Züri West Songs mit kurzen Geschichten und sehr treffsicheren Worten. „Schachtar gäge Gent“ geht etwas mehr ab und hat ein wunderschönes Riff. Darauf folgen zwei Höhepunkte mit „Mir wei nid grüble“ einer wunderschönen und gut gelungenen Adaption von Dylans „Don’t Think Twice“. Dann etwas kritische Selbstbetrachtung mit „Quitte“, einem witzigen Song. zum Schluss dann noch ein bisschen ein untypischer Sound bei „Glück und Glas“. Das warten auf das neue Album von Züri West hat sich gelohnt.

Fredi Hallauer

LO & LEDUC

Live: 9. April 2017 Bierhübeli Bern

Gleich von Anfang an merkte man, da geht etwas geniales ab. Lo & Leduc, das sind nicht nur die Beiden vorne, sondern das ist die ganze Band. Diese Supermusiker spielten  sehr präzise und voller Konzentration das mehr als zwei Stunden dauernde Konzert. Alle waren gut, die Sängerin und die Bläser(in) fantastisch, aber auch der Gitarrist brillierte. Bass und Schlagzeug rollten den tollen Rhythmusteppich aus. auf dem allem konnten die Lo & Leduc eine geniale Show bieten. Alles war überlegt, ging Schlag auf Schlag und neben der Unterhaltung bekam man auch Denkanstösse zu Gender, zu was ist wieviel Wert und mehr. Das Repertoire umfasste die neuen Songs plus Hits aus der letzten CD und alte Sachen von den Update Versionen. Es stimmte einfach alles, Licht und Ton ganz durchkonzeptioniert bis zu den Hemden und Blusen, die ein etwas nach Receptionspersonal aussehen in einem Ressort. Drei Mal hintereinander das Bierhübeli ausverkaufen, schafft wirklich nicht jede Band und spricht für sich. Das junge Publikum war sehr diszipliniert und es wurde aufmerksam zugehört, mitgemacht oder getanzt und nicht geredet.

Fredi Hallauer

CD: „Ingwer & Ewig“ (Bakara Music/Warner)

Unknown-1.jpeg

Nun ist das zweite Album von Lo & Leduc Wirklichkeit. Zusammengefasst ist zu sagen, wer hohe Erwartungen hatte darf sie als Erfüllt betrachten. Die Musik ist der typische Worldmusic HipHop Sound, luftig flockig und gute Beats und das mit den Instrumenten toll umgesetzt. Musik bei der man nur schwer ruhig sitzen kann. Auffallend ist die Steigerung bei den Texten. Lo & Leduc erzählen Geschichten mit wenigen Worten und bringen Politik, Soziales und das Leben auf den Punkt oder halt eben doch nicht. Die Lyriks sind witzig, philosophisch und stark. Bereits bekannt aus dem Radio ist „Mis Huus dis Huus“, es lohnt sich da genauer Hinzuhören. Weitere Lieder die mit sehr positiv aufgefallen sind, sind „Für Ingwer und Ewig“; „Damevelo“, „Walter“ und „Mond“. Bei jedem Hören hört man wieder Neues. Ein Kandidat für „Album des Jahres“.

Fredi Hallauer

COLLIE HERB

CD: „Bambus“

Unknown.jpeg

Collie Herb aus Olten veröffentlichte kürzlich sein zweites Album. Er gehört zu den Mundart Reggae und Dancehall Musikern. Auf dem Album Bambus sind 14 sonnige Lieder in Mundart zu hören. Ein Teil ist mit grosser Band eingespielt und das tönt echt gut, auch der Rest ist nicht von schlechtem Geschmack. Oft groovt er herrlich. wichtig sind aber die Texte, darum hat Collie Herb den Dialekt gewählt. Er erzählt von Olten, dem Alltag, dem Leben, all den Schönheiten im Leben aber auf eine sehr nette sympathische Art zeigt er auch auf die Sachen die nicht so gut sind. Bambus ist ein wunderschönes Mundart Reggae Album.

Fredi Hallauer

LIVE: In der Mühle Hunziken am 11. März 2017

Collie Herb trat zusammen mit einem DJ auf und hatte die undankbare Aufgabe das Publikum vorzuwärmen für den Hauptact Booost. Collie Herb machte das sehr gut. Er stand auf die Bühne und sang zwei seiner Mundart Reggae Lieder. Dann forderte er das Publikum zum Tanzen auf und mitmacjen, es klappte. Seine Lieder hatten einen guten Flow und wurde mit seinem sympathischen Auftreten gut transportiert. Es war ein grooviger Auftritt der mit ein paar Songs zusammen mit Jo Elle abgerundet wurde.

Fredi Hallauer

STILLER HAS

Live: Bierhübeli Bern CD Taufe am 16.3.2017

Stiller Has mit neuer CD und in neuer Formation war angesagt, Ohren und Augen waren gespannt. Ein ebenso gespannter oder angespannter Endo stand dann mit seinen vier Männern auf der Bühne. Er wirkte nervös und hat sichtlich Atemprobleme. Trotzdem bringt er die Lieder gut rüber. Im ersten Teil sind neben ein paar neuen Liedern auch viele ältere seiner Lieder zu hören. Die Ansagen sind sehr gut und oft selbstkritisch. Nun zur Band, der Perkussionist Andy Pupato reisst die Band mit seinem Spiel heraus. Der junge Gitarrist macht seine Sache recht aber nicht mehr. Der Produzent und Keyboarder Roman Wyss verbreitet seine Romantik und sein blutjunger Sohn am Bass der spielt da auch mit aber unauffällig. Es tönt wie eine mittelmässige Rock/Pop Band, wäre da nicht Endo am Mikrofon. Nach der Pause ging es zuerst ähnlich weiter. Endo war besser in Form. Dann kam die grosse Wende, Mario Bakovic betrat die Bühne. Auch er hat Songs der neuen CD produziert. Er startete mit der akustischen Gitarre, die Band lebte auf, Endo strahlte und es wurde kreativ. Sie spielten nur noch neue Lieder. Mario Batkovic spielte das Akkordeon, der Gitarrist das Banjo und Andy Pupato kam besser zum Zug. Da bekam die Musik wieder ein roher und rauher Charme der zu Stiller Has passt. Der Gitarrist bekam auch die Möglichkeit zu solieren und zeigte was für ein hervorragender Musiker er ist. Da wurde die Veranstaltung noch zu einem Konzerthighlight der Saison.

Fredi Hallauer

CD: „Endosaurus Rex“ (Sound Service)

Unknown.jpeg

Zuerst eine kurze Warnung. Stiller Has hat noch die typischen Texte und den Sprechgesang von Endo Anaconda aber nicht mehr die typische Musik. Die Band um Schifer Schafer ist nicht mehr. Die neue Band besteht aus neuen Gesichtern. Die CD wurde von zwei Leuten produziert die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber lassen wir das und schreiben über das was es zu hören gibt. Wie bereits gesagt sind die Texte wie immer sehr gut, böse, skuril und vieles mehr. Endo fühlt sich vom Aussterben bedroht, sieht sich auch schon im Altersheim wo es am Freitag fischelet. Es gibt noch viel zu den Texten zu erzählen, aber am Besten ist es sie selber anzuhören. Musikalisch gibt es viel Country und da und dort Balkan. Leider ist bei einigen Liedern musikalisch der Saft etwas ausgegangen oder es wird musikalisch süss, schade. Das musikalisch gelungenste Lied ist „Witwe“. Zusammengefasst lässt sich sagen, Stiller Has hoppelt wie eh und je, von aussterben keine Rede, musikalisch kann er noch etwas mehr Unkraut auf der Wiese spriessen lassen.

Fredi Hallauer

RITSCHI

LIVE: Mühle Hunziken, Rubigen am 29. April 2017

Die Mühle war total ausverkauft und ein recht junges Publikum wartete sehnsüchtig auf Ritschi. Er legte dann gleich etwas discomässig los und die Menge wippte sofort mit. Nach ein paar weiteren Liedern in seinem aufgepeppten Mundartrockstil erklärte er, dass ihm geraten worden wäre nicht mehr so viel zu sprechen und er halte sich auch weitgehend daran. So wurden die Zwischentexte spärlicher als üblich und die Zeit nutzte er für seine Lieder. Er konnte das Publikum mitreissen und begeistern, wenn auch eher mit dem herkömmlichen Stil, bei den wenigen Elektronummern sank die Stimmung. Seine Band bot solides Handwerk, aber es war schnell klar hier ging es um Ritschi. Sein Duett mit Jaël durften wir dann alle live erleben, was offenbar nicht bei jedem Konzert möglich ist. Ein wunderschönes Lied mit den beiden schönen Stimmen, berührt einem wirklich. Ritschi bot eine gute Show und entliess ein zufriedenes Publikum auf den Heimweg.

Fredi Hallauer

CD: „Ritschi“ (Phonag Records)

Unknown.jpeg

Ritschi ist zurück. Irgendwie versucht er einen Neuanfang, denn sein Album heisst ganz einfach Ritschi, auch sonst hat sich einiges geändert. Ritschi setzt auf Elektro und oft nicht mehr auf wirkliche handgespielte Instrumente. Das ist ja noch OK, aber leider passt Ritschis Stimme, seine Melodien und seine Art zu singen, nicht zum Elektro. Dazu kommt, dass es häufig eher schlechter Elektro ist und er oftmals nervt. Wenn Ritschi dann noch gerne Prince sein möchte, na ja, zum Glück ist das nur einmal der Fall. Aber sehen wir auch das Positive. Seine Texte sind 100% Ritschi wie wir es gewohnt sind, dazu kommen die Melodien mit Ohrwurmcharakter. Somit bleibt nach dem Hören des Albums eine Zwiespältigkeit, vielleicht braucht es viel Gewöhnung.

Fredi Hallauer