GIGI MALUA

EP:“Malua“ (Universal Music)

Die junge Sängerin nannte sich bei ihrer früheren EP einfach Gigi, sie ist jetzt Gigi Malua. Wer sich die EP anhört, erkennt sie gleich bei den ersten gesungenen Tönen wieder. Gigi Maluas Stimme hat einen hohen Wiedererkennungswert. Musikalisch ist es sauber produzierter Pop. Wichtig sind die Texte. Sie erzählt fünf verschiedene Geschichten und doch haben sie Gemeinsamkeiten. Es geht um Mental Health, Sucht, Liebe und die Parallelen dazwischen, die im Alltag oft übersehen oder bewusst ausgeblendet werden. Gigi Malua hat viele Doppeldeutigkeiten in ihren Texten und das sehr bewusst. So hört jedermann etwas anderes aus den Songs oder vielleicht mehrere Sachen fast gleichzeitig. Die Sängerin will, dass dies geschieht, und will offen bleiben. Erklärungen braucht es keine, alles soll so im Raum stehen bleiben. Mit dieser EP fordert uns Gigi Malua heraus, und dies auf eine anspruchsvolle Weise und trotzdem mit Genusseffekt.

Fredi Hallauer

FATIMA DUNN

EP: „Adieu Gravité“ (TOURBOmusic)

Dies ist die erste EP einer Trilogie, welche bis in einem Jahr fertig sein wird. Fatima Dunn singt Mundart und musiziert mit dem Cello, Loopgerät und einigen Effekten. Sie spielt zeitgenössischen Folk. Die EP beginnt mit einem naturjodelähnlichen Lied. Dann sind es eher folkige Liedermacherinnenlieder. Ihre Texte sind genaue Beobachtungen ihrer Umwelt und sie ist mittendrin. Inhaltlich erzählt sie von der Umtriebigkeit des Umfelds und ihren Versuchen, trotzdem Ruhe zu finden. Diese Lieder gefallen gut. Bei zwei der Lieder hilft Tanja Kummer mit, eine Thurgauerin. Sie versucht, in einer Fantasiesprache zu sprechen, angelehnt an Franz Hohlers Totenmüggerli, nur nicht so gut. Diese zwei Tracks hätte man sich schenken können. Man darf sich auf die beiden folgenden EP’s freuen.

Fredi Hallauer

GEORGE

Album: „Mis wahre Gsicht“ (Hena Music/iGroove)

George, der Mundartlieder Sänger aus dem Seeland, präsentiert sein 9. Album. Es sind darauf vierzehn ehrliche Lieder zu hören. Er erzählt einiges aus seinem Leben. Die Texte sind von einem reifen Mann geschrieben und George versucht nicht, auf jung zu machen. Die Lieder treffen oft das Herz und lassen eigene Erinnerungen wieder hochsteigen, meistens schöne oder wehmütige. Musikalisch ist er sehr akustisch und trotzdem sind rockige Songs darunter. Zydeco spielt hinein, an einem anderen Ort kann man ein Cello hören und das Akkordeon ist immer wieder dominant. Das letzte Lied „3 Affe im Zoo“ ist gesellschaftskritisch und er spielt es zusammen mit Schöre Müller. Gut gefallen mir die Lieder „Die alte Poete“ wo es um die Poeten der Musikszene der Schweiz geht, welche nicht mehr unter uns weilen. „La nouvelle Orleans“ erzählt von Louisiana und der Zydeco-Musik, George singt da auch Französisch. Er hat hervorragende Musiker um sich herum, welche das Album noch eine Stufe höher heben. Mit diesem Album ist dem Seeländer Poeten ein grosser Wurf gelungen und vielleicht sogar sein bestes Album.

Fredi Hallauer

DABU FANTASTIC

Album: „Live in Bümpliz“ (Gadget/Phonag)

Endlich ist es da, das lang ersehnte erste Live Album von Dabu Fantastic. Aufgenommen wurde es im Sternensaal Bümpliz und es war der Tourabschluss von der Ciao Baby Ciao Tour. Übrigens: Es war das 50. Konzert dieser Tour. Am Anfang hielt Bänz Friedli eine kurze Rede über Berndeutsch und Zürcher, welche näher bei Mani Matter sind als mancher Berner. Dann folgte das Konzert mit alten und neuen Hits, angefangen bei So Easy bis zu Min Ort und Die letschte drü Minute. Mit dabei natürlich auch Angelina, Ciao Baby Ciao, Vo vorn und Teddybär von den Rumpelstilz. Als Gäste sind neben Bänz Friedli, Nina Valotti, Riana und Baschi dabei. Die Band ist in Hochform, Dabu und DJ Arts ebenfalls, und das Publikum singt aus voller Brust und tönt sehr textsicher. Dabu sagt nur das Notwendige zwischen den Titeln und das nicht zwischen jedem. Mit diesem Album ist man wirklich am Konzert von Dabu Fantastic dabei. Ein wunderschönes Live Album.

Fredi Hallauer

LO & LEDUC

Album: „Krise als Chanson“ (Bakara Music)

Dies ist das sechste Studioalbum der beiden Berner Mundartmusiker. Nach einer Pause ist vieles neu. Lo & Leduc sind politisch geworden, singen zwei Lieder auf Deutsch und es sind nicht einfach Partysongs. Das Album beginnt mit einer politischen Klavierballade. Sie heisst „Für Love“ und die Lyrics zeigen, worum es beim Album geht. „Dr Eint behouptet, dass dr Anger immer nume lügt. Dr anger seit, alles, wo dr eint seit, stimmi nid – U die Aller- Aller- Aller- Allermeiste säge nüt“ ist eine der Textzeilen. Die Texte sind klar, und trotzdem muss man aufpassen, um alles genau zu hören und zu verstehen. Mit dem dreimaligen Anhören des Albums erschliesst es sich noch lange nicht ganz. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Zwei andere Textbeispiele: In „Martha“ und anderen Songs offenbart sich das Politische, das Abgründige im Nebeneinander der Dinge: „Am Bahnhofsiigang schwäbe d Giige, Sibe Füfzg dr Huus-Iistee. Visavis vo mir im Abteil hocket eine mitem Gwehr“. In „Loyalty x Many Men“: „Mir hei chly Dräck uf dr Zunge, Goldstoub a de Fingertips, Drohne finge ihri Ziel dank Schwizer Mikrochips“. Es werden immer wieder viele Themen angesprochen, wie Gesundheitswesen, Krankenkassen, Geld Politik, Klima, Religion und viele mehr. Die beiden deutschen Lieder sind textlich sehr stark, trotzdem sind sie für mich weniger berührend als die Mundartlieder. Die Sounds sind elektronisch mit den bekannten tropischen Rhythmen, einfach eine etwas dunklere Stimmung. Tanzen darf man trotzdem dazu. Produziert hat grösstenteils Kali, welcher bereits verschiedene internationale Künstler:innen produziert hat. Mit dabei sind auch Gäste. Badnaiy, To Athena und Pronto sind es konkret. „Krise als Chanson“ ist Lo & Leducs bestes Album und gehört auf jede Bestenliste.

Fredi Hallauer

MELINA NORA

EP: „Momänt“ (Moutwatering Records)

Die Walliserin knüpft mit dieser EP an ihr letztes Album an. Leichte, schwebende Mundartsongs, mal Dreampop, dann wieder eher Indie. Sie plädiert fürs Innehalten. Melina Nora singt auch über das Erinnern und über das Loslassen. Bei einem Lied singt Paula Mia mit. Im letzten Lied singt Melina Nora sogar mehrsprachig. Vier abwechslungsreiche Lieder.

Fredi Hallauer

KUNZ

Album: „Stadt Land Fluss Poet“ (Universal Music Switzerland)

Kunz hat zwölf neue Lieder für sein siebtes Studioalbum aufgenommen. Es sind Lieder über die „Kleinigkeiten“ im Leben. Alle Geschichten handeln vom Glück und vom Glücklichsein. Folkballaden und Pophymnen wechseln sich ab. Hervorragend gelungen ist das Duett mit Anna Känzig „Die ganzi Wäut“. Vielfach sind es spärlich instrumentierte Stücke, und dabei kommt sowohl die Musik, die einzelnen Instrumente als auch der Gesang gut zur Geltung. Das Album tönt immer noch nach Kunz. Es ist Wohlfühlmusik für den Alltag. Die Texte sind nicht tiefschürfend, aber schön. Das, was man benötigt zum Glücklichsein.

Fredi Hallauer

CENZO

EP: „Schärbemeer“

Der Aargauer Musik debütiert mit seiner Solo-EP. Er singt Mundart und unterlegt sie mit Popmelodien und urbanen Beats. Seine Texte sind zeitgemäss und handeln von Verletzlichkeit und Hoffnung und von Stillstand und Aufbruch. Ein gesellschaftsrelevantes Lied ist „Wissi Rose“. Dieser Aufruf zu Frieden könnte nicht genauer formuliert sein und passt genau jetzt wieder hervorragend, leider. Cenzo ist ein Liederschreiber und Musiker, den man auf dem Radar behalten sollte.

https://mx3.ch/t/1Zuy

https://mx3.ch/t/1Y8h

Hier sind zwei Songs über mx3 zu hören.

Fredi Hallauer

DACHS

Album: „Ich Wöt Mir Selber Is Gsicht Chotze“ (Mouthwatering Records)

Dies ist das vierte Album von Dachs. Sie bleiben sich treu mit frechen Songtiteln, gesellschaftsrelevanten Texten in den Feinheiten, manchmal auch sonst. Musikalisch versuchen sie, sich etwas breiter abzustützen, da fliesst Hip-Hop hinein, dort ein wenig Indie oder Disco. Die Basis ist der Pop und die Electronica. Diese breitere Abstützung des Sounds geschieht vorwiegend in den Intros, dann nimmt der Beat Fahrt auf und die Songs ähneln sich ziemlich stark. Auch das Muster des Gesangs wiederholt sich in den verschiedenen Liedern. Zwei aussergewöhnliche Kollaborationen sind zu hören, zum einen mit To Athena und zum anderen mit Luuk. Dies ist ein Album, welches wiederum Zeichen setzt in der Schweizer Musikszene.

Fredi Hallauer

HEIMWEH

Album: „Vo De Bärge Här“ (Hitmill)

Die elf Sänger des Heimatpop Männerchors waren wiederum fleissig und nahmen ein weiteres Album auf. Georg Schlunegger schrieb wiederum die Lieder aus Geschichten der Sänger. Bei einem Lied ist Trauffer mit dabei und eines ist ein Volkslied, nämlich „Du fragsch mi wär i bi“. Insgesamt gibt es zehn Lieder. Einige der Lieder sind im gewohnten Heimweh-Stil und bei anderen kommt etwas neuer Wind hinein. „Alplerchilbi“ ist ein sehr beschwingtes Stück. Das ganze Album ist gewohnt sauber produziert und hat einen grossartigen Klang. Für alle, welche die Gruppe Heimweh mögen, ein schönes Hörerlebnis, und wer nur motzen will, soll es lieber gar nicht anhören.

Fredi Hallauer

HEIMAT LIEBI

Album: „Ländler Tornado“ (Hitmill)

Da kommt eine neue Band aus dem Hause Hitmill mit Musik, die Georg Schlunegger geschrieben hat, und bei den Texten hat er ebenfalls mitgeschrieben. Wer sind Heimat Liebi? Das sind Adamo Häller von Chue Lee und von Trauffer am Örgeli/Akkordeon und der Gitarre und Gesang, Urs Fischer, bekannt als Dr Eidgenoss am Örgeli und Gesang, und Schibä von Aextra und QL an der Gitarre und Gesang. Auf dem Album sind noch ein Violinist dabei, ein Kontrabassist und ein Perkussionist und da und dort noch eine kleine Unterstützung. Live sollen ein Kontrabassist und ein Perkussionist dabei sein. Was machen denn die für Musik? Kurz gesagt kann man das Volkspop nennen. Mit Ländler hat es wenig zu tun. Die Örgeli spielen ziemlich wild daher, sind aber leicht in den Hintergrund gemischt, der Rhythmus ist nahe beim Schlager und der jodelartige Gesang erinnert an Heimweh und rutscht manchmal etwas in die bierselige Party ab. Klar, es soll Partymusik sein, aber ein wenig mehr Niveau würde nichts schaden. Die gute Idee wurde nicht in allen Liedern gut ausgeführt.

Fredi Hallauer

DOM SWEDEN

EP: „Schattetanz“

Der Zürcher Mundartpopmusiker nahm vier Lieder auf. Sie handeln allesamt von gebrochener Liebe, vom Verlassenwerden und von der Frage: Was nachher? Musikalisch ist es Pop. Das Songwriting hat eine hohe Qualität zu den oben erwähnten Themen. Ein kleiner Wermutstropfen sind die künstlichen Ausflüge in die Kopfstimme, obwohl dies nach meiner Meinung nicht nötig wäre und die Melodie mehr Fluss hätte. Aber da Dom Sweden offenbar unter der zerbrochenen hörbar leidet, will er uns mitleiden lassen.

Fredi Hallauer

LUUMU

Album: „S’Goldige Rad“

Luumu ist eine Formation um die Pianistin, Sängerin und Komponistin Adina Friis. Die Formation gibt es in immer wieder neuer Besetzung seit einigen Jahren, aber dies ist das erste Album in Mundart. Luumu spielte ursprünglich Jazz und jetzt ist es Kammerpop, Folk und noch einiges an Jazz. Die Musik ist genial, mit Streichern und Bläsern angereichert, aber auch sattem Bass und solidem Schlagzeug. Gerade dem Schlagzeug merkt man den Jazz immer wieder an und natürlich den Kompositionen. Gerade die Disharmonien in den Liedern, machen sie etwas sperriger. Die Texte erzählen Geschichten aus dem Leben, sind Poesie, trotzdem holpern sie in dieser Singform hier und dort. Diese Lieder schmeicheln sich bisher nicht in meine Ohren, obwohl die Musik es tut.

Fredi Hallauer

LENA-LISA

EP: „Farbe“

Dies ist die erste EP in Mundart der Schweiz – Deutschen Sängerin. Sie wuchs in Luzern auf und lebt seit acht Jahren in Berlin. Sie spielt Musik zwischen Indie Folk und Indie Pop. Es sind wunderschöne Melodien. Die Texte reflektieren das Leben einer jungen Frau, die Zweifel und die Stärke und viel Liebe. Die Lieder klingen sehr ehrlich und kommen ohne Kitsch und Romantik aus. Hoffen wir, dass es bald mehr von Lena-Lisa zu hören gibt.

Fredi Hallauer

AMIXS

Album: „Konjunktur Trochemuur“ (Irascible)

Das Basler Subkultur-Trio bringt uns kräftigen, Uptempo Synthwave mit Mundarttexten. Stilistisch liegen sie zwischen Neuer Deutscher Welle und Falco. Der Gesangs-Sprechstil erinnert stark an Letzteren. Es hat nicht immer dasselbe Bandmitglied den Lead, sie wechseln sich ab. Spannend sind Amixs vorwiegend textlich. Es sind scharfe Beobachtungen des Alltags, aus einer anderen Perspektive, wie über das Schnitzelbrot oder über den Gempen (ein Hügel mit Fluh und Aussichtsturm im Baselbiet). Der Titeltrack ist eine Art Hymne auf die schweizerische Grenzkultur, aber satirisch gemeint. Tanzbarer Sound mit erfrischenden Texten.

Fredi Hallauer