DENISE DONATSCH

Album: „Alter Ego“ (iGroove)

Denise Donatsch, Sängerin, Philosophin präsentiert ihr Album Nummer zwei. sie schreibt und singt ihre Lieder in Mundart. die Texte beziehen sich auf Ereignisse in ungünstigen Momenten und meist in Bezug auf Beziehungen zwischen Menschen. Ihre Stimme ist nicht die stärkste und auch nicht sehr präsent hörbar, was dem ganzen Album nicht zugute kommt. Die Musik ist sehr schön, leicht jazzig. Denise Donatsch ist ein schönes Album gelungen, aber man muss es nicht zwingend gehört haben.

Fredi Hallauer

TRYBGUET

Album: „So Wyt So Guet“ (6003 Records)

Trybguet ist eine neue Band mit Padi Bernhard (ex Mash) und Musikern aus verschiedenen Bands wie Lockstoff oder Rocktail. Dieses Debütalbum hat die Band selber produziert und in Nashville abmischen lassen. Dies sagt auch schon etwas über den Sound aus, er ist ganz klar amerikanisch geprägt, mit einem Schuss Countryrock. Padi Bernhard schrieb die Songs, mit einer Ausnahme. Der Coversong stammt von Polo Hofer und Marianna Polistena und ist „Wiene Falter zum Füür“ eine fast vergessene Perle aus den Zeiten von Schmetterding. Als letztes haben Trybguet noch den Mash Hit „Ewigi Liäbi“ aufgenommen, welcher mir in der Mash Version, besser gefällt. Der Sound von Trybguet ist sehr erfrischend, gerade heraus rockig und gewinnt durch die Sängerin Sarah Heer, welche nicht nur Background singt, sondern auch Harmony und Lead, sowie Duett. Die Lieder erzählen von der Liebe, von früher und zu Hause sein. Meine Favoriten sind „Soundtrack“, wo vom Soundtrack des Lebens oder den Songs welche alte Erinnerungen wecken, die Rede ist. Der zweite Favorit ist „Det woni aneghör“ eine wunderschöne Ballade. Dieses Album stieg nicht vergeblich hoch in die Charts ein, Trybguet haben das verdient und man darf offenbar auf mehr gespannt sein.

Fredi Hallauer

TRUWVE

Album: „Secondi Piatti“

Das Kollektiv hat soeben ihr zweites Album veröffentlicht, eben Secondi Piatti. Es ist Mundartrap und er klingt so bunt wie das Albumcover. Gerappt wird Berndeutsch, und sie bringen alles in den Zusammenhang mit Meer, Fischen, Ferien am Meer. Inhaltlich zelebrieren sie eine Spassgesellschaft. Das Album ist tanzbar und ein klares Partyalbum.

Fredi Hallauer

BIG ZIS

Album: „4xLove:2“ (Blonk)

Big Zis ist eine der wenigen Frauen, welche sich im HipHop mit ihren Rap Songs zu behaupten weiss. Nicht wegen Nichts, hat sie den Schweizer Musikpreis gewonnen. Auf ihrem neuen Album lässt sie es musikalisch und verbal so richtig krachen. Musikalisch dominiert die Elektronik mit kräftigen Bässen und tollen Beats. Textlich rechnet sie mit unserer Gesellschaft in vielen Belangen so richtig ab. Egal ob das die Finanzwirtschaft ist, oder wir alle, denen es gut geht und die mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurden. Ein grosses Thema sind natürlich die Frauen. Sie rappt nicht gegen Männer sondern für die Frauen, auch das Ego ist ein Thema. Egal welches Thema Big Zis in den Mund nimmt, es wird kritisch beleuchtet, klingt aber hoffnungsvoll und hat Zukunft. Diese Album ist ganz klar tanzbar und natürlich auch hörbar. Es lohnt sich und es macht Spass Big Zis zuzuhören.

Fredi Hallauer

BEATRICE EGLI

Album: „Mini Schwiiz, mini Heimat“ (Universal Music)

Beatrice Egli singt nun Mundart. Sie hat einige ihrer Erfolge mit Mundarttexten versehen und je zwei Lieder singt sie französisch und italienisch. Gelungen ist ihr das ganze sehr gut. Klar es sind vieles noch Schlager, und Schlagersängerin will sie auch sein. Aber gerade das Titellied ist recht popig und eine wirkliche Liebeserklärung an die Schweiz. wehmütig ist hier gar nichts, Beatrice Egli gibt recht Gas und ist eine wahre Stimmungskanone die viel gute Laune verbreitet, was wir ja in diesen schwierigen Zeiten sehr gut gebrauchen können. Dieses Album ist gelungen und dürfte nicht nur SchlagerliebhaberInnen, sondern auch Menschen die Nichts zu eng sehen, Freude machen.

Fredi Hallauer

FINGER

Album: „Seelig (die Armen im Geiste)“

Finger ist Filmschauspieler, Regisseur und Zirkusdirektor im Cirque Du Loin“ und nun debütiert er als Mundartsänger. Ihm geht es um Texte und die dazu passende Musik. er bedient sich bei rumpelndem Balkan, bei Lounge Jazz, Indie Pop und was ihm sonst noch zu Ohren kommt. Seine Texte sind hörenswert und weit ab von den gängigen Mundartpopsongs, welche oft aus viel Refrain bestehen. Es geht in seinen Liedern um Sehnsucht, Liebe, Erinnerungen an missglückte Situationen („Wältrekord“) und was ihm sonst noch so alles durch den Kopf geht. Finger ist ein name den man sich merken muss, vor allem in Zeiten in denen nur noch kleine Konzerte stattfinden.

Fredi Hallauer

HEIMWEH

Album: „Zämehäbe“ (Hitmill)

Die zwölf Sänger aus der ganzen Schweiz mit ihren unterschiedlichen Dialekten, waren sehr aktiv und nahmen ein weiteres Album auf. Es ist eine sehr schöne und perfekte Produktion, die Stimmen, ob einzeln oder im Chor kommen sehr gut zur Geltung. Begleitet werden Heimweh von verschiedenen Musikern an Gitarre, Akkordeon, Bass , Schlagzeug und weiteren Instrumenten. Diese Instrumente dominieren nie und sind dezent hinter den Gesang gesetzt. Die Lieder sind wiederum von Georg Schlunegger geschrieben, diesmal teilweise etwas dunkler. Der Coronavirus prägt einzelne Lieder, vor allem auch das Titellied „Zämehäbe“, oder „Verruckti Wält“. Die Liebe spielt in einigen Liedern eine wichtige Rolle und auch die Heimat wird wiederum thematisiert. Wer genau hinhört findet da und dort Melodien und Textpassagen welche an bekannte Lieder erinnern und auch erinnern sollen. Sehr deutlich ist das bei „Gletscheraugä“ das nahe mit „Alperose“ von Polo verwandt ist, textlich wie musikalisch. Georg Schlunegger versteht es eingängige Melodien zu schreiben und weiss was die Menschen gerne hören und so ist ihm wiederum ein eingängiges, schönes Album gelungen.

Fredi Hallauer

TSCHUGGR

Album: „Trotzdäm“ (Equipe Music)

Wer sind diese Tschuggr, das weiss man nicht so genau. Wahrscheinlich sind es gestandene Musiker, welche nun Mundartrock machen. Klar ist, Tschuggr ist ein klassisches Rocktrio. Sie rotzen in alter Berner Rock Art daher, schreien sich die Seele aus dem Leib, was dem ganzen einen Touch Punk verleiht. Wie das bei solchen Band häufig ist, versteht amn den Gesang nicht sehr gut, da er etwas in den Hintergrund gemischt wurde. Grundsätzlich stehen sie kritisch zur heutigen Gesellschaft und man darf die Songs ruhig unter Protestsongs einordnen. Tschuggr lassen einem etwas ratlos zurück. Die Musik ist Old School Bärner Rock, alles bewusst etwas handgestrickt und dadurch wohltuend. Der Sound und die Produktion entsprechen einer Garagenband, was ja auch nicht schlecht ist. Tschuggr machen spass und haben etwas zu sagen.

Fredi Hallauer

HELENKA

Album: „Vocal Desaster“ (Helenka)

Helenka das ist Helena Danis aus Bern mit slowenischen Eltern. Sie ist ebenso Komödiantin wie auch Dichterin. Sie singt Mundart und auch mal Deutsch. Ihre Musik ist minimaler Elektropop der lockig, flockig daherkommt und die Liedtexte total unterstützt. Aber diese Texte sind der Wahnsinn in der wirklichen Bedeutung des Wortes. Da ist ein Liebeslied an die Geburtsstadt Burgdorf, das die Stadt nicht zu Werbezwecken verwenden wird. Sie wird kabarettistisch zur Singlehrerin oder Atemtherapeutin, oder singt über die Liebe zu einem Haustier. Aber auch Medikamente, welche die Kinder brav machen bekommen ihren Speck weg und noch vieles mehr. Wie gesagt diese Lieder sind schräg, wahnsinnig, verrückt und trotzdem ist da viel Wahrheit darin verpackt. Es ist schon lange her, dass jemand so erfrischende Songs gesungen hat und so frech und ehrlich.

Fredi

STEFF LA CHEFFE

Album: „PS“ (Bakara Music)

Bei PS handelt sich hier nicht um Pferdestärke sondern um Post Scriptum, also einem Nachtrag. Die Berner Rapperin ist nun seit 10 Jahren musikalisch unterwegs und sie blickt zurück und nach vorn. Der Blick richtet sich vor allem auf ihr eigenes Seelenleben mit Up und Downs von Beziehungen. Somit hat PS doch etwas mit Stärke zu tun. Textlich ist das Album nicht mehr so schwermütig wie das letzte, es gibt durchaus flockig – lockere Titel wie „Holunder“ oder „Gladiole“, aber auch „Eifach“ oder „Karate“ gefallen sehr gut. Musikalisch besinnt sich Steff la Cheffe auf die HipHop und Rap Roots. Es sind einfache Beats mit ausgeklügelter Gitarre dazu und sie selber bleibt beim Sprechgesang dem Rap. von popig ist hier nichts zu hören. Steff La Cheffe zeigt sich von der Seite als Poetin. Bei „Einisch“ hilft Remy Rem mit und das bringt gerade gar nichts. Nun sollte eigentlich Steff la Cheffes Innenleben ausgeleuchtet sein und ich glaube sie hat auch zu anderen Themen viel zu sagen.

Fredi Hallauer