FRÄULEIN LUISE

EP: „Kleine Freiheit“

Die Zürcher Band, zwei Frauen und zwei Männer, machen Mundart- und Deutsch Indie Pop. Ihr Ziel ist es leichte Musik zu machen, luftig und bekömmlich und das ist ihnen bei allen fünf Liedern gelungen. Die Texte haben es aber in sich. Sehr stark ist „Eusi Stadt“, darin wird die Stadt besungen wo nur der Strich lebt und ein Mensch einsam ist, süchtig wegen der Einsamkeit und einsam wegen der Sucht. Die anderen Lieder gehen um Liebe, Einsamkeit, Geborgenheit und zwischenmenschliche Beziehungen, auf eine sehr schöne Art. Eine starke EP.

Fredi Hallauer

BRANDHÄRD

Album: „Bländet vom Liecht“ (Radicalis)

Die Basler Mundart Rap Combo ist wieder zurück, rechtzeitig zum 25 jährigen Bestehen. Das ist ihr 7. Album und sie tönen wie immer. Die Texte sind vielleicht etwas reifer, die Beats und die Musik zeitgemäss, aber die Themen und die Selbstironie sind geblieben. Sie erzählen vom Alltag, der bevorstehenden Apokalypse oder dem Wahnsinn in dem wir leben. Trotzdem es ist nie ein hoffnungsloses Album. Die Millenians werden besungen, wo sie selber dazu gehören. Kurz gesagt Brandhärd ist Brandhärd und die waren eigentlich immer gut. Ihre Flows sind stark. Brandhärd gehört neben Chlyklass und Breitbiöld zu den Mundart Olds School Rap Combos, welche sich immer noch auf die Bühne wagen und neue Alben machen.

Fredi Hallauer

LO & LEDUC

Album: „Luft“ (Bakara Music)

Das Berner Duo veröffentlicht nun bereits das zweite Album dieses Jahr. „Luft“ wurde von verschiedenen Leuten produziert und ist klanglich vielseitig. Sie singen über das Leben aus ihrer Sicht, das sind schöne Texte, aber irgendwie erwarte ich immer etwas mehr Biss bei den Worten. Eine Ausnahme gibt es. „Fründ“ betrachtet doch das Leben als Ganzes von Geburt bis Tod. Der Sound ist da etwas düsterer. „Möwe“ gefällt auch sehr gut. Ansonsten sind es sauber produzierte Lieder, zwischen karibik und HipHop mit manchmal etwas viel AudioTune, so am oberen Ende des erträglichen. Schön ist, dass die Bläser da sind, als Solist der Trompeter oder mit schönen Bläserssätzen. Ob da ein Hit dabei ist, lässt sich schwer voraussagen. Mit Lo & Leduc lässt sich in den Herbst tanzen und dazu erst noch auf die Texte achten.

Fredi Hallauer

BIRDMAN JÄGGI

Album: „Zieh di ab mir müessä redä“

Simon Jäggi (Kummerbuben) und Thierry Lüthi (Traktorkestar) bilden ein neues Berner Mundart-Duo. Simon Jäggi texter und sing und Thierry Lüthi macht elektronische Beats, Geräusche und Töne dazu. Aussagen, es töne wie Züri West der Zukunft finde ich absurd. Es sind einfach Elektrobeats, meist nicht wirklich zum Tanzen und über das ganze Album gesehen, eher etwas eintönig. Die Texte von Simon Jäggi, sie sind typisch für ihn, eigentlich nicht besonders gut und oft skryptisch. Die eine oder die andere Geschichte kann man stehen lassen. Er kann seine Texte sehr gut singen oder rüberbringen, im selber Texten war er noch nie speziell gut. Seine Adaptionen von Volksliedern waren gut das kann er auch. Offenbar kann er sehr gut konservieren und alles gut präsentieren, so ist er ein besserer Kurator (Preis für die Ausstellung Queer im Naturhistorischen Museum Bern) als Texter.

Fredi Hallauer

SAD & GIMMA

Album: „Schwarze Rucksack“

Gimma viel in letzter Zeit mehr mit seinen Büchern und seinen Lesungen auf, zum Thema Depressionen übrigens. Er kennt das bestens aus eigener Erfahrung, aber auch als Jugendarbeiter und Pfleger. So ist dies dann kein lustiges Album, denn es geht um den schwarzebn Rucksack, welche viele Menschen tragen und im Alter sogar noch vermehrt. SAD ist der Produzent und Macher der Beats, wo er sich einige illustre Leute aus der schweizerischen Musikszene dazu geholt hat. Entstanden sind HipHop Beats, aber eben etwas andere und zum Album passend. Die Texte stammen von Gimma. Es ist ein wichtiges Album geworden, welches einem aber manchmal wie ein zu schwerer Rucksack hinunter zieht. Ein Album nicht für Alle und nicht für alle Tage, ein schwieriges Album.

Fredi Hallauer

DACHS

Album: „Aber irgendöpis zwüschedine“ (Mouthwatering Records)

Die St. Galler Gruppe Dachs ist mit einem neuen Album da und fragt, vielleicht postpandemisch „Siebäschlöfer schlofsch du no“. Musikalisch ist da wieder viel Handarbeit drin und alles klingt wärmer und nicht mehr so elektronisch. Leider hat der Gesang etwas zuviel Elektronik abbekommen und so wird er oft unverständlich, verkommt als Melodie oder Instrument und die ganzen Texte welche spannend sind, gehen verloren. Genau zuzuhören ist in dieser Klangform anstrengender als einen englischen oder französischen Song zu hören. Modern und neu sein ist etwas, wenn man dem Publikum etwas erzählen oder sagen wil, und bei Mundartband nehme ich an ist das so, dann hat das Experimentieren seine Grenzen.

Fredi Hallauer

HEIMWEH

Album: „Freiheit“ (Hitmill Records)

Der Männer Heimat Pop Chor oder einfacher die zwölf singenden Männer haben bereits wieder ein neues Album herausgebracht. Sie werden von Album zu Album immer besser obwohl das Konzept immer das gleiche ist. Die Texte haben Tiefgang bekommen, oder mehr Tiefgang und überraschend, sie sind sehr kurz gefasst und man muss sich nicht hundert Textzeilen anhören bis man weiss um was es geht. Die Musiker, welche den Chor begleiten machen das ebenfalls bestens. Im Chor hat es ein paar kleine Wechsel gegeben, es sind jetzt zwei Berner und ein Thurgauer dabei, was dem Projekt mehr Breite gibt. Bei „Berner Oberland“ schrammt die Musik nahe beim Kiosk von Rumpelstilz vorbei. Ansonsten klingen die Titel nicht verwandt mit anderen, wie auch schon. Ein sehr schönes Lied ist „Vati“, aber auch „Tief i mim Härz“, ohne die anderen Lieder schlecht zu machen, die gefallen nämlich auch.

Fredi Hallauer

TOM GLÜKLER

Album: „Stohn Uf Brems“

Das Debüt Album von dem Churer Tom Glükler überrascht mit herrlichen karibischen Rhythmen und satten Bläsersätzen. Tom Glükler singt im Churer Dialekt über die Welt, die Liebe und Freundschaft. Die meisten Lieder sind tanzbar und fahren in die Beine, dazu verbreiten sie good Vibes. Musikalisch sind sie sehr geschmeidig, der Bass ist deutlich aber die Musik basiert nicht vor allem auf den Bass-Beats. Das ist schöne Tanzmusik, mit Texten welche ok sind.

Fredi Hallauer

TRUMPF

Album: „Weisch no?“ (H2U Publishing/Phonag)

Das Duo Trumpf stammt aus dem Berner Oberland und macht Mundart Musik zwischen Mundartpop und Schlager. Musikalisch drückt sich das so aus, dass sie ein paar Mal den Schlager Bumm bumm Beat reinhauen, der eigentlich gar nicht nötig wäre. Ihre Texte, Frediauf dieser Debüt CD, erzählen von früher, aus ihrem Leben, sie erinnern sich an vieles und hoffen bei den Hörer*innen so ein Weisch no Effekt auszulösen. Die Finger mit im SDpiel hatte T.J. Gyger und Fredrik Strömberg, welcher auch alle Instrumente spielt. Jesse Ritch singt noch ergänzend mit. Dieses Album ist nicht schlecht, aber wenig organisch, man merkt dass es stark produziert wurde und sucht vergebens nach der lebendigen Musik einer Band. Textlcih sind die beiden absolut mit dabei und schaffen es, sich an gewisse Situationen im eigenen leben zu erinnern.

Fredi Hallauer

SCHWELLHEIM

EP: „Ei Schritt Vorwärts“

Diese Basler Band gibt es seit 18 Jahren und sie vermögen noch immer zu begeistern oder begesitern je länger je mehr. Mit zwei Sängern und drei Bläsern und ihren tollen Beats. Meistens ist es Reggae, Ska und verwandtes, es sind aber auch andere karibische Rhythmen auszumachen. Gesungen wird Mundart und das für und mit Lebensfreude. Die EP mit sechs Liedern und 23 Minuten Spieldauer ist ein richtiger Aufsteller. Aber auch kritische Töne gehören ins Repertoire, vor allem im Lied „Traum“. Eine EP welche viel Radio Airplay verdient.

Fredi Hallauer