STEFF LA CHEFFE

Album: „PS“ (Bakara Music)

Bei PS handelt sich hier nicht um Pferdestärke sondern um Post Scriptum, also einem Nachtrag. Die Berner Rapperin ist nun seit 10 Jahren musikalisch unterwegs und sie blickt zurück und nach vorn. Der Blick richtet sich vor allem auf ihr eigenes Seelenleben mit Up und Downs von Beziehungen. Somit hat PS doch etwas mit Stärke zu tun. Textlich ist das Album nicht mehr so schwermütig wie das letzte, es gibt durchaus flockig – lockere Titel wie „Holunder“ oder „Gladiole“, aber auch „Eifach“ oder „Karate“ gefallen sehr gut. Musikalisch besinnt sich Steff la Cheffe auf die HipHop und Rap Roots. Es sind einfache Beats mit ausgeklügelter Gitarre dazu und sie selber bleibt beim Sprechgesang dem Rap. von popig ist hier nichts zu hören. Steff La Cheffe zeigt sich von der Seite als Poetin. Bei „Einisch“ hilft Remy Rem mit und das bringt gerade gar nichts. Nun sollte eigentlich Steff la Cheffes Innenleben ausgeleuchtet sein und ich glaube sie hat auch zu anderen Themen viel zu sagen.

Fredi Hallauer

TROUBAS KATER

Album (Buch mit CD): „Iz eifach nid abe luege“ (www.troubaskater.ch)

Die Berner Troubas Kater auf ihrem eigenartigen Luftschiff mit Kapitän QC und einer tollen und guten Musikercrew gondeln mit ihren Liedern über den zwischenmenschlichen und zwischenmenschlich politischen Themen. Dieses Album ist ein wirkliches Album, es besteht aus einem Buch, mit allen Texten, vielen Texten welche nie erschienen sind mit den Erläuterungen und den Gründen, anderen Versen und Sprüchen, Zeichnungen und dem „Deitingen Nord Tagebuch“. Nein dieses Tagebuch hat nichts mit dem Album der Chlyklass zu tun, doch es handelt vom gleichen Ort. Dies ist ein sehr schön gemachtes Buch und natürlich ist die CD mit dabei, welche es nicht ohne Buch gibt. Nun wieder zur Musik. In gewohnter Troubas Kater Art geht es rhythmisch und mit Gebläse kraftvoll zu und her, aber auch die Gitarre oder das Akkordeon scheinen durch diese geballten Wolken. QC singt und rappt und manchmal liegt es irgendwo dazwischen. Die Lieder sind sehr gut getextet, oft in Ich-Erzählform und trotzdem steht der Dichter darüber. Einige geben auch zum Nachdenken Anlass, aber vielleicht nicht so wie man es gewohnt ist. „Made In China“ oder „Relegione“, aber auch „Dini Schwöschter“, letzteres geht sogar unter die Haut. Die anderen Lieder wären ebenso empfehlenswert, ich nenne diejenigen, welche bei mir bereits beim ersten Hören hängen blieben. Troubas Kater gehen mit diesem Album ihren Weg weiter, aber musikalisch und textlich und in der Präsentation mit grossen Sprüngen.

Fredi Hallauer

DAIF

EP: „Bitte Baby“ (Irascible)

DAIF kommen aus Frauenfeld und machen Mundart Elektropop. Aber ehrlich gesagt, diese EP wäre besser nicht erschienen. Die Musik ist absolut 0815 in der unteren Tabellenhälfte, aber das würde noch gehen wenn die Texte gut wären. Das sind sie aber nicht, sondern sehr pubertär und irgendwo verwechseln sie Liebe mit Geschlechtsverkehr, anders kann ich mir nicht vorstellen, dass sie minutenlang von „vögle“ und „ficke“ singen. Da bleibt nur zu schreiben: Finger weg.

Fredi Hallauer

ANDRYY

EP: „Das isch mini erschti EP“ (Phonag)

Der Winterthurer sorgte früher als Allen Finch für Aufmerksamkeit. Heute macht er als Andryy Mundartpop und hat sein altes Projekt hinter sich gelassen. Nun ist er mit seiner ersten Mundart EP da und dem Namen Andryy. Sein Songwriting ist geblieben und das ist guter amerikanischer Pop, sauber produziert mit viel Energie. Die Texte erzählen aus dem Alltag und geben viele Tipps für das Leben und das ein bisschen nach Lehrer Manier. Der Gesang ist sauber und emotional. Eine schöne EP die man einfach so hören kann oder eben tanzen.

Fredi Hallauer

STUDEYEAH

Album: „Jo Sicher“ (Equipe Music)

Das Bieler Quartett mit Stude spielt Mundartrap mit etwas anderen Vorzeichen. Die Texte erzählen vom Alltag, sind dadaistisch, manchmal leicht sozialkritisch und nehmen sich und die Welt nicht so ganz Ernst. Da geht es um Zähneputzen, Freunde, Basketball oder Ökobilanz. Die Rapper 50 Cent und Dr. Dre werden zitiert wie zum Beispiel in „Schoppe“ aus „Windows Shopping“. Die Musik ist manchmal etwas sphärisch was etwas gewöhnungsbedürftig ist für Rap. Die erfrischenden Texte sind meistens gut verständlich, dazwischen aber versinken sie in der Musik, sind verhallt oder so stark durch den Autotune gejagt, dass sie unverständlich werden. Studeyeah sind ein Rap Combo, welche zu den Kultgruppen dieses Genres gehört. Ein witziges Album.

NATACHA

Album: „Alls Drbi“ (HENA Music/Musikvertrieb)

Die Berner Mundartsängerin ist nach fast 30 Jahren im Musikbusiness immer noch da und präsentiert uns ihr 14. Studioalbum. Dieses Album hat in der Tat alles, was das Mundart Rockpop Herz begehrt. Der Titelsong erinnert an die Anfänge, er ist nämlich so richtig kräftig rockig. Dann gibt es die popigeren Songs und Balladen. Alles mit handgemachter Musik und dadurch einfach echt und emotional. Die Gitarren gehen so zu Herzen wie die Texte und die Stimme von Natacha. Sie singt weiterhin aus dem Leben, gibt Lebensweisheiten zum Besten oder stellt auch wieder Fragen, welche wir alle schon stellen mussten, wie im Lied „Wie sägis bloss“. Dieses Album ist ein pures Natacha Album und das erst noch eines der Besten von ihr. Wer Mundart Rock und Pop mag, es sich zu Herzen gehen lassen möchte oder mitsingen, liegt mit „Alls Drbi“ richtig.

Fredi Hallauer

STILLER HAS

Album: „Pfadfinder“

Stiller Has veröffentlicht das letzte Album, nach der dazu gehörenden Tour kauft sich Endo Anaconda ein GA und man wird ihn im Zug antreffen. Das Album wurde in neuer Besetzung eingespielt, nämlich mit Endo Anaconda (Stimme, Texte), Boris Klecic (Gitarren, Mandoline, Banjo, Bass), Roman Wyss (Tasten, Posaune) und Bruno Dietrich (Schlagzeug, Perkussion, Bass, Handorgel, Ukulele, Klavier, Orgel). Die Texte von Endo Anaconda sind immer noch sehr eigenständig, subversiv, schräg und oft genial. „Flop“ spricht auch Panama und die Finanzwelt, „Umgang“ ist das Lied vom Umgang mit den Geranien die einem nicht gehören, „Las Vegas“ oder „Hus“ muss man unbedingt anhören. Die Lieder leben wirklich von den Texten. Eigentlich ein sehr gutes Album, mit einem grossen Aber. Die Musik, vor allem das Klavier oder die Orgel pflastern alles zu. Immer wieder tönt es so harmonisch wo die Texte alles andere als harmonisch sind. Das Klavier tönt wie sich gewisse Sänger am Klavier begleitet haben in den 50iger Jahren. Die Gitarre und das Schlagzeug hätten vollständig gereicht und den Liedern den richtigen Charakter gelassen. So muss man sich beim anhören einfach diese Turboklänge, welche jede Lücke füllen versuchen wegzudenken. Trotzdem ist es fast ein gutes Album.

Fredi Hallauer