Musik aller Sparten, Konzertbesprechungen, CD Besprechungen. -Kritiken, Interviews, vorwiegend aus der Schweiz. Unter www.musikglobal.com finden sich die internationalen KünstlerInnen, welche nicht in der Schweiz wohnen oder nicht Schweizer:innen sind.
Die Schweizer Gitarristin, Komponistin und Sängerin ist mit einer neuen EP am Start. Sie besingt ungewöhnliche Liebe, mit ihrer warmen Stimme. Die Musik ist Alternativ Pop mit viel Lounge Einfluss. Vier Songs zum Zuhören, mehr nicht.
Vor 50 Jahren erschien das Album „Füüf Narre im Charre“ von den Rumpelstilz. Anlässlich dieses Jubiläums hat Rumpelstoff, verstärkt durch ein Streichertrio, drei Lieder aufgenommen, nämlich „Teddybär“, „Uf däm länge Wäg“ und „D’Rosmarie und i“. Alles ganz tolle Songs, die alle mitsingen können und in der Vergangenheit schwelgen. Die Maxi-Single wurde von Thomas Fessler, top produziert. Die Arrangements wurden nicht Rumpelstilz nachempfunden, also alles leicht moderner ohne Synthies. Man muss das Original aus dem Kopf ausblenden, dann ist es tolle Musik, nur es bleiben einfach Cover.
Album: „Road My Bird, Waving Back“ (Red Brick Records)
East Sister ist ein Indie Pop Trio aus Luzern. Ihre Musik basiert auf Gitarre, Keyboard, Schlagzeug und zwei Frauenstimmen von der Gitarristin und der Keyboarderin. Die Songs sind eher ruhig gehalten, mit zwei oder drei Ausnahmen. Auf das erste Hören tönen sie wie viele der Indiepop Bands. Wenn man aber genau hinhört, wird man durch viele ausgearbeitete Details verblüfft. Das eine sind die ausgetüftelten Arrangements der Singstimmen, die Harmoniewechsel und die speziellen Phrasierungen. Das Keyboard spielt ebenfalls interessante Passagen. Ein gelungenes Album für ruhige Momente.
Mar.Di ist eine fröhliche Band. Das Quartett spielt auf dieser EP sechs Popsongs zum Tanzen. Stilmässig ist es moderner Elektropop. Gesungen wird Englisch. Obwohl der Titel der EP es vermuten lässt, geht es hier nicht um tropische Klänge, sondern um Musik wie einen erfrischenden Drink, um den Sommer zu verlängern.
Die Singer/Songwriterin war früher unter dem Namen Linah Rocio unterwegs. Sie ist Chilenin und wuchs in der Schweiz auf, lebte an verschiedenen Orten, auch in London. Dieses Album hat seinen Ursprung in England. Es handelt von Leidenschaft in den verschiedensten Belangen. Diese Leidenschaft kommt hervorragend zur Geltung. La Sirena pflegt ein expressives Pianospiel mit viel Magie. Das Zauberhafte klingt auch in ihrer berührenden Stimme wieder. Neben dem Gesang sind noch ein Schlagzeug, und gelegentlich ein weiteres Instrument wie E-Gitarre, Flügelhorn oder ein gestrichener Kontrabass zu hören. Dieses Album hat einen massiven Touch, nicht zuletzt dank dem Gesang von La Sirena, und Seele hat es ebenfalls. Soul Jazz ist eine gute Schublade, um diese Musik einzuordnen, für diejenigen, welche eine Schublade benötigen. Ein lohnendes Album zum Zuhören.
Die Luzernerin Anna Mae reist aus Leidenschaft und sieht Reisen als Selbstzweck. Genau von dem und den dabei entstehenden Gefühlen handeln die Songs dieses Albums. Da kommen die Themen Heimat, Freiheit und Leben im Allgemeinen zur Sprache. Die Musik ist hundertprozentig handgemacht und von Marco Jencarelli und Tobi Gmür fein säuberlich produziert und viele Details herausgearbeitet. Stilmässig erklingt da bester Country mit einem Schuss Americana.
Die Jodlerin aus dem Diemtigtal ist mit einem neuen Programm und dem dazugehörigen Album zurück. Das Jodeln bekommt auf diesem Album etwas mehr Raum. Miss Helvetia lässt es gehörig rocken, mit Handorgel, Schlagzeug/Perkussion und weiteren Instrumenten, aber ohne elektrische Gitarre. Sie singt ein paar Wörter Französisch dazwischen und versucht so, eine Brücke über den Röschtigraben zu bauen oder den Spagat zu machen. Stilmässig ist es rockige Volksmusik, die einen fröhlich durch den Alltag begleitet und manchmal knapp am Schlager vorbeischrammt. Die Texte sind amüsant. Als letztes Lied covert Miss Helvetia „Non je ne regrette rien“, was nicht unbedingt eine zwingende Interpretation ist. Als Gast singen bei einem Lied der Jodelclub Luegisland – Ebnet und die Jodufroue Willisau mit. Die Stärken von Miss Helvetia sind hier deutlich zu hören, als da sind, das grossartige Jodeln, Volksmusik etwas rockiger und auf den Punkt und gute Unterhaltung.
Meimuna ist seit 10 Jahren musikalisch unterwegs. Zu diesem Jubiläum schenkt sie sich und uns dieses spezielle Album. Sie nahm 13 Lieder aus ihrem bisherigen Schaffen in neuem Gewand auf. Dieses Gewand besteht aus 13 Musiker:innen. Da ist ein Streicherensemble dabei, Bläserensemble, Perkussion und Gesangsstimmen sind ebenfalls mit dabei. Es gibt Passagen, da sind nur einzelne der Instrumente im Einsatz, und dann spielt wieder das ganze Orchester. Über allem erhebt sich die feine und klare Stimme von Meimuna. Sie singt französisch ihre Geschichten des Leben häufig in ich Form. Ein optimistisch klingendes Album zum Zuhören. Meimuna singt so deutlich, dass man mit schulischem Französisch und gutem Willen das Meiste versteht.
Zu ihrem zehnjährigen Bestehen hat das Duo ihr zweites Album aufgenommen. Man hört hier die Weiterentwicklung der beiden Frauen hervorragend. Wichtig ist, Ikan Hyu sind ein echtes Duo, sie spielen alles selbst. Mit ihren verschiedenen Synthesizern, einem Kassettengerät, einem Walkie-Talkie, über dem sie die Gitarre darüber spielen, und mehr eigenwilligen Ideen entstanden diese Klanglandschaften. Die Songs gehen fast fliessend ineinander über. Inhaltlich erzählen die Beiden von Freundschaft, Nähe und Distanz und allem, was dazugehört. Das Album beginnt ganz leise und fein und man fragt sich, ob hier mit dem Download oder dem Album etwas schiefgelaufen ist. Dann aber bekommt das Album mehr und mehr Drive und Ikan Hyu werden zu den „Haifischen“ aus Indonesien, dort bedeutet der Name nämlich Haifisch. Ein cleveres, kraftvolles Album, das sich auch zum Tanzen bestens eignet.
Dies ist das vierte Soloalbum von Manuel Stahlberger. Er kittet weiterhin seine Welt zusammen, welche aus den Fugen geraten ist. Schon beim ersten Lied „Istemple“ merkt man, um was es geht. Man muss einstempeln ins Leben. Seine Geschichten könnten alle wahr sein, sie sind leicht schräg und eigentlich traurig. Die Musik hat wiederum Bit-Tuner beigesteuert. Seine einzigartige Mischung aus Hip-Hop und Electronica ermöglicht es Manuel Stahlberger, seine Texte darüber im Sprechgesang zu interpretieren. Seine Wortfetzen, Teilsätze von Gedanken, bilden im eigenen Gehirn eine ganze Geschichte. Manuel Stahlberger versteht es, einen mit seinen Liedern gefangen zu nehmen. Ein Album, das man gehört haben muss.
Cinzia ist eine Pianistin und Sängerin aus dem Kanton Graubünden, welche Romanisch und Englisch singt. Ihre Arrangements bilden die Musik fast dreidimensional ab. Als Instrumente sind vorwiegend das Klavier und dazwischen mal ein Bass oder Perkussion zu hören, meist auch nur elektronisch. Stimmen sind mehr dabei, einmal ein Mann, und oft sind es ganze Chöre,, die da gebildet wurden, wahrscheinlich aus sehr wenigen Stimmen. Cinzia singt von ihrer Heimat, den Bergen und der Natur, natürlich auch von der Liebe, welche dazu gehört. Die Sängerin hat eine klare Stimme die etwas in einem in Bewegung bringt. Ein ruhiges und wunderbares Album, vielseitig und vielschichtig.
Shakra liefert einen absoluten Kracher ab. Die Band ist in Topform. Dieser Hardrock ist hart, schnell, laut und kompromisslos. Der Drummer hämmert auf seinen Fellen herum, schnell, präzise und unwiderstehlich. Die Gitarristen lassen einerseits ihre Instrumente kreischen und dann ufern sie in wunderschönen Soli aus. Bassist und Sänger geben alles. Auf dem Album ist Seraine Telli bei einem Song als Duettpartnerin von Mark Fox. Ein sehr gelungener Song und ebenso kompromisslos wie die anderen. Mit „High Above The Storm“ ist Shakra eine wunderschöne Powerballade gelungen. Das Songwriting ist abwechslungsreich und gut. Mit einer Stunde Spielzeit ist das Album gut gepackt. Eine Perle im Hardrock.
Stress ist seit mehr als zwanzig Jahren unterwegs und entwickelte sich, vorwiegend in den vergangenen Jahren, weiter. Auf diesem Album hört man einen neuen Stress, einen ruhigeren und nicht mehr so zwingenden. Er schenkt einem eine gewisse Beschaulichkeit. Das Thema des Albums geht um Heilung, um das Weitermachen, auch wenn es einem nicht gut geht, und um die Selbstreflexion. Stilmässig ist diese Musik Indiepop. Stress singt in verschiedenen Sprachen, dazwischen rappt er, aber der Sound ist trotzdem Pop. Auf dem Album treten verschiedene Gäste auf. Das sind Marc Storace, Zian, Bastian Baker, Manillio, Linda Elys und Nickless. Es macht das Album abwechslungsreich. Stress ist ein gutes und persönliches Album gelungen. An den neuen Stress muss man sich noch etwas gewöhnen.
Seit 2020 gibt es die Schweizer Kultband Krokodil wieder. Neben den Urmitgliedern Düde Dürst am Schlagzeug und Terry Stevens am Bass, kommen Adi Weyermann an den Gitarren und Erich Strebel an den Tasten hinzu. Adi Weyermann ist auch der aktuelle Sänger. Die Band ist ihrem Stil, dem Progrock und Psychedelik-Rock, treu geblieben. Da gibt es feine, verspielte Nummern wie „Here & Near“ wo Düde Dürst das Schlagzeug mit Perkussion tauscht und so den indischen Touch hineinbringt. Bei anderen Songs rockt es dann kräftig ab, vor allem die E-Gitarre und die Tasten haben viel Platz zum Solieren. Das ist die Musik, welche viele Menschen aus der Zeit von 1969 anspricht und viele Erinnerungen weckt, aber auch junge Menschen ansprechen könnte. Das ist echte, ehrliche, handgemachte Musik. Die Kompositionen sind sehr vielseitig, was die Spanne zwischen „Wanted“ und „Cinderella“ betrifft. „Backward Blues“ betont den erdigen Bluesrock und zeigt. «Celestial Lady» geht eher Richtung Krautrock. Ein Album, bei dem man immer wieder Neues entdeckt. Bis jetzt das beste Rockalbum von 2026.
Vom neuen Album gibt es am Schluss der Geschichte ein paar Töne, sonst leider noch nichts.
Die Schweizerin Seraina Telli lebt ihre Musik vorwiegend auf der Bühne aus, zusammen mit ihrer Band und dem Publikum. Ihre markante Stimme geht einem wirklich durch Mark und Bein, im positiven Sinne. Zusammen mit ihrem Bassisten und ihrem Drummer plus zwei Musikern, welche dies und das spielen, rockt sich Seraina Telli durch ihr Live-Programm in ganz Europa und den USA. Sie selbst singt nicht nur, nein, sie schrieb die Songs, spielt Gitarre und Piano. Dieses setzt sie bei den Balladen und ruhigeren Songs ein. Der Power wird verstärkt durch den Schnitt des Albums. Die Songs folgen sich sozusagen nahtlos, manchmal etwas zu abrupt. Dies ist ehrliche Rockmusik, genau auf den Punkt gebracht. Es darf so richtig gerockt werden.