Musik aller Sparten, Konzertbesprechungen, CD Besprechungen. -Kritiken, Interviews, vorwiegend aus der Schweiz. Unter www.musikglobal.com finden sich die internationalen KünstlerInnen, welche nicht in der Schweiz wohnen oder nicht Schweizer:innen sind.
Album: „Cars And Things That Go“ (Universal Music)
Der Zürcher Musiker ist mit einem neuen Album zurück – und wie! Die Musik strotzt nur so vor Energie. Er mischt modernen Synthpop mit 80er-Sound und Energie. Da geht es fröhlich zu und her, auch wenn er von einsamen Herzen singt. Nicht nur die Musik hat Power, seine Stimme ebenfalls. Er singt in ziemlich hoher Stimmlage und fällt nur selten in die Kopfstimme. Als singender Schlagzeuger hat es natürlich als Rhythmus, echtes Schlagzeug dabei und nicht nur Elektrobeats. „Take Me Dancing“ ist eigentlich fast das Motto des Albums und bei diesem Song singt Crimer noch mit, also 80er-Sound im Quadrat. Bei diesem Album gilt: Abspielen und tanzen in allen Lebenslagen oder auf die nächste Party mitnehmen. So soll Popmusik tönen, treibend und clever.
Die Ländlerkapelle Gupfbuebä feiert das 40. Jubiläum, und dazu liessen sie sich etwas Besonderes einfallen. Sie holten sich die neun Streicher:innen der Zuger Sinfonietta (alles Streichinstrumente) und kleideten ihre Stücke neu ein. Zehn Stücke stammen aus der Feder von Dani Häusler, dem Klarinettisten der Gupfbuebä, und fünf von Walter Balmer jun., einem Freund der Kapelle. Nun, wie tönt das denn? Da bleibt nur zu sagen: hervorragend. Die Stücke sind virtuos, voller Finessen und grosser Melodiebögen. Das Streichorchester Sinfonietta aus Zug unterstützt das sehr. Es liegt auch an den Arrangements von Dani Häusler. Ein Glanzstück ist „Klarinettenfimmel“ von Walter Balmer, wo die Klarinette die schwierigsten Läufe spielt und dazu das Streichorchester, das Klavier gibt den Takt. Gut gelungen ist auch der Walzer „Christina“, welcher Dani Häusler seiner verstorbenen Mutter widmet. Da harmonieren Akkordeon, Sopransax und das Streichorchester im Wechsel zusammen. Alle übernehmen mal die Führung. „Dreasm Team“, ein Fox, welcher herrlich swingt, erweitert die Klangfarben dieser verrückten Kombination, welche nicht besser zueinanderpassen könnte. Kein einziges Stück fällt ab. Vielleicht muss noch der „Heirassa-Festival-Schottisch“ erwähnt werden. Die Melodie kennen die meisten, aber so hat man ihn noch nie gehört. Auch ein Streichorchester kann lüpfig sein. Dieses Album ist ein Meilenstein der Schweizer Ländlermusik oder Klassik.
Tal Arditi ist bereits wieder mit neuer Musik am Start. Das Album tönt quirliger, verspielter und lebendiger. Seine schöne Stimme gibt den Songs den entsprechenden Charakter. Es sind liebliche Popsongs mit viel Charme und vertrackten Beats. Der Inhalt der Lieder dreht sich um Selbstakzeptanz. Er hatte selbst Probleme damit und verarbeitet dies nun in diesen Songs. Ein wunderschönes Album ist entstanden. Tal Arditi sollte man gehört haben, zumindest einmal, aber dann wirkt seine Magie und man wird ihn immer und immer wieder hören.
Qeller ist eigentlich ein Liedermacher in deutscher Sprache und dies ist seine Debüt EP. Er umgibt sich mit einer Indie Pop Band. Die EP besticht durch leichtfüssige Melodien und Poprhythmen. Die Lieder erzählen von Alltag, von Träumen ohne Fundament und von Sehnsucht. Deutscher Indiepop für gemütliche Stunden.
Album: „Have I Lost My Magic“ (Mouthwatering Records)
Dies ist bereits das dritte Studioalbum der Luzerner Musikerin und Sängerin To Athena. Inhaltlich ist es ein persönliches Album, welches von der Suche nach der verloren geglaubten inneren Magie erzählt, von Verletzlichkeit, von zwischenmenschlichen Beziehungen, Burn-out und Missbrauch. Musikalisch bewegt sich das Album in einer riesigen Palette, welche im Universum von To Athena möglich ist. Da sind geringe Arrangements mit Streichern und Piano und/oder Harfe zu hören, um dann wiederum grosse Bögen zu spannen mit fast schon symphonischem Ausmass. Man darf diese Musik als Kammerpop bezeichnen.Grundsätzlich sind die Songs und Lieder eher ruhig und vielleicht etwas traurig und gleichzeitig auch hoffnungsvoll und voll Sonnenschein. To Athena versteht es, Stimmungen zum Publikum zu bringen, ohne dass man alles versteht. Das lässt ihre Erfolge auch in Mexiko mit Mundartliedern erklären. Sie singt auf diesem Album Englisch und Mundart.
Die Musikerin erzählt vom Arbeitsalltag mit den Frustrationen, unfairen Arbeitsbedingungen, ökologischen Krisen und emotionaler Einsamkeit. Es erzählt von einer Gesellschaft, die Leistungsdruck internalisiert und dabei Leistung nur vage definiert. Von Erschöpfung, Zorn und Druck und vom Leben jener, die versuchen, sich darin zurechtzufinden und ihre Würde nicht zu verlieren, und damit wahrscheinlich scheitern. Musikalisch betont sie die Beats und den Bass. Die Stücke lehnen sich an elektronische Musik der Neunzigerjahre an; an Trip-Hop, Drum ’n’ Bass, 2-Step Garage und Industrial. Die Stimmung ist dunkler Pop und trotzdem mit einer Leichtigkeit, welche Mut macht und vielleicht sogar aufstellend ist, wenn man unter schwierigen Bedingungen arbeiten muss. Ein sehr engagiertes und intelligentes Album.
Live: „Gränzgängig“ in der Aula Progr Bern am 21. Mai 2026
Bild Kathrin Hallauer
Wiederum luden Viertaktmotor mit ihrem Gast Daniel Häusler zum Format „Gränzgängig“ ein. Das heisst, nach einem Austausch der Noten über E-Mail trafen sie sich am Morgen um 10 Uhr, übten zusammen und spielten am Abend ein gemeinsames Konzert. Diese Vorgaben führten immer zu positiven Überraschungen. Daniel Häusler spielte Klarinetten und Sopransaxofon. Er ist Volksmusiker seit vielen Jahren und brachte einige seiner Stücke ein. Als Volksmusiker und Innerschweizer waren seine Kompositionen eher ziemlich schnell, mit etwa zwei Ausnahmen.
Bild Kathrin Hallauer
Dazwischen spielten sie natürlich auch Kompositionen von Viertaktmotor zusammen. Daniel Häusler verstand es, nach dem Durchspielen der Melodien im traditionelleren Stil, auf die schrägen Töne und das Jazzige umzusteigen. So wurde an dem Abend grossartig musiziert. Ein Stück war langsam, wunderschön und leicht kitschig, und es sollte zeigen, dass auch das dazwischen sein darf. Das Stück „Ändler“ von Viertaktmotor, tönte in dieser Besetzung fast vollständig neu. Es war wiederum ein grossartiger Konzertabend.
Follia singt fünf Lieder in Mundart und auf Deutsch. Sie ist die Künstlerin mit dem Kontrabass. Sie selbst nennt ihre Musik Kontrapop. Genauer gesagt sind es Lieder zwischen Folk und Kunstlied. Neben dem Kontrabass gibt es wenig Piano und Perkussion mit ein paar Electronica-Effekten. Wichtig ist ihr Kontrabassspiel und vor allem ihre Stimme und ihre Texte. Sie singt mal intim ruhig, um dann wieder fast orchestral und ein wenig wütend zu singen. Eindringlich sind alle Lieder und ihre Stimme zwingt einen, direkt zuzuhören. Der EP‑Titel ist Programm und in letzter Zeit ist genug „Verrutscht“ (Verschoben) im Äusseren wie im Inneren von Menschen. Ein kleines Meisterwerk.
Live: „Tour Brut“ auf der Heubühne, Bienzgut, Bümpliz, Bern am 8. Mai 2026
Bild Kathrin Hallauer
Das zwölf Mann starke Traktorkestar spielte ein Konzert ohne Kabel und mit nur einem Mikrofon für die Ansagen. So kam das Brassorchester optimal zur Geltung. Das Repertoire umfasste viele Stücke mit grossen Melodiebögen bei den Trompeten und Saxophonen und Rhythmusmustern bei dem Susaphon und den Baritoninstrumenten.
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Die drei Schlagwerker hämmerten den Beat ein. Aber auch da konnte man viel filigranes Schlagwerk Handwerk hören. Ein längeres Darbuka Solo heizte dem heissen Sound noch mehr ein.
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Traktorkestar besann sich zurück auf ihre Anfänge mit Balkanbrass. Ohne ins Traditionelle zu verfallen. Nach der Pause spielten sie mehrere Stücke mit den ineinander verschobenen Pattern.
Bild Kathrin Hallauer
Dann kamen wieder die Stücke mit den Melodien. Verblüffend waren die Tempo- und Rhythmuswechsel. Traktorkestar spielte mit viel Freude und Spielwitz. Das Publikum half kräftig mit beim Tanzen, Fingerschnippen oder sogar beim Headbangen.
Das war ein sehr aufgestelltes Konzert, welches viel Freude ins Publikum zauberte. Ein gelungener Abend mit einem hochkarätigen Traktorkestar.
Der in der Schweiz lebende Iraker ist ein Jahr nach seinem Debütalbum mit einer EP zurück. Auf dem Album schaute er in den Irak, nun schaut er vom Irak nach Europa. Er behandelt in seinen Songs die Themen Machtstrukturen: Kolonialismus, Doppelmoral und Eurozentrismus. Er singt die Songs in irakisch-arabisch und Englisch mit seiner unverkennbaren Falsettstimme. Musikalisch trifft Synth-Electronica auf Oud, Drum Machine und arabische Rhythmen. Die Texte sind kritisch und politisch, nur ist das nicht zu verstehen, wenn man nicht Arabisch versteht. Das Englisch ist auch speziell gesungen. Das Middle West Video ist für das Verständnis der Texte sehr hilfreich. Die EP umfasst fünf Songs.
Die junge Sängerin nannte sich bei ihrer früheren EP einfach Gigi, sie ist jetzt Gigi Malua. Wer sich die EP anhört, erkennt sie gleich bei den ersten gesungenen Tönen wieder. Gigi Maluas Stimme hat einen hohen Wiedererkennungswert. Musikalisch ist es sauber produzierter Pop. Wichtig sind die Texte. Sie erzählt fünf verschiedene Geschichten und doch haben sie Gemeinsamkeiten. Es geht um Mental Health, Sucht, Liebe und die Parallelen dazwischen, die im Alltag oft übersehen oder bewusst ausgeblendet werden. Gigi Malua hat viele Doppeldeutigkeiten in ihren Texten und das sehr bewusst. So hört jedermann etwas anderes aus den Songs oder vielleicht mehrere Sachen fast gleichzeitig. Die Sängerin will, dass dies geschieht, und will offen bleiben. Erklärungen braucht es keine, alles soll so im Raum stehen bleiben. Mit dieser EP fordert uns Gigi Malua heraus, und dies auf eine anspruchsvolle Weise und trotzdem mit Genusseffekt.
Live: Vollmondkonzert in der La Cappella am 1. Mai 2026
Bild Kathrin Hallauer
Désirée Dell’Amore ist eine begnadete italienische Harfenistin, welche in der Schweiz lebt. Daniel Küffer ist ein ebenso begnadeter Holzbläser und mit Désirée Dell’Amore verheiratet. Sie spielten ein spezielles Konzert in der La Cappella zum Vollmond und zum 1. Mai. Désirée Dell’Amore spielte nicht nur Harfe, sie sang auch dazwischen mit einer wunderschönen Stimme.
Bild Kathrin Hallauer
Daniel Küffer spielte Sopran-, Tenor- und Baritonsaxophon, Bassklarinette und die Rahmentrommel.
Bild Kathrin Hallauer
Sie hatten sich ein wirklich spezielles Programm überlegt mit Mond, Nacht und Mai. Da gab es Stücke aus dem American Songbook zu hören, ein bisschen Jazz, italienische Canzoni, einen längeren keltischen Teil, Eigenkompositionen, eine von Südafrika beeinflusst, zwei Tangos von Astor Piazzolla gehörten auch ins Repertoire. Dazu erklärte Daniel Küffer: Er habe mit einem argentinischen Bandoneonspieler gespielt und der sagte: Beim Tango muss man einen Fuss im Grab haben und einen auf der Tanzfläche, nur so klinge der Tango richtig. Solche und andere Erklärungen gaben sie immer wieder, die waren sehr interessant und brachten einem die Stücke näher. Désirée Dell’Amore erklärte auch die Harfe. Sie spielte eine klassische Harfe und liebt dieses Instrument. Es war unglaublich, was sie alles für Töne und Klänge dem Instrument entlocken konnte, mit welcher Virtuosität sie die Saiten zupfte, wie viel Spielwitz sie zeigte und wie das alles mit den Saxophonen harmonierte. Als zweite Zugabe gab es ein Schlaflied, welches das Publikum mitsingen durfte, um dann mit der Magie dieses Abends in die Nacht zu entgleiten.
Das Quartett aus dem Seeland kommt in der klassischen Besetzung daher: zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Der eine Gitarrist übernimmt den Leadgesang und die anderen drei Musiker singen die Chöre. Die sechzehn Songs verströmen gute Laune und Lebenslust mit hoher musikalischer Qualität, das ist, was wir in heutiger Zeit benötigen. Light Food spielen Rock, Blues, Oldies und Pop. Der eine Gitarrist spielt gelegentlich die Mandoline, was dem Sound eine spezielle Note gibt. Überhaupt, das ist handgemachte Musik mit akustischer und elektrischer Gitarre oder eben der Mandoline. Der Sänger hat eine starke und markante Stimme, er gibt dem ganzen Sound sein Charisma. Zu dieser Musik lässt sich herrlich abtanzen und gute Laune tanken. Einfach ausprobieren, lohnt sich.
Das Berner Quartett rockte den Donnerstagabend mit Klassikern aus den letzten 50 Jahren. Dieses setzte sich aus Roland Reisinger am Gesang und Gitarre, Marc Rossier an Gitarre und Gesang, Urs Widmer am Bass und Martin Stadelmann am Schlagzeug und Gesang zusammen. Musikalisch spielten sie grossartig. Starke Rhythmussektion und Leadgitarre.
Bild Kathrin Hallauer
Der Gesang war okay. Die Songs wurden häufig als Medley kombiniert, so konnte man an diesem Abend fast unzählige Songs hören. So ging es von den Rolling Stones zu den Kinks zu Stiller Has und allem dazwischen. Die Zusammenstellungen und Arrangements waren sehr speziell, witzig und musikalisch gelungen. Neben englischsprachigen Klassikern wurden auch Mundarthits oder deutsche Klassiker serviert. Das Publikum hatte Freude an diesen etwas roheren Klängen und tanzte dazu. Eine solide Band verstand es, auf gutem Niveau zu unterhalten.
Fox Marguerite sind ein Quartett aus Genf, eine Sängerin und drei Musiker. Sie machen Musik an der Schnittstelle von französischem Chanson und rohem, verträumtem Rock. Die Band zeigt eine grosse Verspieltheit in den Rhythmen, welche in dezenten Latinrhythmen, Tango, Samba bis zu Dancefloor ausufern kann. Mit den klassischen Rockinstrumenten Bass, Schlagzeug und Gitarre machen sie die ganze Musik, roh und eindrücklich. Gesungen wird auf Französisch und die Sängerin macht das recht witzig und theatralisch. Ihre Stücke erzählen von Diskrepanzen, vereitelten Impulsen und imaginären Welten. Ein Schmunzeln ist beim Hören dieser Musik immer möglich. Dieses Album ist erfrischend und macht Spass.