11Ä

Album: „Elixier“ (Equipe Music)

Fünf Jahre nach dem Debüt Album von 11Ä (sprich Elfe) folgt das zweite Album. In den fünf Jahren hat 11Ä ihren Stil gefunden. Wichtig sind ihr die Texte und jetzt hat sie auch die Möglichkeit entdeckt zu singen. Somit ist der Sound ziemlich popig geworden, man könnte dem Indie HipHop sagen. Auf alle Fälle ist die Musik eingängig. Das Album ist sehr sauber produziert und jedes Wort von 11Ä ist genau zu verstehen. Wie schon gesagt, wichtig sind ihr die Worte. Hier singt also eine Frau, Mutter und Unternehmerin und bietet einem ein Elixier für die verschiedensten Lebenslagen an. Sie singt als Frau für Frauen und Männer. Sie erklärt die Liebe, das Flirten und mehr für Männer und Frauen aus der Sicht der Frau. „Wie sie luegt“ ist so ein Lied oder „Spiel“. Aber auch eine bessere Welt wünscht sie sich, oder Erinnerungen an früher werden wach und vieles mehr. Etwas irritierend wirkt, dass der Sounbd und der Textflow öfters an andere Berner:innen erinnert, welche grosse Erfolge feierten. Ist das Zufall oder Absicht. So ist natürlich etwas schwieriger sich eigenständig zu positionieren. Egal die Lieder sind gut und dieses Album auch.

Fredi Hallauer

Global Beats mit Gwendolyn Masin, Yurodny, Jütz und Miklós Lukács

Live: „Cocktail der Musen 5“ im Casino Bern am 21. Januar 2023

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Ein ganz spezielles Konzert war angesagt und es war auch ganz speziell. Der grosse Saal war eine Bar mit vor allem Stehplätzen und einigen Stühlen, sitzen konnte man auch auf den Galerien oben. Gestartet hat die Violinistin und zugleich Kuratorin dieser Konzertserie, Gwendolyn Masin, zusammen mit den Streichern von Yurodny und Miklós Lukács. Sie spielten „Tzigane“ von Maurice Ravel. Gwendolyn Masin zeigte wie stark sie die Violine auch in dieser Art Musik spielen kann.

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Dann traten die restlichen Musikern von Yurodny auf die Bühne und interpretierten Volksmusik ziemlich frei. Ihre Einflüsse kamen auch aus der Gypsy Musik, vermischt mit Klassik, Jazz und zeitgenössischer Musik. Ihr zweites Stück hatte dann schon Tanzcharakter.

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Miklós Lukács spielte immer mit Yurodny und dazwischen ein Solostück für Zimbal und man hörte dass er wirklich einer der besten Musiker auf diesem Instrument ist.

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Jütz übernahm die Bühne und entführte das Publikum in die Alpen vom Tirol bis in die Schweiz. Das Trio verjützte dann auch sehr eindrücklich den Ländler vom Geiger Markus Hafner „Häxesabbat im Pfaffeloch“ in einen Albtraumländler. Alle Musiker kamen auf die Bühne und spielten gemeinsam Volksmusik ohne Grenzen dabei war auch das Emmentaler Hochzeitslied. Yurodny spielten dann alleine ein ukrainisches Frühlingslied in einer sehr eigenwilligen und jazzigen, ja fast freejazzigen Version. Aber dann wurde es rhythmisch und sogar richtig tanzbar mit dieser tollen Gruppe. Zum Schluss war dann auch wieder Gwendolyn Masin mit dabei und dann wiederum alle zusammen. Nach zwei einviertel Stunden nahm ein wundervoller Abend sein Ende und die warmen Klänge spendeten einem Wärme auf dem Heimweg in der bissig, kalten Nacht.

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Fredi Hallauer

FLORIAN FAVRE

Live: „Album-Releasetour „Idantitâ am BeJazz Winterfestival am 19. Januar 2023

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Florian Favre hatte die grosse Aufgabe nach 26 Musiker:innen alleine auf der Bühne an seinem Flügel zu sitzen. Er schaffte es grossartig und das Publikum war fasziniert von seinem Spiel und seinem Humor und sang sogar die Melodien mit, welche er vorgab. Florian Favre ist aus Fribourg und musste in der Familie immer die Lieder von Joseph Bovet singen, bis er sie nicht mehr ertragen konnte. Er schrieb sie dann neu, so dass sie ihm gefielen. Im Konzert gibt er aber immer noch Josph Bovet als Komponist an. Seine Versionen von „Le Vieux Chalet“, „Les Fanfares Du Printemps“ oder „Lioba“ reformierte er, indem er die Harmonien veränderte, die Melodien nur Fragmentweise aufblitzen liess, sonst aber die Geschichte, welche das Lied erzählt, einfach musikalisch erzählte. Er spielte auch einige eigene Stücke. Sein Pianospiel war sehr faszinierend, er liess es perlen, donnern, blitzen, präparierte den Flügel und spielte so Trommeln oder er dämpfte die Saiten mit Präparationen. Er war sehr sympathisch und humorvoll und zeigte ein sehr grosses Können, sowohl als Komponist wie auch als Musiker. Florian Favre war ein sehr würdevoller Abschluss dieses grossartigen Abends.

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Fredi Hallauer

LE GRAND EUSTACHE AVEC ERIK TRUFFAZ

Live: „Truffaz meets Eustache“ am BeJazz Winterfestival am 19. Januar 2023

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Le Grand Eustache ist ein 25 köpfiges Orchester aus der Romandie. Die Zusammensetzung der Instrumente ist speziell und das macht den Sound des Orchesters aus. Da sind dabei Flöte, Klarinette, Altosaxophon, Tenorsaxophon, Trompete, Posaune, Horn, Tuba, sechs Geigen, drei Bratschen, zwei Cello, Bass, E-Bass, Piano, Schlagzeug und Perkussion. Geleitet wurde die Formation von Philippe Krüttli. Dieses Orchester startete dieses Projekt mit dem französischen Jazztrompeter und Komponisten Erik Truffaz. Er schrieb mit einer Ausnahme die Kompositionen für dieses Konzert, die Ausnahme war ein Stück vom Pianisten Alexis Gfeller. Das alles sagt noch wenig über dieses ausserordentliche Konzert. Die Musik war so vielseitig, so farbig, so inspiriert von den verschiedensten Stilen, dass man es sich kaum vorstellen kann. Begann das erste Stück fast wie eine Bruckner Symphonie, bewegte sich dann Richtung Strawinsky und mutete dazwischen fast wagnerisch an, umwerfend war es einfach. Später wurden die Stücke rhythmischer mit längeren Schlagzeug/Perkussion Duellen, fulminantem langem Flötensolo, aber auch Posaune und Tenorsaxophon spielten ausgewachsene Jazzsoli. Die Streicher gaben Rhythmus und nicht Zucker zu dem Sound und Erik Truffaz spielte die Trompete, mal leise und zerbrechlich, dann loopte er sich oder er spielte sein Instrument wie Miles Davies. Afrikanische Beats gaben einem ganzen Stück den Drive und noch viel, viel mehr war an diesem Konzert herauszuhören. Ein grossartiger Auftakt für das Winterfestival.

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Fredi Hallauer

VERONICA FUSARO

Album: „All The Colors Of The Sky“ (Phonag Records)

Veronica Fusaro präsentiert das Debütalbum, auf welches wir schon lange und sehnlichst warteten. Nach verschiedenen Singles und EP’s ist es nun soweit. Das Warten hat sich gelohnt. Veronica Fusaro ist musikalisch in Blues, Soul, Pop, ja ein bisschen jazzy ist sie auch, eingetaucht. Viele Musiker:innen spielen immer wieder Töne, Passagen, welche man zwei Takte vorher nicht erwartet hat. Die Musik ist mal leicht und lüpfig, dann wieder etwas grauer und schwermütiger, aber immer wieder zeigt sich der Musikhimmel von der freundlichen Seite. Der Albumtitel ist Programm und Veronica Fusaro hat keine Himmelsfarbe ausgelassen. Die Musik ist gut zugänglich, tanzbar und intelligent. Veronica Fusaro hat es geschafft zu der angesagten Musikerin der Schweiz zu gehören. Ein tolles Album das Freude und Spass macht.

Fredi Hallauer

SIRENS OF LESBOS

Album: „SOL“

Das Berner Quintett, mit hohem Frauenanteil, veröffentlichte dieses Album bereits 2020, es kam aber nicht zu mir und wegen Corona war das sowieso eine schwierige Situation. Gurtenfestival 2022 spielte die Band, ich interviewte sie, das Album fand aber erst letzten Mittwoch den Weg zu mir. Ich finde dies eine wichtige Veröffentlichung und werde sie hier kurz besprechen. Sirens Of Lesbos sind fünf Musiker:innen, welche ihre Musik sehr präzise kompnieren und produzieren. Dieses Album herauszugeben dauerte fünf Jahre. Das warten hat sich gelohnt. Es ist clevere Musik zwischen Elektro, Indiepop, ja manchmal hört man auch Triphop hinaus, Dance. Neben den dominierenden elektronischen Klängen und Rhythmen, dominieren auch wunderschöne und berührende Stimmen, oft mehrstimmiger Frauengesang, aber auch männliche Stimmen gibt es zu hören, die eher mit Sprechgesang. Das Album SOL von Sirens Of Lesbos ist sicher eines der besten Alben mit aktueller Musik der letzten Jahre.

Fredi Hallauer

DÄNU EXTREM AND THE CHEMTRAILS

Album: „Jam Live“ (Dex Records)

Dänu Extrem ist zurück oder einfach immer noch da und das so gut wie noch selten. Mit ihm eine Band von sechs Musikern. Herausgekommen ist ein rauher, rockiger, bluesiger Sound. Seine Texte sind m „al Wortspiele „mir si zäme da, also wei mir zäme gah“ zum anderen aber auch aufmüpfige und kritische Texte, wie der schöne Blues „Mache was ich wott“ oder „Alte wysse Maa“. Zum Abschluss gibt es eine neue Version vom „Plätzli a der Sunne“ unter dem Titel „Warum“. Es tut immer gut sich die Lieder von Dänu Extrem anzuhören, vorallem wenn sie auch mit so guter Musik ausgestattet sind.

Fredi Hallauer

CHURCHHILL

Live: Albumtaufe „Bissoguet“ in der Mühle Hunziken am 6. Januar 2023

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Churchhill in der ganz grossen Besetzung mit der dreiköpfigen Hornsection, Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug, plus den beiden Rappern starteten ein fulminantes Konzert in der rappelvollen Mühle. Sie spielten und rappten sich durch das neue Album und hatten auch ein paar ältere Songs in ihrem Repertoire. Es war eine grosse Party, die Musiker wurden bei ihren Soli angefeuert, grossartig. Der Sound war sehr gut und die Texte gut verständlich. Live haben sie den Audiotune nicht eingesetzt und so tönte alles nach 100% Churchhill. Die Rapper hüpften auf der Bühne herum wie Jungspunde und animierten das Publikum das Gleiche zu tun, was es auch tat. Stilmässig blieben sie breit, aber es war immer HipHop. Nach der Pause starteten sie ruhiger mit „Animalisch“, das ein tolles berdeutsches Lied ist. Dann ging es wieder richtig los und fast am Schluss trat noch Special Guest La Nefera auf die Bühne, welche zuerst einen eigenen Song auf Spanisch rappte mit Begleitung der ganzen Band und nachher mit Churchhill das Lied „Musig La Rede“.

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Noch ein Schlussbouquet gespickt mit verschiedenen Soli und Zugabe und die grosse Party fand ein schönes Ende.

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Fredi Hallauer

Album: „Bissoguet“

Die Gürbetaler schlagen wieder zu und lassen uns tanzen. Die Rapper haben sich wieder tolle Geschichten, ein bisschen höheren Blödsinn und einiges an gesellschafts relevanten Texten einfallen lassen. Transportiert werden die Mundarttexte mit einer siebenköpfigen Band, welche alle musikalischen Register zieht. Es gibt HipHop, Reggae, Funkgwürzt mit weiteren Zutaten aus der Popmusik. Ab und zu tönt es Audiotune und somit nahe an Lo & Leduc. Die Texte sind oft sehr schnell gesungen oder gesprochen, Ohren spitzen und schnell schalten ist angesagt, lohnt sich aber bei den meisten Liedern. Ben Mühlethaler hat aufgenommen und gemischt. Bei „Musig La Rede“ gibt es Latinrhythmen und La Nefera rappt spanisch kräftig mit. Für mich einer der Höhepunkte, ein anderer Höhepunkt ist die verschleppte Reggae Nummer „Venedig“. Ich glaube Umweltzerstörung kann man nicht besser beschreiben ohne Zeigefinger. Churchhill zeigen, dass sie nach vielen Jahren immer noch dazu gehören und auch etwas zu sagen haben.

Fredi Hallauer

SCHMIDI SCHMIDHAUSER & HASTA LUEGO

Live: „Es ist genug des Guten“ Tour im Casino Theater Burgdorf am 30. Dezember 2022

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Schmidi Schmidhauser ist auf seiner würdevollen Abschiedstour mit einer extra dafür zusammengestellten Band, den Hasta Luegos. Die Musiker dieser Band sind Remo Kessler an den Gitarren, Samuel Baur am Schlagzeug, Niculin Christen am Keyboard und Handorgel und Jüre Schmidhauser am Kontrabass. Alle vier Männer sangen Backing Vocals. Schmidi Schmidhauser las, sang und spielte verschiedene akustische Gitarren und das Banjo. Er stand natürlich im Zentrum und hatte das Sagen was gespielt und gesungen wurde. So startete er bei ganz frühen Liedern von Stop The Shoppers oder noch etwas vorher geschrieben. Im Repertoire standen viele Chansons oder Lieder, welche er auf das Chanson reduziert hatte. Zumindest kam es einem so vor, den ohne Bläser und Perkussionisten kamen die Texte viel mehr zum Tragen. Er erzählte aus seiner Geschichte als Musiker und fand dann immer ein passendes Lied dazu. Dazwischen trat noch der Mann an den Plattentellern auf, welcher die Scratchs bei Stop The Shoppers gemacht hatte. Schmidi Schmidhauser liess seinen Musikern viel Freiraum um zu solieren und sie hatten sichtlich Freude daran. Remo Kessler hat man schon lange nicht mehr so Gitarre spielen sehen, aber auch Jüre Schmidhauser am Bass und Samuel Baur liessen es so richtig rocken dazwischen. Es war ein würdiges Konzert mit politischen und persönlichen Statements dazwischen, wunderschönen Liedern und die auch noch herrlich gespielt. Ich glaube so schafft es Schmidi Schmidhauser im Gedächtnis der Leute zu bleiben.

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Fredi Hallauer

THE JAMES BROWN TRIBUTE SHOW

Live: im Casino Theater Burgdorf am 29. Dezember 2022

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Das Casino Theater Burgdorf war ziemlich ausverkauft an diesem Abend, und zum Erstenmal gab es Stehplätze vor der Bühne zum Tanzen. Die Stimmung war sehr gut und locker. Die Band trat auf die Bühne und bretterte los indem sie alle grossen James Brown Titel kurz anspielte. Dann kam der Sänger Rich Fonje dazu und sie spielten Stücke die nicht unbedingt von James Brown waren, sondern sie verschmolzen Funk, Soul und HipHop miteinander. Die achtköpfige Band bestand aus J.J. Flücks Hausband, plus einer Hornsection und dem Sänger Rich Fonje. Die Musiker waren alle hervorragend ob als Gruppensound oder in ihren jeweiligen Soli mit Hammond, Gitarre, Bass, Saxophon, Posaune und Schlagzeug. Der Sänger zeigte auch seine Tanzkünste und war ein guter Entertainer, stimmlich war er aber manchmal etwas dünn und schwach. Im zweiten Set spielten sie dann die grossen James Brown Klassiker und da drehte der Sänger richtig auf und meine Aussage zu seiner Stimme aus dem ersten Set, stimmt so nicht mehr. Er übernahm auch Showelemente von James Brown und bot so beste Unterhaltung und liess das Publikum ausflippen. Die Band wurde selber immer ausgelassener und es war ein richtig fetziger Abend.

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Fredi Hallauer