BURGER

Live: Albumrelease „Mängisch zart u mängisch wild“ in der Mahogany Hall am 10. Juni 2021

Die Thuner Band Burger spielte ein solides und langes Konzert als Albumrelease Feier. Die Gitarrenband wurde mit einem Tastenmann erweitert, welcher auch oft das Akkordeon wunderschön einsetzte. Das Programm setzte sich aus Liedern des aktuellen Albums und vielen ältern und alten Liedern von Burger zusammen. Alle kamen aber wie aus einem Guss daher, wenn sie es nichjt entsprechend angesagt hätten, wäre es nicht aufgefallen. Ihre Mundartlieder zwischen Folkrock und Rock kamen live rockiger daher, was den Liedern für Live sehr gut tat. Neben dem Sänger und Gitarristen Burger und dem Tastenmann, fiel vor allem der Leadgitarrist auf, welcher in allen Liedern solierte und wohlklingende Töne erklingen liess. Manchmal, und dies vor allem im zweiten Teil, spielte er etwas zuviele Töne und das passte nicht immer in den Gesamtsound. Das Konzert nahm aber dadurch keinen Schaden. Der Schlagzeuger trommelte wie ein Uhrwerk und setzte seine Akzente und der Bassist legte einen Boden unter alles. Im Laufe des Konzertes tragten verschiedene Gäste auf. Da waren die beiden Sängerinnen welche je ein Duett mit Burger sangen, nämlich Amanda Grossenbacher und Anna Mae. Der Klarinettist Fredi Zaugg bereicherte zwei Lieder mit seinem Instrument. Ees war ein Konzert zum Hinhören, sich Gedanken machen, aber auch für die Seele und das Gemüt.

Fredi Hallauer

HORNROH

Album: „Eigenbräu“ (Zytglogge)

Hornroh nennt sich „Modern Alphorn Quartett“. Das Quartett setzt sich zusammen aus Jennifer Tauder, Balthasar Streiff, Lukas Briggen und Michael Büttler. Alle spielen Alphörner, Büchel, Grello und Meeresschnecken, Jennifer Tauder-Ammann stuert noch Stimme bei. Die vier Damen und Herren machen es aber unseren Ohren nicht leicht. Es ist ein zwiespältiges Album. Bereits der Booklet Text regt zum Kopfschütteln an. Der Titel Eigenbräu ist OK, aber wiesdo muss jedes Stück als Bier beschrieben werden, anstatt seriöse Kommentare zu den Stücken zu schreiben oder es sein lassen. Meint das Quartett alles nicht so ernst. Der Verdacht kommt auf. Nun zur Musik. Viele Stücke sind so konzipiert, dass einfach immer schräge Töne, Disharmonien und hohe Reibung der Töne darin stattfinden. Untermodern, verstehe ich, dass auch mal rhythmisch etwas gemacht werden könnte. Auffallend mühsam sind die Kompositionen von Balthasar Streiff, das sind acht von siebzehn, und dazu kommen noch drei Arrangements. Was man sicher nicht darf, ist das Album am Stück hören, das ist zuviel aufs Mal, zumindest beim Erstenmal. Wer es gerne ausgefallen hat und das Spiel mit den Naturtönen mag, kann sich an diese Klänge wagen, allen anderen empfehle ich Vorsicht.

Fredi Hallauer

CORIN CURSCHELLAS ILS FRÄNZLIS DA TSCHLIN

Doppel-CD „1,2,3! Dai Hop! (R-Tunes)

Dieses Doppelalbum erschien bereits 2019, aber es kam mir erst jetzt zu Gehör. Mit 55 Liedern und zwei Booklets. ein wahres Doppelpack. Mit dabei sind Corin Curschellas und die Gruppe Ils Fränzlis da Tschlin plus La Triada und Las Ledigas, welches beides Frauengruppen sind einerseits aus dem Umfeld von Corin curschellas, andererseits aus dem Umfeld von Ils Fränzzlis da Tschlin. Diese Formationen singen miteinander, alleine oder in kleineren Besetzungen diese rätoromanischen Liedern in allen Idiomen. Es sind eigentlich Kinderlieder, traditionelle und komponierte von rätoromanischen Komponist*innen. Diese Lieder sind sehr fein, filigran mit ebensolcher Musik. Als Erwachsene*r kann man dieses Doppelalbum sehr wohl geniessen, ohne das Gefühl zu haben, es sei kindisch. Die schönen Gesänge der Frauen sind ein Ohrenschmaus, ebenso die Melodien der Geige, Klarinette, Bratsche oder des Cellos. Der Kontrabass bringt das fetzige dazu. Ein Teil der Lieder sind A-Cappella gesungen. Einen einzigen Wermuthstropfen gibt es, im Booklet steht, die deutschen Übersetzungen der Lieder seien auf einer angegebenen Webseite nachzulesen oder herunterzuladen. Leider gibt es dort nirgend Übersetzungen oder man findet sie nicht. Trotzdem anhören und das schöne Folkalbum geniessen.

Fredi Hallauer

RIKLIN & SCHAUB

Live: „Was wäre wenn?“ in der La Cappella am 6. Juni 2021

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Nachdem sich das Trio Heinz de Specht aufgelöst hatte blieben Riklin und Schaub zurück. Sie stellten sich die Frage, was wäre wenn wir zu zweit auf die Bühne gehen. Das taten sie dann auch, ebenfalls am heutigen Abend und es stellten sich ihnen viele weitere Fragen. Die Fragen stellten sie laut dem Publikum am Anfang des Programms und im Programm kamen dann die Antworten oder weitere Fragen. So schaukelten sich die beiden Multiinstrumentalisten mit Gitarren, Mandoline, Cello, Piano, Melodica, Synthibass, beide bedienten mit den Füssen ein Schlagzeug oder Bodypercussion durch ein vielseitiges, oft witziges Programm. Die Lieder mit den Videoprojektionen waren sehr witzig, sei es um die Katzenvideos, Emojis oder den Tatort. Die Zwischentexte und das vorklatschen von Einzelnen im Publikum wurde etwas mühsam. Die Inhalte der Lieder waren witzig, höherer Blödsinn oder mal sogar tiefgründiger. Riklin & Schaub gehören zu den Künstlern zwischen Liedern und Kabarett die man unbedingt sehen muss.

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Fredi Hallauer

MARC ROSSIER

Live: Im Trio in der La Cappella am 5. Juni 2021

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Marc Rossier an den Gitarren und Gesang trat zusammen mit Peter Enderli am Bass und Christof Jaussi am Schlagzeug und Cachon auf. Marc Rossier machte kein Hehl daraus, dass er auf der Bühne nicht so gerne singt, da er aber der einzige Sänger war und es seine Songs waren, blieb ihm nichts anderes übrig als selber zu singen. Am Anfang war die Stimme noch stark belegt und schwach, sie wurde aber im Laufe des Konzertes so richtig gut. Marc Rossier spielte und sang eigene Songs. Das er ein begnadeter Gitarrist ist, war bereits vorher klar, er bewies es aber erneut. Er spielte auf den verschiedensten elektrischen Gitarren, einer akustischen Westerngitarre und einer Nationalgitarre (Blechgitarre). Er setzte die verschiedensten Spieltechniken ein und liess einem nur staunen. Einmal waren es die Flitzefinger mit Doppelmelodie, dann wieder gemütliche Slide Gitarre oder Laidback mit speziellen Sounds. Natürlich war Peter Enderli am Bass sehr unterstützend, da er meistens nicht einfach Rhythmus spielte, sondern die Melodie in den tiefen Tönen oder eine Gegenmelodie übernahm. Das Uhrwerk im System war Christof Jaussi, der prägnant, aber nicht zu laut das Schlagzeug bearbeitet. Der Sound war ausgeglichen, was in den Räumen der La Cappella einiges an Disziplin, vor allem des Schlagzeugers erfordert. Marc Rossier verstand es mit kurzen Ansagen zu unterhalten und die Songs, oder die Inspiration dazu zu erklären. Mit einem ruhigen akustischen Song verabschiedeten sich die drei und liessen die schöne Melodie für den Heimweg nachhallen.

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Fredi Hallauer

JAËL

Live: Acoustic Tour im Trio Openair Kulturhof Schloss Köniz am 4. Juni 2021

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Jaël und ihre beiden Mitmusiker Cedric Monier (Tasten und Kalimba) und Domi Schreiber (Gitarre und Gesang) starteten ihr Konzert bei dunklen Wolken am Himmel aber einem gut gelaunten und hörwilligen Publikum. Jaël versprach gleich am Anfang, dass das Set eine bunte Mischung ist mit Songs aus den Solo Zeiten, Lunik Songs und vielem mehr. Das Trio überzeugte das Publikum gleich von Anfang an durch den schönen, ausdrucksstarken Gesang von Jaël, dem Backing Gesang von Domi Schreiber und der Virtuosität von allen Drei auf den Instrumenten. Jaël spielte oft Gitarre und auch mal Xylophon. Die Songs waren sehr ausgeglichen arrangiert, egal ob aus Lunik Zeiten oder neuer. Die Stimmung leicht melancholisch aber im Rhythmus bewegt und manchmal sogar verspielt. Plötzlich zog ein starkes Gewitter über das Gelände, das Publikum verzog sich unter die Dächer, die Musiker mussten ein paar Meter auf der Bühne samt Equipment zurück rutschen, die Organisatoren verteilten Pellerinen und es ging weiter. Es brauchte etwa zwei Songs und die gute Stimmung war wieder hergestellt, obwohl der Regen bis zum Schluss nicht aufhörte. Verblüfft hat das Trio mit dem Titelstück aus dem Album Sinfonia, welches sie einfach zu dritt spielten. Aus Sing meinen Song spielte Jaël den Song von Seven „Walking With You“ und als Zugabe noch „Hardbrugg“ von Dodo. Es war ein wunderschönes Konzert mit einer sehr beeindruckenden Jaël, welche es Verstand das Publikum in Bann zu ziehen, trotz etwas mühsamen Wetterbedingungen.

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Fredi Hallauer

IRINA MOSSI

Album: „Royality“ (Echo Kollektiv)

Irina Mossi hatr kongolsesiche Wurzeln und kommt von Biel. Sie ist spätestens mit diesem Album eine Soul Grösse in der Schweiz, was schreibe ich, sie kann durchaus international mit den ganz Grossen mithalten. Sie vermischt Stile und Musik aus der ganzen Welt miteinander und singt dazu mit einer herrlichen Intensität und einer angenehmen Stimme. Die Musik ist tanzbar, soulig, mal auch funkig oder sogar Reggae kommt vor. auf dem Album sind einige Gäste zu hören, nämlich, Cali P., Burni Aman, Jones und Caroline Nu. Dieser Sound ist prickelnd, mitreissend und Balsam für das Ohr und die Seele. Irina Mossi ist für mich eine Entdeckung.

Fredi Hallauer

FRÖLEIN DA CAPO

Live: „Kämmerlimusik“ in der La Cappella am 3. Juni 2021

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Nach Ansage ab Band, in welchem das erste Stück des Einfrauorchesters angekündigt und beschrieben wurde, betrat Frölein Da Capo die Bühne und setzte gleich das Loop Gerät und fast alle ihre Instrumente ein. Sie hatte es ziemlich streng mit Instrumentenwechsel, vom Euphonium, zur Trompete, der Gitarre und dem Minipiano. Frölein Da Capo spielte mit einem Kittel und einer Fliege über ihrem Rock. Nach dem ersten Stück zog sie Kittel und Fliege aus. Es folgte ein sehr unterhaltsamer Abend mit ein paar der älteren Lieder vom Frühling oder dem Pony (ein Töffli) und vielen neuen Liedern. Frölein Da Capo hatte witzige Ideen um nicht einfach Lied an Lied zu reihen, sie liess jemandem aus dem Publikum, welcher durch das Zufallsprinzip ausgewählt wurde, Schicksal spielen. Dies musste er zweimal tun, einmal sich entscheiden ob ein Volkslied als Rock oder Blues gesungen werden soll, und ein andermal mittels einer Schicksalsscheibe wo er immer zwei Sachen zur Auswahl hatte und Frölein Da Capo sang dann die entsprechende Version. Sie arbeitet auch mit dem Hellraumprojektor, erzählte Geschichten, las einen Text und so war ein abwechslungsreicher Abend entstanden. In zwei Liedern ging sie auch auf das Thema Frau versus Mann ein, ziemlich witzig und doch so, dass es anregt sich Gedanken darüber zu machen. Ein lohnenswerter Abend.

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Fredi Hallauer

BURGER

Album: „Mängisch zart u mängisch wild“

Burger ist ein Quartett aus Bern und ihr Sänger und Songschreiber heisst mit Familienname Burger. Sie spielen eine Art Berner Chanson Folkrock. Musikalisch spielen sie zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug und Gesang. Dabei kommen leicht rockige Sound zustande, manchmal auch Folk oder Country. Das wichtige bei Burger sind aber die Texte. Sie erzählen aus dem Leben. Es sind Geschichten die meistens nicht von der Sonnenseite des Lebens handeln. Der Höhepunkt des Albums ist „Hus a dr Bahnhofstrass“, welches auf die Geschichte eines 100 jährigen Hauses blickt. Als Gäste bei zwei anderen Liedern sind Anna Mae und Mandana dabei. „No mal dervo cho“ erzählt von Ereignissen, welche dich oder mich hätten treffen können. Generell ist das Album ruhig gehalten, meistens Midtempo. Der Albumtitel bezieht sich nicht auf die Musik, sondern auf eine Zeile aus einem Lied. Auf dem Album sind auch noch Gastmusiker vertreten, denn man kann da und dort Keyboards hören, oder auch Instrumente. Minuspunkte sind, dass Burger nicht immer sauber intoniert und auch in der Musik zwischen Leadgitarre und den restlichen Instrumenten gibt es zwei dreimal Reibungen, welche wohl nicht absichtlich so aufgenommen wurden. Burger ist ein Mundart Lieder Album das tiefgründig unterhaltend ist, ohne lustig sein zu wollen, aber auch kein belehrendes Album, sondern gemütliche Musik mit Tiefgang.

Fredi Hallauer

LORD KESSELI

Album: „Tell Me When You’re Empty“ (Irascible)

Lord Kesseli kann es auch ruhig angehen. Das zeigt uns der St. Galler Musiker auf seinem Solo Album. Er reduziert Musik auf das minimalste, nämlich einen Flügel und eine Stimme. Die Töne Perlen erfrischend aus den Boxen und die Stimme löst dann die Frische auf. Lord Kesseli, schmachtet, flirtet, schimpft und leidet mit seiner Stimme durch die stockdunkle Nacht. Piano und Stimme ergeben aber ein Ganzes und so klingt es wunderschön düster und nicht bedrohlich. Lord Kesseli singt englisch. Das ist wirklich Musik für Menschen welche Musik mögen und hinhören.

Fredi Hallauer