Interview
Am Adelboden Live sprachen Kathrin und Fredi Hallauer mit Samora.

Dies ist das sechste Studioalbum der beiden Berner Mundartmusiker. Nach einer Pause ist vieles neu. Lo & Leduc sind politisch geworden, singen zwei Lieder auf Deutsch und es sind nicht einfach Partysongs. Das Album beginnt mit einer politischen Klavierballade. Sie heisst „Für Love“ und die Lyrics zeigen, worum es beim Album geht. „Dr Eint behouptet, dass dr Anger immer nume lügt. Dr anger seit, alles, wo dr eint seit, stimmi nid – U die Aller- Aller- Aller- Allermeiste säge nüt“ ist eine der Textzeilen. Die Texte sind klar, und trotzdem muss man aufpassen, um alles genau zu hören und zu verstehen. Mit dem dreimaligen Anhören des Albums erschliesst es sich noch lange nicht ganz. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Zwei andere Textbeispiele: In „Martha“ und anderen Songs offenbart sich das Politische, das Abgründige im Nebeneinander der Dinge: „Am Bahnhofsiigang schwäbe d Giige, Sibe Füfzg dr Huus-Iistee. Visavis vo mir im Abteil hocket eine mitem Gwehr“. In „Loyalty x Many Men“: „Mir hei chly Dräck uf dr Zunge, Goldstoub a de Fingertips, Drohne finge ihri Ziel dank Schwizer Mikrochips“. Es werden immer wieder viele Themen angesprochen, wie Gesundheitswesen, Krankenkassen, Geld Politik, Klima, Religion und viele mehr. Die beiden deutschen Lieder sind textlich sehr stark, trotzdem sind sie für mich weniger berührend als die Mundartlieder. Die Sounds sind elektronisch mit den bekannten tropischen Rhythmen, einfach eine etwas dunklere Stimmung. Tanzen darf man trotzdem dazu. Produziert hat grösstenteils Kali, welcher bereits verschiedene internationale Künstler:innen produziert hat. Mit dabei sind auch Gäste. Badnaiy, To Athena und Pronto sind es konkret. „Krise als Chanson“ ist Lo & Leducs bestes Album und gehört auf jede Bestenliste.
Fredi Hallauer
Die in Bern lebende Musikerin aus Surinam zeigt sich auf diesem Album wirklich als Chamäleon. Es sind alles Tanznummern und sie fahren recht in die Beine. Sie zelebriert die afrokaribischen Rhythmen von Reggaeton zu Reggae und weiteren Rhythmen. Samora hat auf diesem Album sechs Featuring-Gäste, meistens in ihrer Heimat verwurzelt. Einer davon ist Guillaume Hoarau, den man in Bern bestens kennt. Dieses Duett ist etwas romantischer und wunderschön. Die zwei Stimmen passen bestens zusammen. Die anderen Gäste geben den Songs noch mehr Dampf und treiben sie voran. Samora thematisiert auch gesellschaftskritische Themen, und wie das in den Breitengraden ihrer Heimat üblich ist, haben diese Lieder trotzdem einen beschwingten Rhythmus und strahlen Fröhlichkeit aus, obwohl der Inhalt alles andere als fröhlich ist. Mit dieser Musik von Samora kann man gut durchs Leben gehen, auch wenn es schwierigere Zeiten sind. Ein tolles Album, welches nicht ganz neu ist, mir aber erst jetzt zu Ohren kam.
Fredi Hallauer
Die Walliserin knüpft mit dieser EP an ihr letztes Album an. Leichte, schwebende Mundartsongs, mal Dreampop, dann wieder eher Indie. Sie plädiert fürs Innehalten. Melina Nora singt auch über das Erinnern und über das Loslassen. Bei einem Lied singt Paula Mia mit. Im letzten Lied singt Melina Nora sogar mehrsprachig. Vier abwechslungsreiche Lieder.
Fredi Hallauer

Joe Haider schrieb für diesen Abend eine Art Sinfonie in drei Sätzen für Jazzorchester und Streichquartett. Er selbst sass am Flügel. Jeder Satz hatte noch mehrere Abschnitte. Es war eigentlich eine Kammerjazzmusik Suite. Das ganze Stück erzählte das Leben von Joe Haider, bis er nach Bern kam.

Es gab sehr viele Soloparts. Da war die Querflöte mit dem Streichquartett, dort das Schlagzeug mit dem Saxophon. Der zweite Satz wurde in einem Teil dem Swiss Jazz Orchestra gewidmet. Dort war natürlich die gesamte Band zu hören. Zwischen den Sätzen erzählte Joe Haider aus seinem 90-jährigen Leben und was die verschiedenen Abschnitte genau bedeuten. Der dritte Satz hatte mehr Swing und der Klangkörper Jazz Orchestra kam zum Zuge. Ebenfalls hörte man hier die spielerischen Qualitäten von Joe Haider.

Als erste und letzte Zugabe spielten sie „Guten Abend, gute Nacht“ in einem speziellen Arrangement von Joe Haider mit einer schönen Einstimmung von ihm am Piano. Dieser Abend zeigte einmal mehr, wie gut die Musiker des Swiss Jazz Orchestra sind und wie gut sie auch als Ganzes klingen. Ebenfalls lässt es staunen, was der geniale Joe Haider mit 90 Jahren noch alles vollbringt, inkl. dieser grossen Komposition. Dazu kommt, dass das ganze Konzert nur eineinhalb Proben benötigte. So kam man an diesem Abend aus dem Staunen und dem Genuss gar nicht mehr heraus.

Fredi Hallauer
Die Schweizer Punkrockband veröffentlichte ihren zweiten Longplayer.
Es ist vorwiegend 90er-Skaterpunk zu hören, aber auch zwei Lovesongs und ein Hardcore Song. Also eine abwechslungsreiche Sache. Die Melodien sind stark, die Hooks hauen so richtig rein und das ganze Album geht ganz schön los und bleibt eingängig. Die Texte reflektieren die Gesellschaft. Sie handeln von persönlichen Erlebnissen und sozialen Ungerechtigkeiten. Gesungen wird auf Englisch. Das ist Punkrock, wie er heutzutage nötig ist, leider. Zum Glück gibt es Bands wie Must Be Wrong.
Fredi Hallauer
Sam Snitchy kommt aus Bern und schrie früher Gedichte durch die Gassen, sang dann als Melker und ist jetzt ein Psychedelik Punker. Er macht den ganzen Wahnsinn um uns herum sichtbar, liefert aber keine Antworten, sondern zwingt einen, in den eigenen Spiegel zu schauen. Zusammen mit bekannten Musikern am Bass, an der Gitarre, an Synthesizern und am Schlagzeug lässt er uns in den Wahnsinn treiben. Ein sehr spezieller Sound, an den man sich gewöhnen muss, wenn man will.
Fredi Hallauer
Die Berner Band spielt Tiefgang-Pop in mehreren Hinsichten. Der Bass spielt eine wesentliche Rolle im Sound, der Sänger tönt besonders schön, wenn er in den tieferen Lagen singt und am bedeutendsten sind die Texte, welche Tiefgang haben. Der Sound ist neben dem Bass von Synthies geprägt, welche manchmal nur Farbtupfer beisteuern und andere Male so richtig kräftig herumflirren. Die Songs sind teilweise richtige Hymnen. Chorgesang ist zu hören und die bereits erwähnte Baritonstimme. Kohoba strotzen vor Optimismus und sie sind der Meinung, dass man die Welt nur tanzend verändern kann. Ein erfrischender Sound, welchen man nicht jeden Tag hört.
Fredi Hallauer
Das Basler Trio Malummi veröffentlichte sein drittes Album. Musikalisch bewegt es sich von Alternativrock zu Indie-Pop mit Vintage-Touch und Singer/Songwriter Energie. Die Gitarren bestimmen den Ton und geben zusammen mit dem Schlagzeug den Rhythmus. Die Sängerin steigert oder senkt die Energie, je nachdem, was nötig ist. Stellenweise kommen auch Pianotöne dazu. Die Songs behandeln Themen wie Verlust, Versöhnung und familiäre Reflexion. Malummi hat ein gelungenes Album aufgenommen, welches eigenständig und eingängig ist.
Fredi Hallauer

Die 16 Sängerinnen des Vokalensembles aus Bern und ihre Leiterin Yaira Yonne-Konishi traten alle einheitlich, inklusive der gleichen Perücke, auf die Bühne und fragten sich: „Wer bin ich?“. So war dann auch das erste Lied: „Du fragsch mi“. Nach jedem Lied veränderten ein paar Frauen etwas an ihrem Outfit und wurden bis zum Ende des ersten Teils, teilweise individuell.

Die Lieder dazu halfen, das waren zum Beispiel „Wes rägnet“ ein ins Berndeutsche übertragener Song von Carole King, oder „And so it goes“ von Billy Joel. „True Colors“ von Cyndi Lauper und „Leon“ von Faber waren die letzten beiden Lieder des ersten Teils. Die Arrangements und die Choreographien waren hervorragend und wunderschön. Die Frauen sangen als Amateurensemble klar und präzise in Intonation und Aussprache. So durfte man auf den zweiten Teil gespannt sein.

Nun kamen die Frauen in schönen, prachtvollen und teils glitzernden Kleidern auf die Bühne. Sie hatten ihre Identität gefunden.

Als erstes Lied sangen sie eine genial arrangierte Version von „The Code“ von Nemo mit teils in die Mundart übertragene Textteile und dem Rap. Den Kreisel deuteten sie mit ihrer Körperhaltung an und sie bewegten sich. Einfach genial, und dieses Lied bekam einen sehr starken Applaus. Sie sangen dann Lieder von Queen, aus Hair und aus Fame bis zu „I am what I am“ aus La cage aux folles.

Dieser Teil war noch beeindruckender. Die Arrangements und Choreographien und die Qualität des Gesangs überzeugten das Publikum, sodass es noch zwei Zugaben bekam. Vor den Zugaben erhielten die Sängerinnen sehr verdient gemeinsam einen grossen Strauss Rosen, für jede eine. Les sirènes überzeugten vollkommen.

Fredi Hallauer
Dies ist das erste Album von Mathieu Urfer als Solokünstler. Der Lausanner Musiker spielte viele Jahre bei Chewy und Honey for Petzi. Er spielt den Country Folk Nordamerikas. Wie er das macht, ist einzigartig. Schon sein Gitarrenhandwerk ist ein Genuss, aber vor allem auch die Melodien und die Leichtigkeit, und doch sind die Songs relativ komplex. In den englisch gesungenen Songs erzählt er Geschichten aus Amerika oder aus seinem Leben und seinen Beobachtungen. Alles fügt sich zu einem erfreulichen Ganzen und es tut gut, diesen Klängen zu lauschen und von einem Amerika zu träumen, als es noch besser war.
Fredi Hallauer
Dimi Rogers ist ein Rockquartett, bestehend aus Frank Dinke (Vocals), Roger Wüthrich (Bass), Jeff Kneubühler (Drums) und Markus Mühlehof (Gitarren). Die vier spielen ehrliche, handgemachte Rockmusik zwischen treibenden Grooves und ruhigen Stücken. Komponist und Texter ist Frank Dinke. Die Songs erzählen genau von dem, was der Albumtitel verspricht, nämlich geerdet bleiben und daran glauben, dass es besser wird. Etwas, was genau heute notwendig ist, um nicht den Mut zu verlieren. Das ist ein Stück aufgestellte Rockmusik, gut bekömmlich und das Richtige für den Alltag.
Fredi Hallauer
Dies ist das zweite Album der Avant Pop Sängerin. Sie produzierte das Album vorwiegend selber, mit Ausnahme von vier Stücken. Diese Stücke wurden von Mike Lindsay produziert. Im Weiteren spielte Arthur Hnatek das Schlagzeug und Jules Martinet den Bass. Andrina Bollinger sang, spielte Gitarre, Klavier und Synthesizer. Die Lieder erzählen vom Innehalten. Es sind kleine Proteste gegen das Tempo der heutigen Zeit, und sie stellen die Fragen, die aus dem Innehalten entstehen. Was ist, wenn ich nicht mitgehe, dreht sich die Welt dann ohne mich, und weitere solche Fragen. Das Album ist glasklar produziert. Musikalisch macht es uns Andrina Bollinger nicht nur einfach. Da werden Avantgarde Pop mit Jazz vermischt und das manchmal fast bis zum Postpunk getrieben. Wenn man den Zugang gefunden hat, wird es ein sehr attraktives Album voller guter Musik.
Fredi Hallauer
Das Genfer Quartett debütiert mit einem Album, welches aus dem Dunkeln kommt und trotzdem Lichtblicke gibt. Es handelt von Schmerz, Entfremdung und Trauer, macht aber Mut und gibt Hoffnung. Sie untersuchen mit jedem Song eine andere Art von Macht und hinterfragen sie. Der Sound hat die kühle Ästhetik der 80er Jahre und die wurde opulent und modern produziert. Schon nur die grosse Baritonstimme des Sängers ist es wert, dieses Album anzuhören. Diese Klänge wirken befreiend. Lone Assembly singen englisch. Dies ist kein düsteres Album, sondern Musik aus der Tiefe.
Fredi Hallauer

Die Rote Zora sind drei Frauen, welche Naturjutz und Bergrufe jodeln. Dazwischen singen sie auch andere Sachen, aber das später. Die drei Frauen sind Christine Lauterburg (Jodel, Gesang, Daumenklavier, Örgeli), Barbara Berger (Jodel, Gesang, Shrutti Box) und Natalie Huber (Jodel, Gesang und Ukulele). Die Instrumente wurden jeweils nur einmal gespielt, sodass es ein A-cappella-Konzert war. Mit unterschiedlichen Trachten bekleidet gab das Trio ein schönes Bild ab. Nach ein paar herrlichen Jodeln, alle dreistimmig, aus der Schweiz, sangen sie ein irisches Volkslied, welches von einem österreichischen Jodler in einen Jodel umgeschrieben wurde. Dazwischen sangen sie ein italienisches Volkslied und den Heimetvogel. Dann lief ein gemässigter Elektrosound und die drei Frauen tanzten dazu.

Nach der Pause startete Natalie Huber mit der Ukulele und einem Westernsong mit Jodel. In Georgien wird ebenfalls gejodelt, und so sangen die Rote Zora einen solchen Jodel, welcher andere Vokale benutzt. Die Titelmelodie der Fernsehserie Die Rote Zora verwandelten sie ebenfalls in einen Jodel.

Das ergab einen sehr abwechslungsreichen Abend mit Gesang und Jodel auf sehr hohem Niveau, aber auch Humor. Als Zugabe durfte das Publikum beim Jodel mitsingen und da waren einige Stimmen darunter, die das perfekt konnten. Es klang grossartig, so wie der ganze Abend war.

Fredi Hallauer