DÄNU EXTREM

EP: „Eifach so“ (DeXrecords)

Dänu Extrem kann es nicht lassen weitere Lieder zu machen, und das ist gut so. Er ist immer noch einer der sehr gut erzählen kann in seinen Mundartlieder. Der Liederschreiber, Musiker und Mundartrocker macht noch wirklichen Rock mit genügend Dreck darin. Seine Lieder haben Ohrwurmcharakter, da er uns die wichtigen Sätze immer und immer wieder singt, mit Melodien welchenur so reingehen. In seinen alten Tagen setzt er sich noch immer mit der Liebe auseinander, aber auf unübliche Art packt er das Thema an. Auch an Treffen mit Kollegen wagt er sich und hält das ewige „Lire“ nicht mehr aus. „Verloore“ geht ums Verlieren sei es im Fussball oder im Leben. Die Musik ist erfrischend mit heissen Gitarrenriffs udn vielen akustischen Instrumenten eingespielt. Eine EP die zum Besten von Dänu Extrem gehört.

Fredi Hallauer

MEIRA LOOM

Album: „Letting Go“ (Groove Factory)

Die Berner Singer/Songwriterin mit asiatischen Wurzeln zeigt auf ihrem Debütalbum die Vielseitigkeit ihrer Stimme und noch viel mehr. Aber beginnen wir bei ein paar genaueren Beschreibungen. Meira Loom erzählt in ihren jazzig, souligen, selbstgeschriebenen Songs (eine Ausnahme) vom Aufbruch, der Schönheit des Wassers aber auch von dessen Tiefe, von Selbstwert und einigem mehr. Da sie das meiste mit ihren Instrumenten in ihrem Studio aufgenommen hat ist nichts überinstrumentiert und ihre Stimme kommt mit allen Facetten zur Geltung. Sie spielt Piano. Keyboard und Perkussion und da und dort kommt ein Cello dazu. Manchmal vervielfacht sie ihre Stimme und bildet einen verspielten Chor, so beim ersten Song. „Nice To Meet You Again“ bringt viel Wärme dank der warmen Facette von Meira Looms Stimme. Bei „There Is Enough“ betet sie eine Art Mantra mit Pianobegleitung mit über zwei Minuten „There is enough for everyone – including myself“. Das verlangt etwas Durchhaltewillen für die HörerInnen. Bei einem anderen Song flippt sie jazzig aus und fordert ihrer Stimme alles ab was nur geht. Wiederum mantraähnlich tönt es auch bei „I Have Always Been“, dort mit mehr Musik unterstützt und der Text variert. Das sind Momente wo man sich fragt, wie passt das in den Rest der Songs dieses Albums. Beim Schlusslied „Aare 5 a.m.“ gibt es sechs Minuten Aarerauschen und nachher kommt dafür ein wunderschöner Hidden Track „Long Distance Call“. Dieses Album ist sehr vielseitig, ja vielleicht da und dort mit einer Seite zuviel.

Fredi Hallauer

DIE AERONAUTEN

Album: „Neun Extraleben“ (Tapete Records/Irascible)

Ja die Aeronauten gibt es noch einmal mit neuen Liedern zu hören und das in alter Frische. Olifr Maurmann starb im Januar 2020. Die Bandkollegen haben sich nach der Trauer und im Lockdown zusammengerauft und die Materialien, welche bereitstanden, da sie ja mit Olifr Maurmann an einem neuen Album gearbeitet hatten, zu einem Album gemacht, nicht zuletzt auch für Olifr Maurmann. Da ist alles zu hören, was man von den Aeronauten kennt, da ein Funken Punk, dort eine gehörige Portion Rock’n’Roll, hier Melancholie und viel Optimismus. Die schrägen Ideen der Texte machen Spass. Etwas wehmütig wird einem wenn man Oli Maurmann singen hört „Mir geht’s gut“ obwohl er Herzprobleme hatte, oder auch im Titelsong, wo er neu beginnt und singt „Jetzt weiss ich wie es geht“. Überhaupt das Thema Aufbruch, wieder aufstehen wenn es einem umhaut und weitermachen, sind die zentralen Themen dieses Albums. Dies ist nach 30 Jahren Aeronauten ein Album das so frisch tönt als wäre es ihr erstes.

Fredi Hallauer

NADJA ZELA

Album: „Greetings To Andromeda. Requiem“ (Patient Records/Irascible)

Die Musikerin aus Zürich verlor ihre Stimme, nachdem unerwarteten Tod ihres Mannes. Sie setzte sich mit Klängen auseinander und schrieb eine Musik zu den Fragen des Todes. Da fand sie die Stimme wieder. Nun ist es ein Rock Requiem von 75 Minuten Dauer geworden. Die Stimmen, nämlich auch die ihrer drei Musiker sind wichtig, egal ob im Vordergrund oder Hintergrund, ob klar oder verzerrt. Gitarrensounds bilden spezielle Klänge, welche auch die Stimmung verbreiten. Der Bass spielt melodiös, das Schlagzeug einfache gerade Rhythmen, dazwischen auch ein bisschen Elektronik, oder zur Stimmung passend ein Harmonium. Gesungen wird vorwiegend Englisch, aber ebenfalls mal Französisch und Mundart. Diese Musik kommt wirklich wie ein Requiem daher, musikalisch spröd, minimal, oft soft aber da und dort auch mal kräftig, vor allem auch das Schlagzeug hat diesen Trauermarsch Beat im Repertoire. Diese Musik kann man nicht wirklich beschreiben, man muss sie sich anhören und das lohnt sich.

Fredi Hallauer

TRUMMER

BUCH MIT CD: „Familienalbum“ (TOURBOmusic/Sound Service)

Trummer hat wiederum ein Buch mit CD herausgebracht. Diesmal geht es um den frühen Tod seiner Eltern, er war als 22 Jähriger bereits ohne Eltern. Am Text hat er vor sieben Jahren begonnen. Es sind 63 gedruckte Seiten Text, ohne die Liedtexte, dazu kommen Bilder dazu von Andreas Gefe. Es ist also ein Gesamtkunstwerk. Für mich war es sehr hilfreich zuerst das Buch zu lesen um die Lieder der CD richtig zu verstehen. Trummer schildert einerseits die Fakten zum Tod und Leben seiner Eltern und dann seine Überlegungen zu Aussagen welche sie machten. Er betrachtet alte Fotos der Eltern und versucht sie zu verstehen, wie sie waren, was sie dachten. Dazu kommen Texte und Schilderungen von anderen Menschen, welche ihre Eltern verloren. In diesem Buch geht es nicht um Mitleid oder Selbstmitleid sondern um Fragen wie bin ich als Partner, als Vater? Es geht um das Leben vor dem Tod.

Das Album enthält vierzehn Lieder zu genau diesen Themen. Wenn es um den Vater geht, spielt ein Blasquartet oder ein Alphorn mit, wenn es um die Mutter geht singt ein gemischter Chor. Sonst sind grandiose Musiker mit dabei wie Valeska Steiner, Nadja Stoller, Sarah Widmer, Lisa Stoll, Samuel Bauer, Andi Hug, Bänz Oester, Norbert Pfammatter und André Pousaz. Die Lieder sind schlicht, Text bezogen und gehen ins Herz. Dieses Buch tut allen Menschen bereits ab 20 jährig gut und sollte Pflichtlektüre werden. Die Lieder hört man dann von ganz alleine.

Fredi Hallauer

ECLECTA

Album: „Open Other Doors“ (TOURBOmusic)

Eclecta das sind die Sängerinnen und Performerinnen Andrina Bollinger und Marena Witcher. Die beiden singen, sprechen, quietschen, schreien und flüstern und spielen selbstgebauten Trigger- Instrumenten, Perkussion, Piano, Gitarre, Trommeln und weiss der Gugger wie vielen andere Instrumente. Stilmässig am einfachsten als Avantgarde Pop oder Art Performance Pop zu bezeichnen. Sie wechseln zwischen Dissonanzen und Wohlklang, zwischen kratzbürstig und lieblich und bei ihren Songs muss man immer mit Überraschungen rechnen. Wer die zwei geniessen will muss es jrtzt tun, denn dies ist ihr letztes Album zusammen als Eclecta, denn wie der Albumtitel sagt, sie öffnen andere Türen. Dieses Album ist HörerInnen zu empfehlen die genau zuhören wollen, denn sonst nerven diese Klänge, und für solche, welche es gerne ein bisschen schräg, schrill und unkonventionell mögen. Wer dies mag hat mit „Open Other Doors“ ein gelungenes Album.

Fredi Hallauer

TIMOTHY JAROMIR

Album: „Hiraeth“ (Vissen Records/Little Jig Records)

Der Zürcher Singer/Songwriter mit englischen und tschechischen Wurzeln setzt sich auf den Songs bei seinem dritten Album u.a. mit seiner Herkunft auseinander. Seine beiden ersten Alben nahm er in Kanada auf, nun will er es in die Schweizer Wohnstuben schaffen und darum war er auch in einem Schweizer Studio. Seine Songs sind rockiger Pop mit einer markanten Stimme, die man sich merken kann, lies einen Wiedererkennungswert hat. Schöne und gemütliche Musik für einen Regentag zuhause.

Fredi Hallauer

DIRTY SOUND MAGNET

Album: „Live Alert“

Das Trio aus Fribourg wollte mit ihrem Psychedelic Rock auf eine Grossbritannien Tour und dort gleich ein Live Album aufnehmen. alles war vorbereitet und dann kam Covid. Die drei gaben nicht auf und nahmen in ihrem Studio ihr Live Programm auf, mit zwei Zuschauern, welche auch gleichzeitig das Filmteam waren. Dirty Sound Magnet live, das sind ihre Songs von den beiden Alben, aber mit anderen Songstrukturen und ausgeprägten Improvisationen, sowohl einzel wie auch als Gruppe. Wer den alten Psychedlik Rock mag wird hier gut bedient. Ausgeprägte Gitarrensoli, Hintergrundsgesänge, wilde Schlagzeugeskapaden mit Rhythmuswechseln und ein solider Bass. Schwachpunkt ist der Leadgesang, da der Sänger keine sehr starke oder charismatische Stimme hat. Dieses kleine Defizit tut aber dem Gesamteindruck des Albums keinen Abbruch.

Fredi Hallauer

FLORIAN SCHNEIDER

Album: „Schangsongs 4“ (www.florian-schneider.ch)

Florian Schneider macht es uns Hörerinnen und Hörer nicht einfach. Was einmal schräge, düstere und unbequeme Geschichten aus dem Baselbiet waren, sind nun sehr dunkle, morbide und unangenehme Gedanken. Die meisten Lieder sind in der Ich-Form getextet. Die meisten Lieder sind destruktiv, da hat er sechs Kugeln im Lauf dort nahm er 800 Liter Nitro mit. Er kann aber auch bitter-süss romantisch sein im „Nacht am Bosporus“ oder „Rose vom Fluehbärgwald“. Deftig erotisch geht es dann im „Chnabeturner“ zu und her. In anderen Liedern geht es um verflossene Liebschaften oder ein schönes Schlaflied für ein Kind. In „Tschinderassa“ geht es dann nocheinmal mörderisch zu. Ja eigentlich sind es viele Lieder in typischer Florian Schneider Art, welche ich auch selber gut mag, aber die etwa drei Lieder sind mir doch zu morbid. Noch etwas zur Musik, die ist wie immer wunderschön. Gespielt wird sie von Roman Bislin am Keyboard und Adam Taubnitz an der Violine.

Fredi Hallauer

OESCH’S DIE DRITTEN

Album: „Die Reise geht weiter“ (Universal)

Die Familienkapelle ist weiter auf Reise, besinnt sich aber stark auf ihre Wurzeln und ihr Heimat, die Schweizer volkstümliche Musik. Diese Musik spielen sie rassig und ziemlich wie sir sie kennen. Akkordeon, Schwyzerörgeli, Gitarre, Kontrabass und Gesang bilden den Klangkörper. Gesungen wird vorwiegend Mundart aber auch mal französisch, spanisch oder englisch. Das Jodeln findet auch seinen Platz. So ist für ein breites Publikum viel Musik dabei. Als Bonus ist das 17minütige Wältenbummler Medley als Liveaufnahme aus Montreux zu hören plus eine weitere Live Aufnahme, die Hymne der Ski Weltmeisterschaft Crans-Montana. Ganz am Schluss noch die Schlagerversion von „Heimat“, welches aber in der Originalversion viel besser gefällt. Das ist Musik für das Herz und die volkstümliche Party, oder besser um selber gut gelaunte durch die Wohnung zu tanzen, da party’s im Moment nicht angesagt sind.

Fredi Hallauer