DEAD MILLY

Album: „Reset“ (Sailing For Peace Record)

Die Zürcherinnen, ja richtig gelesen, das ist eine richtige tolle Frauenband zwischen Punk und Rock, also Frauenpower. Die Frauen mögen nicht mehr schweigen und machen das Maul auf, schreien und singen laut in die Welt hinaus was sie bedrückt, was sie wütend macht. Gitarre, Bass und Schlagzeug, also die klassische Trio Besetzung mit Gesang und Background, alles von den drei Musikerinnen übernommen. Es tönt nicht immer nur brachial, „Lucy“ hat einen sehr verspielten Anfang, der immer wieder kommt, dazwischen ist es aber dann sehr laut und hat Metalelemente. „Clouds“ beginnt wie ein Folksong, mit Folkgitarre, zweistimmigem Gesang und man erwartet dann immer den ultimativen Power, der ist zwar vorhanden aber wird schön langsam aufgebaut und bleibt ein herrlicher Folkrocksong. So gibt es bei Dead Milly viel zu entdecken, zu geniessen oder einfach mit den Frauen die Wut rauszuschreien.

Fredi Hallauer

P FOR PEPSINE

Album: „Thoughts Collide With Stars“ (11 P.M. Records)

P For Pepsine ist eine One Man Band aus Luzern. Die Basis der Songs ist gutes Songwriting, gespielt mit Gitarre. Aber P Ffor Pepsine lässt es nicht damit bewenden er spielt weitere analoge Instrumente dazu. Aber auch das ist noch nicht genug mit digitalen Spielereien und Beats wird die Musik wuchtig und gleichzeitig verspielt. Beim Hören hat man wirklich das Gefühl eine grosse Band hat das Album aufgenommen. Die Stimme hat Charakter und ist wieder zu erkennen. Der leichte nasale Klang ist für einmal kein Nachteil. Dies ist ein verspieltes Album und es macht Spass es anzuhören.

Fredi Hallauer

RODAS

Album: „Rodas“ (R-Tunes)

Rodas ist ein Trio, welches seit fünf Jahren existiert und nun das Debütalbum veröffentlicht. Rodas ist romanisch und heisst Räder. Das Trio besteht aus Corin Curschellas (Gesang, Dulcimer), Patricia Draeger (Akkordeon) und Barbara Gisler (Cello). Bernd Bechtloff steuert als Gast, gelegentlich treibende Perkussion bei. Dieses Album ist ein Meisterwerk, dies sei hier vorweggenommen. Die warme Stimme von Corin Curschellas wird umspielt, verstärkt, in Stimmung versetzt durch das Akkordeon und das Cello. So wachsen die drei zu einem Ganzen, eben einem Trio zusammen. Musik und Texte, Stimme und Stimmung, alles ist Eins. Stilmässig ist es grundsätzlich Folk, zwischen Tango, jazzig, Tarantella, keltisch und Schweiz. Nun zu den Liedern. „Zuckerbäcker“ eröffnet sehr stark. Es geht um die Menschen welche aus Armutsgründen die Schweiz verlassen mussten, und diejenigen, welche von Afrika kommen, wir die gerne nach Afrika gehen, die Umwelt und unser eingebildetes Gebahren mit Subventionen und so. Dann braucht es nur einen Virus und alles steht Kopf. Es folgen romanische Lieder, sehr unterschiedlicher Art, aber grossartig gesungen und gespielt. „Es hed es Schneeli gschnijet“, ein Volkslied wird umwerfend interpretiert. Da kann man ab Akkordeon, Cello und Gesang nur staunen. Das Trennungslied „Bahnhof SBB“ gehört zu den Balladen. Der Kühreihe „Loba Loba“ spricht für sich. Es ist ein Geniestreich dieses Stück nicht als Chor oder Sologesang aufzuführen, sondern in dieser Trio Besetzung. Bei „La Stria Saira Per Saira“ flippen die drei zu Beginn richtig herrlich aus, um dann in eine liebliche Melodie zu verfallen. Nicht so lieblich ist der Text von „A Mim Rhi“. Nein nicht Basel, sondern am Anfang des Rheins handeln diese schaurigen Geschichten. Wie gesagt, dieses Album ist grossartig und bei jedem Anhören entdeckt man neue verzaubernde Harmoniewechsel und viel mehr. Rodas gehört zu sicher auf die Liste, Album des Jahres, obwohl erst April ist.

Fredi Hallauer

MY SISTER BITES

EP: „Sync“ (TOURBOmusic)

My Sister Bites sind die Sängerin Kathrin Furian und der Musikproduzent Lukas Speissegger. Das Resultat liegt fast auf der Hand oder besser im Ohr, es handelt sich hier um Elektropop, der besseren Art. Kastrin Furian hat eine schöne warme Stimme, sofern sie nicht durch den Autotune gejagt wir, was leider ab und zu passiert. Die Produktion ist abwechslungsreich mit ansprechenden Beat, welche auch in die Beine gehen, Nach dem Anhören dieser vier Songs, darf man auf mehr gespannt sein.

Fredi Hallauer

FREDERIK

Album: „Portraits“ (Visage)

Frederik ist keine Einzelperson, sondern eine fünfköpfige Band aus Bern. Zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Synthi und ein Gitarrist singt. In dieser Besetzung kann man viel machen. Frederik macht Dreampop. Ja diese Klänge sind wirklich zum Träumen, man muss aber aufpassen, dass man nicht wegträumt, oder sogar einschläft. Die Beats oder Rhythmusmuster sind ziemlich meditativ und ebenso die sonore Stimme. Gesungen wird englisch und erzählt werden Herzensgeschichten des Sängers. Auf dem Album sind acht Titel mit einer Spieldauer von 32 Minuten. Zugegeben dazwischen hat es mal interessante Akkorde, welche aber durch das restliche Monotone immer wieder zunichte gemacht werden. Vielleicht will Dreampop so sein.

Fredi Hallauer

MILCHMAA

Album: „-muat“ (AINIAC Entertainement)

Der Churer, Rapper mit serbischen Wurzeln und Gymlehrer, veröffentlicht sein zweites Album. Die Texte handeln genau von diesem Spannungsfeld. Da geht es um die Rapper und ihre Musik. Mit seinen in der Schweiz lebenden Landsmännern geht er auch heftig zu Gericht. Das Spannungsfeld, balkanische Wurzeln zu haben und in der Schweiz zu leben und sogar Schweizer werden und dann rechts wählen. Aber jeder Mensch ist bei diesen Texten gefordert, Flüchtlingsfrage, Rassismus und Armut in der Schweiz und vieles mehr. Textlich ist dies ein sehr gesellschaft relevantes Album. Musikalisch nimmt er das Spannungsfeld ebenfalls auf. Neben den Rapbeats klingt Folklore aus dem Balkan mit. Dazwischen sind es dominante schöne Chöre. Bei vielen Songs hat er Gäste mit dabei. Milchmaa ist im Moment der beste Rapper der Schweiz.

Fredi Hallauer

BRUNO SPOERRI

Album: „Le Trio“ (Narrenschiff)

Der Saxophonist Bruno Spoerri spielt zusammen mit dem Violinisten Rainer Hagmann und dem Gitarristen mit der 7-saitigen Gitarre, melodiösen Jazz. Es sind wirklich nur die drei Musiker, kein Schlagzeug, und der Bass übernimmt der Gitarrist. der Violinist hat seine mittels einem Pick-Up verstärkt und kann so die Sound verändern. Die drei spielen Klassiker von Duke Ellington, Ray Henderson, Herbie Hancock, Django Reinhardt, Antonio Carlos Jobim (2 Titel), George Gershwin und Jimmy Hugh dazu zwei Eigenkompositionen von Bruno Spoerri und drei weitere Stücke von weniger bekannten Komponisten. Mit dieser Trio Besetzung tönt die Musik vielseitig. Django Reinhardt und auch Antonio Carlos Jobim kommen ebenso zur Geltung wie Gershwin oder Ellington. Die Arrangements sind schlicht und die Melodie und Improvisation steht im Vordergrund. Nie sind die Improvisationen ausufernd, man könnte jeweils noch länger zuhören. Dies ist ein schlichtes, aber grossartiges Album dieser drei Musiker.

Fredi Hallauer

DOPPELBOCK MIT CHRISTINE LAUTERBURG

Album: „Froh & Roh“ (Narrenschiff)

Das Quartett Doppelboc, wie immer verstärkt mit Christine Lauterburg erfreut uns wieder mit Schweizer Folk. Zu hören gibt es Volkslieder und Jodellieder wie auch verschiedene Tänzli. Doppelbock verstehen es wie immer den Volksliedern wie „Guggisberglied“ oder „Chirscheli“ die zu wehmütigen Akkorde zu nehmen oder die Rhythmen zu ändern, so dass diesen Liedern die Schönheit bleibt, aber die Heimatklänge zu wehmütig und fast unerträglich sind. Christine Lauterburg singt verschiedene Jodellieder von Jakob Ummel, welcher ihr persönlich sagte, sie darf seine Lieder immer singen und sie so interpretieren wie sie will. „S Stärnli“ von Artur Beul ist ebenfalls eine Perle auf diesem Album. Dazu kommen auch Eigenkompositionen oder „Psatzigsmärschli“ ein Amtseinsetzungsmarsch aus dem Bündnerland. Ja es gibt wirklich viel zu entdecken. Alle Musiker bekommen ihren Platz, so können Matthias Lincke an Geige und Cello, Simon Dettwiler an den Örgeli, Dide Marfurt an Halszither, Drehleier, E-Gitarre, Sackpfeife und Trümpi brillieren. Dies gelingt auch den Gastmusikern Matthias Härtel am Kontrabass und Nyckelharpa und Elias Menzi am Hackbrett. Christine Lauterburg spielt natürlich auch das Langnauerli, Geige und Bratsche und einzelne der Musiker singen ebenfalls. Das ist ein wunderschönes Folkalbum an dem ich keine Schwäche ausmachen kann.

Fredi Hallauer

LINTHER

EP: „Linthers Quell“

Linther ist eine Band mit Bläsern, Streichern, BackgroundsängerIn, Gitarren, Bass und Schlagzeug um den Musiker Markus Stadelmann aus dem Kanton Glarus. Die Band macht wunderschöne Mundartpop Songs, sicher geprägt von den grossen Vorbildern wie Polo Hofer, Patent Ochsner, Zürich West. Er erzählt Geschichten aus der Schweiz und der Liebe. Er ruft aber auch auf zum Nichtaufgeben. Die Lieder und die Musik gefallen sehr und auf das nächstes Jahr geplante Album darf man gespannt sein.

Fredi Hallauer

MoeZart

Album: „Z.A.U.J. (Equipe Music)

Der Musiker aus dem Kanton Bern ist schon länger in der Rapszene bekannt, aber erst jetzt kommt sein Album. Hier geht es aber weder nur um Rap oder nur um Mundartsongs, es geht um beides. MoeZart versteht es Rap und Mundartsongs miteinander zu verschmelzen ohne bekannte kommerzielle Wege einzuschlagen. Die Musik wir von Elektronik aber auch von Gitarre und anderen handgespielten Instrumenten geprägt. Die Lieder erzählen aus dem Leben. Der Albumtitel sagt dfas bereits, den Z.A.U.J. heisst nicht anderes als „Zwischen Alt und Jung“. Als Vater weiss er von was er singt und die Texte tönen wirklich erwachsen. Vielleicht hat es etwas viel Auto-Tune auf der Stimme, aber es ist ein Debüt das aufhorchen lässt.

Fredi Hallauer