SECONDHAND ORCHESTRA

Live: „Sgt. Pepper“ im Das Zelt Bern am 14. Dezember 2019

Bild Fredi Hallauer

Das Secondhand Orchestra besteht aus Roman Riklin, Daniel Schaub, Adrian Stern und Frölein Da Capo und als eingespielte Sprechstimme kommt noch FM dazu (Francois Mürner). Sie begannen 50 Jahre nach der Veröffentlichung des Beatles Albums „Sgt. Pepper Lonely Heart Club Band“, d.h. vor zwei Jahren. Nun gab es endlich die Möglichkeit sie in Bern zu sehen. Die drei Musiker und die Musikerin spielten alle sozusagen alle Instrumente. Frölein Da Capo blies noch das Tenorhorn und die Trompete zusätzlich. Das Konzert ging nach einer Einführung über diese Zeit und die Beatles, einem Intro sozusagen von FM mit Musik des Secondhand Orchestras genau Track für Track durch. Alle Beatles Songs waren in Mundart, sinngemäss und aussagemässig übersetzt und adaptiert mit gewissen Freiheiten. Zwischen den eigentlichen Tracks spielten sie eigene Sachen, welche von der Zeit, der Musik oder den Beatles handelte. FM erzählte sonderbare Geschichten oder stellte die Fragen zusammen welche alle im Zusammenhang mit den Beatles und dem Album entstanden. Das Ganze wurde wunderbar visualisiert. Bei „Luzy im Himmel mit Glitzerstei“ zeichnete Frölein Da Capo während dem Singen. Ein andermal wurde ein Puppenhaus eingesetzt direkt bespielt und gleichzeitig gefilmt und auf die Leinwand übertragen. Aber auch andere tolle Ideen gab es zu sehen. Das ganze Programm hatte Witz, wurde sehr gut gesungen und gespielt und wie gesagt auch gut dargestellt. Zuviel soll hier nicht verraten werden sonst kommen die verschiedensten guten Überraschungen nicht mehr überraschend. Es lohnt sich dieses Programm zu sehen.

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Fredi Hallauer

WALTER LIETHA

Live: In der La Cappella am 13. Dezember 2019

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Walter Lietha trat seit vielen Jahren wieder in Bern auf. Er ist ein Mundartliedermacher der ersten Stunde. Nach Mani Matter, den Berner Troubadouren und anderen Värslischmieden, und Tinu Heiniger, sang in Basel Aernschd Born und in Chur der Walter Lietha in Mundart als Liedermacher. (Nein ich habe den Bärner Rock nicht vergessen). Walter Lietha wurde recht schnell populär, er hatte dann auch die Im Boden Bänd, und er wurde gewissen Leuten plötzlich zu kritisch oder zu politisch, so während den Jugendunruhen in Zürich in den 80igern. Dann verschwand er von der Bildfläche, tauchte mit Echo und anderen Formationen wieder auf. Seine Lieder sind immer noch sehr präsent und das La Cappella war sozusagen ausverkauft. Walter Lietha war Solo zu hören wie früher. keine der drei Gitarren war eingesteckt, er hatte das Mikrofon vor der Gitarre. Sein filigranes, vielseitiges Gitarrenspiel, kein Schrumm Schrumm, halfen mit die Geschichten zu erzählen, welche er mit seinen Liedern erzählte. Seine Lieder sind zeitlos und passen genau so wie vor mehr als vierzig Jahren. Wenn er von der Freiheit singt, von der Auflehnung gegen Zwänge, von der Natur zu welcher wir Sorge tragen sollen, von den Kindern, welche die Zukunft sind. So erzählte er in Geschichten aus dem Dorf, von der Grossmutter, aber auch von Träumen, Naturerlebnissen, von Fahrenden und vielem mehr. Viele bekannte Lieder waren zu hören, ein paar neuere, und sonst weniger bekannte aus seinem Fundus. Er schrieb über 100 Lieder. Die Zugaben waren „s’Vreni“ ein wunderschönes Liebeslied und „s’Märli“ eine Schauergeschichte für den Heimweg. Walter Lietha ist schlicht geblieben, seine Stimme war etwas weniger geschmeidig als früher aber es war sehr schön ihm zuzuhören, mit seinen eigenwilligen Phrasierungen und auch Melodielinien. Er versprach noch mehr nach Bern zu kommen.

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Fredi Hallauer

LÄNDLERTRIO WILTI-GRUESS

Album: „20 Wilti Johr“ (Phonoplay/Phono-Vertriebs GmbH)

Aus der Innerschweiz kommen die drei Musiker, zwei Brüder und ein Freund, welche seit 20 Jahren zusammen spielen und das mit einer Energie wie anno dazumal. Die Musik geht richtig los. Da sind Eigenkompositionen wie Volksmusik Klassiker von Kasi Geisser, Toni Bürgler oder Alois Föhn vertreten. Dazwischen gibt es zweimal ein Potpourri, einmal mit Schlagerhits und ein andermal mit Rockklassikern. Als Gäste sind ein Cachon Spieler und ein Gitarrist dabei. Das spannende dabei ist, dass der Gitarrist ein Südfranzose ist, welcher in der Innerschweiz lebt. Das Ländlertrio Wilti Gruess hat also nicht nur die Musik geöffnet, sondern auch andere Nationen einfliessen lassen. Als weiterer Gast spielt Elisabeth Rütimann-Enderlin das Hackbrett bei verschiedenen Stücken, so auch beim Rock-Medley. Diese Musik macht Spass, hat Drive und vor allem wenn sie noch Bödele ist das ein grosses Fest. Ein aufgestelltes Volksmusik Album.

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PHILIPP FANKHAUSER

Album: „Let Life Flow“ (Sony Music)

Ja Philipp Fankhauser macht es uns nicht einfach mit seiner Musik. Zum einen ist es gewohnt, schöner, solider, melodiöser und souliger Blues wie wir ihn von ihm kennen. Alles auf hohem Niveau gespielt und gesungen. Es sind Kompositionen darunter bei welchen er mitbeteiligt war, dann eine von Johnny Copeland und ein paar Klassiker. Als Musiker fungiert seine erfahrene Band plus Studiocracks aus den USA, welche auch bei früheren Alben schon dabei waren. Das alles rechtfertigt sicher den Kauf dieses Albums, da es purer Genuss ist. Nun singt da der Philipp Fankhauser plötzlich italienisch, ein Lied von Lucio Dalla. ja es ist eine eigene Interpretation, aber trotzdem fällt sie aus dem Rahmen des Albums, wirkt wie ein Fremdkörper. Wenn dieses Canzoni am Schluss gekommen wäre, ok. Darauf folgt „Chasch mers gloube“ von Hanery Amman. Da tönt die Interpretation nicht so weit vom Original entfernt und die Frage stellt sich, musste dieses Lied auf das Album, es gehört eher auf ein Tribute Album. Nach diesen beiden Fremdkörpern folgen wieder Songs und Blues wie wir sie von Philipp Fankhauser gewohnt sind. Also bitte richtig verstehen, dies ist ein schönes und gutes Album von Philipp Fankhauser mit Überraschungseffekt.

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ESCAPE ARGOT

Live: Albumtaufe „You.Me.Them“ im BeJazz Bern am 12. Dezember 2019

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Das Trio startete mit einem sehr ruhigen Stück und faszinierend sauberen Saxophontönen. langsam setzte dann der Schlagzeuger ein und der pianist ebenfalls. Die Rede ist vom Schlagzeuger, Komponisten und Bandleader Christoph Steiner, dem Mann am Piano und Moog, Florian Favre und dem Saxophonisten Christoph Grab. Das ist eines der aktuell faszinierendsten Jazztrio in unserem Land. Die Stücke wurden dann immer wilder, ungestümer mit leisen Tönen dazwischen und setzten sowohl bei den Musikern als auch beim Publikum positive Emotionen frei. Es war eine pure Freude zu sehen und zu hören wie die Trommelstöcke wirbelten, auf und ab und von einem Schlaginstrument zum anderen. Der Pianist spielte oft unscheinbar aber sehr intensiv, dazwischen aber legte er los, manchmal in der Richtung von repetitiven Mustern. Der Saxophonist hielt die Melodie die es sehr oft gab und er variierte sie, glitt aber nicht in kopflastige Improvisationen ab und trotzdem war sein Spiel spannend. Wer gerne Schlagzeug hat und sich nicht von jazzigen Tönen abschrecken lässt sollte diese Band nicht verpassen.

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Fredi Hallauer

TRUE

Live: Albumtaufe „Made Of Glass“ im Be-Flat Turnhalle Bern am 11. Dezember 2019

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Das Duo Daniela Sarda und Rico Baumann, zusammen True, wurden live von einer Bassistin, einem Gitarristen und einem Keyboarder unterstützt. Alle bedienten noch Elektronik und auch Backgroundgesang. Das Konzert begann eher mystisch und träumerisch, wallte dann im ersten Song bereits auf mit Soundmauern und Rhythmus um wieder im träumerischen zu Enden. Die Songs wurden dann immer popiger und dazwischen drehte sich auch die Discokugeln. Ein zentraler Song war das Lied, welches die Sängerin Daniela Sarda als Therapie braucht und weiter empfiehlt, nämlich dass man für Andere da ist, so lässt sich eigenes Leid verarbeiten. Dieser Song wurde nicht nur eindrücklich gespielt, sondern auch schön visualisiert. Die ganze Band spielte einzigartig. Es war nicht einfach öder Elektropop, da handgespielte Instrumente eine wichtige Rolle in der Musik spielten. Die Bassistin schaffte trickreiche Bassläufe und Rhythmen mit ihrem trockenen, satten Bass, der Gitarrist setzte viele Sounds ein und brillierte ohne zu solieren und auch der Keyboarder überzeugte. Rico Baumann am Schlagzeug verband elektronische Pad mit dem analogen Schlagzeug und mit seinem trickreichen Schlagzeugspiel entstand spannende Musik. Es war auch eine Freude ihm zuzusehen und zuzuhören. Die kleine Sängerin Daniela Sarda liess ihre Stimme in den höchsten Tönen jubeln, dann mit Effekten zu einem ganzen Chor werden oder sehr fein, aber präsent die Trommelfelle zu kitzeln. Es war ein grossartiges Konzert.

Fredi Hallauer

LIAM MAYE

EP: „Overthinker“

Der Berner Sänger und Produzent hat sich eine EP mit vier Songs geschenkt. Purer Pop mit einer schönen Stimme, welche für einmal nicht so verändert wurde dass sich einem die Gehörgänge biegen. Sauber produziert und gehörig langweilig. Dazu kommt, dass eine Spoken Word Nummer dabei ist, welche das ganze noch auseinander reisst, aber nicht interessanter macht. Eine eher unnötige EP.

Fredi Hallauer