ANDY TRINKLER

Album: „Drive On“ (www.andytrinkler.ch)

Der Berner präsentiert und mit seinem achten Album schönen Singer/Songwritermusik. Alles ist handgemachte Musik mit viel Gitarren, aber auch die Hammondorgel kreischt dazwischen hinein und natürlich ein easy Beat mit Bass und Schlagzeug. Er singt mit seiner angenehmen und souveränen Stimme, Geschichten von der Strasse. Er erzählt seinen Roadmovie, manchmal mit Augenzwinkern. Alles ist schön Laidback angerichtet zwischen Americana, Folk, Rock und da oder dort ein Schlücklein Blues. Andy Trinkler gehört wirklich seit Jahrzehnten zur Schweizer Musikszene und versteht es immer noch tolle Musik zu machen. Mit einer Ausnahme sind es alles Eigenkompositionen. Die Ausnahme ist Levelland von James McMurtry. Dies ist Musik die der Seele gut tut, ein bisschen Frühling dazu.

Fredi Hallauer

ADRIAN SIEBER

EP: „No Other Love“ (Some Of My Best Friends Are Songs/Phonag)

Der Sänger der Lovebugs wandelt wieder einmal auf Solopfaden. Er versucht neue Wege für sich und somit ist klar, mit Lovebugs haben die fünf Songs nichts zu tun. er spielt eine Mischung aus Elektropop, New Wave und Trap. Diese Sound tönen, vor allem im Song „Tightrope“ rhythmisch sehr abenteuerlich. Manchmal wie beim Titeltrack ist es einfach radiogängiger Pop. Schade ist, dass er auch seine Stimme nicht mehr tönt wie bei den Lovebugs, somit wird der ganze Sound doch auch etwas normales, sowie alle die Anderen. Diese EP von Adrian Sieber löst doch etwas Unsicherheit aus, in Bezug was soll das, ist es Popmusik oder etwas wirklich Neues. Eingeschlagen hat sie bei mir nach dreimaligem Anhören nicht, aber vielleicht kommt es noch.

Fredi Hallauer

OPEN SEASON

„Rock Steady“ Albumrelease Party in der Mühle Hunziken am 21. Februar 2020

Bild Fredi Hallauer

Es sei vorweggenommen, ein Album gibt es nur Digital oder Online und das Vynil kommt noch, aber erst später. Aber das ändert nichts an der Sache, dass die Berner Band Open Season eine Release Party in der Mühle Hunziken machte, und das ihr erstes rechtes Konzert seit vier Jahren war. Man merkte es der Band an, dass sie eine lange Konzertpause hatten, denn sie waren so richtig heiss auf das Spielen. So starteten sie gleich ein Feuerwerk mit ihren Hits und den neuen Songs ab dem neuen Album „Rock Steady“. Sie standen zu acht auf der Bühne, wie immer mit der vollständigen dreiköpfigen Bläsersektion, welche so richtig Dampf machten, aber auch Melodieteile übernahmen. Der Sänger Santosh war gut drauf und bot eine gute Show mit kurzen witzigen Ansagen und ein paar Publikumanimationen, welche gut ankamen. Selbstverständlich fehlte auch der Berner Propeller nicht, bei dem alle etwas über dem Kopf schwingen mussten, von der Jacke bis zur Krücke war vieles zu sehen. Die Musiker verstehen ihr Metier und so groovte der Sound gehörig und Jeder und Jede gab nicht nur das Beste sondern Alles.

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Nach guten eineinhalb Stunden war die Band erschöpft und das zahlrich erschienene Publikum auch. Es war eine grosse Party und man darf sich freuen, Open Season werden einige Festivals spielen und auch Clubkonzerte.

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Fredi Hallauer

DACHS

Album: „Zu jeder Stund En Vogelgsang“ (Mouthwatering Records)

Das Ostschweizer Duo Dachs bezwitschert uns mit hren Kopfstimmen und ihrem zweiten Album. Die Musik ist witzige und intelligente Elektronik mit rockenen und tanzbaren Beats, welche aber trotz Kopfstimmengesang dem Gesang genügend Platz einräumen so dass der verständlich ist und bleibt. Das ist auch wichtig so, denn diese trockenen Erzählungen aus der Provinz haben es in sich. Ein Loblied auf Beat Breu (denn Velorennfahrer), über den Schlagzeuger der aus der Band flog, oder die Betrachtung einer Familienfoto mit einem Mann darauf, den niemand kennt. Es gibt hier zehn perlen zu entdecken und das sollen alle selber machen, welche intelligente Popmusik mit guten Mundarttexten lieben und nicht auf Mainstream setzen.

Fredi Hallauer

THE NIGHT IS STILL YOUNG

Album: „She Wants Us To Leave“ (Radicalis Records)

Der Musiker Marco Naef, so heisst The Night Is Still Young wirklich, hat bereits wieder ein neues album aufgenommen. Intelligente Popmusik, lebendig, bewegt aber ohne Bumbum zeichnet sie aus. wichtiger sind natürlich die Texte. Sie sind fein und ironisch, aber nicht sarkastisch irgendwo zwischen Nick Cave und Neil Young. Der Albumtitel handelt nicht etwa von der Geliebten die will dass wir gehen, sondern von der Erde. Hier hört man schon diesen ironischen Ton. Ein anderer Song heisst „There She Goes Our Beautiful World“. Ja The Night Is Still Young singt uns da pre-apokalptische Popsongs aber von Herzen und ohne Angstmacherei und Dramatik.

Fredi Hallauer

JULIA HEART

EP: „Nashville Session“ (Little Jig Records)

Die Luzernerin ist kurz nach der Veröffentlichung ihrer selbstbetitelten EP nach Nashville gegangen und hat dort Musikerkollegen um sich geschart und in nur einem Tag diese wundervolle EP aufgenommen. Es sind nur akustische Instrumente zu hören wie Mandoline, Geige, Kontrabass und Gitarre. Entstanden sind vier akustische Songs zwischen Americana und Folk mit leichtem Country Touch. Selbstverständlich sind die Songs und die Stimme von Julia Heart, welche diese Musik so speziell machen. Die ausdrucksstarke Stimme der Luzerner Sängerin erzeugt weiterhin Hühnerhaut. Es sind schlichte Songs aber durch die Interpretation der Musiker und der Sängerin wirken sie ganz gross. Diese Songs sollte man öfter im Radio hören.

Fredi Hallauer

GWENDOLYN MASIN & YILIAN CANIZARES

Live: „Cocktail für die Musen“ im Casino Bern am 15. Februar 2020

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Zum Zweitenmal lud die hervorragende Violinistin, Gwendolyn Masin, Musiker verschiedener Genres ein und natürlich das Publikum für einen Cocktail für die Musen. Diesmal waren es folgende Gäste: Yilian Canizares (Violine, Gesang), Caspar Voss (Piano), Childo Tomas (Bass) und Inor Sotolongo (Perkussion). Es war nicht nur eine Begegnung verschiedener Musikstile sondern auch verschiedener Kulturen. Caspar Voss kam aus Holland und ist klassischer Pianist, welcher das Erstemal bei so einem Projekt mitmachte, Yilian Canizares ist Kubanerin, Klassikerin, Jazzerin und Afro-kubanische Musikerin, Inor Sotolongo ist Kubaner, Klassiker und Weltmusiker und Childo Tomas kommt aus Mozambique und ist Jazzer.

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So endete der Abend nach zwei Stunden Musik. Wie schmeckt nun das Cocktail im Abgang? Es war mutig von Gwendolyn Masin diese MusikerInnen einzuladen. Die Stilarten und Kulturen sind nicht verschmolzen, was wahrscheinlich sowieso ein zu hoher Anspruch ist, aber gerade der Pianist Caspar Voss und Yilian Canizares haben Brücken gebaut. Das Programm war auch schon eine Brücke, da viel von Komponisten gespielt wurde, welche andere Phrasierungen, Rhythmen und auch Dissonanzen nicht fürchteten und diese MusikerInnen heute Abend fürchteten auch nichts und hatten Spass miteinander zu musizieren.

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Fredi Hallauer