FLEX FAB & MANU KANN

EP: „360°“ (NSK Music)

Der Komponist und Produzent Flex Fab hat sich mit dem Rapper Manu Kann zusammengetan. Dabei kamen vier treibende Raps heraus. Die Musik von FlexFab ist vertrackt und doch tanzbar, verspielt und doch klar. Die Texte von Manu Kann sind messerscharf, sein Flow rasend und ebenso verspielt wie die Musik. Manu Kann rappt Französisch. Eine spannende EP der zeitgemässen Popmusik.

Fredi Hallauer

HERMANOS GUTIERREZ

Album: „Los Ojos Del Condor“ (Universal Music)

Das Schweizer Brüderpaar spielt einfach Gitarren und das auf hohem Niveau. Das neue Album sind viele Klangbilder, beeinflusst durch eine Reise durch die Länder der Indios. Aber hier geht es trotz des Titels und des Covers nicht um die Indio Folklore. Hermanos Gutierrez lassen Bilder entstehen, erzählen Geschichten mit ihren Instrumenten und nehmen die Hörer:innen auf ihre Klangreise mit. Die beiden spielen verschiedene Gitarren, meist akustische Gitarren mit Nylonsaiten plus die Lap Steel. Dazu kommt auch mal ein Charango, oder ein Bass. Weitere Musiker übernehmen die Perkussion und die Orgel. Dabei entsteht kein Flitzefinger-Gitarren Wettkampf, nein, es ist einfach Instrumentalmusik. Durch die Lap Steel kommt etwas Psychedelisches hinein, etwas Wehmütiges oder das Gefühl der Weite. Diese schöne Musik kann man kaum umschreiben, man muss sie sich einfach anhören.

Fredi Hallauer

ROBERTO BRIGANTE

Live: „24 Jahr Jubiläum“ im Hotel Seepark Thun am 17. Oktober 2026

Der italienische Cantautore aus Thun feierte sein 24. Bühnenjubiläum im Hotel Seepark Thun mit einem gut gelaunten Publikum. Er trat mit einer dreiköpfigen Band, Gitarre, Bass, Perkussion auf. Nach zwei seiner Lieder wurde ihm ein Ballon mit Widmung überbracht und darauf folgte Grossi (vormals bei Bagatello) als Louie und hielt eine Laudatio, die einerseits informativ, andererseits aber auch sehr witzig und lustig war. Roberto Brigante brachte das Publikum schnell zum Mitsingen und Mitklatschen. Das gelang ihm bei seinen eigenen Titeln schon hervorragend. Als er dann vor der Pause „Marina“ und „Bella Ciao“ anstimmte, brachen die Dämme endgültig. Nach der Pause ging es zuerst mit Cover weiter. Es folgten dann die bekannteren Lieder von Roberto Brigante. Der Cantautore wirkte sehr sympathisch und auch musikalisch gab es an diesem Konzert keine Schwachpunkte. Ein herrlicher italienischer Abend.

Fredi Hallauer

MICHAEL VON DER HEIDE

EP: „Michael von der Heide singt Knef live“ (IGroove)

Nach seinem Studioalbum mit Liedern von Hildegard Knef und der ersten Tranche der Tour dazu veröffentlicht der Chansonnier eine EP mit fünf Liedern von Hildegard Knef, live aufgenommen. Zwei der fünf Lieder, nämlich „Illusionen“ und „Die Herren dieser Welt“ sind das erste Mal von ihm aufgenommen worden. Im Lied „Die Welt ging unter am Zürichsee bei 30 Grad im Schatten“ spielt Lukas Thoeni ein grandioses Trompetensolo. Sonst wird Michael von der Heide von seiner hervorragenden Band begleitet. Neben den erwähnten Liedern sind noch „Ich zieh mich an und langsam aus“ und „Für mich solls rote Rosen regnen“ zu hören. Dies ist eine vielseitige Auswahl von den oft doppelbödigen Liedern von Hildegard Knef.

Fredi Hallauer

SARAH CHAKSAD „AMELIA“

Live: BeJazz Club am 15. Oktober 2026

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Sarah Chaksad spielte das erste Konzert mit ihrer neuen Band „Amelia“ und dazu noch meistens neue Kompositionen. Auf die Bühne traten Sarah Chaksad (Saxophone), Fabian Willman (Bassklarinette und Saxophon), Andreas Tschopp (Posaune), Espen Berg (Piano), Lukas Traxel (Kontrabass) und Eva Klesse (Schlagzeug). Das erste Stück begann leise mit einem Dreiklang, der sich dann veränderte und im Freejazz sich auflöste, bevor er sich wieder im harmonischen Schlussteil fand. Wer jetzt meinte, das sei ein Abend mit viel Freejazz, der lag falsch, denn das Programm war sehr vielseitig.

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Es gab viele spannende Duette an diesem Abend, wie Posaune und Schlagzeug, Sopransaxophon mit Kontrabass, aber auch Zwiegespräche der Instrumente. Spannend war auch das Stück „Black Raven“, das von den Raben vor dem Fenster an einem nebligen Tag, inspiriert wurde. Das Schlagzeug erzeugte die dunkle, mystische Stimmung mit Basstrommel und Becken, die anderen Instrumente kamen nur sehr langsam dazu und die Stimmung verdichtete sich.

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Ein Choral im Stile von Sarah Chaksad bildete den Abschluss des ersten Teils.

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Der zweite Teil startete mit einem Stück, welches harmonisch an Jazz aus Südafrika erinnerte. In „Between Worlds“ versuchte Sarah Chaksad, die Stimmungen aufzunehmen, welche in einem Haus mit einem persischen Vater und einer Entlebucher Mutter entstanden. Die riesige Fülle, das Leben, aber auch das Knorrige des Entlebuchs und die Spannungen und Dissonanzen waren gut zu hören.

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So gab es viele sehr spannende Stücke an diesem Abend und, wie bereits geschrieben, eine enorme Vielseitigkeit. Alle Musiker:innen waren grossartig und brillierten in den Soli und im Zusammenspiel.

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Die Schlagzeugerin hob sich hervor, durch ihr perkussives Spiel mit vielen verschiedenen Klängen, welche sie aus ihrem Instrument herausholte. Dies war eine gelungene Saisoneröffnung und ein toller Start für diese grossartige Band.

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Fredi Hallauer

BILLIE BIRD

Album: „La lumière sans fin des étés“ (Mouthwatering Records)

Nach mehreren EP’s und dem Debütalbum, ist dies das zweite Album der Musikerin Billie Bird. Die als Kind aus Spanien geflüchtete Gitarristin und Sängerin singt vorwiegend Französisch und etwas Spanisch auf diesem Album. Ihr Thema ist die Liebe, die Geborgenheit im Leben. Die Lieder sind autobiografisch und sogleich auch universell. Musikalisch bewegt sich Billie Bird im Bereich Indie Folk. Das sind Lieder zum Zuhören. Ein Teil der Lieder ist etwas sperrig, andere sind Ohrenschmeichler. Gerade diese Unterschiede machen dieses Album interessant. Die hohe und klare Stimme von Billie Bird bringt etwas im Körper zum Schwingen.

Fredi Hallauer

SOLONG

EP: „When The Night Hits“ (Mouthwatering Records)

Die Schweizer Gitarristin, Komponistin und Sängerin ist mit einer neuen EP am Start. Sie besingt ungewöhnliche Liebe, mit ihrer warmen Stimme. Die Musik ist Alternativ Pop mit viel Lounge Einfluss. Vier Songs zum Zuhören, mehr nicht.

Fredi Hallauer

RUMPELSTOFF

Maxi-Single “Kama Sutra” (Zytglogge Verlag)

Vor 50 Jahren erschien das Album „Füüf Narre im Charre“ von den Rumpelstilz. Anlässlich dieses Jubiläums hat Rumpelstoff, verstärkt durch ein Streichertrio, drei Lieder aufgenommen, nämlich „Teddybär“, „Uf däm länge Wäg“ und „D’Rosmarie und i“. Alles ganz tolle Songs, die alle mitsingen können und in der Vergangenheit schwelgen. Die Maxi-Single wurde von Thomas Fessler, top produziert. Die Arrangements wurden nicht Rumpelstilz nachempfunden, also alles leicht moderner ohne Synthies. Man muss das Original aus dem Kopf ausblenden, dann ist es tolle Musik, nur es bleiben einfach Cover.

Fredi Hallauer

EAST SISTER

Album: „Road My Bird, Waving Back“ (Red Brick Records)

East Sister ist ein Indie Pop Trio aus Luzern. Ihre Musik basiert auf Gitarre, Keyboard, Schlagzeug und zwei Frauenstimmen von der Gitarristin und der  Keyboarderin. Die Songs sind eher ruhig gehalten, mit zwei oder drei Ausnahmen. Auf das erste Hören tönen sie wie viele der Indiepop Bands. Wenn man aber genau hinhört, wird man durch viele ausgearbeitete Details verblüfft. Das eine sind die ausgetüftelten Arrangements der Singstimmen, die Harmoniewechsel und  die speziellen Phrasierungen. Das Keyboard spielt ebenfalls interessante Passagen. Ein gelungenes Album für ruhige Momente.

Fredi Hallauer

MAR.DI

EP „Coco Limón“ (CA Records)

Mar.Di ist eine fröhliche Band. Das Quartett spielt auf dieser EP sechs Popsongs zum Tanzen. Stilmässig ist es moderner Elektropop. Gesungen wird Englisch. Obwohl der Titel der EP es vermuten lässt, geht es hier nicht um tropische Klänge, sondern um Musik wie einen erfrischenden Drink, um den Sommer zu verlängern.

Fredi Hallauer

LA SIRENA

Album: „The Sorceress Dreaming“ (TOURBOmusic)

Die Singer/Songwriterin war früher unter dem Namen Linah Rocio unterwegs. Sie ist Chilenin und wuchs in der Schweiz auf, lebte an verschiedenen Orten, auch in London. Dieses Album hat seinen Ursprung in England. Es handelt von Leidenschaft in den verschiedensten Belangen. Diese Leidenschaft kommt hervorragend zur Geltung. La Sirena pflegt ein expressives Pianospiel mit viel Magie. Das Zauberhafte klingt auch in ihrer berührenden Stimme wieder. Neben dem Gesang sind noch ein Schlagzeug, und gelegentlich ein weiteres Instrument wie E-Gitarre, Flügelhorn oder ein gestrichener Kontrabass zu hören. Dieses Album hat einen massiven Touch, nicht zuletzt dank dem Gesang von La Sirena, und Seele hat es ebenfalls. Soul Jazz ist eine gute Schublade, um diese Musik einzuordnen, für diejenigen, welche eine Schublade benötigen. Ein lohnendes Album zum Zuhören.

Fredi Hallauer

ANNA MAE

Album: „Sole Traveller“ (Bandcamp)

Die Luzernerin Anna Mae reist aus Leidenschaft und sieht Reisen als Selbstzweck. Genau von dem und den dabei entstehenden Gefühlen handeln die Songs dieses Albums. Da kommen die Themen Heimat, Freiheit und Leben im Allgemeinen zur Sprache.  Die Musik ist hundertprozentig handgemacht und von Marco Jencarelli und Tobi Gmür fein säuberlich produziert und viele Details herausgearbeitet. Stilmässig erklingt da bester Country mit einem Schuss Americana.

Gegenwärtig ist nur dieser Mix verfügbar.

Fredi Hallauer

MISS HELVETIA

Album: „Röschtigrabe“ (igroovemusic.com/phono-schop.ch)

Die Jodlerin aus dem Diemtigtal ist mit einem neuen Programm und dem dazugehörigen Album zurück. Das Jodeln bekommt auf diesem Album etwas mehr Raum. Miss Helvetia lässt es gehörig rocken, mit Handorgel, Schlagzeug/Perkussion und weiteren Instrumenten, aber ohne elektrische Gitarre. Sie singt ein paar Wörter Französisch dazwischen und versucht so, eine Brücke über den Röschtigraben zu bauen oder den Spagat zu machen. Stilmässig ist es rockige Volksmusik, die einen fröhlich durch den Alltag begleitet und manchmal knapp am Schlager vorbeischrammt. Die Texte sind amüsant. Als letztes Lied covert Miss Helvetia „Non je ne regrette rien“, was nicht unbedingt eine zwingende Interpretation ist. Als Gast singen bei einem Lied der Jodelclub Luegisland – Ebnet und die Jodufroue Willisau mit. Die Stärken von Miss Helvetia sind hier deutlich zu hören, als da sind, das grossartige Jodeln, Volksmusik etwas rockiger und auf den Punkt und gute Unterhaltung.

Fredi Hallauer

MEIMUNA

Album: „10 ans d’éclosions“ (Radicalis)

Meimuna ist seit 10 Jahren musikalisch unterwegs. Zu diesem Jubiläum schenkt sie sich und uns dieses spezielle Album. Sie nahm 13 Lieder aus ihrem bisherigen Schaffen in neuem Gewand auf. Dieses Gewand besteht aus 13 Musiker:innen. Da ist ein Streicherensemble dabei, Bläserensemble, Perkussion  und  Gesangsstimmen sind ebenfalls mit dabei. Es gibt Passagen, da sind nur einzelne der Instrumente im Einsatz, und dann spielt wieder das ganze Orchester. Über allem erhebt sich die feine und klare Stimme von Meimuna. Sie singt französisch ihre Geschichten des Leben häufig in ich Form. Ein optimistisch klingendes Album zum Zuhören. Meimuna singt so deutlich, dass man mit schulischem Französisch und gutem Willen das Meiste versteht.

Fredi Hallauer

IKAN HYU

Album: „Withdrawal Symptoms“ (Mouthwatering Records)

Zu ihrem zehnjährigen Bestehen hat das Duo ihr zweites Album aufgenommen. Man hört hier die Weiterentwicklung der beiden Frauen hervorragend. Wichtig ist, Ikan Hyu sind ein echtes Duo, sie spielen alles selbst. Mit ihren verschiedenen Synthesizern, einem Kassettengerät, einem Walkie-Talkie, über dem sie die Gitarre darüber spielen, und mehr eigenwilligen Ideen entstanden diese Klanglandschaften. Die Songs gehen fast fliessend ineinander über. Inhaltlich erzählen die Beiden von Freundschaft, Nähe und Distanz und allem, was dazugehört. Das Album beginnt ganz leise und fein und man fragt sich, ob hier mit dem Download oder dem Album etwas schiefgelaufen ist. Dann aber bekommt das Album mehr und mehr Drive und Ikan Hyu werden zu den „Haifischen“ aus Indonesien, dort bedeutet der Name nämlich Haifisch. Ein cleveres, kraftvolles Album, das sich auch zum Tanzen bestens eignet.

Fredi Hallauer