Musik aller Sparten, Konzertbesprechungen, CD Besprechungen. -Kritiken, Interviews, vorwiegend aus der Schweiz. Unter www.musikglobal.com finden sich die internationalen KünstlerInnen, welche nicht in der Schweiz wohnen oder nicht Schweizer:innen sind.
Der Popsinger/Songwriter singt in fünf Songs vom Halt in stürmischen Zeiten, von Abschied und Mut und davon, trotz allem Freude zu haben. Seine Stimme klingt grossartig und die Songs sind wie gemacht für Stadien oder Festivals. Musikalisch liegt er im Trend der grossen Popsänger, ruhig und doch bewegt. Joel Goldenberg ist ein Künstler, von dem man gerne mehr als fünf Songs hören möchte.
Caroline Chevin ist mit einer EP mit fünf Ohrwürmern zurück. Ihr Songwriting ist sensationell und die Songs gehen sofort ins Ohr und in die Beine. Die Musik ist handgemacht und wird von ihrer hervorragenden Band gespielt. Da kommt noch die markante Stimme von Caroline Chevin dazu und eine kleine Perle ist perfekt. Caroline Chevin singt von Lebensfragen, und da gibt es ja genug. Bravo.
Die vier Musiker, welche seit Teenagerjahren zusammen Musik machen, nahmen ihr viertes Album auf. Sie sind etwas persönlicher geworden und sich trotzdem treu geblieben. Ihr auf Deutsch gesungener Indiepop erzählt von Liebe, Sehnsucht, Trennung und die Suche nach sich selbst. Die Musik wird neben Gitarre, Bass und Schlagzeug von Electro geprägt. Ein Teil der Lieder wird mit belegter Kopfstimme geschmachtet, das ist etwas Geschmackssache. Ein eindrückliches Lied ist „Therapie“. Panda Lux sind eine Indie Popband mit starken Texten und grosser Eigenständigkeit.
Kallemi ist ein Projekt von vier Frauen. Jasmin Albash mit palästinensischen Wurzeln, La Nefera mit Wurzeln in der Dominikanischen Republik und den beiden Palästinenserinnen Maysa Dawn und Rasha Nabas. Die vier Frauen erarbeiteten ihre Lieder gemeinsam in Ramallah und traten in Basel damit auf. Unterdessen spielten sie bereits auf vielen Bühnen auf der ganzen Welt. Nun ist ihr erstes Album da und die Tour geht weiter. Mit mehrstimmigem Gesang und Rap spüren sie den Fragen nach: Wo bin ich zu Hause, wo gehöre ich dazu und verwandten Fragen. Der Gesang ist mit elektronischen Texturen ergänzt, da und dort eine Gitarre und immer wieder Trommelklänge. Kallemi singen und rappen auf Englisch, Spanisch und Arabisch. Der Sound und der Gesang sind wundervoll und da hört man viele Fragen, aber keinen Hass. Von solcher berührender Musik sollte es noch mehr geben.
Live: „knobisous and knobilive“ am BeJazz Winterfestival, 29 Januar 2026
Bild Kathrin Hallauer
Das Knobil Grande Ensemble, wie es offiziell heisst, aus der französischen Schweiz, war eine energiegeladene Band. Die Leaderin Louise Knobil am Kontrabass und Gesang, mit Schlagzeuger, Gitarristin, Bassklarinettist, Altosaxophonist und Tubaspielerin, waren alle glitzernd angezogen. Sie spielten eine Mischung aus Chanson, Jazz und einer Prise Punk mit viel Glitzerattitüde. Louise Knobil sang Französisch, machte aber ihre Ansagen in charmantem Deutsch. Ihr Stimmumfang war verblüffend, von der Altstimme bis in Contersopran müsste man sagen, es war so hoch, es war kaum zu glauben. Mal sang sie chansonartig, dann wieder gesprochener und punkmässig oder ganz klarer Jazzgesang. Ihr Kontrabassspiel war ebenso verblüffend: Sie schrubbte den Kontrabass und spielte die Saiten in einem hohen Tempo mit wunderschönen Tonkombinationen.
Bild Kathrin Hallauer
Die anderen Musiker:innen spielten ganz klaren zeitgenössischen Jazz, mit Ausflügen in den Freejazz. Ganz grob kann man den Musikstil in diesem Grandensemble vielleicht als Punkjazz oder Jazzpunk umschreiben. Dies war ein energiegeladenes Konzert und sehr sympathisch. Ein Erlebnis.
Live: „Pozo de Estrellas“ am BeJazz Winterfestival, 29. Januar 2026
Bild Kathrin Hallauer
Das Quartett wurde zum Septett mit der Flamencotänzerin Naty Cabrera und dem Stepptänzer Daniel Borak. Dazu kam noch der Flamencosänger Juan Granados.
Bild Kathrin Hallauer
Das Konzert begann mit einem elegischen Stück mit Tänzerin und Tänzer. Es folgte ein Gesangsintro mit einem wilden Stück, welches eine Art Battle war zwischen den Tanzenden. So wechselte sich alles ab. Musik in verschieden grossen Formationen und Zusammensetzungen, Solotanz mit und ohne Gesang oder mit Perkussion. Ruhige und temperamentvollere Stücke brachten eine tolle Stimmung in den Saal. Es passte alles bestens zusammen. Flamenco und Stepptanz, waren kein Gegensatz, sondern sie ergänzten sich.
Bild Kathrin Hallauer
Alle Musiker:innen und Tänzer:innen hatten auch Spass bei diesem Auftritt, aber er verlangte von allen eine Höchstleistung. Regula Küffer spornte dann den Stepptänzer noch richtig an, indem sie mit ihrer Vogel-Lotusflöte um ihn herumtanzte. Dies war ein Konzert oder besser gesagt, eine Aufführung der Höchstklasse und etwas vom Besten, was es gibt.
Der Genfer Sänger fährt auf diesem zweiten Album im gleichen Stil weiter, wie beim Debütalbum vor fünf Jahren. Er singt von seinen Zweifeln, spielt intime Melodien und verbreitet zwielichtige Stimmungen. Schlagzeug, spärliche, aber präsente Gitarre und Keyboard unterstützen und untermalen seine französischen Chansons. Es sind sehr schöne Lieder mit wundervoller Musik, modern und doch irgendwo in der Tradition des französischen Chansons aus Savoyen.
Casimir M aus Genf, bisher Mitglied in einer Chanson Rock Band, debütiert mit einem Solo-Album. Es sind zehn sehr ruhige Stücke. Inspiriert von seinem Klavierspiel, ergänzte er die Klänge mit Synthesizern, Schlagzeug und verschiedenen Instrumenten. Die Stücke sind mehrheitlich instrumental. Es ist ein Album für ruhige Momente. Wer genau hinhört, entdeckt bei jedem Hören wieder neue Klänge, Muster und Eindrücke. Es ist ein Musikgenuss.
Live: „singt Hildegard Knef“ im Kulturhof Köniz am 24. Januar 2026
Bild Kathrin Hallauer
Zuerst trat die erstklassige Band auf die Bühne und zeigte, was in ihr steckt. Gitarre, Schlagzeug, Bass und Piano. Sie spielten relativ jazzig, aber auch alles andere, eben was zu den Liedern und Chansons von Hildegard Knef passte. Bald stand Michael von der Heide, mit wehenden Haaren inmitten der Musiker und begann mit dem Repertoire von Hildegard Knef Liedern. Die Frau schrieb 350 Lieder und nahm 700 weitere Lieder auf.
Bild Kathrin Hallauer
Nach ein paar Liedern begann Michael von der Heide, das Publikum zu begrüssen und von Hildegard Knef zu erzählen. Er trat dann in Interaktion mit dem Publikum, die nicht sehr glücklich war. Ich hörte in der Pause im Foyer, dass dies einigen Leuten nicht gefallen hatte. Dann zog er mit bekannten und weniger bekannten Liedern durch das Programm und erzählte kleine Details aus dem Leben von Hildegard Knef, welche interessant und teils auch amüsant waren.
Bild Kathrin Hallauer
Den Musikern liess er immer wieder Raum, um zu solieren. Manchmal kamen auch Gedichte und Texte aus dem Off, was sehr interessant war. Michael von der Heide zog sich zweimal um, tanzte mit Federn auf der Bühne und bot einige kurze Tanzeinlagen. Der zweite Teil enthielt etwas ernstere Lieder und Texte, welche die Band und Michael von der Heide mit Bravour meisterten. Es war ein sehr unterhaltender und lehrreicher Abend, mit Showelementen, hochkarätiger Musik und einem Michael von der Heide, der die Lieder von Hildegard Knef gut zusammengestellt hatte und sie noch viel besser interpretierte.
Der Sänger und Gitarrist Pat Laemmle hat mit einer erweiterten Band ein weiteres Blues-Album aufgenommen. Am Schlagzeug sitzt Richard Spooner, den Bass zupft Andy Tolman. Dazu kommt der alte Kumpel, Chrigi Roffler an den Tasten. Die Bläsersektion Claudio von Arx am Tenorsaxophon, Naijma Gürth am Altosaxophon, Till Ruprecht an der Posaune und Thomas Knuchel an der Trompete erweitert den Sound. Backgroundsängerinnen sind Sandra Rippstein und Monika Schaer Kull. Produziert wurde das Album von Marco Jencarelli. So verblüfft es einen nicht allzu stark, wenn der Sound des Albums an gewisse Philipp Fankhauser Alben erinnert. Es sind tolle Aufnahmen und alles ist sauber produziert. Der Sound ist souliger Blues, weich und geschmeidig. Die Songs schrieb Pat Laemmle selbst und das Songwriting kann sich hören lassen. Dieses Album ist ein schönes und sanftes Blues-Album, da kann man sich einfach dazu hinsetzen und zuhören. Ein Ohrenschmeichler.
Heute spielte die Uptown Bigband ihr 217. Konzert „Uptown goes Downtown“. Nummer 1 war im Herbst 1995. „Pure“ heisst, die Bigband hat keinen Gast. Die Musiker hatten also viel Raum, um zu solieren. Die Grippewelle fesselte einen Saxophonisten ans Bett, so übernahm der Leiter, Patrick Schnyder, die Doppelfunktion, Leitung und Saxophon.
Bild Fredi Hallauer
Er grub einige tolle Stücke aus, welche vor allem die Trompeter forderten. Eines war vom Trompeter Mike Maurer geschrieben und von Patrick Schnyder arrangiert. Es hiess „Blue Maya“ und war eine Premiere. Die Pianistin spielte ein aussergewöhnlich schönes Pianosolo.
Bild Fredi Hallauer
Sonst spielten sie tolle, etwas weniger bekannte Stücke aus der Jazzgeschichte von den USA bis Europa. Im zweiten Teil spielte die Uptownbigband ausschliesslich Kompositionen von Patrick Schnyder. Diese waren etwas moderner und sehr interessant. Sie erzählten Geschichten vom letzten Zug, oder es war einfach „Weder Fisch noch Vogel“ Alle Musiker:innen bekamen ihren Platz zum solieren, also kamen auch die Posaunen zum Einsatz. Als Zugabe spielten sie ebenfalls eine Komposition von Patrick Schnyder, es war herrlicher Jazzrock. Die Uptownbigband unter ihrem Leiter zeigte wiederum ihre hohe Qualität und sie gingen leistungsmässig bis ans Limit (Trompeten), was sich lohnte.
Das Quintett aus der Region zwischen Säntis und Pilatus spielt auf ihrem neuen Album frisch auf. Ihre Instrumente sind: Klarinette, Ukulele, 2 Trompeten, Klavier, Basstrompete, Tuba, Akkordeon und Perkussion. Alle fünf Musiker singen. Was gibt jetzt das für Musik? Ist das eine Blaskapelle, ein Chor oder was? Nein, beides ist es nicht, oder doch, es ist beides und noch viel mehr. Die talentierten Musiker schrieben alle ihre Stücke selbst und liessen dazu einheimische Musik auf sich wirken. Die Kompositionen und die Arrangements sind grossartig. Da geht es manchmal erfrischend schräg zu und her, aber mit Stil, da rumpelt es, dort übernimmt das Akkordeon oder es wird geblasen, was die Ohren aushalten. Auf diesem neuen Album werden einige Lieder gesungen, Eigengewächse. Diese Texte und der Gesang sind nicht so stark wie die Instrumentaltitel und -passagen. Vielleicht muss man sich auch einfach noch daran gewöhnen, dass Schäbyschigg auch singt. Ein gelungenes, selbstproduziertes Album, Selbstversorger eben.
Die Berner Formation um die brasilianische Sängerin Mariana Da Cruz präsentiert sich auf dem neuen Album so richtig partyfreudig. Ihr Urban Beat mit brasilianischen Rhythmen der Tradition und von heute durchzieht das ganze Album. Melodieinstrumente sind spärlich zu hören, dafür dann geschickt eingesetzt, wie bei „10 Noites“. Das Interagieren zwischen Perkussion und Elektrobeats begeistert. Bei „Chata“ singt als Gast Magugu mit. Da Cruz haben ihren Sound deutlich verändert: mit mehr Elektro, weniger Melodieinstrumenten und der Gesang etwas mehr nach hinten gemischt. Der kräftige Sound juckt in den Beinen und tanzen ist fast zwingend. Ein modernes Album, das so richtig einfährt.
Fredi Hallauer
Interview:
Bild Adrian
Am Gurtenfestival sprachen Fredi und Kathrin Hallauer und Valentin mit Mariana und Ane von Da Cruz, auch über das Album. Adrian machte das Foto. Hier kann man das Interview hören:
Dezabel ist eine schweizerisch-amerikanische Kollaboration von Jazelle Paris Rodriguez und dem Produzenten Bilgi Sakarya. Da ist einerseits die weibliche Stimme, welche sich sowohl im Pop als auch in Funkgefilden wohlfühlt. Dann ist die Musik zwischen Pop und Funk mit meist druckvollem Bass. Die EP ist mit sechs Songs bestückt und schöpft die Popsong-Strukturen aus. Ein Stück internationaler Pop und erst noch ein „einheimisches“ Gewächs.
Seit 30 Jahren gibt es diese fantastische Band. Die sechs Musiker:innen spielen Turbofolk, Chanson und Musik, um das Leben zu geniessen. Alles ist tanzbar. Sie musizieren auf Kontrabass, Gitarre, Schlagzeug, Akkordeon, Geige und Saxophon. Der Sound ist herrlich rumpelig. Sie singen Französisch und erzählen in fünf Chansons von der Vergänglichkeit. Die Vergänglichkeit wird nicht betrauert, sondern erforscht und gefeiert, bzw. genau das, was vor der Vergänglichkeit ist: das Leben. Diese Musik muss man erleben, um genau zu verstehen, was hier gemeint ist.