Musik aller Sparten, Konzertbesprechungen, CD Besprechungen. -Kritiken, Interviews, vorwiegend aus der Schweiz. Unter www.musikglobal.com finden sich die internationalen KünstlerInnen, welche nicht in der Schweiz wohnen oder nicht Schweizer:innen sind.
Album: „A Tribute To The Spoon In The Bowl Of Sugar“ (Irascible)
Dies ist das erste Album von Mathieu Urfer als Solokünstler. Der Lausanner Musiker spielte viele Jahre bei Chewy und Honey for Petzi. Er spielt den Country Folk Nordamerikas. Wie er das macht, ist einzigartig. Schon sein Gitarrenhandwerk ist ein Genuss, aber vor allem auch die Melodien und die Leichtigkeit, und doch sind die Songs relativ komplex. In den englisch gesungenen Songs erzählt er Geschichten aus Amerika oder aus seinem Leben und seinen Beobachtungen. Alles fügt sich zu einem erfreulichen Ganzen und es tut gut, diesen Klängen zu lauschen und von einem Amerika zu träumen, als es noch besser war.
Album: „It will get better“ (Endless Mission Records)
Dimi Rogers ist ein Rockquartett, bestehend aus Frank Dinke (Vocals), Roger Wüthrich (Bass), Jeff Kneubühler (Drums) und Markus Mühlehof (Gitarren). Die vier spielen ehrliche, handgemachte Rockmusik zwischen treibenden Grooves und ruhigen Stücken. Komponist und Texter ist Frank Dinke. Die Songs erzählen genau von dem, was der Albumtitel verspricht, nämlich geerdet bleiben und daran glauben, dass es besser wird. Etwas, was genau heute notwendig ist, um nicht den Mut zu verlieren. Das ist ein Stück aufgestellte Rockmusik, gut bekömmlich und das Richtige für den Alltag.
Album: „Island Of Way Back“ (Mouthwatering Records)
Dies ist das zweite Album der Avant Pop Sängerin. Sie produzierte das Album vorwiegend selber, mit Ausnahme von vier Stücken. Diese Stücke wurden von Mike Lindsay produziert. Im Weiteren spielte Arthur Hnatek das Schlagzeug und Jules Martinet den Bass. Andrina Bollinger sang, spielte Gitarre, Klavier und Synthesizer. Die Lieder erzählen vom Innehalten. Es sind kleine Proteste gegen das Tempo der heutigen Zeit, und sie stellen die Fragen, die aus dem Innehalten entstehen. Was ist, wenn ich nicht mitgehe, dreht sich die Welt dann ohne mich, und weitere solche Fragen. Das Album ist glasklar produziert. Musikalisch macht es uns Andrina Bollinger nicht nur einfach. Da werden Avantgarde Pop mit Jazz vermischt und das manchmal fast bis zum Postpunk getrieben. Wenn man den Zugang gefunden hat, wird es ein sehr attraktives Album voller guter Musik.
Das Genfer Quartett debütiert mit einem Album, welches aus dem Dunkeln kommt und trotzdem Lichtblicke gibt. Es handelt von Schmerz, Entfremdung und Trauer, macht aber Mut und gibt Hoffnung. Sie untersuchen mit jedem Song eine andere Art von Macht und hinterfragen sie. Der Sound hat die kühle Ästhetik der 80er Jahre und die wurde opulent und modern produziert. Schon nur die grosse Baritonstimme des Sängers ist es wert, dieses Album anzuhören. Diese Klänge wirken befreiend. Lone Assembly singen englisch. Dies ist kein düsteres Album, sondern Musik aus der Tiefe.
Die Rote Zora sind drei Frauen, welche Naturjutz und Bergrufe jodeln. Dazwischen singen sie auch andere Sachen, aber das später. Die drei Frauen sind Christine Lauterburg (Jodel, Gesang, Daumenklavier, Örgeli), Barbara Berger (Jodel, Gesang, Shrutti Box) und Natalie Huber (Jodel, Gesang und Ukulele). Die Instrumente wurden jeweils nur einmal gespielt, sodass es ein A-cappella-Konzert war. Mit unterschiedlichen Trachten bekleidet gab das Trio ein schönes Bild ab. Nach ein paar herrlichen Jodeln, alle dreistimmig, aus der Schweiz, sangen sie ein irisches Volkslied, welches von einem österreichischen Jodler in einen Jodel umgeschrieben wurde. Dazwischen sangen sie ein italienisches Volkslied und den Heimetvogel. Dann lief ein gemässigter Elektrosound und die drei Frauen tanzten dazu.
Bild Kathrin Hallauer
Nach der Pause startete Natalie Huber mit der Ukulele und einem Westernsong mit Jodel. In Georgien wird ebenfalls gejodelt, und so sangen die Rote Zora einen solchen Jodel, welcher andere Vokale benutzt. Die Titelmelodie der Fernsehserie Die Rote Zora verwandelten sie ebenfalls in einen Jodel.
Bild Kathrin Hallauer
Das ergab einen sehr abwechslungsreichen Abend mit Gesang und Jodel auf sehr hohem Niveau, aber auch Humor. Als Zugabe durfte das Publikum beim Jodel mitsingen und da waren einige Stimmen darunter, die das perfekt konnten. Es klang grossartig, so wie der ganze Abend war.
Album: „Stadt Land Fluss Poet“ (Universal Music Switzerland)
Kunz hat zwölf neue Lieder für sein siebtes Studioalbum aufgenommen. Es sind Lieder über die „Kleinigkeiten“ im Leben. Alle Geschichten handeln vom Glück und vom Glücklichsein. Folkballaden und Pophymnen wechseln sich ab. Hervorragend gelungen ist das Duett mit Anna Känzig „Die ganzi Wäut“. Vielfach sind es spärlich instrumentierte Stücke, und dabei kommt sowohl die Musik, die einzelnen Instrumente als auch der Gesang gut zur Geltung. Das Album tönt immer noch nach Kunz. Es ist Wohlfühlmusik für den Alltag. Die Texte sind nicht tiefschürfend, aber schön. Das, was man benötigt zum Glücklichsein.
Album: „You Better Get Used To It“ (Mouthwatering Records)
Die Sängerin präsentiert auf ihrem neuen Album wunderschönen Folk und rohen Indie Rock. Dazu kommt noch Americana wie er nicht schöner gespielt werden könnte. Die Songs handeln von Herzschmerz und Verliebtsein. Es ist eine Art Tagebuch von Gesprächen, welche zwischen Menschen geführt werden sollten. Es sind Texte vom Frust über alte Verhaltensmuster bis zu neuen Klangfarben der Liebe. Pina Palau singt es mit einer klaren Stimme, welche da und dort mal zerbrechlich tönt und dann wieder sehr bestimmt. Mit diesem dritten Album gelang es Pina Palau, weitere Schritte voranzugehen, und sie verdient damit sehr viel Beachtung.
Der Aargauer Musik debütiert mit seiner Solo-EP. Er singt Mundart und unterlegt sie mit Popmelodien und urbanen Beats. Seine Texte sind zeitgemäss und handeln von Verletzlichkeit und Hoffnung und von Stillstand und Aufbruch. Ein gesellschaftsrelevantes Lied ist „Wissi Rose“. Dieser Aufruf zu Frieden könnte nicht genauer formuliert sein und passt genau jetzt wieder hervorragend, leider. Cenzo ist ein Liederschreiber und Musiker, den man auf dem Radar behalten sollte.
Der in Zürich aufgewachsene Musiker und Sänger präsentiert hier eine facettenreiche EP mit acht Titeln, man darf eigentlich Album sagen. Seine Texte sind engagiert und kritisch. Er erzählt von den Fehlern, die er im Leben gemacht hat, aber auch von den Fehlern, welche die Menschheit immer wieder macht. Von der Gefahr von KI gegenüber alten, verblassten Fotografien mit viel mehr Emotionen. Die Melodien sind modern und eingängig, zwischen San Remo und Lucio Dalla, also beste Cantautori Art. Es ist toll, dass es einen weiteren engagierten Cantautori in der Schweiz gibt.
Live: Vollmondkonzert in der La Cappella am 3. März 2026
Bild Kathrin Hallauer
Sie kam ganz alleine auf die Bühne und blieb es auch den ganzen Abend. Veronica Fusaro war umgeben von zwei Gitarren, einem Loopgerät und vielen Effektgeräten und Fusstasten. Gleich mit dem ersten Song verstand sie es, mit ihrem Temperament das Publikum mitzureissen. Obwohl es Dienstag war, war das Publikum sehr zahlreich erschienen und das La Cappella sehr gut gefüllt. Schon bald erklärte Veronica Fusaro ihr Loopgerät und führte es gleich praktisch vor, indem sie einen Song aufbaute. So sang sie sich durch ein Repertoire von 2016 (einer ihrer ersten Songs) bis zum neuen Album vom letzten Oktober. Den ESC Song durfte sie noch nicht singen, wie sie erklärte, er erscheint am 11. März. Das Publikum wurde von Veronica Fusaro zum Mitklatschen und vor allem zum Mitsingen aufgefordert, was das Publikum nach ein paar Anfangsschwierigkeiten dann auch kräftig tat. Die Musikerin und Songschreiberin spielte, sang und tanzte, obwohl sie immer wieder ihre Fussknöpfe bedienen musste und durch die Gitarre an der langen Leine war. Sie entpuppte sich als gute Entertainerin, und das verbunden mit guter Musik. Veronica Fusaro ist ein sicherer Wert, ob Solo oder mit Band, An diesem Abend zeigte sie sich mit viel Energie Solo.
Black Sea Dahu veröffentlicht ihr drittes Album. Die Geschwister in der erweiterten Familienband verloren vor ein paar Jahren ihren Vater. Die Trauer um ihn und die Sehnsucht nach ihm sind immer noch vorhanden. Aus dieser Situation entstanden die neuen Songs. Sie handeln von Trauer, Trost, Sehnsucht und Orientierungslosigkeit. Das alles ist nicht nur in den Worten zu hören, sondern auch in der Musik. Manchmal ist es eine einsame Gitarre, dann wieder orchestraler, aber immer auf der traurigen, melancholischen Seite. Dazwischen wird ein Synthesizer eingesetzt, welcher nicht so gut in das gesamte Klangbild passt. Ansonsten ist es ein gut produziertes und vom Sound her ein schönes und klares Album.
Automobile Club sind eine Grunge Band aus Genf. Sie spielen satten Grunge mit tollem, sattem Bass und vielseitigem Schlagzeug. Die Gitarrenarbeit darf sich ebenfalls hören lassen, egal ob im Chorus oder Solo. Der Sänger hat eine charismatische Stimme, welche etwas gewöhnungsbedürftig ist.
Mattiu wuchs in einer Tradition auf, in der viel gesungen wurde. Dazu kam sein Wohnort, der vorwiegend Natur war. Natur mit aller Schönheit und vielen Gefahren. Er wuchs rätoromanisch auf. Was liegt also näher, als dass er singt, auf Rätoromanisch und über die Natur? Seine Lieder pendeln zwischen Folk und Bass- schlagzeuggetriebenen Songs. Alles sehr ruhig. Er begleitet sich an Gitarre und Piano. Er singt mit klarer, schöner, lieblicher und sanfter Stimme. Das erste Lied ist verschlungener Gesang mit mehreren Stimmen. Es wurden zehn abwechslungsreiche Songs. Der Gesang und der Klang schaffen es, die Geschichten zu erzählen, ohne die Texte zu verstehen.
Live: Albumtaufe „Som Sistema“ im Sous Sol am 21. Februar 2026
Bild Kathrin Hallauer
Das war nicht einfach eine Albumtaufe, sondern viel mehr. Zuerst konnte man die Fotoausstellung mit Fotos von der Fotografin Valda Nogueira aus der Austellung „Sempre Viva“ besichtigen. Die grosse Ausstellung wird gerade in Rio gezeigt. Es folgte ein Film, welcher Valda Nogueira gewidmet ist, von Felipe Noguei, welcher anwesend war.
Bild Kathrin Hallauer
Es waren sehr eindrückliche Bilder aus dem Leben in Brasilien.
Bild Kathrin Hallauer
Clovis Inocencio bot eine gute politisch-poetische Performance. Er wurde durch Schlagzeug und etwas Elektronik unterstützt. Die Performance war grösstenteils deutsch.
Bild Kathrin Hallauer
Dann kam der wirklich grosse und grossartige Auftritt von Da Cruz. Die grosse Besetzung mit zwei Trompeten und Saxophon liess eine wirkliche Party steigen.
Bild Kathrin Hallauer
Die Spitzenmusiker brachten die Energie der Songs hervorragend auf die Bühne. Mariana Da Cruz sang, tanzte und performte, was das Zeug hielt. Sie verstand es, die politischen Themen der Lieder mit Freude und Lebenslust zu verknüpfen. Egal ob es um Bildung auf der ganzen Welt, auch in Amerika, oder um Femizid ging: Sie setzte das Schlechte in positive Energie um und machte die Situationen so dem Publikum bewusst.
Bild Kathrin Hallauer
Die Gitarristen wechselten sich ab, da für Livekonzerte, auch im Ausland, nicht immer jeder abkömmlich ist. Dies war ein fröhliches Konzert, ja eine grosse Tanzparty mit Tiefgang. Nach der Ansprache zur Albumtaufe ging die Party mit Da Cruz noch weiter. Es folgten die Zugaben und dann traten die DJ’s auf den Plan und liessen das Publikum bis morgens um vier Uhr tanzen.
Michael Zisman am Bandoneon, Simon Heggidorn an der Geige und Philipp Moll am Kontrabass, nahmen sich der Funkmusik von Herbie Hancock. Sie starteten den auch mit zwei Stücken von Herbie Hancock, Funk komplett akustisch im Trio gespielt. Es folgten Stücke von heutigen Funkmusikern auf dem Level von Herbie Hancock. Es folgten wieder Stücke des Meisters, darunter auch „Cameleon“. Das Trio spielte diese Nummern sehr verspielt, seriös, mit musikalischem Humor und viel Virtuosität. Simon Heggendorn spielte Melodien, aber auch Rhytmus auf der Geige. Manchmal liess er sein Instrument schnarren.
Bild Fredi Hallauer
Philipp Moll übernahm den leisen Funk mit viel Jazzeinflüssen.
Bild Fredi Hallauer
Michael Zisman brachte alle Töne zusamnen, Melodie, Zwischentöne und auch den Rhythmus.
Bild Fredi Hallauer
Die Musiker hatten alle viel Raum um ihr Instrument und ihr Können zu präsentieren. Als letztes Stück spielten sie „Just around the corner“ von Herbie Hancock. Die drei Hherren verstanden es, auch stark Synthesizer ladtige Stücke, auf ihre drei akustischen Instrumente zu übertragen.Als Zugabe spielten sie „Create Happy Days“ von Corrie Henry