FOX MARGUERITE

Album: „Bar De L’Helice“ (Irascible)

Fox Marguerite sind ein Quartett aus Genf, eine Sängerin und drei Musiker. Sie machen Musik an der Schnittstelle von französischem Chanson und rohem, verträumtem Rock. Die Band zeigt eine grosse Verspieltheit in den Rhythmen, welche in dezenten Latinrhythmen, Tango, Samba bis zu Dancefloor ausufern kann. Mit den klassischen Rockinstrumenten Bass, Schlagzeug und Gitarre machen sie die ganze Musik, roh und eindrücklich. Gesungen wird auf Französisch und die Sängerin macht das recht witzig und theatralisch. Ihre Stücke erzählen von Diskrepanzen, vereitelten Impulsen und imaginären Welten. Ein Schmunzeln ist beim Hören dieser Musik immer möglich. Dieses Album ist erfrischend und macht Spass.

Fredi Hallauer

UPTOWN BIGBAND feat. 4 YOUNG ARTISTS

Live: Im BeJazz am 24. April 2026

Das 219. Konzert war vier jungen Talenten der HKB gewidmet. Grundsätzlich war das Ensemble mit traditioneller Bigbandmusik unterwegs.

Erstes Talent war der Trompeter Artem Matvilchuk. Er sitzt auch sonst bereits in der Uptown Big Band.

Das nächste Talent war Joann Baszanger an dem für Big Bands eher ungewöhnlichen Instrument, der Geige. Er spielte „Angeleyes“.

Heute sass das dritte Talent, Liam Vallon ebenfalls den ganzen Abend am Piano. Nun kam er zum Zug mit einer rasend schnellen Nummer.

Das vierte Talent war die Sängerin Sofia Ailani Moore. Sie sang „Daydream“ bekannt von Ella Fitzgerald. Sie hatte eher eine höhere Stimme, sang aber ganz klar Jazz.

Es ging dann weiter mit einem Doppel-Feature Trompete und Violine und einem Samba.

Der zweite Teil startete mit der Band alleine. Es folgte die Duke Ellington Nummer „Cotton Tail“ mit Joann Baszanger an der Violine. Hier ging die Violine manchmal im Big Band Sound etwas unter.Sofia Moore folgte mit einer weiteren Gesangsnummer. Ihr gelang es, sich mit ihrer Stimme zu behaupten.Liamm Vallon spielte dann mit der Band „All Of me“ in einer Count Basie Version. Es war eine Glanzleistung. Dann noch der Trompeter Artem Matvilchuk. Er spielte ein Stück des belgischen Jazztrompeters Bert Joris. Artem Matvilchuk blies die Trompete nicht immer ganz sauber. Dann noch einen Song von Sofia Moore, nämlich „Satin Doll“ in der Version von Ella Fitzgerald.Als Zugabe spielten alle zusammen „Just Friends“ Selbstverständlich durften auch die Mitglieder der Uptown Bigband immer wieder solieren und taten dies auch leidenschaftlich. Ein wundervoller Bigband Abend war das.

Fredi Hallauer

FATIMA DUNN

EP: „Adieu Gravité“ (TOURBOmusic)

Dies ist die erste EP einer Trilogie, welche bis in einem Jahr fertig sein wird. Fatima Dunn singt Mundart und musiziert mit dem Cello, Loopgerät und einigen Effekten. Sie spielt zeitgenössischen Folk. Die EP beginnt mit einem naturjodelähnlichen Lied. Dann sind es eher folkige Liedermacherinnenlieder. Ihre Texte sind genaue Beobachtungen ihrer Umwelt und sie ist mittendrin. Inhaltlich erzählt sie von der Umtriebigkeit des Umfelds und ihren Versuchen, trotzdem Ruhe zu finden. Diese Lieder gefallen gut. Bei zwei der Lieder hilft Tanja Kummer mit, eine Thurgauerin. Sie versucht, in einer Fantasiesprache zu sprechen, angelehnt an Franz Hohlers Totenmüggerli, nur nicht so gut. Diese zwei Tracks hätte man sich schenken können. Man darf sich auf die beiden folgenden EP’s freuen.

Fredi Hallauer

GEORGE

Album: „Mis wahre Gsicht“ (Hena Music/iGroove)

George, der Mundartlieder Sänger aus dem Seeland, präsentiert sein 9. Album. Es sind darauf vierzehn ehrliche Lieder zu hören. Er erzählt einiges aus seinem Leben. Die Texte sind von einem reifen Mann geschrieben und George versucht nicht, auf jung zu machen. Die Lieder treffen oft das Herz und lassen eigene Erinnerungen wieder hochsteigen, meistens schöne oder wehmütige. Musikalisch ist er sehr akustisch und trotzdem sind rockige Songs darunter. Zydeco spielt hinein, an einem anderen Ort kann man ein Cello hören und das Akkordeon ist immer wieder dominant. Das letzte Lied „3 Affe im Zoo“ ist gesellschaftskritisch und er spielt es zusammen mit Schöre Müller. Gut gefallen mir die Lieder „Die alte Poete“ wo es um die Poeten der Musikszene der Schweiz geht, welche nicht mehr unter uns weilen. „La nouvelle Orleans“ erzählt von Louisiana und der Zydeco-Musik, George singt da auch Französisch. Er hat hervorragende Musiker um sich herum, welche das Album noch eine Stufe höher heben. Mit diesem Album ist dem Seeländer Poeten ein grosser Wurf gelungen und vielleicht sogar sein bestes Album.

Fredi Hallauer

DABU FANTASTIC

Album: „Live in Bümpliz“ (Gadget/Phonag)

Endlich ist es da, das lang ersehnte erste Live Album von Dabu Fantastic. Aufgenommen wurde es im Sternensaal Bümpliz und es war der Tourabschluss von der Ciao Baby Ciao Tour. Übrigens: Es war das 50. Konzert dieser Tour. Am Anfang hielt Bänz Friedli eine kurze Rede über Berndeutsch und Zürcher, welche näher bei Mani Matter sind als mancher Berner. Dann folgte das Konzert mit alten und neuen Hits, angefangen bei So Easy bis zu Min Ort und Die letschte drü Minute. Mit dabei natürlich auch Angelina, Ciao Baby Ciao, Vo vorn und Teddybär von den Rumpelstilz. Als Gäste sind neben Bänz Friedli, Nina Valotti, Riana und Baschi dabei. Die Band ist in Hochform, Dabu und DJ Arts ebenfalls, und das Publikum singt aus voller Brust und tönt sehr textsicher. Dabu sagt nur das Notwendige zwischen den Titeln und das nicht zwischen jedem. Mit diesem Album ist man wirklich am Konzert von Dabu Fantastic dabei. Ein wunderschönes Live Album.

Fredi Hallauer

TINU HEINIGER

Live: „Tinu Heiniger Revue zum 80. Geburtstag“ im Casino Theater Burgdorf am 2. April 2026

Bild Kathrin Hallauer

Das war ein grossartiger Abend. Wahrscheinlich ist es kaum möglich, eine bessere Geburtstagsrevue zusammenzustellen. Dies ist ein Versuch, diesen Abend zu beschreiben. Am Anfang kam Tinu Heiniger alleine auf die Bühne und sang zur Gitarre das Lied über seine Heimat, das Emmental. Darin erzählte er auch von seiner Kindheit und Jugend. Bereits während dieses Liedes kam Hank Shizzoe auf die Bühne und schmiegte seine Gitarrenklänge ein. Hank Shizzoe war auch der Musikdirektor an diesem Abend. Es folgten immer wieder neue Gäste, andere verliessen die Bühne. Wolfgang Zwieauer am Bass trat auf.

Bild Kathrin Hallauer

Es folgte Shirley Grimes, welche ein Duett in Mundart mit Tinu Heiniger sang, aber auch ein Jazzlied, bei dem Tinu Heiniger die Klarinette blies.

Bild Kathrin Hallauer

Später verliessen alle die Bühne und Pedro Lenz, Thomas Aeschbacher am Örgeli und Pudi Lehmann an Gongs und Klangschalen performten zwei Texte von Pedro Lenz. Sehr stark war „Lueg“, von der Lueg.

Bild Kathrin Hallauer

Sina sang mit Tinu ein Duett und an der Posaune war Michael Flury.

Bild Kathrin Hallauer

Dieser erste Teil war umwerfend. Es ging in dieser Art weiter nach der Pause. Zuerst sah man eine Hommage zu Tinu Heinigers 80. Geburtstag von Reto Camenisch. Gerhard Tschan begeisterte,

Bilder Kathrin Hallauer

natürlich auch Stephan Eicher. Dann kamen als Band Andy Hug am Vibraphon, Gere Stäubli am Schlagzeug und Peter Schärli an der Trompete neu zu den bereits im ersten Teil aufgetretenen Musikern dazu.

Bild Kathrin Hallauer

Da wurde so richtig musiziert. Die beiden Sängerinnen und Stephan Eicher kamen ebenfalls noch dazu und es gab einen grossen Abschluss mit zwei Zugaben. Diesen Abend muss man erlebt haben, in Worten ist er kaum zu fassen.

Bild Kathrin Hallauer

Hier noch ein paar weitere Bilder

Bilder Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

MAKEL & FRIENDS

Album: „Mister Moon“ (Makel Music/CeDe.ch)

Makel veröffentlichte sein viertes Album in sechs Jahren. Der Musiker, Sänger und Singer/Songwriter versucht, Hoffnung und Leichtigkeit in die schwierigen Zeiten zu bringen. Dies schafft er, obwohl auch er manchmal seine Zweifel hat, wie man hört. Musikalisch zieht er viele Register. Da ist etwas Pop dabei, Singer/Songwriter, Liedermacher, Folk und Indie Folk plus ein Schuss Americana. Seine Freunde sind sehr vielseitig und spielen auf den üblichen Popinstrumenten, sind Bläser und spielen Cello und singen. Immer wieder ist eine Frauenstimme zu hören im Lead, Duett und Backing. Er singt viel auf Englisch, drei Lieder in Mundart und einmal Spanisch. Die Texte auf Mundart sind nicht alle wirklich geglückt, mit Ausnahme von „Der Himmu gits doch“. Insgesamt ist es ein gut gelungenes Album mit starker Musik und wunderschönen Arrangements.

Fredi Hallauer

LO & LEDUC

Album: „Krise als Chanson“ (Bakara Music)

Dies ist das sechste Studioalbum der beiden Berner Mundartmusiker. Nach einer Pause ist vieles neu. Lo & Leduc sind politisch geworden, singen zwei Lieder auf Deutsch und es sind nicht einfach Partysongs. Das Album beginnt mit einer politischen Klavierballade. Sie heisst „Für Love“ und die Lyrics zeigen, worum es beim Album geht. „Dr Eint behouptet, dass dr Anger immer nume lügt. Dr anger seit, alles, wo dr eint seit, stimmi nid – U die Aller- Aller- Aller- Allermeiste säge nüt“ ist eine der Textzeilen. Die Texte sind klar, und trotzdem muss man aufpassen, um alles genau zu hören und zu verstehen. Mit dem dreimaligen Anhören des Albums erschliesst es sich noch lange nicht ganz. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Zwei andere Textbeispiele: In „Martha“ und anderen Songs offenbart sich das Politische, das Abgründige im Nebeneinander der Dinge: „Am Bahnhofsiigang schwäbe d Giige, Sibe Füfzg dr Huus-Iistee. Visavis vo mir im Abteil hocket eine mitem Gwehr“. In „Loyalty x Many Men“: „Mir hei chly Dräck uf dr Zunge, Goldstoub a de Fingertips, Drohne finge ihri Ziel dank Schwizer Mikrochips“. Es werden immer wieder viele Themen angesprochen, wie Gesundheitswesen, Krankenkassen, Geld Politik, Klima, Religion und viele mehr. Die beiden deutschen Lieder sind textlich sehr stark, trotzdem sind sie für mich weniger berührend als die Mundartlieder. Die Sounds sind elektronisch mit den bekannten tropischen Rhythmen, einfach eine etwas dunklere Stimmung. Tanzen darf man trotzdem dazu. Produziert hat grösstenteils Kali, welcher bereits verschiedene internationale Künstler:innen produziert hat. Mit dabei sind auch Gäste. Badnaiy, To Athena und Pronto sind es konkret. „Krise als Chanson“ ist Lo & Leducs bestes Album und gehört auf jede Bestenliste.

Fredi Hallauer

SAMORA

Album: „Chameleon“

Die in Bern lebende Musikerin aus Surinam zeigt sich auf diesem Album wirklich als Chamäleon. Es sind alles Tanznummern und sie fahren recht in die Beine. Sie zelebriert die afrokaribischen Rhythmen von Reggaeton zu Reggae und weiteren Rhythmen. Samora hat auf diesem Album sechs Featuring-Gäste, meistens in ihrer Heimat verwurzelt. Einer davon ist Guillaume Hoarau, den man in Bern bestens kennt. Dieses Duett ist etwas romantischer und wunderschön. Die zwei Stimmen passen bestens zusammen. Die anderen Gäste geben den Songs noch mehr Dampf und treiben sie voran. Samora thematisiert auch gesellschaftskritische Themen, und wie das in den Breitengraden ihrer Heimat üblich ist, haben diese Lieder trotzdem einen beschwingten Rhythmus und strahlen Fröhlichkeit aus, obwohl der Inhalt alles andere als fröhlich ist. Mit dieser Musik von Samora kann man gut durchs Leben gehen, auch wenn es schwierigere Zeiten sind. Ein tolles Album, welches nicht ganz neu ist, mir aber erst jetzt zu Ohren kam.

Fredi Hallauer

MELINA NORA

EP: „Momänt“ (Moutwatering Records)

Die Walliserin knüpft mit dieser EP an ihr letztes Album an. Leichte, schwebende Mundartsongs, mal Dreampop, dann wieder eher Indie. Sie plädiert fürs Innehalten. Melina Nora singt auch über das Erinnern und über das Loslassen. Bei einem Lied singt Paula Mia mit. Im letzten Lied singt Melina Nora sogar mehrsprachig. Vier abwechslungsreiche Lieder.

Fredi Hallauer

SWISS JAZZ ORCHESTRA mit JOE HAIDER und AMIGERN STRING QUARTET

Live: Progr Bern am 23. März 2026

Bild Fredi Hallauer

Joe Haider schrieb für diesen Abend eine Art Sinfonie in drei Sätzen für Jazzorchester und Streichquartett. Er selbst sass am Flügel. Jeder Satz hatte noch mehrere Abschnitte. Es war eigentlich eine Kammerjazzmusik Suite. Das ganze Stück erzählte das Leben von Joe Haider, bis er nach Bern kam.

Bild Fredi Hallauer

Es gab sehr viele Soloparts. Da war die Querflöte mit dem Streichquartett, dort das Schlagzeug mit dem Saxophon. Der zweite Satz wurde in einem Teil dem Swiss Jazz Orchestra gewidmet. Dort war natürlich die gesamte Band zu hören. Zwischen den Sätzen erzählte Joe Haider aus seinem 90-jährigen Leben und was die verschiedenen Abschnitte genau bedeuten. Der dritte Satz hatte mehr Swing und der Klangkörper Jazz Orchestra kam zum Zuge. Ebenfalls hörte man hier die spielerischen Qualitäten von Joe Haider.

Bild Fredi Hallauer

Als erste und letzte Zugabe spielten sie „Guten Abend, gute Nacht“ in einem speziellen Arrangement von Joe Haider mit einer schönen Einstimmung von ihm am Piano. Dieser Abend zeigte einmal mehr, wie gut die Musiker des Swiss Jazz Orchestra sind und wie gut sie auch als Ganzes klingen. Ebenfalls lässt es staunen, was der geniale Joe Haider mit 90 Jahren noch alles vollbringt, inkl. dieser grossen Komposition. Dazu kommt, dass das ganze Konzert nur eineinhalb Proben benötigte. So kam man an diesem Abend aus dem Staunen und dem Genuss gar nicht mehr heraus.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

MUST BE WRONG

Album: „Fools Paradise“ (DMB Records)

Die Schweizer Punkrockband veröffentlichte ihren zweiten Longplayer.
Es ist vorwiegend 90er-Skaterpunk zu hören, aber auch zwei Lovesongs und ein Hardcore Song. Also eine abwechslungsreiche Sache. Die Melodien sind stark, die Hooks hauen so richtig rein und das ganze Album geht ganz schön los und bleibt eingängig. Die Texte reflektieren die Gesellschaft. Sie handeln von persönlichen Erlebnissen und sozialen Ungerechtigkeiten. Gesungen wird auf Englisch. Das ist Punkrock, wie er heutzutage nötig ist, leider. Zum Glück gibt es Bands wie Must Be Wrong.

Fredi Hallauer

SAM SNITCHY

Album: „2 Horse Force“ (Voodoo Rhythm Records)

Sam Snitchy kommt aus Bern und schrie früher Gedichte durch die Gassen, sang dann als Melker und ist jetzt ein Psychedelik Punker. Er macht den ganzen Wahnsinn um uns herum sichtbar, liefert aber keine Antworten, sondern zwingt einen, in den eigenen Spiegel zu schauen. Zusammen mit bekannten Musikern am Bass, an der Gitarre, an Synthesizern und am Schlagzeug lässt er uns in den Wahnsinn treiben. Ein sehr spezieller Sound, an den man sich gewöhnen muss, wenn man will.

Fredi Hallauer

KOHOBA

Album: „Memories In Plastic“ (Irascible)

Die Berner Band spielt Tiefgang-Pop in mehreren Hinsichten. Der Bass spielt eine wesentliche Rolle im Sound, der Sänger tönt besonders schön, wenn er in den tieferen Lagen singt und am bedeutendsten sind die Texte, welche Tiefgang haben. Der Sound ist neben dem Bass von Synthies geprägt, welche manchmal nur Farbtupfer beisteuern und andere Male so richtig kräftig herumflirren. Die Songs sind teilweise richtige Hymnen. Chorgesang ist zu hören und die bereits erwähnte Baritonstimme. Kohoba strotzen vor Optimismus und sie sind der Meinung, dass man die Welt nur tanzend verändern kann. Ein erfrischender Sound, welchen man nicht jeden Tag hört.

Fredi Hallauer