SAITENSPRÜNGE

Austellung: Wenn Musiker malen

Kornhausforum Bern vom 27.08. bis 18.09.2016

Diese Ausstellung zeigt mit einer Ausnahme in der Berner Musikszene heimische Künstler, welche Musik machen und malen. Die Ausnahme ist Udo Lindenberg, seine Bilder sind eher dekorativ. Die Idee hatte Polo Hofer und er fand Stefanie Kaye, welche auch eine malende Muskerin ist, welche sich der Sache annahm und die Ausstellung realisierte. Die Bilder sind sehr unterschiedlich, wie auch die Musik die sie machen. Dreizehn KünstlerInnen sind zu sehen und etwa 150 Bilder. Es stellen Polo Hofer, Boris Pilleri, Regula Frei, Udo Lindenberg, George Steinmann, Mario Capitanio, Floh von Grünigen, Lilliana Ferreira, Baze, Schmidi Schmidhauser, Stuwi Aebersold, Marc Binz und Stefanie Kaye aus. Eine Ausstellung die es sich lohnt anzusehen.

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Niesen mit Nashorn (Polo Hofer)

20160826_193143.jpgSchmidi Schmidhauser vor einem seiner Bilder

ANNAKIN

CD: „Flowers On The Moon“ (Akinrecords)

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Annakin singt wirklich wie eine Blume vom Mond, wunderschön. Ihr klarer, heller Gesang dominiert das Album und alles wurde mit feiner und zärtlicher Musik unterlegt. Das ist zwar nicht wenig was da unterlegt wird, aber wohl proportioniert dosiert. Neben elektronischen Klängen kommen Bläser und Streicher und ein Kinderchor zum Einsatz, aber nichts da von Getöse und Gebläse. Für mich ist das eine der positiv auffälligsten CD’s in diesem Jahr. Einfach wunderschön, nicht verpassen.

Fredi Hallauer

Hanreti

EP „Cuetrigger“ (Little Jig Records)

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Die vierköpfige Band verstört mit ihrer 3 Songs EP, macht aber gleichzeitig neugierig auf ihr kommendes Album. Sie machen unbequemen sperrigen Pop und die drei Songs lassen sich nicht in die gleiche Schublade pressen. Klar muss es unbequem sein, wenn es um Flüchtlinge geht, oder treibend, nervös beim „Pusherman“. Hanreti ist sicher keine Band für jedermann und jedefrau, aber wer es gerne speziell hat, könnte sie gern haben.

Fredi Hallauer

PIERO ESTERIORE

Doppel-CD „Zwei 2 Due“ (Universal)

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Ja genau, Piero Esteriore ist wieder da, eben genau der. aber vergessen wir alles negative von ihm, den seine Musik war gut und seine Konzerte ebenfalls. Jetzt hat er ein Doppelalbum veröffentlicht mit den gleichen Liedern in Mundart und in Italienisch. Sein Italopop passt auch gut mit der Mundart zusammen und „Ewigi Liäbi“ passt auch gut als „Eterno Amore“. Piero Esteriore singt es im Duett mit Rachel Diva. Das ist angenehme Popmusik, welche den Sommer verlängert und für die Herbstferien im sehr gefragten Italien vorbereitet.

Fredi Hallauer

 

MARIUS BÄR

EP: „Marius Bär“ (Hitmill)

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Marius Bär, ein Appenzeller mit einer wahnsinns Stimme, nicht zum Zäuerle aber zum Soul singen, hat eine EP mit vier Mundartliedern aufgenommen. Seine Musik ist soulig und ehrlich. neben der Stimme überzeugt auch das Gitarrenspiel. Die Texte sind sehr poetisch mit Tiefgang wie z.B.: D Brücke am brönne; D‘ Ziit am verrünne; D Luft am verdünne; Zrugg chön mer nümme; D Freiheit isch hie; sie wartet nid.

Fredi Hallauer

LAKELAND FESTIVAL ERLACH

Das 1. Lakeland Festival fand vom 12. bis 14. August in Erlach am Bielersee bei schönstem Wetter statt. Das Festivalgelände war zwei geteilt. Zum einen die freie Zone mit der Lakelandbühne auf welcher dann am Sonntag alle Konzerte gespielt wurden. Die Hauptbühne war eingezäunt und abgeschirmt und dort fanden die Hauptacts statt. Dazwischen waren die Verpflegungsstände in der freien Zone. Die Lakelandbühne bot wunderschöne Stimmungen mit dem See und man konnte sich auch Konzerte im See schwimmend anhören. Wo gibt es das schon?

FREITAG

Die Stimmung bei den Silverhead, bei eben dieser Lakelandbühne, war bereits einmalig. Abendsonne am See und dazu die sympathische Band, welche eine Eagles Coverband ist. Sie spielten sich durch die ganze Breite des Repertoires der Eagles, ohne diese einfach zu kopieren, aber auch nicht zu verfremden. Intros und Soli waren kreativ und eigenständig. Das Publikum ging mit.

Es folgte auf der Hauptbühne Me.Man.Machine, welche einen schweren Stand hatten vor den Status Quo und Foreigner zu spielen. Ihre schwache Bühnenpräsenz trug das ihre dazu bei, die anspruchsvolle Musik der Band nicht gut genug beim Publikum ankommen zu lassen.

Nun kam der Moment auf den wahrscheinlich alle gewartet haben, die Status Quo betraten die Bühne. Anstelle des erkrankten (Herzinfarkt) Gitarristen Rick Parfitt spielte Freddie Edwards der Sohn des Bassisten John „Rhino“ Edwards. Freddie Edwards konnte voll mithalten und musikalisch erlitt das Konzert keine Einbussen. Status Quo hämmerte sich durch die Hits und Songs wie eh und je. Sie zeigten eine wahnsinnige Spielfreude und Witz, der nicht einstudiert war, denn einen Überfall von Stechmücken gibt es nicht an jedem Konzert, aber auch das meisterten die Status Quo mit Hilfe eines Antimückensprays aus dem Publikum grandios. Das ziemlich ältere Publikum, wen wunderts, klatschte und sang ab dem ersten Song mit. Beim Hüpfen klappte es nicht mehr so gut, sowohl beim grösseren Teil des Publikums wie bei den Musikern auf der Bühne. Das ist ihre letzte elektrische Tour und war wahrscheinlich auch das letzte Openair Konzert (zumindest in der Schweiz). Es war ein tolles und würdiges Konzert.

Es folgten die Foreigner, welche etwas jünger sind als Status Quo. sie boten eine tolle Bühnenshow. Was Anfangs etwas schrill wirkte entwickelte sich zum Guten. Die Band besteht aus Rampensäuen und so überzeugten sie mit ihrer Präsenz und ihrer Musikalität. Tom Gimbel, der Rhythmusgitarrist und Keyboarder spielte auch die Querflöte und das Saxophon und dies alles auf hohem Niveau. Der Gründer der Band Mick Jones kam als Gast ebenfalls auf die Bühne und spielte tatkräftig mit. Das Publikum ging mit und sang beim Hit „Urgent“ kräftig mit. Beim Schlagzeugsolo, schüttete der Schlagzeuger Wasser über seine Küche und mit der entsprechenden Beleuchtung gab es herrliche Licht/WasserKaskaden. Es war ein schöner Abend.

SAMSTAG

Das Urban Folk Quartet begeisterte auf der Lakeland Bühne. Mit Perkussion, Banjo, Gitarre und einer oder zwei Fiddles zauberten sie lebendige Folkmusik auf die Bühne. Von diesen Virtuosen wird man sicher noch hören. Teils schreib der Perkussionist die Stücke für die Saiteninstrumente.

Auf der Hauptbühne spielten Miraval, der Sänger zwischen Frankreich und der deutschen Schweiz. Mit seiner bluesigen rauchigen Stimme sang er Blues, Pop und Chansons. Er kämpfte gegen die Lethargie des Publikums, welches bereits aus eingefleischten Gölä AnhängerInnen bestand, welche ihren vorderen Platz verteidigten.

Es folgten Shadox aus Biel mit ihrem Bluespop. Sie standen musikalsich sicher auf der Bühne und präsentierten ihr können, aber auch sie hatten ein eher lethargisches Publikum vor der Bühne, dazu war es ziemlich heiss.

Weiter mit Blues ging es mit Philipp Fankhauser und seiner Band. Die gosse Formation bot ein solides gutes Konzert vor einem Gölä Publikum und einigen, welche wegen der Blues Brothers Band kamen. Am Keyboard war ein neuer Mann, der musikalisch nicht zur Geltung kam. Sonst war die Band gewohnt gut besetzt. Irgendwie ging aber die Dynamik der Musik verloren, im Vergleich zu Clubkonzerten wurde ein ziemliches Brett gefahren. Philipp Fankhauser selber sang mit starker Stimme und spielte herrlich Gitarre.

The „Original“ Blues Brothers Band begann ihr Konzert mit Instrumentalnummern und das routiniert aber ohne viel Herzblut. Nach etwa 20 Minuten traten die Sänger dazu und dann ging die Post ab. Die Band mit den Sängern groovte sich wundervoll durch all die Songs die vom Film bekannt sind.

Nun kam er, auf den viele seit dem Nachmittag warteten, Gölä. Aber vor seinem Auftritt wurde sein neuestes Video auf den Screens gezeigt und das Publikum sang bei diesem neuen Lied begeistert mit. Dann zündete Gölä mit seiner Band das Feuerwerk und sie spielten sich durch seine Mundartsongs, wobei der grösste Teil des altersdurchmischten Publikums vom ersten bis zum letzten Ton mitsangen. Gölä war ziemlich beeindruckt von seinem Publikum und so war es ein tolles Konzert mit einer ganz besonderen eindrücklichen Stimmung.

SONNTAG

Für den Sonntag wurden alle Konzerte auf die Lakelandbühne verschoben. Anna Rossinelli und ihre Band begeisterten an diesem heissen Nachmittag auch die Schwimmer im See, es war nämlich möglich das Konzert aus dem Wasser heraus zu hören. Obwohl es extrem heiss war hüpften die Musiker auf der Bühne und auch ein paar Personen im Publikum.

Troubas Kater spielten dann mit einer grösseren Verspätung, da der Bühnenumbau bei dieser kleinen Bühne nicht so schnell ging wie bei der Hauptbühne. Auch sie gaben alles was bei der Hitze möglich war und nach bereits einem Konzert vorher am Heiteren Openair.

Mit weiterer Verspätung und andauernder Hitze stand dann Nicole Bernegger auf der Bühne und bei bester Laune sang sie ihre Songs, teils in einem neuen Gewand, vor einem sichtlich langsam erschöpften Publikum.

Fredi Hallauer

PULLUP ORCHESTRA

Doppel CD: „The Brap“

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Das Pullup Orchestra aus dem Kanton Thurgau ist die Entdeckung für mich, obwohl das Doppelalbum bereits letztes Jahr erschien und die Band seit 2007 besteht. Hand aufs Herz, wer hat schon mal von dieser Band gehört vor dem Gurtenfestival 2016. Die Band macht etwas was andere nach ihnen auch machen und bekannt wurden dadurch, nämlich Brass, Perkussion und Mundartrap. Das geht geht wirklich ab auf allen drei Ebenen. Die Bläser sind jazzig, funkig, die Perkussion hämmert den Beat und der Rapper bringt mit seinem Sprechgesang einen weiteren Rhythmus hinein. Dazu kommt, dass die Texte ein gutes Niveau haben und es sich lohnt sie anzuhören. Also intelligente tanzbare Musik auf einem hohen Niveau. die zweite CD ist dann pur Instrumental, und spätestens dann ist zu merken, was der Rapper da hineinbringt.

Fredi Hallauer