SCHÄBYSCHIGG

Album: „Perschpektivä“ (Narrenschiff)

Die fünf Musiker, welche im Kanton Uri beheimatet sind, spielen umwerfende Neue Volksmusik. Mit Klarinette, zwei Trompeten, einer Basstrompete und einer Tuba, welche manchmal einem Akkordeon weichen muss, machen sie Musik zwischen Volksmusik und Jazz. Sie beschreiben ihre Musik als, Lieder und Tänze aus dem Leben die in keine Schublade passen. Der Auftakt mit „Äs Tänzli für d Emilie“ ist gewaltig. Das Tänzli beginnt mit einem Getöse von Tuba und Basstrompete, die Klarinette lässt dann das Stück zum Tänzli werden. „Holper Jazz“ wird dem Titel gerecht, es geht um minimalisierte Rhythmus Muster mit den beschriebenen Instrumenten und ein bisschen Melodie. “ Zooge n em Booge“ wird ein bisschen gesungen und noch näher bei der Volksmusik sind sie mit einem Stück, welches nach Oberkrainer tönt, zumindest am Anfang. Es ist aufstellende, spannende Musik und dieses Album gehört für mich in die TopTen für das Jahr 2020.

Fredi Hallauer

TROUBAS KATER

Album (Buch mit CD): „Iz eifach nid abe luege“ (www.troubaskater.ch)

Die Berner Troubas Kater auf ihrem eigenartigen Luftschiff mit Kapitän QC und einer tollen und guten Musikercrew gondeln mit ihren Liedern über den zwischenmenschlichen und zwischenmenschlich politischen Themen. Dieses Album ist ein wirkliches Album, es besteht aus einem Buch, mit allen Texten, vielen Texten welche nie erschienen sind mit den Erläuterungen und den Gründen, anderen Versen und Sprüchen, Zeichnungen und dem „Deitingen Nord Tagebuch“. Nein dieses Tagebuch hat nichts mit dem Album der Chlyklass zu tun, doch es handelt vom gleichen Ort. Dies ist ein sehr schön gemachtes Buch und natürlich ist die CD mit dabei, welche es nicht ohne Buch gibt. Nun wieder zur Musik. In gewohnter Troubas Kater Art geht es rhythmisch und mit Gebläse kraftvoll zu und her, aber auch die Gitarre oder das Akkordeon scheinen durch diese geballten Wolken. QC singt und rappt und manchmal liegt es irgendwo dazwischen. Die Lieder sind sehr gut getextet, oft in Ich-Erzählform und trotzdem steht der Dichter darüber. Einige geben auch zum Nachdenken Anlass, aber vielleicht nicht so wie man es gewohnt ist. „Made In China“ oder „Relegione“, aber auch „Dini Schwöschter“, letzteres geht sogar unter die Haut. Die anderen Lieder wären ebenso empfehlenswert, ich nenne diejenigen, welche bei mir bereits beim ersten Hören hängen blieben. Troubas Kater gehen mit diesem Album ihren Weg weiter, aber musikalisch und textlich und in der Präsentation mit grossen Sprüngen.

Fredi Hallauer

LOS ORIOLES

EP: „Vacances à Mer“ (Creaked Records)

Die siebenköpfige Bieler Band bringt uns etwas Ferienstimmung in die vier Wände. Sie vermischen tropische Sounds mit psychedelischem Rock und zünden so ein Feuerwerk, welches die Stimmung von vielen Leuten widerspiegeln könnte. Also ein gute Laune Sound mit einem etwas komischen Gefühl im Hintergrund. Gesungen werden alle vier Titel auf französisch. Hier darf man echt auf mehr gespannt sein, denn diese EP macht Luft auf mehr.

Fredi Hallauer

AL PRIDE

EP: „Spruce“ (Radicalis)

Die Badener Band ist auf acht MusikerInnen angewachsen. Der Sound ist trotzdem soweit minimiert wie es geht um genau die Musik in den Vordergrund zu stellen, welche sie wollen. Viel Groove mit sattem Bass, Schlagzeug und Perkussion ist zu hören, natürlich hilft auch die Rhythmusgitarre oder das Keyboard mit. Lead- und Backgroundgesang sind wichtig, ebenso die sphärische Leadgitarre und die Al Pride Bläsersektion. „Another Vibe“ lässt einem beschwingt abtanzen, die anderen Stücke sind eher langsamer und etwas grau eingefärbt, man könnte auch sagen melancholischer, aber trotzdem groovig. Ein gutes und vielseitiges Songwriting prägt diese EP ebenfalls. Ein wichtiges Stück CH-Musik.

Fredi Hallauer

EMILIE ZOE & CHRISTIAN GARCIA-GAUCHER

Album: Pigeons – Soundtrack for the Birds on the Treetops Watching the Movie of our Lives (Hummus Records)

Emilie Zoé aus der französischen Schweiz, wurde von einem alternativen Filmfestival in La Chaux De Fonds, eingeladen einen alternativen Live Filmsoundtrack für einen Film ihrer Wahl zu machen. Sie wählte den Film „A Pigeon Sat on a Branch Reflecting on Existence“ von Roy Anderssons. Ins Boot holte sie den Produzenten Christian Garcia-Gaucher. So wurde zum Film mit der Originalmusik noch diese Musik gespielt, so wie ich das verstanden habe. Dieser Alternative Soundtrack gibt es jetzt als Album. Viele Aufführungen mit dem Film und Emilie Zoé mit dem Schlagzeuger Nicolas Pittet hätten stattfinden sollen, welche jetzt wegen der Coronakrise vorläufig wegfallen. Es bleiben uns aber diese melancholischen Klänge mit etwas Orgel untermalt, den Gitarren und einigen wunderschönen oft zweistimmig gesungenen Songs (Frauen- und Männerstimme). Ein paar Stücke sind instrumental, aber auch die lohnenswert zu hören.Emilie Zoé ist es wieder einmal gelungen Popmusik ganz neu zu definieren.

Fredi Hallauer

DAIF

EP: „Bitte Baby“ (Irascible)

DAIF kommen aus Frauenfeld und machen Mundart Elektropop. Aber ehrlich gesagt, diese EP wäre besser nicht erschienen. Die Musik ist absolut 0815 in der unteren Tabellenhälfte, aber das würde noch gehen wenn die Texte gut wären. Das sind sie aber nicht, sondern sehr pubertär und irgendwo verwechseln sie Liebe mit Geschlechtsverkehr, anders kann ich mir nicht vorstellen, dass sie minutenlang von „vögle“ und „ficke“ singen. Da bleibt nur zu schreiben: Finger weg.

Fredi Hallauer

FRED & ROSE

Album: „Estado Alpha“ (Bonfeeling Records/Irascible)

Das französisch-schweizerisch-argentinische Duo spielt geniale Musik zwischen Blues, Garagen, Cumbia und irgendwo auch Americana. Sie schrieben, arrangierten und nahmen in 10 Tagen jeden Tag einen Song auf. Da ist Temperament vorhanden, sei es in den Stimmen oder dem Gitarrenspiel wie der Perkussion. Diese rohe und unter die Haut gehende Musik gibt manchmal herrliche Gänsehaut. Gesungen wird Englisch, Deutsch und Spanisch. Was will man mehr als diese Klänge geniessen. Ähnliche Musik findet man selten bis nie.

Fredi Hallauer