JEANS FOR JESUS

Album: „19xx_2xxx“ (Universal)

Das Quartett des Mundartpop kommt zumindest auf dem Cover Monumental daher. Beim Anhören, nein sie sind in etwa die gleichen geblieben und haben sich einfach weiterentwickelt, aber nicht so pompös wie auf dem Cover. Ja sie machen es einem schwer, die Jeans For Jesus mit dem neuen, dem dritten Album. Schon der Albumtitel versteht niemand, er spricht sich neunzehnhundert zweitausend aus. Einfach wenn man es weiss. Die Musik, die Beats und Loops sitzen und grooven gehörig und sind das was als Erstes Freude macht am Album. Dann kommt der Gesang. Eine Stimme klingt einigermassen gewöhnlich, aber sonst sind es Fistelstimmen, bei denen ich nie weiss, machen sie jetzt einen Scherz oder meinen die das Ernst. Dann kommen die Texte. Inhaltlich im grossen und ganzen OK, aber so die üblichen Popthemen. Aber vielleicht ist es besser getextet oder auch nicht. Schlau wird man aus diesen Sätzen nicht einfach so, auch hier die Frage, nehmen sie uns oder sich ernst, oder niemanden. Vielleicht ist das Kunst und es versteht nur jemand der sich als Kunstkenner ausgibt. Die 16 Songs sind ja toll, aber hier bitte das Album in Tranchen (nicht wörtlich nehmen) anhören, denn es könnte zuviel werden. Dies ist Schweizer Popmusik von Nerds für Nerds.

Fredi Hallauer

HAINAN

Album: „Hainan“ (Universal Music)

Hainan ein Berner Mundartpop Duo legt nun ihr Debut vor. Ihre Musik ist vom internationalen Pop geprägt, die Stimmen entsprechend elektronisch verändert. Sie bewegen sich zwischen Pop und Trap. so klingt das ganze doch recht international. Die Texte sind in Mundart, clever getextet. Es ist Wortwitz dabei, aber auch gute Beobachtungen und Gefühle formuliert. Sehr gelungen ist „Siedlig“, wo der Sänger seine Siedlung beschreibt wo er in den 70iger Jahren aufwuchs, und wie sie heute ist. Leicht irritierend sind die vielen englischen Liedtitel, es sind aber Mundartlieder. Vielleicht bleibt dazu zu sagen, dass diese Wörter eben zur heutigen Mundart gehören. Ein Duo von dem man sicher noch hören wird.

Fredi Hallauer

TUWAN

EP: „Multiplayer“

Tuwan das sind zwei Berner mit afrikanischen Wurzeln. Sie singen im besten Berndeutsch, rhythmisch bewegen sie sich zwischen Tropical und R’n’B. Sie singen über die Liebe, die schönen und die furchtbaren Momente. Interessant sind aber ihre Beats und ihr Sound. Manchmal fragt man sich, wieso müssen die jetzt auch den Autotune einschalten und verdächtig nach bei Lo & Leduc tönen. Bei den weiteren Liedern bewegen sie sich weiter weg und mehr zur Eigenständigkeit. Man darf auf mehr von diesem Duo gespannt sein und wohin sie sich bewegen.

Fredi Hallauer

ESKIMO

Album: „Hans“ (Muve Recordings/Musikvertrieb)

Das Berner Mundartduo ist nach ihrer EP und verschiedenen Singles bereits mit dem Album da. Es sei schon verraten, es ist ein gutes Album geworden. Musikalisch bewegen sie sich zwischen Berner Chansons und Pop, Westerngitarre, Elektronik, Schlagzeug, Trompete und was gerade nötig ist um die Lieder in die richtige Umgebung zu bringen, wird eingesetzt. Sie huldigen textlich die grossen der Berner Mundartlieder, zeigen aber auch, wie Mundartpop heute tönt, mit anderen Worten sie lehnen sich an Vorbilder und machen gleichzeitig Eigenständiges. Sie schildern die Berner Agglo und binden sich selber ein, machen auch die Lieder vom Verlassenwerden von Frauen nicht zu Jammerballaden, sondern zu leichten tanzbaren Songs. Humor ist viel dabei ohne zu blödeln. Eskimo sind definitiv bei uns angekommen und werden die Mundart 20iger Jahre mitprägen.

Fredi Hallauer

KAUFMANN

EP: „Dr Chüalschrank isch leer“ (Phonag)

Der Bündner Kaufmann singt uns vier neue Lieder. Zwei sind Studioaufnahmen und zwei Liveaufnahmen vom Openair St. Gallen 2018. Der Sound ist sehr episch breit. Sein Mundarpop geht Richtung Indierock. Inhaltlich leidet er immer noch und drückt das gesanglich sehr klar und deutlich aus. Aber durch den tollen Sound, ist das Zuhören erträglicher geworden. Gerade bei den Studioaufnahmen ist die Mischung nicht optimal in Bezug auf die Verständlichkeit des Textes. Kaufmann poliert mit dieser EP sein Image des ersten Albums etwas auf und kann nun zu den aktuellen und besseren Mundartmusiker gezählt werden.

Fredi Hallauer

NOAN

Album: „Rosaroti Brülle“

Der Luzerner Noan kommt mit frischer Mundartmusik auf seinem Album daher. Er beginnt mit Reggae, lässt es rocken und dazwischen ein bisschen Pop. Das ganze ergibt eine farbige Musikpalette mit feiner Elektrischer Gitarre. Seine Texte erzählen vom Leben aber von der positiven Seite oder anders gesagt, Noan schafft es überall eine positive Seite zu finden. Das ist guter Mundartpop mit toller Musik und ansprechenden Texten. Noan bringt Sonne und Farbe in die herbstlichen Stuben und Lokale.

Fredi Hallauer

VOLXROX

Album: „Familie-Fest“ (H2U GmbH/Phonag Records)

Die Berner Band um den Sänger Simu Lüthi gibt nach drei Jahren ihr zweites Album heraus. Es ist Mundartpop der guten alten Art. Dort ein bisschen rockiger und durch die Handorgel kann man diese Musik auch unter Folkpop oder Folkrock einordnen. Auf das erste Hören kommt einem Trauffer in den Sinn, vielleicht auch Gölä, das kommt durch den gleichen Produzenten, T.J. Gyger zustande. Musikalisch kann man VolXRoX als Partyband einordnen. Die Inhalte der Texte unterscheiden sich bei mehreren Liedern von Trauffer & Co. „Familie-Fest“ erzählt wie es an so manchem Familienfest zugeht. Zu den guten Songs zählen für mich u.a. „Mit u ohni Di“, „Boumhus“ und „Pouseclown“. VolXRox ist ein schönes Album gelungen, welches auf die Schönwetterseite gehört, aber das darf es ja auch einmal wieder sein.

Fredi Hallauer