BONAPARTE

Album: „Was mir passiert“ (Sony Music)

Der Schweizer Wahlberliner Tobias Jundt hat sich wieder einmal neu erfunden. Fertig mit dem bizarren Partysound, Bonaparte hat sich globalisiert, zumindest musikalisch. Er reiste nach Abidjan an der Elfenbeinküste und nahm mit lokalen Musikern und lokalen Stars ein Album in deutscher Sprache auf. Bei je einem Lied haben auch Sophie Hunger, Bela B, Farian Urlaub, Bop de Narr, Les Soeurs Dion, Tosha Kitona, Fatoumata Diawara und Ruby & Hazel mitgeholfen. Die Musik nimmt von überall etwas, nämlich das was nötig ist um die Texte zu transportieren. Nun zu den Texten, die sind sehr speziell, wie könnte das bei Bonaparte anders sein. „Das Lied vom Tod“ besingt alle Musik die tot ist mit sehr treffenden Zwischentexten, „Dene wos guet geit“ das einzige Mundartlied, ein Mani Matter Cover, hat natürlich schon den entsprechenden Text und zusammen mit Sophie Hunger gesungen, geht es unter die Haut und am Schluss kommt als Sahnehäubchen noch ein afrikanisches Frauenchörlein dazu. In „Weinbar“ geht es nicht ums Trinken sondern ums Weinen, und der Titel „Ins Herz geschlafen“ spricht für sich. Bonaparte ist hier eine Perle gelungen.

Fredi Hallauer

PAUL ETTERLIN

Doppelalbum: „Von innen tätowiert“

Paul Etterlin ist ein erfahrener und sehr guter, wie auch leidenschaftlicher Gitarrist. Nun präsentiert er ein Doppelalbum, welches Zwiespältiger nicht sein könnte. Super ist die Musik bei allen 26 Stücken, tolle Gitarren plus Bläser und gute Rhythmus Sektion. Paul Etterlin zeigt, dass er zu den ganz grossen Gitarristen in der Schweiz gehört. Ein Album ist „Rock“ mit deutschen Texten, das andere ist Gitarrensound, instrumental zwischen Rock, country und Americana. Nun kommt das Aber. Die deutschsprachige CD ist musikalisch top, aber textlich im Schlager Bereich. die Interpretation geht Richtung Schlagerrock. Dies Texte sind nicht zum Hören und machen auch die ganze Musik zu nichte. Schade.

Fredi Hallauer

FRANK POWERS

Album: „Juheminee“ (Radicalis)

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Frank Powers hat dieses Album selber produziert und turnt in Popgefilden. Musikalisch setzt er mal nur wenige Instrumente ein, dann wieder einen Streichersatz oder sonst etwas mehr. Dazwischen allerhand angesammelte Instrumente. Musikalisch ist das Album interessant und wunderschön. Nun kommt das Aber. Frank Power singt in den Falsetttönen und das noch durch den Autotune gelassen und leicht verhallt, dadurch sind seine Texte oft nicht verständlich, ja manchmal merkt man nicht einmal genau ob er jetzt Englisch, Deutsch oder Mundart singt und das finde ich schade. Er will mit seinen Texten etwas sagen, das merkt man, wenn man da genau hinhört wo man es versteht. Frank Powers hat in seiner normalen Stimmlage eine durchaus schöne Stimme, auch das hört man, und darum sind solche Turnübungen und das starke Autotune unnötig. Schade.

Fredi Hallauer

STEINER & MADLEINA

Album: „Cheers“ (Glitterhouse/Irascible)

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Das Frauen-Duo überrascht auf ihrem Debüt-Album mit Frische und Elan. Nora Steiner und Madleina Pollina singen beide und spielen angenehmen Indie-Folk mit Schwung. Die Texte strotzen von Selbstbewusstsein und das nicht nur in der fröhlichen Art. Ihre grossen Fähigkeiten Texte zu schreiben bringen auch wenig angenehme Themen aus der Zwischenmenschlichkeit in eine Form, dass einem nicht gerade der laden runtergeht. Sie singen vor allem auf Deutsch, dazwischen auch Englisch. Ganz ohne sind die Texte nicht und das Gesamtpaket Text und Musik sowieso nicht. Anwärter für Album des Jahres.

Fredi Hallauer

CHIQANNE

Album: „Sommerzeit“ (Motor Music/Irascible)

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Das Basler Duo bestehend aus Anna Gosteli und Fabian Chiquet (The Bianca Story) nahmen aus einer Laune heraus ein flockig leichtes Popalbum auf. Anna Gosteli singt deutsch. Die Texte handeln von gescheiterten Beziehungen, Träumen die erfüllt wurden oder geplatzt sind. Die Musik ist leichter Pop, aber immer schön vorwärtstreibend in den nächsten Traum. Ein sehr angenehmes Album mit intelligentem Pop und musikalisch recht interessanten Klängen, aber nicht experimentell. Diese Musik kann sehr gut im Radio gespielt werden. Dies ist ein Album welches uns den Sommer etwas verlängert.

Fredi Hallauer