PHENOMDEN

Live: In der Mühle Hunziken am 25. September 2021

Bild Fredi Hallauer

Deutlich verspätet startete das Konzert mit Phenomden und den Scrucialists. Grund dafür war wohl ein Personalmangel an der Kasse, den eine Person alleine musste Zertifikate und Tickets kontrollieren und Stempel machen. Aber Ok das kann passieren. Die Scrucialists übernahmen die Bühne und liessen es herrlich grooven. Dann kam Phenomden dazu und zündete mit seinen alten Reggae Songs ein richtiges Feuerwerk, das Publikum tanzte und sang. Nach ein paar solcher Songs startete er mit den neuen Sachen, welche eher soulig waren. Das Feuer erlosch und das Publikum wurde weniger aufmerksam. Aber Phenomden packte immer wieder Reggae aus und hielt das Publikum bei Laune. Die Scrucialists waren eine hervorragende Begleitband, aber nicht mehr. Sie spielten kaum Soli und ihre Sachen einfach emotionslos runter. Bläser wurden mit dem Keyboard gemacht und da und dort Stimmen eingespielt. Etwas schade. Phenomden selber sang bei den neuen souligen Sachen nicht immer ganz sauber. Es war ein mitreissendes Konzert, welches aber noch Entwicklunspotential zeigte.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

Album: „Streunendi Hünd“ (One Ton/Irascible)

Phenomden liess uns lange auf ein neues Album warten. Er lebte sechs Jahre in Kingston/Jamaika und nun ist er zurück in der Schweiz mit einem Albumund einer Tour. Phnomden ist vielseitiger geworden. Er entdeckte den Soul und lässt nicht nur den modernen Reggae und den Roots Reggae erklingen, nein es ist auch viel grooviger Soul zu hören. Alle zehn Songs sind Mundart und handeln von den verschiedensten Lebensgefühlen, Liebe, Selbstzweifel, Nicht zur Ruhe kommen. Aber auch von einem Ride durch Kingston oder eine Zusammenfassung von den verschiedensten Johnny Songs mit schönen verzerrten Gitarren machen sich sehr gut. Die Feuerzeughymne „Ich gseh di“ setzt dem Album noch die Krone auf. Aber eigentlich ist jedes Lied eine Perle, eine interessante Geschichte oder fährt mit Groove in die Beine. Trotz der Vielseitigkeit kommt das Album aus einem Guss daher.

Fredi Hallauer

M’GHADI

Album: „M’Ghadi“

Das Luzerner Oktett lässt die Schweiz tanzen, wenn das wieder möglich ist. Mit ihrem Drive fahren sie direkt in die Beine. Von Balkan Brass Beat über Reggae, Ska bis HipHop gibt es vieles zu hören. Die beiden Bläser plus die Rhythmussektion sorgen für die dauernde Unruhe. Wenn es mal etwas ruhiger zugehen soll, lässt das Piano die Töne perlen. Am Gesangsmikrofon teilen sich verschiedene Bandmitglieder plus eine Sängerin den Platz. Die Texte sind Mundart mit einer Ausnahme, welche englisch ist. M’Ghadi erzählen Geschichten von Geschehnissen oder von Personen wie dem Luerner „Tüechlimaa“. Sie sprechen damit auch gesellschaftsrelevante Themen an. M’Ghadi ist sicher eine Enteckung für das Jahr 2021.

Fredi Hallauer

RITA ROOF

Album: „Stimm i mir“ (Universal Music)

Rita Roof mit ihrer samtenen Altstimme arbeitete bisher im Hintergrund, im Backing, von verschiedenen KünstlerInnen wie Phenomden, Dodo, Steff La Cheffe und einigen mehr. Nun tritt sie in den Vordergrund mit ihrem ersten Album. Sie singt vor allem Mundart, in einem Lied dazwischen spanisch und zweimal englisch. Ihre Lyrik sind sehr ansprechend. Sie erzählt aus ihrem Leben als alleinerziehende Mutter, aber auch wie es ist als Frau in der Männer dominierten Musiklandschaft. Die Texte sind sehr ausgereift, klar und nicht nur akustisch gut verständlich. Produziert haben Dodo und Big-J. Das ist dem Sound gut anzumerken. Obwohl die Inhalte der Lieder nicht leicht sind, federt die Musik und der Minister Of Good Vibes hat einen tollen Sound hingezaubert. Stilmässig ist es Reggae, Soul und Pop. Sehr speziell ist, dass da keiner der Stile ausgeprägt pur daher kommt, sondern dass Rita Roof ihren eigenständigen Sound und Mix der Stile hat. Rita Roof ist nicht nur eine begnadete Sängerin, sondern eine sehr gute Songwriterin.

Fredi Hallauer

DODO

Album: „Pass“ (Sony Music)

Der Zürcher Minister der guten Schwingungen, wie er sich nennt setzt seine Reise fort. Nachdem er an der Pfingstweidstrasse ausziehen musste mit seinem Studio (letztes Album) beginnt seine musikalische Reise mit dem ersten Lied genau dort. Er reiste dann nicht nach Afrika wie geplant, Corona vereitelte es, sondern er blieb in der Schweiz und fuhr in die Bergwelt mit seinem Container. Die Lieder erzählen von den Bergen, den Pässen, den Witterungen und ihren Vorteilen, z.B. wenn man mit einer schönen Frau in einer Hütte eingeschneit ist. Die Lieder sind ausgereift, der Groove nicht immer gleich, aber immer sind es Good Vibes, welche er verbreitet. Lo & Leduc und Nemo haben auch bei verschiedenen Liedern mitgeschrieben und diese Handschrift hört man den Texten positiv an. Seine Art zu produzieren hört man ebenso und das gibt zusammen ein gelungenes Album, welches der Seele sehr gut tut.

Fredi Hallauer