TROUBAS KATER

Album: „Katergold“ (Groovefactory/Kathamusic)

Ja, Troubaskater feiern ihr 10-jähriges Jubiläum und beschenken sich und uns mit einem Pokal aus Katergold. Da die Welt im Moment ziemlich viele Beulen hat, ist der Pokal auch etwas verbeult, zumindest textlich. Es glänzt nicht alles und nicht alle Texte sind so einfach. Da kommen Themen wie Femizid, Umwelt, die Besitzer von viel Geld, welche es horten, und mehr zur Sprache. Es geht auch um Beziehungen, um Selbstkritik und weitere gesellschaftliche Themen. QC versteht es, alles in eine schöne Poesie zu setzen und dann langsam den Lack abblättern zu lassen. Musikalisch ist das Album sehr erfrischend und so richtig stark. Da wird mit Rhythmen experimentiert, die Bläser drehen auf, lassen aber auch dem Akkordeon Platz. Bei einem Lied bläst Traktorkestar mit, als Gäste sind im Gesamten auch Nina Gutknecht (Gesang), Sonja Huber (Marimba) Simon und Raphael Heggidorn und Nao Rohr (Streicher) zu hören. Stilmässig ziehen Troubas Kater alle Register von Balkan, zu Pop, HipHop und Latin und noch viel mehr. Dieses Album muss man gehört haben, und es ist nach meiner Meinung ihr bisher bestes Album.

Homepage https://www.troubaskater.ch/

Fredi Hallauer

ANDY TRINKLER & THE CAPTAINS CLUB

Interview

Am 28. März sprach Fredi Hallauer mit Andy Trinkler vor dem Konzert im Kulturhof Köniz

Live: Albumtaufe im Kulturhof Köniz am 28. März 2025

Bild Fredi Hallauer

Der Singer/Songwriter trat mit seiner Gitarrenband und einer Backing Sängerin auf. Dszwischen setzte sich Stuwi Aebersold an die Hawai Gitarre und Mischa Maurer an das Keyboard. Sie spielten natürlich die Songs des neuen Albums und viele aus früheren Alben. Andy Trinkler verstand es Geschichten zu erzählen, teils wahre und fast wahre. Musikalisch bewegte sich die Band in einem breiten Spektrum von Country bis gegen Southernrock. Die meisten Songs waren im typisch amerikanischen Singer/Songwriter Stil der verschiedenen grossen Vorbildern. Andy Trinkler begeisterte mit seiner charismatischen leicht rauen Stimme. Sein Gitarrenspiel konnte sich ebenfalls hören lassen. Der zweite Gitarrist war immer im Hintergrund, auch bei den Soli, was nicht nur ich schade fand. Alles waren sehr gute Musiker. Nach zwei Zugaben, fand ein wunderschönes und fetziges Konzert ein schönes Ende.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

Album: „The Rail & The Road“

Dieses Album wurde nicht mit dem The Captains Club aufgenommen, sondern mit verschiedenen Musikern. Am Bass war Mich Schärer, am Schlagzeug sass Christof Jaussi und an der Hammond Mischa Maurer, Backing sang unter anderem Ursi Moser. Die Gitarren spielte Andy Trinkler. Auf dem Album sind elf Songs zu hören, drei sind Coverversionen, aber ganz im Stil von Andy Trinkler interpretiert. Die Covers stammen von Allan Taylor, Dan Fogelberg und Jim Croce, was auch schon ein wenig die Stilrichtung des Albums vorgibt. Es ist Americana im Stile der grossen Singer/Songwriter. Andy Trinkler versteht es, mit seiner guten und leichten Sandpapier Stimme Geschichten zu erzählen. Wer gewisse Titel vom Englischen ins Deutsche übersetzt oder Fantasie walten lässt, merkt, dass die Geschichten nicht nur in Amerika handeln, sondern auch in der Schweiz. „Paper Mill Road“, übersetzt Papiermühlestrasse (eine Strasse in Bern) oder „Train To Oldale“, was so viel heisst wie Zug nach Olten, sind zwei Beispiele. Die Songs handeln viel vom Reisen, von Lebensgeschichten und vielen Überlegungen aus dem Leben. Das Album klingt wunderbar und es ist ein wohltuender Genuss, diese Musik zu hören.

Fredi Hallauer

MELINA NORA

EP: „Landtapu“ (Mouthwatering Records)

Die in Zürich lebende Walliserin schwankt auch musikalisch zwischen Land und Urbanem. Die junge Frau in den 20ern, singt von Aufbruch, von der Unsicherheit, von der Zukunft und aus dem Leben eines jungen Menschen. Vier Lieder in Walliserdeutsch sind zu hören. Die Stimme dürfte etwas präsenter sein. Der Dialekt ist sehr ausgeprägt und es braucht schon ein paar Durchgänge, um die Inhalte einigermassen zu verstehen. Melina Nora macht eigenständigen Indie-Folk. Auf mehr darf man gespannt sein.

Fredi Hallauer

SOULFLIP ORCHESTRA

EP: „One Day“ (Escudero Records)

Die Band aus der französischen Schweiz singt englisch. Sie spielen Deep Bass Electroswing mit drei Bläsern und einer charismatischen Frauenstimme. Da bleibt kein Bein stillstehen und jeder Fuss wippt mit. Es sind fünf Songs zu hören, und der letzte ist „Christmas Swing.“ Der Zeitpunkt ist vielleicht nicht der richtige dafür, aber die nächsten Weihnachten kommen bestimmt. Es bleibt nur zu sagen: „Lets Dance.“

Fredi Hallauer

CLAUDE DIALLO SITUATION & BRUNO SPOERRI

Album: „Hommage To Richard“ (Dot Time Records/Galileo Music)

Beginnen wir mit dem Albumtitel. Mit Richard ist Richard Irniger gemeint. Er ist Hausherr einer Villa mit Aussicht auf den Zürichsee und Veranstalter von über 1500 Konzerten aus dem Bereich, Klassik, Jazz und Weltmusik und ein Förderer der Musik. Claude Diallo der internationale Jazzpianist aus St. Gallen spielte dieses Konzert in der Villa, welches aufgenommen wurde. Am Bass stand Luques Curtis und am Schlagzeug sass James Williams. Zu diesem hervorragenden Trio kam Bruno Spoerri, der 88-jährige Jazzsaxophonist, mit seinen Saxophonen und elektronischen Instrumenten. Zusammen ergab das wunderschönen, melodiösen Jazz. Alle vier Musiker haben viel Platz für ihre Improvisationen, welche sehr wohltuend wirken. Das ist Jazz zum Zurücklehnen und Geniessen. Ein Album für die Jazzbestenlisten.

Fredi Hallauer

SiAM!

Album: „On Y Va“ (Irascible)

Der Berner Multiinstrumentalist, Produzent und Mundartrapper präsentiert uns sein Debütalbum. Musikalisch ist es Dancehall, Afrobeat und Electro und seine Texte sind gerappt. Das Album brilliert schon durch die tanzbare Musik, da sind vielseitige tolle Beats, satte Bässe und fantasievolle Töne zu hören. Das wesentliche sind natürlich die Texte. Obwohl der Albumtitel französisch ist, wird durchgehend in Mundart gerappt. SiAm! ist ein genialer Wortakrobat, Beobachter seines Umfelds, hat Witz, aber auch gesellschaftsrelevante Ideen. Er steht zu sich, die Texte sind ehrlich und gut verständlich. Er gehört mit diesem Album zu den aufsteigenden Sternen der Berner Mundartszene. Dieses Album macht Spass und ist ein Genuss.

Fredi Hallauer

HAUBI MIETI

Album: „Heimelig“

Haubi Mieti ist eine zehnköpfige Stadt Berner Band, welche einiges zu bieten hat. Die Musik fetzt und spielt irgendwo zwischen einer grossen Popband und einer Jazzrockformation. Auffallend sind die Bläser und das Keyboard, hauptsächlich die Hammondsounds. Die Rhythmen sind nicht einfach geradlinig, sondern oft vertrakt und mit Rhythmuswechseln gespickt. Die Texte erzählen vom Leben und sind Bern bezogen. Der Schwachpunkt der Band ist der Sänger, er intoniert oft ziemlich ungenau. Am besten ist er, wenn er näher beim Sprechgesang ist. Da ist also beim Gesang noch viel Luft nach oben und viel Arbeit steht noch bevor.

Fredi Hallauer

ELLIS MANO BAND

Album: „Morph“ (SPV Recordings/Phonag)

Das gestandene Quintett wird immer stärker. Mit „Morph liefern sie ihr bestes Album ab. Sie spielen Klassikrock mit vielen Blues-Anteilen. Die Stimme des Sängers kommt charismatisch und kräftig herüber. Die Songs sind unterschiedlich und haben hohen Wiedererkennungswert. Mal wird so richtig gerockt, dann wieder wird es balladesk. Die Gitarre gefällt ebenfalls bestens mit den herrlichen Soli. Der Drummer hämmert so richtig satt und kräftig, oder bei den Balladen setzt er gute Zeichen mit dem Schlagzeug. Das Keyboard umspielt das Ganze oder setzt Akzente bei den rockigen Songs. Bei den Balladen gefällt dann das Hammondspiel. Der Bassist pumpt mit schönen Pattern den Beat. Auffallend ist auch die hervorragende Qualität der Aufnahmen und der Produktion. Egal, ob laut oder leise, immer ist alles bis ins Detail zu hören. Ein Album, das eine Auszeichnung verdient.

Homepage: https://www.ellismanoband.com/

Fredi Hallauer

SINA

Album: „Bescht Of 30 Jahr – Live aus der Mühle Hunziken“ (Musikvertrieb)

Seit 30 Jahren ist Sina unterwegs und sie hat unzählige Lieder aufgenommen. Zu ihrem Jubiläum hatte sie sich etwas Spezielles ausgedacht, sie liess das Publikum wählen, welche Lieder sie live in der Mühle Hunziken aufnehmen soll. Es ist eine sehr spannende Auswahl zustande gekommen. Viele weniger bekannte Lieder gibt es hier zu hören und natürlich auch einige ihrer Hits. „Där Sohn vom Pfarrär“, „Schwöru“ mit Büne Huber, aber auch „Emma“, „Fär wär soll ich singe“ und viele schöne Lieder sind dabei. Eingespielt wurde alles live mit ihrer starken Band, alles ist dabei, mal einfach und ruhiger und dann wieder opulent, mit Bläsern und Backgroundgesang. Marc Sway ist ebenfalls Gast beim Lied „Wa du bisch“. Ein wunderbares Album und nicht einfach eine Best-of-Sammlung.

Fredi Hallauer

PHILIPP FANKHAUSER

Album: „Ain’t That Something“ (Phonag Records)

Philipp Fankhauser ist zurück, mit einem neuen Album. Es ist ein vielseitiges Album geworden. Soul, Blues, Zydeco und Chanson. Ausser dem Chanson ist alles amerikanische Musik und im amerikanischen Verständnis auch Blues, aber ohne die Blues-Klischees. Das Album ist opulent mit Bläsern und Backgroundchören. Es ist sicher ein Album geworden, das stimmungsmässig im Blues liegt, mit der Ausnahme des Zydeco Titels „Monsieur Thibodeaux“. Diese Musik aus Louisiana steht Philipp Fankhauser und seiner Band gut an, wie auch das Chanson „L’Italien“, von Serge Reggiani, mit französischem und italienischem Text. Im „The Undertaker“ wird es recht funky und „In The Ghetto“ ist eine sehr gelungene Version dieses Klassikers. So könnte man Song für Song aufzählen, keiner fällt ab. Das Album klingt trotz der Vielseitigkeit sehr kompakt und solid. Eines der besten Alben von Philipp Fankhauser.

Fredi Hallauer

RETO BURRELL

Album: „XII“

Wie es der Titel sagt, ist es Reto Burrell s zwölftes Album. Dieses Mal hatte er und sein Produzent ein rohes und direktes Album zu machen, ohne Band und mit akustischer Gitarre. So wurde es dann in kurzer Zeit aufgenommen und nachher noch ein paar akustische Instrumente beigefügt. Herausgekommen ist ein Album mit Akustikrock, ehrlichen Texten, ja eine Art Seelenstriptease. Ein Lied singt er in Mundart, sein erster Mundartsong unter seinem Namen. Das ist ein schönes akustisches Singer/Songwriter-Album und zeigt einen anderen Reto Burrell als man ihn gewohnt ist, ausser man war schon an seinen Solokonzerten.

Vom Album gibt es keine offiziellen Aufnahmen, diese Live-Solo-Aufnahme vom letzten November, kommt dem Album am nächsten.

Fredi Hallauer

TAL ARDITI

EP: „Close Your Eyes“ (Mouthwatering Records)

Tal Arditi ist mit einer neuen EP zurück. Es sind sechs schöne Songs zwischen Folk und Elektro. Manchmal ist die akustische Gitarre dominant und dann kommt der Electro wieder mehr zum Zug. Die Songs sind ruhig, wie wir das von Tal Arditi kennen. Der letzte Song geht etwas mehr als dreissig Sekunden, er fasst aber alle Texte zusammen mit „Hör nicht auf, an dich selbst zu glauben“. Ehrliche, leicht introvertierte Songs für Geniesende.

Es ist im Moment nur dieses Live Acoustic Video verfügbar, was nicht ganz der Musik auf dem Album entspricht.

Fredi Hallauer

ANDRYY

Album: „Wänn du da bisch“ (Universal Music)

Der junge Mundartsänger hat nach mehreren EP ein Album mit zwölf Liedern veröffentlicht. Musikalisch ist es bekömmlicher, tanzbarer Elektropop. Die Lieder erzählen von der Liebe in den verschiedensten Facetten, aus der Sicht eines jungen Mannes. Da gibt es die Frauen, welche ihn nicht beachten, das totale Verliebtsein, das Verlassen werden und vieles dazwischen. Wunderschön sind die beiden Duette, eines mit Livv und eines mit To Athena. Andryy bietet ein Stück schöne Mundartpopmusik für die jüngere Generation.

Fredi Hallauer

BLAU SALVATGE

Live: Albumtaufe „Hiraeth“ im BeJazz Club am 7. März 2025

Bild Fredi Hallauer

Blau Salvatge ist ein Oktett um den Vibraphonisten und Komponisten Joan Perez Villegas. Zum Oktett gehörten, eine Violinistin, eine Flötistin, eine Klarinettistin mit Klarinette und Bassklarinette, ein Trompeter und Flügelhornist, ein Posaunist, ein Kontrabassist und ein Schlagzeuger und Mundharmonikaspieler. Die Musik wurde alle komponiert, zwischen Klassik, Volksmusik und Jazz. Da die Mitglieder der Band aus den USA, der Schweiz (Schaffhausen bis Wallis), Spanien und Argentinien stammten, kamen auch so viele Einflüsse zusammen. Das ergab ein spannendes Gemisch, welches der Bandleader zusammen auf einen Nenner brachte. Wenn es Passagen hatte, welche nicht den eigenen Geschmack trafen, dauerte das nur kurz und schon hatten sie wieder einen anderen Groove, eine andere Stimmung. So spielten sie ein Wiegenlied von Mallorca in ihrer sehr eigenen Version, das Thema wurde aber immer wieder deutlich. Sehr spannend war ein Stück mit dem Namen Rhythmen, bei dem es wirklich um Rhythmus ging, gerade, unregelmässig und versetzt, manchmal alles gleichzeitig. Den Höhepunkt machte „A Childish Tantrum“ bei dem jedes Bandmitglied ein Lieblingslied dem Komponisten abgab, und er dann daraus dieses Stück konzipierte. Jede(r) spielte auf seinem Instrument das Stück kurz vor, das waren „Down In The Valley“, „Nur e chlyni Stadt“, „Im Aargäu sin zwei Liebi“, „Luegit vo Bärg und Tal“ ein spanisches Stück, „La haut Sur La Montagne“ und ein deutsches Lied (da die Bassistin zur Zeit der Komposition aus Deutschland kam). Das Publikum sang beim Vorspielen kräftig mit, zur Freude der Band. Dann wurde diese spannende Komposition gespielt. Mit einer Zugabe von einem spanischen Lied endete ein sehr spannendes und wunderschönes Konzert.

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Fredi Hallauer