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Rock Out ist eine blutjunge Band aus dem Emmental, welche genau das machen, was der Bandname und der Albumtitel sagen. Sie machen handgemachten Hardrock im Quartett. Auf dem Album ist ein Keyboard mit dabei, welches aber nicht ins Gewicht fällt. Es ist ein hämmerndes Schlagzeug, ein pumpender Bass, schrammende und kreischende Gitarren, also Rockmusik auf den Punkt gespielt. Da ist kein Schnickschnack zu hören. Der Sänger brilliert mit einer hohen Stimme, welche an gewisse Vorbilder erinnert, und er setzt diese Stimme zwischen singen und shouten ein. Wer Rock mag, muss sich diese Jungs unbedingt anhören.
Dies war ein spezieller Gränzgig Abend. Dieses Mal sassen Viertaktmotor nicht auf der Bühne , sondern dort standen Jütz vor einer Leinwand. Auf der Leinwand wurden Filmsequenzen durch VJ Timon Christen gezeigt, aus seinem Film mit Jütz um Dialekte aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Tirol. Der Film ist sehr experimentell und er wurde noch experimenteller gezeigt. Jütz spielte zu dem Film, mit dem Film spezielle Musik. Einmal war es Volksmusik, dann wieder experimentelle Musik. Hall und und verschiedene kleine Instrumente wurden eingesetzt. Die Stimmen waren essenziell, öfter sangen die drei a cappella. Die Musiker:innen zeigten ein grosses Können und überzeugten auf einem neuen Weg, um den Zugang zur Volksmusik zu finden. Es war ein sehr spannendes und interessantes Konzert und Gränzgängig war es ohnehin.
Amoa, die Basler Musikerin und Sängerin, präsentiert ihr zweites Album. Es sind ruhige Klänge mit schönem Gesang. Die Texte führen in Amoas Innenleben. Es geht um die Suche nach sich selbst, um Sterblichkeit und einige Fragen mehr, welche sich einer jungen Frau im Kopf drehen. Die Antworten auf die Fragen sind ziemlich vage und offen. Die Stimme ist vielseitig, die Kompositionen weniger.
Moictani ist eine spanisch-schweizerische Künstlerin. Sie kreiert ihre Musik selbst und singt in Französisch und Spanisch. Stilmässig liegt sie zwischen Dreampop und Indie Rock. Ihr Sound ist gewöhnungsbedürftig. Die Stimme ist oft zu weit nach hinten gemischt und dominant ist bei mehreren Songs ein schepperndes Schlagzeug, welches immer den monoton gleichen Rhythmus hat, auch der Synthie und die Gitarren legen eine Wand dahinter. Für einen Song wäre das gut, aber so ist es ermüdend. Bei den beiden letzten Songs hat sich der Sound geändert und so gefällt Moictani besser. Die Stimme ist weiterhin zu weit hinten. Eine nicht ganz gelungene EP.
Album: „Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert – Staffel 6“ (Phonag)
An der 6. Staffel des Schweizer Tauschkonzerts Sing meinen Song nahmen neben dem Host Dodo, Nic Maeder und Marc Lynn von Gotthard, Zian, Nicole Bernegger, Kings Elliot, Aurel Hassler von der Stubete Gäng und Gigi auf dem Sofa Platz. Dieses Album mit 49 Songs kann man sich sehr gut anhören, wenn man die Fernsehsendungen dazu nicht gesehen hat. Es ist eine wundervolle Popmusik mit vielen Facetten und Überraschungen. Eine grosse Wundertüte war Gigi, sie rockte, rappte und machte weitere coole Sachen. Nicole Bernegger zog auch viele Register ihres Könnens und singt Schweizerdeutsch und Deutsch. Zian ist oft recht rockig und er bläst Susaphon oder trommelt. Aurel Hassler zeigte, dass er nicht nur Stubete Gäng kann, sondern vielmals sang er sehr ruhige Lieder und badet in melancholischen Songs, und das steht ihm gut. Kings Elliot besticht mit ihrer Stimme, bei jedem Song neu. Gotthard Sänger Nic Mäder singt sogar bei zwei Songs den Refrain auf Schweizerdeutsch. Dodo ist ja immer für Überraschungen gut und das macht er auch so, wie man es von ihm gewohnt ist. Einzelne Songs hervorzuheben ist schwierig, denn es sind alle Songs auf ihre Art sehr gut. Bei den Videos habe ich einfach ein paar ausgewählt.
Am Zermatt Unplugged sprachen Fredi und Kathrin Hallauer mit Moira X Otrava
Album: „Planet Moirava“ (TURBOmusic)
Moira X Otrava ist ein gelungener Zusammenschluss der Sängerin und Keyboarderin Moira mit der Balkan/Klezmer Band Otrava. Da geht auch auf dem Album ziemlich die Post ab. Otrava spielt mit Trompete, Posaune, Klarinette, Akkordeon, Geige, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Mitglieder von Otrava singen ebenfalls. So entstand eine grosse musikalische Palette mit Frauen und Männerstimmen, teils auch gemeinsam. Musikalisch ist es einfach Folk, stark von Osteuropa beeinflusst, aber auch Chanson, Jazz und Pop sind zu hören. Gesungen wird in den verschiedensten Sprachen, auch Französisch und Mundart. Das ist für mich ein Wow Album. Da ist Energie vorhanden, aber auch Melancholie, hohe Musikalität und viel Spass. Man muss sich einfach auf den Planet Moirava begeben, es ist ein Erlebnis, das sich lohnt.
Live: „Wolkenbödeler Tour“ in der La Cappella am 12. Mai 2025
Bild Fredi Hallauer
Markus Flückiger an verschiedenen Örgeli, Andreas Gabriel an Geigen und Bratsche und Pirmin Huber am Kontrabass spielten ein Vollmondkonzert in der La Cappella. Sie spielten eine neue Volksmusik mit Wurzeln in der Innerschweiz. Sie bedienten sich bei traditionellen Stücken, nahmen einen kleinen Teil heraus und fuhren dann mit diesem Muster weiter. Ein Teil der Stücke bestand aus Pattern der Volksmusik, und der Bass spielte eher jazzige Bassmelodien dazu. Andere Stücke waren zusammengesetzt aus neuen Melodien, welche sich aber auch wiederholten, aber nicht im traditionellen Stil. Weitere Stücke waren ineinander verstrickte Melodien, ruhig und filigran. Zum Schluss und als Zugabe gab es noch zwei Stücke, welche Markus Flückiger für sein Stöpselbass Örgeli schrieb, und ein Stück von Rees Gwerder. Das war wiederum ein Abend mit Musik zum Lauschen und Geniessen.
Ferrier, das ist Christoph Ferrier, der Liedermacher und Pianist, welcher bereits 1977 am Gurtenfestival auftrat und ein paar Alben veröffentlichte. Später machte er sich einen Namen als Chorleiter und Musiklehrer an verschiedensten Schulen. Nun ist er endlich zurück, mit einem neuen Album. Die Musik ist nicht mehr wie früher, sie ist mit der Zeit gegangen. Etwas Piano ist zu hören, aber sonst begleitet sich Christoph Ferrier auch mit Synthesizer. Ein paar Gastmusiker:innen an Posaune, Bass, Perkussion und Backing-Stimme helfen bei einzelnen Liedern. Das wesentliche ist geblieben, Christoph Ferrier ist immer noch der sehr talentierte Liedermacher, mit Texten, die es in sich haben und welche typisch für ihn sind. Die Geschichten handeln in Bern und sind doch global. Es sind reife Lieder geworden. Er erzählt vom Alt werden, von Träumen, von früheren Zeiten und jungen Jahren. Nichts ist sehnsüchtig oder bereuend, es sind einfach so herrliche Texte. „We d mi nümm wosch gseh, tue eifach d’Ouge zue“ oder „Eifach nümm so richtig ufe/ s längt no knapp i d Rooftop Bar/ E Chrüzfahrt uf dr Luftmatraze/ Egusee statt Sansibar“. Mit diesem Album ist Christoph Ferrier wieder ein grosser Wurf gelungen.
Live: „Frauengschichtn und Männersachn“ in der La Cappella am 10. Mai 2025
Bild Kathrin Hallauer
Der Österreicher Fredi Steinacher lebt seit einiger Zeit in der Schweiz, war aber auf der Bühne durch und durch Österreicher. Zusammen mit seiner Band, bestehend aus André Pousaz am Kontrabass, Simon Stirnimann am Tenor- und Sopransaxophon und Francis Coletta an der Gitarre, bot er einen Abend quer durch den Austropop von den 50er Jahren bis fast zu heute. Er sang nicht nur die Lieder der Austropop-Helden, sondern erklärte auch Österreich auf seine spezielle Art. Alle Lieder waren neu arrangiert und sehr stark interpretiert. Die Musiker waren hervorragend und liessen es rocken und swingen. Sie rollten einen musikalischen Teppich aus, auf dem Fredi Steinacher herumturnen konnte. Er brachte die Lieder in eine thematische Ordnung der für Österreich wichtigsten Dinge wie Liebe, Trinken und Tod. Das Programm fing bei der ersten Liebe an, ging dann in den Heurigen und die Folgen vom Trinken, nämlich Beziehungsdramen, dann das Umschmeicheln der Frauen, bis zum Tod. Fredi Steinacher sang Lieder von EAV, Falco, Ludwig Hirsch, Georg Danzer, Wolfgang Ambros, Reinhard Fähndrich und Georg Kreisler und weiteren. Es war eine sündige Austropop-Melange, wie angekündigt. Ein herrlicher Abend mit allem, was die österreichischen Liedermacher auszeichnet, dem schrägen und morbiden. Als Zugabe spielten und sangen sie noch ein Udo Jürgens Medley, denn auch er war Österreicher und der Gitarrist Francis Coletta spielte viele Jahre bei ihm. Beste Unterhaltung.
Nach sieben Jahren sind die Basler in neuer Besetzung. Mit dabei ist noch Adrian Sieber (Gitarre, Gesang) und Florian Senn (Bass), neu dabei sind Matthias Gusset (Keyboards), Manuel Meisel (Gitarre) und Philipp Gut (Schlagzeug). Somit tönen die Lovebugs neu, etwas moderner und verbinden aber ihren Sound mit ihren Wurzeln, Der Gesang und die Kompositionen von Adrian Sieber sind weiterhin typisch für den Klang der Band. Wundervoll sind die Gitarrenwände hinter dem Gesang und das perlende Piano dazu. Lovebugs singen vom Abgrund, vom Untergang und der Hoffnung, dass es nicht so ist. Sie spielen sozusagen nahe der Abbruchstelle. Das Album ist vielseitig, mit ihrem typischen Stadionsound und intimeren Stücken. Vielleicht gewinnt das Keyboard mehr an Bedeutung in dieser Klangwelt. Die Lovebugs sind und bleiben ein sicherer Wert in der Schweizer Musikszene.
Lily Horn Is Born ist ein Frauen-Saxophonquartett, welches sich beinahe vor ein paar Jahren auflöste. Sie fanden aber wieder eine neue Saxophonistin, um das Quartett zu komplettieren, und nahmen noch eine Jazzsängerin dazu.
Bild Kathrin Hallauer
Darum hat Lily Horn Is Born das next Live. Auf der Bühne standen und musizierten Helen Iten (Gesang und Holzblock), Annette Kitagawa (Alt- und Sopransaxophon, Flöte und Klarinette), Naima Gürth (Altsaxophon und Gesang), Fabienne Hoerni (Tenorsaxophon) und Lisette Wyss (Baritonsaxophon und Bassklarinette). Die fünf Frauen boten ein faszinierendes Programm. Die Eigenkompositionen, wie die Fremdkompositionen, waren erfrischend arrangiert, sogar wenn die Musik einmal traurig wurde. Helen Itens Stimme passte bestens zu den Saxophonklängen. Es war wirklich ein ganzes, es dominierten weder der Gesang noch die Saxophone, alle hatten Platz im selben Song und sogar für Soli der Saxophonistinnen blieb noch genügend Raum. Sie spielten einige Stücke einer Schweizer Pianistin und Komponistin, welche vor etwa zwei Jahren verstarb. Die Frauen erklärten dazwischen ihre Songs mit Geschichten aus dem Alltag, egal ob es um ein Fussmassagegerät von der BEA ging, oder die Wut im Bauch, weil man verlassen wurde. Es war ein wundervolles Konzert und hoffentlich bleibt Lily Horn Is Born noch lange lebendig.
Dies ist das vierte Studioalbum der Luzerner Popband. Mit ihrem Indie Pop bis Synth-Pop verstehen sie es, einen zu begeistern. Die Musik ist leicht, die Texte sind melancholisch und auf ihre Art hoffnungsvoll. Das ist aufstellender Sound. Der Gesang wird von mehreren Bandmitgliedern übernommen und so wird das Album abwechslungsreich. Das ist Musik zum Hören und Tanzen.
Nola kommt von Basel und ist eine Sängerin, Multiinstrumentalistin, Komponistin und Produzentin. Sie spielte ihr neues Album alleine ein, produzierte es auch alleine. Es sind zehn Songs zu hören. Stilmässig ist es Elektropop, Englisch und Französisch gesungen. Die Musik ist leicht, richtig geeignet für heisse Sommertage. Nola hat eine feine und klare Stimme. Die Lieder handeln von Selbstfindung mit den verschiedensten Facetten. Zu der Musik und der Stimmung passen die französischen Lieder besser, aber auch die englischen Songs sind gut. Der Wiedererkennungswert der einzelnen Lieder ist nicht sehr gross, dank der Sprache fallen einem doch deutliche Unterschiede auf. Ein erfrischendes easy Listening Album.
Diese Band ist ein Quintett aus Zürich. Fünf junge Musiker:innen taten sich zusammen, mit Geige, Akkordeon, Schlagzeug und zwei Bässen plus Gesang. Entstanden ist eine vielfältige Musik aus Indie Folk, vielen virtuosen Soli und einem Hauch Klezmer. Gesungen wird Mundart und Deutsch, mal alleine, dann wieder im Doppel. Es singen meistens Frauen, aber Männerstimmen sind auch zu vernehmen. Inhaltlich bewegen sich die Texte zwischen belanglos, jugendlicher Liebe oder gesellschaftskritischen Themen. Schöne Klänge, schöne Stimmen und Musik, wie man sie nicht alle Tage hört. Hörenswert.
Album: „When A Soul Is Gone“ (www.marcrossier.com)
Der Gitarrist und Sänger Marc Rossier hat zusammen mit Peter Enderli am Bass und Christof Jaussi am Schlagzeug und Backing Gesang, ein wunderbares Album aufgenommen. Bei zwei Songs spielt Andreas „Chnuffi“ Michel Orgel und E-Piano. Marc Rossier setzt bei diesem Album sehr viele seiner Saiteninstrumente ein, nämlich elektrische und akustische Gitarren, Dobro, Coral Sitar und Ambient Gitarren. Zu den Gitarrensounds versteht es Peter Enderli passende Basslinien und Rhythmen zu spielen. Christof Jaussi gibt den nötigen Rhythmus an. Marc Rossier besingt die verschiedensten Themen wie Fernbeziehung, sich selbst zu feiern, oder die schönen Erinnerungen, welche bleiben, wenn jemand verstorben ist. Die Musik bewegt sich zwischen Americana, Singer/Songwriter, Blues und Rock. Im Zentrum der Songs steht die Gitarre, und die versteht Marc Rossier sehr kreativ und melodiös zu spielen. Es ist einfach ein Genuss, diesem Album zu lauschen und dazwischen in den eigenen Träumen zu versinken.
Die Videos sind etwas älter und live, die Songs sind aber auf dem Album und in dieser Besetzung gespielt.