MEIRA LOOM

Album: „Letting Go“ (Groove Factory)

Die Berner Singer/Songwriterin mit asiatischen Wurzeln zeigt auf ihrem Debütalbum die Vielseitigkeit ihrer Stimme und noch viel mehr. Aber beginnen wir bei ein paar genaueren Beschreibungen. Meira Loom erzählt in ihren jazzig, souligen, selbstgeschriebenen Songs (eine Ausnahme) vom Aufbruch, der Schönheit des Wassers aber auch von dessen Tiefe, von Selbstwert und einigem mehr. Da sie das meiste mit ihren Instrumenten in ihrem Studio aufgenommen hat ist nichts überinstrumentiert und ihre Stimme kommt mit allen Facetten zur Geltung. Sie spielt Piano. Keyboard und Perkussion und da und dort kommt ein Cello dazu. Manchmal vervielfacht sie ihre Stimme und bildet einen verspielten Chor, so beim ersten Song. „Nice To Meet You Again“ bringt viel Wärme dank der warmen Facette von Meira Looms Stimme. Bei „There Is Enough“ betet sie eine Art Mantra mit Pianobegleitung mit über zwei Minuten „There is enough for everyone – including myself“. Das verlangt etwas Durchhaltewillen für die HörerInnen. Bei einem anderen Song flippt sie jazzig aus und fordert ihrer Stimme alles ab was nur geht. Wiederum mantraähnlich tönt es auch bei „I Have Always Been“, dort mit mehr Musik unterstützt und der Text variert. Das sind Momente wo man sich fragt, wie passt das in den Rest der Songs dieses Albums. Beim Schlusslied „Aare 5 a.m.“ gibt es sechs Minuten Aarerauschen und nachher kommt dafür ein wunderschöner Hidden Track „Long Distance Call“. Dieses Album ist sehr vielseitig, ja vielleicht da und dort mit einer Seite zuviel.

Fredi Hallauer

QONIAK

Album: „Mutatio“

Das Duo, welches zusammen das Gymnasium besuchte und sich später an der Luzerner Jazz Schule wieder traf gehen mit Schlagzeug und Synthie ihre eigenen Wege. Es ist klar Synthie Jazz, Experimental Sound, und Technojazz. Das alles und die Musik tönt in etwa so verrückt wie der name des Duos. Kantig, grob und hart kann es hier tönen, aber auch sphärisch und jazzig. Mal ist der eine Dominat, dann der andere oder sie spielen auf Augenhöhe, wie es sich für ein solches Album gehört. Spannende Sounds für nicht alle Lebenslagen und Situationen.

Fredi Hallauer

SCHÄBYSCHIGG

Album: „Perschpektivä“ (Narrenschiff)

Die fünf Musiker, welche im Kanton Uri beheimatet sind, spielen umwerfende Neue Volksmusik. Mit Klarinette, zwei Trompeten, einer Basstrompete und einer Tuba, welche manchmal einem Akkordeon weichen muss, machen sie Musik zwischen Volksmusik und Jazz. Sie beschreiben ihre Musik als, Lieder und Tänze aus dem Leben die in keine Schublade passen. Der Auftakt mit „Äs Tänzli für d Emilie“ ist gewaltig. Das Tänzli beginnt mit einem Getöse von Tuba und Basstrompete, die Klarinette lässt dann das Stück zum Tänzli werden. „Holper Jazz“ wird dem Titel gerecht, es geht um minimalisierte Rhythmus Muster mit den beschriebenen Instrumenten und ein bisschen Melodie. “ Zooge n em Booge“ wird ein bisschen gesungen und noch näher bei der Volksmusik sind sie mit einem Stück, welches nach Oberkrainer tönt, zumindest am Anfang. Es ist aufstellende, spannende Musik und dieses Album gehört für mich in die TopTen für das Jahr 2020.

Fredi Hallauer

LARISSA BAUMANN

Album: „Gotta Break Free“ (CeDe.ch)

Larissa Baumann hatte schon viele Auftritte an Gala Anlässen. Nun endlich erscheint ihr erstes Album. Die Soul- und Jazzsängerin lässt es dann auch richtig zur Sache gehen, ganz gemäss dem Albumtitel. Eine fantastische Band steht hinter ihr und dazu noch eine Hornsektion. Ihre Stimme ist phänomenal, mal wild und laut und dann wieder gemässigter. Schreien tut sie nicht, sie singt immer, aber leise ist sie ebenfalls nie. Das Album wurde toll produziert, der Sound ist packend und das Songwriting der sechs Eigenkompositionen und zwei Fremdkompositionen gut, die Songs haben Wiedererkennungs Wert. Larissa Baumann macht keine Experimente, sie spielt klassischen Soul mit einer Prise Jazz und einem Funken Pop. Ein Album mit viel grosser Musik.

Fredi Hallauer

YILIAN CANIZARES

Album: „Erzulie“ (Planeta Y/Absylone)

Die Kubanerin lebt seit einigen Jahren in der französischen Schweiz, wo sie auch weiter studierte. Nun ist sie mit einem neuen Album präsent. Zu hören sind von der Sängerin und Violinistin zwölf Eigenkompositonen (eine davon als Co-Komponistin) zwischen Jazz, Afrokubanisch, freier Improvisation und mit einer tollen Prise Pop abgeschmeckt. Viele Musiker der verschiedensten Sparten sind dabei wie der Bassist, Sänger und Kalimba Spieler aus Mozambique Childo Tomas, der kubanische Perkussionist Inor Sotolongo, der Gitarrist Paul Beaubrun und der Schlagzeuger und keyboarder Charles Burchell. Unter den Gästen hat es Streicher, Keyboarder, einen weiteren Bassisten und Perkussionisten sowie einen Trompeter. Yilian Canizares versteht es intelligente Musik zu machen mit Effekten und realen Tönen. Wenn sie singt und Geige spielt wird es immer spannend und das meist auf dem polyrhythmischen Teppich von Perkussion, Schlagzeug und Bass, inklusive Tempowechseln. Yilian Canizares spielt nicht einfach Jazz, sondern Musik, man kann sie auch in der Rubrik Weltmusik einordnen. Eines der besten Alben dieses Genres.

Fredi Hallauer

JULIE CAMPICHE QUARTET

Album: „Onkalo“ (Meta Records)

Julie Campiche steht mit einer neuen Combo am Start. An ihrer Seite stehen der Saxophonist Leo Fumagalli, der Kontrabassist Manu Hagmann und der Schlagzeuger Clemens Kuratle. Sie selber spielt die Harfe und alle noch etwas Elektronik. Dabei ist ein wirklich tolles neuzeitliches Jazzalbum entstanden. Alle Musiker haben grosse dominierende Teile und die Harfe versteht es auch etwas zurückzustehen. Da sind verträumte Passagen mit grossen Saxophonbögen und perlender Harfe und gleich gegensätzlich sind es dann wilde exzessive Saxophoneskapaden mit ebenso wildem Schlagzeug. Auch die Harfe klingt durchaus auch dazwischen aggressiv, aufmüpfig, der Kontrabass spielt bodenständige Melodien mit Sanftheit. Zusammen ist das wundervolle Musik, sehr abwechslungsreich. Ein Jazzalbum wie man es selten hört.

Fredi Hallauer