SIMEON HOLZER

Album: „On My Own“ (Blue Martin Records)

8166

Vom Jazzmusiker und Multiinstrumentalist kommt hier ein schönes Jazzalbum daher. Jazz in verschiedenen Spielarten wird geboten, nichts aufregendes einfach wunderschön zum Geniessen. aber halt, das Album heisst „On My Own“ und so ist es auch. Simeon Holzer hat alle Instrumente selber eingespielt und dann zusammengebaut. Aber da ist kein gebastelt, da musiziert einer mit sich selbst. Das Album tönt wie wenn es wirklich verschiedene Jazzmusiker sind, welche miteinander musizieren und harmonieren. Zu hören sind Klavier, Gitarre, ein bombastisch schöner Bass und Schlagzeug. Neben klassischem Jazz spielt Simeon Holzer auch mit den Rhythmen und so gibt es etwas Latin Jazz dazwischen, Gitarrenjazz etwas moderner kann man ebenfalls hören. Ein album das sich Jazzliebhaber sicher einmal anhören sollten.

Fredi Hallauer

THIS IS PAN

Album: „The Hudson Suite“ (ANUK)

Unknown.jpeg

Das Berner Jazzquartett ist eine Jazzformation, welche sich Platz für ausgedehnte Soli der einzelnen Instrumente gibt. Matthias Kohler (Saxophon, Klarinette), Lukas Thoeni (Trompete, Flügelhorn), André Pousaz (Bass) und Gregor Hilbe (Schlagzeug) lassen die Musik fliessen wie es der Hudson River tut, dem eine kleine Suite gewidmet ist. Die Musik dehnt sich aus und kommt dann wieder zusammen, wie es Flüsse welche nicht begradigt wurden, tun. Von den neun Stücken gehören vier zu der Suite, wenn man das aber nicht auf der Titelliste liest, merkt man es nicht, es könnten auch alle Stücke zur Suite gehören. Bass und Schlagzeug geben einen kräftigen Beat und stampfen so das Fundament zurecht, auf dem die beiden Bläser sich austoben, entwickeln und erproben können. Auf der Info steht Elastik Jazz, das tönt nach etwas speziellerem, was einerseits neugierig andererseits aber auch abschrecken kann, das soll es nicht, den es ist Jazz für alle JazzliebhaberInnen.

Fredi Hallauer

BAHUR GHAZI’S PALMYRA

Album: „Bidaya“ (Irascible)

38c6c2cb-3ed9-48a6-9bb4-efe35983e830.jpg

Der in der Schweiz im Exil lebende Syrer Bahur Ghazi spielt die Oud und zählt zu den führenden Musikern auf diesem Instrument. Nein hier geht es nicht um arabische Musik oder doch, aber nicht so wie wir es gewohnt sind. Bahur Ghazi hat vier Schweizer MusikerInnen gefunden welche auf bezaubernde Art, seine Musik und Ideen aufnehmen und umsetzen. Es sind das Patricia Draeger (acc), Christoph Baumann (p), Luca Sisera (b), Dario Sisera (d). Er selber wohnt im Bündnerland und die Bandmitgleider zum Teil auch. Die Musiksparte ist schwer zu finden, in welche diese Klänge passen. Irgendwo ist es Folk, arabische Musik und Jazz gleichzeitig. In diesen Instrumentalstücken erzählt Bahur Ghazi von seiner Heimat, von seiner Flucht, von der Schönheit seiner Heimat in der Antike  und der Schönheit der Alpen, das ist alles den Titeln zu entnehmen und man spürt es auch beim Anhören. Für mich ist diese Gruppe und diese Musik  eine grosse Entdeckung und dieses Album gehört auf die Liste  Album des Jahres 2018.

Fredi Hallauer

KLAPPARAT

Live: CD Taufe im Bejazz Bern am 23. Februar 2018

Bild Fredi Hallauer

Die CD erschien bereits vor einigen Wochen aber hier wurde sie offiziell getauft. Das Saxophonquintett mit dem Schlagzeuger zeigte sich in Topform. Die Musiker waren spielfreudig und musikalisch verspielt wie immer und spielten ein sehr hochstehendes Konzert zwischen Latin, arabisch, interstellar, verquert russisch, klassisch („Bolero“), Jazz und einigem mehr. Klar Klapparat ist alles Jazz im weitesten Sinne. Die Soli aller Musiker waren umwerfend und lösten Begeisterungsstürme aus, vom Sopransax zum Tubax und dem Schlagzeug. Faszinierend war ihre Version des „Bolero“ von Ravel, aber auch eigene Kompositionen wie „Arabiata“. Auffallend war ihre Choreografie, die Musiker bleiben nämlich nicht immer am gleichen Ort stehen sondern gruppieren sich mal so und mal so. Es war ein Konzerthöhepunkt im noch jungen Konzertjahr.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

hier ist die CD Besprechung

DIE LOMBARDIS

Live mt „Egon“ im La Cappella am 13. Februar 2018

Bild Fredi Hallauer

Die Lombardis waren mit neuem Programm unterwegs haben sich verändert. Nein, die Besetzung ist gleich, aber musikalisch sind sie viel stärker geworden und näher beieinander. Myria Poffet singt nicht nur bei einigen Liedern mit, sondern singt Lieder auch alleine. Das Repertoire ist neu und besteht nicht nur aus Knef, Dietrich und Leander, nein da gab es auch Valente, Louisan, Brel auf deutsch und noch mehr. Der Klamauk ist weg, dafür versuchen die Lombardis eine Geschichte zu erzählen die irgendwo im luftleeren Raum hängt, auch die Texte selber sind passen nicht wirklich zu den Liedern, zumindest oft nicht und sind absolut unnötig. Das sie sich immer noch als Cousine und Onkels vorstellen bringt auch nicht sehr viel. Die Lombardis müssen das machen was an diesem Abend sehr gelungen ist, nämlich Musik von Jazz bis Chanson. Anne Hodler singt hervorragend und ausdrucksstark, Myra Poffet singt ebenfalls sehr gut und raubt einem den Atem mit ihrem Klavierspiel, dazu kommt, dass sie hervorragend das ganze Ensemble musikalisch leitet. Michel Poffet holt das letzte aus dem Kontrabass und Peter Horisberger bearbeitet die Drums von feinfühlig bis laut. Dazwischen haben die Musiker immer wieder Teile ohne Gesang gehabt und da ihr hohes Können noch deutlicher gezeigt, sowie in den Soli. „Amsterdam“ und „Fever“ zählten gesanglich wie auch musikalisch zu den Höhepunkten. „Ich will keine Schokolade“ habe ich persönlich schon besser und witziger gehört. Die Lombardis sind eine Gruppe die man sich sehr gut ansehen und hören kann.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

ERIKA STUCKY

Live: „Stucky Con Carne“ am Winterfestival von Be-Jazz in der Vidmarhalle Bern, am 25. Januar 2018

Es war die Uraufführung von Erika Stucky’s neuem Programm. Der Untertitel lautete, eine musikalische Metzgete. Durch die neue musikalische Besetzung, vor allem mit anderen Instrumenten, waren die Stücke der CD anders. Die Musik war viel präsenter und mehr auf den Punkt gebracht. Steffen Schorn spielte Saxophon, Flöte und noch dies und das; Ben Jeger war an den Tasten, der Elektronik und liess die Glasharfe klingen; und F.M. Einheit  war für die perkussion, Sounds und Elektronics zuständig. Erika Stucky  zeigte sich von ihrer gewohnten quirrligen und immer für eine Überraschung gut Seite. Der Auftritt (Kostüm), die Filme und Bilder und das Erzählen von ihrer Familie machte das ganze Konzert noch lebendiger. Der Projektor für die Bilder und Filme war so postiert, dass Erika Stucky als grosser Schatten meistens im Film oder Bild vorkam. Das ganze war nicht einfach ein Konzert, sondern eine gelungene Performance. Grossartig

Fredi Hallauer

Album: „Papito“ (Traumton Records)

Unknown-9.jpeg

Erika Stucky widmet dieses Album ihrem Vater, der zu Lebzeiten Metzger war. Sie führt hier wiederum Musik Zusammen, welche sonst nicht zusammen kommt, dafür beinelt sie bekannte Songs aus. Mit dabei sind ein Violoncello, zwei Violinen, Kontrabass, Viola, Cembalo und Orgel, Theorbe und Gitarre sowie Electronics. Neben ihren Songs sind Lieder von Cole Porter, Randy Newman, Youmans (Tea For Two), Lucio Dalla, den Beatles, Billy Holiday und Stephen Sondheim zu hören. Erika Stucky übernimmt im Gesang das Grundgerüst der Melodie, verändert die Bauweise und die Musik unterlegt und verziert auf minimale Art, das Ganze. Auch die Art wie Erika Stucky singt ist vielseitig. Bei dieser Musik wird einem nicht langweilig, denn es gibt immer wieder etwas zu entdecken und obwohl es sehr unkonventionelle Musik ist, schmiegt sie sich gut in die Gehörgänge.

Fredi Hallauer

JOE HAIDER JAZZ ORCHESTRA & THE SPARKLETTES

Live: CD-Taufe „Back To The Roots“ im Be-Jazz Club am 11. Januar 2018

Bild Fredi Hallauer

Joe Haider wurde vor wenigen Tagen 82 jährig und taufte an diesem Abend seine neue CD. Alle Musiker und die vier Frauen von The Sparklettes zeigten sich in bester Form. Joe Haider präsentierte die Stücke und die SolistInnen mit Charme und Witz. Das Repertoire umfasste ein sehr breites Spektrum des Jazz, von Blues, verschobenem Blues zu Charlie Parker bis zu neueren Formen des Jazz. Alle Musiker bekamen viel Platz für Soli, der Chef selber war sehr zurückhaltend, brillierte natürlich bei seinen wenigen Soli mit berauschendem ruhigen Spiel. Die Sparklettes durften ihre Stimmen bei jedem Stück einsetzen und jede Frau hatte sicher einen Lead im Laufe des Abends. Gut die Hälfte der Stücke stammten aus der Feder von Joe Haider und waren melodiös gehalten mit feinen Zwischentönen gespickt. ein Kernstück im zweiten Teil war das „Looking At The Moon“ das er im Gedenken an seine Tochter schrieb, mit der er als letztes noch die Mondlandung schaute. Dieser Abend war ein wunderbarer Event der Jazzmusik.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer