NICOLE JOHÄNNTGEN

Album: „Henry III (Selmabirds Records)

Die in der Schweiz lebende Altosaxophonistin hat sich vor ein paar Jahren Musiker in New Orleans gesucht und dann auch gefunden um aktuellen Jazz mit New Orleans Einfluss zu machen. Nicht zu verwechseln mit New Orleans Jazz oder Dixieland. So entstand die Formation Henry, mit einem Schlagzeuger, einem Posaunisten und einem Susaphonisten und natürlich Nicole Johänntgen am Altosaxophon. Dieses Album wurde live in Deutschland aufgenommen im Jahre 2018, ist aber erst jetzt erschienen. Die Harmonien ist eindeutig New Orleans geprägt. Aber in Stücken wie „Too Loose“ arbeitet die ganze Band mit Rhythmusmustern. Einige Stücke sind auch funkig gewürzt wie „Discoland“ oder bei „Zydeco“ kommt der Groove der ländlichen Musik von Louisiana zum Ausdruck. „Dig Deep“ gräbt tief in der eigenen Seele um in einer beruhigenden Melodie zu Enden. So endet auch das Album mit dem „Gutenachtlied“. Es ist fantastisch was das Quartett für einen Sound hinkriegt und was für einen Groove. Henry ist einzigartig und sicher geeignet für JazzliebhaberInnen verschiedenster Stilrichtungen, aber auch für Menschen die Jazz nicht eigentlich mögen, aber gute Musik. Das ist es.

Fredi Hallauer

BRUNO SPOERRI

Album: „Le Trio“ (Narrenschiff)

Der Saxophonist Bruno Spoerri spielt zusammen mit dem Violinisten Rainer Hagmann und dem Gitarristen mit der 7-saitigen Gitarre, melodiösen Jazz. Es sind wirklich nur die drei Musiker, kein Schlagzeug, und der Bass übernimmt der Gitarrist. der Violinist hat seine mittels einem Pick-Up verstärkt und kann so die Sound verändern. Die drei spielen Klassiker von Duke Ellington, Ray Henderson, Herbie Hancock, Django Reinhardt, Antonio Carlos Jobim (2 Titel), George Gershwin und Jimmy Hugh dazu zwei Eigenkompositionen von Bruno Spoerri und drei weitere Stücke von weniger bekannten Komponisten. Mit dieser Trio Besetzung tönt die Musik vielseitig. Django Reinhardt und auch Antonio Carlos Jobim kommen ebenso zur Geltung wie Gershwin oder Ellington. Die Arrangements sind schlicht und die Melodie und Improvisation steht im Vordergrund. Nie sind die Improvisationen ausufernd, man könnte jeweils noch länger zuhören. Dies ist ein schlichtes, aber grossartiges Album dieser drei Musiker.

Fredi Hallauer

LEA MARIA FRIES – 22° HALO

Album: „Light At The Angle“ (Prolog Records)

Die in Paris wohnende Schweizerin ist Sängerin und Komponistin. Dieses Album ist das Debüt ihres Soloprojektes 22°Halo. Eigentlich ist Lea Maria Fries ein Teil eines Quartetts. Ziemlich wichtig neben dem Gesang sind der Pianist, der Kontrabassist und der Schlagzeuger. Alle Musiker und die Sängerin sind Jazzmusiker. Der Gesangsstil von Lea Maria Fries gehört zum weitgefassten Jazz oder teils zum Post Jazz. „If You Let Me Go“ zeigt auch bei den Instrumentalisten eine spannende Begleitung, welche schwer in einen Stil einzuordnen ist, dafür umso interessanter tönt. Die Stimme von Lea Maria Fries ist zart, leicht belegt und eher in den höheren Lagen, also eine spezielle auffallende Stimme im Jazz. Dieses Album ist das richtige für einen lauen Abend und einem Glas Wein.

Fredi Hallauer

FIONA FIASCO & MELODIESINFONIE

Album: „Forever Faking Memoirs“ (Radicalis Music)

Die beiden zählen als das musikalische Traumpaar. Fiona Fiasco spielt Gitarre und singt, Melodiesinfonie ist Produzent und Musiker, meist spielt er auch Gitarre und luftige Elektronik. Musikalisch sind die beiden im Jazz anzusiedeln. Vor allem die Gitarren sind jazzig, der Gesang bewegt sich zwischen Jazz, Pop und manchmal auch Sprechgesang. Alles ist minimal instrumentiert und so ist dies ein Album zum genau Hinhören und nicht für den Dancefloor, aber auch nicht als Hintergrundsmusik. Gesungen wird meistens englisch, aber auch Mundart, französisch und rätoromanisch. Dieses Album ist ein schönes und anspruchsvolles Album.

Fredi Hallauer

RAPHAEL WALSERS GangART

Album: „Stüdis De La Natüra“ (Anuklabel)

Raphael Walsers GangArt ist ein Quintett, dass dem Jazz zuzuordnen ist. Die Musik entstand im Dialog mit der Engadiner Illustratorin Pia Valär, von welcher auch das Albumcover stammt. Zusammen mit dem Kontrabassisten spielen der langjährige Kollege und Schlagzeuger Jonas Ruther, welcher den Puls zusammen mit dem Bass meistens vorwärtstreibt, wenn die beiden nicht den Lead übernehmen. Die beiden Saxophonisten Niculin Janett und Ganesh Geymeier legen ihre Tonlinien darüber, meist in einer ruhigen Art im Vergleich zur Rhythmussektion. Der Pianist Marc Méan nimmt in der Mitte Stellung und schliesst sich da dem Bass und Schlagzeug an, und dort den Saxophonisten oder er geht seine eigenen Wege. Das ist auch die Idee von GangArt, es ist offener Jazz mit viel Raum für Improvisation. Wer sich mindestens ab und zu in die Bergwelt, in die Natur wagt, sieht bald seine eigenen Bilder beim Hören dieser Klänge. Da gibt es das Liebliche und Schöne, aber auch Steile und Anstrengende oder sogar Schroffes und Bilder von der Gewalt der Natur. Diese Musik ist relativ schwierig zu umschreiben. Vielleicht ist wichtig es ist kein Freejazz und wer Jazz mag wird auch dieses Album mögen.

Fredi Hallauer

GRÜNES BLATT

Album: „Bradule“ (Narrenschiff)

Grünes Blatt ist ein Quintett um Irina Ungureanu (Stimme), und Dominique Girod (Kontrabass). Die anderen MusikerInnen sind Vera Kappeler (Klavier/Harmonium), Matthias Spillmann (Trompete) und Urs Vögeli (Gitarre). Das Quintett nimmt sich der rumänischen Volksmusik und Volkslieder an um sie eigenwillig zu interpretieren oder neu zu komponieren. Die Gesangsstimme ist eine der Stimmen, welche einem berührt, dazu kommt der oft warme gestrichene Kontrabass, welcher aber durchaus auch mal schräger und wilder und exzessiver ist. Die Trompete übernimmt die Gesangsmelodie oder spielt eine Kontermelodie. Der Gitarrist ist mehrheitlich für die Spannungen und Disharmonien zuständig, wo er vom Kontrabass unterstützt wird. Vera Kappeler versteht es ganz unterschwellig ihr eigenwilliges Klavierspiel hineinperlen zu lassen. Das ergibt einen Folk Jazz, mal mehr Folk mal mehr Jazz und zwar bis zu Freejazz Teilen. Wer sich gerne in ein Abenteuer der rumänischen Folklore mit viel Jazz hineinstürzt, wird hier bestens bedient. langweilig wird es einem nie.

Fredi Hallauer

MEIRA LOOM

Interview:

Fredi Hallauer sprach über Skype mit Meira Loom

Album: „Letting Go“ (Groove Factory)

Die Berner Singer/Songwriterin mit asiatischen Wurzeln zeigt auf ihrem Debütalbum die Vielseitigkeit ihrer Stimme und noch viel mehr. Aber beginnen wir bei ein paar genaueren Beschreibungen. Meira Loom erzählt in ihren jazzig, souligen, selbstgeschriebenen Songs (eine Ausnahme) vom Aufbruch, der Schönheit des Wassers aber auch von dessen Tiefe, von Selbstwert und einigem mehr. Da sie das meiste mit ihren Instrumenten in ihrem Studio aufgenommen hat ist nichts überinstrumentiert und ihre Stimme kommt mit allen Facetten zur Geltung. Sie spielt Piano. Keyboard und Perkussion und da und dort kommt ein Cello dazu. Manchmal vervielfacht sie ihre Stimme und bildet einen verspielten Chor, so beim ersten Song. „Nice To Meet You Again“ bringt viel Wärme dank der warmen Facette von Meira Looms Stimme. Bei „There Is Enough“ betet sie eine Art Mantra mit Pianobegleitung mit über zwei Minuten „There is enough for everyone – including myself“. Das verlangt etwas Durchhaltewillen für die HörerInnen. Bei einem anderen Song flippt sie jazzig aus und fordert ihrer Stimme alles ab was nur geht. Wiederum mantraähnlich tönt es auch bei „I Have Always Been“, dort mit mehr Musik unterstützt und der Text variert. Das sind Momente wo man sich fragt, wie passt das in den Rest der Songs dieses Albums. Beim Schlusslied „Aare 5 a.m.“ gibt es sechs Minuten Aarerauschen und nachher kommt dafür ein wunderschöner Hidden Track „Long Distance Call“. Dieses Album ist sehr vielseitig, ja vielleicht da und dort mit einer Seite zuviel.

Fredi Hallauer

QONIAK

Album: „Mutatio“

Das Duo, welches zusammen das Gymnasium besuchte und sich später an der Luzerner Jazz Schule wieder traf gehen mit Schlagzeug und Synthie ihre eigenen Wege. Es ist klar Synthie Jazz, Experimental Sound, und Technojazz. Das alles und die Musik tönt in etwa so verrückt wie der name des Duos. Kantig, grob und hart kann es hier tönen, aber auch sphärisch und jazzig. Mal ist der eine Dominat, dann der andere oder sie spielen auf Augenhöhe, wie es sich für ein solches Album gehört. Spannende Sounds für nicht alle Lebenslagen und Situationen.

Fredi Hallauer