JÜTZ

Album: „Hin & Über“ (Chaos)

Dieses Album erschien bereits 2018, kam aber erst jetz zu mir, darum die Besprechung. Die Gruppe Jütz besteht aus einem Schweizer und zwei MusikerInnen aus dem Südtirol, produziert hat Dizl Gmünder aus Bern und so weiter und so fort. Also ein Album und eine Gruppe, welche keine Landesgrenzen kennt, darum das Review hier im musikch.com . Das Trio besteht aus Isa Kurz, welche singt, Geige, Akkordeon und Hackbrett spielt; Philipp Moll am Kontrabass und E-Bow, auch er singt und Daniel Woodtli spielt Trompete und Flügelhorn und er singt ebenfalls. Vom Instrumentarium her wird klar, da geht es um Volksmusik, Folk und Jazz oder eben um Neue Volksmusik. Beim anhören dieses Album geht man wirklich „hin und über“. Einerseits wird da recht frech mit traditionellen Themen und Melodien umgegangen, aber auch musikalisch sehr anspruchsvoll und herausfordernd. „Luegid vo Bärg und Tal“ wird ins tirolische übersetzt gesungen, die tirolischen Volksmusikschlager, wie „Perle vom Tirol“ werden zusammengefasst in Textfetzen und mit ganz anderer Musik gespielt, aber auch Blasmusikstücke werden verändert. Das Ganze ist kein Blödelalbum wie es den Anschein machen könnte, aber eine witzige musikalische Auseinandersetzung mit Volksmusik und aber auch Aussagen zur Zeit mit alten Liedern wie mit dem „Schwalbenlied“ von 1859. Musikalisch ist es Neue Volksmusik welche nahe beim Jazz liegt. Jütz ist hier ein sehr grossartiges und beachtenswertes Album gelungen.

Fredi Hallauer

NOE TAVELLI & THE ARGONAUTS COLLECTIVE

Album: „Noé Tavelli & The Argonauts Collective“ (Double Moon Records)

Was sich, gefühlsmässig nach einer Grossformation anhört, ist in Wirklichkeit ein Quartett. Noé Tavelli aus Genf bedient das Schlagzeug, Matthias Spillmann bläst die Trompete, Francesco Geminiani tut das gleiche mit dem Tenorsaxophon und Fabien Iannone zupft den Kontrabass. Diese vier jungen Jazzmusiker spielen vorwiegend eigene Jazzstücke und zwar wirklichen Jazz, ohne Kompromisse in die eine oder andere Richtung. Auffallend ist in der Besetzung, dass das Piano fehlt, dafür mit zwei Bläsern musiziert wird. Dieser Jazz lässt den Musikern viel Freiraum für Improvisationen, aber es wird nie Freejazz, die Struktur des Stückes bleibt erhalten. Wer klassischen Jazz im Stil von Gerry Mulligan und/oder Chet Baker mag, bekommt hier den entsprechenden Ohrenschmaus. Sicher etwas vom Besten in Sachen jazz im Moment.

Fredi Hallauer

AKKU QUINTET

Album: „Depart“ (7d Media/Godbrain Distribution

Das Berner Quintett spielt Jazz auf der Basis von Minimal Musik mit Post Rock durchsetzt und viel Patterns und Grooves. Das ist das vierte Album dieses speziellen Quintetts. Es beseht aus Manuel Pasquinelli (Drums, Komposition), Michael Gilsenan (Sax), Maja Nydegger (Keys), Markus Ischer (Gitarre) und Andi Schnellmann (Bass). Das Schlagzeug setzt häufig die Muster und das Keyboard nimmt sie auf, natürlich ist auch der Bass mit dabei. Die Gitarre setzt dann mehr den Groove und das Saxophon lässt es jazzen. Die Musik ist manchmal ziemlich sperrig und selten einfach. Man muss sich in den Strudel dieser Musik hineinziehen lassen und es funktioniert nicht jeden Tag gleich gut. Man muss ganz offen sein für alles musikalische, dann gefällt dieser Sound.

Fredi Hallauer

JAN GALEGA BRÖNNIMANN & MICHAEL ZISMAN

Live: „The Music Of The Beatles“ BeJazz Winterfestival am 17. Januar 2019

Bild Fredi Hallauer

Das 18. Winterfestival des BeJazz in Bern wurde von zwei speziellen Musikern und ihren speziellen Instrumenten eröffnet. Michael Zisman spielte das Bandoneon und Jan Galega Brönnimann die Bassklarinette, die Kontrabassklarinette und das Sopransax. diesen Abend widmeten die beiden den Beatles. Sie interpretierten nur Beatles Kompositionen, meist etwas weniger bekannte, aber auch die bekannteren waren teils schwierig zu erkennen. „Strawberryfields forever“ wurde zwischenzeitlich zum Tango, andere Songs zerfielen in freie Jazzimprovisationen, aber bis zum Ende des Songs waren sie immer wieder einigermassen zusammengesetzt. Manchmal begann der Song in Puzzleteilen, welche die Musiker auf Umwegen zur Melodie brachten. Schöne spannende Musik mit viel Spielfreude vorgetragen.

Fredi Hallauer

PFISTERMEN’S FRIENDS feat. SCHMIDI SCHMIDHAUSER

Album: „Es dämmeret“ (iGroove)

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Pfistermen’s Friends sind eine Streetband bestehend aus 10 Bläsern und einem Schlagwerker. Sie trafen sich im Umfeld der Berner Jazzschule und haben die US-Combo Youngblood Brass Band als Vorbild. Mit diesem Vorbild können sie absolut mithalten. Sie grooven, rumpeln, sinnieren, jubilieren und lassen das Tanzbein in Unruhe fallen. Musikalische Einflüsse sind klar der Jazz, aber auch Funk, HipHop und Soul. Mit ins Boot holten sie sich den Sänger Schmidi Schmidhauser von Chica Torpedo, welcher seine Texte zum Besten gibt. Spannend ist, dass der Gsang wirklich in der Musik verschmilzt. Sowohl Schmidi Schmidhauser als auch die Band ziehen ihr Ding durch, gemeinsam. Neben dem Gesang jubiliert ein Instrument oder der Gesang nimmt jazzige Formen an. Dies ist eine Band sowohl zum Tanzen und Zuhören.

Fredi Hallauer