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Das neue Album von Philipp und Sophie, alias Namaka, entstand zwischen Zürich und Brüssel. Bei der Entstehung standen Tape Rekorder und Laptop im Einsatz. Zu hören ist vielseitiger Elektropop. Da sind satte, schnelle Bassläufe, ein Schlagzeug, das manchmal echt scheppert, Synthies, welche dazwischen herum mäandern. Alles ziemlich bewegt, laut, nervös und darüber die wundervolle und ruhige Stimme von Sophie, welche sich von dem Gehetze nicht beeinflussen lässt und den Wolken nachsieht. Namaka beschreibt auch in den Liedern, genau das, was die Musik vorgibt. Der Lärm um uns, unsere Beziehung zur Aussenwelt, und wo finden wir darin unsere Ruhe, unsere Energie? Ein komplexes Album und trotzdem sehr eingängig. Sicher eines der besten Alben dieses Genres in diesem Jahr.
Die Bündner Hardrockband mit grossem Herz lässt es wieder kräftig rocken. In der klassischen Hardrock Besetzung, Gesang, zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug werden sie noch von ihrem Produzenten Georg Schlunegger an den Backing Vocals und verschiedenen Instrumenten unterstützt. Dass Georg Schlunegger (Heimweh, Schwyzergoofe) der Produzent ist und die Finger an den Reglern hatte, hört man schon bei den ersten Tönen, und das ist gut so, denn er weiss, wie man erfolgreiche Musik produziert. Auch wenn das erste Stück „Träumer“ etwas stark nach Heimweh tönt, merkt man bald, dass es hier um Hardrock geht. Der Sänger Thomas Graf singt mit Gölä als Duettpartner „Brich mir mis Härz“, eine Rockballade. Die Texte erzählen von Liebe, von Mut, von Zielen und das in einer guten Form. Der Bündnerdialekt bringt noch ein paar Sympathiepunkte. Wer weniger auf die Texte hören möchte, sondern mehr auf die Musik, auch diese Menschen kommen auf ihre Rechnung. Die Gitarren lassen es herrlich rocken und kreischen, der Bass pumpt die Beats und das Schlagzeug hämmert einem die Musik in die Ohren. Wie bereits geschrieben: sauber produziert, ausgewogener Sound, jedes Wort verständlich und gutes Songwriting. Was will man mehr?
Album: „When I Liked Myself Just A Little Too Much“ (Mouthwatering Records)
Das Album von Monumental ist Musik mit viel Augenzwinkern und trotzdem ersten Fragen. Musikalisch ziehen sie viele Register im Bereich Elektropop, Elektrorock, aber auch Indiepop ist vorhanden. Alles klingt ziemlich verspielt. Sie hinterfragen alles und stellen alles infrage, und dies ist genau das, was Freude macht an dieser Musik und ihren Texten. Mit neun Songs und 27 Minuten ist es ein relativ kurzes Album, denn genau das ist schade. Es wird nie langweilig, gutes Songwriting, und darum hätte man gerne mehr gehört.
Videos auf You Tube oder vom Plattenlabel gibt es keine. Wer trotzdem hören müchte findet unter folgendem Link, aktuelle Musik.
Der Musiker aus Lausanne und Zürich spielte bereits in verschiedensten Bands und mit verschiedensten Musikern. Nun ist er solo unterwegs. Er singt Französisch und seine Texte sind Fragmente, welche er zusammensetzte. Inhalt der Fragmente sind Beziehungen, das Ende von Beziehungen und Ähnliches. Die Musik kann dem Pop zugeordnet werden, ist aber sehr eigenständig und ein wenig eigenwillig. Den Zugang zu diesen Songs zu finden, ist nicht einfach.
Albin Brun und seine Musiker:innen sind wohl von den umtriebigen Menschen in der Musikszene. Darum wundert es einen nicht, wenn erst jetzt ihr erstes Album erscheint. Neben Albin Brun (Sopransax, Schwyzerörgeli) spielen Patricia Dräger (Akkordeon), Claudio Strebel (Kontrabass) und Markus Lauterburg (Schlagzeug, Perkussion) mit. Der Albumtitel heisst nicht etwa, dass sie nicht vier sind, sondern ist an den Tanz „Pas de Deux“ angelehnt, und weist darauf hin, dass fast kein Stück im 4/4 Takt ist. Dieses Quartett spielt Musik zwischen Jazz, imaginärer Volksmusik und Improvisation. Die meisten Stücke schrieb Albin Brun, je zwei Stücke stammen von Patricia Dräger und Claudio Strebel. Die Stücke wurden von den verschiedensten geographischen Gebieten beeinflusst, wie Bulgarien, Dingle in Irland, dem Elfenauquartier in Luzern, Island, den Karpaten und weiteren Gebieten der Schweiz. Manchmal sind es auch Hommagen an die Akkordeonistin, an sein Örgeli oder den ehemaligen Schweinestall, welcher nun als Probelokal dient. Diese 13 Stücke sind voller Überraschungen und genaues Hinhören macht sehr viel Spass und erweitert das musikalische Spektrum. Wenn jetzt alles etwas verrückt tönt, die Musik bleibt immer auf ihre Art bekömmlich.
Album: „Michael von der Heide singt Knef“ (IGroove)
Hildegard Knef würde am 28. Dezember 2025 ihren 100. Geburtstag feiern. Michael von der Heide mochte die Texte und Lieder von Hildegard Knef schon immer und hat immer wieder Lieder von ihr in seinem Programm gehabt. Anlässlich des runden Geburtstags von Hildegard Knef präsentiert uns Michael von der Heide, dreizehn ihrer Lieder. Es sind nicht nur ihre grössten Hits, sondern auch. So darf man auf diesem Album einige Lieder von Hildegard Knef entdecken oder vielleicht wiederentdecken. Nun sagt man ja, das Original ist immer die beste Interpretation. Das stimmt, aber Michael von der Heide kopiert nicht einfach Hildegard Knef, sondern er singt ihre Lieder. Dazu hat er seine Stimme und seine Phrasierungen plus erstklassige Musiker, welche ebenfalls die Musik eigenständig interpretieren. Wenn Hildegard Knef etwas mit Gypsy Swing begleiten liess, machen das diese Musiker nicht gleich. Also zu hören gibt es tolle Musik im Bereich Swing, Chanson mit schönen jazzigen Soli und natürlich Michael von der Heide, welcher hervorragend singt und interpretiert. Zu hören sind unter anderem „In dieser Stadt“; „Für mich soll’s Rote Rosen regnen“, „Ich brauch Tapetenwechsel“, aber auch „Die Welt ging unter am Zürichsee bei 30 Grad im Schatten“ und drei französische Chansons. Zum Album gibt es natürlich die Tour, oder zur Tour dieses Album.
Das Quintett aus Lausanne veröffentlicht mit dieser EP, die erste Hälfte ihres neuen Albums. Es wird nicht nur ein neues Album geben, sondern auch der Stil der Band hat sich bewusst verändert. Auf dieser EP ist der Sound etwas grauer als bisher und sie spielen mit Cool Wave und Postpunk herum. Es sind moderne Sounds mit verschiedensten Synthesizern, aber auch ein paar analogen Instrumenten gespielt. Was uns die Lausanner hier zu Gehör bringen, tönt trotz des etwas düsteren Sounds wohltuend und nicht beklemmend. Wer nicht auf das ganze Album warten kann, kann loslegen und sich diesen Part One anhören.
Das Schweizer Duo spielt im Widerspruch des Albumtitels. Einmal sind sie emotional und in wenigen Sekunden darauf Hardcore. Sie pendeln zwischen hartem Elektropop und Postpunk. Schöne Hooks, vertrackte Beats oder Texte, die ein Mantra sein könnten, dies und noch viel mehr gibt es in den Songs auf dem neuen Album zu hören. Sie klingen sehr eigenständig und sind sicher nicht jedermanns Sache. Flexible und neugierige Menschen finden sicher Gefallen an dieser Musik.
Der Genfer Musiker singt Französisch und macht sehr urbane Musik. Eigentlich ist es Elektropop, aber er zieht viele verschiedene Register in den fünf Liedern. Die Texte handeln von seinem Seelenleben. Der Beat regt zum Tanzen an und die amüsanten Texte zum Nachdenken. Gutes Songwriting und gute Produktion. Der Sound bietet immer wieder Überraschungen, da taucht ein Streichinstrument auf, dort eine zusätzliche Stimme und hier ein längeres jazziges Saxophonsolo.
Live: Premiere „Helvetia bockt“ in der La Cappella am 22. August 2025
Bild Kathrin Hallauer
Die vier Frauen und Sängerinnen traten als Hörnertragende Tiere wie Steinbock und Gämse auf die Bühne. Sie wurden als Touristenattraktion angekündigt. Sie starteten mit „Lueget vo Bärg und Tal“ und veränderten den Text dazu, wie bei allen Liedern. Die Texte wurden an die Frauen angepasst und wurden auch sozialkritisch. Die Arrangements waren alle zusammen sehr speziell, grossartig und immer so, dass man das Lied erkannte. Das Repertoire umfasste viele Volkslieder und Schweizer Popsongs. „S Burebüebli“ wurde zu „Frau sucht Bauer“, „Ludmilla“ von Patent Ochsner fand ihren Weg aus der Prostitution zurück in ihre Heimat. So gab es musikalisch viele Überraschungen. Also, Ohrenspitzen und Mitdenken lohnten sich.
Bild Kathrin Hallauer
Dazwischen traten sie als Blasmusik auf, bei einer Tunneleinweihung. „Dr Tifel isch gstorbe“ fehlte ebenso wenig wie „Oh mein Papa“ welches natürlich zu „Oh meine Mama“ wurde. „Dr Joggeli wott go Birli schüttle“ bekam einen neuen Text. Dazwischen wurde auch Französisch, Deutsch und Italienisch gesungen. Das Singen und die Texte waren aber nur ein Teil der Show. Die Frauen passten die Kleider immer an, vom Sennenlook bis zum Glitzeroutfit sah man alles.
Bild Kathrin Hallauer
Die Choreografien funktionierten hervorragend, hatten immer wieder kleine Spässe eingebaut. Kurz gesagt: Es wurde an diesem Abend sehr viel geboten für Ohr und Auge. Die vier Frauen sangen perfekt, auch bei den schwierigsten Passagen. Als Schluss sangen sie ein DJ Bobo Medley, aber alles auf Schweizerdeutsch. Die Zugabe war eine neue Version ihres Swiss-Bircher-Müesli-Medleys. Es war einfach nur grossartig und beste Unterhaltung auf hohem Niveau.
Trauffer ist zurück und wie! Er startet so richtig durch als Alpentainer. Vieles ist neu, nämlich der Produzent, der grössere Teil der Band und dadurch auch der Sound. Trauffer ist volkstümlicher, rockiger. Er versteht es mit diesem Album, richtig zu feiern und gute Laune zu verbreiten. Der Produzent heisst Georg Schlunegger, bekannt von Heimweh, Stubete Gäng, Schwiizergoofe, Megawatt. Die zwölf Mundartlieder schrieben die beiden zusammen. Der musikalische Leiter der Band ist der Schlagzeuger Massimo Buonanno und die Geschwister Monney, Jodlerinnen aus Freiburg, sind die weiblichen Stimmen mit viel Power. Auch das Örgeli ist stark besetzt mit Julian von Flüh. Das Songwriting ist auch gelungen und Peinlichkeiten sind keine mehr zu hören. Natürlich sind auch einige Gäste dabei, nämlich der Männerchor Heimweh, der Sänger Grüezi Italia und die Volksmusiker Rusch Büeblä. Das Ganze gibt echt tolle Partymusik, wo die Post abgeht.
Am Gurtenfestival 2025 sprach Fredi Hallauer mit Karl Kava & Durian
Album: «Wiener Linien» (Young & Cold Records)
Hinter diesen Namen stehen Carlo Rainolter an den Synthesizern und anderen Musikgeräten und Andrin Uetz am Mikrofon und verantwortlich für die Texte. Die beiden Ostschweizer pflegen eine Art von Poesie und Musik. Ihre Lyrik ist ziemlich schräg und kryptisch und hat etwas vom Wiener Schmäh dabei. Andrin Uetz bewegt sich zwischen Slam-Poetry und Gesang und Carlo Rainolter spielt Elektro, welcher tanzbar ist. Gesprochen und gesungen wird Deutsch. Solche Klänge sind bei uns eher selten zu hören und sind für unsere ungewohnten Ohren nicht nur leicht bekömmlich. Darum vorher hineinhören.
Ils Fränzlis da Tschlin, oder kurz Fränzlis oder Fränzlimusik genannt, kommen von Tschlin im Unterengadin und berufen sich auf die Fränzlimusik aus dem 19. Jahrhundert. Die fünf Musiker:innen an der Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass und Klarinette spielen herrliche Musik, welche manchmal knapp am Kitsch vorbeischrammt und dann wieder richtig schräg ist. Sie tönen mit ihrem Fränzlisound jenseits der Definitionen, dafür umso frischer. Der gemeine Unterengadiner sagt dazu «sakrisch bun“, was so viel wie saugut bedeutet. Da das Unterengadin offen zu Österreich ist, kommen und gehen auch viele Einflüsse hin und her. Die Fränzlis haben nun Musik und Eigenkompositionen vom Engadin bis Wien in ihr Repertoire aufgenommen und für dieses Album eingespielt. Was diese fünf Musiker:innen zustande bringen, ist erstaunlich. Da werden Märsche gespielt, welche normalerweise eine Blaskapelle spielt oder sogar ein Stück der Oberkrainer, aber alles mit dieser Besetzung, aber im typischen Sound. Dort gibt es dann etwas Wienerschmäh und da geht es halburchig zu. Die Streichinstrumente werden richtig kräftig gestrichen, mit etwas Dreck im Ton, sodass die Musik packen wird. Ein richtig tolles Album aus der Sparte Neue Volksmusik, und das ganz in einem Fluss ohne irgendwelche Künsteleien.
Marc Amacher sollte unterdessen vielen Menschen ein Begriff sein. Der Blueser aus dem Berner Oberland mit der rauen Stimme und dem dreckigen Gitarrensound ist unverkennbar. Er war bereits Support Act auf der Deutschland Tour von Eric Clapton und von Billy F. Gibbons, auch von Boss Hoss. Nun ist ein neues Album von ihm erschienen. Diesem Album liegt ein Stück Geschichte zugrunde. Amachers sind Walser. Sie zogen vom Wallis in karge Täler im Berner Oberland, dann nach Georgien und anderen Ländern, von dort nach Amerika und wieder zurück in die Schweiz. Marcs Amacher Urgrossvater war vor etwa 140 Jahren ein Hobo, einer, der mit der Gitarre und einem Song auf der Zungeumherreiste. Bei diesem Album wird die Tradition modernisiert in dem heutigen Sound von Marc Amacher. Er erzählt nicht die Geschichte des Urgrossvaters, er erzählt Geschichten aus den USA, von sich und seinem Grossvater, macht Überlegungen und das mit seiner ganzen Energie und seinem kraftvollen Blues. Die Gitarre , Bass und Schlagzeug und manchmal noch ein anderes Instrument helfen, diesen rohen Klang zu transportieren. Marc Amacher ist und bleibt auch auf Tonträger ein Erlebnis.
Dieses Album ist ein einziges Werk, in zehn Teile unterteilt. Kristina Brunner erhielt den Auftrag vom Festival Stubete am See und dort wurden dann diese Aufnahmen im August live eingespielt. Das Ensemble besteht aus den herausragendsten Musiker:innen der Volksmusik/Neuer Volksmusik-Szene. Es sind dies: Kristina Brunner (Komposition, Schwyzerörgeli, Cello), Andreas Gabriel (Geige), Gabriel Miranda (Geige, Bratsche), Albin Brun (Sopran- und Tenorsax, Schwyzerörgeli), Sonja Ott (Flügelhorn, Trompete), Jürg Nietlispach (Halszither), Evelyn Brunner (Kontrabass, Schwyzerörgeli), Markus Lauterburg (Perkussion) und Pedro Lenz (Texte und Wort). Das Stück basiert auf den Texten von Pedro Lenz, welcher fünfmal kurze Textpassagen spricht. So wird das ganze Werk sehr stimmig, man merkt, es geht um fahren, um hören und zuhören (gewollt und ungewollt), um einen Platz zu finden und dazuzugehören. Alle diese Themen hat Kristina Brunner mit ihrer Komposition und ihrem Ensemble umgesetzt. Da gibt es viele leise Töne, aber manchmal wird es recht laut. Die Instrumente spielen miteinander und gegeneinander, sie ergänzen sich oder lassen auch noch Raum frei. Jedes Instrument hat seinen Schwerpunkt, auch die Perkussion wirkt solistisch, mit einem sehr leisen Anfang und einem Ende im Donnerwetter. Manchmal reiben die Töne sich aneinander, erzeugen Spannungen und dann wird es wieder Volksmusik, so richtig eingängig. Es lohnt sich bei diesem Werk daran zu bleiben, wenn einem eine Passage nicht so gefällt, kommt sicher bald wieder etwas, was einem gefällt oder einen fasziniert, und nach mehrmaligem Hören gefällt einem plötzlich das ganze Werk. Ein faszinierendes Stück Musik.