ILS FRÄNZLIS

Album: „Mit Alles Und Scharf“ (Zytglogge)

Ils Fränzlis da Tschlin spielen sechs der 19 Stücke in der altbekannten Besetzung Kontrabass, manchmal Akkordeon, Bratsche, Cello, Geige und Klarinette und das alles von janett gespielt, nämlich Curdin, Madlaina, Cristina,anna Staschia und Domenic. Die andern Stücke sind mit drei Zusatzfränzlis aufgenommen worden, nämlich mit Barbara Gisler (Cello und Kontrabass), Niculin Janett (Saxophon) und Balthasar Streit (Trompete) und dazwischen wird auch mal gesungen. sie spielen viele traditionelle Stücke, aber genau die oft in der erweiterten Besetzung und auch einem erweiterten Volksmusik Verständnis. Der Jazz fliesst immer wieder sanft ein durch das Saxophon aber auch rhythmisch, am deutlichsten natürlich „Lush Life“ von Billy Strayhorn, dort aber auch wieder die Volksmusik im Jazz. „Il Cumün In Silenzi“ ist ein acapella Lied auf romanisch, welches auch den wunderschönen Klangkörper der Frauen und Männer Stimmen zeigt. Eigenkompositionen gibt es auch einige zu hören, die manchmal in ganz andere musikalische Gefilde triften, wie z.B. „Polca #4#“. Die Trompete bereichert die Klangfarben der Fränzlis, egal ob sie mit Stakkatos die Musik noch lüpfiger macht, oder ein bisschen Balkan hineinbläst. Was die Fränzlis da spielen ist Neue Volksmusik und Weltmusik in Perfektion ohne ihre Herkunft zu verleugnen. Dieses Album gehört auf die Liste der besten Alben für 2020.

Fredi Hallauer

VIERTAKTMOTOR

Album: „Siebesiech“ (Narrenschiff)

Nayan Stalder am Hackbrett, laurin Moor am Kontrabass, Kaspar Eggimann am Akkordeon und Raphael Heggedorn am Violomcello, das ist der Viertaktmotor. Mit dieser Besetzung machen sie Musik zwischen Traum und Volksmusik, zwischen Kopfkino und Musette. Überraschungen treten eigentlich fortwährend auf. Die fast logisch folgende Melodie kommt , aber auf einem unerwarteten Instrument. Manchmal entsteht auch ein abrupter Wechsel des Taktes, des Leadinstrumentes oder allem zusammen. an sich sehr interessante und spannende Musik. Der Viertaktmotor scheint trotz den jungen Musikern in die jahre gekommen zu sein und er tuckert und rumpelt etwas sehr gemächlich über das Feld. man würde sich hier und dort etwas mehr Zündung wünschen. die Stücke sind auch manchmal etwas zu zusammengesetzt und reissen einem aus dem Zusammenhang. Viertaktmotor macht tolle Musik, hat aber noch Entwicklungspotential.

Fredi Hallauer

SCHÄBYSCHIGG

Album: „Perschpektivä“ (Narrenschiff)

Die fünf Musiker, welche im Kanton Uri beheimatet sind, spielen umwerfende Neue Volksmusik. Mit Klarinette, zwei Trompeten, einer Basstrompete und einer Tuba, welche manchmal einem Akkordeon weichen muss, machen sie Musik zwischen Volksmusik und Jazz. Sie beschreiben ihre Musik als, Lieder und Tänze aus dem Leben die in keine Schublade passen. Der Auftakt mit „Äs Tänzli für d Emilie“ ist gewaltig. Das Tänzli beginnt mit einem Getöse von Tuba und Basstrompete, die Klarinette lässt dann das Stück zum Tänzli werden. „Holper Jazz“ wird dem Titel gerecht, es geht um minimalisierte Rhythmus Muster mit den beschriebenen Instrumenten und ein bisschen Melodie. “ Zooge n em Booge“ wird ein bisschen gesungen und noch näher bei der Volksmusik sind sie mit einem Stück, welches nach Oberkrainer tönt, zumindest am Anfang. Es ist aufstellende, spannende Musik und dieses Album gehört für mich in die TopTen für das Jahr 2020.

Fredi Hallauer

SOOON

Album: „Youchz Now“ (Narrenschiff)

Im Titel sind also keine Schreibfehler. Die Gruppe schreibt sich mit drei O’s. Das Trio besteht aus Sonja Morgenegg (Stimme, Jodel, Oberton, gitarre und Monochord); John Wolf Brennan (Pianos, Melodica, Akkordeon, Stimme) und Tony Majdalani (verschiedensten Perkussionsinstrumente und Stimme). Die Schweizerin, Der Irland-Schweizer und der Palästinenser spielen gleichzeitig Worldmusik der Weltklasse wie auch Neue Volksmusik. Sie verschmelzen, Jodel mit Joiken der Sami, legen brasilianische und afrikanische Rhythmen darunter. ein andermal ist es irgendwie Klezmer, oder Musik aus dem arabischen Raum der sich mit Stimmen und Melodien aus der Welt vermischt. Youchz Now ist eine Wundertüte an wundersamen Klängen. Das ist spezielle Musik, welche aber vielen Leuten gefällt, wenn sie diese Klänge entdecken. Heisser Tip.

Fredi Hallauer

JÜTZ

Album: „Hin & Über“ (Chaos)

Dieses Album erschien bereits 2018, kam aber erst jetz zu mir, darum die Besprechung. Die Gruppe Jütz besteht aus einem Schweizer und zwei MusikerInnen aus dem Südtirol, produziert hat Dizl Gmünder aus Bern und so weiter und so fort. Also ein Album und eine Gruppe, welche keine Landesgrenzen kennt, darum das Review hier im musikch.com . Das Trio besteht aus Isa Kurz, welche singt, Geige, Akkordeon und Hackbrett spielt; Philipp Moll am Kontrabass und E-Bow, auch er singt und Daniel Woodtli spielt Trompete und Flügelhorn und er singt ebenfalls. Vom Instrumentarium her wird klar, da geht es um Volksmusik, Folk und Jazz oder eben um Neue Volksmusik. Beim anhören dieses Album geht man wirklich „hin und über“. Einerseits wird da recht frech mit traditionellen Themen und Melodien umgegangen, aber auch musikalisch sehr anspruchsvoll und herausfordernd. „Luegid vo Bärg und Tal“ wird ins tirolische übersetzt gesungen, die tirolischen Volksmusikschlager, wie „Perle vom Tirol“ werden zusammengefasst in Textfetzen und mit ganz anderer Musik gespielt, aber auch Blasmusikstücke werden verändert. Das Ganze ist kein Blödelalbum wie es den Anschein machen könnte, aber eine witzige musikalische Auseinandersetzung mit Volksmusik und aber auch Aussagen zur Zeit mit alten Liedern wie mit dem „Schwalbenlied“ von 1859. Musikalisch ist es Neue Volksmusik welche nahe beim Jazz liegt. Jütz ist hier ein sehr grossartiges und beachtenswertes Album gelungen.

Fredi Hallauer

SILBEREN

Live: Albumtaufe „Winder“ im Kulturhof Köniz am 8. September 2019

Bild Fredi Hallauer

Regnerischer Sonntagnachmittag 17 Uhr und ein zahlreiches Publikum begrüsst das Quartett Silberen mit grossem Applaus. Die Gruppe belohnte das Publikum mit einem wunderschönen Konzert. Mit Stimme, Hackbrett, Kontrabass, Perkussion und Gitalele erzeugten sie vertraute Töne, aber auch ganz viele neue Klänge, Geräusche und Stimmungen, dazu die Jodel und Lieder, welche von schrecklichen Geschichten bis zu weniger schrecklichen Situationen erzählten. Fröhlich wurde es nie, den die Gruppe verstand es, die klassischen Volksmusikakkorde aufzubrechen und den Inhalten entsprechend zu verändern. Das Konzert umfasste die Lieder und Stücke ihrer beiden Alben, wobei der Unterschied gut zu hören war. auf dem ersten Album mussten sie herausfinden wer sie waren und nun wissen sie es und machen diese mutige unbequeme und trotzdem bekömmliche Musik für die Seele und das Herz ohne diese volkstümlichen Schönmalereien. Silberen ist eine Gruppe die man nicht verpassen sollte, wenn man Neue Volksmusik gerne hat.

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Fredi Hallauer

Album: „Winder“ (Zytglogge Verlag)

Das Quartett, welches neue Volksmusik und unbequeme Volksmusik spielt ist mit dem zweiten Album zurück. Sie sind noch einen Schritt weiter gegangen und noch etwas unbequemer und interessanter geworden. Barbara Berger (Gesang, Handharmonium); Nayan Stalder (Hackbrett, Stimme); christian Schmid (Kontrabass, Stimme) und Roli Strobel (Guitalele, Schlagwerk, Handharmonium, Glockenspiel, Stimme) haben viele traditionelle, meist wenig bekannte Stücke und Lieder neu eingekleidet. Es beginnt bereits bei dem Eröffnungsstück dem „Sunnehälbler“ einem Juuz aus dem Muotathal, welcher noch Musik dazu bekam. Eigene Stücke wie „es isch“ gehören auch dazu. Lieder wie „Königskinder“ wurden bearbeitet und mit neuer Melodie ausgestattet, so dass das ganze Drama zur Geltung kommt, ohne theatralisch dramatisch zu sein. so geschah es auch bei den anderen Liedern und Tänzen. Die Lieder sind sehr gesellschaftsrelevant und absolut aktuell. Arm und Reich kommt im „Gspili“ zum Zug, Inzest wird im Lied „Anneli“ behandelt, einem alten traditionellem Lied und auch die anderen Lieder haben es in sich. Hier stimmt einfach alles, Musik, Texte, die Stimmung, die Aussagen und der Klang. Wiederum ein Album für die Jahresbestenliste.

Fredi Hallauer