ELIANE

Album: „Final Destination“

Eliane muss man in der Schweiz nicht mehr vorstellen. Auf ihrem neuen Album ist wundervoller, vielseitiger, sanfter Pop zu hören. Das Piano spielt bei den meisten Songs eine gewichtige Rolle. Eliane singt siebenmal englisch, zweimal Mundart und zweimal italienisch. Bei „Vergässe“ ist Florian Ast ihr Duettpartner und bei „Nowhere To Go“ steuert Didi kurze Raps bei. Ein genussvolles und unaufgeregtes Album.

Fredi Hallauer

FERRIER

Album: „Flachland“ (Zytglogge)

Ferrier, das ist Christoph Ferrier, der Liedermacher und Pianist, welcher bereits 1977 am Gurtenfestival auftrat und ein paar Alben veröffentlichte. Später machte er sich einen Namen als Chorleiter und Musiklehrer an verschiedensten Schulen. Nun ist er endlich zurück, mit einem neuen Album. Die Musik ist nicht mehr wie früher, sie ist mit der Zeit gegangen. Etwas Piano ist zu hören, aber sonst begleitet sich Christoph Ferrier auch mit Synthesizer. Ein paar Gastmusiker:innen an Posaune, Bass, Perkussion und Backing-Stimme helfen bei einzelnen Liedern. Das wesentliche ist geblieben, Christoph Ferrier ist immer noch der sehr talentierte Liedermacher, mit Texten, die es in sich haben und welche typisch für ihn sind. Die Geschichten handeln in Bern und sind doch global. Es sind reife Lieder geworden. Er erzählt vom Alt werden, von Träumen, von früheren Zeiten und jungen Jahren. Nichts ist sehnsüchtig oder bereuend, es sind einfach so herrliche Texte. „We d mi nümm wosch gseh, tue eifach d’Ouge zue“ oder „Eifach nümm so richtig ufe/ s längt no knapp i d Rooftop Bar/ E Chrüzfahrt uf dr Luftmatraze/ Egusee statt Sansibar“. Mit diesem Album ist Christoph Ferrier wieder ein grosser Wurf gelungen.

Fredi Hallauer

CASPAR VON NEBENAN

Album: „Chrottepösche“ (Lauter Musik/Irascible)

Diese Band ist ein Quintett aus Zürich. Fünf junge Musiker:innen taten sich zusammen, mit Geige, Akkordeon, Schlagzeug und zwei Bässen plus Gesang. Entstanden ist eine vielfältige Musik aus Indie Folk, vielen virtuosen Soli und einem Hauch Klezmer. Gesungen wird Mundart und Deutsch, mal alleine, dann wieder im Doppel. Es singen meistens Frauen, aber Männerstimmen sind auch zu vernehmen. Inhaltlich bewegen sich die Texte zwischen belanglos, jugendlicher Liebe oder gesellschaftskritischen Themen. Schöne Klänge, schöne Stimmen und Musik, wie man sie nicht alle Tage hört. Hörenswert.

Fredi Hallauer

LOS SEREJ

Album: „Biuder“

Los Serej, das sind Serej, der Rapper von Wurzel 5 und Chlyklass, zusammen mit dem Bassisten Jürg Schmidhauser und dem Schlagzeuger Andreas Knecht. Serej spielt das Klavier. Andreas Knecht ist noch für die Texte mitverantwortlich. Serej hat vor ein paar Jahren ein Album mit seinen berndeutschen Liedern gemacht. Nun hat er einen Teil der Lieder mit dieser Band eingespielt und neue Lieder dazu geschrieben. Es sind Betrachtungen des Alltags. Es wird philosophiert in der Art eines Mani Matters. Zu diesen von Mani Matter beeinflussten Liedern gehören „Anyway“, „Beides“ und „Meh“, aber auch in anderen Liedern kommt der Stil zum Ausdruck. „Für Di“ stammt noch aus der Wurzel 5 Zeit, aber mit dieser Band und Schmidi Schmidhauser am Tres tönt es frisch. Das wichtigste Lied für mich ist „Langsam pressiere“ eine gut getroffene Beobachtung zu unserem Verhalten betreffend Klimaschutz. Los Serej haben einen eigenen Stil entwickelt, zwischen Liedern und Rap. Platz für Entwicklung gibt es noch in der Melodie, es tönen melodisch alle Lieder etwas ähnlich, was natürlich das Chanson auch in sich hat. Die Texte sind da wichtiger.

Fredi Hallauer

IRMA KREBS

Album: „I Bi Nümm Elei“ (Der gesunde Menschenversand)

Das Berner Mundartquartett ist wieder mit einem neuen Album am Start. Sie sind vier Männer und spielen Mundartpoprock in ihrem eigenen Stil. Die Musik ist ausgeklügelt und auf ihre Art einfach, nichts ist überladen. Da rumpelt das Schlagzeug, dort legt der Bass den Teppich aus, die Gitarre spielt Rhythmus und wunderschöne Melodie- und Gegenmelodielinien. Dazu kommt als Gast bei einigen Liedern die Keyboarderin Sibill Urweider, mit schöner Hammond Unterstützung oder schwebenden Synthieklängen. Die Texte sind ebenfalls reduziert. Sie erzählen vom Alltag und von der Liebe, aber meistens aus einem ungewohnten Blickwinkel, aber sehr treffend. Das Zusammenleben mit allen Problemen kommt zur Sprache in „Mir sägenem Liebi“, im „Outopilot* wird genau diese Technik etwas anders betrachtet. „König vom Dessär“ oder „Du chasch mi mau“ sprechen für sich. Diese spezielle Musik, mit diesem eigenen Textstil, macht Irma Krebs aus.

Fredi Hallauer

GIGI

Album: „Hinterem Mond“ (Universal Music)

Die 24-jährige Bündnerin zeigt auf ihrem ersten Album, was Rap alles kann. Musikalisch legt sie minimale Musik und ebensolche Beats vor. Dazwischen wird es etwas mehr, aber ihre Texte sind immer das wichtigste. Sie lässt sich nicht in Genres pressen und zeigt, dass Rap und Pop bestens zusammen gehen. Die Texte zeugen von Reife. Da wird viel hinterfragt, sie, sich selbst, Beziehungen und die Gesellschaft, ja die aktuelle Welt. Der Rap und Gesang sind manchmal zerbrechlich, aber auch sehr direkt und bestimmt. Gigi gibt da eine Steilvorlage für den Schweizer Rap. Unbedingt anhören.

Fredi Hallauer

EAZ

EP: „Penthouse 32“ (Universal Music)

Der Schweizer Rapper veröffentlicht nach 2 Jahren Pause mit der EP «Penthouse 32» neue Musik Auf den fünf Tracks ist er seinem musikalischen Stil treu geblieben, melodiöse Hooks, dunkle Beats und ein wenig R’n’B. Textlich ist er immer noch der junge Mann, welcher über Frauen und Liebe textet und das recht gut. Seine Texte switchen ständig zwischen Mundart und Englisch und das ist doch eher etwas mühsam, denn wenn man die Texte verstehen will, ist man gezwungen immer wieder festzustellen, welche Sprache das ist. Diese Sprachwechsel machen die EP etwas schwerfällig.

Fredi Hallauer

STAHLBERGER

Album: „Immer dür Nächt“ (Irascible)

Stahlberger ist eine fünfköpfige Band mit dem Sänger und Texter Manuel Stahlberger. Die Musik ist dunkel, repetitiv und krautig. Im Zentrum klingt der Bass und das Schlagzeug, die Gitarren und der Synthesizer bringen die dunkle Farbe dazu. Der Gesang ist eher mehr Sprechgesang, aber kein Rap. Dieser ganze Sound ist sehr gewöhnungsbedürftig. Nicht so die Texte. Sie handeln von Suchen und Verlieren, von Menschen am Rande der Gesellschaft. Stahlberger ist ein guter Beobachter und versteht es, die Beobachtungen in knappe Worte zu fassen und trotzdem verstehen alle, was er meint. Es lohnt sich, vorher in das Album hineinzuhören.

Fredi Hallauer

TROUBAS KATER

Album: „Katergold“ (Groovefactory/Kathamusic)

Ja, Troubaskater feiern ihr 10-jähriges Jubiläum und beschenken sich und uns mit einem Pokal aus Katergold. Da die Welt im Moment ziemlich viele Beulen hat, ist der Pokal auch etwas verbeult, zumindest textlich. Es glänzt nicht alles und nicht alle Texte sind so einfach. Da kommen Themen wie Femizid, Umwelt, die Besitzer von viel Geld, welche es horten, und mehr zur Sprache. Es geht auch um Beziehungen, um Selbstkritik und weitere gesellschaftliche Themen. QC versteht es, alles in eine schöne Poesie zu setzen und dann langsam den Lack abblättern zu lassen. Musikalisch ist das Album sehr erfrischend und so richtig stark. Da wird mit Rhythmen experimentiert, die Bläser drehen auf, lassen aber auch dem Akkordeon Platz. Bei einem Lied bläst Traktorkestar mit, als Gäste sind im Gesamten auch Nina Gutknecht (Gesang), Sonja Huber (Marimba) Simon und Raphael Heggidorn und Nao Rohr (Streicher) zu hören. Stilmässig ziehen Troubas Kater alle Register von Balkan, zu Pop, HipHop und Latin und noch viel mehr. Dieses Album muss man gehört haben, und es ist nach meiner Meinung ihr bisher bestes Album.

Homepage https://www.troubaskater.ch/

Fredi Hallauer

MELINA NORA

EP: „Landtapu“ (Mouthwatering Records)

Die in Zürich lebende Walliserin schwankt auch musikalisch zwischen Land und Urbanem. Die junge Frau in den 20ern, singt von Aufbruch, von der Unsicherheit, von der Zukunft und aus dem Leben eines jungen Menschen. Vier Lieder in Walliserdeutsch sind zu hören. Die Stimme dürfte etwas präsenter sein. Der Dialekt ist sehr ausgeprägt und es braucht schon ein paar Durchgänge, um die Inhalte einigermassen zu verstehen. Melina Nora macht eigenständigen Indie-Folk. Auf mehr darf man gespannt sein.

Fredi Hallauer

HAUBI MIETI

Album: „Heimelig“

Haubi Mieti ist eine zehnköpfige Stadt Berner Band, welche einiges zu bieten hat. Die Musik fetzt und spielt irgendwo zwischen einer grossen Popband und einer Jazzrockformation. Auffallend sind die Bläser und das Keyboard, hauptsächlich die Hammondsounds. Die Rhythmen sind nicht einfach geradlinig, sondern oft vertrakt und mit Rhythmuswechseln gespickt. Die Texte erzählen vom Leben und sind Bern bezogen. Der Schwachpunkt der Band ist der Sänger, er intoniert oft ziemlich ungenau. Am besten ist er, wenn er näher beim Sprechgesang ist. Da ist also beim Gesang noch viel Luft nach oben und viel Arbeit steht noch bevor.

Fredi Hallauer

SINA

Album: „Bescht Of 30 Jahr – Live aus der Mühle Hunziken“ (Musikvertrieb)

Seit 30 Jahren ist Sina unterwegs und sie hat unzählige Lieder aufgenommen. Zu ihrem Jubiläum hatte sie sich etwas Spezielles ausgedacht, sie liess das Publikum wählen, welche Lieder sie live in der Mühle Hunziken aufnehmen soll. Es ist eine sehr spannende Auswahl zustande gekommen. Viele weniger bekannte Lieder gibt es hier zu hören und natürlich auch einige ihrer Hits. „Där Sohn vom Pfarrär“, „Schwöru“ mit Büne Huber, aber auch „Emma“, „Fär wär soll ich singe“ und viele schöne Lieder sind dabei. Eingespielt wurde alles live mit ihrer starken Band, alles ist dabei, mal einfach und ruhiger und dann wieder opulent, mit Bläsern und Backgroundgesang. Marc Sway ist ebenfalls Gast beim Lied „Wa du bisch“. Ein wunderbares Album und nicht einfach eine Best-of-Sammlung.

Fredi Hallauer

ANDRYY

Album: „Wänn du da bisch“ (Universal Music)

Der junge Mundartsänger hat nach mehreren EP ein Album mit zwölf Liedern veröffentlicht. Musikalisch ist es bekömmlicher, tanzbarer Elektropop. Die Lieder erzählen von der Liebe in den verschiedensten Facetten, aus der Sicht eines jungen Mannes. Da gibt es die Frauen, welche ihn nicht beachten, das totale Verliebtsein, das Verlassen werden und vieles dazwischen. Wunderschön sind die beiden Duette, eines mit Livv und eines mit To Athena. Andryy bietet ein Stück schöne Mundartpopmusik für die jüngere Generation.

Fredi Hallauer