TRUWVE

Album: „Secondi Piatti“

Das Kollektiv hat soeben ihr zweites Album veröffentlicht, eben Secondi Piatti. Es ist Mundartrap und er klingt so bunt wie das Albumcover. Gerappt wird Berndeutsch, und sie bringen alles in den Zusammenhang mit Meer, Fischen, Ferien am Meer. Inhaltlich zelebrieren sie eine Spassgesellschaft. Das Album ist tanzbar und ein klares Partyalbum.

Fredi Hallauer

BIG ZIS

Album: „4xLove:2“ (Blonk)

Big Zis ist eine der wenigen Frauen, welche sich im HipHop mit ihren Rap Songs zu behaupten weiss. Nicht wegen Nichts, hat sie den Schweizer Musikpreis gewonnen. Auf ihrem neuen Album lässt sie es musikalisch und verbal so richtig krachen. Musikalisch dominiert die Elektronik mit kräftigen Bässen und tollen Beats. Textlich rechnet sie mit unserer Gesellschaft in vielen Belangen so richtig ab. Egal ob das die Finanzwirtschaft ist, oder wir alle, denen es gut geht und die mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurden. Ein grosses Thema sind natürlich die Frauen. Sie rappt nicht gegen Männer sondern für die Frauen, auch das Ego ist ein Thema. Egal welches Thema Big Zis in den Mund nimmt, es wird kritisch beleuchtet, klingt aber hoffnungsvoll und hat Zukunft. Diese Album ist ganz klar tanzbar und natürlich auch hörbar. Es lohnt sich und es macht Spass Big Zis zuzuhören.

Fredi Hallauer

EMM

Album: „Fame Stutz Glück“ (iGroovemusic)

Der Luzerner Rapper, unterdessen über 35jährig, präsentiert auf seinem neuen Album Texte, welche zu seinem Alter passen. Er hinterfragt die heutige Gesellschaft und träumt auch gleichzeitig von seiner Welt. Musikalisch ist er weg von R’n’B, Funk und Soul, sondern wandelt zwischen Trap und eigenwilligen Hintergrundsounds. Wenn das nicht mehr nach Rap klingt, darf ich korrigieren, es ist Rap und erst noch guter. Also Musik ab und Ohren auf.

Fredi Hallauer

STEFF LA CHEFFE

Album: „PS“ (Bakara Music)

Bei PS handelt sich hier nicht um Pferdestärke sondern um Post Scriptum, also einem Nachtrag. Die Berner Rapperin ist nun seit 10 Jahren musikalisch unterwegs und sie blickt zurück und nach vorn. Der Blick richtet sich vor allem auf ihr eigenes Seelenleben mit Up und Downs von Beziehungen. Somit hat PS doch etwas mit Stärke zu tun. Textlich ist das Album nicht mehr so schwermütig wie das letzte, es gibt durchaus flockig – lockere Titel wie „Holunder“ oder „Gladiole“, aber auch „Eifach“ oder „Karate“ gefallen sehr gut. Musikalisch besinnt sich Steff la Cheffe auf die HipHop und Rap Roots. Es sind einfache Beats mit ausgeklügelter Gitarre dazu und sie selber bleibt beim Sprechgesang dem Rap. von popig ist hier nichts zu hören. Steff La Cheffe zeigt sich von der Seite als Poetin. Bei „Einisch“ hilft Remy Rem mit und das bringt gerade gar nichts. Nun sollte eigentlich Steff la Cheffes Innenleben ausgeleuchtet sein und ich glaube sie hat auch zu anderen Themen viel zu sagen.

Fredi Hallauer

ANNA & STOFFNER

Album: „Gold“ (Irascible)

Das Duo Anna & Stoffner besteht aus der Rapperin Anna Frey und dem Gitarristen Flo Stoffner. Sie haben sich nun mit einem Synthiemann und einem Schlagzeuger verstärkt. Musikalisch gehören sie in den Pop, Punk und Improvisation und verbinden das mit Rap. Die Musik ist sehr energetisch. die Texte sind eindringlich und in einer eigenen Art vorgetragen. Es ist Lyrik und Philosophie, Lebensweisheiten und Lebensfragen und klare Aussagen sehr lyrisch verpackt. Anna Frey rapt nicht nur, manchmal ist es auch Spoken Words. Eigentlich braucht dieses Album einen Literaturpreis, so gut ist alles getextet. Die Intensität der Texte braucht aber die Intensität der Musik. Ein tolles Miteinander.

Fredi Hallauer

STUDEYEAH

Album: „Jo Sicher“ (Equipe Music)

Das Bieler Quartett mit Stude spielt Mundartrap mit etwas anderen Vorzeichen. Die Texte erzählen vom Alltag, sind dadaistisch, manchmal leicht sozialkritisch und nehmen sich und die Welt nicht so ganz Ernst. Da geht es um Zähneputzen, Freunde, Basketball oder Ökobilanz. Die Rapper 50 Cent und Dr. Dre werden zitiert wie zum Beispiel in „Schoppe“ aus „Windows Shopping“. Die Musik ist manchmal etwas sphärisch was etwas gewöhnungsbedürftig ist für Rap. Die erfrischenden Texte sind meistens gut verständlich, dazwischen aber versinken sie in der Musik, sind verhallt oder so stark durch den Autotune gejagt, dass sie unverständlich werden. Studeyeah sind ein Rap Combo, welche zu den Kultgruppen dieses Genres gehört. Ein witziges Album.

MIMIKS

Album: „Für immer niemer“ (Sony Music)

Der Luzerner Rapper ist vielleicht, zu unrecht, immer noch ein nicht so bekannter Rapper. Das könnte sich aber mit diesem Album ändern. OK, musikalisch tönen die Beats und Sounds wie bei vielen anderen Rappern auch. Aber sein klarer, schneller Flow bei den Texten und die Texte selber lassen aufhorchen. Er rappt über Luzern, seine Mutter oder seine Lebensgeschichte. Natürlich noch über vieles Andere. Seine Texte sind clever, direkt und ehrlich. Er hat auch Gäste mit dabei, das sind ZID, Damian Lynn, aber auch Effe, Xen und Lcone. Es ist kein Schönwetter Rap was Mimik da erzählt, nein diese Texte gehen unter die Haut. Also aufgepasst, Mimiks kommt.

Fredi Hallauer

CHLYKLASS

Album: „Deitinge Nord“ (Chlyklass Records/Sound Service)

Das Berner Rap Kollektiv Chlyklass ist zwanzig Jahre alt geworden und darum haben sie in ihrem Studio noch ein Album aufgenommen. Dabei zeigt sich, dass die Chlyklässler nicht nur älter geworden sind sondern auch reifer. Die Beats sind genial und das Album hat auch einen gesunden Drive. Neben der Elektronik spielen akustische Drums, Violine, Bass und einmal noch ein Charango. Aber das wichtigste bei Chlyklass sind natürlich die Texte und die sind auch gelungen. Weiterhin machen sie sich auch ein bisschen über sich selber lustig. Einmal erzählen sie von ihren Auftritten und dem Nachher erzählen, vom Autogramm geben und Duschen und Nachhausefahren. Sie sind auch gesellschaftsrelevanter geworden. Sehr eindrücklich ist das Lied „Nid üses Revier“, über die Natur die zurückschlägt. Dem fehlenden Swiss Musik Awards trauern sie weiterhin hintennach. Aber alle Texte sind interessant, unterhaltend und regen zum Nachdenken an. Chlyklass ist hier wieder ein gutes Album gelungen, mit vielen was man von ihnen kennt, aber doch eben weiter entwickelt.

Fredi Hallauer

TOMMY VERCETTI

Album: „No 3 Nächt bis Morn“ (Eldorado Records/Sony Music)

Tommy Vercetti ist ein begnadeter Rapper, vor allem sind seine Texte gut. er hat eine Botschaft und daraus macht er keinen Hehl. Seine Haltung ist Links und so rappt er auch. Er spricht Klartext in gute Ideen und Geschichten eingepackt. Er zählt auf wer von der Prominenz was auch schon gemacht hat, und greift natürlich die Begründungen an, welche Politiker und Finanzhaie ins Feld führen, aber auch die Rapper lässt er nicht ungeschoren. Er hat sehr viel Text in dieses 50 Minuten Album eingepackt, und das überfordert einen, wenn man alles am Stück hören und verstehen will, darum häppchenweise geniessen, dann ist es ein Genuss. ein Genuss ist auch die Musik oder vielleicht muss man einfach Produktion sagen, die stammt von Pablo Nouvelle und ist sagenhaft. Er verlässt die HipHop Cliché Produktionen und zeigt wirklich wie es sein soll. Sicher ein Meisterwerk dieses Album.

Fredi Hallauer

STRESS

Album: „Sincerement“ (Universal Music)

Der Rapper aus der Romandie liess sich zeit für ein neues Album. Das Warten hat sich gelohnt. Stress kommt frisch daher. Er singt dazwischen sogar. Es gibt titel, die könnte man als Rap-Chansons bezeichnen. Seine Beats sind luftig geworden, das Schwere und Brachiale ist nicht mehr da, trotzdem ist es ein Stress Album. Die Inhalte seiner Stücke sind Umweltthemen und dann ein Wundenlecken, welche nach seinen Beziehungen blieben. Er macht das aber auf eine sehr charmante Art. selbstverständlich hat er verschiedene Gäste dabei, es sind das: Naomie Lareine, Akhenaton, Shurik’n & L’as de choeur, Xen, Nemo und JP Cooper. Neben dem französisch gibt es also auch noch etwas Mundart und englisch zu hören. Stress wird mit diesem Album wieder viele Erfolge feiern können.

Fredi Hallauer