GIMMA

Album & Textbuach: „Kartellmusig“ (Zytglogge)

Gimma oder mit bürgerlichem Name Gian-Marco Schmid hielt es anlässlich der Situationen auf der Welt und vor allem im Kanton Graubünden nicht mehr aus zu schweigen. Er hat vierzehn neue Texte geschrieben und rappt sie uns nun auf dem neuen Album. Gimma ist immer noch schonungslos offen und ehrlich, aber reifer. Musikalisch ist es ein Rapalbum mit den Beats und den Sounds, welche aber zu den besseren ihrer Art zählen. Dieses Album ist, wie schon immer bei Gimma, einerseits Musik zum Party machen, anderseits sind es schlaue Texte zum Zuhören und Nachdenken. Musik und Texte gehen ab, beides auf ihre Art. Gimma wettert noch immer über Politiker und Kartellleute und das zurecht. Er macht es mit Wut und meint es ernst, aber der Schalk ist nicht verloren gegangen. „Fokus“ gefällt sehr gut, ein Lied über die verschiedenen Sichtweisen, oder „As kunnt alles guat“ mehr im Liedermacherstil sind zwei Lieder die man hervorheben kann, aber man könnte das mit einigen anderen Liedern auch machen. Fazit: Gimma ist zurück und besser denn je.

Fredi Hallauer

GMT

EP: „Läbe & Tod“ (Empire Music)

Der Basler Rapper veröffentlicht sehr unerwartet seine erste EP. Es sind sechs knallharte Raps. Ja erzählt von seiner Wut, dass sein Bruder gestorben ist und sagt, dass er keine Angst mehr vor seinem Tod hat. Das erzählt er im Lied „Augenblick“. Musikalisch ist es typischer Mundartrap mit verschleppten Beats und wie es heute leider Mode ist, zuviel Autotune. Bei den weiteren Texten geht er zu stark in den Gangsterrap und versucht das der Idealisierung des harten Strassenlebens und wüsten Ausdrücken zu verstärken. Das wäre nicht unbedingt nötig, der Mann kann auch sonst hart Texten.

Fredi Hallauer

NORDSITE

EP: „Zyt & Wahnsinn“

Die Bieler Mundartband zwischen Pop und Rap heisst so wie man ihren Namen in Mundart liest. Aber nun zu ihrer Musik. Sie spielen die Instrumente selber und alles ist handgemacht, auch die Scratches. Es ist tolle Musik mit Anleihen im Jazz und im Pop. Darüber rappen sie die Texte mit Niveau. Es sind Beobachtungen aus dem Leben, aber nicht den Gangster/Party Groove. Irgendwie führen sie das Erbe der Gruppe Merfen Orange weiter, Old School aber eigenständig.

Fredi Hallauer

MANILLIO

Album: „Plus Minus“ (Universal)

Manillio ist mit einem neuen Album zurück und versteht es zu begeistern. Seine Texte sind engagiert geblieben, vielleicht sogar noch engagierter geworden. Die Beats und Klänge, welche die Raps begleiten sind einfach und typisch für Manillio und trotzdem sind da neuere Elemente zu hören. Zwischendurch gibt es Uptempo Teile oder Klänge welche an Steeldrums erinnern. Es ist angenehm den Klängen zu lauschen. Wichtig sind natürlich die Texte. Sie drehen sich nicht um das Ego, wie das oft beim Rap üblich ist, sondern sie drehen sich um das Weltgeschehen im Grossen wie im Kleinen. Als Gäste sind Lo & Leduc, Greis, Grapejuce und Cobee dabei. „Plus Minus“ ist das beste und wichtigste Rap Album der Schweiz des Jahres 2018.

Fredi Hallauer

IKAN HYU

EP: „Zebra“ (Gadget)

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Ikan Hyu, das Elastic Plastic Power Pop Duo haben einen eigenständigen, beeindruckenden Stil gefunden. Von Rap zu Rock und Pop zu Electronica gibt es alles und manchmal alles miteinander. eine der beiden Frauen rappt in Hochgeschwindigkeit, die andere singt mit einer Powerstimme. Überhaupt sind fast alle Songs sehr Energie geladen, mit Ausnahme der beiden Balladen. Ikan Hyu muss man gehört haben und werden wir hoffentlich noch oft hören.

Fredi Hallauer

BAZE

Album: „Gott“

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Der Berner Rapper entfernt sich immer mehr vom HipHop und hat seinen ganz eigenen Stil mit diesem Album gefunden. Rap im weitesten Sinne ist es noch, nämlich Sprechgesang, ziemlich spröde, das macht die Stärke von Baze aus. Musikalisch ist es kein Jazz mehr wie beim letzten Album, sondern pure Elektronik. Es sind verzierte Beats, welche recht interessant sind. Wichtiger sind natürlich die Texte, welche ziemlich herbstlich, neblig und düster sind. Der Nebel spielt da eine Rolle, der alles frisst und verhüllt, oder die A1, die das Land zerschneidet und an grässlichen Shoppingcentren, Lusttempeln und Parkplätzen vorbeiführt. Baze singt auch von der Liebe die zu Hass wird. Er ist ein sehr guter Beobachter und analysiert die Seele der Menschen und damit auch seine. Die Texte sind nicht ganz einfach, wenn man sie tiefgründiger verstehen will, reicht einmal Anhören nicht. Dieses Album entwickelt seine Qualitäten je öfter man es hört.

Fredi Hallauer

SIM’S

Album: „Meme Pas Peur“ (Escudero Records/Disques Office)

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Der Rapper aus dem Jura Sim’s ist mit seiner neuen CD am Start. Er rappt auf französisch, aber in einem das man gut versteht und das Tempo ist auch nicht rasant. Yvan Peacemaker spielt die Instrumente und hat das Werk produziert. Dazu kommen noch ein bisschen Gitarre und eine Frauenstimme. Der Sound ist klar Rap, aber nicht knochenharter Rap. So verhält es sich auch mit den Texten. Sim’s rappt über Themen, zu welchen ein über 30 oder fast 40 jähriger etwas zu sagen hat. Der Titeltrack eignet sich sicher für Leute die den Zugang noch suchen müssen. Ein wunderschönes Album aus der frankophonen Schweiz, welches es über den Röstigraben schaffen müsste.

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Fredi Hallauer