ANNA & STOFFNER

Album: „Gold“ (Irascible)

Das Duo Anna & Stoffner besteht aus der Rapperin Anna Frey und dem Gitarristen Flo Stoffner. Sie haben sich nun mit einem Synthiemann und einem Schlagzeuger verstärkt. Musikalisch gehören sie in den Pop, Punk und Improvisation und verbinden das mit Rap. Die Musik ist sehr energetisch. die Texte sind eindringlich und in einer eigenen Art vorgetragen. Es ist Lyrik und Philosophie, Lebensweisheiten und Lebensfragen und klare Aussagen sehr lyrisch verpackt. Anna Frey rapt nicht nur, manchmal ist es auch Spoken Words. Eigentlich braucht dieses Album einen Literaturpreis, so gut ist alles getextet. Die Intensität der Texte braucht aber die Intensität der Musik. Ein tolles Miteinander.

Fredi Hallauer

STUDEYEAH

Album: „Jo Sicher“ (Equipe Music)

Das Bieler Quartett mit Stude spielt Mundartrap mit etwas anderen Vorzeichen. Die Texte erzählen vom Alltag, sind dadaistisch, manchmal leicht sozialkritisch und nehmen sich und die Welt nicht so ganz Ernst. Da geht es um Zähneputzen, Freunde, Basketball oder Ökobilanz. Die Rapper 50 Cent und Dr. Dre werden zitiert wie zum Beispiel in „Schoppe“ aus „Windows Shopping“. Die Musik ist manchmal etwas sphärisch was etwas gewöhnungsbedürftig ist für Rap. Die erfrischenden Texte sind meistens gut verständlich, dazwischen aber versinken sie in der Musik, sind verhallt oder so stark durch den Autotune gejagt, dass sie unverständlich werden. Studeyeah sind ein Rap Combo, welche zu den Kultgruppen dieses Genres gehört. Ein witziges Album.

MIMIKS

Album: „Für immer niemer“ (Sony Music)

Der Luzerner Rapper ist vielleicht, zu unrecht, immer noch ein nicht so bekannter Rapper. Das könnte sich aber mit diesem Album ändern. OK, musikalisch tönen die Beats und Sounds wie bei vielen anderen Rappern auch. Aber sein klarer, schneller Flow bei den Texten und die Texte selber lassen aufhorchen. Er rappt über Luzern, seine Mutter oder seine Lebensgeschichte. Natürlich noch über vieles Andere. Seine Texte sind clever, direkt und ehrlich. Er hat auch Gäste mit dabei, das sind ZID, Damian Lynn, aber auch Effe, Xen und Lcone. Es ist kein Schönwetter Rap was Mimik da erzählt, nein diese Texte gehen unter die Haut. Also aufgepasst, Mimiks kommt.

Fredi Hallauer

CHLYKLASS

Album: „Deitinge Nord“ (Chlyklass Records/Sound Service)

Das Berner Rap Kollektiv Chlyklass ist zwanzig Jahre alt geworden und darum haben sie in ihrem Studio noch ein Album aufgenommen. Dabei zeigt sich, dass die Chlyklässler nicht nur älter geworden sind sondern auch reifer. Die Beats sind genial und das Album hat auch einen gesunden Drive. Neben der Elektronik spielen akustische Drums, Violine, Bass und einmal noch ein Charango. Aber das wichtigste bei Chlyklass sind natürlich die Texte und die sind auch gelungen. Weiterhin machen sie sich auch ein bisschen über sich selber lustig. Einmal erzählen sie von ihren Auftritten und dem Nachher erzählen, vom Autogramm geben und Duschen und Nachhausefahren. Sie sind auch gesellschaftsrelevanter geworden. Sehr eindrücklich ist das Lied „Nid üses Revier“, über die Natur die zurückschlägt. Dem fehlenden Swiss Musik Awards trauern sie weiterhin hintennach. Aber alle Texte sind interessant, unterhaltend und regen zum Nachdenken an. Chlyklass ist hier wieder ein gutes Album gelungen, mit vielen was man von ihnen kennt, aber doch eben weiter entwickelt.

Fredi Hallauer

TOMMY VERCETTI

Album: „No 3 Nächt bis Morn“ (Eldorado Records/Sony Music)

Tommy Vercetti ist ein begnadeter Rapper, vor allem sind seine Texte gut. er hat eine Botschaft und daraus macht er keinen Hehl. Seine Haltung ist Links und so rappt er auch. Er spricht Klartext in gute Ideen und Geschichten eingepackt. Er zählt auf wer von der Prominenz was auch schon gemacht hat, und greift natürlich die Begründungen an, welche Politiker und Finanzhaie ins Feld führen, aber auch die Rapper lässt er nicht ungeschoren. Er hat sehr viel Text in dieses 50 Minuten Album eingepackt, und das überfordert einen, wenn man alles am Stück hören und verstehen will, darum häppchenweise geniessen, dann ist es ein Genuss. ein Genuss ist auch die Musik oder vielleicht muss man einfach Produktion sagen, die stammt von Pablo Nouvelle und ist sagenhaft. Er verlässt die HipHop Cliché Produktionen und zeigt wirklich wie es sein soll. Sicher ein Meisterwerk dieses Album.

Fredi Hallauer

STRESS

Album: „Sincerement“ (Universal Music)

Der Rapper aus der Romandie liess sich zeit für ein neues Album. Das Warten hat sich gelohnt. Stress kommt frisch daher. Er singt dazwischen sogar. Es gibt titel, die könnte man als Rap-Chansons bezeichnen. Seine Beats sind luftig geworden, das Schwere und Brachiale ist nicht mehr da, trotzdem ist es ein Stress Album. Die Inhalte seiner Stücke sind Umweltthemen und dann ein Wundenlecken, welche nach seinen Beziehungen blieben. Er macht das aber auf eine sehr charmante Art. selbstverständlich hat er verschiedene Gäste dabei, es sind das: Naomie Lareine, Akhenaton, Shurik’n & L’as de choeur, Xen, Nemo und JP Cooper. Neben dem französisch gibt es also auch noch etwas Mundart und englisch zu hören. Stress wird mit diesem Album wieder viele Erfolge feiern können.

Fredi Hallauer

GIMMA

Album & Textbuach: „Kartellmusig“ (Zytglogge)

Gimma oder mit bürgerlichem Name Gian-Marco Schmid hielt es anlässlich der Situationen auf der Welt und vor allem im Kanton Graubünden nicht mehr aus zu schweigen. Er hat vierzehn neue Texte geschrieben und rappt sie uns nun auf dem neuen Album. Gimma ist immer noch schonungslos offen und ehrlich, aber reifer. Musikalisch ist es ein Rapalbum mit den Beats und den Sounds, welche aber zu den besseren ihrer Art zählen. Dieses Album ist, wie schon immer bei Gimma, einerseits Musik zum Party machen, anderseits sind es schlaue Texte zum Zuhören und Nachdenken. Musik und Texte gehen ab, beides auf ihre Art. Gimma wettert noch immer über Politiker und Kartellleute und das zurecht. Er macht es mit Wut und meint es ernst, aber der Schalk ist nicht verloren gegangen. „Fokus“ gefällt sehr gut, ein Lied über die verschiedenen Sichtweisen, oder „As kunnt alles guat“ mehr im Liedermacherstil sind zwei Lieder die man hervorheben kann, aber man könnte das mit einigen anderen Liedern auch machen. Fazit: Gimma ist zurück und besser denn je.

Fredi Hallauer