BRANDHÄRD

Album: „Bländet vom Liecht“ (Radicalis)

Die Basler Mundart Rap Combo ist wieder zurück, rechtzeitig zum 25 jährigen Bestehen. Das ist ihr 7. Album und sie tönen wie immer. Die Texte sind vielleicht etwas reifer, die Beats und die Musik zeitgemäss, aber die Themen und die Selbstironie sind geblieben. Sie erzählen vom Alltag, der bevorstehenden Apokalypse oder dem Wahnsinn in dem wir leben. Trotzdem es ist nie ein hoffnungsloses Album. Die Millenians werden besungen, wo sie selber dazu gehören. Kurz gesagt Brandhärd ist Brandhärd und die waren eigentlich immer gut. Ihre Flows sind stark. Brandhärd gehört neben Chlyklass und Breitbiöld zu den Mundart Olds School Rap Combos, welche sich immer noch auf die Bühne wagen und neue Alben machen.

Fredi Hallauer

LO & LEDUC

Album: „Luft“ (Bakara Music)

Das Berner Duo veröffentlicht nun bereits das zweite Album dieses Jahr. „Luft“ wurde von verschiedenen Leuten produziert und ist klanglich vielseitig. Sie singen über das Leben aus ihrer Sicht, das sind schöne Texte, aber irgendwie erwarte ich immer etwas mehr Biss bei den Worten. Eine Ausnahme gibt es. „Fründ“ betrachtet doch das Leben als Ganzes von Geburt bis Tod. Der Sound ist da etwas düsterer. „Möwe“ gefällt auch sehr gut. Ansonsten sind es sauber produzierte Lieder, zwischen karibik und HipHop mit manchmal etwas viel AudioTune, so am oberen Ende des erträglichen. Schön ist, dass die Bläser da sind, als Solist der Trompeter oder mit schönen Bläserssätzen. Ob da ein Hit dabei ist, lässt sich schwer voraussagen. Mit Lo & Leduc lässt sich in den Herbst tanzen und dazu erst noch auf die Texte achten.

Fredi Hallauer

SAD & GIMMA

Album: „Schwarze Rucksack“

Gimma viel in letzter Zeit mehr mit seinen Büchern und seinen Lesungen auf, zum Thema Depressionen übrigens. Er kennt das bestens aus eigener Erfahrung, aber auch als Jugendarbeiter und Pfleger. So ist dies dann kein lustiges Album, denn es geht um den schwarzebn Rucksack, welche viele Menschen tragen und im Alter sogar noch vermehrt. SAD ist der Produzent und Macher der Beats, wo er sich einige illustre Leute aus der schweizerischen Musikszene dazu geholt hat. Entstanden sind HipHop Beats, aber eben etwas andere und zum Album passend. Die Texte stammen von Gimma. Es ist ein wichtiges Album geworden, welches einem aber manchmal wie ein zu schwerer Rucksack hinunter zieht. Ein Album nicht für Alle und nicht für alle Tage, ein schwieriges Album.

Fredi Hallauer

BLAY

Album: „Finale“ (Sony Music)

Blay, also Bligg und Marc Sway gaben noch eine dritte Scheibe heraus obwohl einmal nur ein Album und ein Konzert geplant war. Am 10.12.2022 soll aber wirklich Schluss sein, mit dem Konzert im Hallenstadion. Nun zu dem 3. Album. Zu hören sind acht Songs alle recht solid. Geschrieben haben die beiden Herren das zusammen, bei der Musik hat ihnen noch Fred Herrmann unter die Arme gegriffen. Es ist ein schönes Album geworden, die Texte sind gut verständlich, die Beats gehen ab. Es sind sozusagen acht weitere Songs, aber sonst nichts neues. Gute Laune Musik zum Abtanzen.

Fredi Hallauer

SIM’S

Album: „Le Coeur Des Autres“ (Escudero Records)

Der jurassische Rapper ist nach vier Jahren zurück. Das Album ist sehr gut gelungen. Sim’s rappt, singt aber auch und setzt die unterschiedlichsten Musikstile ein. Er erzählt von allen Facetten des Lebens. Die Musik ist von einer Band gespielt und so bleibt der Sound sehr authentisch und glaubwürdig. Sim’s rappt mit einer relativ weichen Stimme, hat aber trotzdem Druck und Power. Produziert wurde das Album von Yvan Peacemaker, welcher u.a. auch schon bei Stress die Regler in der Hand hatte. Dies ist ein Album über das man nichts schreiben kann, sondern man muss es hören und geniessen, sei es auf dem Sofa oder dem Dancefloor.

Fredi Hallauer

STRESS

Album: „Libertad“ (Universal Music)

Der Rapper kommt mit einem verblüffend frischen und vielseitigem Album daher. Den ersten Song spielt er mit dem Prague Symphonic Ensemble, ohne irgendwelche elektronische Beats, echt stark. Dann hat er viele Gäste wie Stefanie Heinzmann, Murphy, Argyle, Karolyn oder Naomi Lareine, um ein Paar zu nennen. er singt französisch und einmal englisch, aber mit den Gästen ist auch Schweizerdeutsch zu hören. Die Songs decken das ganze Spektrum des HipHops ab, von melodiösen und gesungenen Nummern, über mehr die mit starkem Elektrobeat versehenen und stark gerappten Songs bis zu den poppigen Songs. Die Themen der Songs sind ebenfalls vielseitig, von der Liebe, die ihn immer wieder beschäftigt, bis zu sozialen Fragen. Stress hat es mit diesem Album geschafft sich ein stückweit wieder neu zu erfinden.

Fredi Hallauer

BLAY

Album: „Unplugged Live“ (Sony Music)

Blay, das sind Bligg und Marc Sway, sie nahmen schon ein Album zusammen auf. Nun sind sie zurück mit einer Live Aufnahme unplugged. Sie werden von einem Pianisten und einem Schlagzeuger unterstützt und begleitet, mehr nicht. Es funktioniert sogar sehr gut. So ist etwas eigenständiges entstanden. Die Lieder sind aus ihrem Repertoire, kommen aber in dieser unplugged Version sehr gut zur Geltung . Die Texte setzen sich mit den Problemen unserer Zeit, wie Umwelt, Migration, Heimweh auch durch Migration, Weihnachtsgeschenkrausch und anderen wichtigen Sachen auseinander. Viel gibt es dazu nicht zu schreiben, es ist ein Wurf und eine Pflicht sich dieses Album anzuhören.

Fredi Hallauer

PALKO MUSKI

EP: „Bugs In The System“ (Boomerang Records/Irascible)

Die Musiker von Palko Muski aus Zürich können sich nicht ruhig halten und so nahmen sie in der Zwangspause gleich die Auswirkungen von Käfern auf die menschheit zum Anlass eine EP aufzunehmen. Inhaltlich geht es um die Käfer welche uns zum Schluss zu Erde verarbeiten, aber auch um die Käfer im System oder den verschiedenen Systemen, welche manchmal die menschlichkeit in Frage stellen. Kritische Texte sind es, mit viel Augenzwinkern. Dazu kommt die tanzbare Musik zwischen Balkanrock, Ska, Rock, Rap und was die Musiker sonst noch antreibt. Dazwischen kommt eine Backgroundsängerin zum Einsatz oder Streicher*innen versüssen den letzten Song. Eine vielseitige und spannende EP sowohl textlich wie musikalisch.

Fredi Hallauer