MEGAWATT

Album: „Felsafescht“ (Hitmill/Musikvertrieb)

Die wilde Rockband aus dem Rheintal zelebriert den 80iger und 90iger Rock mit modernen Stilelementen. Der Sänger singt in seinem sympathischen Rheinthaler Dialekt. Das Schlagzeug hämmert wild und kräftig und gibt so diesem Rock den richtigen Drive. Das Keyboard macht den 80iger Touch aus, wir sagten dem anno dazumal, Turborock, das ist, wenn das Keyboard jede Soundlücke füllt. Die Gitarren kommen dabei etwas zu kurz, da das Keyboard den Sound prägt. Aber es gibt schöne Gitarren Soli und auch bei den Balladen kann man in den Gitarrenklängen schwelgen. Der gesamte Sound hat etwas viel Hall oder sagt man heute er wurde dreidimensional gemischt, das ergibt eine weniger starke Präsenz des Gesamtsounds, aber das ist Geschmacksache. Es ist ein gutes AOR Mundartrockalbum, aber irgend ein Gewürz hat man beim abschmecken vergessen,

Fredi Hallauer

DABU FANTASTIC

Album: „So Easy“ (Gadget/Phonag Records)

Dabu Fantastic nehmen jetzt alles so easy, oder eben doch nicht. Die Musik, die Lieder bewegen sich wirklich zwischen easy und nachdenklich. Offenbar bekam Dabu gefallen am Chorgesang und so starten sie gleich mit einem Acapella Lied, welches wirklich sehr schön ist und sehr gut tut. Es folgt dann ein sehr schöner kurzer Beschrieb über Männer- aber auch Frauenchöre, welche eher nach der Chorprobe bei Bier oder Wein singen. „Mit de Rabe“ ist ein schönes und nachdenkliches Lied, welches unser streben nach Licht (lies Liebe und Glück) schildert. To Athena ist Gastsängerin bei „Die Falschi“ Baze Gastsänger bei „Easy Tue“. Die beiden tiefgründigsten Lieder sind „Niemert Gweckt“ und „Muet“. Ein Lied, welches von der Art her stark an Mani Matter erinnert ist „Wenn’s mir wieder guet gaht“, nicht wegen dem verwandten Titel, sondern wegen der auf den punkt gebrachten kurzen Lyrik. Dabu Fantastic verstanden es für dieses Album, leichtes und schönes mit tiefgründigem zu mischen, aber auch mit den nachdenklichen Liedern einem nicht in einen negativ Strudel zu reissen. Dabu Fantastic ist definitiv in der obersten Liga der Mundart Pop Gruppen angekommen.

Fredi Hallauer

GEORGE

Album: „Dr Louf vom Läbe“ (Hena Music/CeDe.ch)

George ist zurück und wie er im ersten Track singt „Es geit wieder los“. Und wie es los geht. George und seine Band spielen sehr rockig und mit viel Power, so richtig guten Mundartrock. Die Band besteht aus zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Keyboard. Dazu kommen noch ein paar Stimmen und hie und da ein Gastinstrument. Viel auffallender als die gute Musik sind aber die Texte. George singt nicht nur von Heimat und Liebe, das sogar wenig aber gut, sondern auch von sich und wie es einem ergehen kann, wenn man plötzlich nicht mehr mag. Das Lied zu Heimat „Mini Schwiz, dini Schwiz“ ist ein ausgesprochen kritisches Lied über Zustände in unserem Land. George ist hier ein grosser Wurf in seiner Karriere gelungen und er kann sich mit diesem Album zu den guten Mundartrock Texter und Musiker einordnen. Kleines akustisches Minus gibt es, da seine Stimme ein paar Mal verhallt und sonst ein bisschen manipuliert wurde, was zu künstlich tönt. Eigentlich ist Georges Stimme einfach so wie sie ist, nämlich auch ehrlich und darum schaden solche Tricks.

Fredi Hallauer

HEIDI HAPPY

Album: „Nid Für Ewig“ (Silent Mode)

Heidi Happy hat sich neu erfunden, sie singt jetzt viel Mundart und Deutsch. Fünf Lieder sind Mundart, drei Deutsch und drei Englisch und eines zusammen mit Meimuna auf Französisch. Sie singt viel von Herzschmerz, Liebe und was dazugehört, aber auch um den Zucker in der Glacé und das geht dann weiter bis zum Protest gegen Krieg, das haben die ja früher auch gekonnt, singt sie. Textlich sind es nicht gerade grosse Würfe. Musikalisch ist alles sehr leicht und luftig zwischen Folkballade und Elektropop ja sogar Dreampop. Manchmal klingt alles ein bisschen sehr verhangen und gehaucht, an der Stimme von Heidi Happy hat man elektronisch gearbeitet, was ich schade finde, denn sie hat eine sehr schöne Stimme (nachzuhören auf dem MTV Album von Patent Ochsner). „Nid für Ewig“ ist ein geeignetes Album nach dem Feierabend um zu entspannen.

Fredi Hallauer

STAHLBERGER

Album: „Lüt Uf Fotene“ (Irascible)

Das Quintett Stahlberger um den Sänger Manuel Stahlberger hat ein etwas helleres Indiepop Album herausgegeben. Die Musik ist sehr speziell und mit viel Elektronik durchsetzt, manchmal knapp tanzbar. Die Texte sind ebenfalls speziell, was ja bei Stahlberger immer der Fall ist. Er beobachtet wieder sehr genau und schildert diesmal nicht wirkliche Geschichten sondern Situationen. Der Ausgang der jeweiligen Situation ist jeweils offen und hinterlässt ein beklemmendes Gefühl. Oft sind die Texte aber auch entsprechend geheimnissvoll. Ein Album dass man selber hören muss um zu entscheiden ob es einem anspricht oder nicht.

Fredi Hallauer

FAI BABA

Album: „Veränderet“ (A Tree In A Field Records)

Der Zürcher Fai Baba hat sich nach einigen Jahren, weg von der Musikszene veränderet. Er weilte in Indien, kam zurück in die Schweiz und übernahm einen Bauernhof im Jura, wechselte dann in den Kanton Aargau auf einen Hof. Das sind ein paar Stationen aus seinem leben in den letzten Jahren. Nun singt er Mundart mit seiner eher hohen Stimme. Er erzählt von seinen Ideen und Träumen, von seinem Inneren und eben von seinen Veränderungen. Die Musik ist sehr schön und vielseitig und unter Americana oder Neo Folk einzuordnen. Aber der Art des Gesangs ist irgendwie anstrengend und die Texte haben dann doch zuwenig Tiefgang um sich diese Anstrengung anzutun. An sich kein schlechtes Album aber es am Stück durchzuhören lohnt sich höchstens wegen der Musik.

Fredi Hallauer

LO & LEDUC

Album: „Mercato“ (Bakara Music)

Die beiden Berner sind mit einem neuen Album zurück. Es sind neue Lieder, aber sonst ist es einfach Lo & Leduc. Vielleicht sind die Melodien etwas dunkler und nachdenklicher geworden. Aber es ist immer noch die Karibik Beats, produziert und nicht eingespielt, dazu Texte, welche sich mit ihnen selber beschäftigt und den elektronischen Medien Es sind Alltagsbeobachtungen und -beschreibungen. „Taxi, Taxi“ hat Hitcharakter. Die Wortspiele sind ausgereifter und so wie nur Lo & Leduc sie können. Es ist klar, dass es schwierig ist eine Steigerung zu erzielen, wenn das Niveau so hoch ist, aber vielleicht sollten sie mal ein bisschen über ihren Nasenspitz hinausschauen, denn da gibt es noch viele Themen aus dem Bereich Gesellschaftsrelevant oder auch Sozialkritisch. „Nl lo so“ ist etwas selbstkritisch und das tut gut. Um es richtig zu verstehen, das ist ein gutes Album, aber man darf nicht mehr erwarten als einfach Lo & Leduc.

Fredi Hallauer

PATENT OCHSNER

Album: „Tonbildshow“ MTV unplugged (Universal Music)

Patent Ochsner sind die erste Schweizer Band, welche eine Aufnahme für MTV Unplugged machen konnte. Das Resultat liegt nun auch als Tonaufnahme vor mit einer Spieldauer von 111 Minuten. Die zehnhköpfige Band, hat als Gäste und Verstärkung noch Heidi Happy, Andreas Scherrer und Daniela Sarda dabei. Ich bin nicht sicher ob es noch weitere Gäste hat und möchte mich für vergessene Namen entschuldigen. Das Album ist sehr schön geworden um nicht zu sagen perfekt. Perfekt ist aber manchmal auch etwas glatt und ohne Spannungen, so etwa bei den Hits, die vor allem live mit der lauten Band, mehr leben. Gut gelungen ist „Bruscolo di Terra“ mit Daniela Sarda als Duet Partnerin von Büne und schönem Saxophon Solo. Überhaupt die Musker*innen an den Blasinstrumenten die bringen sehr viel Stimmung hinein. Ein anderer wichtiger Mann ist Andreas Scherrer, er setzt seine Stimme und seine spezielle Art Beatboxen genial ein. Das Album ist wie zu erwarten sehr gut aufgenommen und gemischt, der Sound ist klar, transparent und luftig. Alle Instrumente und Stimmen kommen immer zur Geltung.

Fredi Hallauer

MARTIN SCHAFFNER

Doppel-CD „Rising Tide – Swiss Edition/Junge Maa vo Langebrugg“

Martin Schaffner ist ein Singer/Songwriter aus Olten. Er hat eine englischsprachige CD mit zehn Songs und eine Mundart CD mit drei Liedern veröffentlicht. Musikalisch ist es Country, American Folk und Americana vor allem mit akustischen Instrumenten eingespielt. Die Musiker*innen sind Cracks aus Nashville und der Gesang übernimmt Martin Schaffner und vier Frauen aus der Schweiz. Schon die Musik ist so schön, dass sich die Anschaffung dieser CD nur schon deshalb lohnt. Die Inhalte der Lieder sind Geschichten, welche er wunderschön erzählt, egal ob englisch oder Mundart. Wer gerne handgemachte Musik mit Hang zum Country mag, liegt hier richtig.

Fredi Hallauer

BLAY

Album: „Unplugged Live“ (Sony Music)

Blay, das sind Bligg und Marc Sway, sie nahmen schon ein Album zusammen auf. Nun sind sie zurück mit einer Live Aufnahme unplugged. Sie werden von einem Pianisten und einem Schlagzeuger unterstützt und begleitet, mehr nicht. Es funktioniert sogar sehr gut. So ist etwas eigenständiges entstanden. Die Lieder sind aus ihrem Repertoire, kommen aber in dieser unplugged Version sehr gut zur Geltung . Die Texte setzen sich mit den Problemen unserer Zeit, wie Umwelt, Migration, Heimweh auch durch Migration, Weihnachtsgeschenkrausch und anderen wichtigen Sachen auseinander. Viel gibt es dazu nicht zu schreiben, es ist ein Wurf und eine Pflicht sich dieses Album anzuhören.

Fredi Hallauer