NORDSITE

EP: „Zyt & Wahnsinn“

Die Bieler Mundartband zwischen Pop und Rap heisst so wie man ihren Namen in Mundart liest. Aber nun zu ihrer Musik. Sie spielen die Instrumente selber und alles ist handgemacht, auch die Scratches. Es ist tolle Musik mit Anleihen im Jazz und im Pop. Darüber rappen sie die Texte mit Niveau. Es sind Beobachtungen aus dem Leben, aber nicht den Gangster/Party Groove. Irgendwie führen sie das Erbe der Gruppe Merfen Orange weiter, Old School aber eigenständig.

Fredi Hallauer

SINA

Live: „Emma Tour“ im Uptown Gurten am 2. März 2019

Bild Fredi Hallauer

Sina ist mit einer wunderbaren Band und ihrem neuen Album auf den einheimischen Bühnen unterwegs. Im Uptown auf dem Gurten spielten sie ihr zweites Konzert der Tour. Sie hat diesmal eine neue Band, eine reine Gitarrenband, d.h. keine Keyboards. Das Quartett besteht aus Jean-Pierre von Dach, Gitarre und Gesang; Gregor Heini, Gitarre, Banjo, Ukulele, Cello und Gesang; Matthias Kräutli, Schlagzeug und Gesang; Michael Chylewski, E-Bass, Kontrabass, Mundharmonika und Gesang. Das Konzert begann sehr mystisch mit rotem Licht, Cello und E-Gitarre und Vocals von Sina. Dann wurde es konkreter. Sina sang die Lieder des neuen Albums und dazwischen Lieder aus ihren gesamten 25 Jahren. „Memphis“ zu Ehren Polo Hofers fand einen Platz und wurde teils ins Wallis verlegt. Die Liebe und das älter werden waren die Schwerpunkte des Programms. Sina bringt das mit Augenzwinkern herüber, man merkt aber auch, das es sie wirklich beschäftigt. Ein Höhepunkt war das Lied „Emma“ welches sie ihrer Grossmutter widmete. Die Band überzeugte und bekam auch Raum um die Lieder richtig zu unterstützen und die richtigen Stimmungen zu erzeugen. Die Zwischentexte waren witzig und sinnig zugleich. Sina zeigte einmal mehr, dass sie eine gute Sängerin ist und eine ebenso gute Entertainerin.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

Album: „Emma“ (Musikvertrieb)

Sina ist nun seit 25 Jahren unterwegs und tönt frischer denn je. Mit hervorragenden Musikern wie immer hat sie ein wunderschönes Folk-Pop -Album aufgenommen. Das Album hat auch Singer/Songwriter Qualitäten. Sina erzählt in ihren Liedern Geschichten. Das Titellied „Emma“ ist eine Hommage an ihre Grossmutter. In anderen Liedern singt sie über das Glück welches sie gefunden hat und festhält. Gelungen sind die drei Lieder in denen sie vom Älterwerden singt, mit Augenzwinkern. „Numme ä Zahl“ von der Jahrgangszusammenkunft im Dorf, „Wiär sii schön“ vom Schön sein im Alter oder „Xundheit“, alles mit viel Humor und Augenzwinkern. Texte und Musik kommen locker und unaufgeregt daher, die Texte sind klar und doch ist alles ziemlich verspielt. Eines der besten Alben von Sina.

Fredi Hallauer

CARMEN CRESTA

Album: „Aurora“ (Eigenverlag)

Carmen Cresta kommt aus dem Kanton Graubünden und wirbelt die Musikszene recht durcheinander. Zusammen mit einem Bassisten und einem Schlagzeuger lässt sie es ziemlich rocken. Die Musik ist kantig und wild, dazwischen aber auch wieder melancholisch, romantisch. Genre mässig ist das Rock und Bluesrock, auch die Stimme passt. Die junge Frau hat noch den jugendlichen Übermut, die Energie, aber auch das „Himmel Hoch Jauchzend – Zu Tode Betrübt“ was die Jugend so prägt. Die Lieder sind in Mundart und romanisch. Produziert hat Stämpf Schmid (EX QL), was doch auch über das ungeschliffene des erfrischenden Albums etwas aussagt. Carmen Cresta wird wohl bald mit ihrem Wirbelsturm die Schweiz durcheinander bringen.

Fredi Hallauer

CHATZEGOLD

Album: „Heiss Uf Em Markt“

Das St. Galler Mundart-Trio präsentiert die Debut CD. Leider hat die Band den Namen gewählt der zu ihnen passt, den Chatzegold ist kein Gold, kann aber ein schöner Hingucker sein. So rumpelt die Band, manchmal etwas unbeholfen daher und die Texte machen dasselbe. Die Textideen sind gut, aber sprachlich und Flow mässig ist da noch sehr viel Luft nach oben. Dies ist nun wirklich ein Album, welches nur hartgesottene Fans haben müssen.

Fredi Hallauer

KING PEPE

Album: „Karma:OK“ (Big Money Records/Gesunder Menschen Versand)

King Pepe aus Bern ist diesmal nicht mehr von Le Rex begleitet sondern von Hari und Rico Baumann, aber nur jeweils von einem, mit Schlagwerk und ganz viel Elektronik. King Pepe am Gesang und Gitarre und der Rest stammt von dem jeweiligen Musikern. Die Texte sind so schräg, verschroben und teils doch hoch philosophisch wie eh und je. Es hat etwas viel komische Stimmeneinspielungen, welche man nicht immer akustisch gut versteht, was schade ist. einige Lieder gehen nur auf Spass, andere sind höherer Blödsinn mit Tiefgang. Sehr toll sind die Lieder „Standortbstimmung“ und „Morn fallt us“. Ein Vorteil dieses Albums, es ist sozusagen durchgehend tanzbar.

Fredi Hallauer

TINU HEINIGER & HANK SHIZZOE

Live: „Heiniger Abend“ in der La Cappella am 26. Dezember 2018

Bild Fredi Hallauer


Wie alle Jahre war Tinu Heiniger in der Weihnachtszeit mit einem anderen Musiker unterwegs und er zelebrierte seinen Heiniger Abend. Diesmal spielte er mit dem Gitarristen und Banjospieler Hank Shizzoe. Die zwei passten musikalisch sehr gut zueinander. Hank Shizzoe unterstützte die Stimmungen der Lieder von Tinu Heiniger mit viel Einfühlungsvermögen und grossem Können. Diesmal war es eigentlich vorwiegend das programm von Tinu Heiniger, nur zwei Songs kamen von Hank Shizzoe, wo Heiniger dann mit seiner Klarinette Töne beisteuerte und zeigte dass er ein begnadeter Klarinettist ist. Das Programm war ziemlich Retrospektiv, Heiniger erzählte aus seiner Jugendzeit und sprang in die heutige Zeit. Die Lieder waren besinnlicher, manchmal etwas bedrückt und die politische Zeit fehlte ganz. Die heutigen Lieder sind musikalisch hervorragend, inhaltlich aber etwas sehr banal und mit unzähligen Wiederholungen in die Länge gezogen. Es war ein schöner Heiniger Abend, nach dem man sich aber etwas bedrückt auf den Heimweg machte.Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

MISCHA WYSS

Interview:

Am 9. Januar 2019 sprach Fredi hallauer mit Mischa Wyss. Hier zum Anhören.

Album: „Schrift für Schrift“ (www.mischawyss.ch)

Mischa Wyss ist seit einiger Zeit in der Berner Chanson Szene zu hören. Dieses Album erschien bereits vor einigen Monaten, fand aber erst jetzt den Weg zu mir. Zum Glück ist die CD in meinem Player gelandet, den Mischa Wyss verdient es gehört zu werden. Er kommt mit seinen Chansons der ursprünglichen Idee der Troubadouren ziemlich nah. Seine Liedli sind ziemlich kurz, er verliert sich nicht in unendlichen Textzeilen, nein er bringt es ziemlich zügig auf den Punkt, auch wenn es ein überraschender Punkt ist. Seine Ansagen sind ebenfalls prägnant und witzig, aber auch mit Aussagen verknüpft. Mischa Wyss versteht es in Geschichten etwas zu erzählen das hinter oder neben der Geschichte steht. Ich glaube man darf es sagen, seine Chanson sind stark beeinflusst von Mani Matter ohne ihn nachzuahmen. Wer Berner Chanson mag, muss sich Mischa Wyss anhören. 

Fredi Hallauer