MALA OREEN

Album: „Awake“ (TOURBOmusic)

Die in Luzern lebende schweizerische-amerikanische SingerSongwriterin widmet ihr musikalisches Schaffen ganz dem amerikanischen Folk. Als Singer/Songwriterin ist sie nun zu hören in ihrem Soloprojekt, vorher spielte sie auch schon Alben mit Band ein. Ja ganz Solo ist sie nicht immer, es haben da und dort Musiker mitgespielt. Sie selber spielt Gitarren und Violine und das sehr gut. Auffallend ist aber ihre Stimme. Eine klare und reife Stimme und genau so reif sind auch die Songs herausgekommen. Mala Oreen nahm dieses Album in den Staaten auf und sie singt auch viel über Amerika und so klingt das ganze Album sehr authentisch. Beim Hören vergisst man schnell, dass dies eine Schweizer Künstlerin ist und man sie eigentlich auf unseren Bühnen hören müsste.

Fredi Hallauer

SILVER BIRCH

Album: „Oblivion“ (Mouthwatering Records)

Silver Birch ist ein Trio aus Bern, welche ihr erstes Album aufgenommen haben. Stilistisch sind sie im Songwriter Folk Wave zuzuordnen. Der Sänger hat eine markante Stimme, klar aber auch seine verletzlichen Seiten darin sind zu hören. Dazu kommt die auffällige Gitarre und etwas Synthie und Schlagzeug. Aber trotz diesen Vorzügen beginnt das Album zwischendurch so dahin zu plätschern und die Musik verschwindet im Background, was sie nicht verdient hat. Wenn man genau hinhört ist es nämlich spannend. Fazit ein tolles Album aber etwas anstrengend zu hören.

Fredi Hallauer

CHRISTOPH BÜRGIN

Album: „Jäger und Sammler“ (info@christophbuergin.ch)

Der Schaffhauser Musiker hat ein weiteres wunderschönes Liedermacher Album veröffentlicht. Dieser Satz wird dem Album nicht wirklich gerecht. Er singt elf Lieder, welcher er zum grösseren Teil selber geschrieben hat und zum Teil adaptiert in den Dialekt von Schaffhausen und dazu spielt er und einige Musiker*innen wunderschöne Musik zwischen Folk und Americana. Beginnen wir bei der Musik. Christoph Bürgin spielt akustische und elektrische Gitarren, Dobro, Bouzouki und Appenzeller Hackbrett. Dazu spielen verschiedene bekannte Leute aus der Schweizer Musikszene Cello, Schwyzerörgeli, Violinr, Viola, Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboards, Programming, Perkussion und dazu Backing Vocals und eine Hornsection bläst auch noch kräftig mit. Die Texte der Lieder sind sehr engagiert. Christoph Bürgin versteht es Geschichten zu erzählen, er tut das auch mit ruhigem Gesang und sein Gesang ist wirklich in einem Erzählmodus. Er erzählt uns von den amerikanischen Bomben welche 1944 auf Schaffhausen fielen, von der Schrift an der Wand in Genua mit einem Satz den Fabrizio André sagte, welcher aus der Bibel stammt und bei den Behörden für Unbehagen sorgt, er erzählt von den Bremer Stadtmusikanten und den Auswanderern aus Schaffhausen, von den Nachtzügen nach Süditalien und als Adaption von Carl Michael Bellman in Anlehnung an Fritz Widmer vom Sonntag oder von der letzten Stunde. Dies ist ein Album welches einem vom ersten bis zum letzten Ton gefangen nimmt und dazu eines der besten Liedermacher Alben der letzten Zeit.

Fredi Hallauer

Das Album ist in einem Büchlein mit den Texten in Mundart, hochdeutschen Übersetzungen und Erläuterungen, sowie ein paar Kurzgedchichten /Texte, welches ich hier zu einem späteren Zeitpunkt bespreche.

SULP

Album: „Tohuwabohu“ (Zytglogge Verlag)

SULP kommen aus Basel und sind ein Trio. SULP heisst Swiss Urban Ländler Passion. Das Trio besteht aus Matthias Gubler mit seinem Tenor- und Sopransaxophon, Simon Dettwiler am Schwyzerörgeli und Hannes Fankhauser am Bass, Tuba und am Alphorn. Mit diesem kleinen und nicht elektronischen Instrumentarium machen die drei Musik welche sich gewaschen hat. Alles ist immer ganz schön transparent. Hier ein Lob an Dänu Extrem, welcher für die Aufnahmen und den Mix verantwortlich zeichnet. Egal was die drei spielen, es klingt immer gut. Leicht schräg, aber noch für alle bekömmlich, da ein Schuss Jazz oder sogar ein bisschen Pop. Neben traditionellen Stücken aus dem Bündnerland und dem Tessin spielen sie viele Eigenkompositionen, etwas von Kasi Geisser oder von Jean.Philippe Rameau und „Love Me Do“ von den Beatles. Schon diese Auflistung zeigt, für SULP ist alles möglich. Als Basler Trio haben sie sich als letztes Stück noch klassischen Fasnachtsmärschen angenommen, nämlich dem Altfrangg und dem Saggodo, aber auch die tönen wie SULP tönt, einfach die Melodien sind bestehend. SULP zeigt mit diesem Album, dass Ländler Musik auch ganz anders klingen kann und bei einem Publikum Begeisterung auslösen kann, welches sonst keine Ländler Musik hört. Dies ist wiederum ein Album für meine persönliche Jahresbestenliste.

Fredi Hallauer

THE WOODGIES

Album: „Holding Hands“ (Escudero Records)

The Woodgies kommen aus Genf. Es sind zwei Schwestern , welche in der Schweiz geboren sind und irische Wurzeln haben. Sie singen die schönsten Harmonien zusammen seit Simon & Garfunkel, welches auch ihr grösster Einfluss ist. Neben dem wunderschönen Gesang spielen beide auch die akustische Gitarre. Musiker an Piano/Keyboards, elektrischer und akustischer Gitarre und Ukulele, Schlagzeug, Bass und Streicher unterstützen Hannah Leah & Meghan Woodger. Diese Klänge sind wirklich alle sehr schön, ruhig, harmonisch und ziemlich spannungsfrei. Musik zum Geniessen. wer Simon & Garfunkel mag, wird auch von The Woodgies begeistert sein, hier einfach mit Frauenstimmen.

Fredi Hallauer

PALE MALE

Album: „Season Finale“ (Phonag)

Der Genfer Musiker debütiert mit diesem grandiosen Album. Musikalisch bewegt er sich zwischen Folk, Americana und 80iger Rock. Wichtig ist, alle Instrumente wurden gespielt und nicht gesampelt oder mittels Sinthi erzeugt. Da sind wunderschöne Streicherpassagen, majestetische Bläser. eine Lapsteel Gitarre, Backgroundgesang, neben Gitarren, Bass und Schlagzeug. Dazu kommen die schönen Melodien mit viel Wiedererkennungswert. Was wäre die wundervolle Musik ohne den textlichen Inhalt. Auch der stimmt bei Pale Male. Er erzählt aus seinem Leben und Beobachtungen, welche er machte. So zum Beispiel von der Landflucht der spanischen ländlichen Bevölkerung. Sein Vater ist Spanier und kommt aus einem Dorf, welches heute mehr oder weniger eine Ruine ist. Persönlich wird es, wenn er von seiner schmerzhaften seltenen Krankheit erzählt, der Psoriasis-Arthritis. Eines ist zu hoffen, dass noch mehr so tolle Alben von Pale Male erscheinen und dass man ihn bald einmal auf unseren Bühnen erleben darf.

Fredi Hallauer

BANDELLA VISTA MARE

Album: „Bandella Vista Mare“ (Narrenschiff)

Die Bandella ist die kleinere Form der Harmoniemusik und war in ganz Norditalien verbreitet, heute kommt sie nur noch im Tessin vor und auch da immer seltener. Der im Tessin lebende Peter Zemp hat nun dieses Projekt gestartet um den Bandellas auftrieb zu geben. Die Bandella Vista mare ist eine Zusammensetzung der Bandella Chilometro Zero mit vier Blechbläsern und einer Klarinette, dazu kommt Pierino e il lupi mit Bassklarinette, Perkussdion und Peter Zemp am Akkordeon, als Gast ist Albin Brun mit dem Sopransaxophon dabei und Matteao Mazza am Schlagzeug. Die Band nimmt die typische Bandella Musik auf, läst sie aber in den Jazz eintauchen, am zeitgenössischen Folk schnuppern und viel Humor einflechten ohne dabei die ernsten Seiten zu vergessen. So ist dieses Album ein reines Hörvergnügen. Musik zum zuhören und vom Süden träumen.

Fredi Hallauer

JEANIE JOHNSTON

Album: „Tales From The Shore“ (www.jeaniejohnston.ch)

Jeanie Johnston war ein Schiff, welches viele Migranten von Irland in die USA brachte. Jeanie Johnston ist aber auch eine vierköpfige Band aus Luzern, welche die Folkmusik spielen, zwischen Irland und den USA und manchmal auch von der Schweiz oder sonstwo. Die Sängerin und Flötistin Kathrin Künzi, schrieb für zwei Lieder die Lyriks und teilweise die Komposition, bei andern Liedern ist sie auch für die Arrangements verantwortlich. Acht Songs sind Traditionals, eines stammt vom Sänger, Gitarristen, Banjo- und Dobrospieler Othmar Brügger, welcher auch für Arrangements zuständig ist. Im ganzen sind 13 Songs zu hören. Mit zu der Band gehört Vincent Millioud an der Geige und Claudio Strebel am Kontrabass. Es ist Folk zwischen keltisch, Buegrass, Oldtime, einem Schuss Zigeunerjazz und Schweizer Folklore. Sie singen das Guggisberglied und haben noch mehr der heimweherzeugenden Harmonien rausgenommen und so die Geschichte vom Vreneli so richtig auf den Boden gebracht. Ein sehr gutes und topaktuelles Mundartlied ist „Mitholz“, welches Kathrin Künzi und Othmar Brügger geschrieben haben. DasLlied erzählt von der Explosion 1947 im Mitholz und der Situation dass alle Leute aus dem Dorf heute ausziehen sollen. Jeanie Johnston liefern ein herrliches und engagiertes Folkalbum ab und sind hoffentlich bald damit landauf und landab auf den Bühnen zu sehen. Gehört auf die Liste des Albums des Jahres.

Fredi Hallauer

CORIN CURSCHELLAS ILS FRÄNZLIS DA TSCHLIN

Doppel-CD „1,2,3! Dai Hop! (R-Tunes)

Dieses Doppelalbum erschien bereits 2019, aber es kam mir erst jetzt zu Gehör. Mit 55 Liedern und zwei Booklets. ein wahres Doppelpack. Mit dabei sind Corin Curschellas und die Gruppe Ils Fränzlis da Tschlin plus La Triada und Las Ledigas, welches beides Frauengruppen sind einerseits aus dem Umfeld von Corin curschellas, andererseits aus dem Umfeld von Ils Fränzzlis da Tschlin. Diese Formationen singen miteinander, alleine oder in kleineren Besetzungen diese rätoromanischen Liedern in allen Idiomen. Es sind eigentlich Kinderlieder, traditionelle und komponierte von rätoromanischen Komponist*innen. Diese Lieder sind sehr fein, filigran mit ebensolcher Musik. Als Erwachsene*r kann man dieses Doppelalbum sehr wohl geniessen, ohne das Gefühl zu haben, es sei kindisch. Die schönen Gesänge der Frauen sind ein Ohrenschmaus, ebenso die Melodien der Geige, Klarinette, Bratsche oder des Cellos. Der Kontrabass bringt das fetzige dazu. Ein Teil der Lieder sind A-Cappella gesungen. Einen einzigen Wermuthstropfen gibt es, im Booklet steht, die deutschen Übersetzungen der Lieder seien auf einer angegebenen Webseite nachzulesen oder herunterzuladen. Leider gibt es dort nirgend Übersetzungen oder man findet sie nicht. Trotzdem anhören und das schöne Folkalbum geniessen.

Fredi Hallauer

BURGER

Album: „Mängisch zart u mängisch wild“

Burger ist ein Quartett aus Bern und ihr Sänger und Songschreiber heisst mit Familienname Burger. Sie spielen eine Art Berner Chanson Folkrock. Musikalisch spielen sie zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug und Gesang. Dabei kommen leicht rockige Sound zustande, manchmal auch Folk oder Country. Das wichtige bei Burger sind aber die Texte. Sie erzählen aus dem Leben. Es sind Geschichten die meistens nicht von der Sonnenseite des Lebens handeln. Der Höhepunkt des Albums ist „Hus a dr Bahnhofstrass“, welches auf die Geschichte eines 100 jährigen Hauses blickt. Als Gäste bei zwei anderen Liedern sind Anna Mae und Mandana dabei. „No mal dervo cho“ erzählt von Ereignissen, welche dich oder mich hätten treffen können. Generell ist das Album ruhig gehalten, meistens Midtempo. Der Albumtitel bezieht sich nicht auf die Musik, sondern auf eine Zeile aus einem Lied. Auf dem Album sind auch noch Gastmusiker vertreten, denn man kann da und dort Keyboards hören, oder auch Instrumente. Minuspunkte sind, dass Burger nicht immer sauber intoniert und auch in der Musik zwischen Leadgitarre und den restlichen Instrumenten gibt es zwei dreimal Reibungen, welche wohl nicht absichtlich so aufgenommen wurden. Burger ist ein Mundart Lieder Album das tiefgründig unterhaltend ist, ohne lustig sein zu wollen, aber auch kein belehrendes Album, sondern gemütliche Musik mit Tiefgang.

Fredi Hallauer