FARRE

Album: „Above The Noise“ (Radicalis)

Farré ist eine interessante musikalische Kooperation zwischen Benjamin Noti an der Gitarre, Synthie und Matthias Gusset am Piano. Dazu kommen Georg Dillier am Bass und Florian Haas am Schlagzeug. Ben Mühlethaler hat dieses Instrumentalalbum gemischt und gemastert. Es sind feine und filigrane Klänge. Manchmal ist das Piano im Vordergrund und dann wieder die Gitarre. Die Synthesizer flirren da und dort über den Klängen. Bass und Schlagzeug rollen einfach einen fein gewobenen Rhythmusteppich aus. Wo diese Musik genau einzuordnen ist, überlassen die Musiker jedem selbst. Aufgenommen wurde das Album in den frühen Morgenstunden, wenn es draussen noch ruhig war, dadurch hat die Musik auch etwas Träumerisches. Wer eine Schublade sucht, kann Farré zu zeitgenössischem Kammerpop, Ambient Pop oder Crossover legen. Das ist Musik zum Geniessen und sein Kopfkino in Betrieb zu nehmen. Ein schlichtes und schönes Instrumentalalbum.

Fredi Hallauer

BELIA WINNEWISSER

EP: „Mirror“ (Irascible)

Die Zürcherin präsentiert eine EP mit vier Songs. Die Musik ist minimal und teils auch abstrakt, also nicht tanzbar, sondern Musik zum Zuhören. Der Gesang ist wunderschön und die Texte regen die Reflexion über sich selbst an. Es sind vier Songs und das ist ok so, für ein Album müsste musikalisch und auch betreffend Songwriting noch einen Zacken zugelegt werden.

Fredi Hallauer

GIGI

Album: „Hinterem Mond“ (Universal Music)

Die 24-jährige Bündnerin zeigt auf ihrem ersten Album, was Rap alles kann. Musikalisch legt sie minimale Musik und ebensolche Beats vor. Dazwischen wird es etwas mehr, aber ihre Texte sind immer das wichtigste. Sie lässt sich nicht in Genres pressen und zeigt, dass Rap und Pop bestens zusammen gehen. Die Texte zeugen von Reife. Da wird viel hinterfragt, sie, sich selbst, Beziehungen und die Gesellschaft, ja die aktuelle Welt. Der Rap und Gesang sind manchmal zerbrechlich, aber auch sehr direkt und bestimmt. Gigi gibt da eine Steilvorlage für den Schweizer Rap. Unbedingt anhören.

Fredi Hallauer

EIGER, MÖNCH & URSCHWYZ

Album: „Nordwind“

Hinter Eiger Mönch & Urschwyz musizieren Evelyn Brunner am Kontrabass und Schwyzerörgeli, Kristina Brunner am Cello und Schwyzerörgeli, Maria Gehrig und Hanna Landolt, beide an der Geige. Die vier jungen Frauen sind eine Streichmusik der Neuen Volksmusik. Evelyn und Kristina Brunner kommen aus dem Berner Oberland und sehen Eiger und Mönch, Maria Gehrig aus Uri und Hanna Landolt aus Schwyz, so ergibt das Urschwyz. Soviel zum Gruppennamen. Auf ihrem ersten Album spielen sie Eigenkompositionen und drei Muothataler Stücke. Widertaktige Passagen liebt das Ensemble, aber auch luftiges und dann wieder handfestes und bodenständiges. Viel Spielfreude und auch Spielwitz sind aus dem Album herauszuhören. Drei Stücke sind aus der Salbit Suite von Maria Gehrig und sind typisch für die Gruppe, „Libelle“ von Evelyn Brunner zeigt wiederum eine andere Seite, welche ebenfalls typisch ist. Eigentlich passt alles zu den Musikerinnen. Ein hervorragendes Album, welches auch eine hohe Messlatte für die neue Volksmusik setzt.

Homepage: https://www.eigermoenchundurschwyz.ch/

Fredi Hallauer

EAZ

EP: „Penthouse 32“ (Universal Music)

Der Schweizer Rapper veröffentlicht nach 2 Jahren Pause mit der EP «Penthouse 32» neue Musik Auf den fünf Tracks ist er seinem musikalischen Stil treu geblieben, melodiöse Hooks, dunkle Beats und ein wenig R’n’B. Textlich ist er immer noch der junge Mann, welcher über Frauen und Liebe textet und das recht gut. Seine Texte switchen ständig zwischen Mundart und Englisch und das ist doch eher etwas mühsam, denn wenn man die Texte verstehen will, ist man gezwungen immer wieder festzustellen, welche Sprache das ist. Diese Sprachwechsel machen die EP etwas schwerfällig.

Fredi Hallauer

STAHLBERGER

Album: „Immer dür Nächt“ (Irascible)

Stahlberger ist eine fünfköpfige Band mit dem Sänger und Texter Manuel Stahlberger. Die Musik ist dunkel, repetitiv und krautig. Im Zentrum klingt der Bass und das Schlagzeug, die Gitarren und der Synthesizer bringen die dunkle Farbe dazu. Der Gesang ist eher mehr Sprechgesang, aber kein Rap. Dieser ganze Sound ist sehr gewöhnungsbedürftig. Nicht so die Texte. Sie handeln von Suchen und Verlieren, von Menschen am Rande der Gesellschaft. Stahlberger ist ein guter Beobachter und versteht es, die Beobachtungen in knappe Worte zu fassen und trotzdem verstehen alle, was er meint. Es lohnt sich, vorher in das Album hineinzuhören.

Fredi Hallauer

KÜFFER & KONSORTEN

Live: „Die fröhliche Hauskapelle“ in der La Cappella am 29. März 2025

Bild Kathrin Hallauer

Auf der Bühne standen die drei Geschwister Küffer, nämlich Regula, Thomas und Daniel und dazu noch die Partnerin von Daniel, Désirée Dell’Amore. Aber beginnen wir den Abend am Anfang. Am Anfang war das Alphorn und der Bläser war nicht sichtbar, dann kam der Saxophonist und nachher erschien der Bläser. Hinter der Bar spielten plötzlich die beiden Frauen mit Keltenharfe und Blockflöte.

Bild Kathrin Hallauer

Sie zogen dann auf die Bühne und der Abend konnte so richtig starten. Die vier Musiker:innen spielten ein vielseitiges Programm und sehr viele Instrumente. Da war Schweizer Volksmusik, etwas Jazz, klassische Musik für Flöte und Harfe, Schlager, Canzoni, Zydeco, Astor Piazzolla, Rock’n’Roll, American Folk, Mani Matter und irgendwie noch viel mehr, denn sie spielten manchmal im gleichen Stück verschiedene Stile.

Das Programm war sehr vielseitig und die Musiker:innen hatten Spass und viel Spielwitz, trotzdem wurde seriös auf hohem Niveau und mit Spass musiziert. Was da aus den Flöten, den Saxophonen oder vom Gesang herauskam, war einzigartig und schon fast unglaublich war das Harfenspiel von Désirée Dell’Amore.

Bild Kathrin Hallauer

So viel Rhythmus auf der Harfe und trotzdem so perlend und fein, dann wieder kräftig und stark. Einzigartig. Ein Konzertabend der sich gelohnt hat für gute Unterhaltung und gute Musik.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

TROUBAS KATER

Album: „Katergold“ (Groovefactory/Kathamusic)

Ja, Troubaskater feiern ihr 10-jähriges Jubiläum und beschenken sich und uns mit einem Pokal aus Katergold. Da die Welt im Moment ziemlich viele Beulen hat, ist der Pokal auch etwas verbeult, zumindest textlich. Es glänzt nicht alles und nicht alle Texte sind so einfach. Da kommen Themen wie Femizid, Umwelt, die Besitzer von viel Geld, welche es horten, und mehr zur Sprache. Es geht auch um Beziehungen, um Selbstkritik und weitere gesellschaftliche Themen. QC versteht es, alles in eine schöne Poesie zu setzen und dann langsam den Lack abblättern zu lassen. Musikalisch ist das Album sehr erfrischend und so richtig stark. Da wird mit Rhythmen experimentiert, die Bläser drehen auf, lassen aber auch dem Akkordeon Platz. Bei einem Lied bläst Traktorkestar mit, als Gäste sind im Gesamten auch Nina Gutknecht (Gesang), Sonja Huber (Marimba) Simon und Raphael Heggidorn und Nao Rohr (Streicher) zu hören. Stilmässig ziehen Troubas Kater alle Register von Balkan, zu Pop, HipHop und Latin und noch viel mehr. Dieses Album muss man gehört haben, und es ist nach meiner Meinung ihr bisher bestes Album.

Homepage https://www.troubaskater.ch/

Fredi Hallauer

ANDY TRINKLER & THE CAPTAINS CLUB

Interview

Am 28. März sprach Fredi Hallauer mit Andy Trinkler vor dem Konzert im Kulturhof Köniz

Live: Albumtaufe im Kulturhof Köniz am 28. März 2025

Bild Fredi Hallauer

Der Singer/Songwriter trat mit seiner Gitarrenband und einer Backing Sängerin auf. Dszwischen setzte sich Stuwi Aebersold an die Hawai Gitarre und Mischa Maurer an das Keyboard. Sie spielten natürlich die Songs des neuen Albums und viele aus früheren Alben. Andy Trinkler verstand es Geschichten zu erzählen, teils wahre und fast wahre. Musikalisch bewegte sich die Band in einem breiten Spektrum von Country bis gegen Southernrock. Die meisten Songs waren im typisch amerikanischen Singer/Songwriter Stil der verschiedenen grossen Vorbildern. Andy Trinkler begeisterte mit seiner charismatischen leicht rauen Stimme. Sein Gitarrenspiel konnte sich ebenfalls hören lassen. Der zweite Gitarrist war immer im Hintergrund, auch bei den Soli, was nicht nur ich schade fand. Alles waren sehr gute Musiker. Nach zwei Zugaben, fand ein wunderschönes und fetziges Konzert ein schönes Ende.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

Album: „The Rail & The Road“

Dieses Album wurde nicht mit dem The Captains Club aufgenommen, sondern mit verschiedenen Musikern. Am Bass war Mich Schärer, am Schlagzeug sass Christof Jaussi und an der Hammond Mischa Maurer, Backing sang unter anderem Ursi Moser. Die Gitarren spielte Andy Trinkler. Auf dem Album sind elf Songs zu hören, drei sind Coverversionen, aber ganz im Stil von Andy Trinkler interpretiert. Die Covers stammen von Allan Taylor, Dan Fogelberg und Jim Croce, was auch schon ein wenig die Stilrichtung des Albums vorgibt. Es ist Americana im Stile der grossen Singer/Songwriter. Andy Trinkler versteht es, mit seiner guten und leichten Sandpapier Stimme Geschichten zu erzählen. Wer gewisse Titel vom Englischen ins Deutsche übersetzt oder Fantasie walten lässt, merkt, dass die Geschichten nicht nur in Amerika handeln, sondern auch in der Schweiz. „Paper Mill Road“, übersetzt Papiermühlestrasse (eine Strasse in Bern) oder „Train To Oldale“, was so viel heisst wie Zug nach Olten, sind zwei Beispiele. Die Songs handeln viel vom Reisen, von Lebensgeschichten und vielen Überlegungen aus dem Leben. Das Album klingt wunderbar und es ist ein wohltuender Genuss, diese Musik zu hören.

Fredi Hallauer

MELINA NORA

EP: „Landtapu“ (Mouthwatering Records)

Die in Zürich lebende Walliserin schwankt auch musikalisch zwischen Land und Urbanem. Die junge Frau in den 20ern, singt von Aufbruch, von der Unsicherheit, von der Zukunft und aus dem Leben eines jungen Menschen. Vier Lieder in Walliserdeutsch sind zu hören. Die Stimme dürfte etwas präsenter sein. Der Dialekt ist sehr ausgeprägt und es braucht schon ein paar Durchgänge, um die Inhalte einigermassen zu verstehen. Melina Nora macht eigenständigen Indie-Folk. Auf mehr darf man gespannt sein.

Fredi Hallauer

SOULFLIP ORCHESTRA

EP: „One Day“ (Escudero Records)

Die Band aus der französischen Schweiz singt englisch. Sie spielen Deep Bass Electroswing mit drei Bläsern und einer charismatischen Frauenstimme. Da bleibt kein Bein stillstehen und jeder Fuss wippt mit. Es sind fünf Songs zu hören, und der letzte ist „Christmas Swing.“ Der Zeitpunkt ist vielleicht nicht der richtige dafür, aber die nächsten Weihnachten kommen bestimmt. Es bleibt nur zu sagen: „Lets Dance.“

Fredi Hallauer

CLAUDE DIALLO SITUATION & BRUNO SPOERRI

Album: „Hommage To Richard“ (Dot Time Records/Galileo Music)

Beginnen wir mit dem Albumtitel. Mit Richard ist Richard Irniger gemeint. Er ist Hausherr einer Villa mit Aussicht auf den Zürichsee und Veranstalter von über 1500 Konzerten aus dem Bereich, Klassik, Jazz und Weltmusik und ein Förderer der Musik. Claude Diallo der internationale Jazzpianist aus St. Gallen spielte dieses Konzert in der Villa, welches aufgenommen wurde. Am Bass stand Luques Curtis und am Schlagzeug sass James Williams. Zu diesem hervorragenden Trio kam Bruno Spoerri, der 88-jährige Jazzsaxophonist, mit seinen Saxophonen und elektronischen Instrumenten. Zusammen ergab das wunderschönen, melodiösen Jazz. Alle vier Musiker haben viel Platz für ihre Improvisationen, welche sehr wohltuend wirken. Das ist Jazz zum Zurücklehnen und Geniessen. Ein Album für die Jazzbestenlisten.

Fredi Hallauer

SiAM!

Album: „On Y Va“ (Irascible)

Der Berner Multiinstrumentalist, Produzent und Mundartrapper präsentiert uns sein Debütalbum. Musikalisch ist es Dancehall, Afrobeat und Electro und seine Texte sind gerappt. Das Album brilliert schon durch die tanzbare Musik, da sind vielseitige tolle Beats, satte Bässe und fantasievolle Töne zu hören. Das wesentliche sind natürlich die Texte. Obwohl der Albumtitel französisch ist, wird durchgehend in Mundart gerappt. SiAm! ist ein genialer Wortakrobat, Beobachter seines Umfelds, hat Witz, aber auch gesellschaftsrelevante Ideen. Er steht zu sich, die Texte sind ehrlich und gut verständlich. Er gehört mit diesem Album zu den aufsteigenden Sternen der Berner Mundartszene. Dieses Album macht Spass und ist ein Genuss.

Fredi Hallauer

HAUBI MIETI

Album: „Heimelig“

Haubi Mieti ist eine zehnköpfige Stadt Berner Band, welche einiges zu bieten hat. Die Musik fetzt und spielt irgendwo zwischen einer grossen Popband und einer Jazzrockformation. Auffallend sind die Bläser und das Keyboard, hauptsächlich die Hammondsounds. Die Rhythmen sind nicht einfach geradlinig, sondern oft vertrakt und mit Rhythmuswechseln gespickt. Die Texte erzählen vom Leben und sind Bern bezogen. Der Schwachpunkt der Band ist der Sänger, er intoniert oft ziemlich ungenau. Am besten ist er, wenn er näher beim Sprechgesang ist. Da ist also beim Gesang noch viel Luft nach oben und viel Arbeit steht noch bevor.

Fredi Hallauer

ELLIS MANO BAND

Album: „Morph“ (SPV Recordings/Phonag)

Das gestandene Quintett wird immer stärker. Mit „Morph liefern sie ihr bestes Album ab. Sie spielen Klassikrock mit vielen Blues-Anteilen. Die Stimme des Sängers kommt charismatisch und kräftig herüber. Die Songs sind unterschiedlich und haben hohen Wiedererkennungswert. Mal wird so richtig gerockt, dann wieder wird es balladesk. Die Gitarre gefällt ebenfalls bestens mit den herrlichen Soli. Der Drummer hämmert so richtig satt und kräftig, oder bei den Balladen setzt er gute Zeichen mit dem Schlagzeug. Das Keyboard umspielt das Ganze oder setzt Akzente bei den rockigen Songs. Bei den Balladen gefällt dann das Hammondspiel. Der Bassist pumpt mit schönen Pattern den Beat. Auffallend ist auch die hervorragende Qualität der Aufnahmen und der Produktion. Egal, ob laut oder leise, immer ist alles bis ins Detail zu hören. Ein Album, das eine Auszeichnung verdient.

Homepage: https://www.ellismanoband.com/

Fredi Hallauer