STAIN OF LIGHT

Album: „Stain Of Light“ (Irascible)

rf- 007

Die Band aus Yverdon-Les-Bains spielt auf ihrem Debüt Album erfrischenden Folk und Indie Folk. Banjo, Gitarren und Dobro Klänge legen sich unter den Harmoniegesang. Selbstverständlich fehlt auch der Bass und das Schlagzeug nicht. Da und dort werden auch andere Instrumente dazugenommen. Sie singen Englisch. Stain Of Light ist offiziell immer noch ein Duo, aber auf dem Album und der Bühne werden sie von drei Familienmitgliedern und Freunden verstärkt. So ist der Gesang mit der Harmoniestimme einer zweiten Frau besonders gelungen. Die Kompositionen sind vielseitig und diese Musik tut sehr wohl und ist hoffentlich auch einmal in der Deutschschweiz live zu hören.

Fredi Hallauer

ELLIS MANO BAND

Live: Albumtaufe „Morph“ im Bierhübeli am 23. Mai 2025

Bild Kathrin Hallauer

Nach einem heissen und fulminanten Auftakt der Supportband The Basement Saints hatten einige Zuschauer:innen die Frage auf der Lippen, kann die Ellis Mano Band das toppen oder überhaupt mithalten. Die Band gab auf der Bühne ziemlich schnell die Antwort: Sie konnte es. Die fünf Männer spielten ihren Bluesrock und Rock mit psychedelischem Einschlag sehr virtuos und ebenfalls energiegeladen. Es war eine andere Energie, eine, die von innen heraus kam. Alle Musiker hatten viel Raum, um immer wieder zu langen Soli auszuholen. Der Sänger war hervorragend bei Stimme und konnte auch recht aufdrehen. Der Gitarrist spielte sehr virtuose, aber auch rasante Soli. So begeisterten sie das Publikum mit alten und vielen neuen Songs. Es traten dann noch zwei Backgroundsängerinnen dazu, welche am Anfang etwas verhalten waren, aber sich immer mehr in die Rolle hinein sangen. Der erste Gast wurde angekündigt, es war Philipp Bluedög Gerber.

Bild Kathrin Hallauer

Er spielte zusammen mit der Ellis Mano Band „A little help for my friend“. Sie interpretierten es neu, der Gesang war nahe dem Original, die Gitarrensoli uferten wunderbar aus, sowohl von Bluedög als auch von Mano. Hier kamen auch die Backgroundsängerinnen zum Zuge. Schon bald stand der nächste Gast auf der Bühne, nämlich Schöre Müller.

Bild Kathrin Hallauer

Er brachte einen Muddy Waters Klassiker mit, in der Version der Allman Brothers. Auch hier gab es dann eine Version der Ellis Mano Band mit Schöre Müller. Später kam der Mann, welcher die Texte der Ellis Mano Band auf Englisch übersetzt und selbst ein Singer-Songwriter ist. Er kommt aus Irland und soviel ich verstanden habe, heisst er zum Nachnamen Brady (nein es war nicht Paul Brady).

Bild Kathrin Hallauer

Er schrieb auch mindestens einen Song, welcher die Ellis Mano Band im Repertoire hatte, und diesen sang er dann auch zusammen mit der Band. Es bleibt nur zu sagen, dies war ein herrlicher Abend mit kraftvollem und schönem Bluesrock und Rock.

Bild Kathrin Hallauer
Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

ELIANE

Album: „Final Destination“

Eliane muss man in der Schweiz nicht mehr vorstellen. Auf ihrem neuen Album ist wundervoller, vielseitiger, sanfter Pop zu hören. Das Piano spielt bei den meisten Songs eine gewichtige Rolle. Eliane singt siebenmal englisch, zweimal Mundart und zweimal italienisch. Bei „Vergässe“ ist Florian Ast ihr Duettpartner und bei „Nowhere To Go“ steuert Didi kurze Raps bei. Ein genussvolles und unaufgeregtes Album.

Fredi Hallauer

MYLA LEI

EP: „My Head Is Alright“

Die Zuger Musikerin und Sängerin veröffentlicht ihre erste EP. Zu hören sind ein Poem und vier Songs. Das Poem ist mit Musik untermalt. Die Songs bewegen sich im üblichen internationalen Pop Stil. Myla Lei erzählt Geschichten aus dem Leben und da ist manchmal eine leise Wut zu hören.

Fredi Hallauer

HERE HARE HERE

Album: „Schwarztor“ (Luxnoise Records)

Die Berner Band veröffentlicht ihr erstes Album bei Luxnoise Records. Das Quartett spielt Garagen Post Punk oder wie sie sagen tanzenden Iggy Pop. Es ist eher dunkelgraue Musik. Der Singer singt mit einem satten Bariton und dann wieder etwas höher, und die Arrangements sind sehr eigenständig. Rhythmus wird auf allen Instrumenten zelebriert und das gibt ihren speziellen Sound. Gesungen wird englisch und deutsch. Es ist durch arrangierte Musik, und die Songs sind alles kleine Kunstwerke ihrer Art. Anhören lohnt sich.

Fredi Hallauer

POLIGONE

EP: „En Cas De Tempête“ (Les Disques Du Crochet/Irascible)

Das Indie-Popduo aus Lausanne erfreut das Musikherz mit einer charmanten EP. Die Frauenstimme hat den Lead. Musikalisch ist es eine Synthese zwischen den verschiedensten Synthesizern und wahrscheinlich ein paar analogen Tönen. Auf alle Fälle tönt das Duo überzeugend und erfrischend. Gesungen wird französisch. Die Themen drehen sich um das Zulassen der Gefühle, der Hoffnung, der Wut, aber auch dem Verprechen des Lebens zu begegnen, wie immer dazu sein. Poligone sind für mich eine Entdeckung.

Fredi Hallauer

IURI

Album: „Soon“ (Mouthwatering Records)

Zuerst eine persönliche Bemerkung. Ich respektiere alle sexuellen Ausrichtungen, ich gendere, aber mit dem Promotext komme ich nicht klar. Auf dem Cover sieht Iuri aus wie ein Mann, auf dem Album tönt er so, aber im deutschen Text schreibt das Label their und they. Da weiss ich nicht, was ich schreiben soll, um nicht in den verschiedensten Fettnäpfchen zu landen, darum mache ich es wie bei Nemo, alles ohne Pronomen.

Iuri kommt aus Basel und spielt sanften Indie Pop mit Folk-Einflüssen, man könnte auch Soft-Pop sagen. Iuri Songs haben schöne und ausgeklügelte Melodien. Sie sind schön arrangiert, manchmal etwas experimentell, ohne den Harmonien einen Schaden zuzufügen. Iuri singt von der Selbstfindung und Orientierung, wie so viele. Iuri geht da seinen eigenen musikalischen Weg und der klingt interessant.

Fredi Hallauer

AMBÄCK

Album: „Wolkenbödeler“ (www.ambaeck.ch)

Ambäck ist ein Trio der neuen Volksmusik. Drei Exponenten dieses Musikstils haben sich für dieses, seit zehn Jahren bestehendes Projekt zusammen gefunden. Es sind dies der Örgeler Markus Flückiger, der Geiger Andreas Gabriel und der Kontrabassist Pirmin Huber. Alle drei haben Kompositionen für dieses fünfte Album der Gruppe beigesteuert. Dadurch ist ein recht vielseitiges Album entstanden. Markus Flückiger hat zwei unterschiedliche Stile in seinen Kompositionen. Einmal nimmt er Sequenzen aus traditionellen Stücken und wiederholt die immer wieder, manchmal variiert er sie ein wenig, dazu macht die Geige ähnliches und der Kontrabass spielt Muster (Pattern), die oft im Jazz verwendet werden. Der zweite Stil von Markus Flückiger sind die Stücke, welche er für sein Stöpselbass Örgeli komponierte, nämlich eher traditionell Innerschweizer Stil. Dort zieht die Geige ebenfalls mit und der Bass spielt traditioneller. Der Kontrabassist Pirmin Huber komponiert ziemlich cineastische Stücke. Sie heissen auch „Mi amore“, „Raclette“ oder „Westküste“. Das ist schöne Musik für das Kopfkino. Der Geiger und Bratschist Andreas Gabriel gehört auf die wildere Seite. Seine Kompositionen tönen nach Volksmusik, verändern sich aber stetig und können auch mal in einem Tohuwabohu ausufern, bevor sich die Musiker für den Schluss wieder finden. Das sind herrliche Stücke. Wie gesagt, diese Musik, dieses Album macht Spass, man kann lauschen, das Kopfkino in Betrieb setzen oder einfach dasitzen und Freude an dieser Musik haben.

Da es keine offizielle Musik oder ein Video gibt (zumindest kenne ich es nicht) hier ein Konzert, welches ziemlich genau den Stil und den Sound des neuen Albums abbildet.

Fredi Hallauer

3YOONI

Album: „Baghdad“ (Irascible)

Der in Bern lebende Iraker macht seinen ganz eigenständigen Sound. Es sind elektronische Beats und Synthesizer-Klänge, welche auf das Oud und orientalische Rhythmen treffen. Dazu die spezielle Stimme, welche irakisch-arabisch singt. Gesang, Produktion und Instrumentierung machte 3Yooni selbst. Seine Texte sollen antirassistisch und politisch sein. Sie befassen sich mit Identität und Orientalismus. Dies muss ich jetzt einfach dem Label nachschreiben, da mir keine Übersetzung der Lyrics vorliegt. Was wichtig ist, es ist sehr spezielle wohlklingende Musik, welche auch in einer Worlddisco gut ankommen wird.

Fredi Hallauer

MAKEL & FRIENDS

Album: „Milk On The Rocks“ (Makel Music)

Makel & Friends kommen aus dem Berner Seeland und spielen handgemchte Musik. Makel ist der Texter, Komponist und Sänger, spielt auch noch Gitarre. Auf dem Album gibt es zehn Songs zu hören, zwei davon in Mundart. Jesse Rich und T.J. Gyger haben das Album aufgenommen und Jesse Rich steuert auch seine Stimme bei. Sonst sind die üblichen Instrumente plus Cello zu hören und noch Frauengesang. Stilmässig passt es in die grosse Schublade von Liedermacher und Singer/Songwriter Pop. Eigentlich alles wunderbar, aber beim Hören fehlt einem etwas Unbekanntes. Es ist wie bei einem fein zubereiteten Gericht, wo ein Kräutlein, ein Gewürz fehlt. Das macht es bei diesem Album so schwierig. Die Musik ist sauber gespielt, sauber gesungen, gut produziert, aber etwas stimmt nicht ganz. Wahrscheinlich ist das einfach so, dass Makel den Sound so will.

Fredi Hallauer

ELYN

EP: „Lay Down My Name“ (Irascible)

Die St. Galler Musikerin und Sängerin gab vier neue ruhige Songs heraus, einer davon in Mundart. Die Musik besteht aus Piano, feinen Synthesizer-Klängen und sanften Elektrobeats dazu. Diese Klänge gehören zur Popmusik in der Unterkategorie Singer/Songwriter. Elyn singt von der Selbstsuche, der Liebe, die gegangen ist und doch noch hier und weiteren Fragen einer jungen Frau. Die vier Songs stechen dank der eindringlichen Stimme von Elyn heraus.

Fredi Hallauer

ROCK OUT

Album: „Let’s Call It Rock’n’Roll“ (Phonag)

Rock Out ist eine blutjunge Band aus dem Emmental, welche genau das machen, was der Bandname und der Albumtitel sagen. Sie machen handgemachten Hardrock im Quartett. Auf dem Album ist ein Keyboard mit dabei, welches aber nicht ins Gewicht fällt. Es ist ein hämmerndes Schlagzeug, ein pumpender Bass, schrammende und kreischende Gitarren, also Rockmusik auf den Punkt gespielt. Da ist kein Schnickschnack zu hören. Der Sänger brilliert mit einer hohen Stimme, welche an gewisse Vorbilder erinnert, und er setzt diese Stimme zwischen singen und shouten ein. Wer Rock mag, muss sich diese Jungs unbedingt anhören.

Fredi Hallauer

JÜTZ

Live: „Gränzgängig“ im Progr Bern am 15. Mai 2025

Bild Kathrin Hallauer

Dies war ein spezieller Gränzgig Abend. Dieses Mal sassen Viertaktmotor nicht auf der Bühne , sondern dort standen Jütz vor einer Leinwand. Auf der Leinwand wurden Filmsequenzen durch VJ Timon Christen gezeigt, aus seinem Film mit Jütz um Dialekte aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Tirol. Der Film ist sehr experimentell und er wurde noch experimenteller gezeigt. Jütz spielte zu dem Film, mit dem Film spezielle Musik. Einmal war es Volksmusik, dann wieder experimentelle Musik. Hall und und verschiedene kleine Instrumente wurden eingesetzt. Die Stimmen waren essenziell, öfter sangen die drei a cappella. Die Musiker:innen zeigten ein grosses Können und überzeugten auf einem neuen Weg, um den Zugang zur Volksmusik zu finden. Es war ein sehr spannendes und interessantes Konzert und Gränzgängig war es ohnehin.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

AMOA

Album: „I’ll be kind“ (Radicalis)

Amoa, die Basler Musikerin und Sängerin, präsentiert ihr zweites Album. Es sind ruhige Klänge mit schönem Gesang. Die Texte führen in Amoas Innenleben. Es geht um die Suche nach sich selbst, um Sterblichkeit und einige Fragen mehr, welche sich einer jungen Frau im Kopf drehen. Die Antworten auf die Fragen sind ziemlich vage und offen. Die Stimme ist vielseitig, die Kompositionen weniger.

Fredi Hallauer

MOICTANI

EP: „Mi Coche Azul“ (Mouthwatering Records)

Moictani ist eine spanisch-schweizerische Künstlerin. Sie kreiert ihre Musik selbst und singt in Französisch und Spanisch. Stilmässig liegt sie zwischen Dreampop und Indie Rock. Ihr Sound ist gewöhnungsbedürftig. Die Stimme ist oft zu weit nach hinten gemischt und dominant ist bei mehreren Songs ein schepperndes Schlagzeug, welches immer den monoton gleichen Rhythmus hat, auch der Synthie und die Gitarren legen eine Wand dahinter. Für einen Song wäre das gut, aber so ist es ermüdend. Bei den beiden letzten Songs hat sich der Sound geändert und so gefällt Moictani besser. Die Stimme ist weiterhin zu weit hinten. Eine nicht ganz gelungene EP.

Fredi Hallauer