BALTHASAR STREIFF & YANNICK WEY

Album: „Büchelbox 2“ (Zytglogge)

Die beiden Musiker legen ihre zweite CD nach mit Büchelmusik und Musik mit anderen Holztrompeten. Büchel ist ein kleines Alphorn, aber gewunden, oder eine Holztrompete ohne Ventile, also mit den Naturtönen. Der Büchel kommt hauptsächlich in der Zentralschweiz vor und da haben die beiden denn auch gegraben, die Stücke transkribiert und spielen sie nun in hrer Art, oder wie sie sagen, eine Art die auch möglich ist. Unter den 52 Stücken, hat es auch ein paar aus Europa, aus der Ukraine sind es Trembita Stücke, aus Norwegen die Neverlur Stücke und aus Österreich Stücke für das Würzhorn. Weiter kommen Stücke von Bela Bartok dazu, welche er aus Rumänien von den Hirten übernommen hatte, welche Bucium spielten. Einige Eigenkompositionen sind auch dabei und ein Fanfarenstück von Benjamin Britten. Einige Stücke sind aus dem Muothatal und da gibt es bekannte Namen wie: Alois Bürgler, Franz Gwerder, Franz Imhof und natürlich Dominik Marty, welcher bei verschiedenen Auftritten an Folkfestivals (Lenzburg, Gurten) und Folkclubs seine Büchelkunst einem jungen Publikum zeigte. Es ist wirklich verblüffend wie verbreitet die Holztrompeten waren und wenn die Stücke alle auf dem Büchel gespielt werden, sind sie gar nicht so unterschiedlich, gleich aus welcher Gegend sie kommen. „Büchelbox 2“ ist wiederum ein gelungenes Album für interessierte Hörer*innen geworden und präsentiert einfach die Büchelmusik ohne irgendwelche Lehrmeisterei. Ein kleines Meisterwerk in einer für viele Leute unbekannten Nische.

Fredi Hallauer

RODAS

Album: „Rodas“ (R-Tunes)

Rodas ist ein Trio, welches seit fünf Jahren existiert und nun das Debütalbum veröffentlicht. Rodas ist romanisch und heisst Räder. Das Trio besteht aus Corin Curschellas (Gesang, Dulcimer), Patricia Draeger (Akkordeon) und Barbara Gisler (Cello). Bernd Bechtloff steuert als Gast, gelegentlich treibende Perkussion bei. Dieses Album ist ein Meisterwerk, dies sei hier vorweggenommen. Die warme Stimme von Corin Curschellas wird umspielt, verstärkt, in Stimmung versetzt durch das Akkordeon und das Cello. So wachsen die drei zu einem Ganzen, eben einem Trio zusammen. Musik und Texte, Stimme und Stimmung, alles ist Eins. Stilmässig ist es grundsätzlich Folk, zwischen Tango, jazzig, Tarantella, keltisch und Schweiz. Nun zu den Liedern. „Zuckerbäcker“ eröffnet sehr stark. Es geht um die Menschen welche aus Armutsgründen die Schweiz verlassen mussten, und diejenigen, welche von Afrika kommen, wir die gerne nach Afrika gehen, die Umwelt und unser eingebildetes Gebahren mit Subventionen und so. Dann braucht es nur einen Virus und alles steht Kopf. Es folgen romanische Lieder, sehr unterschiedlicher Art, aber grossartig gesungen und gespielt. „Es hed es Schneeli gschnijet“, ein Volkslied wird umwerfend interpretiert. Da kann man ab Akkordeon, Cello und Gesang nur staunen. Das Trennungslied „Bahnhof SBB“ gehört zu den Balladen. Der Kühreihe „Loba Loba“ spricht für sich. Es ist ein Geniestreich dieses Stück nicht als Chor oder Sologesang aufzuführen, sondern in dieser Trio Besetzung. Bei „La Stria Saira Per Saira“ flippen die drei zu Beginn richtig herrlich aus, um dann in eine liebliche Melodie zu verfallen. Nicht so lieblich ist der Text von „A Mim Rhi“. Nein nicht Basel, sondern am Anfang des Rheins handeln diese schaurigen Geschichten. Wie gesagt, dieses Album ist grossartig und bei jedem Anhören entdeckt man neue verzaubernde Harmoniewechsel und viel mehr. Rodas gehört zu sicher auf die Liste, Album des Jahres, obwohl erst April ist.

Fredi Hallauer