SINA

Album: „Bescht Of 30 Jahr – Live aus der Mühle Hunziken“ (Musikvertrieb)

Seit 30 Jahren ist Sina unterwegs und sie hat unzählige Lieder aufgenommen. Zu ihrem Jubiläum hatte sie sich etwas Spezielles ausgedacht, sie liess das Publikum wählen, welche Lieder sie live in der Mühle Hunziken aufnehmen soll. Es ist eine sehr spannende Auswahl zustande gekommen. Viele weniger bekannte Lieder gibt es hier zu hören und natürlich auch einige ihrer Hits. „Där Sohn vom Pfarrär“, „Schwöru“ mit Büne Huber, aber auch „Emma“, „Fär wär soll ich singe“ und viele schöne Lieder sind dabei. Eingespielt wurde alles live mit ihrer starken Band, alles ist dabei, mal einfach und ruhiger und dann wieder opulent, mit Bläsern und Backgroundgesang. Marc Sway ist ebenfalls Gast beim Lied „Wa du bisch“. Ein wunderbares Album und nicht einfach eine Best-of-Sammlung.

Fredi Hallauer

PHILIPP FANKHAUSER

Album: „Ain’t That Something“ (Phonag Records)

Philipp Fankhauser ist zurück, mit einem neuen Album. Es ist ein vielseitiges Album geworden. Soul, Blues, Zydeco und Chanson. Ausser dem Chanson ist alles amerikanische Musik und im amerikanischen Verständnis auch Blues, aber ohne die Blues-Klischees. Das Album ist opulent mit Bläsern und Backgroundchören. Es ist sicher ein Album geworden, das stimmungsmässig im Blues liegt, mit der Ausnahme des Zydeco Titels „Monsieur Thibodeaux“. Diese Musik aus Louisiana steht Philipp Fankhauser und seiner Band gut an, wie auch das Chanson „L’Italien“, von Serge Reggiani, mit französischem und italienischem Text. Im „The Undertaker“ wird es recht funky und „In The Ghetto“ ist eine sehr gelungene Version dieses Klassikers. So könnte man Song für Song aufzählen, keiner fällt ab. Das Album klingt trotz der Vielseitigkeit sehr kompakt und solid. Eines der besten Alben von Philipp Fankhauser.

Fredi Hallauer

RETO BURRELL

Album: „XII“

Wie es der Titel sagt, ist es Reto Burrell s zwölftes Album. Dieses Mal hatte er und sein Produzent ein rohes und direktes Album zu machen, ohne Band und mit akustischer Gitarre. So wurde es dann in kurzer Zeit aufgenommen und nachher noch ein paar akustische Instrumente beigefügt. Herausgekommen ist ein Album mit Akustikrock, ehrlichen Texten, ja eine Art Seelenstriptease. Ein Lied singt er in Mundart, sein erster Mundartsong unter seinem Namen. Das ist ein schönes akustisches Singer/Songwriter-Album und zeigt einen anderen Reto Burrell als man ihn gewohnt ist, ausser man war schon an seinen Solokonzerten.

Vom Album gibt es keine offiziellen Aufnahmen, diese Live-Solo-Aufnahme vom letzten November, kommt dem Album am nächsten.

Fredi Hallauer

TAL ARDITI

EP: „Close Your Eyes“ (Mouthwatering Records)

Tal Arditi ist mit einer neuen EP zurück. Es sind sechs schöne Songs zwischen Folk und Elektro. Manchmal ist die akustische Gitarre dominant und dann kommt der Electro wieder mehr zum Zug. Die Songs sind ruhig, wie wir das von Tal Arditi kennen. Der letzte Song geht etwas mehr als dreissig Sekunden, er fasst aber alle Texte zusammen mit „Hör nicht auf, an dich selbst zu glauben“. Ehrliche, leicht introvertierte Songs für Geniesende.

Es ist im Moment nur dieses Live Acoustic Video verfügbar, was nicht ganz der Musik auf dem Album entspricht.

Fredi Hallauer

ANDRYY

Album: „Wänn du da bisch“ (Universal Music)

Der junge Mundartsänger hat nach mehreren EP ein Album mit zwölf Liedern veröffentlicht. Musikalisch ist es bekömmlicher, tanzbarer Elektropop. Die Lieder erzählen von der Liebe in den verschiedensten Facetten, aus der Sicht eines jungen Mannes. Da gibt es die Frauen, welche ihn nicht beachten, das totale Verliebtsein, das Verlassen werden und vieles dazwischen. Wunderschön sind die beiden Duette, eines mit Livv und eines mit To Athena. Andryy bietet ein Stück schöne Mundartpopmusik für die jüngere Generation.

Fredi Hallauer

BLAU SALVATGE

Live: Albumtaufe „Hiraeth“ im BeJazz Club am 7. März 2025

Bild Fredi Hallauer

Blau Salvatge ist ein Oktett um den Vibraphonisten und Komponisten Joan Perez Villegas. Zum Oktett gehörten, eine Violinistin, eine Flötistin, eine Klarinettistin mit Klarinette und Bassklarinette, ein Trompeter und Flügelhornist, ein Posaunist, ein Kontrabassist und ein Schlagzeuger und Mundharmonikaspieler. Die Musik wurde alle komponiert, zwischen Klassik, Volksmusik und Jazz. Da die Mitglieder der Band aus den USA, der Schweiz (Schaffhausen bis Wallis), Spanien und Argentinien stammten, kamen auch so viele Einflüsse zusammen. Das ergab ein spannendes Gemisch, welches der Bandleader zusammen auf einen Nenner brachte. Wenn es Passagen hatte, welche nicht den eigenen Geschmack trafen, dauerte das nur kurz und schon hatten sie wieder einen anderen Groove, eine andere Stimmung. So spielten sie ein Wiegenlied von Mallorca in ihrer sehr eigenen Version, das Thema wurde aber immer wieder deutlich. Sehr spannend war ein Stück mit dem Namen Rhythmen, bei dem es wirklich um Rhythmus ging, gerade, unregelmässig und versetzt, manchmal alles gleichzeitig. Den Höhepunkt machte „A Childish Tantrum“ bei dem jedes Bandmitglied ein Lieblingslied dem Komponisten abgab, und er dann daraus dieses Stück konzipierte. Jede(r) spielte auf seinem Instrument das Stück kurz vor, das waren „Down In The Valley“, „Nur e chlyni Stadt“, „Im Aargäu sin zwei Liebi“, „Luegit vo Bärg und Tal“ ein spanisches Stück, „La haut Sur La Montagne“ und ein deutsches Lied (da die Bassistin zur Zeit der Komposition aus Deutschland kam). Das Publikum sang beim Vorspielen kräftig mit, zur Freude der Band. Dann wurde diese spannende Komposition gespielt. Mit einer Zugabe von einem spanischen Lied endete ein sehr spannendes und wunderschönes Konzert.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

TOBIAS CARSHEY

Album: „Through My Eyes“ (Musikvertrieb)

Der Singer/Songwriter aus der Schweiz veröffentlichte das langersehnte dritte Album. Musikalisch ist es Singer/Songwriter, mal mit hauptsächlich Gitarre, ein andermal mit noch Bass und Schlagzeug oder einem anderen Instrument dabei. Der Backgroundchor gehört natürlich auch dazu. Tobias Carshey ist bekannt für seine offenen und direkten Texte. Inhaltlich sind sie vielleicht etwas düster, sowie die Weltlage. Genau darüber singt er und die Gefühle, welche diese in uns auslösen. Musik und Gesang sind luftig und leicht, aber die Inhalte können bedrücken. Ein wichtiges Album zum Zuhören. Tobias Carshey singt gutes und verständliches Englisch.

Fredi Hallauer

BILLIE BIRD

EP: „Nos Corps“ (Mouthwatering Records)

Die französisch singende Sängerin aus der Schweiz setzt sich auf ihrer neuen EP mit dem Körper auseinander. Das erste Lied singt sie spanisch, sonst französisch. Die zentralen Fragen der Texte sind: Wie reagiert mein Körper auf die Umwelt, auf Gerüche, auf ein Gegenüber und mehr von solchen Fragen. Musikalisch ist es eine Mischung aus Pop, Alternativ und weiteren Stilen, welche gerade zum entsprechenden Lied passen. Vier Lieder, die es in sich haben. Kein Mainstream, aber viel besser.

Fredi Hallauer

HEIMWEH

Live: „Jahreszyte Tour“ im Kursaal Bern am 2. März 2025; 19 Uhr

Bild Kathrin Hallauer

Der Popmännerchor sang an diesem Tag bereits das zweite, ausverkaufte Konzert, er war also in Topform. Das Repertoire umfasste Lieder aus dem neuen Album und aus den früheren Alben. Die ganze Show war wirklich neu, ein paar Bilder oder Hintergrundfilme gehören einfach zum entsprechenden Song und die sah man wieder. Das Gesangskonzept wurde ebenfalls etwas geändert, und zwar positiv. Nicht jedes Lied hatte den Hintergrundjodel, einige Lieder hatten einfach einen oder zwei Sänger und der Hintergrund wurde sehr dezent harmonisch begleitet. Die Band war super und gab den Männern den nötigen Drive. Das Auftreten der Sänger war stark, ehrlich und sympathisch. Keiner stellte sich zu stark in den Vordergrund, der Gesamtauftritt war ausgeglichener. Als Zugabe sangen sie natürlich „Rosmarie“, ein beliebtes, aber auch schönes Lied. Dieses Konzert liess einem wirklich den Alltag für zwei Stunden vergessen. Die Menschen klatschten, feierten und tanzten am Schluss sogar.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

LONG TALL JEFFERSON

Album: „Old Sun, New Horizon“ (Mouthwatering Records)

Der Zürcher Singer/Songwriter präsentiert sein viertes Album. Seine Songs sind feine Songs mit wunderschöner akustischer Gitarre. Bei einem Teil der Songs ist eine Band mit dabei, welche sich aber gut im Hintergrund hält, sodass der Gesang wirklich zur Geltung kommt. Die E-Gitarre passt hervorragend zu der akustischen Gitarre in diesen Songs. Die Musik pendelt zwischen Folk, Indie Folk und Americana. Long Tall Jefferson singt hoffnungsvolle Lieder zwischen sonnigem und wolkigem Wetter, von der Stimmung her.

Homepage: https://www.longtalljefferson.com/

Fredi Hallauer

KAPELLE NOGLER

Album: „Kunstspedition“ (Zytglogge Verlag)

Um diese Musik zu geniessen, braucht es keine Erklärungen und zu sagen, es ist Musik zwischen Volksmusik und Klassik, hilft auch nicht wirklich weiter. Darum hier ein paar Erläuterungen. Die Kapelle Nogler gab es einmal in Ardez im Engadin und sie spielte Engadiner Volksmusik mit Violine, Viola, Klarinette und Kontrabass und genau diese vier Instrumente spielt die heutige Kapelle Nogler wieder. Es sind Musiker:innen, welche sich aus dem Umfeld des Zürcher Tonhalle-Orchesters und der neuen Volksmusik zusammengetan haben. Dazu kommt, dass die Geigerin aus der traditionellen Appenzeller Streichmusik Tradition kommt und auch Jodeln kann. Nun zur Musik. Die Engadiner Musik gelangte mit den Zuckerbäckern auch nach Siena, das war um 1830. Dort gefiel sie Rinaldo Franci notiert und arrangiert, natürlich im klassischen Stil. Die heutige Kapelle Nogler nahm die heimatlose Musik wieder zurück in die Schweiz und interpretiert sie wieder in einem Volksmusikstil. Das Repertoire umfasst aber auch heimische Klänge aus dem Appenzell, einen Choral aus der Surselva oder Eigenkompositionen. Eine Eigenkomposition ist sehr spannend. Der Komponist überlegte sich, ob Beethoven sich für die 5. Symphonie von der Schweizer Volksmusik inspirieren lies. So lässt der Komponist Beethoven in seine Tänze einfliessen. Das ist ein Album mit wunderschöner Musik zum Hören und Geniessen.

Homepage: https://www.kapellenogler.ch/

Fredi Hallauer

NYNA DUBOIS

Album: „Keys To The Heart“

Die in Bern lebende Churer Sängerin und Songschreiberin veröffentlichte ihr viertes Soloalbum. Dieses Mal sind alle Songs englisch. Es ist ein Album voller moderner Popmusik mit viel Discoflair, dazwischen schöne Balladen. Über allem klingt die vielseitige, wunderschöne Stimme von Nyna Dubois. In den verschiedenen Stilen kann sie ihren Gesang unterschiedlich einsetzen, und immer ist er wunderbar. Sie singt von ihrem Inneren, welches manchmal ein Chaos ist, und gleichzeitig kann man die Texte auch auf die Gesellschaft und die Welt beziehen. Ein Album zum Tanzen und Träumen.

Fredi Hallauer

PALINSTAR

Album: „Backtrain Places“ (Mouthwatering Records)

Palinstar veröffentlicht mit diesem Album ihr Debütalbum. Die Singer/Songwriterin bildete eine Band um sich, manchmal mit zwei rumpeligen Schlagzeugen, aber auch wieder mit verzerrten Gitarren, Harp und viel Keyboard. Sie spielen zwischen Indie und Americana, ich würde dem Indie-Americana sagen. Das auffallende an dieser Sängerin ist ihre warme, sinnliche Stimme, ohne künstlich zu hauchen, nein sie schafft die Sinnlichkeit beim richtigen Singen. Die Songs sind sehr unterschiedlich, aber durchwegs schön. Oft entwickeln sich die Songs im Laufe der Zeit und steigern sich musikalisch bis fast zur Explosion, andere enden aber auch wieder ruhig. Palinstar unbedingt auf dem Schirm behalten.

Fredi Hallauer

SUPERNOVA EASY

Album: „Supernova Easy“ (Red Brick Records)

Die Band besteht um den Drummer, Singer/Songwriter und Produzenten Nick Furrer. Sie loten neue Gebiete im Bereich Pop aus. Es ist eher introvertierte Musik und etwas sperrig. Da gibt es spannende Gitarrenklänge fern von allem Mainstream, reibende Harmonien der Instrumente und auch rhythmisch holpert und stolpert es so richtig. Der Gesang ist ebenfalls eher ungewohnt. Das Album hat viele Facetten und kann als Patchwork-Album bezeichnet werden. Diese Klänge eröffnen sich einem nicht beim ersten Mal hören und sie werden immer besser.

Fredi Hallauer