FELICIEN LIA

EP „Tout Bon Tout Triste“ (Irascible)

Der Genfer Musiker singt Französisch und macht sehr urbane Musik. Eigentlich ist es Elektropop, aber er zieht viele verschiedene Register in den fünf Liedern. Die Texte handeln von seinem Seelenleben. Der Beat regt zum Tanzen an und die amüsanten Texte zum Nachdenken. Gutes Songwriting und gute Produktion. Der Sound bietet immer wieder Überraschungen, da taucht ein Streichinstrument auf, dort eine zusätzliche Stimme und hier ein längeres jazziges Saxophonsolo.

Fredi Hallauer

THE SPARKLETTES

Live: Premiere „Helvetia bockt“ in der La Cappella am 22. August 2025

Bild Kathrin Hallauer

Die vier Frauen und Sängerinnen traten als Hörnertragende Tiere wie Steinbock und Gämse auf die Bühne. Sie wurden als Touristenattraktion angekündigt. Sie starteten mit „Lueget vo Bärg und Tal“ und veränderten den Text dazu, wie bei allen Liedern. Die Texte wurden an die Frauen angepasst und wurden auch sozialkritisch. Die Arrangements waren alle zusammen sehr speziell, grossartig und immer so, dass man das Lied erkannte. Das Repertoire umfasste viele Volkslieder und Schweizer Popsongs. „S Burebüebli“ wurde zu „Frau sucht Bauer“, „Ludmilla“ von Patent Ochsner fand ihren Weg aus der Prostitution zurück in ihre Heimat. So gab es musikalisch viele Überraschungen. Also, Ohrenspitzen und Mitdenken lohnten sich.

Bild Kathrin Hallauer

Dazwischen traten sie als Blasmusik auf, bei einer Tunneleinweihung. „Dr Tifel isch gstorbe“ fehlte ebenso wenig wie „Oh mein Papa“ welches natürlich zu „Oh meine Mama“ wurde. „Dr Joggeli wott go Birli schüttle“ bekam einen neuen Text. Dazwischen wurde auch Französisch, Deutsch und Italienisch gesungen. Das Singen und die Texte waren aber nur ein Teil der Show. Die Frauen passten die Kleider immer an, vom Sennenlook bis zum Glitzeroutfit sah man alles.

Bild Kathrin Hallauer

Die Choreografien funktionierten hervorragend, hatten immer wieder kleine Spässe eingebaut. Kurz gesagt: Es wurde an diesem Abend sehr viel geboten für Ohr und Auge. Die vier Frauen sangen perfekt, auch bei den schwierigsten Passagen. Als Schluss sangen sie ein DJ Bobo Medley, aber alles auf Schweizerdeutsch. Die Zugabe war eine neue Version ihres Swiss-Bircher-Müesli-Medleys. Es war einfach nur grossartig und beste Unterhaltung auf hohem Niveau.

Bild Kathrin Hallauer

Impressionen

Bilder Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

TRAUFFER

Album: „Heubode“ (Sony Music)

Trauffer ist zurück und wie! Er startet so richtig durch als Alpentainer. Vieles ist neu, nämlich der Produzent, der grössere Teil der Band und dadurch auch der Sound. Trauffer ist volkstümlicher, rockiger. Er versteht es mit diesem Album, richtig zu feiern und gute Laune zu verbreiten. Der Produzent heisst Georg Schlunegger, bekannt von Heimweh, Stubete Gäng, Schwiizergoofe, Megawatt. Die zwölf Mundartlieder schrieben die beiden zusammen. Der musikalische Leiter der Band ist der Schlagzeuger Massimo Buonanno und die Geschwister Monney, Jodlerinnen aus Freiburg, sind die weiblichen Stimmen mit viel Power. Auch das Örgeli ist stark besetzt mit Julian von Flüh. Das Songwriting ist auch gelungen und Peinlichkeiten sind keine mehr zu hören. Natürlich sind auch einige Gäste dabei, nämlich der Männerchor Heimweh, der Sänger Grüezi Italia und die Volksmusiker Rusch Büeblä. Das Ganze gibt echt tolle Partymusik, wo die Post abgeht.

Fredi Hallauer

KARL KAVA & DURIAN

Interview:

Am Gurtenfestival 2025 sprach Fredi Hallauer mit Karl Kava & Durian

Album: «Wiener Linien» (Young & Cold Records)

Hinter diesen Namen stehen Carlo Rainolter an den Synthesizern und anderen Musikgeräten und Andrin Uetz am Mikrofon und verantwortlich für die Texte. Die beiden Ostschweizer pflegen eine Art von Poesie und Musik. Ihre Lyrik ist ziemlich schräg und kryptisch und hat etwas vom Wiener Schmäh dabei. Andrin Uetz bewegt sich zwischen Slam-Poetry und Gesang und Carlo Rainolter spielt Elektro, welcher tanzbar ist. Gesprochen und gesungen wird Deutsch. Solche Klänge sind bei uns eher selten zu hören und sind für unsere ungewohnten Ohren nicht nur leicht bekömmlich. Darum vorher hineinhören.

Fredi Hallauer

ILS FRÄNZLIS DA TSCHLIN

Album: „Tschlin – Wien Retour“ (Zytglogge)

Ils Fränzlis da Tschlin, oder kurz Fränzlis oder Fränzlimusik genannt, kommen von Tschlin im Unterengadin und berufen sich auf die Fränzlimusik aus dem 19. Jahrhundert. Die fünf Musiker:innen an der Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass und Klarinette spielen herrliche Musik, welche manchmal knapp am Kitsch vorbeischrammt und dann wieder richtig schräg ist. Sie tönen mit ihrem Fränzlisound jenseits der Definitionen, dafür umso frischer. Der gemeine Unterengadiner sagt dazu «sakrisch bun“, was so viel wie saugut bedeutet. Da das Unterengadin offen zu Österreich ist, kommen und gehen auch viele Einflüsse hin und her. Die Fränzlis haben nun Musik und Eigenkompositionen vom Engadin bis Wien in ihr Repertoire aufgenommen und für dieses Album eingespielt. Was diese fünf Musiker:innen zustande bringen, ist erstaunlich. Da werden Märsche gespielt, welche normalerweise eine Blaskapelle spielt oder sogar ein Stück der Oberkrainer, aber alles mit dieser Besetzung, aber im typischen Sound. Dort gibt es dann etwas Wienerschmäh und da geht es halburchig zu. Die Streichinstrumente werden richtig kräftig gestrichen, mit etwas Dreck im Ton, sodass die Musik packen wird. Ein richtig tolles Album aus der Sparte Neue Volksmusik, und das ganz in einem Fluss ohne irgendwelche Künsteleien.

Fredi Hallauer

MARC AMACHER

Album: „Load“ (Hoboville Records)

Marc Amacher sollte unterdessen vielen Menschen ein Begriff sein. Der Blueser aus dem Berner Oberland mit der rauen Stimme und dem dreckigen Gitarrensound ist unverkennbar. Er war bereits Support Act auf der Deutschland Tour von Eric Clapton und von Billy F. Gibbons, auch von Boss Hoss. Nun ist ein neues Album von ihm erschienen. Diesem Album liegt ein Stück Geschichte zugrunde. Amachers sind Walser. Sie zogen vom Wallis in karge Täler im Berner Oberland, dann nach Georgien und anderen Ländern, von dort nach Amerika und wieder zurück in die Schweiz. Marcs Amacher Urgrossvater war vor etwa 140 Jahren ein Hobo, einer, der mit der Gitarre und einem Song auf der Zungeumherreiste. Bei diesem Album wird die Tradition modernisiert in dem heutigen Sound von Marc Amacher. Er erzählt nicht die Geschichte des Urgrossvaters, er erzählt Geschichten aus den USA, von sich und seinem Grossvater, macht Überlegungen und das mit seiner ganzen Energie und seinem kraftvollen Blues. Die Gitarre , Bass und Schlagzeug und manchmal noch ein anderes Instrument helfen, diesen rohen Klang zu transportieren. Marc Amacher ist und bleibt auch auf Tonträger ein Erlebnis.

Fredi Hallauer

KRISTINA BRUNNER ENSEMBLE

Album: „Fahre“ (www.evelyn-kristina-brunner.ch)

Dieses Album ist ein einziges Werk, in zehn Teile unterteilt. Kristina Brunner erhielt den Auftrag vom Festival Stubete am See und dort wurden dann diese Aufnahmen im August live eingespielt. Das Ensemble besteht aus den herausragendsten Musiker:innen der Volksmusik/Neuer Volksmusik-Szene. Es sind dies: Kristina Brunner (Komposition, Schwyzerörgeli, Cello), Andreas Gabriel (Geige), Gabriel Miranda (Geige, Bratsche), Albin Brun (Sopran- und Tenorsax, Schwyzerörgeli), Sonja Ott (Flügelhorn, Trompete), Jürg Nietlispach (Halszither), Evelyn Brunner (Kontrabass, Schwyzerörgeli), Markus Lauterburg (Perkussion) und Pedro Lenz (Texte und Wort). Das Stück basiert auf den Texten von Pedro Lenz, welcher fünfmal kurze Textpassagen spricht. So wird das ganze Werk sehr stimmig, man merkt, es geht um fahren, um hören und zuhören (gewollt und ungewollt), um einen Platz zu finden und dazuzugehören. Alle diese Themen hat Kristina Brunner mit ihrer Komposition und ihrem Ensemble umgesetzt. Da gibt es viele leise Töne, aber manchmal wird es recht laut. Die Instrumente spielen miteinander und gegeneinander, sie ergänzen sich oder lassen auch noch Raum frei. Jedes Instrument hat seinen Schwerpunkt, auch die Perkussion wirkt solistisch, mit einem sehr leisen Anfang und einem Ende im Donnerwetter. Manchmal reiben die Töne sich aneinander, erzeugen Spannungen und dann wird es wieder Volksmusik, so richtig eingängig. Es lohnt sich bei diesem Werk daran zu bleiben, wenn einem eine Passage nicht so gefällt, kommt sicher bald wieder etwas, was einem gefällt oder einen fasziniert, und nach mehrmaligem Hören gefällt einem plötzlich das ganze Werk. Ein faszinierendes Stück Musik.

Fredi Hallauer

FOGOSCH

Album: „Live at La Cappella Bern“ (m.schultz@gmx.ch)

Die Berner Formation Fogosch setzt sich zusammen aus Mia Schultz an der Klarinetten, Daniel Woodtli an der Trompete und dem Flügelhorn, Micha Hornung am Akkordeon und am Gesang, Higi Bigler am Kontrabass und Adrian Christen am Schlagzeug und an der Perkussion. Die fünf Musiker:innen kommen sehr eingespielt und kompakt, daher, mit einer Musik und mit Arrangements, die nicht so einfach sind. Der Schlagzeuger legt einen sanften und verspielten Teppich aus, der Kontrabass ist sehr melodiös und ebenfalls verspielt. Der Akkordeonist spielt Melodien und Gegenmelodien sowie Verzierungen, die Trompete und das Flügelhorn führen den Lead im Wechsel mit der Klarinette und manchmal gleichzeitig. Bei einigen Stücken singt der Akkordeonist wunderschön in einem schönen jiddisch. Fogosch spielen Klezmer, welcher von Osteuropa nach Amerika ging und nun zurück ist, darum sind auch jazzige Noten und Passagen darin auszumachen. Die Klarinette drückt in ihrem Spiel alle Gefühle aus, von Fröhlichkeit zu Liebesschmerz und vielem mehr. In „Am Quai“ gibt es ein Klezmer untypisches rasantes Schlagzeugsolo. „Shpiel es“ gehört zu den Paradestücken für die Klarinette und die Trompete brilliert mit etwas anderen Tönen. Die Musik ist handgemacht und Elektronik fand da keinen Platz, also alle Töne wurden mit einem der Instrumente erzeugt. Dieses Album gehört zu den hervorragenden Alben 2025.

Fredi Hallauer

Qeller

Interview:

Am Stäcketöri sprach Fredi Hallauer mit Qeller

2 Songs

Der junge Musiker Qeller arbeitet noch an seiner EP. Zwei Songs sind bereits von ihm erschienen. Er singt deutsch und die Texte sind sehr gesellschaftsrelevant. Die Musik ist wundervoll und sehr ausgeklügelt im Indie-Folk-Stil. Die Texte, wie bereits erwähnt, haben es in sich. Qeller sollte man auf dem Radar behalten.

Fredi Hallauer

LEXY ZELYA

EP: „L“ (Irascible)

Lexy Zela kommt aus Genf. Dies ist ihre erste EP. Sie ist eine Popsängerin, welche sich die frühere Popmusik als Vorbild genommen hat. Darum sind die vier Songs Retro Pop, mit den heutigen modernen Möglichkeiten aufgepeppt. Tanzbare Popmusik.

Fredi Hallauer

MARKUS RÜEGER & GREEN TREES

Album: „Take This World In Your Hands“ (markusrueeger.com)

Der Zürcher Barde und seine Band sind seit einigen Jahren unterwegs. Dieses Album kam mir jetzt in die Hände, obwohl es schon ein paar Jahre alt ist. Es ist aber immer noch das aktuelle Album der Band, und es ist auch Wert, diese Songs anzuhören. Das Quartett spielt mit Gitarre, Whistles, Akkordeon, Posaune, Keyboard und Bass plus ein paar Gastmusiker mit vorwiegend Perkussionsinstrumenten. Die Songs wurden in Irland aufgenommen. Der irische Folk prögt auch die Songs mit der Musik. Stilmässig nennt man das heute Indie Folk, früher war es Folk oder Folkrock. Musikalisch ist es hervorragend gespielt. Alle Bandmitglieder singen, so ist auch immer wieder mehrstimmiger Gesang zu hören. Markus Rüeger zeichnet für die Songs verantwortlich und hat auch den Leadgesang mit einer angenehmen und markanten Stimme. Es ist schon eine Freude, ihm zuzuhören. Dann geht es um die Texte. Der Titel verrät es, die Umwelt, die Natur, die Menschheit und die Erde sind Thema. Es ist ein gesellschaftsrelevantes Album, welches aber auch Freude und Spass macht, beim Zuhören. Beim „Asyl für Ijsbäre“ kommt der Frust, die Wut, der Witz und die Hoffnung sehr stark durch. Die restlichen Lieder sind englisch gesungen, auf der Homepage findet man aber die deutschen Übersetzungen.

Fredi Hallauer

AMAYA GLOOR

EP: „Unfinished“ (Universal)

Amaya Gloor gibt ihre Debüt-EP heraus. Es sind sechs internationale Popsongs. Sie zeigt ihr Können mit verschiedenen Stilen. Meistens mit tollen Beats und tanzbar, dazwischen schöne und melancholische Balladen. Auffallend ist die Stimme von Amaya Gloor. Sie singt klar, mit einer warmen, etwas tiefer gesetzten Stimme, erreicht aber auch immer wieder die oberen Skalen der Tonleiter. Die Stimme ist im erträglichen Mass bearbeitet, wie es leider in der Popmusik heute möglich ist. Das Songwriting kann sich hören lassen und die Produktion ist stark.

Fredi Hallauer

THE YOUNG GODS

Album: „Appear Disappear“ (Two Gentlemen/Irascible)

The Young Gods aus Fribourg sind immer noch da und dieses Mal wieder so richtig wütend, rebellisch und aufbegehrend. Die Gitarre kratzt und jault, der Synthesizer dröhnt und das Schlagzeug jagt harte Schläge in den Sound. Die Stimme ist klar und unmissverständlich, konsequent, sie fordert und klagt an. Die Songs werden vorwiegend englisch, aber auch französisch gesungen. Sie erzählen vom Widerstand gegen das Weltgeschehen, was sollen wir tun, wie machen wir es, dass die Drohnen uns nicht auffressen und Ähnliches. Es wird gefordert, soviel Staub aufzuwirbeln, dass die Drohnen geblendet sind und sich selbst zerstören. Dann hat es auch ein Liebeslied an Franz Treichlers verstorbene Frau, ein wilder Tanz ist es. Ja, The Young Gods können es immer noch und verschmelzen ihren frühen Stil mit der heutigen Zeit. Viel Erfahrung und manche Jam stehen da dahinter. Ein Album, welches Preise gewinnen sollte.

Fredi Hallauer