ODD BEHOLDER

Album: „Honest Work“ /Sinnbus/Mouthwatering Records)

Die Musikerin erzählt vom Arbeitsalltag mit den Frustrationen, unfairen Arbeitsbedingungen, ökologischen Krisen und emotionaler Einsamkeit. Es erzählt von einer Gesellschaft, die Leistungsdruck internalisiert und dabei Leistung nur vage definiert. Von Erschöpfung, Zorn und Druck und vom Leben jener, die versuchen, sich darin zurechtzufinden und ihre Würde nicht zu verlieren, und damit wahrscheinlich scheitern. Musikalisch betont sie die Beats und den Bass. Die Stücke lehnen sich an elektronische Musik der Neunzigerjahre an; an Trip-Hop, Drum ’n’ Bass, 2-Step Garage und Industrial. Die Stimmung ist dunkler Pop und trotzdem mit einer Leichtigkeit, welche Mut macht und vielleicht sogar aufstellend ist, wenn man unter schwierigen Bedingungen arbeiten muss. Ein sehr engagiertes und intelligentes Album.

Fredi Hallauer

THE YOUNG GODS

Album: „Appear Disappear“ (Two Gentlemen/Irascible)

The Young Gods aus Fribourg sind immer noch da und dieses Mal wieder so richtig wütend, rebellisch und aufbegehrend. Die Gitarre kratzt und jault, der Synthesizer dröhnt und das Schlagzeug jagt harte Schläge in den Sound. Die Stimme ist klar und unmissverständlich, konsequent, sie fordert und klagt an. Die Songs werden vorwiegend englisch, aber auch französisch gesungen. Sie erzählen vom Widerstand gegen das Weltgeschehen, was sollen wir tun, wie machen wir es, dass die Drohnen uns nicht auffressen und Ähnliches. Es wird gefordert, soviel Staub aufzuwirbeln, dass die Drohnen geblendet sind und sich selbst zerstören. Dann hat es auch ein Liebeslied an Franz Treichlers verstorbene Frau, ein wilder Tanz ist es. Ja, The Young Gods können es immer noch und verschmelzen ihren frühen Stil mit der heutigen Zeit. Viel Erfahrung und manche Jam stehen da dahinter. Ein Album, welches Preise gewinnen sollte.

Fredi Hallauer