STAHLBERGER

Album „Dini zwei Wänd“ (Irascible)

Der St.Galler kommt aus dem Nichts mit einem neuen Album daher. Diesmal wieder mit Band. Viel Elektronik die sehr gut zu der Stimme von Stahlberger passt. Die Stimme wird nicht zugedeckt und das positive ist auch, Stahlberger tönt wie Stahlberger und wurde nicht durch die Elektronik gedreht. Das wesentliche an diesem Album sind natürlich die Texte und die Art der Interpretation. Also Stahlberger singt emotionlos, monoton, die verrücktesten Geschichten, eine Art Buster Keaton des Gesangs und natürlich in St. Galler Mundart. Seine Geschichten sind wunderbar, düster und verrückt. Zuerst führt er einem auf ein „Iisfäld“ später nach „Schaebikon“ oder zurück in die Schule. Sehr gut gefällt mir „Über Nacht isch en Sturm cho“ er hat alles neu verteilt in der Stadt. Es ist ein Genuss seiner Fabulierkunbst über unseren teils tristen Alltag zu lauschen.

Fredi Hallauer

SCHMIDBAUER, POLLINA, KÄLBERER

Album: „Süden II“ (Jazzhaus Records/Sound Service)

Hier dreht es sich um ein Projekt des Italo-Schweizers Pippo Pollina mit den Bayern Werner Schmidbauer und Martin Kälberer. Vor einigen Jahren waren sie zusammen unterwegs mit „Süden“ und nun gibt es das Projekt „Süden II“ Sie erklärten, dass der Süden einerseits ein Traumferienziel ist und andererseits die Flüchtlingsströme aus dem Süden kommen. Zum anderen kommen die Bayern aus dem südlichsten Zipfel Deutschlands und Pippo Pollina aus Sizilien, dem südlichsten Teils Italiens. Die Texte haben sie zusammen geschrieben, das heisst, die Lieder hatten noch weisse Flächen, welcher der Andere in seiner Sprache füllen konnte. Den Text zu „But Then Agaim“ schrieb Madleina Pollina. Es handelt sich um mehrheitlich gesellschaftskritische Lieder mit Musik, welche einem aber nicht zu Boden zieht, sondern die trotz allem eine südliche Lebensfreude zeigt, mal romantischer und dann auch wieder fröhlich. Das Lied „Richtung Süden“ erklärt um was das Projekt eigentlich geht. „La Citta Dei Bianchi“ sind Fragen die ein Kind seinem Vater stellt über die Städte der Weissen, sie sind aber noch auf einem „Schiff“ auf dem Meer. Zu „Stolz drauf“ erzählte Werner Schmidbauer: „Ich als junger, wilder Bayer, habe mich oft mit meinem Vater, einem konservativen Bayern, gestritten, weil es Spass machte, nur in einer Sache waren wir uns immer einig, auf unsere Herkunft können wir nicht Stolz sein, denn da haben wir nichts dafür getan ,das wir ausgerechnet aus diesem Land kommen“. Die Lieder sind im Booklet der CD alle auf Hochdeutsch übersetzt, für alle die des Italienischen oder des Bayrischen nicht kundig sind. Auf diesem Album wirken noch ein paar weitere hervorragende Musiker mit. So wild wie das im Januar tönen mag, aber „Süden II“ wird eines der wichtigsten Alben 2019 sein.

Fredi Hallauer

SAESCH

Album: „Umschtiege“ (CeDe.ch)

Der Zürcher Oberländer debütiert mit einem Mundartlieder Album. Er war bis knapp 40jährig immer sehr geschäftig und wie so viele auf Geld fokussiert. Nun steigt er um. Er macht eine Musik Stifti, wie er selber sagt, und schreibt Lieder über alles was ihn beschäftigt. Da geht es um die kleinlichen Behörden und Nachbarn, um Vater und Grossvater, Abholzung der Bäume für Coffee To Go, Umsteigen und noch einiges mehr. Die Lieder sind einfach, verdichtet, klar und fadengerade unterlegt mit ebensolcher Musik. Alles ist unkompliziert und trifft direkt ins Herz und hoffentlich auch ins Gehirn. An zwei drei Stellen hat der Lehrling in Sachen Texten, sich selber Stolpersteine eingebaut, nämlich Textzeilen die leicht holpern, aber Lehrlinge dürfen ja noch Fehler machen. Ich bin begeistert von dieser CD von Saesch, das ist Liedermacherei wie sie sein soll.

Fredi Hallauer

ANDY F.

Album: „Morbus Google“ (Beste Sonne)

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Andy F., der Liedermacher aus Zürich besingt die virtuelle und reale Welt der Mitmenschen. Die Texte sind sehr ansprechend und sehr treffend. Es geht um Liebe, um die verschiedensten Nachrichten die wir täglich über die Neuen Medien erhalten, das Partyvolk in Zürich, oder um Gedächtnisverlust und Einiges mehr. Musikalisch kommt das Album ebenso ansprechend daher. Er selber spielt Gitarre, seine Musiker blasen Trompeten, spielen das Schlagzeug und noch so dies und das. Immer bleibt die Stimme ganz im Vordergrund und sehr gut verständlich. Für mich ist Andy F. eine Entdeckung.

Fredi Hallauer

ELSON COMPLEX

EP: „Languages“ (Speedchill)

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Hinter Elson Complex steht Juan Martinez Perez, ein in der Schweiz geborener Spanier. Er ist Liedermacher und Gitarrist. Das Album geht um die Mehrsprachigkeit und so singt er Deutsch, kurz Schweizerdeutsch, Englisch, Italienisch und Französisch. Warum eigentlich nicht Spanisch? Das Gitarrenspiel basiert auf klassischer Gitarre, kommt aber ziemlich gleichförmig und bei allen Titeln zu ähnlich daher. Mit der Mehrsprachigkeit und nur acht Titeln ist es so eine Sache, man kommt nie richtig hinein. Eigentlich eine gute Idee, welche noch verbessert werden kann durch das Songwriting und vielleicht der Instrumentierung wie Unterstützung durch Perkussion oder einem Cello oder so.

Fredi Hallauer