AMIXS

Album: „Konjunktur Trochemuur“ (Irascible)

Das Basler Subkultur-Trio bringt uns kräftigen, Uptempo Synthwave mit Mundarttexten. Stilistisch liegen sie zwischen Neuer Deutscher Welle und Falco. Der Gesangs-Sprechstil erinnert stark an Letzteren. Es hat nicht immer dasselbe Bandmitglied den Lead, sie wechseln sich ab. Spannend sind Amixs vorwiegend textlich. Es sind scharfe Beobachtungen des Alltags, aus einer anderen Perspektive, wie über das Schnitzelbrot oder über den Gempen (ein Hügel mit Fluh und Aussichtsturm im Baselbiet). Der Titeltrack ist eine Art Hymne auf die schweizerische Grenzkultur, aber satirisch gemeint. Tanzbarer Sound mit erfrischenden Texten.

Fredi Hallauer

SELVEYA

Album: „Aliver“

Das Quartett setzt sich zusammen aus Gitarre und Gesang, Geige, Hackbrett und Kontrabass. Die drei Frauen und der Mann kommen aus Südfrankreich/London, Genf, Bern und dem Bündnerland. Bereits diese Zusammensetzung tönt sehr spannend. Sie spielen Folk mit Einflüssen aus dem keltischen, Frankreich und der Schweiz, würzen diese Klänge mit Chanson- und Popelementen. Gesungen wird Englisch, Französisch und Spanisch. Die Gesangsharmonien des Quartetts sind aussergewöhnlich schön. Die Instrumente kommen alle bei dieser sauberen Produktion hervorragend zur Geltung. Alle dürfen mal den Lead übernehmen, so machen die verschiedenen Wechsel die Musik sehr interessant. Die Musiker:innen beherrschen ihre Instrumente und entlocken ihnen durch die verschiedensten Spieltechniken auch mal ungewöhnliche Töne. Selveya gehört auf die Folkbestenlisten.

Fredi Hallauer

VINCENT GROSS

Album: „Prost“ (Electrola/Universal Music)

Der Schweizer mit deutschen Wurzeln präsentiert ein Schlageralbum. Er ist der Partyhengst und macht recht Power, wie eh und je. Musikalisch sind die Stücke eine Mischung aus altem Schlager und heutigem Sound. Dadurch spricht er auch die Fans der alten Partyschlager an, und trotzdem sind die Beats zeitgemäss. Eigentlich ein interessantes Schlageralbum, wenn die Texte nicht wären. Wie es der Albumtitel verrät, geht es fast ausschliesslich ums Trinken von Alkohol. Dass man ein ganzes Album allen Alkoholika widmet und das, ohne sie zu hinterfragen, kann ich nicht verstehen, bei den vielen Menschen, die in unserer Gesellschaft mit einem Alkoholproblem leben. Bitte das nächste Mal etwas mehr Hirnzellen für die Texte verwenden. Schade.

Fredi Hallauer

NEMO

Album: „Arthouse“ (Universal Music)

Endlich ist es da, das erste Album von Nemo. Da sind alles Songs zu hören, welche bisher nicht auf einer EP erschienen. Nemo singt ausschliesslich Englisch. Ja, „The Code“ ist als letzter Song auf dem Album. Noch einmal ja, es ist ein tolles Popalbum geworden. Jetzt etwas genauer. Dieses Album ist wirklich international produzierter Pop mit einer grossen Verspieltheit im Sound. Da hört man immer wieder einen anderen Synthesizer flirren. Nemo zieht gesanglich alle Register, von gewöhnlichem Gesang bis zu den Ausflügen in die Kopfstimme. Es ist ein Partykracher-Album mit wenig ruhigen Momenten. Nemo legt ein glitzerndes und schrilles Album auf die Plattenteller, schweisstreibend und faszinierend. Das ist Musik zum Tanzen und für die Party.

Fredi Hallauer

ROXXXET

Live: „Tribute To Roxette“ im Landhaus Liebefeld am 23. Oktober 2025

Bild Kathrin Hallauer

Der wunderschöne Saal im Dachstock des Restaurants Landhaus im Liebefeld war ausverkauft. Dann trat die Tribute Band von Roxette, nämlich RoxXxet auf die Bühne. Dies ist eine Band des Gitarristen und Sängers Paul Etterlin. Er umgab sich mit Musikern der Spitzenklasse aller Altersklassen. Die klassische Besetzung mit Gitarre, Keyboard, Bass, Schlagzeug und Gesang war natürlich angesagt für dieses Programm. Der Gesang wurde von Paul Etterlin mit der Sängerin Anna Smith geteilt. Manchmal war eine Stimme solo und dann wieder zusammen. Paul Etterlin brillierte auf seinen Gitarren, liess aber auch den jungen Schlagzeuger oder den Keyboarder solieren und brillieren. Der Bassist bekam ebenfalls sein Solo. Das Programm startete mit den eher frühen Stücken von Roxette, um gegen Schluss dann die ganz grossen Hits zu präsentieren. Das Publikum sang kräftig mit und tanzte am Schluss auch noch zu dem rockigen Sound. RoxXxet zeigte an diesem Abend, dass auch Coverbands ihre Berechtigung haben und gute Musik machen können.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

BEATRICE EGLI

Album: „Hör nie auf damit“ (Ariola/Sony Music)

Beatrice Egli, der Schweizer Schlagerexport, präsentiert ein neues Album in Rosa. Im CD-Pack gibt es auch ein Briefchen Blumensamen, ein paar Kleber mit dem Konterfei der Sängerin und ein Booklet mit allen Texten. Beatrice Egli singt Schlager, das ist ein Fact und daran soll niemand etwas kritisieren. Auf diesem Album sind es eher aufgestellte Texte mit Partyschlager-Musik. Alles gut gemacht und gut produziert, die Stimme klingt präsent und die Texte sind akustisch zu verstehen. Eigentlich alles im rosa Bereich. Mich stören da und dort die Texte. Wenn man alte Schlager hört, hat man das Gefühl, die darf man heute nicht mehr so ungefiltert spielen, geschweige denn aufnehmen. Aber bei Beatrice Egli gibt es doch ab und zu Textzeilen, oft wiederholt, wo man Fragezeichen setzen muss, vor allem, wenn es eine junge Frau singt. „Wir haben uns aus Versehen berührt, und aus versehen geküsst. Einmal weiss ein jeder ist sowas wie keinmal“. Zu einem solchen Text soll jede(r) denken, was er will.

Fredi Hallauer

KRUGER BROTHERS

Live: „Train Songs“ im Kulturhof Köniz am 21. Oktober 2025

Bild Kathrin Hallauer

Dieses Mal kamen die Kruger Brothers in der Besetzung Jens und Uwe Krüger und Joel Landsberg plus dem jungen Mandolinenspieler Jonah Horton. Die vier starteten mit einer Instrumentalsuite mit Stücken aus ihrem Repertoire. Es folgten Songs aus Country und Bluegrass und aus der eigenen Feder mit teils längeren Instrumentalteilen. Alle Songs, und Stücke hatten mit Zügen zu tun, egal ob in Europa oder den USA. Dazwischen erzählten sie tolle Geschichten von ihren Zugfahrten und Reisen, als Strassenmusiker und auch auf Tour. Die Geschichten müssen nicht wahr sein, aber sie waren toll erzählt und sehr unterhaltend. Musikalisch zählen die Kruger Brothers immer noch zu den Besten auf Gitarre und Banjo. Was die alles für Töne und Klänge aus ihren Instrumenten herausholten, brachte einen auch beim x-ten Konzert zum Staunen, und oft noch, in welchem Tempo sie das taten. Der junge Mandolinenspieler stand ihnen in nichts nach. Auch er beherrschte sein Instrument und spielte von wilden Rhythmen zu rasanten Soli. Kruger Brothers waren wiederum ein herrliches Erlebnis.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

SAINT STACY

Album: „Beginner Again“ (NSK/Saint Stacy)

Saint Stacy ist die Schweizerin Kristina, welche lange Zeit bei Kadebostany den Gesang übernahm. Nun wandelt sie auf Solopfaden. Alle Songs hat sie selbst geschrieben und eingespielt und die Produktion zusammen mit Flex Fab übernommen. Herausgekommen ist ein luftiges Indiepop-Album. Alle Songs sind tanzbar, ja, sie fahren direkt in die Beine. Ihre schöne Stimme fiel schon immer auf und bezirzt einen auch bei dieser Produktion. Das Songwriting ist grossartig und vielseitig. Vielleicht einziger Schwachpunkt ist die manchmal etwas verschwommene Aussprache. Aber auf den Text hört man seltener, wichtig sind hier der Gesamtsound und der Beat, bei welchem man das Handwerk von Flex Fab spürt.

Fredi Hallauer

SISELABONGA

Album: „Halo’s Glitter“ (A Tree in a Field Records)

Das schweizerisch-südafrikanisch/simbabwische Duo brilliert mit einem vibrierenden Afrosoul Album mit Africasound , Deep Soul und etwas Elektronik. Siselabonga sind die Singer/Songwriterin Nongoma Ndlovu und der Perkussionist Fabio Meier. Im Studio haben noch ganz wenige Leute etwas beigesteuert. Die Musik ist gesangs- und perkussionsorientiert. Nongoma Ndlovu hat diese beeindruckende südafrikanische Stimme, aber kann dann auch wieder in sanften, schmeichelnden Soul verfallen. Es gibt Songs die sind a-cappella mit viel Energie. Ein umwerfendes Album, gehört auf jede Worldmusic Bestenliste.

Fredi Hallauer

LÖWENZAHNHONIG

Album: „Kirschblütenboogie“ (A Tree in a Field Records)

Dies ist das zweite Album dieser Supergroup, wie man früher Bands nannte, welche sich aus drei etablierten Musikern zusammensetzten. Hier spielen Fai Baba, Long Tall Jefferson und Paul Märki zusammen. Es ist ruhige Instrumentalmusik mit klarer, heller gezupfter E-Gitarre, flockigem Bass und gebürstetem Schlagzeug. Die Band oder andere Leute fanden schon viele lustige Namen für diese Musik. Ich nenne sie einfach entspannter Hängematten Indie Folk. Diese Klänge entstanden irgendwo in der Ruhe an einem abgelegenen Ort, und genau das vermitteln sie. Wunderschön, unaufgeregt und zart schmelzend.

Fredi Hallauer

AD-RIAN & THE RISE

Album: „Under One Sky“ (Creative Production GmbH)

AD-RIAN ist ein Musiker mit über 40 jähriger Erfahrung. Er spielt solide Rockmusik. Seine Kompositionen sind sehr melodiös und eingängig. Seine charismatische Stimme fliesst wie etwas rauer Whiskey in die Ohren. The Rise ist eine Band, welche sich ebenfalls sehen und hören lassen darf. Mauro Zombicchiatti am Bass und Thomas Wild am Schlagzeug (beide von Polo Hofer Schmetterband), Bernie Weber am Piano und Chris Stalder an der Leadgitarre. Das Resultat sind gute und handgemachte Songs, solide gespielt. Rock aus der guten alten Zeit ohne Firlefanz und Elektronik.

Fredi Hallauer

ELIE ZOE

Album: „Shiftings Forms“ (Humus Records)

Elie Zoé nannte sich vorher Emilie Zoé, da Elie aber ein stimmliches Problem bekam und die Stimme neu finden musste, fand sie auch einen neuen Namen. Elie Zoé tönt nun viel tiefer und etwas weniger exzessiv im Gesang. Die Songstrukturen sind noch sehr ähnlich. Meistens fangen die Songs ruhig oder leise an, um sich dann zu steigern. Elie begleitet sich an Gitarren und dem Piano, unterstützt wird sie von einem Schlagzeuger. Gesungen wird auf Englisch. Die Songs von Elie Zoé waren schon immer berührend und mit der neuen Stimme haben sie noch die Dimension Sinnlichkeit erhalten. Elie singt von der Natur, erzählt Geschichten, von Veränderungen und Verschiebungen. Dieses Album gehört zu den Geheimtipps.

Fredi Hallauer

THE LOUPETTES

Album: „Jellyfish Barbecue“ (Irascible)

Die neue Band mit bekannten Berner Musikern und einer Hamburger Sängerin veröffentlicht ihr erstes Album. Bei der Sängerin und Keyboarderin handelt es sich um Jeannette Wolf, bei den Musikern um den Bassisten Higi Bigler, den Gitarristen Urs Gilgen und den Schlagzeuger Tobi Heim, alle drei von den ehemaligen Kummerbuben. Jeannette Wolf singt Deutsch, Englisch und Französisch. Die Band lässt es so richtig grooven, krachen, und manchmal werden sie auch etwas ruhiger. Der Stil ist Indie-Pop mit Chanson-Einflüssen. Gesanglich nimmt uns Jeannette Wolf auf eine Achterbahnfahrt mit, mal frisch, frech und wild, dann wieder eher dunkel oder verträumt. Die Texte sind eher kryptisch, klingen aber gut, vorwiegend die Wortspiele in den deutschsprachigen Teilen.

Fredi Hallauer