BLISS

Live: „Merry Blissmas“ im Cube Bern am 22. Dezember 2025

Bild Kathrin Hallauer

Die fünf Männer haben es gewagt und eine neue Merry Blissmas Show auf die Bühne gestellt. Diese Show war wirklich neu, teils mit den gleichen Figuren wie die Nonnen, aber mit vielen neuen Figuren. Singen können sie einfach, diese Fünf, und ihre Arrangements sind genial, egal ob in der Originalsprache oder auf Schweizerdeutsch. Ein Teil der Lieder hatte auch einen ganz anderen Text in Dialekt als im Original.

Die Zwischentexte waren gute Unterhaltung mit bösen Seitenhieben auf die Politik oder den BSC Young Boys, welcher schräg gegenüber dem Cube spielt. Grossartig war der Jahresrückblick als politisches Meteo. Da wurden Politiker aus allen Herren Ländern und vor allem der Schweiz, nicht unbedingt lobend erwähnt. Als Beispiel sei genannt: „Nach Abzug des Amherd-Tiefs im Wallis, setzte sich in Bern ein Sutter-Keller-Dauertief fest“. Die Lieder waren teils besinnlich und teils beschwingt.

Bild Kathrin Hallauer

Dazwischen gab es immer wieder Gags, wie den Laubbläser, mit dem man den Schnee vor die Garage des Nachbarn blasen kann, und tatsächlich bliesen sie mit einem Laubbläser weisse Papierschnipsel bis mindestens zur zehnten Reihe im Publikum. Der zweite Teil startete mit einem Puppentheater.

Bild Kathrin Hallauer

Die Sänger standen in Puppen und bewegten mit ihren Händen die Puppenhände. Das war sehr einfallsreich. Sie spielten ein Märchen von der Prinzessin mit den drei Nussgipfeln. Das ganze Stück war alles in Esswaren formuliert, wie der Sbrinz (Prinz). Es war lustig, aber etwas lang, weil so in der ersten Hälfte des zweiten Teils erst am Schluss wieder gesungen wurde. Nach einem neuen «Weihnachtsbaum»-Medley traten dann auch noch die Nonnen wieder in Erscheinung und blieben Nonnen bis zum Schluss. Prächtigste und teils intelligente Unterhaltung und manchmal auch nur wohltuender höherer Blödsinn.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

DACHS

Album: „Ich Wöt Mir Selber Is Gsicht Chotze“ (Mouthwatering Records)

Dies ist das vierte Album von Dachs. Sie bleiben sich treu mit frechen Songtiteln, gesellschaftsrelevanten Texten in den Feinheiten, manchmal auch sonst. Musikalisch versuchen sie, sich etwas breiter abzustützen, da fliesst Hip-Hop hinein, dort ein wenig Indie oder Disco. Die Basis ist der Pop und die Electronica. Diese breitere Abstützung des Sounds geschieht vorwiegend in den Intros, dann nimmt der Beat Fahrt auf und die Songs ähneln sich ziemlich stark. Auch das Muster des Gesangs wiederholt sich in den verschiedenen Liedern. Zwei aussergewöhnliche Kollaborationen sind zu hören, zum einen mit To Athena und zum anderen mit Luuk. Dies ist ein Album, welches wiederum Zeichen setzt in der Schweizer Musikszene.

Fredi Hallauer

HEIMWEH

Album: „Vo De Bärge Här“ (Hitmill)

Die elf Sänger des Heimatpop Männerchors waren wiederum fleissig und nahmen ein weiteres Album auf. Georg Schlunegger schrieb wiederum die Lieder aus Geschichten der Sänger. Bei einem Lied ist Trauffer mit dabei und eines ist ein Volkslied, nämlich „Du fragsch mi wär i bi“. Insgesamt gibt es zehn Lieder. Einige der Lieder sind im gewohnten Heimweh-Stil und bei anderen kommt etwas neuer Wind hinein. „Alplerchilbi“ ist ein sehr beschwingtes Stück. Das ganze Album ist gewohnt sauber produziert und hat einen grossartigen Klang. Für alle, welche die Gruppe Heimweh mögen, ein schönes Hörerlebnis, und wer nur motzen will, soll es lieber gar nicht anhören.

Fredi Hallauer

HEIMAT LIEBI

Album: „Ländler Tornado“ (Hitmill)

Da kommt eine neue Band aus dem Hause Hitmill mit Musik, die Georg Schlunegger geschrieben hat, und bei den Texten hat er ebenfalls mitgeschrieben. Wer sind Heimat Liebi? Das sind Adamo Häller von Chue Lee und von Trauffer am Örgeli/Akkordeon und der Gitarre und Gesang, Urs Fischer, bekannt als Dr Eidgenoss am Örgeli und Gesang, und Schibä von Aextra und QL an der Gitarre und Gesang. Auf dem Album sind noch ein Violinist dabei, ein Kontrabassist und ein Perkussionist und da und dort noch eine kleine Unterstützung. Live sollen ein Kontrabassist und ein Perkussionist dabei sein. Was machen denn die für Musik? Kurz gesagt kann man das Volkspop nennen. Mit Ländler hat es wenig zu tun. Die Örgeli spielen ziemlich wild daher, sind aber leicht in den Hintergrund gemischt, der Rhythmus ist nahe beim Schlager und der jodelartige Gesang erinnert an Heimweh und rutscht manchmal etwas in die bierselige Party ab. Klar, es soll Partymusik sein, aber ein wenig mehr Niveau würde nichts schaden. Die gute Idee wurde nicht in allen Liedern gut ausgeführt.

Fredi Hallauer

CAMELIN

EP: „From Better Days“

Camelin ist ein jüngerer, auf Englisch singender Singer/Songwriter. Er begleitet sich auf der Gitarre und zusätzlich gibt es manchmal eine wohlklingende E-Gitarre, einen Bass oder eine Frauenstimme im Backing. Camelin singt von den besseren Zeiten, den blutigen Grenzen und vom Nichtaufgeben und dass man es trotzdem tut. Ein toller Anfang, und es könnte sich lohnen, Camelin im Auge und Ohr zu behalten.

Musik von Camelin mit dieser aktuellen EP ist auf mx3 zu finden https://mx3.ch/home/search?q=camelin

Fredi Hallauer

MARC TSCHANZ

Album: „Heavy Örgeli“

Der Örgeler Marc Tschanz hat sein zweites Album veröffentlicht. Mit dabei sind ein Bassist und ein Gitarrist, manchmal hört man noch ein Schlagzeug.. Wie es der Titel des Albums sagt, geht es etwas rockig zu und her, trotzdem steht das Örgeli im Vordergrund. Marc Tschanz versteht es mit seinem Örgeli einen swingenden und rockenden Groove in die Musik zu bringen. Mit diesem Album kommt er seinem Ziel näher, welches lautet, in jedem Musikgenre gespielt zu haben. Er spielt auch für das Örgeli ungewohnte Harmonien und Rhythmuswechsel. Die meisten Stücke sind Eigenkompositionen. Am Schluss interpretiert er das Halleluja von Leonard Cohen und nachher noch ein ganzes Pophit Medley. Das ist ein herrliches Instrumentalalbum, ohne Eintönigkeit, und dazu ein Örgeli Album ohne den Heimweh Sound.

Fredi Hallauer

CHAUFFEUR ET PARLAK

Album: „The Swamp“ (Mouthwatering Records)

Das Instrumentalduo aus dem Raum Zürich und Aargau präsentiert ihr drittes Album in drei Jahren. Es ist der Abschluss der Trilogie. Die beiden Multiinstrumentalisten haben sich auf ihre Wurzeln zurückbesonnen und spielen härtere Riffs. Trotzdem sind immer noch schöne Melodien zu hören. Die Musik ist cineastisch und lädt zu einem Kopfkino-Abend ein. Eine gewisse Gleichmässigkeit ist bei diesem Album ebenfalls auszumachen, und so macht sich vielleicht das Kopfkino plötzlich selbstständig. Ein gutes Album mit den Schwierigkeiten von Instrumentalalben.

Fredi Hallauer

MOON JUNIT

Album: „Nylon Memory“ (A Tree In A Field Records)

Der Gitarrist aus dem Jura nahm ein Soloalbum auf. Musikalisch unterstützt wurde er von Luzis Schuler auf ein paar Instrumenten. Neben der Gitarre ist der Computer mit Drum ziemlich präsent, aber auch die Natur, welche man dazu eingespielt hat. Es sind schöne Gitarrenklänge, aber die Musik verliert nach ein paar Stücken hintereinander hören, die Spannung, das Geheimnisvolle. Es ist Instrumentalmusik mit einer Ausnahme. Stilmässig sind diese Klänge schwierig einzuordnen. Es ist träumerische Musik, vielleicht cineastische Musik. Eignet sich als Loungemusik.

Fredi Hallauer

HEIDI HAPPY

Live:  „Christmas Tour“ in der La Cappella am 5. Dezember 2025

Bild Kathrin Hallauer

Heidi Happy wurde am Flügel und Backing Vocals begleitet von Ephrem Lüchinger. Sie starteten mit den amerikanischen Weihnachtsliedern. Sie sang sie gewohnt locker und leicht jazzig. Ephrem Lüchinger spielte das Klavier ebenso, und dazu noch recht unkonventionell. Doch bald kündigte sie an, dass diesmal nicht nur Weihnachtslieder zur Aufführung gelangten, sondern auch ihre grössten Hits.

Bild Kathrin Hallauer

Sie sangen dann zusammen ein Duett, welches Heidi Happy normalerweise mit Stephan Eicher singt. Ephrem Lüchinger war da aber nicht sattelfest. Überhaupt wirkte alkes etwas schlecht vorbereitet, die Noten waren nicht in der richtigen Reihenfolge und die Perkusdionsinstrumente am falschen Ort und noch mehr klappte nicht. Nach dreissig Minuten war bereits Pause.

Bild Kathrin Hallauer

Der zweite Teil dauerte rund 45 Minuten. Die Beiden waren etwas konzentrierter oder weniger nervös und Ephrem Lüchinger hat die fehlenden Noten gefunden. Das Reüerzätoire bestand aus mehr Weihnachtsliedern auch einer schönen Version von „Last Christmas“. Als letztes Lied im Programm sang HeidibHappy ein Weihnachtslied in Mundart, welches sie zusammen mit Michael von der Heide schrieb. Es folgten zwei Zugaben.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

DOM SWEDEN

EP: „Schattetanz“

Der Zürcher Mundartpopmusiker nahm vier Lieder auf. Sie handeln allesamt von gebrochener Liebe, vom Verlassenwerden und von der Frage: Was nachher? Musikalisch ist es Pop. Das Songwriting hat eine hohe Qualität zu den oben erwähnten Themen. Ein kleiner Wermutstropfen sind die künstlichen Ausflüge in die Kopfstimme, obwohl dies nach meiner Meinung nicht nötig wäre und die Melodie mehr Fluss hätte. Aber da Dom Sweden offenbar unter der zerbrochenen hörbar leidet, will er uns mitleiden lassen.

Fredi Hallauer

TINY SATELLITE

Album: „Your Smile Lives In Me“ (Irascible)

Tiny Satellite ist das Soloprojekt des Singer/Songwriters und Produzenten Giovanni Vicari aus Basel. Er präsentiert mit den Texten seine Zerbrechlichkeit und mehr aus seinem Seelenleben. Die Musik ist elektronisch bearbeiteter Folk, ohne Beats, und auch der Gesang hat Bearbeitungen erfahren. Es sind ästhetische Songs darunter. Besonders gefällt mir „Driving & Longing“, er könnte aus den 60gern sein. Ansonsten sind die Songs etwas gleichförmig.

Fredi Hallauer

BOXWELL

EP: „In Circles“ (A Tree In A Field Recordings)

Boxwell ist ein englisch-schweizerischer, in Zürich ansässiger Musiker. Dies ist ein Soloprojekt. Die Musik ist elektronisch und hat leichte Beats, dazu orgelähnliche Klänge und ein bisschen Space-Sound. Dazwischen spielt er Gitarre und es wird fast folkig. Die Songs, vorwiegend die Klänge, drehen sich wie im Kreis um den Gesang. Kammerpop, Elektrokammerpop sind vielleicht die Schubladen, wo man diese Musik einordnen kann. Es sind sehr sanfte Klänge und die Stimme klingt noch viel sanfter und erinnert an Folksongs der 60er. Dies ist eine spezielle Musikmischung, aber nicht uninteressant.

Fredi Hallauer

TENDER ENDER

Album: „Black Swan“ (A Tree In A Field Records)

Der Musiker Tender spielt Doomsday Pop, das bedeutet, seine Musik liegt zwischen den Taktstrichen kurz vorher und gerade nachher. Die Songs sind zynisch, kräftig und auch beruhigend. Mit seiner sonoren Stimme kann er die Stimmung gut herüberbringen. Er spielt Tasten, und Synthesizer und singt. Mit dabei sind ein Schlagzeuger und eine Sängerin. Das ist ganz spannende Musik, die Tender Ender hier spielt, und es lohnt sich, diesen Klängen zu lauschen. Viel mehr lässt sich dazu nicht schreiben, hören ist besser.

Fredi Hallauer

KimBo

Album: „Weg gah“ (Poplon Records)

KimBo ist im Tessin aufgewachsen und wurde in Zürich sozialisiert. So sind ihre Texte auf Mundart und Italienisch, manchmal abwechselnd im gleichen Lied. Sie rappt und singt, und ihr Stil bewegt sich von Hip-Hop zu Afrobeat, Reggaeton, Baile Funk, Soca und R&B. Produziert hat der Produzent von Loredana. Bei diesem Album geht nicht nur die Musik auf den Punkt, sondern auch die Texte. KimBo nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt ganz deutlich, was sie meint, da ist nichts Kryptisches. In einem Lied sagt sie: Wenn ich ja sage, ist ja, und wenn ich nein sage, ist nein, dann kannst du gehen. Ihr Albumtitel ist ein Wortspiel, da weg gah einerseits im Sinne von an einen anderen Ort, andererseits bedeutet es auch verlassen. Das sind tanzbare Songs, modern, jung, dynamisch, offen. Ein Album, das gut gefällt.

Fredi Hallauer

AMAYA GLOOR

EP: „Finished“ (Universal)

Der neue Stern am Schweizer Musikhimmel präsentiert ihre neue EP. Es sind wiederum internationale Popsongs, mit Soul und R’n’B Einflüssen. Ihre Stimme ist schlichtweg umwerfend, warm, voluminös, und sie geht direkt ins Herz. Die Produktion ist ebenfalls erste Sahne. Ihr offenbar wichtigster Song ist „Walk Alone“ und der ist stark, aber auch „Somebody Loves You“. Genial ist auch die Coverversion von Tina Turner „The Best“, sehr eigenständig und ebenso grossartig. Vielmehr kann man zu dieser EP nicht sagen, man kann sie nur geniessen und Amaya Gloor irgendwo live geniessen gehen.

Fredi Hallauer