DINO BRANDÃO

Album: „I Love You, I Leave You“ (Two Gentlemen)

Dino Brandão reiste nach Angola, um seinen Wurzeln näherzukommen. Das andere ist: Er hat eine bipolare Störung, oder wie man früher sagte, er ist manisch-depressiv. Daraus entstand ein Film mit dem gleichen Titel wie das Album . Das Album ist auch der Soundtrack zum Film. Nun verhält es sich mit diesem Album so wie mit fast allen Soundtracks: Es hat ein paar starke Songs/Lieder darauf, aber auch Klänge, die wahrscheinlich bestens in den Film passen, aber ohne Bild etwas schwierig sind. Dino Brandão singt auch das erstemal Portugiesisch, die Sprache, welche in Angola gesprochen wird. Dieses portugiesische Lied ist wunderschön. Beeindruckend ist auch „Gwunderfitz“. „Müed“ dauert über 12 Minuten und hat Soundtrackklänge dazwischen, ebenso „Ambient for Snitches“ mit 15 Minuten. Dies ist kein Album, das man sich so anhört, wahrscheinlich vertont es die bipolaren Störungen.

Fredi Hallauer

NADINE CARINA

Album: „The Blue Hour“ (A Tree In A Field Recording)

Nadine Carina ist nach einer Babypause zurück. Sie schrieb neue Lieder in den Tessiner Bergen. Ihre Musik ist weniger elektronisch, sondern mehr analog. Ukulele und Gitarre sind die hörbaren Instrumente, dazu elektronische Manipulationen. In den zehn Songs lebt sie die Ruhe, die Stimmung der Blauen Stunde, genau bevor die Sonne unter- oder aufgeht. Mir sind diese Lieder zu minimal und zu ruhig, zumindest wenn man das Album als Ganzes hört.

Fredi Hallauer

LOST IN LONA

Album: „The Killer“ (Mouthwatering Records)

Das Duo aus Basel und Zürich überzeugt weiterhin mit ihrer schönen und unkomplizierten Musik. Gitarren und schöne Stimme dominieren den Sound. Lost in Lona erzählen auf diesem Boden ihre Geschichten und da lohnt es sich hinzuhören. Indie Folk oder Singer/Songwriter könnten die Schubladen heissen, für diejenigen, welche eine brauchen. Vielleicht tönen viele Stücke etwas ähnlich, was aber bei dieser Schönheit nichts macht, und die Geschichte ist jeweils eine andere. Musik zum hinsetzen oder legen und einfach Zuhören.

Fredi Hallauer

MYRIA POFFET & MICHEL POFFET

Live: „Velvet Songbook“ in der La Cappella am 9. November 2025

Bild Kathrin Hallauer

Die Pianistin, Komponistin und Sängerin Myria Poffet und der Bassist Michel Poffet spielten dieses Programm als Duo, da der Schlagzeuger David Elias im September verstarb. Dieses Programm bestand aus Eigenkompositionen, mit einer Ausnahme. Die Songs handelten von vielen Lebensfragen, wie: Wie ist das wenn jemand alle Erinnerungen vergisst und die anderen sie noch haben, oder: Wer bin ich überhaupt in dieser Welt? Myria Poffet liess die Töne in wunderschönen Harmonien dahin perlen oder machte dazwischen wagemutige Tonkunststücke. Michel Poffet spielte ebenso schöne und warme Harmonien auf seinem Kontrabass, um dann im nächsten Stück wilde Tonsprünge und rasante Läufe zu spielen. Alles passte wunderbar und die beiden sind ein eingespieltes Team, wie es nicht viele gibt. Beide solierten: Myria Poffet mit dem Flügel und Gesang. Wunderbar war die Interpretation von „Simelibärg“. Ein gemütlicher Abend zwischen Jazz und Indie Jazz.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

MARK SLATE & ROTOSPHERE

Album: „Live“ (RocknHall Artist Services By Dixiefrog)

Rotosphere ist eine klassische Bluesband ohne Schnörkel und die haben schon viele internationale und nationale Bluessänger begleitet. Nun haben sie auch ihren eigenen Sänger, Mark Slate gefunden. Mit ihm zusammen nahmen sie diese zehn Songs live im Powerplay Studio auf. Herausgekommen ist wundervoller, warmer Blues, der direkt ins Herz trifft. Der satte Sound und der herrliche Groove machen Freude. Dazu kommt der Gesang von Mark Slate, mit einer charismatischen Stimme, die ganz genau zum Blues passt. Eine solide Bluesband mit Musik, die man immer wieder gerne hört.

Fredi Hallauer

LUUMU

Album: „S’Goldige Rad“

Luumu ist eine Formation um die Pianistin, Sängerin und Komponistin Adina Friis. Die Formation gibt es in immer wieder neuer Besetzung seit einigen Jahren, aber dies ist das erste Album in Mundart. Luumu spielte ursprünglich Jazz und jetzt ist es Kammerpop, Folk und noch einiges an Jazz. Die Musik ist genial, mit Streichern und Bläsern angereichert, aber auch sattem Bass und solidem Schlagzeug. Gerade dem Schlagzeug merkt man den Jazz immer wieder an und natürlich den Kompositionen. Gerade die Disharmonien in den Liedern, machen sie etwas sperriger. Die Texte erzählen Geschichten aus dem Leben, sind Poesie, trotzdem holpern sie in dieser Singform hier und dort. Diese Lieder schmeicheln sich bisher nicht in meine Ohren, obwohl die Musik es tut.

Fredi Hallauer

LIA SELLS FISH

Album: „The Heart Thea Heart The Heart“ (liasellsfish@gmail.com)

Lia Sells Fish sind die Sängerin, Texterin und Komponistin Christine Hasler, der Schlagzeuger Pascal Lüthi, der Keyboarder Ueli Kempter und der Gitarrist und Bassklarinettist Stefan Schischkanov. Sie machen Musik zwischen allen Stilen, oft wird das Alternativ genannt. Es gibt da Postrock, Indie, Jazz, TripHop und Pop, welche unter anderem einfliessen. Im Vordergrund ist immer die Stimme von Christine Hasler, einmal ruhiger und wärmer, dann wieder schriller und gehetzt. Sie singt von Liebe, Erschöpfung, Freiheit und Neuanfängen. Die Musiker erzeugen die passenden Klänge, jeder auf seine Art und das ergibt den Lia Sells Fish Klang. Dies ist eine kreative und erfrischende Band, welche immer noch für die meisten Menschen ein Genuss ist.

Fredi Hallauer

LENA-LISA

EP: „Farbe“

Dies ist die erste EP in Mundart der Schweiz – Deutschen Sängerin. Sie wuchs in Luzern auf und lebt seit acht Jahren in Berlin. Sie spielt Musik zwischen Indie Folk und Indie Pop. Es sind wunderschöne Melodien. Die Texte reflektieren das Leben einer jungen Frau, die Zweifel und die Stärke und viel Liebe. Die Lieder klingen sehr ehrlich und kommen ohne Kitsch und Romantik aus. Hoffen wir, dass es bald mehr von Lena-Lisa zu hören gibt.

Fredi Hallauer

VIERTAKTMOTOR & MYSLAURE AUGUSTIN

Live: „Gränzgängig“ in der Aula des Progr Bern am 6. November 2025

Bild Kathrin Hallauer

Dies war das vierte Konzert dieses Jahres im Format Gränzgängig. Viertaktmotor luden dieses Mal Myslaure Augustin ein, eine Pianistin aus der Sparte Jazz, Avantgarde, aber auch Musik aus anderen Kulturen. Zuerst spielte das Quartett, das immer wieder gern, gehörte Stück „Ändler“, dann sass Myslaure Augustin an das Klavier und sie spielten ein weiteres Stück von Viertaktmotor, nämlich „Wyter“. Die Pianistin fügte sich sogleich in das Quartett ein und spielte virtuos, konnte aber bei den Schweizer Volksmusik Teilen so richtig Gas geben und sehr lüpfig spielen.

Bild Kathrin Hallauer

Weiter ging es mit einem Stück von Myslaure Augustin, das aus dem Jazz und der Avantgarde kam. Hier passten die fünf Musiker:innen wiederum bestens zusammen. So ging es eine Stunde lang. Von Myslaure war auch eine Ballade dabei.

Bild Kathrin Hallauer

Als Zugabe spielten der Akkordeonist Kaspar Eggimann und Myslaure Augustin ein vierhändiges Stück am Flügel, wobei sie immer wieder die Seiten wechselten. Dieser Gränzgängig Abend war wiederum spannend, interessant und ein Hochgenuss.

Bild Kathrin Hallauer

Nicht verpassen: 18.12.2025 mit Überraschungsgast, 20 Uhr Aula Progr. Kollekte

Fredi Hallauer

BATBAIT

Album: „Working In The Garden“ (Irascible Records)

Diese Frauenband tut genau das, was der Albumtitel sagt: Im Garten arbeiten. Der gemeinte Garten ist nicht vor allem der vor dem Haus, nein, vielmehr der innere Garten. Dort gibt es einiges zu tun. Sie tun das mit meist kräftiger Musik. Die Stilrichtungen sind vielseitig, von Wave zu Postpunk, etwas Shoegaze, Rock und was es gerade benötigt. Das ist eindringlicher Sound mit Stimmen, welche unter die Haut gehen.

Fredi Hallauer

ELE A

Album: „Pixel“ (Universal Music)

Die Tessiner Rapperin präsentiert mit „Pixel“ ihr Debütalbum. Sie rappt italienisch. Ele A rappt über einen Beat, welcher an Old School erinnert und doch auch zeitgemäss ist. Man hört neben den Beats auch Gitarren und Klaviere. Sie rappt mit einer warmen und atmosphärischen Stimme und dazwischen singt sie auch, und das hervorragend. Ihre Themen wie Herkunft, Emotionen, Verletzlichkeit und Stärke bringt sie sehr deutlich mit ihrer Bildsprache zum Publikum. Ele A ist eine sehr coole Rapperin. Sicher wird man noch viel von ihr hören.

Fredi Hallauer

MUSIQUE SIMILI

Live: Premiere „Viva La Luna!“ La Cappella am 4. November 2025

Bild Kathrin Hallauer

Es war Vollmond und darum fand in der La Cappella ein Vollmondkonzert statt und diese Premiere von Musique Simili passte da bestens.

Bild Kathrin Hallauer

Neben dem grossen Mond über der Bühne hatte Musique Simili noch einen Mond auf der Bühne, welcher auch als Schirm für Schattentheater diente.

Die Gruppe setzt sich aktuell aus Marc Hänsenberger am Akkordeon und am Piano, Juliette Du Pasquier, an der Geige, Bratsche, Kontrabass, Bouzouki, Gesang und Schattenspiel sowie der quirligen Vicky Papailieu am Kontrabass, an der Gitarre, am Gesang und an der Perkussion, zusammen. Sie erzählten vom Mond, von der ersten Mondlandung, von der Erfindung des Croissants, von Liebe im Mondschein und vielem mehr – mit ihren Liedern in vielen Sprachen, mit den Melodien, dem Schattenspiel und in Worten.

Bild Kathrin Hallauer

Gesungen wurde Italienisch, Spanisch, Französisch, Deutsch, Englisch, Griechisch, Bulgarisch und Sephardisch, wahrscheinlich waren es sogar noch mehr Sprachen. Das Konzert war sehr lebendig, abwechslungsreich, witzig, romantisch, feurig und unterhaltend. Man lernte auch dies und das, unter anderem, dass das Lied von Edith Piaf „Padam Padam“ die Melodie von einem argentinischen Lied hat. Es war erstaunlich, wieviele Ideen die Gruppe auf die Bühne brachte, wieviel Spielwitz und Virtuosität sie hatte, da blieb einem manchmal einfach der Mund offen. Es war ein grossartiges Konzert. Mit diesem Programm wird Musique Simili weiter auf Tour sein. Nicht verpassen.

Bilder Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

STEINER & MADLEINA

Live: Bierhübeli am 1. November 2025

Bild Fredi Hallauer

Die beiden Frauen waren nicht nur mit ihrer ursprünglichen Band, Gitarre, Bass und Schlagzeug unterwegs, sondern mit eiem Streichtrio dazu. Die Streicherinnen übernahmen auch Backings, Perkussion und die Tasten. Das neue Album erscheint erst in etwa einer Woche, doch Steiner & Madleina spielten alle neuen Songs, dazu kamen einige ihrer Evergreens. Das Duo mit Band ist seit zehn Jahren unterwegs. Das Konzert war soundmässig sehr abwechslungsreich. Manchmal wenn sie aufdrehten litt der Sound an Transparenz. Stilmässig bewgten sie sich im Indiepop, zwischen Chanson, Pop, Rock und sogar Postpunk. Es bleibt nur zu sagen, das war ein unaufgeregtes, grossartiges Konzert.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

VERONICA FUSARO

Album: „Looking For Connection“ (deepdive records)

Veronica Fusaro geht mit ihrem Album wieder einen Schritt weiter. Die Thunerin produzierte dieses Album zwischen Bern und Berlin. Es sind treibende Songs zwischen Pop, Rock und Soul. Ihr Schwergewicht liegt dieses Mal mehr auf dem Gesang als auf der Gitarre, aber Gitarre gibt es trotzdem noch genug zu hören. „Alice“ sticht aus den zehn Songs heraus, eine wunderschöne, moderne Soulnummer. Veronica Fusaro zeigt hier, dass sie eine ausgezeichnete Soulsängerin ist. Die Inhalte der Lieder drehen sich sowohl um Persönliches als auch um Universales. Ein Grundtenor ist die Vernetzung, also in den sozialen Netzwerken präsent zu sein, aber gerade so gerne menschliche Nähe zu spüren. Veronica Fusaro ist hier ein wundervolles Album gelungen.

Fredi Hallauer

SILANCE

EP: „Patti Person“ (Irascible)

Die Künstlerin aus Lausanne war bisher eher im Rap zu Hause. Nun wechselte sie zum Pop. Ihre Songs sind im Elektropop verankert, aber doch noch mit einer Prise Hiphop versehen. Sie lässt es musikalisch und beatmässig ziemlich uptempo und wild angehen. Ihre Stimme verändert sie elektronisch in den Songs immer wieder, plötzlich flirrt sie durch den Sound und dann steht sie wieder mit beiden Beinen auf dem Teppich der Beats. Silance singt französisch und bei einem Song ist als featuring Gast Albert Chinot, dabei. Tolle Pop-EP mit sechs Songs.

Fredi Hallauer