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Der Singer/Songwriter aus der Schweiz veröffentlichte das langersehnte dritte Album. Musikalisch ist es Singer/Songwriter, mal mit hauptsächlich Gitarre, ein andermal mit noch Bass und Schlagzeug oder einem anderen Instrument dabei. Der Backgroundchor gehört natürlich auch dazu. Tobias Carshey ist bekannt für seine offenen und direkten Texte. Inhaltlich sind sie vielleicht etwas düster, sowie die Weltlage. Genau darüber singt er und die Gefühle, welche diese in uns auslösen. Musik und Gesang sind luftig und leicht, aber die Inhalte können bedrücken. Ein wichtiges Album zum Zuhören. Tobias Carshey singt gutes und verständliches Englisch.
Die französisch singende Sängerin aus der Schweiz setzt sich auf ihrer neuen EP mit dem Körper auseinander. Das erste Lied singt sie spanisch, sonst französisch. Die zentralen Fragen der Texte sind: Wie reagiert mein Körper auf die Umwelt, auf Gerüche, auf ein Gegenüber und mehr von solchen Fragen. Musikalisch ist es eine Mischung aus Pop, Alternativ und weiteren Stilen, welche gerade zum entsprechenden Lied passen. Vier Lieder, die es in sich haben. Kein Mainstream, aber viel besser.
Live: „Jahreszyte Tour“ im Kursaal Bern am 2. März 2025; 19 Uhr
Bild Kathrin Hallauer
Der Popmännerchor sang an diesem Tag bereits das zweite, ausverkaufte Konzert, er war also in Topform. Das Repertoire umfasste Lieder aus dem neuen Album und aus den früheren Alben. Die ganze Show war wirklich neu, ein paar Bilder oder Hintergrundfilme gehören einfach zum entsprechenden Song und die sah man wieder. Das Gesangskonzept wurde ebenfalls etwas geändert, und zwar positiv. Nicht jedes Lied hatte den Hintergrundjodel, einige Lieder hatten einfach einen oder zwei Sänger und der Hintergrund wurde sehr dezent harmonisch begleitet. Die Band war super und gab den Männern den nötigen Drive. Das Auftreten der Sänger war stark, ehrlich und sympathisch. Keiner stellte sich zu stark in den Vordergrund, der Gesamtauftritt war ausgeglichener. Als Zugabe sangen sie natürlich „Rosmarie“, ein beliebtes, aber auch schönes Lied. Dieses Konzert liess einem wirklich den Alltag für zwei Stunden vergessen. Die Menschen klatschten, feierten und tanzten am Schluss sogar.
Album: „Old Sun, New Horizon“ (Mouthwatering Records)
Der Zürcher Singer/Songwriter präsentiert sein viertes Album. Seine Songs sind feine Songs mit wunderschöner akustischer Gitarre. Bei einem Teil der Songs ist eine Band mit dabei, welche sich aber gut im Hintergrund hält, sodass der Gesang wirklich zur Geltung kommt. Die E-Gitarre passt hervorragend zu der akustischen Gitarre in diesen Songs. Die Musik pendelt zwischen Folk, Indie Folk und Americana. Long Tall Jefferson singt hoffnungsvolle Lieder zwischen sonnigem und wolkigem Wetter, von der Stimmung her.
Um diese Musik zu geniessen, braucht es keine Erklärungen und zu sagen, es ist Musik zwischen Volksmusik und Klassik, hilft auch nicht wirklich weiter. Darum hier ein paar Erläuterungen. Die Kapelle Nogler gab es einmal in Ardez im Engadin und sie spielte Engadiner Volksmusik mit Violine, Viola, Klarinette und Kontrabass und genau diese vier Instrumente spielt die heutige Kapelle Nogler wieder. Es sind Musiker:innen, welche sich aus dem Umfeld des Zürcher Tonhalle-Orchesters und der neuen Volksmusik zusammengetan haben. Dazu kommt, dass die Geigerin aus der traditionellen Appenzeller Streichmusik Tradition kommt und auch Jodeln kann. Nun zur Musik. Die Engadiner Musik gelangte mit den Zuckerbäckern auch nach Siena, das war um 1830. Dort gefiel sie Rinaldo Franci notiert und arrangiert, natürlich im klassischen Stil. Die heutige Kapelle Nogler nahm die heimatlose Musik wieder zurück in die Schweiz und interpretiert sie wieder in einem Volksmusikstil. Das Repertoire umfasst aber auch heimische Klänge aus dem Appenzell, einen Choral aus der Surselva oder Eigenkompositionen. Eine Eigenkomposition ist sehr spannend. Der Komponist überlegte sich, ob Beethoven sich für die 5. Symphonie von der Schweizer Volksmusik inspirieren lies. So lässt der Komponist Beethoven in seine Tänze einfliessen. Das ist ein Album mit wunderschöner Musik zum Hören und Geniessen.
Die in Bern lebende Churer Sängerin und Songschreiberin veröffentlichte ihr viertes Soloalbum. Dieses Mal sind alle Songs englisch. Es ist ein Album voller moderner Popmusik mit viel Discoflair, dazwischen schöne Balladen. Über allem klingt die vielseitige, wunderschöne Stimme von Nyna Dubois. In den verschiedenen Stilen kann sie ihren Gesang unterschiedlich einsetzen, und immer ist er wunderbar. Sie singt von ihrem Inneren, welches manchmal ein Chaos ist, und gleichzeitig kann man die Texte auch auf die Gesellschaft und die Welt beziehen. Ein Album zum Tanzen und Träumen.
Palinstar veröffentlicht mit diesem Album ihr Debütalbum. Die Singer/Songwriterin bildete eine Band um sich, manchmal mit zwei rumpeligen Schlagzeugen, aber auch wieder mit verzerrten Gitarren, Harp und viel Keyboard. Sie spielen zwischen Indie und Americana, ich würde dem Indie-Americana sagen. Das auffallende an dieser Sängerin ist ihre warme, sinnliche Stimme, ohne künstlich zu hauchen, nein sie schafft die Sinnlichkeit beim richtigen Singen. Die Songs sind sehr unterschiedlich, aber durchwegs schön. Oft entwickeln sich die Songs im Laufe der Zeit und steigern sich musikalisch bis fast zur Explosion, andere enden aber auch wieder ruhig. Palinstar unbedingt auf dem Schirm behalten.
Die Band besteht um den Drummer, Singer/Songwriter und Produzenten Nick Furrer. Sie loten neue Gebiete im Bereich Pop aus. Es ist eher introvertierte Musik und etwas sperrig. Da gibt es spannende Gitarrenklänge fern von allem Mainstream, reibende Harmonien der Instrumente und auch rhythmisch holpert und stolpert es so richtig. Der Gesang ist ebenfalls eher ungewohnt. Das Album hat viele Facetten und kann als Patchwork-Album bezeichnet werden. Diese Klänge eröffnen sich einem nicht beim ersten Mal hören und sie werden immer besser.
Dieses Album ist purer Jazz und das noch vom Feinsten. Zwei Schweizer und zwei Deutsche füllen den Raum mit Musik, genauer gesagt sie machen die Töne und Klänge erlebbar, welche wahrscheinlich im Raum schweben. Samuel Blaser spielt die Posaune und für ein Stück setzt er sich selbst ans Klavier; Peter Bockius entlockt dem Bass wundervolle Töne, Lucien Bovet musiziert mit dem Schlagzeug und Tilman Günther macht die Brücke am Piano zwischen Rhythmus und Melodie. Das ist Musik zum Zuhören, mit vielen Nuancen und Tönen, die man nicht beim ersten Mal hören entdeckt. Wer sich dieses Album öfter anhört, hört sicher nicht jedes Mal genau dasselbe, je nach der eigenen Stimmung, in der man sich befindet. Die Posaune strahlt Wärme und Ruhe aus, das Schlagzeug spinnt filigrane Muster zwischen der Posaune und dem melodischen Piano. Der Bass überrascht immer wieder mit Figuren und Tönen, welche man in diesem Moment nicht erwartet. Starker Contemporary Jazz.
Diese Formation mit Emmentaler Liedern und Tänzen begeisterte das Publikum sofort. Die Besetzung ist eine Emmentaler-Streichmusik mit Hackbrett, Geige und Bassgeige. Für das Bühnenprogramm kommt noch ein Perkussionist und eine Sängerin dazu.
Bild Kathrin Hallauer
Alle Musiker:innen spielten sehr virtuos und hatten auch musikalischen Spielwitz. Das Programm beinhaltete Lieder aus dem Emmental, die teils bekannt sind und teils weniger. Da gab es natürlich einige sogenannte erdenschöne Lieder wie „Dr Truberbueb“ oder „Abestärn“, aber die Gruppe verstand es, diese Melodien zu modernisieren, ohne sie zu entfremden. Zwei Jodellieder von Jakob Hummel waren auch im Repertoire und dazu erzählte die Sängerin, dass man Jakob Hummel einmal gefragt habe, ob man seine Lieder verändern, modernisieren darf. Seine Antwort war: „Brauchtum ist zum Brauchen da.“ Friya modernisierte also auch diese Lieder im Rhythmus und manchmal in den Harmonien. Spannend waren die Lieder über den Teufel, der Seelen suchte im Emmental, dann aber unverrichteter Dinge wieder weiterziehen musste, da die Emmentaler entweder „chäch“ oder schlau waren und so der Teufel im katholischen Entlebuch fündig wurde. Dazwischen spielten sie immer wieder Tanzstücke, welche sie normalerweise in der Trio-Formation spielen. Als Zugabe gab es einen „Schlungg“, das typische Abschlussstück eines Tanzabends. Alle Musiker:Innen brillierten auf ihren Instrumenten, der Perkussionist setzte auch das „Dängele“ und das „Bäsele“ ein.
Bild Kathrin Hallauer
Die Sängerin sang mal fein, und zärtlich, ein andermal fauchte und kratzte sie und natürlich setzte sie auch alle Register dazwischen ein.
Bild Kathrin Hallauer
Die Namen hinter der Band sind Anna Katharina Hewer an der Bassgeige, Hannes Boss am Hackbrett, Daniela Mathieu an der Geige, Benedikt Utzinger an der Perkussion und Martina Lory am Gesang. Dies war ein wundervolles Konzert und ein sehr unterhaltender und lehrreicher Abend.
Dies ist das siebte Soloalbum von Marc Sway. Wie es der Titel sagt, spürt er seinen Wurzeln nach, welche in Brasilien und in der Schweiz liegen. So singt er neben englisch auf dem Album immer wieder brasilianisch. Musikalisch verbindet er Gesang mit Rhythmus und modernen elektronischen Einflüssen. Es ist sehr geschickt gemacht und stört einander überhaupt nicht, im Gegenteil ergänzt es und unterstützt sich. Marc Sway hat einige Gäste eingeladen. Im Song „Colorblind“ sind die Sunsite-Jodler Sörenberg zu hören. Sie legen einen schönen Gesangsteppich aus, Marc Sway singt darüber und ein dezentes Piano kommt noch dazu, das ist alles und wunderschön. In einem anderen Song singt er ein Duett mit Naomi Ayleen. Beim titelgebenden Song „Roots“ sucht Marc Sway zusammen mit Stefanie Heinzmann die Wurzeln, er seine und sie ihre, es passt aber zusammen. Marc Sway hat ein schönes, wegweisendes und solides Album am Start.
Der Produzent aus der französischen Schweiz hat ein neues „Solo“Album produziert. Solo steht in Anführungs- und Schlusszeichen, da natürlich bei einem Produzenten meistens einige Leute, featuring Gäste sind oder sonst einfach dabei. So arbeitet FlexFab auf diesem Album mit der Rapperin Sasha Witt aus Venezuela, dem Schweizer Rapper Manu Kann, der britischen Sängerin Kate Wild, einem kenianischen Ambient Innovator und einem nigerianischen Chor. So sind ganz verschiedene urbane Sounds entstanden zwischen Ambient, Rap, Hip-Hop, Elektro, mit den verschiedensten kulturellen Einflüssen. Vierzehn Titel voller Überraschungen.
Die Familienmusik ist seit vielen Jahren unterwegs, auch immer wieder mit einem neuen Album. Nun ist es wieder so weit. Dreizehn Stücke haben die sechs Musiker:innen aufgenommen. Selbstverständlich hört man Melanie Oesch auch Jodeln. Beim Schreiben waren vorwiegend Melanie Oesch und Hansueli Oesch zuständig. Da und dort haben auch noch andere Leute mitgeholfen. Ein Lied ist englisch und ein Cover von Hank Cochran, dem Countrymusiker. Ein Lied ist französisch und eines gibt es sowohl auf Mundart als auch auf Deutsch. Musikalisch ist alles handgemachte Musik, wie es der Albumtitel sagt. Stilmässig pendeln sie zwischen Volksmusik, volkstümlichem Schlager und Skihüttenparty. Die Kompositionen sind interessant, die Texte sind aber nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Ein Album für die Unterhaltung.
Live: Werkstattkonzert im L’Ovestino Bern am 3. Februar 2025
Bild Fredi Hallauer
In dem neuen Lokal in Bern finden am Montag immer wieder kleine und feine Jazzkonzerte statt. Am 3. Februar spielte das Akku Quintet. Schlagzeug, Gitarre, E-Bass, Piano, Electronica und Saxophon wurden gehandhabt. Die Musik war sehr stimmungsvoll, manchmal sphärisch, dann wieder real und erdig, da ging es in die Tiefsee und dort in die Lüfte. Musik für das Kopfkino, aber Achtung, die Musiker:innen setzten manchmal harte Schnitte ein. Oft wurde mit Mustern gearbeitet, jedes Instrument ein anderes Pattern, welche zusammenpassten. Manchmal übernahm ein Instrument plötzlich eine Melodie, oder sie glitten alle Richtung Freejazz. Das war sehr spannend, auch was die Band den Instrumenten alles für unkonventionelle Töne entlockten. Neben den Stücken vom letzten Album, gab es auch Werkstatt- oder Laborstücke, welche noch in Arbeit sind, aber an diesem Abend in dieser Form gespielt wurden. Das war ein spannender, interessanter und schöner Montag Konzertabend.
Pegasus hat ein neues Album veröffentlicht. Wie man es von Pegasus gewohnt ist, klingt diese Musik gut und viele Stadionhymnen sind zu hören. Auf das erste Hören ist es einfach Pegasus, mit grossen Melodien, schönem Gesang und guter Arbeit an den Instrumenten. Wer aber genauer hinhört, oder beim mehrmaligen Hören, bemerkt man viele feine Nuancen. Da sind viele kleine musikalische Feinheiten eingeflossen, Spielereien, Auflockerungen, herrliche Übergänge. Der erste Song tönt schon mal verschieden von den anderen Songs, eigentlich fast ein A cappella Song, aber instrumentiert. „Better Now“ könnte von einem Album von Crosby, Still, Nash and Young, stammen. „My Love“ ist ein Duett mit Stefanie Heinzmann mit hohem Niveau. So könnte man noch mehrere Songs herausheben. Pegasus hat auch mit diesem Album wieder einen grossen Wurf gemacht.