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Dejan ist eine international besetzte Band mit der schweizerisch argentinischen Sängerin Joana Elena Obieta, welche zur Hälfte in der Schweiz lebt. Mit dazu gehören der kubanische Meisterperkussionist Keisel Jiménez, dem aserbaidschanisch-ukrainischen Bassisten Han Beyli, dem japanischen Perkussionist Kan Yanabe und kubanischen Pianisten und Komponisten Aníbal Cruz, welcher die Formation auch leitet. Sie lernten sich an der Berkley Universität kennen. Musikalisch ist da viel Latin dabei und Joana Elena singt viel spanisch, aber plötzlich singt sie ein Lied auf Mundart, nämlich „Schwiizer Glück“ und ein andermal begrüsst sie in Mundart ihr neugeborenes Gottenkind. Aber auch das orientalische klingt rhythmisch an. Überhaupt, das ist pure Weltmusik, was da alles zu hören ist, zwischen den grossen Linien. Die Band spielt kraftvoll und hat einen tollen Groove.
Max Berend nahm ein schönes Album auf, ein Poesiealbum. Sechs Mundartlieder mit 23 Minuten Spieldauer voller textlicher Intensität. Das erste Lied singt er zusammen mit Lily Claire, sie singt französisch, er Mundart. „Lampedusa“ handelt vom Flüchtlingselend, einfach etwas poetischer formuliert. „Papa“ ist eine Versöhnung mit dem Vater und „Lah mi“ eine Art Testament. Max Berend erzählt Geschichten, ehrliche Geschichten in bester Singer/Songwriter-Art. Musikalisch ist er und seine hervorragende Band im Indie Folk und Pop einzuordnen. Wunderschöne Klavierpassagen und Perkussion sind das besondere an diesen Klängen.
Album: „Freiheit – Wie ne Schmätterling im Wind“ (iMusician/Intermusic)
Hugo ist ein Mundartliedermacher im Pop-Stil. Die Musik ist handgemacht und einfach besetzt mit Gitarren, Bass und Schlagzeug. Die Backgroundsängerin tritt zwischendurch auch solistisch in Aktion, aber ihr Harmoniegesang ist ebenfalls wunderschön. Seine Lieder erzählen vom Leben, der Kraft des Wassers, der Freiheit, dem Glück, sind auch tiefgründiger, wenn sie von Kindesmissbrauch und der Schuldfrage erzählen. Hugo versteht es auf seine eigene Art, Texte zu schreiben, ohne mit dem Finger zu zeigen. Er hat eine eigene Art zu phrasieren und zu singen, welche eingängig ist, nie aber eine Kopie von irgendwem. Die Intonation hat manchmal noch Luft nach oben. Er sagt selbst: „Meine Lieder machen die Welt nicht besser, vielleicht aber farbiger.“
Der Musiker Martin Schaffer hat ein ganzes Album mit Mundartliedern aufgenommen. Er kommt aus Olten. Die Musiker stammen aus Nashville. Es ist ein Gitarrist und Bassist, ein Geiger und Mandolinenspieler und ein Schlagzeuger. Das ergibt einen folkigen Country style. Als Backgroundsänger:innen sind zwei Frauen und ein Mann aus der Schweiz mit dabei. Zu diesem tollen Sound singt er Mundart, und zwar Texte, die es in sich haben. „Una Canzone Della Lotta“ ist zwar italienisch, das ist aber der einzige nicht Mundartsatz in diesem Lied. Er singt von dem Gefühl, in der falschen Zeit zu sein, oder im Titellied von denen, die meinen, alle gute Musik sei, bereits geschrieben worden. Ein hervorragendes Lied und eine Art Grabgesang ist „Gleis 13“, über das Oltner Bahnhofrestaurant Gleis 13, welches eine ungewisse Zukunft hat. Dort waren Grossmäuler nicht gerne gesehen. Es ist aber auch ein Lied vom Ende, auch von den einzelnen Menschen. Es lohnt sich bei den Liedern, genau auf den Text zu hören. Ein Album für alle Bestenlisten.
Album: „Volksmusig – On The Rocks“ (iGroove Music)
Miss Helvetia kommt aus dem Diemtigtal, sie jodelt und spielt Schwyzerörgeli. Dazu hat sie eine Band mit Rockmusik und Volksmusik-Instrumenten. Miss Helvetia ist eigenständig, sie eifert weder anderen Frauen oder Männern nah, welche ein ähnliches Konzept haben. Die Musik ist fetzig, hat Power und geht richtig ab, dazu die Stimme, so richtig präsent. Singen und Jodeln kann sie gut, auch das Schwyzerörgeli spielen, mit den Texten ist es nicht immer so gelungen. Ein Teil der Texte erzählt von der Party und macht Stimmung, ok. Dann gibt es doch auch etwas schwächere Texte und sehr Schlager ähnliche Lieder. Gut gefällt „Schnuderwibli“, wo von den aufmüpfigen Frauen gesungen wird. Ein Teil der Lieder sind bestehende wie „Gilberte De Courgenay“, welches sie leider viel zu dramatisch singt. Gut gelungen ist hingegen „Wenn die wilde Chirschböim blüje“ ein Jodellied von Jakob Ummel. Dieses Album eignet sich gut für eine Party, wenn auch volkstümlicher Rock gefragt ist.
Das Trio Port Polar versteht es einmal mehr, tiefgründige Themen in Texte zu fassen und dazu eine vielseitige moderne Popmusik zu machen. Das zentrale Lied ist sicher „Keis Amen“, wo es ums sterben geht, die Hoffnungslosigkeit, wenn ein Mensch geht und dann doch die Hoffnung, dass man sich an einem anderen Ort wieder sieht. „S git doch ke Himmel, aber für dich glaub i dra“ ist ein zentraler Satz. Andere Lieder handeln von der Selbstfindung in der Partnerschaft oder dem sich verfahren zu zweit an einem fremden Ort. Zum Schluss ein fast sommerliches Lied über Vorurteile. Port Polar sind aus der Schweizer Mundartszene nicht mehr wegzudenken.
Da ist Mary B. Good ein ganz tolles Album gelungen und erst noch ihr Debüt Album. Musikalisch spielt sie mit aufmüpfigem Rockabilly herum und dann wieder mit tiefgründigem und ruhigen Americana. Alles irgendwo zwischen Rockabilly und Folk. Das Besondere daran ist, sie singt in St. Galler Mundart. Andere Musiker:innen aus St. Gallen, antworten immer auf die Frage, wieso sie nicht Mundart singen, weil es in diesem Dialekt nicht schön tönt. Mitnichten, Mary B. Good beweist das Gegenteil. Vielleicht ist der Albumtitel wirklich Programm. Sie ist sicher nicht Psycho, aber sehr eigenständig, schräg und wieder sehr ruhig. Sie singt über ihre Pünktlichkeit (oder eben nicht), aber auch vom endgültigen Abschiednehmen, von ihrem Versagen und Hilfe, die sie benötigt und vielem mehr. Diese Offenheit, diese Mischung gefällt mir wahnsinnig gut, einerseits rockt sie, um einem dann wieder nachdenklich zu stimmen. Bravo, Mary B. Good.
Die Afro-Zürcherin brilliert mit einer starken EP. Toller moderner, urbaner Afrobeat, starker Gesang und Texte die gehört werden wollen zeichnen die sechs Songs aus. Sie singt vor allem Mundart, aber auch französisch und in einer afrikanischen Sprache und das meistens in einem Song gleichzeitig. Die Songs Inhalte erzählen aus ihrem Leben als Single Mutter, oder ihre positiven Veränderungen, von Einflüssen Anderer auf sie. Richtig aufgestellte Texte mit Tiefgang und Reife. Das tolle an dieser EP ist, dass alle Songs tanzbar sind. Eine Sängerin welche man auf dem Radar haben muss.
Die junge Luzernerin mischt mit diesem Album, was eher eine EP ist, die Mundart Reggaeszene auf. Das Album besteht aus sechs Liedern und einem Shift und dauert 19 Minuten. Eigentlich ist das egal, aber Carmabylon fasziniert so mit ihren Texten, dass man gerne noch mehr gehabt hätte. Die Texte sind jung, weiblich, frisch, humorvoll und kritisch. Wer es schafft politische und feministische Botschaften so locker herüberzubringen hat viel gewonnen. Die Musik ist tanzbar mit lüpfigen Beats und urbanem Sound. Tolle Musik. Carmabylon sollten alle auf den Radar nehmen.
Beim neuen Album von Dabu Fantastic geht es um Liebe, um Zweierbeziehung, um Umarmungen, und Daheim sein und ganz am Anfang um Trennung. Die Musik ist vielleicht etwas romantischer als auf den früheren Alben, aber fast immer tanzbar oder einfach wunderschön. Die Arrangements sind sehr gelungen, da eine Pianoballade, dort ein Cello oder sogar eine ganze Blaskapelle, nämlich Traktorkestar. Man hat es überall gehört und gelesen, Dabu hat eine neue Liebe und lebt jetzt in Bern, also auch ein neues Zuhause, diese Umstände prägen die Texte. Aber auch da schafft es Dabu, die Lyrik gut auf den Punkt zu bringen. Im Titellied geht es um die Verabschiedung, bzw. die Frage, wie man sich trennt. Darauf folgt die Liebeserklärung mit dem Lied „Aline“. Es gibt zwei wunderschöne Duette zu hören, nämlich mit Riana und mit Dana. Wieder ein sehr starker Text ist mit „Nachem Chrieg“ gelungen, da wird der Krieg sehr emotional behandelt und das Lied geht unter die Haut. Das Traktorkestar mit den getragenen Bläserklängen trägt das seine dazu bei. „Mis Dihei“ schildert hervorragend, wo man zu Hause ist. In „Frei sii“ behandelt Dabu das vermeintliche Frei sein versus einer Bindung, was aber ebenso frei sein bedeuten kann. Die Band, allen voran DJ Art trägt natürlich zur musikalischen Umsetzung sehr viel bei und so ist Dabu Fantastic wiederum ein starkes Album gelungen.
Der Berner Edb veröffentlichte seine erste EP mit Mundarttexten. Er ist ein junger Erwachsener und singt von diesem Übergang zwischen Jugendlich und Erwachsen sein. Die Musik ist Pop mit oft tanzbaren Rhythmen und im Hintergrund gibt es immer wieder kommentierende Stimmen. Seine Texte sind spannende Überlegungen, aber manchmal auch noch sehr jugendlich. Edb ist ein Newcomer den man auf dem Radar haben muss und man darf auf mehr gespannt sein.
Die 5. Staffel der Sendung Sing meinen Song, das Schweizer Tauschkonzert ist im TV bereits Geschichte. Nun bleibt ein dreifaches Album mit allen Tauschsongs und den Duetten. Dieses Werk lohnt es sich anzuhören, auch wenn man die Sendungen nicht gesehen hat, oder sonst als Erinnerung. Zu hören ist breit gefächerte tolle Musik mit hervorragenden Künstler:innen und einer ebensolchen Band. Der Host ist Dodo, der Tausendsassa. Die Künstler:innen sind die beiden Stimmenschwergewichte Marc Sway und Marius Bear, Eliane, die Sängerin, welche mit ihren Pianoballaden bekannt geworden ist, Tausendsassa Nemo, die noch unbekannte, aber sehr überraschende Cachita und der Schlagerstar Vincent Gross. Marc Sway und Marius Bear, kommen beide sehr stark daher und vielseitig. Sie singen nicht nur gut, sondern sie schaffen es, aus guten Songs noch „gutere“ Songs zu machen und oft auch mit starken Aussagen. Nemo ist wirklich ein Tausendsassa. Nemo singt alles, von 20er-Swing bis Hip-Hop, von Balladen bis zu Tanznummern, singt tief und hoch, rappt dazwischen und das alles mit einer Leichtigkeit. Cachita, die junge Zürcherin mit kubanischen Wurzeln überzeugt mit ihren Songs zwischen Mundart und spanisch, mal eine laszive Latinnummer, dann wieder rockig und rappig. Auch ihre Versionen der Songs haben starke Aussagen. Eliane ist der ruhige Pol zwischen all denen Wundertüten, sie singt mit und ohne Piano, wagt sich auch immer wieder aus ihrer Komfortzone, singt z.B. Mundart oder etwas bewegter, als es ihr Stil ist. Vincent Weiss kennen vor allem die Schlagerliebhaber:innen. Er singt eigentlich immer deutsch, versteht es aber, die Songs neu zu verpacken, als Eurodance wie DJ Bobo, oder in ein Modern Talking Gewand. Das Dodo alles und noch mehr meistern kann, ist man gewohnt und trotzdem immer wieder verblüfft, was er aus all den Songs von Marc Sway, über Cachita, Eliane bis zu Vincent Gross herausholen kann. Die Duette geben dann noch das Sahnehäubchen, wo alle einer ihrer Tauschsongs mit originalen Künstler:innen singen. Ein schönes Album und ein Stück Schweizer Musikgeschichte.
Little Wings sind Isabelle Ritter (Gesang, Glockenspiel, Melodica und Perkussion) und Jeremias Keller (E-Bass, Melodica, Gesang). Die beiden fanden vor einigen Jahren an der Jazzschule zusammen und interpretierten Beatles, Bob Dylan, Rolling Stones und eben Mani Matter neu. Nun haben sie im Wohnzimmer 17 Mani Matter Lieder neu interpretiert und aufgenommen. Die Melodien kennt man, wenn auch da und dort der Sprechrhythmus etwas geschoben wurde. Wichtig ist, dass Mani Matter in diesen Interpretationen neu tönt, aber eigentlich sind es immer noch die alten Lieder. Durch die höhere Frauenstimme, welche filigran und manchmal ein wenig verletzlich tönt, gibt es einen neuen Klang. Mani Matter tönte aber sehr ähnlich einfach männlich und tiefer. Dazu kommt das fantasievolle Bassspiel, anstelle der Gitarre. Beides tönt irgendwo einfach ist es aber nicht. Little Wings haben Mani Matter auf einen neuen Level gehoben und durch die andere Interpretation hört man wieder viel besser auf die Texte und an denen kann niemand rütteln.