MANUEL STAHLBEREGER

Album: „Heiss“ (Irascible)

Dies ist das vierte Soloalbum von Manuel Stahlberger. Er kittet weiterhin seine Welt zusammen, welche aus den Fugen geraten ist. Schon beim ersten Lied „Istemple“ merkt man, um was es geht. Man muss einstempeln ins Leben. Seine Geschichten könnten alle wahr sein, sie sind leicht schräg und eigentlich traurig. Die Musik hat wiederum Bit-Tuner beigesteuert. Seine einzigartige Mischung aus Hip-Hop und Electronica ermöglicht es Manuel Stahlberger, seine Texte darüber im Sprechgesang zu interpretieren. Seine Wortfetzen, Teilsätze von Gedanken, bilden im eigenen Gehirn eine ganze Geschichte. Manuel Stahlberger versteht es, einen mit seinen Liedern gefangen zu nehmen. Ein Album, das man gehört haben muss.

Fredi Hallauer

FOLLIA

EP: „Verrutscht“ (TOURBOmusic)

Follia singt fünf Lieder in Mundart und auf Deutsch. Sie ist die Künstlerin mit dem Kontrabass. Sie selbst nennt ihre Musik Kontrapop. Genauer gesagt sind es Lieder zwischen Folk und Kunstlied. Neben dem Kontrabass gibt es wenig Piano und Perkussion mit ein paar Electronica-Effekten. Wichtig ist ihr Kontrabassspiel und vor allem ihre Stimme und ihre Texte. Sie singt mal intim ruhig, um dann wieder fast orchestral und ein wenig wütend zu singen. Eindringlich sind alle Lieder und ihre Stimme zwingt einen, direkt zuzuhören. Der EP‑Titel ist Programm und in letzter Zeit ist genug „Verrutscht“ (Verschoben) im Äusseren wie im Inneren von Menschen. Ein kleines Meisterwerk.

Fredi Hallauer

DINO BRANDÃO

Album: „I Love You, I Leave You“ (Two Gentlemen)

Dino Brandão reiste nach Angola, um seinen Wurzeln näherzukommen. Das andere ist: Er hat eine bipolare Störung, oder wie man früher sagte, er ist manisch-depressiv. Daraus entstand ein Film mit dem gleichen Titel wie das Album . Das Album ist auch der Soundtrack zum Film. Nun verhält es sich mit diesem Album so wie mit fast allen Soundtracks: Es hat ein paar starke Songs/Lieder darauf, aber auch Klänge, die wahrscheinlich bestens in den Film passen, aber ohne Bild etwas schwierig sind. Dino Brandão singt auch das erstemal Portugiesisch, die Sprache, welche in Angola gesprochen wird. Dieses portugiesische Lied ist wunderschön. Beeindruckend ist auch „Gwunderfitz“. „Müed“ dauert über 12 Minuten und hat Soundtrackklänge dazwischen, ebenso „Ambient for Snitches“ mit 15 Minuten. Dies ist kein Album, das man sich so anhört, wahrscheinlich vertont es die bipolaren Störungen.

Fredi Hallauer