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Die Urner Band ist nach einer kurzen Pause zurück mit einer EP. Es ist mutige und ehrliche Musik. Manchmal überraschend laut und manchmal sanft und ruhiger. Tanzbar ist diese EP immer. Der Titeltrack ist ein Duett mit Lisa Oribasi. Sehr viel gibt es zu diesen vier Songs gar nicht zu schreiben, ausser dass ich sehnlichst auf mehr warte.
Live: Albumtaufe „Ir Brandig“ in der Mühle Hunziken am 16. September 2025
Bild Kathrin Hallauer
Das neue Album von Trummer, welches letzten Freitag erschien, wurde mit allen Gästen und der Band von Trummer live vorgestellt. Die Gäste waren Sina, Hendrix Ackle, Ursina, Shirley Grimes, El Ritschi, Valeska Steiner, Annina Mossoni, Duo Zaugg & Widmerin, Billie Bird und La Nefera. Wobei Annina Mossoni auch zu Trummers Band gehörte, dort die Tasten spielte. Mit zur Band kamen noch der Bassist Rob Aeberhard und Samuel Baur am Schlagzeug. Das Album wurde als Ganzes eingespielt und auch so präsentiert, die Gäste waren also nicht einfach Featuring-Gäste, nein, sie standen immer wieder auf der Bühne, sangen Backing oder Chor für die anderen. Hendrix Ackle sass oft am Piano und auch El-Ritschi aus Engelberg war immer wieder irgendwo zu sehen, sei es an der Gitarre, Tambourin oder an einem anderen Perkussionsinstrument. Trummer erzählte dazwischen, wie es zu den Liedern kam, oder wie das Lied die Singenden gefunden hat und andere kleine Geschichten. Das Programm bestand mit einer Ausnahme und der Zugabe nur aus den Liedern des neuen Albums, welche live natürlich durch wundervolle Soli der Instrumentalisten oder verlängerte Chöre erweitert wurden. Die Lieder kamen auch live gut rüber. Es war ein starkes, eindrückliches und schönes Konzert. Grandios.
Da es etwas schwierig ist mit den Bildern, hänge ich hier einige an und nicht zwischen den Text.
Live: Nacht der Lieder in der La Cappella am 14. September 2025
Es war wieder soweit, die Nacht der Lieder ging über die Bühne. Dies war die 10. Ausgabe, die 2. Ausgabe in der La Cappella. Es sei hier vorausgenommen, es war eine wundervolle Ausgabe. Zuerst trat der Kopf dieser Serie auf die Bühne, Reto Zeller.
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Er eröffnete den Liederreigen mit einer neuen Version von „Es gieng au ohni …“. Er gab die Bühne anschliessend für Christine Lauterburg frei.
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Sie jodelte mit dem Örgeli in den wildesten Tönen mit eingebautem Pfeifen, jodelte dann ein modernes Medley, bei dem sie mit dem Örgeli den Beat markierte. Dann sang sie noch ein Lied mit der Geige. Einfach grandios. Fabian Lau aus Deutschland faszinierte das Publikum mit seinem Gitarrenspiel und dann erst recht mit seinen sehr satirischen Texten.
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Die erste Überraschung des Abends. Ein Nicht-Liedersänger war der Slam-Poet Remo Zumstein.
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Seine Geschichten waren teils Mitmachgeschichten und wirklich lustig. Sie regten aber auch zum Nachdenken an, vorwiegend was sind No-Gos. Er überraschte ebenfalls. Die nächste Überraschung war Caroline Bungeroth, die im Kanton Bern lebende Berlinerin.
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Die Klavierkabarettistin erklärte und sang Mutmachertexte, um sich zu seinem Recht zu verhelfen, und dies erst noch witzig. Sie trat dann als Sopranistin auf mit einem neuen Text zur Königin der Nacht.
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Dann war Pause. Nachher startete gleich wieder Caroline Bungeroth. Dieses Mal setzte sie sich mit den Unterschieden der deutschen Sprache und der Berner Mundart auseinander, erzählte, wie sie Schweizerin wurde, und spielte auf dem Schwyzerörgeli sie jodelte noch dazu. Zusammen mit Christine Lauterburg, örgelten die Frauen und jodelten. „Mir Senne heis luschtig“ bekam dann noch einen deutschen Anhang.
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Dies war sehr beeindruckend und witzig. Christine Lauterburg sang noch zwei eher dramatische Liebeslieder, bevor Reto Zeller sang, wieso er das Publikum nicht lobe. Remo Zumstein las kurze Gedichte mit viel Witz und liess sich von den beiden Frauen am Piano und der Geige begleiten. Fabian Lau sang ebenfalls noch zwei Lieder mit viel Ironie. Remo Zumstein griff dann zur Gitarre und sang ein Abschiedslied auf die CS zur Melodie von „Next door to Alice“. Zum Schluss sang Reto Zeller sein bekanntes Schlusslied, immer wieder in neuer Version, und wurde von allen anderen begleitet. Es war wirklich ein sehr gelungener Abend und man entdeckte neue gute Künstler:innen, wenn man sie nicht bereits kannte.
Trummer hat sich für sein neues Album wiederum etwas Besonderes überlegt. Er hat zwölf Gäste eingeladen und mit ihnen ein Lied eingespielt und zum Thema weiterführend einen Podcast gemacht. Die Gäste sind: Sina, Hendrix Ackle, Ursina, Shirley Grimes, El Ritschi, Valeska Steiner, Annina Mossoni, Duo Zaugg & Widmerin, Billie Bird und La Nefera. Zwei Lieder singt er alleine. Mit dabei ist auch seine hervorragende Band. Die Lieder gehen von Biografien (teils auch fiktiven) zu Herkunft und das Menschsein im Jetzt. Mit jedem einzelnen Künstler, jeder einzelnen Künstlerin hat er ein Lied geschrieben, welches stilmässig passt. Es sind wunderschöne Texte auf ebensolchen Melodien. Einzelne Songs hervorzuheben, ist ziemlich unfair, aber textmässig muss man sich unbedingt „Pulferkafilied“ und „Ir Brandig“ anhören. Ein grossartiges Album.
Die Pianistin und Sängerin, spielt auch Rhodes und Gitarre. Bei einem Teil der Songs wird sie mit Schlagzeug und anderen Instrumenten unterstützt. Sie hat ihren eigenen und eigenwilligen Stil, welcher als Singer/Songwriter mit gewissen jazzigen Einflüssen, einzuordnen ist. Bei einer Songschreiberin sind natürlich die Songinhalte am wichtigsten. Anna Rey singt in den fünf Songs von Hoffnung, von der Frage: Wer sagt mir, wer ich bin? Sie singt gegen Erwartungen, Rollenbilder und Deutungsmacht. Die Songs kommen unverblümt und direkt daher und sind alles Volltreffer. Mit der manchmal zerbrechlichen Stimme trifft Anna Rey, voll ins Herz. Eine Entdeckung.
Solong ist Komponistin, Sängerin und eine gute Gitarristin. Die vier Songs der EP hat sie in ihrem Wohnzimmer geschrieben, in den Bergen mit ihrer Band arrangiert und aufgenommen. In der Band ist eine Bassistin, ein Synthesizer Mann und ein Schlagzeuger. Solong spielt die Gitarre. Der Gesang ist eher sperrig, verhallt, teils kraftvoll, aber nie einfach zu konsumieren. Die Musik ist ähnlich, nur passt häufig das Sounddesign nicht zusammen, weder rhythmisch noch klanglich. Das soll sicher so sein, aber trotz mehrmaligem Hörens fand ich hier den Zugang nicht.
Leider gibt es kein Video oder Musikbeispiel der EP, darum eine aktuelle Live Session.
Zwei Mitglieder der Bitch Queens gründeten eine neue Band, eben die New Saints. Sie spielen sich die Finger wund und schreien sich die Kehlen heiser, irgendwo zwischen Punk und Metal. Harte Riffs, ebensolche Synthies und ein wildes Getrommel gehören dazu. Beat mässig nehmen sie dazwischen die aktuelle Popmusik etwas auf die Schippe. Die Texte sind ziemlich old-fashioned, sie müssen einfach unziemliche Wörter in der Gegend herumschreien. Vielleicht sind da noch andere Aussagen versteckt, aber ziemlich schwer zu verstehen. Das war mal Punk, ist es aber heute nicht mehr unbedingt. Schon bessere Alben dieser Musiker gehört.
Wolfberg sind Perrine Berger und Nicolas Wolf, beides Kulturakteure. Sie machen Musik zu den Themen Gleichstellung, Gerechtigkeit und Authentizität und schauen mit Ohnmacht auf Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, sie wollen nicht predigen, sondern zum Hinschauen anregen. Die Worte sind oft nur Fragmente, manchmal auch ineinander verschachtelt und zerschnipselt. Gesungen wird auf Französisch. Die Musik besteht aus Schlagzeug, Synthesizer und Gitarre. Einige Titel sind instrumental, die anderen haben längere instrumentale Teile. Das sind Klänge, denen man sich einfach so hingeben kann und die Stimmungen aufsaugen.
Live: Gränzgängig in der Progr Aula am 11. September 2025
Bild Kathrin Hallauer
Ja, das war wiederum ein tolles Konzert aus der Serie Gränzgängig, ein gränzgängiges eben. Unter dem Begriff dürfen alle verstehen, was sie wollen. Der Oudspieler und Sänger Wael Sami Elkholy lebt seit 16 Jahren in der Schweiz. Er studierte in Kairo und in Bern. So kennt er beide musikalische Welten. Viertaktmotor hat dem Oud Spieler ihre Stücke zugeschickt und umgekehrt, und an einem Tag haben sie daraus ein Programm für den Abend zusammengestellt. Sie sahen sich vorher nie. Es war eine spannende Mischung von arabischen Gedichten, welche Wael Sami Elkholy vertonte und die von Viertaktmotor auf Cello, Hackbrett, Kontrabass und Akkordeon in eine neue Dimension gebracht wurden.
Bild Kathrin Hallauer
Was diese Musiker alles für Klänge aus ihren Instrumenten herausholten, was für Rhythmen sie spielten, grossartig. Nayan Stalder schrieb die Musik zu „Anne Bäbi im Säli“ und irgendwie fehlte ihm im Mittelteil etwas, vor diesem Konzert hat er es herausgefunden: das Oud. So spielten sie dieses Stück, sehr an Schweizer Volksmusik erinnernd, mit dem Oud, welches sich hervorragend in diese Klänge einpasste. Ein geniales Konzert.
Das Luzerner Duo ist wieder mit einem neuen Album am Start. Mit Schlagzeug und Gitarre und ein paar elektronischen Gimmicks rocken sie los. Natürlich kommt ihr Gesang noch dazu. Sie rocken herrlich ab. Stilmässig vertreten sie eine grosse Bandbreite von Rockmusik. Energetische Musik vom Besten.
Das neue Album von Philipp und Sophie, alias Namaka, entstand zwischen Zürich und Brüssel. Bei der Entstehung standen Tape Rekorder und Laptop im Einsatz. Zu hören ist vielseitiger Elektropop. Da sind satte, schnelle Bassläufe, ein Schlagzeug, das manchmal echt scheppert, Synthies, welche dazwischen herum mäandern. Alles ziemlich bewegt, laut, nervös und darüber die wundervolle und ruhige Stimme von Sophie, welche sich von dem Gehetze nicht beeinflussen lässt und den Wolken nachsieht. Namaka beschreibt auch in den Liedern, genau das, was die Musik vorgibt. Der Lärm um uns, unsere Beziehung zur Aussenwelt, und wo finden wir darin unsere Ruhe, unsere Energie? Ein komplexes Album und trotzdem sehr eingängig. Sicher eines der besten Alben dieses Genres in diesem Jahr.
Die Bündner Hardrockband mit grossem Herz lässt es wieder kräftig rocken. In der klassischen Hardrock Besetzung, Gesang, zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug werden sie noch von ihrem Produzenten Georg Schlunegger an den Backing Vocals und verschiedenen Instrumenten unterstützt. Dass Georg Schlunegger (Heimweh, Schwyzergoofe) der Produzent ist und die Finger an den Reglern hatte, hört man schon bei den ersten Tönen, und das ist gut so, denn er weiss, wie man erfolgreiche Musik produziert. Auch wenn das erste Stück „Träumer“ etwas stark nach Heimweh tönt, merkt man bald, dass es hier um Hardrock geht. Der Sänger Thomas Graf singt mit Gölä als Duettpartner „Brich mir mis Härz“, eine Rockballade. Die Texte erzählen von Liebe, von Mut, von Zielen und das in einer guten Form. Der Bündnerdialekt bringt noch ein paar Sympathiepunkte. Wer weniger auf die Texte hören möchte, sondern mehr auf die Musik, auch diese Menschen kommen auf ihre Rechnung. Die Gitarren lassen es herrlich rocken und kreischen, der Bass pumpt die Beats und das Schlagzeug hämmert einem die Musik in die Ohren. Wie bereits geschrieben: sauber produziert, ausgewogener Sound, jedes Wort verständlich und gutes Songwriting. Was will man mehr?
Album: „When I Liked Myself Just A Little Too Much“ (Mouthwatering Records)
Das Album von Monumental ist Musik mit viel Augenzwinkern und trotzdem ersten Fragen. Musikalisch ziehen sie viele Register im Bereich Elektropop, Elektrorock, aber auch Indiepop ist vorhanden. Alles klingt ziemlich verspielt. Sie hinterfragen alles und stellen alles infrage, und dies ist genau das, was Freude macht an dieser Musik und ihren Texten. Mit neun Songs und 27 Minuten ist es ein relativ kurzes Album, denn genau das ist schade. Es wird nie langweilig, gutes Songwriting, und darum hätte man gerne mehr gehört.
Videos auf You Tube oder vom Plattenlabel gibt es keine. Wer trotzdem hören müchte findet unter folgendem Link, aktuelle Musik.
Der Musiker aus Lausanne und Zürich spielte bereits in verschiedensten Bands und mit verschiedensten Musikern. Nun ist er solo unterwegs. Er singt Französisch und seine Texte sind Fragmente, welche er zusammensetzte. Inhalt der Fragmente sind Beziehungen, das Ende von Beziehungen und Ähnliches. Die Musik kann dem Pop zugeordnet werden, ist aber sehr eigenständig und ein wenig eigenwillig. Den Zugang zu diesen Songs zu finden, ist nicht einfach.
Albin Brun und seine Musiker:innen sind wohl von den umtriebigen Menschen in der Musikszene. Darum wundert es einen nicht, wenn erst jetzt ihr erstes Album erscheint. Neben Albin Brun (Sopransax, Schwyzerörgeli) spielen Patricia Dräger (Akkordeon), Claudio Strebel (Kontrabass) und Markus Lauterburg (Schlagzeug, Perkussion) mit. Der Albumtitel heisst nicht etwa, dass sie nicht vier sind, sondern ist an den Tanz „Pas de Deux“ angelehnt, und weist darauf hin, dass fast kein Stück im 4/4 Takt ist. Dieses Quartett spielt Musik zwischen Jazz, imaginärer Volksmusik und Improvisation. Die meisten Stücke schrieb Albin Brun, je zwei Stücke stammen von Patricia Dräger und Claudio Strebel. Die Stücke wurden von den verschiedensten geographischen Gebieten beeinflusst, wie Bulgarien, Dingle in Irland, dem Elfenauquartier in Luzern, Island, den Karpaten und weiteren Gebieten der Schweiz. Manchmal sind es auch Hommagen an die Akkordeonistin, an sein Örgeli oder den ehemaligen Schweinestall, welcher nun als Probelokal dient. Diese 13 Stücke sind voller Überraschungen und genaues Hinhören macht sehr viel Spass und erweitert das musikalische Spektrum. Wenn jetzt alles etwas verrückt tönt, die Musik bleibt immer auf ihre Art bekömmlich.