BERNADETTE

Album: „Rendezvous“ (Zytglogge)

Bernadette ist ein aus Männern bestehendes Quartett aus Bern, welches Mundartrock macht. Zehn Lieder in verschiedensten Spielarten des Mundartrocks gibt es auf ihrem Erstling zu hören. Sie nehmen alles aus dem Mundartrock was es bisher gab, also von Polo, zu Kuno, den Span und Büne Huber. Ok es ist schwer Berner Mundartrock zu machen ohne verglichen zu werden, aber Bernadette machen das gut. Klavier und Gesang, dazu Schlagzeug, Bass und E-Gitarre sind ihre Zutaten. Auffallend gut, witzig und augenzwinkernd sind ihre Texte. Es sind genaue Beobachtungen des Alltags, Liebesgeschichten, Lieder von Abschied, von verpatzten Dates, vom Alkohol der nichts hilft. Die Texte sind kritisch aktuell, aber nie mit Zeigefinger. Da wird bei einem Date in einer WG von einem Poster von Blocher und einem der AfD berichtet, und er geht wieder. In einem anderen Lied wird die Gemeinderätin Ursula Wyss erwähnt. Bernadette versucht nicht irgend etwas neuzeitliches in die Musik einzubauen, schaffen es aber trotz den Remineszenzen an die Grossen, etwas eigenständiges zu schaffen. Bernadette ist kein Geheimtipp mehr, und für diejenigen welche sie noch nicht kennen, ist es höchste Zeit das zu ändern.

Fredi Hallauer

MARVIN

EP: „One Two Three“

Marvin kommt aus Freiburg und ist eigentlich ein Duo, bestehend aus Stefan Schmid (Gesang, Keyboards und Gitarre) und Muso Stamm (Schlagzeug, Perkussion), auf der Ep halfen noch zusätzliche Musiker an Gitarren, Bass und Perkussion mit. Stilmässig ist Marvin Singer/Songwriter Pop. Der Sänger hat eine schöne und ausdrucksstarke Stimme. Auffallend sind auch die Keyboardssound. Diese Musik ist tanzbar und macht gute Laune. Manchmal ist es fast Elektropop, dafür kann es auf der anderen Seite auch etwas rockig werden, Schöner Harmoniegesang macht, dass sich diese Klänge in die Gehörgänge schmiegen.

Fredi Hallauer

ALICE LOOPER

Album: „Hors-sol“ (Escudero Records/Irascible Music)

Nein das ist kein Tippfehler und sollte nicht Alice Cooper heissen. Die Frau heisst Alice Richtarch und sie singt und bedient den Looper, das ergibt Alice Looper. Mit zum Trio gehören Rafael Gunti ebenfalls Stimme und manchmal noch Bass und Manuel Monnet ebenfalls Stimme, Perkussion und Beatboxen. Was diese drei für tolle Musik machen ist umwerfend und so eine richtige Wow-CD. Sie singen sozusagen Pop, machen das also hauptsächlich mit den Stimmen, liegen aber nicht auf der Welle der A-cappella Gruppen oder nur bedingt, da sie ganz andere Musik machen. Sie covern „Bongo Bong“ von Manu Chao, das gibt vielleicht etwas die Richtung an. Sie singen französisch und alles klingt federleicht und wunderschön. Ernsthafte Musik auf eine andere Art. Für mich das dritte Album für die Jahresbestenliste in diesem Jahr.

Fredi Hallauer

ELLIS MANO BAND

Album: „Ambedo“ (Jazzhaus Records)

Die vier Aargauer Musiker haben sich wieder für ihr Lieblingsprojekt zusammengetan, der Ellis Mano Band. Sie pflegen Musik zwischen Rock und Blues. Die klassische Besetzung Geasng, Gitarre, Bass und Schlagzeug erweitern sie auf dem Album mit Keyboard/Hammond, Backgroundsängerinnen und Horns. Alles sind gestandene Rockmusiker, welche bereits viel internationale Erfahrung haben. Der Sänger betört mit seiner Sandpapier Stimme. Wunderschön klingen die Gitarren mit dem nötigen Dreck unter den Fingernägeln und die Hammondorgel bringt bei den langsameren Stücken das ganze zum Schmelzen. Der Bass ist für den nötigen Druck verantwortlich und die Drums sind der Puls dieser hervorragenden Band. Dieses Album ist vielseitig im Berich Rock. Die Ellis Mano Band spielt sehr wohl Radio tauglichen Rock.

Fredi Hallauer

MATTHIAS LINCKE, ELIAS MENZI & MATTHIAS HÄRTEL

Album: „Altfrentsche Besetzung“ (https://altfrentschebesetzung.bandcamp.com/)

Das ist ein Teil der Landstreichmusik mit Matthias Lincke an der Geige, Elias Menzi am Hackbrett und Matthias Härtel am Kontrabass. Sie spielen irgendetwas zwischen Folk – Jazz – Improvisation. Als Grundlage dient ihnen die Appenzeller Streichmusik und Steirische Tanzgeigenmusik. Von beiden Elementen ist nicht mehr viel zu hören, denn sie haben die Vorlagen zu einem Hexergebräu verkocht. Herausgekommen ist nichts Schlechtes, aber etwas spezielles, was nicht für alle Ohren bekömmlich ist. Wer sich an Appenzeller Space Schötel zurückerinnert und ihm das gefallen hat, der wird hier auf seine Freude stossen. Gute Ideen, gut umgesetzt aber sehr speziell.

Fredi Hallauer

ELIAS BERNET BAND

Album: „Better Off With The Blues“ (bbProductions)

Der Piano- und Hammondorgelmann ist mit seinem Trio unterwegs und hat gleich ein neues, bluesiges Album aufgenommen. Es ist lebensbejahender Blues und bringt fast etwas wie Sonnenschein in die trüben Herbsttage, ohne überschwenglich zu sein. Elias Bernet spielt nicht nur das Piano und die Hammond, nein er singt mit einer Stimme wie sie für den Blues nicht besser passen könnte. In seiner Band ist Markus Fritzsche am Kontrabass, Backing Vocals und Bernhard Egger Schlagzeug. Gastauftritte von Freda Goodlett Backing Vocals und David Stauffacher perkussion kommen dazu. Dieses Trio bzw Quintet lässt es zwischendurch so richtig rocken. Elias Bernet zieht alle Register des Blues, vom langsamen, getragen Blues, zum Shuffle, dem Boogie und eben dem Rock. Der Entertainer und Musiker bringt uns Musik wieder näher, welche in letzter Zeit nicht mehr so viele Vertreter hatte.

Fredi Hallauer

GWENDOLYN MASIN/MELISMA SAXOPHONE QUARTET

Album: „West Side Story“ (Orchid Classic)

Leonard Bernstein schrieb die Musik von West Side Story für ein grosses Orchester. Henk Huizinga hat ein Arrangement für Violine und Saxophone Quartett gemacht. Gespielt wird dieses Werk als Suite von der Violinistin Gwendolyn Masin und dem international besetzten Melisma Saxophone Quartet. Aufgenommen wurde live am GAIA Music Festival. Die Violine brilliert zum ersten Mal beim Prolog. Sie spielt die Melodien über den Saxophonen, welche den Rest des Orchesters übernehmen. Jedem Instrument ist ein Rolle zugeordnet, aber nicht ganz konsequent, was tolle Formen der Musik ermöglicht. Die Violine mit einem Saxophon zusammen, welches so plötzlich wie ein Cello klingt. Die Musik wird sehr dynamisch gespielt und alle fünf Instrumente sind immer sehr präsent. Trotzdem sind die Klangfarben und Rhythmen (wohlverstanden ohne Schlagzeug oder Perkussion) sehr abwechslungsreich. Die Freude und Trauer, die Liebe und die Wut kommen sehr gut zum Ausdruck und ab und zu gibt es auch ein kleines musikalisches Augenzwinkern, wenn man genau hinhört. Das bekannte Werk von Leonard Bernstein einmal anders zu hören ist ein Ohrenschmaus.

Fredi Hallauer

MALA OREEN

Album: „Awake“ (TOURBOmusic)

Die in Luzern lebende schweizerische-amerikanische SingerSongwriterin widmet ihr musikalisches Schaffen ganz dem amerikanischen Folk. Als Singer/Songwriterin ist sie nun zu hören in ihrem Soloprojekt, vorher spielte sie auch schon Alben mit Band ein. Ja ganz Solo ist sie nicht immer, es haben da und dort Musiker mitgespielt. Sie selber spielt Gitarren und Violine und das sehr gut. Auffallend ist aber ihre Stimme. Eine klare und reife Stimme und genau so reif sind auch die Songs herausgekommen. Mala Oreen nahm dieses Album in den Staaten auf und sie singt auch viel über Amerika und so klingt das ganze Album sehr authentisch. Beim Hören vergisst man schnell, dass dies eine Schweizer Künstlerin ist und man sie eigentlich auf unseren Bühnen hören müsste.

Fredi Hallauer

SCHWEIZER JUGENDCHOR

Album: „Da Nadal Notg“ (Zytglogge)

Der Schweizer Jugendchor hat sich verschiedensten Weihnachtsliedern angenommen. Nein, nicht Stille Nacht und alle die bekannten, sondern einigen Liedern aus der Schweiz, meist von jungen Komponisten und ein traditionelles Lied aus dem Tessin. Dazu kommen ein paar „Klassiker“ und etwas aus England. Es wird in unseren vier Landessprachen gesungen plus englisch und lateinisch. Das Album beginnt mit dem „Stärn vo Bethlehem“. Es gibt auch ein Lied aus dem 16. Jahrhundert und eines aus den Jugendjahren von Felix Mendelssohn. Die Lieder sind eine spannende Zusammenstellung von Weihnachtsliedern. Der Chor überzeugt als grosser Chor. Die Stimmen sind frisch und klingen satt, nicht mehr so glasklar wie ein Kinderchor, aber heller als ein Erwachsener Chor. Dieser Chorgesang gefällt mir sehr gut.

Fredi Hallauer

SILVER BIRCH

Album: „Oblivion“ (Mouthwatering Records)

Silver Birch ist ein Trio aus Bern, welche ihr erstes Album aufgenommen haben. Stilistisch sind sie im Songwriter Folk Wave zuzuordnen. Der Sänger hat eine markante Stimme, klar aber auch seine verletzlichen Seiten darin sind zu hören. Dazu kommt die auffällige Gitarre und etwas Synthie und Schlagzeug. Aber trotz diesen Vorzügen beginnt das Album zwischendurch so dahin zu plätschern und die Musik verschwindet im Background, was sie nicht verdient hat. Wenn man genau hinhört ist es nämlich spannend. Fazit ein tolles Album aber etwas anstrengend zu hören.

Fredi Hallauer