ME & MOBI

EP: „Music Television“ (Prolog Records)

Me & Mobi sind ein Duo bestehend aus präpariertem Klavier, Schlagzeug und Elektronik. Leider besteht diese EP nur aus drei kurzen Stücken die sich nicht einmal heftig voneinander unterscheiden. Spieldauer 13 Minuten. Die Musik bewegt sich zwischen Piano Improvisationen, Riffs und dazu ein Schlagzeug. Irgendwie ist man nach dem Anhören der EP ratlos. Es ist spannende Musik ohne wirklichen Anfang und ohne Ende.

Fredi Hallauer

JULIE CAMPICHE QUARTET

Album: „Onkalo“ (Meta Records)

Julie Campiche steht mit einer neuen Combo am Start. An ihrer Seite stehen der Saxophonist Leo Fumagalli, der Kontrabassist Manu Hagmann und der Schlagzeuger Clemens Kuratle. Sie selber spielt die Harfe und alle noch etwas Elektronik. Dabei ist ein wirklich tolles neuzeitliches Jazzalbum entstanden. Alle Musiker haben grosse dominierende Teile und die Harfe versteht es auch etwas zurückzustehen. Da sind verträumte Passagen mit grossen Saxophonbögen und perlender Harfe und gleich gegensätzlich sind es dann wilde exzessive Saxophoneskapaden mit ebenso wildem Schlagzeug. Auch die Harfe klingt durchaus auch dazwischen aggressiv, aufmüpfig, der Kontrabass spielt bodenständige Melodien mit Sanftheit. Zusammen ist das wundervolle Musik, sehr abwechslungsreich. Ein Jazzalbum wie man es selten hört.

Fredi Hallauer

MEGAWATT

Album: „Megawatt“ (Hitmill/Phonag)

Megawatt ist eine neue Mundartrockband. Der Sänger kommt aus dem fürstentum Liechtenstein, was an seinem dialekt deutlich zu hören ist. Ob die anderen Musiker ebenfalls aus dem Liechtenstein kommen ist mir nicht bekannt. Megawatt sind fünf Mundartrocker mit typischem Aussehen. Beim ersten Lied „80er Jahr“ drücken sie kräftig ab, auch mit toller E-Gitarre. Das Stück singt von der Erinnerung wie es damals in den 80igern war, als sie noch jung waren. Eine schöne Melodie und klar rockig, ein bisschen wie Gotthard, aber in Mundart. Dann wird die Musik von Lied zu Lied immer braver und die Texte immer etwas rührseliger. Langsam kommt einem in den Sinn, das kennt man doch irgendwie nur weniger rockig, ja genau, die tönen wie „Heimweh“, nur rockiger und ohne Chor. Beim Nachlesen im Booklet findet man auch den Grund, Georg Schlunegger hat hier Text und Musik mitgeschrieben. So wäre das geklärt und es ist eigentlich etwas schade, denn die Musiker sind stark und der Sänger auch, aber was mit den Sängern von Heimweh funktioniert, auch die haben ja Rockmusiker im Hintergrund, funktioniert nicht unbedingt mit Megawatt, zumindest für mich nicht.

Fredi Hallauer

THE ATLANTIC ORCHESTRA PROJECT

Live: „Cairo To Connemara; Routes and Rhythms in Irish Music“ in der La Cappella am 26. Januar 2020

Bild Fredi Hallauer

Wer weiss, dass die irische Musik ihre Wurzeln in Ägypten und Spanien hat. Diejenigen, welche an diesem Abend in der La Cappella waren wissen es jetzt und noch viel mehr. Dem ganzen Projekt liegt das Werk von Bob Quinn „The Atlantean Irish“ zugrunde und die neun Leute aus diesem Projekt haben das auf die Bühne gebracht. Das Orchester gibt es seit 1995 in den verschiedensten Besetzungen und in den verschiedensten Projekten. An diesem Abend sang eine alte Lady auf sehr beeindruckende Weise teils sogar acappella (sie ist über 80 Jahre alt).

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Dann gab es einen wahnsinnigen Flötenspieler, eine harfenistin, welche auch das Projekt leitete, Gitarren, Geige, Kontabass, Bouzouki, Bodhran und Perkussion. Diese MusikerInnen kommen aus Irland und der Schweiz, haben ihre Wurzeln aber auch in Finnland und auf Mallorca. Die Erzählerin erklärte die Zusammenhänge aus der Arbeit, die Parallelen von Boten in Connemara und Ägypten, die Ornamente der irischen Pullover, welche den Ornamenten um Bilder und Türrahmen in Ägypten verwandt sind oder sogar eine Heldensage die ziemlich gleich in beiden Ländern existiert. Totenklagen aus Irland tönten sehr arabisch und auch bei anderen Stücken hörte man die fremden Einflüsse, welche in Irland sehr schnell abgeändert wurden. Aus Kriegsmärschen wurden Jigs und vieles mehr. All diese wundervolle Musik wurde gespielt und das sehr virtuos. Die Einflüsse der höfischen europäischen Musik kamen bei den Kompositionen von O’Carolahn zum Tragen. Davon spielten sie ebenfalls ein Beispiel. Als Zugabe trat die Bodhranspielerin nach vorne und tanzte mit der Sängerin einen irischen Tanz. Es war ein wundervoller Abend mit sehr schöner Musik von herrvoragenden MusikerInnen gespielt, etwas Wissensvermittlung und das ganze zusammen sehr spannend dargeboten.

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Fredi Hallauer

MIMIKS

Album: „Für immer niemer“ (Sony Music)

Der Luzerner Rapper ist vielleicht, zu unrecht, immer noch ein nicht so bekannter Rapper. Das könnte sich aber mit diesem Album ändern. OK, musikalisch tönen die Beats und Sounds wie bei vielen anderen Rappern auch. Aber sein klarer, schneller Flow bei den Texten und die Texte selber lassen aufhorchen. Er rappt über Luzern, seine Mutter oder seine Lebensgeschichte. Natürlich noch über vieles Andere. Seine Texte sind clever, direkt und ehrlich. Er hat auch Gäste mit dabei, das sind ZID, Damian Lynn, aber auch Effe, Xen und Lcone. Es ist kein Schönwetter Rap was Mimik da erzählt, nein diese Texte gehen unter die Haut. Also aufgepasst, Mimiks kommt.

Fredi Hallauer

DIE LOMBARDIS

Live: „Egon“ im La Cappella am 21. Januar 2020

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Die begnadeten MusikerInnen und Musiker traten wiederum als die Lombardis auf. Es sind dies, Anne Hodler als Sängerin Leonore Lombardi; die Pianistin und Sängerin Myria Poffet als ihre Cousine Marina Lombardi; der Kontrabassist Michel Poffet als Onkel Viktor Lombardi und der Schlagzeuger Peter Horisberger als Coucousin Timothy Lombardi. Die Grundgeschichte blieb in etwa dieselbe wie letztes Jahr, wurde aber stark gestrafft und dadurch gab es Platz für viele Lieder, auch viele neue Lieder. Der Klamauk verschwand und so entstand ein Liederabend mit einem dünnen roten Faden und viel philosophischem zum Thema Liebe, Sehnsucht, Widersprüche zwischen Zweisamkeit und Einsamkeit wurden aufgedeckt und vieles mehr um das grosse Thema. Die Lieder drehten sich ebenfalls um diese Themen. Viele waren von Hildegard Knef, aber auch ein Erich Kästner Text von der Freiheit wurde gesungen, Jaques Brel auf Deutsch adaptiert, Annet Louisan und Lieder von einigen anderen InterpretInnen von den 20iger Jahren bis viel später, wurden gesungen. Anne Hodler glänzte gesanglich und auch interpretatorisch bei diesen Liedern. Myria Poffet verzauberte mit ihrem jazzigen Klavierspiel, egal ob begleitend oder bei den Soli. Der Bassist Michel Poffet, war die Ruhe selbst und zauberte Melodien, Rhythmen und herrliche jazzige Improvisationen aus seinem Tieftöner, der gar nicht immer so tief tönte. Der Schlagzeuger Peter Horisberger, spielte solides Schlagzeug und ein überzeugendes Solo. Bei einem Lied war er etwas zu laut, so dass der Text unterging, aber nur einmal. Es war ein wirklich grossartiger Abend. Wer dies auch erleben möchte hat am 4. Februar; 17. oder 24. März die Gelegenheit dazu, auch in der La Cappella.

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Fredi Hallauer

JEANS FOR JESUS

Album: „19xx_2xxx“ (Universal)

Das Quartett des Mundartpop kommt zumindest auf dem Cover Monumental daher. Beim Anhören, nein sie sind in etwa die gleichen geblieben und haben sich einfach weiterentwickelt, aber nicht so pompös wie auf dem Cover. Ja sie machen es einem schwer, die Jeans For Jesus mit dem neuen, dem dritten Album. Schon der Albumtitel versteht niemand, er spricht sich neunzehnhundert zweitausend aus. Einfach wenn man es weiss. Die Musik, die Beats und Loops sitzen und grooven gehörig und sind das was als Erstes Freude macht am Album. Dann kommt der Gesang. Eine Stimme klingt einigermassen gewöhnlich, aber sonst sind es Fistelstimmen, bei denen ich nie weiss, machen sie jetzt einen Scherz oder meinen die das Ernst. Dann kommen die Texte. Inhaltlich im grossen und ganzen OK, aber so die üblichen Popthemen. Aber vielleicht ist es besser getextet oder auch nicht. Schlau wird man aus diesen Sätzen nicht einfach so, auch hier die Frage, nehmen sie uns oder sich ernst, oder niemanden. Vielleicht ist das Kunst und es versteht nur jemand der sich als Kunstkenner ausgibt. Die 16 Songs sind ja toll, aber hier bitte das Album in Tranchen (nicht wörtlich nehmen) anhören, denn es könnte zuviel werden. Dies ist Schweizer Popmusik von Nerds für Nerds.

Fredi Hallauer