ONE SENTENCE. SUPERVISOR

Album: „Acedia“ (Irascible Records)

Das Badener Quartett wurde zu einem Quintett. Den Albumtitel „Acedia“ lässt sich heute mit „Dumpfem Unbehagen“ übersetzen oder bildlich gesprochen, du fliegst nach Barcelona und läufst dort in eine Umweltdemo. mehr bleibt glaube ich nicht zu sagen. One Sentence.Supervisor sagen mehr. Sie singen über das individuelle Umgehen mit diesen heute so wichtigen Themen, Wie gehen wir mit unseren Privilegien um. Was geht uns die Welt überhaupt an? die Musik dazu ist sehr spannend. Zum einen spielt Bahur Ghazi das Oud, die orientalische Laute, auf seine ganz besondere Art. Die gesamte Musik ist aber auch stark von orientalischer Kultur beeinflusst, eher rhythmisch als melodisch, sie wird häufig irgendwo trancemässig. Der Sil ist vielleicht Indie-World zu nennen. Auf alle Fälle ist das ein sehr gelungenes Album das durch grosse Eigenständigkeit hervorsticht, ohne zu experimentell oder unhörbar ausgefallen zu sein. von mir aus sogar Radio tauglich, wenn man es etwas grosszügig sieht.

Fredi Hallauer

CAROLYNN

Album: „B-Town“

Die Berner Singer/Songwriterin lebte bereits in mehreren Städten mit B, somit wäre der Titel des Albums geklärt. Sie spielt Folk mit ihrer Gitarre und der Loopstation, dazu kommt ein holpriges Schlagzeug, Geige, Bass und ab und zu ein Saxophon. Also ein frische, freche, verspielte und fröhliche Musik, welche auch mal nachdenklich sein kann. Die angenehme Stimme tut wohl und die Songs haben Wiedererkennungswert, also ein gutes Songwriting. Carolynn singt vom Ankommen in den Städten und von ihren Träumen. Ein Album das von der Produktion her noch Luft nach oben hat, aber ganz bekömmlich daher kommt.

Fredi Hallauer

JÜTZ

Album: „Hin & Über“ (Chaos)

Dieses Album erschien bereits 2018, kam aber erst jetz zu mir, darum die Besprechung. Die Gruppe Jütz besteht aus einem Schweizer und zwei MusikerInnen aus dem Südtirol, produziert hat Dizl Gmünder aus Bern und so weiter und so fort. Also ein Album und eine Gruppe, welche keine Landesgrenzen kennt, darum das Review hier im musikch.com . Das Trio besteht aus Isa Kurz, welche singt, Geige, Akkordeon und Hackbrett spielt; Philipp Moll am Kontrabass und E-Bow, auch er singt und Daniel Woodtli spielt Trompete und Flügelhorn und er singt ebenfalls. Vom Instrumentarium her wird klar, da geht es um Volksmusik, Folk und Jazz oder eben um Neue Volksmusik. Beim anhören dieses Album geht man wirklich „hin und über“. Einerseits wird da recht frech mit traditionellen Themen und Melodien umgegangen, aber auch musikalisch sehr anspruchsvoll und herausfordernd. „Luegid vo Bärg und Tal“ wird ins tirolische übersetzt gesungen, die tirolischen Volksmusikschlager, wie „Perle vom Tirol“ werden zusammengefasst in Textfetzen und mit ganz anderer Musik gespielt, aber auch Blasmusikstücke werden verändert. Das Ganze ist kein Blödelalbum wie es den Anschein machen könnte, aber eine witzige musikalische Auseinandersetzung mit Volksmusik und aber auch Aussagen zur Zeit mit alten Liedern wie mit dem „Schwalbenlied“ von 1859. Musikalisch ist es Neue Volksmusik welche nahe beim Jazz liegt. Jütz ist hier ein sehr grossartiges und beachtenswertes Album gelungen.

Fredi Hallauer

STEPHAN EICHER UND BERNER FREUNDE

„Machs na“ Eröffnung Casino Bern am 6. September 2019

Nach der offiziellen Begrüssung las Martin Suter seine erste Geschichte über die Beziehung von Stephan Eicher zum Casino Bern. Dann trat Stephan Eicher auf die Bühne und sang sein erstes Lied von 1977.

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Es folgte Mario Batkovic solo mit Akkordeon. Er füllte das Casino mit seinen speziellen Klängen. Nach drei seiner speziellen Stücken spielte er zusammen mit den Krüger Brothers, dem Kaleidoscop String Quartet und einem Schlagzeuger den Berner Marsch.

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Dann übernahmen die Krüger Brothers die Bühne. Sie spielten zuerst ein Movement aus einer ihrer Suiten. Ein Lied aus einer neuen Suite über die Western Pacific, welches erst in ein paar Wochen erscheint, folgte. Sie spielten ein weiteres Stück mit dem Kaleidoscop String Quartet. Mit „Fields Of Gold“ brachten sie den Saal zum Kochen und ernteten Standing Ovation. Stephan Eicher sang mit den Krüger Brothers und weiteren Musikern, „Wit wit wäg“. Dann sang er in verschiedenen Besetzungen ganz neue Lieder. Martin Suter las immer wieder Geschichten. Heidi Happy wird mit Stephan Eicher auf die nächste Tour gehen und sie sang ein eigenes Lied. Dann Vollgas mit zusätzlichen Perkussionisten und zwei Bläsern von Traktorkestar. Dann waren es fünf Bläser. Berner Bach Chor und Streichquartett spielten zweimal etwas klassisches, dazwischen begleiteten sie Stephan Eicher.

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Mit „I weiss nid was es isch“ ging es weiter. Schlag auf Schlag folgte Claire Huguenin und sang mit Stephan Eicher zwei Lieder. Eicher/Suter mit Band fuhren fort, dann kam Mike von Jeans for Jesus auf die Bühne. Nach einem Jeans for Jesus Song spielten sie den „Eisbär“ auf Berndeutsch. Sehr gelungen.

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Polo Hofer wäre auch ein Gast gewesen, darum sang Stephan Eicher “ D‘ Rosmarie und i“. Weitere Lieder folgten und auch der erste Schluss. Darauf brillierte das Kaleidoscop String Quartet alleine. Dann wieder fast alle MusikerInnen des Abends gemeinsam. Nach dem nächsten Schluss marschierte das Traktorkestar durch den Grossen Saal des Casinos. Nach ein paar Stücken kam Stephan Eicher wieder dazu. Sie spielten weitere Perlen aus dem Eicher Repertoire. Plötzlich waren alle Sängerinnen und Sänger des Abends auf der Bühne und halfen mit. Zum Schluss dann „Simelibärg“ mit Traktorkestar und Berner Bach Chor. Das Publikum war schon lange nicht mehr auf die Stühle zu bekommen. Und weiter ging das Konzert. Das Traktorkestar und seine Schlagwerker gaben Vollgas mit einem Solo. Ganz zum letzten Schluss dann noch „Hemmige“ und noch ein bisschen Ramba Zamba des Traktorkestars. Nach guten vier Stunden war die grosse Sause zu Ende. Ein riesen Erlebnis.Einmalig.

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Fredi Hallauer

INFINITE HILLS

Album: „Youth“ (Radicalis Music)

Das junge Berner Trio besingt die Jugend, aber nicht einfach wir sind jung und das ist toll. Sie stellen sich viele Fragen zwischen Liebe, Freundschaft, Trennung, eigene Indentität und das feiern von wilden Partys. All diese Themen und Fragen haben sie mit viel Musik und kryptischer Lyrik zu einem Konzeptalbum werden lassen. Die Musik basiert auf Gitarren und Synthies und beide Instrumente spielen sie sehr gut und setzen sie gekonnt ein. Das Schlagzeug gibt den Beat, mal zum Tanzen, dann wieder dezent. Die hohen Gitarrentöne klingen fröhlich über den schwebenden, nebligen und psychedelischen Sound der Elektronik. Ein sehr bemerkenwertes Debutalbum von einer Band deren Name man sich merken muss.

Fredi Hallauer

MICHAEL VON DER HEIDE

Rio Amden Amsterdam (CeDe.ch)

Michael von der Heide zeigt mit seinem neuen Album dass er es noch kann. Ja er chansoniert auf zwölf Liedern sieben Mal auf Deutsch, viermal auf Französisch und einmal Mundart. Musikalisch pendelt er zwischen Pop und popigem Jazz und hat aus beiden Sparten die besten Musiker dabei. Es ist schon musikalisch ein Genuss zuzuhören. Einmal singt Daniela Simmons mit und ein andermal Heidi Happy. Ein paar Texte hat er selber geschrieben oder sich schreiben lassen, andere Texte stammen von Juliane Werding, Rio Reiser oder Boris Vian. Alle Texte, egal in welcher Sprache sind gut und auch die Musik passt zusammen. wichtig ist, dass keine Computer und Synthies im Einsatz sind, auch ein Autotune ist nicht zu hören. Michael von der Heide ist zurück und fängt vielleicht nochmals an , wie er es in seinem Lied „Ein Tag aus Papier“ besingt. Sicher ein bedeutendes Album für die Schweizer Chanson Szene für 2019.

Fredi Hallauer

PONY DEL SOL

EP: „Sauvagerie“ (Vitesse Records/Irascible)

Die Fribourgerin Gael Kyriakidis singt sechs Lieder auf französisch auf dieser EP oder diesem Minialbum. Ihre Popsongs sind sehr eigenwillig vom Gesang und der einfachen Musik her, und sehr faszinierend. Ihre Poesie ist erste Klasse und man muss weit suchen, solche poetische, zerbrechliche und selbstsichere Lieder zu finden. Die Inhalte der Songs sind sehr persönlich. Pony Del Sol wird es hoffentlich auch über den Röstigraben in die Radios und auf die Bühnen schaffen.

Fredi Hallauer