M’GHADI

Album: „M’Ghadi“

Das Luzerner Oktett lässt die Schweiz tanzen, wenn das wieder möglich ist. Mit ihrem Drive fahren sie direkt in die Beine. Von Balkan Brass Beat über Reggae, Ska bis HipHop gibt es vieles zu hören. Die beiden Bläser plus die Rhythmussektion sorgen für die dauernde Unruhe. Wenn es mal etwas ruhiger zugehen soll, lässt das Piano die Töne perlen. Am Gesangsmikrofon teilen sich verschiedene Bandmitglieder plus eine Sängerin den Platz. Die Texte sind Mundart mit einer Ausnahme, welche englisch ist. M’Ghadi erzählen Geschichten von Geschehnissen oder von Personen wie dem Luerner „Tüechlimaa“. Sie sprechen damit auch gesellschaftsrelevante Themen an. M’Ghadi ist sicher eine Enteckung für das Jahr 2021.

Fredi Hallauer

DESERTO PARALLAX

Album: „Out Of Time“ (Echo Kollektiv)

Die fünf Troubadouren aus Bern singen englisch. Sie lieben es von Bizarrem, romantischen Antihelden und anderen eher obskuren Sachen zu singen. Stilmässig gehören sie zum Folk Noir. Gitarren, Ukulele, Bouzouki, Bass und Schlagzeug sind ihr Instrumentarium und natürlich die Stimmen. Der Leadsänger hat eine Stimme die Gänsehaut erzeugen kann, nicht vor Schönheit, nein er tönt wie eine heulende Hyäne in der Wüste, so richtig schräg und dunkel und das macht es auch wieder schön. Wer Dead Brothers mag, muss sich unbedingt Dersto Parallax anhören. Ihre musikalisachen Inspirationen holen sie sich rund um das Mittelmeer. Da tönt es ein bisschen orientalisch, dort eher wie in Italien in einer kleinen Bar, aber immer auf Englisch. Ein Album das mit nicht vielen anderen Alben Âhnlichkeiten findet und es lohnt sich diese Perle zu entdecken.

Fredi Hallauer

BLAY

Album: „Heimspiel“ (Sony Music)

Blay, das sind Bligg und Marc Sway. Angekündigt wurde etwas Neues, das Resultat zeigt das aber nicht. Dieses Album ist OK und es ist beste Mundart Popmusik. Sie tönt eigentlich wie Bligg, nur das dazwischen marc Sway auch noch mitsingt. Es ist Rap Pop mit grossen Hymnen für das Stadion, es sind Balladen oder einfach sonst gute Songs. Inhaltlich sind es die Themen die man von Bligg kennt, nämlich vom Vater der immer unterwegs ist, oder vom gegen den Strom schwimmen, von Menschen die zu früh von uns gegangen sind oder von der Liebe. Konsumrausch und Wissen sind ebenfalls besungene Themen. Wie gesagt ein tolles Album, vielleicht waren die Erwartungen an mehr Innovation zu hoch.

Fredi Hallauer

ROY AND THE DEVILS MOTORCYCLE

Album: „Im Reich der wilden Tiere“ (Voodoo Rhythm Records)

Das Quartett gibt siet sechs Jahren wieder ein Album heraus. Aufgenommen wurde es in Grossbritannien. Die drei Brüder, alle spielen Gitarre und der Schlagzeuger spielen einen rohen psychedelischen Blues. Meistens ist es mehr psychedelisch als Blues, Blues ist es trotzdem. Wasdie Musiker mit drei Gitarren, Schlagzeug und Stimmen plus da und dort mal ein Effekt, zustande bringen ist unglaublich. Die Klänge schaffen eine neue Dimension und sind so absurd wie der Albumtitel, der sei einfach Zeitgeist sagt die Band. Das Cover passt ebenso in die Absurdität und hat irgenwie mit allem nichts zu tun. Genau das macht die qualität dieser Musik aus, man muss sie nur auf sich wirken lassen und muss sie gefühlsmässig wahrnehmen und nicht verstandesmässig. Roy and the Devil Motorcycle sind eine Band, nicht für alle Geschmäcker, wer es aber gerne etwas schräger mag, wird hier gut bedient.

Fredi Hallauer

TURKEY THE BIRD

Album: „Turkey The Bird“ (Vis Viva Publishing)

Das Trio aus Neuseeland mit Schweizer Beteiligung sagt von sich selber, sie sind die neuseeländische Antwort auf Simon and Garfunkel. Aber nun von Anfang an. Das Trio besteht aus dem Schweizer André Manella, welcher seit 12 Jahren in Neuseeland lebt und als Musiker auch unter dem Namen Sonic Delusion bekannt ist. Er singt spielt Gitarre und bedient das Basspedal. Ebenfalls Gitarre und am Singen ist Adrian Whelan, ein in Neuseeland lebender Ire und am Banjo, Singen ist der echte Neuseeländer Sol Bear Coulton. Die drei spielen lebendigen Folk, stark irisch gewürzt. Der oft dreistimmige Harmoniegesang ist erfrischend und sehr speziell ist auch das Banjospiel von Sol Bear Coulton. Dieser Sound ist der perfekte Sommer Sound für die Garten- oder Strandparty. Ganz ernst nehmen sich die drei nicht und sie haben viel Spass, einfach die Musik machen sie seriös. Ein leichtes Album das gute Laune verbreitet und Spass macht.

Fredi Hallauer

SUPERSIECH

Live: Mühlegärtli Mühle Hunziken am 21.Mai 2021

Bild Fredi Hallauer

Wiederum war ein Konzert im schönen Mühligärtli angesagt und wiederum regnete es, so dass das Konzert mit allen Covid Auflagen in den Innenräumen durchgeführt wurde. Das tat aber der Stimmung keinen Abbruch. Die vier Musiker von Supersiech betraten gut gelaunt die Bühne. Zum Erstenmal mit dabei war der Gitarrist Didi Meier, sonst in der üblichen Besetzung mit Akkordeon/Banjo, Bass und Schlagzeug und Gesang. Ihr Mundart Rumpel Folkrock kam seht gut an. Einzig das Banjo scheint ausser für den Banjospieler ein Problem zu sein. Ich glaube er hat es gestimmt gekauft, aber seither hat er es nicht mehr gestimmt. Mit ihren witzigen und doch zum Denken anregenden Texten verstehen sie gut zu unterhalten. Nicht nötig hätten sie die manchmal etwas dummen Sprüche und das etwas lange Reden zwischen den Stücken, den das ist eher etwas unnötig und bringt nicht viel. Akkordeon und Gitarre brillierten, aber auch der Bass legte nicht nur soliden Boden sondern er musizierte mit, was auch vom Schlagzeuger zu sagen ist. Es war wiederum ein gelungener Abend im kleinen Rahmen.

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Fredi Hallauer

URGES

Album: „Never Gonna Change“ (Irascible)

Das Quingtett aus Baden hat sich ganz dem Rock gewidmet, gemäss ihrem Albumtitel „Never Gonna Change“. In der klassischen Besetzung Sänger, zwei Gitarristen, Bassist und Schlagzeuger legen sie wild los. Der Schlagzeuger wirbelt kräftig herum und setzt die Becken gut ein. Der Bassist pumpt den Beat hoch und macht immer wieder Ausflüge in die höheren Töne seines Instruments. Die Gitarren lassen es einerseits krachen und andererseits setzt die Leadgitarre markante Akzente. Das ist Sturm und Drang oder Rockmusik wie es sich gehört, nichts gekünsteltes, einfach frech von der Leber weg.

Fredi Hallauer

GINA ÉTÉ

Album: “ Erased By Thought“ (Echo Kollektiv)

Die vielseitige Zücher Musikerin, Sängerin und Komponistin hat mit ihren drei Musikern vollständig analog ihr erstes Album aufgenommen. Stilistisch ist sie schwierig einzuordnen, ein Begriff welcher verwendet wird ist Hybrid Pop oder auch Postrock. Da sind Elemente aus Pop, Jazz und Chanson gemischt, sie singt, englisch, Mundart, Deutsch und Französisch. Inhaltlich dreht es sich sowohl um politische Themen wie auch um Gesellschaftliches. Musik und Terxte sind spannend, manchmal minimal und dann wieder üppiger. Gina Été macht einem den Einstieg in ihr Universum nicht leicht, aber es lohnt sich in allen Belangen sich da reinzuhören und schon bald gelangt diese Musik direkt insd Herz. Normalerweise mache ich keine Vergleiche aber hier muss ich sagen, wer Sophie Hunger mag, soll sich Gina Été anhören, es ist nicht das gleiche, hat aber die gleiche Intensität.

Fredi Hallauer

NICOLE JOHÄNNTGEN

Album: „Henry III (Selmabirds Records)

Die in der Schweiz lebende Altosaxophonistin hat sich vor ein paar Jahren Musiker in New Orleans gesucht und dann auch gefunden um aktuellen Jazz mit New Orleans Einfluss zu machen. Nicht zu verwechseln mit New Orleans Jazz oder Dixieland. So entstand die Formation Henry, mit einem Schlagzeuger, einem Posaunisten und einem Susaphonisten und natürlich Nicole Johänntgen am Altosaxophon. Dieses Album wurde live in Deutschland aufgenommen im Jahre 2018, ist aber erst jetzt erschienen. Die Harmonien ist eindeutig New Orleans geprägt. Aber in Stücken wie „Too Loose“ arbeitet die ganze Band mit Rhythmusmustern. Einige Stücke sind auch funkig gewürzt wie „Discoland“ oder bei „Zydeco“ kommt der Groove der ländlichen Musik von Louisiana zum Ausdruck. „Dig Deep“ gräbt tief in der eigenen Seele um in einer beruhigenden Melodie zu Enden. So endet auch das Album mit dem „Gutenachtlied“. Es ist fantastisch was das Quartett für einen Sound hinkriegt und was für einen Groove. Henry ist einzigartig und sicher geeignet für JazzliebhaberInnen verschiedenster Stilrichtungen, aber auch für Menschen die Jazz nicht eigentlich mögen, aber gute Musik. Das ist es.

Fredi Hallauer

ELISCHEWA

LIVE: „Aus dem Licht entstanden“ Kirche Bolligen am 16. Mai 2021

Bild Fredi Hallauer

Die Sängerin Elischewa Dreyfus konnte endlich mit ihrem Projekt zusammen mit der Harfenistin Amélie Berner und dem Akkordeonisten Uda Auch auftreten. Sie selber spielte noch das Monochord. Sie spielten eigentlich kein Konzert, sondern boten ein Klangerlebnis, eine Klangreise an. „Aus dem Licht entstanden“ ist ein universelles Gebet, ein etwa einstündiger Zyklus mit Elementen aus der europäischen klassischen Musik, der traditionellen jüdischen Musik und hinduistischen Sanskrit Tradition. Von den klassischen Musikern gibt es u.a. Teile von J.S. Bach, von W.A. Mozart und von Hildegard von Bingen. Im Zentrum stand die berührende Stimme von Elischewa. Sie tönte in den obersten Höhen sehr kraftvoll und in den recht tiefen Lagen immer noch stark genug. Elischewa konnte sehr viel verschiedene Facetten aus ihrer Stimme herausholen und dies machte diese Klangreise so speziell. Die Musik war ziemlich schlicht, aber die Stimme füllte den Raum und zog einemin ihren Bann. Die Texte und Inhalte der verschiedenen Teile gab es als Broschüre zum Nachlesen, aber es war schöner sich diesen Klängen zu widmen und die Texte zuhause zu lesen. Elischewa versteht es ihr Anliegen zu transportieren, ohne dass man ein Wort verstehen muss. Grossartig.

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Fredi Hallauer