THE GARDENER & THE TREE

Album: „Intervention“ (Universal Music)

Die Band veröffentlicht ihr drittes Album ist über die Zeit musikalisch hörbar gereift. Der Sänger mit der markanten tiefen und rauen Stimme hat viel Platz und steht ganz im Zentrum. Oft tönt er wie eine dunkle Wolke mit Donnergrollen umspielt. Die Instrumente werden meistens gezielt eingesetzt, mal ist es das Piano welches die Leadbegleitung hat, dann wieder die Gitarre oder auch mal ein anderes Saiteninstrument. Bass und Schlagzeug geben den Takt, ja eigentlich den Herzschlag. Ihr Indierock ist nun mehr Indie Folk geworden oder auch Folkrock. Der Gesang und die Musik geht direkt ins Herz und dazwischen lassen sich auch die Beine nicht ruhig halten. Ganz wunderschön wird es, wenn Bläser dazukommen und warme Gegenmelodien spielen oder den Sänger unterstützen. Ein Album für alle Menschen, welche gute handgemachte Musik lieben, welche voller Emotionen ist und auch voller Musikalität.

Fredi Hallauer

THE MONSTERS

Album: „You’re Class I’m Trash“ (Voodoo Rhythm Records)

Die Berner Band der schnellen und wilden Töne hat endlich wieder ein neues Album aufgenommen. Sie frönen dem Trash, dem Garagenrock, dem Fuzz Rock und dem Speed Boogie. Kurz gesagt, vor allem den lauten und schnellen Stilen und die Post geht wirklich ab. Aber aufgepasst, denn dazwischen klingt plötzlich eine einsame psychedelische Gitarre mit viel Blues. The Monsters sind eine Band über deren Musik sich nicht viel schreiben lässt, man muss es hören und fühlen. Sicher ist, The Monsters sind nichts für empfindliche Gemüter und Ohren, abr wer es laut und schräg und schnell mag, der liegt mit diesem Album richtig.

Fredi Hallauer

DINO BRANDAO

EP: „Bouncy Castler“ (Two Gentlemen Records)

Dies ist die erste EP von Dino Brandao, zumindest vom neuen Dino Brandao. Er machte schon viel Musik und hat auch schon Alben aufgenommen, aber jetzt alles von vorne als Dino Brando. In fünf Songs singt er sich durch die Popwelt, die Songs ähneln manchmal musikalischen Collagen, wechseln aber nie irgendwo abrupt. Dino Brandao singt und spielt, er hat alles selber eingespielt, sich durch Kontinente und Musikstile. Da ein brasilianischer Rhythmus, dort ein jazziges Flügelhorn, hier eine verträumte Melodie und irgendwo ein bisschen Psychedelik um dann den Dreampop noch zu rezitieren. Vielseitiger kann man in fünf Songs nicht sein.

Fredi Hallauer

PALKO MUSKI

EP: „Bugs In The System“ (Boomerang Records/Irascible)

Die Musiker von Palko Muski aus Zürich können sich nicht ruhig halten und so nahmen sie in der Zwangspause gleich die Auswirkungen von Käfern auf die menschheit zum Anlass eine EP aufzunehmen. Inhaltlich geht es um die Käfer welche uns zum Schluss zu Erde verarbeiten, aber auch um die Käfer im System oder den verschiedenen Systemen, welche manchmal die menschlichkeit in Frage stellen. Kritische Texte sind es, mit viel Augenzwinkern. Dazu kommt die tanzbare Musik zwischen Balkanrock, Ska, Rock, Rap und was die Musiker sonst noch antreibt. Dazwischen kommt eine Backgroundsängerin zum Einsatz oder Streicher*innen versüssen den letzten Song. Eine vielseitige und spannende EP sowohl textlich wie musikalisch.

Fredi Hallauer

VELVET TWO STRIPES

Album: „Sugar Honey Iced Tea“ (Phonag Records)

Die drei Frauen sind mit ihrem dritten Album zurück in den Playern und auf der Bühne. Das neue Album hat neun herrlich kantige Songs. Bluesrock, Garage, FuzzRock und auch ein bisschen Psychedelik Blues Rock sind dabei. Alles schön rauh und dreckig. Beginnen wir am Anfang und hören uns diese fiebrige Einleitung von „Fever“ an, welche dann in einem Fieberwahn endet. Über allem ist diese Stimme der Leadsängerin mit viel Schleifpapier Appeal und die beiden anderen Stimmen stehen dem in Nichts nach, wenn sie mit einstimmen. Dazu kommt natürlich die Leadgitarre, welche die guten alten 70iger Jahre Bluesrockzeiten heraufbeschwört und doch auch zeitgemäss klingt, einfach eigenständig. Der Bass pumpt kräftig die Energie hoch und der Gastschlagzeuger ist besorgt, dass alles zusammenhält, sollten sich die Frauen von ihrer Musik zustark treiben lassen. Bei „This House Is Built On Sand“ beginnt ein Banjo, aber nachher geht es in der Geschichte klar zur Sache. Ein Wahnsinnsalbum für alle die laute und rauhe Töne mit Gitarre und Stimme mögen, egal wie alt sie sind.

Fredi Hallauer

MORGAIN

Live: „A Mantle So Green“ in der La Cappella am 14. November 2021

Bild Fredi Hallauer

Morgain, das sind fünf Berner Musiker*innen, welche irische Musik spielen. Martina Lory (Gesang), Sara Trauffer (Geige), Hannes Boss (Hackbrett), Mathias Probst (Gitarre) und Christoph Utzinger (Bass) sind seit mehr als zwanzig Jahren zusammen und sie spielen wundervoll. Morgain spielt Folk wie eben Folk sein muss und sie spielen nicht nur, nein sie leben die Musik förmlich. Zwischen den Songs hat Martina, Sara oder Hannes etwas zum Inhalt erzählt und das meistens mit einer Verbindung aus unserem Alltag und wie es in Irland war. Da kam eben das Liebeslied vom grünen Mantel, oder von der Seehündin, welche sich in der Vollmondnacht in eine schöne Frau verwandelt, von den Whiskeybrennern und noch viel mehr. Sie spielten und sangen Stücke aus Irland und den sehr entfernten Inseln wie den äusseren Hebriden und von Inseln von denen man sogar nicht einmal im Internet davon gehört hat. Die Musik war hervorragend gespielt von allen Instrumenten und auch der Gesang, ob Solo oder im Trio war ein Ohrenschmaus. Die Musiker*innen konnten auch alle Soli spielen und Martina tanzte zum Schluss noch zusammen mit Hannes und Christoph Utzinger. Eine sympathische Band und ein grossartiger Folkabend.

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Fredi Hallauer

RIO WOLTA

EP: „Blaubart“ (Sihlfeld Produktionen/Irascible)

Der Zürcher Rio Wolta wurde nach Moskau eingeladen um in fünf Wochen ein Stück zu schreiben zu der Geschichte von „Blaubart“ für das Tanzensemble „Provincial Dances“ unter Leitung der Starchoreographin Tatiana Baganova. Das Stück wurde dann im Rahmen des American Dance Festivals gezeigt und demnächst in der New Opera in Moskau. Rio Wolta ohne seinen Gesang, also sozusagen Instrumentalstücke mit irgendwelchen Hintergrundstimmen bei zwei der fünf Titel. Diese Einspielung ist eine Kurzversion mit fünf Titeln und 22 Minuten Dauer. Die Musik ist spannend, manchmal Rhythmus lastig manchmal verträumt. Aber irgendwie fehlt einem doch etwas. Ich habe das Gefühl wenn man den Tanz sieht, wirkt die Musik noch viel besser.

Fredi Hallauer

MICHAEL VON DER HEIDE

Doppel CD im Buch „Echo“ (MvdH Music)

Michael von der Heide feiert 30 Jahre auf der Bühne. Vor 30 Jahren gewann er seinen ersten Musikwettbewerb und vor 25 Jahren erschien sein erstes Album. Das alles ergibt ein Echo, welches auf zwei CD’s zu hören ist, plus einige Fotos und ein paar Informationen und Kommentare im Buch. Neben den bereits erschienen Sachen sind neun neue oder neu eingespielte, abgemischte Lieder unter den 30 Liedern zu hören. Die beiden CD’s sind geschickt zusammengestellt. Bei CD 1 geht es eher um die Elektropop Welt mit vielen französischen Popsongs, auf CD 2 sind es eher die Chansons in den verschiedensten Sprachen. Klar ist „Jeudi Amour“ mit dabei und seine anderen Hits oder bekannten Stücke. Sehr spannend sind die Duette, welche mit einer Ausnahme sehr gut gelungen sind und über beide CD’s verteilt sind. Das nicht so geglückte Duett ist mit Tora Augestad „Die Insel“ wo sich die beiden Stimmen fast schmerzlich reiben. Wahrscheinlich ist da irgendetwas bei der Abmischung schief gelaufen. Sonst singt Michael von der Heide mit Kuno Lauener, Sina, Paola, Swiss Jazz Orchestra, Daniela Simmons und Nina Hagen. Ein sehr schönes Doppelalbum, welches die vielen Facetten von Michael von der Heide zeigt. Wer die eine Facette vielleicht nicht so mag, findet hier sicher Musik die in anspricht.

Fredi Hallauer

KUMMERBUBEN & DAS APOKALYPSE-ORCHESTER

Live: Mühle Hunziken am 12. November 2021

Bild Fredi Hallauer

Auf die Bühne traten zwölf Musiker*innen, die fünf Kummerbuben und dazu ein Streichquartett plus eine Klarinettistin, ein Posaunist und ein Trompeter. Die Songs waren apokalyptisch dunkel und die Texte fragmentarisch und kryptisch. Irgendwie kam keine Stimmung auf. Der Sänger schaukelte in seiner gewohnten Art hin und her, der Bassist stand und auch die drei Musiker*innen an den Blasinstrumenten. Die beiden Gitarristen sassen und auch das Streichquartett und der Schlagzeuger. Nach einer geraumen Zeit spielten sie eine fröhlichere Melodie mit Tanzrythmus und später noch „Anneli wo bisch geschter gsi“ in der Kummerbuben Version. Der Sound war undifferenziert. Die Streichinstrumente kamen zuwenig zum Zug und hatten auch Stimmen, welche im allgemeinen, düsteren Nebel verloren gingen. Die Posaune war auch nur schwach zu vernehmen. Einzig die Klarinette und die Trompete stachen aus dem Nebelbrei hervor. Die Musiker der Kummerbuben hatten ebenfalls viel zu wenig Platz für Soli und passten sich dem Brei an. Der Schlagzeuger gefiel mit seinen perkussiven Spiel. Es lag sicher an den Arrangements und so spielt es keine Rolle zu wievielt die Kummerbuben auf der Bühne stehen. In der Pause hörte ich bei vier verschiedenen Gruppen zu und es tönte überall ähnlich. Begeistert war niemand. Für einmal konnten die Kummerbuben die Erwartungen des Publikums nicht erfüllen.

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Fredi Hallauer

BASEMENT SAINTS

Album: „Stimulation“ (hertzhaft)

Die international besetzte Rockband hat ihren Standort in Aarau. In acht Monaten entstanden acht Songs, welche jetzt auf diesem Album zu hören sind. Basement Saints spielen klaren Rock, mit genügend Härte, Melodie, heissen Gitarrensoli und typischem Gesang. Rein klanglich dürfte das Album etwas transparenter sein, manchmal klingt alles etwas breiig. Die ruhigen Stücke wie „Beholden“ oder „Ghost“ klingen klanglich viel besser und sind ebenso mitreissend. Sicher eine tolle Band zum Schwitzen und so richtig abgehen. Ein Teil der Song ähnelt sich zu stark, also das Songwriting hat noch Luft nach oben.

Fredi Hallauer