MODERN DAY HEROES

Album: „Thirteen“ (BrillJant Alternatives)

Das Bieler Rocktrio lässt es so richtig rocken. Hier sind Songs aus ihrer 13jährigen Bandgeschichte zu hören, welche teilweise von den vergriffenen Alben stammen, dazu gibt es eine ganze Reihe neuer Songs und Coverversionen. Bei einigen Songs hilft Marc Amacher kräftig mit und heizt noch zusätzlich ein. Die Band geht mit ihren Wurzeln ganz weit zurück, nämlich bis in die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts zum Blues- und Folksänger Leadbelly mit dem Song „Black Betty“ und machen daraus einen Bluesrock Stampfer. Die Coverversionen passen sehr gut in das Album, denn sie werden sehr eigenständig interpretiert. Die handgemachte Musik von Modern Day Heroes macht richtig Spass und wer sich das am Morgen anhört kommt sicher gut durch den Tag, aber auch zur jeden anderen Tageszeit gibt dieser Rock gute Laune.

Fredi Hallauer

CHLYKLASS

Album: „Deitinge Nord“ (Chlyklass Records/Sound Service)

Das Berner Rap Kollektiv Chlyklass ist zwanzig Jahre alt geworden und darum haben sie in ihrem Studio noch ein Album aufgenommen. Dabei zeigt sich, dass die Chlyklässler nicht nur älter geworden sind sondern auch reifer. Die Beats sind genial und das Album hat auch einen gesunden Drive. Neben der Elektronik spielen akustische Drums, Violine, Bass und einmal noch ein Charango. Aber das wichtigste bei Chlyklass sind natürlich die Texte und die sind auch gelungen. Weiterhin machen sie sich auch ein bisschen über sich selber lustig. Einmal erzählen sie von ihren Auftritten und dem Nachher erzählen, vom Autogramm geben und Duschen und Nachhausefahren. Sie sind auch gesellschaftsrelevanter geworden. Sehr eindrücklich ist das Lied „Nid üses Revier“, über die Natur die zurückschlägt. Dem fehlenden Swiss Musik Awards trauern sie weiterhin hintennach. Aber alle Texte sind interessant, unterhaltend und regen zum Nachdenken an. Chlyklass ist hier wieder ein gutes Album gelungen, mit vielen was man von ihnen kennt, aber doch eben weiter entwickelt.

Fredi Hallauer

BABS GINGER

EP: „Babs Ginger“ (Record Jet)

Die Berner Sängerin ist schon lange musikalisch unterwegs, nun mit ihrer neuen EP. Sie spielt Klavier und singt mit einer warmen, gefühlvollen Stimme. Ihr Klavierspiel unterstützt die Stimme bestens. Es sind gute Songs, aber leider wurden da zuviele billige elektronische Instrumente beigemischt wie ein monotones Schlagzeug und irgendwelche Streicher. Wenn man sich das Firlefanz weghört, ist es eine schöne EP. Inhaltlich geht es um Liebe, Beziehungen und anderes Zwischenmenschliches. Eine bessere Produktion hätte den Songs viel gebracht.

Fredi Hallauer

PRALINE BLEU

Album: „Praliné Bleu“ (s.kettler@gmx.ch)

Dieses Album erschien bereits vor drei Jahren und ist immer noch das aktuelle Album der Gruppe. Das Berner Quartett spielt Folk und das vor allem instrumental. Praliné Bleu bestehen aus der Flötistin Sandra Kettler, der Geigerin Talita Karnusian, dem Gitarristen und Komponisten Jüre Walter und dem Kontrabassisten Christoph Geissbühler. Auf dem Album wirkt noch die Geigerin Christa Steingruber bei vielen Stücken mit. Praliné Bleu spielen sich vom „Lulu Swing“ (Lulu Reinhardt) über Irland nach Osteuropa und Frankreich und Spanien durch Volksmusik und vielen Eigenkompositionen im Stile von Volksmusik. Dazwischen gibt es dann auch Stücke wie „Schneeflocke“ oder „Tatort“ welche Stimmungen transportieren. Die Gruppe hat ein hohes musikalisches und auch kompositorisches Niveau und begeistert mit dieser Musik diejenigen HörerInnen, welche gute Musik mögen.

Fredi Hallauer

HEIMWEH

Live: „Ärdeschön Tournee“ im Das Zelt in Bern am 29. Dezember 2019

Bild Fredi Hallauer

Sie standen wieder auf der Bühne, der Männerchor der Schweiz mit acht Sängern aus sieben Kantonen. Mit ihnen die bewährte vierköpfige Band, die ausser einem fantastischen Gitarrensolo einfach solide Begleitarbeit leistete. Heimweh sang sich durch ihre vier Alben. Bei den Liedern zeigten sie immer Videos im Hintergrund, teils solche die man schon gesehen hatte und schön waren wiederzusehen und teils neue. Die Lieder waren bekannt, vielleicht nicht alle neuen Lieder, aber die Show war neu zusammengestellt. Schon bald kam tolle Stimmung auf und das Zelt glich einem Festzelt an einem Turnfest oder so. Aber dann wurde es wieder gemütlicher und gefühlvoller. Der Chor verstand es zwischen Herzschmerz und Festhüttenstimmung einen tollen Mix zu bieten, ohne dabei auf der einen oder anderen Seite zu überborden. Die Ansagen waren angemessen. Heimweh sind es immer Wert, wenn man gut unterhalten werden will, gefühlvoll aber auch ein bisschen Party.

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Fredi Hallauer

HÄRZ

Live im Bierhübeli Bern am 27. Dezember 2019

Bild Fredi Hallauer

Die sechs Frauen luden zu ihrem Konzert im Bierhübeli ein und die Leute erschienen sehr zahlreich, so dass die etwa 300 Stühle besetzt waren. Sie kamen mit einem Musiker auf die Bühne welcher die Gitarre und das Klavier im Hintergrund spielte. Die sechs Mütter sangen ihre Lieder von „Fädere im Wind bis zu der Zugabe „Scharlachrot“ sehr souverän und gekonnt. Immer wieder hatte eine andere Frau den Leadgesang und da wechselte nicht nur die Stimmlage sondern auch der Dialekt, von der Bündnerin, Aargauerin, Emmentalerin, Thunerin, Berner Oberländerin bis zur Walliserin. Bei diesem starken Gesang fühlte man sich sehr wohl und die Stimmen zeigten eine grosse Dynamik. Die Ansagen bzw Zwischentexte waren aber dann etwas zuviel des Guten und vor allem zu lange. Sie erzählten wie sie ihren Mann kennenlernten und das ziemlich detailliert, oder wie schwierig es ist die Kinder loszulassen. Wahrscheinlich war ihnen nicht bewusst, dass dies (mit Ausnahme von ein paar Kindern) fast alle im Saal wussten. Also meine Damen nächstesmal lieber ein bisschen mehr singen und kürzere Ansagen. Es war ein wundervoller Abend und die Stimmen begleiteten das Publikum sicher noch hinaus in die kalte Nacht.

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Fredi Hallauer

TINU HEINIGER

Live: „Heiniger Abend“ mit Hank Shizzoe & Michael Flury in der La Cappella am 26. Dezember 2019

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Für die traditionelle Heiniger Abend Tour nahm Tinu Heiniger (Gitarre, Gesang, Klarinette und Mundharmonika) den Saitenvirtuosen Hank Shizzoe (akustische und elektrische Gitarren, Halszither und Banjo, Gesang) und den fantastischen Posaunisten Michael Flury, welcher auch das Glockenspiel spielte, mit. Musikalisch war das der beste Heiniger Abend den es je gab. Wie virtuos und gefühlvoll Michael Flury die Posaune blies und Hank Shizzoe die Töne aus den Saiten lockte, war kaum zu glauben. Durch diese fantastischen Instrumentalisten bekamen die Lieder auch viel längere Instrumentalteile und es wurden auch immer wieder Instrumentals gespielt. Tinu Heiniger sang am Anfang ein älteres Lied und dann eher neuere Lieder. Ein paar Jazzstandards fehlten natürlich nicht. Die Liedinhalte waren sehr persönlich und drehten sich viel um Tinu Heiniger selber oder sie waren zumindest so gedichtet. „Ig“ und „Du“ kamen ziemlich häufig vor. Tinu Heiniger verwandelte sich über die vielen Jahre die er auf der Bühne steht vom Politbarden zum sozialrelevanten Liedermacher und ist jetzt ein Wohlfühlpoet. Es war ein wunderschönes und wohltuendes Konzert das man so richtig geniessen konnte.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer