ABSTRAL COMPOST & PASCAL LOPINAT

Album: „Hazard Crumbs“ (Irascible)

Die beiden Musiker aus der Westschweiz, der eine aus Lausanne, der andere aus Delemont, der eine düsterer Rapper, der andere rhythmischer Musikproduzent trafen aufeinander. Diese Zusammenarbeit war sehr fruchtbar, zum einen ist da englischsprachiger Rap der nicht alltäglich ist und zum anderen sind da Musikproduktionen, welche sehr interessant sind und durch die Raps richtig zu leben beginnen. Ein zeitgemässes Album mit Musik welche neue Wege geht, aber nie so experimentell ist, dass es unhörbar wird, nein diese Musik trifft das Herz und den Puls der Zeit.

Fredi Hallauer

NOTI

EP: „Easing“ (Radicalis)

Noti ist Musiker und Produzent und auch Gitarrist in verschiedenen Formationen. Das mit dem Gitarristen vergessen wir schnell, denn sonst werden für dieses Soloprojekt falsche Erwartungen geweckt. Klar gibt es auch die Gitarre zu hören, aber ebenso Bass, Piano, Synthie, Schlagzeug und vieles mehr. Entstanden sind fünf produzierte Instrumentals zwischen Lounge Musik und Reisesoundtrack. Irgendwo klingt dieses Projekt interessant und trotzdem tönt es nach drei Stücken wie schon gehört.

Fredi Hallauer

FELIX RABIN

Album: „Pogboy“ (Phonag)

Der in der Schweiz lebende Gitarrist debütiert mit einem Album. Bis jetzt stand er auf vielen Bühnen mit bekannten Musikern. Er gewann auch Preise als Gitarrist. Sein Album ist etwas durchzogen. Seine kräftige E-Gitarre klingt zwischen Rock und Jazz, eher auf die druckvolle und härtere Art. Félix Rabin ist kein Flitzefinger, wer hier einen filigranen Gitarristen erwartet, kommt nicht auf seine Rechung. Er singt englisch. Was dem in Neuchatel lebenden Musiker fehlt, ist ein gutes Songwriting, da ist noch viel Luft nach oben vorhanden.

Fredi Hallauer

PANDA LUX

Album: „Fun Fun Fun“ (Irascible)

Die St.Galler Band mit den Deutschen Texten und den schönen Harmonien veröffentlicht ihr zweites Album. Musikalisch verstehen sie es zwischen Elektronik und akustischer Gitarre zu pendeln und dabei schöne Melodien zu kreieren. Die Lieder haben auch Rhythmus und sind tanzbar. Die deutschen Texte handeln kryptisch von Sehnsucht und Lebenswünschen. Sie sind sehr poetisch. Man darf das getrost Kunst nennen und so kommen die Texte auch daher. Mich berühren sie nicht und am wenigstens wenn der Sänger dann die Kopfstimme, sei es wirklich oder elektronisch einsetzt. Dies ist ein Album, bei dem es sich empfiehtl es vorher anzuhören um herauszufinden ob es einem gefällt.

Fredi Hallauer

KÄNZIG & KÄNZIG QUARTET

Live: Wohnstubenkonzert im Bierhübeli am 25. September 2020

Bild Fredi Hallauer

Känzig & Känzig, das ist Anna Känzig (Gesang) und Heiri Känzig (Kontrabass) und dazu ein hervorragender Pianist und ein Schlagzeuger. Anna Känzig ist die Sängerin die man eher vom Pop her kennt und Heiri Känzig ist ihr Onkel, ein international bekannter Jazz Kontrabassist. So durfte man auf diesen Abend gespannt sein. Das Quartett ist seit etwas mehr als einem Jahr unterwegs, spielte aber zum Letztenmal am Abend vom Lockdown. Gleich von Anfang an hörte man, dass es hier um grossartige Jazzmusiker geht. Der Pianist liess die Töne nur so perlen und der Schlagzeuger liess die Becken und Trommeln tanzen. Heiri Känzig wirbelte fast die Saiten der Bassgeige durcheinander und dazu sang Anna Känzig mit ihrer warmen und ruhigen Stimme. Alle Musiker kamen immer wieder zu ausgedehnten Soli. Dazwischen spielten Anna und Heiri Känzig Songs nur mit Kontrabass und Gesang, so wie sie einmal begonnen hatten. Am Anfang liessen sie Jazzstandards aufleben, aber eigenständig interpretiert und mehr und mehr kamen eigene Stücke dazu, meist von Heiri Känzig vor langer Zeit geschrieben, aber nie gespielt und nun schrieb Anna Känzig Texte dazu. Bis zum Schluss wurde es sogar ziemlich popig, aber immer noch mit den grossen Fähigkeiten der Musiker. Ein grossartiger Abend fand mit dem Song „Summers End“ ein Ende und der Sommer wohl auch.

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Fredi Hallauer

QUIET ISLAND

EP: „Solid“ (Red Brick Chapel)

Das Genfer Quartett bestehend aus einer Musikerin und drei Musikern haben trotz der männlichen Mehrzahl ein musikalisches Gleichgewicht. Sehr stark sind ihre Harmony Gesänge, welche nach Crosby, Still, nash & Young tönen. Auch musikalisch sind die Vorbilder nicht zu überhören. Es ist oft eine Prise Rock oder ein Schuss Jazz in diesen Folk gemischt, was die ganze EP sehr interessant macht. „Solid“ empfiehlt sich für Menschen, welche Neugierig sind und gerne klanglich schöne Musik haben, ohne in Romantik zu versinken.

Fredi Hallauer

YELLO

Album: „Point“ (Universal Music)

Yello sind zurück und zwar so stark wie fast immer. Es ist immer noch dieser Stakkato Elektropop mit vielen tollen Einfällen welcher einem verblüfft. Schon der Start des Albums mit „Waba Duba“ ist stark und mitreissend. Faszinierend sind die Sounds und Ideen bei „Out Of Sight“. Sie erzählen viele Geschichten, machen einem unruhige Beine und lassen einem Tanzen und das immer mit intelligenter Popmusik. Obwohl da keine handgemachte Musik zu hören ist, spielen sie ihren Sound so gut, dass es nie nach gebastelt klingt. Da gibt es nur eines, Yello Album abspielen, tanzen und zuhören.

Fredi Hallauer

TRALLAMAMMA

Live: Im Bierhübeli feat. Michel Poffet am 22.September 2020

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Das Berner Trio bestehend aus der Sängerin Tanja von Erlach, dem Gitarristen und Sänger Tinu Diem und dem Geiger Luc Balmer hatten ihren grossen Auftritt im Bierhübeli. Mit dabei war als Gast der Kontrabassist Michel Poffet, welcher sehr viel Boden in die Musik brachte, aber auch mit Spielwitz und hoher Musikalität überzeugte. Tinu Diem brillierte ebenfalls mit der akustischen Gitarre, ganz spannend war das Zusammenspiel von ihm mit Michel Poffet. Die Geige kam in der ersten Hälfte etwas kurz, Luc Balmer war auch etwas zaghaft, im zweiten Teil aber drehte er auf und unterstrich die Gesangsstimmen, spielte aber auch einige Soli. Tinu Diem überzeugte auch gesanglich, sei es als Leadsänger und als Harmony Stimme zusammen mit Tanja von Erlach. Sie sang hervorragend, ebenfalls Lead und Harmony und konnte ihre schöne und berührende Stimme sehr vielseitig einsetzen. Was sie leider nicht so gut machte, waren die Ansagen. Sie redete zuviel und nicht gerade gescheites, auch war es nicht lustig. Ihr Bühnenverhalten war auch etwas affektiert, was nicht zu der Musik passte. Hier gibt es noch Möglichkeiten zur Verbesserung. Musikalisch war es wunderschöner Folk, Americana, Singer/Songwriter Songs, Gospel, Country, Acadienne und sogar Jazz, mit „Automn Leaves“. Alles interpretierten sie auf ihre erfrischende und schöne Art. Trallamamma ist ein Trio oder hoffentlich bald ein Quartett mit Michel Poffet, welches man auf dem Radar behalten muss.

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Fredi Hallauer

SOPHIE HUNGER

Album: „Halluzinationen“ (Caroline International/Universal Music)

Sophie Hunger ist Album mässig nach zwei Jahren zurück, aber auch sonst ist sie zurück. Die Synthies spielen immer noch eine dominante Rolle in ihrer Musik, aber keine ausschliessliche mehr und dann sind die Synthies und Drummachines gezielter eingesetzt und verbreiten die Wärme, welche zu Sophies Hunger Stimme passt. Sie singt auch nicht ausschliesslich englisch, sondern auch Deutsch. Ihre Texte erzählen aus dem Leben, aber ein bisschen kryptisch, so dass jeder Mensch heruashören oder hineininterpretieren kann was er will. „Halluzinationen“ ist ein sehr stimmungsvolles Album mit Tiefgang. Wiederum eine Glanzleistung von Sophie Hunger.

Fredi Hallauer

DENISE DONATSCH

Album: „Alter Ego“ (iGroove)

Denise Donatsch, Sängerin, Philosophin präsentiert ihr Album Nummer zwei. sie schreibt und singt ihre Lieder in Mundart. die Texte beziehen sich auf Ereignisse in ungünstigen Momenten und meist in Bezug auf Beziehungen zwischen Menschen. Ihre Stimme ist nicht die stärkste und auch nicht sehr präsent hörbar, was dem ganzen Album nicht zugute kommt. Die Musik ist sehr schön, leicht jazzig. Denise Donatsch ist ein schönes Album gelungen, aber man muss es nicht zwingend gehört haben.

Fredi Hallauer