SILANCE

EP: „Creature“ (Two Gentlemen)

Die 23 jährige Lausannerin veröffentlicht ihre zweite EP. Diese drei Stücke sind sher vielseitig, zwischen Urban Pop zu bestem französischem Chanson. Silance will musikalisch machen was sie will und sich keine Grenzen setzen, das macht sie auch. Es es in einem Song Rap ist es in einem anderen französisches Chanson, wie wir es aus frühen zeiten aus der Romandie kennen, ein Klavier und viel Text, auch mehr gesprochen als gesungen. Ich bin gespannt auf mehr von Silance.

Fredi Hallauer

HALUNKE

Album: „Flamingo“ (Der letzte Schrei Records)

Für die Halunken war es wieder Zeit ein neues Album herauszugeben und zufälligerweise fiel der Prozess für das Album (Schreiben, Aufnehmen usw.) in die Lockdown Zeit. Aber der Lockdown igeistert nur in einem Lied herum. Ansonsten sind neue Musiker dabei und Anja singt nicht einfach die Backings, sondern sie singt im lead mit und übernimmt ihn sogar. Das ist sehr erfrischend und abwechslungsreich. Häni und Anja ergänzen sich gut im Gesang und es ist auch schön zu hören, wenn sich Häni etwas zurücknimmt. Die Lieder sind zum grossen Teil neu, ein paar sind neue Versionen. Mit 16 Liedern ist es ein langes Album geworden, aber wohlverstanden, kein langweiliges. Die Texte handeln vom Alltag, von Sehnsüchten und Wünschen und was das Leben sonst noch so bringt. Für mich sticht „Kuschelrock“m heraus, mit der Situation zu Hause zu sitzen im Pijama, auf dem Sofa und Netflix leerschauen und der Bemerkung, das dies nicht Kuschelrock ist. Die Stimmung ist aufgestellt. Musikalisch sind da viele Einflüsse zu hören, so entstand ein neuzeitlicher Mundartrock. Die CD gibt es auch als Fanbox mit einem schönen Buch, welches hier zu einem späteren Zeitpunkt besprochen wird.

Fredi Hallauer

CLOSET DISCO QUEEN & THE FLYING RACLETTE

Album: „Omelette Du Fromage“ (Hummus Records)

Diese Band besteht aus drei Musikern von Coilguns aus der französischen Schweiz und einem Gitarristen aus der Deutschschweiz. Nein es ist keine Coilguns Musik, aber ebenso wild und schräg. Die sieben Instrumentalnummern mit knappen vierzig Minuten Spielzeit sind ziemlich verwirrlich, etwa so wie das Cover. Lustig ist diese Musik nicht, nur der Name der Band und vielleicht das Cover. Es wird in einem Höllentempo musiziert. Die Stücke sind sich sehr ähnlich und haben keinen Wiedererkennungswert, man weiss also nicht genau, ah ja das ist das Stück mit diesem Anfang, mit Ausnahme des letzten Stücks „Gigadodane“, welches mit Schlagzeug beginnt, der Bass kommt dazu und sie grooven durch das All. Die Gitarre steuert das psychedelische dazu bei. Ein Album das sehr Geschmacksache ist.

Fredi Hallauer

VO

Album: „FKA Radio 2“ (Equipe Music)

Vo spricht man Wou aus. Dahinter steht Ivo Bernegger aus Frauenkappellen. Er ist auch die eine Hälfte des Elektro – Cloud Duos Youngboy$. Er ist wirklich eine coole Socke. Seine Texte kommen sehr cool daher über einem sanften Elektrobeat. Dies ist der Anfang einer neuen Mundartrap Aera. Wie es für ein Radio gehört sind auf diesem Album auch ein paar eigene Werbespots zu hören. Die Texte bieten auch inhaltlich etwas. Nichts von Party und Gangstern sondern übers Geld verdienen ja oder nein, über Arbeit und den Chef oder auch um das Freizeitverhalten von jungen Menschen. Die Texte sind kritisch, aber nie mit Zeigefinger. Man muss sich ein bisschen in diese Klänge und Texte hineinhören, aber es lohnt sich und es tut sich wie bereits gesagt eine neue Aera des Mundartraps auf.

Fredi Hallauer

ELA ELA

Live: In der La Cappella am 28. August 2021

Ela Ela ist ein Quartett bestehend aus drei Griechen und einem Schweizer. Die Griechen spielten Akkordeon, Bouzouki und Gitarre, der Schweizer Kontrabass. Die beiden griechischen Brüder übernahmen den Gesang. Sie spielten wunderbaren Rembetika aus den Tavernen von Piräus, wo vor 100 Jahren viele Flüchtlinge aus Ost und West ankamen und ihre Musik mitbrachten. Bei Ela Ela waren die verschiedenen Einflüsse sehr gut erkennbar. Da schimmerte Gipsy Swing durch, dann wieder Klänge aus dem osmanischen Raum, also Einflüsse von überall. Ela Ela beherrschten ihre Instrumente und sangen sehr sauber. Ein herrlicher Abend mit griechischer Musik und kühlem feuchtem Wetter.

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Fredi Hallauer

DA CRUZ

Live: Im Bierhübeli Bern am 27. August 2021

Das Konzert begann etwas später als angekündigt, da die brasilianische Comunity wie so oft etwas später kam. Da Cruz stand als Quartett auf der Bühne, also Mariana Da Cruz (Gesang), Ane Hebeisen (DJ, Perkussion, Gesang, Shouting) und einem Gitarristen und einem Schlagzeuger. Die Band spielte viele neue Songs aus ihren beiden kommenden Alben, einem eher akustischem und einem elektrischen Album. Die Songs passten gut zusammen und der Spannungsbogen stimmte. Schon bald wurde klar, die Band ist und blieb politisch. So erzählte Mariana von den Zuständen in Brasilien und dem Problem Bolsanaro, sie schlug auf eine Bratpfanne, warf Noten der Bank Of Plutonium ins Publikum und gab recht Power. Da kam das brasilianische Gefühl sehr klar durch, schwierige Themen aber alles mit treibender Musik und einer Leichtigkeit gespielt. Der Sound zwischen den verschiedenen brasilianischen Rhythmen und Urban Musik, lies Elektro, Soul, Funk, HipHop miteinander verschmelzen. Das war einzigartig und kam sehr gut beim Publikum an. Da Cruz mischte ihr Programm mit Songs aus dem akustischen und dem elektrischen Album, welche beide in Zukunft erscheinen werden. Durch die neue Tonanlage im Bierhübeli waren auch die feinsten Perkussionsdetails klar zu hören. Das war ein aufgestellter Abend mit Tiefgang.

Fredi Hallauer

FRANCINE JORDI

Album: „Herzfarben“ (Phonag)

Francine Jordi hat zu ihrem 44igsten Geburtstag ein Album veröffentlicht mit ein paar neuen Liedern, ihren grossen Hits und ein paar speziellen Aufnahmen. Klar der Schwerpunkt ist Schlager, einige Texte hat sie selber geschrieben und will damit die Menschen berühren. Das tut sie textlich sicher, musikalisch tönen doch viele ihrer ziemlich ähnlich. Gerade die neuen Songs sind sich sehr ähnlich. Vielleicht ist hier „Voyage, Voyage“ die Ausnahme, da es eine Coverversion der französischen Sängerin Desireless ist und sowieso ehr in die Schub“Proud Mary“. Aber auch „Das Feyr vo dr Sehnsucht“ mit dem Jodlerklub Wiesenberg oder „Heicho“ mit Heimweh stechen positiv heraus, auch wenn sie nicht neu sind. „Träne“ wurde remixt und natürlich gibt es an den alten Hits nichts zu bemängeln. Francine Jordi macht was sie gut kann, nämlich Schlager singen und das mit einer aussergewöhnlichen Stimme.

Fredi Hallauer

KUNZ

Live: Auf der Bierhübeli Sommerbühne am 19. August 2021

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Kunz und seine sechsköpfige Band starteten pünktlich, da sie auch wieder pünktlich aufhören mussten. Kunz beschränkte sich auf kurze Ansagen, damit mehr Songs Platz hatten. Gleich vom ersten Lied an war grosse Partystimmung, welche auch zu dem Party Folk passte, welcher die Band zum Besten gab. Sechs gute Musiker plus Kunz, verspricht viel, leider ist einiges im Sound untergegangen, Hackbrett, manchmal auch die Geige, die Mandoline und die akustische Gitarre wurde vom Bass und Schlagzeug weggedrückt. Schade. Das geschah zum Glück nicht bei jedem Song.

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Nach dem Auftritt der Gastsängerin Co trat Jaël auf die Bühne und sang im Duett „Tired“ in dieser starken persischen Version mit Hackbrett und Geige. Jaël und Kunz boten mit dieser Musik einen Hühnerhaut Song.

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Ansonsten feierte Kunz seine Hits ab, das Publikum sang, tanzte, klatschte und feierte was das Zeugs hergab. Kunz zeigte seine Stärke als Entertainer und die Band brillierte. Nach 90 Minuten war das Konzert vorbei, obwohl sie, wie Kunz betonte, erst langsam warm gespielt waren.

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Fredi Hallauer

SHIRLEY GRIMES & WOLFGANG ZWIEAUER

Live: Open Air Kulturhof Schloss Köniz am 18. August 2021

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Das Duo hatte das grosse Los gezogen, denn dieses Open Air Konzert im Kulturhof Schloss Köniz war trocken, etwas kühl, aber dank den warmen Decken kein Problem. Shirley Grimes (Gesang, Gitarren) und Wolfgang Zwieauer (E-Bass, Bouzouki, Gitarre, Gesang, Synthi und Fussbassdrum) spielen seit 24 Jahren zusammen. An diesem Konzert spielten sie Höhepunkte ihrer Lieder, Lieblingslieder oder Lieder mit ihnen wichtigen Botschaften. Viele Songs waren Coverversionen, welche schon lange in ihrem Programm sind. So gab es Songs von Andy Irvine, Luka Bloom, einiger Amerikanerinnen und mehrere Traditionals aus dem irischen Liedschatz zu hören. Selbstverständlich fehlten auch die eigenen Songs nicht. Shirley Grimes Stimme war sehr eindrücklich, schön und sie konnte damit Emotionen sehr gut zur Geltung bringen. Ihr Gitarrenspiel ist vielseitig. Wolfgang Zwieauer hatte sozusagen die Sideman Funktion, welche er brilliant wahrnahm. Einerseits setzte er seine Stimme, den Synthie sehr feinfühlig ein, den E Bass dafür sehr fantasievoll und die Bouzouki so richtig irisch. Die meisten Melodien waren mit viel Irischem bestückt und Shirley erzählte zwischen den Songs auch von Irland und den Iren. Shirley Grimes und Wolfgang Zwieauer entliessen das Publikum an diesem kühlen Sommerabend mit warmen Herzen.

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Fredi Hallauer

SPARROHS

Album: „We Are The People“

Die international besetzte Band mit Schweizer Beteiligung, nämlich der grossartigen Sängerin Olive Brooke (Schweiz/Dänemark) hat bereits wieder ein neues Album am Start. Ihr energiegeladener Hotrock ist vielleicht teilweise etwas kühler geworden, was aber der Qualität der Musik keinen Abbruch tut. Sogar das Gegenteil ist der Fall, bei den ruhigeren Songs kommt die Stimme viel mehr zur Geltung und kann zeigen was sie kann. Auch das Songwriting des Gitarristen und Gründungsmitglied Brian Phillips hat sich verfeinert. Die Powerrock Stücke fehlen natürlich nicht und dürfen eigentlich an keiner Party fehlen. Neben den beiden erwähnten Gründungsmitgliedern kommen weitere Musiker*innen dazu an den Instrumenten und beim Gesang. Keyboard und das pompöse Schlagwerk spilen im ganzen Sound eine entscheidende Rolle. Sparrohs dürfte nach ihren sechs physischen Alben bekannter sein, sie hätten es verdient. Tolle Musik die gute Laune gibt, dazu aber auch intelligent ist.

Fredi Hallauer