SOOMA

Album: „It’s All About To Change“ (Radicalis Music)

Die drei Zürcher rutschten mit ihrem zweiten Album vom Indierock mit Hardcore Einflüssen klar mehr zum Hardcore mit etwas Industrial Einflüssen. Sie sind laut und wild. Der Gesang ist meist im Hintergrund und verhallt, also unverständlich, und dient mehr als Instrument. Die Texte sollen politisch zynisch sein, aber was solls, wenn sie nicht verständlich sind. Der Gitarristjagt seine Töne als wilde Eskapaden durch die Gehörgänge oder als Industrial Noise. Der Schlagzeuger bleibt dem rock verhaftet. Ich konnte mich nach mehrmaligem Hören mit der Musik von Sooma nicht anfreunden und verstehe auch nicht was die Musiker mit ihrer Musik wollen. Hardcore Fans können da mal reinhören, die anderen eher die Finger davon.

Fredi Hallauer

ADAYA

Album: „New Land“ (Echo Kollektiv)

Die Berner Sängerin, Multiinstrumentalistin und Poetin veröffentlicht ihr zweites Album. Das Album gehört in die Sparte Folk, aber auch Singer/Songwriterin. Adaya hat eine wundervolle und warme Stimme und begleitet sich mit Gitarre, Banjo, Bouzouki und Zither. Ein paar MusikerInnen ergänzen dann noch mit weiteren Instrumenten. Adaya hat eine Grossmutter mit Geschichte, sie war Buchautorin und Poetin. Es handelt sich um Juliette de Bairacli Levy. Man soll aktuelle MusikerInnen nicht mit ihren Vorfahren in Verbindung bringen, das schätzen viele nicht. Bei Adaya ist das etwas anderes, denn sie hat mehrere Gedichte der Grossmutter genommen und vertont. Wenn man nicht weiss, welche das es sind, fällt das nicht auf, denn sie selber hat eine sehr ähnliche Art der Poesie. Adaya macht sich auf in neue Länder, zumindest musikalisch, da tönt es mal ruhig und dann wieder wild. Gypsy Musik ist zu hören, aber auch ungestüme fast rockige Songs sind darunter. Adaya ist eine Entdeckung, für alle jene die sie bis jetzt nicht gekannt haben.

Fredi Hallauer

DABU FANTASTIC

Album: „Schlaf us“ (Sony Music)

Dabu Fantastic haben nun ihre drei EP’s plus drei neue Songs zu einem Album gemacht. Somit habe ich neun der Titel bereits besprochen, darunter die Pophits „Frisch usem Ei“, „Lied“ oder „Jagge“, welche unterdessen alle kennen, wleche auch nur kurz Radio hören. Aber so einfach sind Dabu Fantastic nicht einzuordnen, denn sie gehen mit den neuen Liedern einen Schritt weiter. Sie werden sehr präzis, poetisch, politisch. Das Kernlied ist das Titellied „Schlaf us“, welches ein Friedenslied ist und die letzten entscheidenden Zeilen Stephan Eicher singt. Ebenso treffend und unter die Haut gehend ist „Wemmer gaht“ ein sehr kurzes Lied über die Flüchtlinge und uns. Man hört auch aus anderen Liedern immer wieder klare Botschaften und Statements. Auffallend ist auch wie sie das machen, sie mischen Stile von Pop und dem einfachen und aussagekräftigen Lied im Stile Mani Matters und daraus entstehen diese zeitgemässen politischen Liedern für die heutige Generation. Dieses Album ist ein Muss.

Fredi Hallauer

LOCO ESCRITO

Album: „Estoy Bien“ (Sony Music)

Der Schweizer Nicolas Herzig mit kolumbanischen Wurzeln bringt uns mit seinem Album eine gehörige Portion Latinpop und karibischen Sound und Wärme in die gute Stube oder auf den Dancefloor. Die Musik ist tempogeladen und regt das Tanzbein an. Stilmässig ist es Latin Pop, Cumbia, Reggaeton und andere Latinrhythmen. Loco Escrito schafft es gleich bei den ersten Tönen, einem einfach zu begeistern. Ruhig sitzen bleibt unmöglich. Textlich liegt er wahrscheinlich irgendwo bei Wohlfühllyrik, so wie es der Titel des Albums sagt. dies ist ein gute Laune Album zu dem man tanzen muss.

Fredi Hallauer

COLD READING

Album: „ZYT“ (Young & Aspiring)

Das Luzerner Quintett ist nun nach zwei EP’s mit dem Album da, welches die beiden EP’s mit einschliesst und natürlich erweitert. Es ist ein Konzeptalbum über die Vergangenheit, die Gegenwart und nun die Zukunft. Gewisse Themen erscheinen immer wieder, aber in einer anderen Hörweise. Klar ist das mit „Through The Woods“, zu dem es als Zusatz noch ein neunminütiges Hörspiel gibt um noch alles klarer zu machen. Cold Reading haben ein geniales Songwriting und natürlich verstehen sie dies auch auf ihren Instrumenten auszudrücken, ohne Computer. Stilmässig gehören sie in den Progrock mit ausflügen in den Artrock. Von leicht psychedelischen Stellen zu punkrockigen Ausbrüchen, Gitarreneskapaden und Keyboardswänden fehlt nichts. Eine Band die mit dem Album punkten kann. Wem die EP’s nicht gefallen haben, soll sich trotzdem das Album anhören, als Ganzes kommt es ganz anders rüber.

Fredi Hallauer

THE SPARKLETTES

Live: „Mir Froue heis luschtig“ in der Mahogany Hall Bern am 6. Februar 2020

Bild Fredi Hallauer

Die vier Sängerinnen von The Sparklettes starteten mit ihrem neuen Programm „Mir Froue heis luschtig“. Es bestand vorwiegend aus Mundartliedern, mit zwei franzöischen, einem italienischen und einem romanischem Lied, und eines auf Deutsch. alles ist in gewohnter und gekonnter Sparklettes Art arrangiert und adaptiert. Bei Titellied erzählen die Frauen wie sis lustig haben, dass sie weniger Lohn haben und Mutterschaftsurlaub und noch viel mehr Zeitkritisches ist dort in die schöne und jazzige Volksliedmelodie eingebaut. Bei vielen Liedern übernehmen die nicht Leadsängerinnen, welche sozusagen die Band machen auch einen gesungenen Kommentar, ganz deutlich und witzig bei „Wott es Froueli z’Märit gah“. Die Lieder sind zusammengestellt aus alten Volksliedern „Anneli wo bisch geschter gsi“, zu „Wenn eine tannigi Hose hett“ über Mani Matter (drei im Zusammenhang), Patent Ochsner „Gummibaum“, oder „Aare“ von Stiller Has, aber auch der „Abestärn“ fehlte nicht, dazu noch viele mehr. Zwei Lieder kannte ich nicht und ich konnte sie auch nicht einordnen. Gesungen alles perfekt, oft leicht schräg und mit Dissonanzen. Gesprochen haben sie sehr wenig und das wenige war herrlich trocken und spröd. die Choreografie war einfach aber abwechslungsreich und sehr wirkungsvoll, da reichten ein Schnauz, drei rote Nasen, Tücher und Kränzchen auf dem Kopf. Unterstützt haben sie sich dazwischen dezent mit Perkussion und einem sanft eingesetzten Loopgerät, welches ebenfalls die Mundperkussion übernahm. Was die vier Frauen geboten haben gehörte zum Feinsten vom Feinsten.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

LITTLE FELLOW

EP: „Dizzy“ (Red Brick Chapel)

Das Duo hat in einer Alphütte ein altes elektronisches Keyboard mit vielen Preset Sounds und einem alten I-Pad umständlich miteinander verbunden. Dazu kamen das Schlagzeug und die wunderbare warme Stimme. Little Fellow das sind Lea Mathis und Amadeus Fries. Herausgekommen ist Pop, Elektropop der alten Machart und einfach wohlklingende Musik für die Lounge oder auch zum Tanzen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Fredi Hallauer