BONAPARTE

Live: „Was mir passiert“ Tour im Bierhübeli am 27. November 2019

Bild Fredi Hallauer

Bonaparte wurde vom Sänger, Komiker und Einheizer Leroy supported. Er verwandelte das Bierhübeli mit seinen skurillen Songs bereits in einen Hexenkessel. Er blieb dann als Zeichner und Backgroundsänger auf der Bühne. Selbstverständlich dominierte natürlich Bonaparte. Seine Show war etwas zwischen Rockkonzert, Zirkus Burlesque un Punk. Sicher immer sehr skuril. Er startete mit englischen Songs und grossen Showteilen. Später betraten zwei afrikanische Musiker, welche beim letzten Album mitspielten die Bühne. Nun gab Bonaparte die deutschen Songs zum Besten. Dann kamen seine älteren und bekannten Sachen zum Zug. Immer wieder beherrschten die skurilsten Gestalten die Bühne, grosse Ballone im Publikum und auf der Bühne oder Bonaparte auf den Schultern im Publikum. Die eine Frau schwamm in einem aufblasbaren Schwan auf den Händen des Publikums. All diese Sachen waren toll und oft unerwartet oder noch nie gesehen, zumindest nicht oft. Der Sound hingegen war ziemlich schlecht, vor allem zu laut und dadurch nicht mehr transparent. Gelitten darunter hat die Verständlichkeit, aber auch die Musik der beiden Afrikaner. Schlussendlich gab es nackte Leute auf der Bühne, Champagnerdusche fürs Publikum und einiges mehr. Bonaparte spielte Zugabe um Zugabe.

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Fredi Hallauer

ALICE ROOSEVELT

Album: „Hammam“ (Theordore Records/Irascible)

Die fünf Musiker aus Nyon sind mit ihrem ersten Album da. Ihre Musik ist verblüffend und schweisstreibend. Stilmässig sind sie beim Shoegaze einzuordnen, des Gitarrenrocks vor dem Britpop, Artrock oder Postrock. Die Songs sind schwelgerisch, tempogeladen und extrem gut tanzbar. Alice Roosevelt erzählen in ihren Texten über die Generation Y und reflektieren darüber samt ihren Widersprüchen. Ein tolles Debüt.

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MOIRA

EP: „Another Lesson“

Carola Wirth, die Sängerin und Multiinstrumentalistin steckt hinter dem Namen Moira. Sie ist nach einer längeren Pause, in deren sie in verschiedenen Bands unterwegs war, wieder zurück. Ihr Pop kommt leicht und luftig daher. Neben Elektronik sind auch Bass, Schlagzeug, Piano und Saiteninstrumente zu hören. Eine EP mit vier Songs, welche von Erlebnissen im leben erzählen, die man zwar nicht unbedingt braucht, aber eben eine Lektion sind, um das zukünftige leben besser zu meistern. Moira macht musikalisch einen soliden und bodenständigen Eindruck.

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MARTINA LINN

Album: „Win What Yesterday Lost“ (iGroove)

Die Engadiner Songwriterin spielt nicht mehr Country beeinflusste Songs, sondern Pop gemischt mit Americana und Rock. Diese Mischung schafft sie locker und bringt sie mit ihrer Stimme gut zusammen. Wenn man liest wer da mitmusiziert, versteht man auch wie das ganze funktioniert. Mit Hendrix Ackle an der Hammondorgel und Hank Shizzoe an den Saiteninstrumenten von Gitarren zu Bozouki und Banjo sind neben Urs Müller an den Gitarren, Andi Schnellimann am Bass und Patrik Zosso am Schlagzeug, echte Tausendsassas dabei. Die Songs sind gefühlvoll, klingen ehrlich und Elektronik kommt hier nicht vor, also handgemachte Musik. Martina hat eine Stimme, welche sich direkt in den Gehörgang schmiegt.

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MAËL

Album: „Homeland“ (Mondstein Records/CeDe.ch)

Maël ist eine begnadete Schweizer Sängerin und Songwriterin. Für diese Produktion hat sie sich ein paar Cracks aus der Schweizer Musikszene geangelt, allen voran Marco Figini (Gitarren), Max Lässer (Akustische Hawai Gitarre) dann verschiedene Schlagzeuger, Lesley Bogaert (Backing Vocals) und Andi Pupato (Perkussion). Entstanden sind soulige und rockige Songs, die herrlich luftig daherkommen und von Maëls Stimme beseelt werden. Die Songs bringen Sonenschein in die Herzen und Seelen und stehen auf der positiven Seite des Lebens. Hier gibt es handgemachte Musik zu hören und die hat Seele. Unbedingt reinhören.

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FABIAN ANDERHUB

Album: „What Colour Is Your Sky“ (CeDe.ch)

Der Innerschweizer Gitarrist, Sänger und Songschreiber kommt nach einer längeren Pause mit einer geballten und satten Ladung Rock zurück. Seine Songs bewegen sich zwischen Rock, Bluesrock und Poprock. Musikalisch gibt er es gross durch mit Band und mehreren Background SängerInnen. Es tönt so als ob er bereit ist die grossen Bühnen zu erobern. Aber in all dem Bombast hört man doch sein Können an der E-Gitarre und filigrane Feinheiten heraus. Die Songs sitzen, ich könnte nicht sagen, dieser Song braucht es nicht. Mit Fabian Anderhub gibt es Rock mit nicht allzuviel Ecken und Kanten, alles sauber gespielt.

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KAUFMANN

EP: „Dr Chüalschrank isch leer“ (Phonag)

Der Bündner Kaufmann singt uns vier neue Lieder. Zwei sind Studioaufnahmen und zwei Liveaufnahmen vom Openair St. Gallen 2018. Der Sound ist sehr episch breit. Sein Mundarpop geht Richtung Indierock. Inhaltlich leidet er immer noch und drückt das gesanglich sehr klar und deutlich aus. Aber durch den tollen Sound, ist das Zuhören erträglicher geworden. Gerade bei den Studioaufnahmen ist die Mischung nicht optimal in Bezug auf die Verständlichkeit des Textes. Kaufmann poliert mit dieser EP sein Image des ersten Albums etwas auf und kann nun zu den aktuellen und besseren Mundartmusiker gezählt werden.

Fredi Hallauer