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StartseiteBeitrag veröffentlicht von fhallauer(Seite 8)
Der Musiker aus Vevey wollte nach Soloalben wieder mit einer Band musizieren und fand gute Musiker:innen aus den verschiedensten Genres. Das sind nun die Peaceful Warriors. Gesungen wird englisch. Musikalisch pendelt die Musik zwischen Folk, Afrobeat, einer Prise Funk und ein Schuss Pop, da und dort noch etwas Country. Diese Mischung macht den Sound sehr interessant. Die Stimme von Mark Kelly ist etwas nasal und in der Tenorlage und wirkt dadurch sehr markant. Die Texte versteht man gut. Er singt vom friedlichen Umgang mit dem, was einem das Leben bereithält, er singt von Vergebung und wie wir sie zum Besseren verändern können. Ein sehr spannendes Album.
Fiona Daniel, Musikerin, Komponistin und Sängerin, wuchs in Zürich und Exeter (GB) auf. Nun lebt sie im Kanton Waadt. Sie singt englisch. Einige Zeit zurück veröffentlichte sie bereits Alben. Aber dann erkrankten ihre Kinder schwer und sie selbst erlitt einen Gehörverlust. Diese Musik, die Klänge und die Songs erzählen von diesen Zeiten, vom Alltag zwischen Spital und zu Hause und die Erfahrungen mit anderen Klängen. Gespielt wird mit Piano, Saiten- und Streichinstrumenten, dazu Stimmen, Elektronik und das alles zusammen sauber produziert. Die Stimme von Fiona Daniel klingt warm, klar und ist sehr berührend. Ein hervorragendes Album, welches Beachtung verdient.
Die beiden Zürcher Rapper und Musiker veröffentlichten die 3. EP, den Abschluss der Trilogie. Die sieben Mundartsongs bewegen sich von Deephouse zu Reggaeton und Afrohouse, plus alles was dazwischen und drum herumliegt. Wichtig sind ihnen Melodie, Texte und Rap. Die Lieder erzählen von Liebe, Beziehungen (auch toxische) und Begegnungen. Die Begleitung ist minimal gehalten sodass die Texte gut herüberkommen und alles tanzbar bleibt.
Ja, das ist das erste Studioalbum des Thuner Barden. Warum gleich ein Best Of? Tom Lee reiht seit Jahren Song an Lied an Song. So geht das in Ordnung. Er ist ein musikalischer Tausendsassa, singt englisch und Mundart, spielt Rock, Pop und Americana. Das ist handgemachte Musik, ehrlich und qualitativ gut. Das Songwriting kann sich hören lassen. In seinen Texten geht es um, das Leben, um Beobachtungen, aber auch mal tiefgründiger. Seine Stimme ist klar und immer deutlich zu verstehen. Auf dem Album singt er ein Lied mit Cheyenne. George Franco ist ein anderer Duettpartner. Es sind zwei Lieder vom Honky Tonk live aufgenommen, zu hören, darunter „Amerika“ ein sehr aktuelles und kritisches Lied. Man darf es allgemein als Antikriegslied bezeichnen. Diesen Tom Lee und das Album muss man gehört haben.
Album: „Rain Is Good Weather“ The Orchard/Radicalis)
Das Album von From Kid erzählt Geschichten von aktuellen Themen und allgemeinen Überlegungen. Sie behandeln Veränderungen, unsere Beziehungen zur Natur, Suche nach Unabhängigkeit oder es sind kritische Betrachtungen unserer Gesellschaft. Musikalisch ist es Elektropop der sanften Art. Die Stimme wurde ebenfalls elektronisch manipuliert, was die Verständlichkeit der Texte sehr beeinträchtigt.
Der legendäre Rapper aus Bern präsentiert sein neues Album. Er ist sich treu geblieben, vielleicht noch treuer geworden. Nein, bei Baze geht die Post nicht ab und die Party findet bei ihm nicht statt. Wer sich aber mit kritischen Texten auseinandersetzen will, der liegt hier richtig. Die Musik beschränkt sich auf ein paar elektronische Töne und einem Schlagzeug. Das gibt den Texten ihren Flow und hebt die Texte ins Zentrum. Der Brummbär Baze versteht es poetisch auf die Gesellschaft zu schimpfen und das oft recht konkret und manchmal im gleichen Text auch kryptisch. Die Texte sind reifer geworden, mit einem gelegentlichen „Fuck“ dazwischen. Das ist Baze, wie man ihn kennt und mag oder eben nicht. Baze hat uns aber etwas zu sagen, darum hinhören.
Die Band aus Yverdon-Les-Bains spielt auf ihrem Debüt Album erfrischenden Folk und Indie Folk. Banjo, Gitarren und Dobro Klänge legen sich unter den Harmoniegesang. Selbstverständlich fehlt auch der Bass und das Schlagzeug nicht. Da und dort werden auch andere Instrumente dazugenommen. Sie singen Englisch. Stain Of Light ist offiziell immer noch ein Duo, aber auf dem Album und der Bühne werden sie von drei Familienmitgliedern und Freunden verstärkt. So ist der Gesang mit der Harmoniestimme einer zweiten Frau besonders gelungen. Die Kompositionen sind vielseitig und diese Musik tut sehr wohl und ist hoffentlich auch einmal in der Deutschschweiz live zu hören.
Live: Albumtaufe „Morph“ im Bierhübeli am 23. Mai 2025
Bild Kathrin Hallauer
Nach einem heissen und fulminanten Auftakt der Supportband The Basement Saints hatten einige Zuschauer:innen die Frage auf der Lippen, kann die Ellis Mano Band das toppen oder überhaupt mithalten. Die Band gab auf der Bühne ziemlich schnell die Antwort: Sie konnte es. Die fünf Männer spielten ihren Bluesrock und Rock mit psychedelischem Einschlag sehr virtuos und ebenfalls energiegeladen. Es war eine andere Energie, eine, die von innen heraus kam. Alle Musiker hatten viel Raum, um immer wieder zu langen Soli auszuholen. Der Sänger war hervorragend bei Stimme und konnte auch recht aufdrehen. Der Gitarrist spielte sehr virtuose, aber auch rasante Soli. So begeisterten sie das Publikum mit alten und vielen neuen Songs. Es traten dann noch zwei Backgroundsängerinnen dazu, welche am Anfang etwas verhalten waren, aber sich immer mehr in die Rolle hinein sangen. Der erste Gast wurde angekündigt, es war Philipp Bluedög Gerber.
Bild Kathrin Hallauer
Er spielte zusammen mit der Ellis Mano Band „A little help for my friend“. Sie interpretierten es neu, der Gesang war nahe dem Original, die Gitarrensoli uferten wunderbar aus, sowohl von Bluedög als auch von Mano. Hier kamen auch die Backgroundsängerinnen zum Zuge. Schon bald stand der nächste Gast auf der Bühne, nämlich Schöre Müller.
Bild Kathrin Hallauer
Er brachte einen Muddy Waters Klassiker mit, in der Version der Allman Brothers. Auch hier gab es dann eine Version der Ellis Mano Band mit Schöre Müller. Später kam der Mann, welcher die Texte der Ellis Mano Band auf Englisch übersetzt und selbst ein Singer-Songwriter ist. Er kommt aus Irland und soviel ich verstanden habe, heisst er zum Nachnamen Brady (nein es war nicht Paul Brady).
Bild Kathrin Hallauer
Er schrieb auch mindestens einen Song, welcher die Ellis Mano Band im Repertoire hatte, und diesen sang er dann auch zusammen mit der Band. Es bleibt nur zu sagen, dies war ein herrlicher Abend mit kraftvollem und schönem Bluesrock und Rock.
Eliane muss man in der Schweiz nicht mehr vorstellen. Auf ihrem neuen Album ist wundervoller, vielseitiger, sanfter Pop zu hören. Das Piano spielt bei den meisten Songs eine gewichtige Rolle. Eliane singt siebenmal englisch, zweimal Mundart und zweimal italienisch. Bei „Vergässe“ ist Florian Ast ihr Duettpartner und bei „Nowhere To Go“ steuert Didi kurze Raps bei. Ein genussvolles und unaufgeregtes Album.
Die Zuger Musikerin und Sängerin veröffentlicht ihre erste EP. Zu hören sind ein Poem und vier Songs. Das Poem ist mit Musik untermalt. Die Songs bewegen sich im üblichen internationalen Pop Stil. Myla Lei erzählt Geschichten aus dem Leben und da ist manchmal eine leise Wut zu hören.
Die Berner Band veröffentlicht ihr erstes Album bei Luxnoise Records. Das Quartett spielt Garagen Post Punk oder wie sie sagen tanzenden Iggy Pop. Es ist eher dunkelgraue Musik. Der Singer singt mit einem satten Bariton und dann wieder etwas höher, und die Arrangements sind sehr eigenständig. Rhythmus wird auf allen Instrumenten zelebriert und das gibt ihren speziellen Sound. Gesungen wird englisch und deutsch. Es ist durch arrangierte Musik, und die Songs sind alles kleine Kunstwerke ihrer Art. Anhören lohnt sich.
EP: „En Cas De Tempête“ (Les Disques Du Crochet/Irascible)
Das Indie-Popduo aus Lausanne erfreut das Musikherz mit einer charmanten EP. Die Frauenstimme hat den Lead. Musikalisch ist es eine Synthese zwischen den verschiedensten Synthesizern und wahrscheinlich ein paar analogen Tönen. Auf alle Fälle tönt das Duo überzeugend und erfrischend. Gesungen wird französisch. Die Themen drehen sich um das Zulassen der Gefühle, der Hoffnung, der Wut, aber auch dem Verprechen des Lebens zu begegnen, wie immer dazu sein. Poligone sind für mich eine Entdeckung.
Zuerst eine persönliche Bemerkung. Ich respektiere alle sexuellen Ausrichtungen, ich gendere, aber mit dem Promotext komme ich nicht klar. Auf dem Cover sieht Iuri aus wie ein Mann, auf dem Album tönt er so, aber im deutschen Text schreibt das Label their und they. Da weiss ich nicht, was ich schreiben soll, um nicht in den verschiedensten Fettnäpfchen zu landen, darum mache ich es wie bei Nemo, alles ohne Pronomen.
Iuri kommt aus Basel und spielt sanften Indie Pop mit Folk-Einflüssen, man könnte auch Soft-Pop sagen. Iuri Songs haben schöne und ausgeklügelte Melodien. Sie sind schön arrangiert, manchmal etwas experimentell, ohne den Harmonien einen Schaden zuzufügen. Iuri singt von der Selbstfindung und Orientierung, wie so viele. Iuri geht da seinen eigenen musikalischen Weg und der klingt interessant.
Ambäck ist ein Trio der neuen Volksmusik. Drei Exponenten dieses Musikstils haben sich für dieses, seit zehn Jahren bestehendes Projekt zusammen gefunden. Es sind dies der Örgeler Markus Flückiger, der Geiger Andreas Gabriel und der Kontrabassist Pirmin Huber. Alle drei haben Kompositionen für dieses fünfte Album der Gruppe beigesteuert. Dadurch ist ein recht vielseitiges Album entstanden. Markus Flückiger hat zwei unterschiedliche Stile in seinen Kompositionen. Einmal nimmt er Sequenzen aus traditionellen Stücken und wiederholt die immer wieder, manchmal variiert er sie ein wenig, dazu macht die Geige ähnliches und der Kontrabass spielt Muster (Pattern), die oft im Jazz verwendet werden. Der zweite Stil von Markus Flückiger sind die Stücke, welche er für sein Stöpselbass Örgeli komponierte, nämlich eher traditionell Innerschweizer Stil. Dort zieht die Geige ebenfalls mit und der Bass spielt traditioneller. Der Kontrabassist Pirmin Huber komponiert ziemlich cineastische Stücke. Sie heissen auch „Mi amore“, „Raclette“ oder „Westküste“. Das ist schöne Musik für das Kopfkino. Der Geiger und Bratschist Andreas Gabriel gehört auf die wildere Seite. Seine Kompositionen tönen nach Volksmusik, verändern sich aber stetig und können auch mal in einem Tohuwabohu ausufern, bevor sich die Musiker für den Schluss wieder finden. Das sind herrliche Stücke. Wie gesagt, diese Musik, dieses Album macht Spass, man kann lauschen, das Kopfkino in Betrieb setzen oder einfach dasitzen und Freude an dieser Musik haben.
Da es keine offizielle Musik oder ein Video gibt (zumindest kenne ich es nicht) hier ein Konzert, welches ziemlich genau den Stil und den Sound des neuen Albums abbildet.