IRMA KREBS

Album: „I Bi Nümm Elei“ (Der gesunde Menschenversand)

Das Berner Mundartquartett ist wieder mit einem neuen Album am Start. Sie sind vier Männer und spielen Mundartpoprock in ihrem eigenen Stil. Die Musik ist ausgeklügelt und auf ihre Art einfach, nichts ist überladen. Da rumpelt das Schlagzeug, dort legt der Bass den Teppich aus, die Gitarre spielt Rhythmus und wunderschöne Melodie- und Gegenmelodielinien. Dazu kommt als Gast bei einigen Liedern die Keyboarderin Sibill Urweider, mit schöner Hammond Unterstützung oder schwebenden Synthieklängen. Die Texte sind ebenfalls reduziert. Sie erzählen vom Alltag und von der Liebe, aber meistens aus einem ungewohnten Blickwinkel, aber sehr treffend. Das Zusammenleben mit allen Problemen kommt zur Sprache in „Mir sägenem Liebi“, im „Outopilot* wird genau diese Technik etwas anders betrachtet. „König vom Dessär“ oder „Du chasch mi mau“ sprechen für sich. Diese spezielle Musik, mit diesem eigenen Textstil, macht Irma Krebs aus.

Fredi Hallauer

MARC ROSSIER RO’S BLUE

Live: Albumtaufe „When A Soul Is Gone“ in der La Cappella am 26. April 2025

Bild Kathrin Hallauer

In der sehr gut besetzten La Cappella taufte Marc Rossier mit Ro’s Blue sein neues Album. Ro’s Blue sind neben Marc Rossier (Gesang und Gitarren) noch Peter Enderli (E-Bass) und Christoph Jaussi (Schlagzeug). Die drei starteten den Abend mit Musik zwischen Americana, Blues, Rock und Folk. Es waren hauptsächlich Songs mit wunderbarem Gitarrenspiel.

Bild Kathrin Hallauer

Marc Rossier liess manchmal seine Finger sanft über die Saiten gleiten, um beim nächsten Stück mit den Fingern auf den Saiten zu tanzen. Es war auch eine Freude, Peter Enderli zuzuschauen und zuzuhören. Was er mit seinem Bass alles für Zwischentöne spielte, welche wichtig waren in dem Klanggefüge, war unglaublich. Nach einer gewissen Zeit trat als Gast Meira Loom auf die Bühne und sie sang mit Marc Rossier einen Song mit akustischer Gitarre und den beiden Stimmen.

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Sie sangen dann noch mehr, zusammen mit der ganzen Band. Meira Loom überzeugte mit ihrem Gesang und ihrer starken, positiven Ausstrahlung. Kurz vor der Pause setzte sich noch Andreas Chnufi Michel an das Keyboard und legte so richtig los.

Bild Kathrin Hallauer

Nach der Pause waren dann alle Musiker:innen auf der Bühne und es wurde richtig gerockt, aber auch den melancholischen Blues gefeiert. Das Repertoire dieser Band war sehr abwechslungsreich, und alle auf der Bühne spielten ein schönes und starkes Konzert.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

IRMA KREBS

Live: „I bi nümm elei“ in der Turnhalle Progr am 25. April 2025

Bild Fredi Hallauer

Das Quartett spielte im ersten Set des Konzertes ausschliesslich Lieder des neuen Albums. Die waren etwas ruhiger und schwebender als die bisherigen Lieder. Um das zu unterstreichen spielte Sibylle Urweider noch mit ihrem Synthesizer mit. Das war nicht zwingend nötig, da der Gitarrist die Lieder mit seinem Spiel bereits schweben liess.

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Bei einem Lied setzte sich der Gitarrist an den Flügel. Die Texte des neuen Albums sind so verspielt und versponnen wie früher. Nach der Pause spielten sie dann die alten Lieder. Sie legten ziemlich rockig los damit das Publikum sich etwas mehr bewegen konnte. Aber auch da kamen wieder ruhigere Lieder zum Zuge. Die ruhigen Lieder stehen Irma Krebs gut, denn so kommen die Texte besser zur Geltung. Jetzt spielte der Gitarrist einen Synthesizer, aber nicht zum schweben sondern mehr als Rhythmus. Der Sänger setzte sich für „Schwarze Rose“ an den Flügel. Alle Bandmitglieder überzeugten durch ihr Können. Als Zugabe spielten sie „Mulwurf“ mit Gesang und die anderen drei Musiker hantierten zu dritt an einer elektronischen Drumstation.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

ZIRKA

Album: „Alles ausser Stille“ (DMB Records)

Zirka ist eine Punkrockband, welche Deutsch singt. Ihre Musik geht herrlich los, nach echter Punkrock-Art. Sie kommen aus dem Kanton Bern. Wichtig sind die Texte. Sie nehmen sich viele aktuellen Themen an, wie der Klimaerwärmung oder dem Rechtsrutsch in der Politik auf der Welt. Persönliche Geschichten finden ebenfalls Platz in den Liedern, wie der Tod eines Bandmitglieds oder die Depressionen des Sängers. Sehr stark ist der Text bei „Nicht alles verändert sich“, oder „Roter Pfeil“. Kurz geschrieben gibt es hier sehr viele gute Texte, die wir nötig haben, und alles mit einer gesunden Portion Wut vorgetragen, die ebenfalls guttut. Zirka, macht weiter so.

Fredi Hallauer

TIM & PUMA MIMI

Album: „More Or Less Tim & Puma Mimi“ (A Tree In A Fielod Records)

Sie sind nach längerer Abwesenheit zurück und das in alter Frische. Sie waren in der Abwesenheit mit Kindererziehung beschäftigt und dem schreiben und machen des neuen Albums. Tim ist Schweizer und Puma Mimi ist Japanerin. Sie machen Elektropop der wilderen und teils unkonventionellen Art, mit Einflüssen von TripHop. Auf diesem Album sind immer wieder ungenannte Freunde dabei. Puma Mimi singt japanisch, englisch und gelegentlich Deutsch. Alles ziemlich aufregend und chaotisch zusammengebaut. Der zweite Teil des Albums ist etwas dunkler geraten und hat mehr TripHop Anteile. Die Musik hat dieses Mal mehr traditionelle japanische Einflüsse, sei es von den Instrumenten her, oder von den Melodien. Diese Musik macht Spass und ohne abzutanzen, kann man diese Musik kaum hören. Ein ungewöhnliches Album, das trotzdem melodiös ist und sehr eingängig und erfrischend.

Fredi Hallauer

JMO

Album: „In Ia Yelle“ (Jangalega@brinkmanship.ch)

JMO ist ein internationales Trio mit Jan Galega Brönnimann (Bassklarinette, Sopransaxophon, Ney, Kass Kass und Perkussion); Moussa Cissokho (Kora, Gesang und Talking Drum) und Omri Hason (Perkussion, Hang und Wood Pack). Die drei Musiker spielen Weltmusik vom Feinsten. Die Kora und die Bassklarinette oder Sopransaxophon spielen die Melodien oder verzieren sie. Die Perkussion gibt den Drive und dazu natürlich der westafrikanische Gesang. Am Anfang ist das Album noch etwas ruhiger aufgebaut. Im Verlaufe der acht Songs nimmt alles immer mehr Fahrt auf, was zu einem herrlichen Fest der Töne führt. Eigentlich gibt es da nicht viel zu schreiben, diese Musik muss man hören und geniessen. Es ist Worldmusic how it has to be.

Fredi Hallauer

MAJA TAUBE & JAN GALEGA BRÖNNIMANN

Album: „Live aus dem Kohlenhof“ (maja@majataube.de/jangalega@brinkmanship.ch)

Für dieses Album sind zwei Musiker:innen zu einem sehr kreativen Duo geworden. Maja Taube aus Deutschland spielt die elektroakustische Harfe und Jan Galega Brönnimann aus der Schweiz spielt die Bassklarinette, das Sopransaxophon, die Ney und Zurnaduduk. Da treffen also zwei verschiedene kreative Menschen aufeinander, mit Instrumenten, welche man so nicht zusammenfügen würde, und das Resultat ist grossartig. Es verbiegt sich niemand für diese Musik, sie passt einfach zusammen. Stilmässig ist es schwierig zu schubladisieren, vielleicht Kammerjazz oder zeitgenössische Kammermusik, einfach wundervolle Musik. Beide Instrumente übernehmen immer wieder die Führung, die Melodie und beide können auch in der Begleitung bleiben. Die Stücke haben fantasievolle Namen wie Kohlenhof (Ort des Konzertes), Sisters, Abschied, Feuerorgel, Choral oder Störfeld. Es ist ein Genuss, dieser feinen, leisen und filigranen Musik zu lauschen.

Fredi Hallauer

HVCK FINN

Interview

Fredi und Kathrin Hallauer sprachen am Zermatt Unplugged 2025 mit zwei der Musiker

Album: „View On The Ocean“

Dieses Album erschien im Jahre 2024, kam aber erst jetzt in meine Hände und Ohren im Rahmen von Zermatt Unplugged. Das ist eine grossartige Rockband, welche auf diesem Album mit E-Gitarren und Synthesizern spielt. Die Musik ist sehr detailverliebt, wer also genau hinhört, kann da ganz viel heraushören. Wichtig sind hier nicht nur die Musik, sondern die ehrlichen und authentischen Texte, welche aus dem Leben erzählen. Wenn sie nicht zu fest auf die Pauke hauen und die Stimmen nicht verzerren, hört man einen tollen Sänger, von welchen es nicht viele gibt, mit einer charismatischen und eindrücklichen Stimme. Diese Stimme und diese Musik gehen direkt ins Herz. Dies ist ein ehrliches und grossartiges Album, welches mehr Beachtung verdient.

Fredi Hallauer

BLAU SALVATGE

Album: „Hiraeth“(Microscopi)

Blau Salvatge ist eine achtköpfige Kammerjazz-Formation mit dem Vibraphonisten Joan Perez-Villegas. Er und weitere Musiker:innen leben in der Schweiz und haben die verschiedensten Nationalitäten oder stammen aus den verschiedensten Landesteilen der Schweiz. Zur Band gehören Zoë Gordeon an der Violine, Nancy Meier bläst die Flöten, Paula Häni bläst die Klarinetten, Felix Grandjean die Trompete und das Flügelhorn, Pere Molines die Posaune, Tabea Kind streicht und zupft den Kontrabass und Nicolas Bianco bearbeitet das Schlagzeug und bläst auf der Mundharmonika. So vielseitig wie diese Zusammensetzung ist, klingt sie auch. Die Stücke sind ziemlich auskomponiert, aber jedes Instrument hat seine Räume. Der Bandleader und Komponist hat eine Vorliebe für Volkslieder und Bräuche sowie für Geschichten. So hat er einige Lieder umgesetzt, aber auch Erzählungen und Geschichten vertont. „Vou Veri Vou“ ist ein Arrangement über ein marokkanisches Schlaflied. Es wird gesungen von Julia Colom und der Hackbrettspieler Nayan Stalder steuert seine Töne bei. „Non Manca Niente“, ein katalanisches Lied, singt in diesem Arrangement Francesca Gaza. Eine spannende Idee war es, von allen Mitgliedern der Band ein Lieblingslied aus der Kindheit in ein Gesamtwerk zu arrangieren. Das gibt es zu hören als „A Childish Tantrum“, wo Mike Maurer mit dem Alphorn unterstützt. Es gibt Lieder aus der deutschen und der französischen Schweiz, aus Deutschland, Spanien, Amerika und weiteren Ländern. Blau Salvatge ist ein hervorragendes Album gelungen, bei welchem man durch genaues Zuhören immer wieder neues entdeckt.

Fredi Hallauer

GOTTHARD

Album: „Stereo Crush“ (Nuclear Blast)

Dies ist das 14. Studioalbum der Hardrocker. Sie haben an diesem Album hart gearbeitet und einiges ausprobiert und umgesetzt. Der erste Song geht stark in Richtung Metal, bei den weiteren Songs ist es meistens Hardrock mit Metal Einflüssen. Der Sound ist neu, moderner. Da knallt einem ein Teppich von Sounds entgegen, die Gitarren legen ihn aus. Darüber die Stimme des Sängers und einige Background Stimmen. So wechseln bunte Rocksongs über zwölf Titel. Einer davon ist das Beatles-Cover „Drive My Car“, welches ihnen offenbar Spass macht. Ausser der Gesangsmelodie ist natürlich alles Gotthard. Die Band ist mit diesem Album auf Kurs und wird auf internationaler Tour sein.

Fredi Hallauer

ANNA KÄNZIG

EP: „Songs By The Sea“

Die Zürcher Singer/Songwriterin ist mit einer EP nach vierjähriger Kreativpause zurück. Unterdessen wurde Anna Känzig Mutter. Sie ist auch vier Jahre älter geworden und dies alles wirkt sich positiv auf die Musik und die Songs aus. Anna Känzig hat tiefgründige, bittersüsse Texte und erzählt von den letzten vier Jahren und ihrer Entwicklung. Musikalisch ist es Indie Pop mit präsenter aber zurückhaltender Musik, sodass die Stimme, der Gesang, deutlich im Vordergrund und Mittelpunkt ist. Die vier Songs sind sehr ansprechend und von der unverwechselbaren Stimme geprägt.

Fredi Hallauer

DIRTY SOUND MAGNET

Live: Bierhübeli am 17. April 2025

Bild Fredi Hallauer

Das Trio aus der Romandie zelebrierte den ProgRock, ohne dabei die psychedelischen Einflüsse zu vergessen oder den Bluesrock. Die Stücke waren oft episch, und das Intro hätte mehrere Male aus Westernfilmen stammen können. Ihre Songs waren rhythmisch vertrackt und oft recht verschachtelt. Die Helden aus den 70er liessen grüssen. Später zitierte sie die Helden noch, und der Gitarrist wurde selbst zu einem Gitarrengott. Überhaupt, was dieser junge Mann da spielte, war grossartig. Die längeren Intros bestanden meistens aus filigranen Gitarrenklängen. Er konnte aber auch die Flitze Finger einsetzen. Wenn er gerade nicht seine Finger tanzen liess, tanzte er selbst wie ein Balletttänzer über die Bühne. Die Band verstand es, mit Schlagzeug, Bass, Gitarre und Stimmen das Publikum abzuholen und ganz in ihr Klanguniversum eintauchen zu lassen. Am Schluss tanzten die Finger des Gitarristen und er selbst vollführte Luftsprünge. Ein ausgiebiges Schlagzeugsolo fehlte ebenfalls nicht. Das junge Publikum im Saal flippte aus. Da soll noch jemand sagen, Stromgitarren Rock sei von gestern.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

NONANTE

Album: „Monate“ (Table Basse Records & Irascible)

Das Lausanner Quartett zog im Herbst nach Norditalien, in ein Steinhaus am Lago die Monate. Darum also der Albumtitel. Dort hat es immer geregnet und es war kalt in dem Haus. Alle Songs entstanden dort. Der Sound von Nonante ist weiterhin Post Punk, manchmal nahe bei Garage Rock. Der Bass wiederholt sich dauernd, die Gitarren sind einfach, nur selten verzerrt und der Gesang ziemlich im Hintergrund und kalt. Überhaupt ist die Musik ziemlich kühl bis kalt. Nonante ist Musik, die wahrscheinlich nicht alle mögen, darum vorher hineinhören.

Fredi Hallauer

PALKO!MUSKI

Album: „Bon Voyage“ (Irascible)

Die Band aus Zürich legt wieder ein neues Album in unsere Ohren. Es ist so Energie geladen, wie sie immer waren. Sie sind nicht nur eine heisse Live-Band, sondern schaffen es auch, mit einem Album die Menschen ausflippen zu lassen. Sie spielen vorwiegend OFF-Beat und das in einer Mischung aus Gypsie-Punk, Polka, Folk-Punk und anderen wilden Musikformen. Diese Musik ist herrlich schräg und es werden sie alle mögen, welche genug von Mainstream haben. Als Verstärkung haben sie Balthasar Streit, der Trompeter vom Traktorkestar, hinzugezogen. Diese Musik macht echt Spass.

Fredi Hallauer