TRUMMER

Album: „Ir Brandig“ (TOURBOmusic)

Trummer hat sich für sein neues Album wiederum etwas Besonderes überlegt. Er hat zwölf Gäste eingeladen und mit ihnen ein Lied eingespielt und zum Thema weiterführend einen Podcast gemacht. Die Gäste sind: Sina, Hendrix Ackle, Ursina, Shirley Grimes, El Ritschi, Valeska Steiner, Annina Mossoni, Duo Zaugg & Widmerin, Billie Bird und La Nefera. Zwei Lieder singt er alleine. Mit dabei ist auch seine hervorragende Band. Die Lieder gehen von Biografien (teils auch fiktiven) zu Herkunft und das Menschsein im Jetzt. Mit jedem einzelnen Künstler, jeder einzelnen Künstlerin hat er ein Lied geschrieben, welches stilmässig passt. Es sind wunderschöne Texte auf ebensolchen Melodien. Einzelne Songs hervorzuheben, ist ziemlich unfair, aber textmässig muss man sich unbedingt „Pulferkafilied“ und „Ir Brandig“ anhören. Ein grossartiges Album.

Fredi Hallauer

ANNA REY

EP: „State Of Mind“ (Red Brick Records)

Die Pianistin und Sängerin, spielt auch Rhodes und Gitarre. Bei einem Teil der Songs wird sie mit Schlagzeug und anderen Instrumenten unterstützt. Sie hat ihren eigenen und eigenwilligen Stil, welcher als Singer/Songwriter mit gewissen jazzigen Einflüssen, einzuordnen ist. Bei einer Songschreiberin sind natürlich die Songinhalte am wichtigsten. Anna Rey singt in den fünf Songs von Hoffnung, von der Frage: Wer sagt mir, wer ich bin? Sie singt gegen Erwartungen, Rollenbilder und Deutungsmacht. Die Songs kommen unverblümt und direkt daher und sind alles Volltreffer. Mit der manchmal zerbrechlichen Stimme trifft Anna Rey, voll ins Herz. Eine Entdeckung.

Fredi Hallauer

SOLONG

EP: „Skeleton“ (Mouthwatering Records)

Solong ist Komponistin, Sängerin und eine gute Gitarristin. Die vier Songs der EP hat sie in ihrem Wohnzimmer geschrieben, in den Bergen mit ihrer Band arrangiert und aufgenommen. In der Band ist eine Bassistin, ein Synthesizer Mann und ein Schlagzeuger. Solong spielt die Gitarre. Der Gesang ist eher sperrig, verhallt, teils kraftvoll, aber nie einfach zu konsumieren. Die Musik ist ähnlich, nur passt häufig das Sounddesign nicht zusammen, weder rhythmisch noch klanglich. Das soll sicher so sein, aber trotz mehrmaligem Hörens fand ich hier den Zugang nicht.

Leider gibt es kein Video oder Musikbeispiel der EP, darum eine aktuelle Live Session.

Fredi Hallauer

NEW SAINTS

Album: „New Saints“ (Lux Noise Records)

Zwei Mitglieder der Bitch Queens gründeten eine neue Band, eben die New Saints. Sie spielen sich die Finger wund und schreien sich die Kehlen heiser, irgendwo zwischen Punk und Metal. Harte Riffs, ebensolche Synthies und ein wildes Getrommel gehören dazu. Beat mässig nehmen sie dazwischen die aktuelle Popmusik etwas auf die Schippe. Die Texte sind ziemlich old-fashioned, sie müssen einfach unziemliche Wörter in der Gegend herumschreien. Vielleicht sind da noch andere Aussagen versteckt, aber ziemlich schwer zu verstehen. Das war mal Punk, ist es aber heute nicht mehr unbedingt. Schon bessere Alben dieser Musiker gehört.

Fredi Hallauer

WOLFBERG

EP: „Luftpost“ (Irascible)

Wolfberg sind Perrine Berger und Nicolas Wolf, beides Kulturakteure. Sie machen Musik zu den Themen Gleichstellung, Gerechtigkeit und Authentizität und schauen mit Ohnmacht auf Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, sie wollen nicht predigen, sondern zum Hinschauen anregen. Die Worte sind oft nur Fragmente, manchmal auch ineinander verschachtelt und zerschnipselt. Gesungen wird auf Französisch. Die Musik besteht aus Schlagzeug, Synthesizer und Gitarre. Einige Titel sind instrumental, die anderen haben längere instrumentale Teile. Das sind Klänge, denen man sich einfach so hingeben kann und die Stimmungen aufsaugen.

Fredi Hallauer

VIERTAKTMOTOR & WAEL SAMI ELKHOLY

Live: Gränzgängig in der Progr Aula am 11. September 2025

Bild Kathrin Hallauer

Ja, das war wiederum ein tolles Konzert aus der Serie Gränzgängig, ein gränzgängiges eben. Unter dem Begriff dürfen alle verstehen, was sie wollen. Der Oudspieler und Sänger Wael Sami Elkholy lebt seit 16 Jahren in der Schweiz. Er studierte in Kairo und in Bern. So kennt er beide musikalische Welten. Viertaktmotor hat dem Oud Spieler ihre Stücke zugeschickt und umgekehrt, und an einem Tag haben sie daraus ein Programm für den Abend zusammengestellt. Sie sahen sich vorher nie. Es war eine spannende Mischung von arabischen Gedichten, welche Wael Sami Elkholy vertonte und die von Viertaktmotor auf Cello, Hackbrett, Kontrabass und Akkordeon in eine neue Dimension gebracht wurden.

Bild Kathrin Hallauer

Was diese Musiker alles für Klänge aus ihren Instrumenten herausholten, was für Rhythmen sie spielten, grossartig. Nayan Stalder schrieb die Musik zu „Anne Bäbi im Säli“ und irgendwie fehlte ihm im Mittelteil etwas, vor diesem Konzert hat er es herausgefunden: das Oud. So spielten sie dieses Stück, sehr an Schweizer Volksmusik erinnernd, mit dem Oud, welches sich hervorragend in diese Klänge einpasste. Ein geniales Konzert.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

NAMAKA

Album: „Cloudspotting“ (Mouthwatering Records)

Das neue Album von Philipp und Sophie, alias Namaka, entstand zwischen Zürich und Brüssel. Bei der Entstehung standen Tape Rekorder und Laptop im Einsatz. Zu hören ist vielseitiger Elektropop. Da sind satte, schnelle Bassläufe, ein Schlagzeug, das manchmal echt scheppert, Synthies, welche dazwischen herum mäandern. Alles ziemlich bewegt, laut, nervös und darüber die wundervolle und ruhige Stimme von Sophie, welche sich von dem Gehetze nicht beeinflussen lässt und den Wolken nachsieht. Namaka beschreibt auch in den Liedern, genau das, was die Musik vorgibt. Der Lärm um uns, unsere Beziehung zur Aussenwelt, und wo finden wir darin unsere Ruhe, unsere Energie? Ein komplexes Album und trotzdem sehr eingängig. Sicher eines der besten Alben dieses Genres in diesem Jahr.

Fredi Hallauer

MEGAWATT

Album: „Elektrisch“ (Hitmill Records)

Die Bündner Hardrockband mit grossem Herz lässt es wieder kräftig rocken. In der klassischen Hardrock Besetzung, Gesang, zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug werden sie noch von ihrem Produzenten Georg Schlunegger an den Backing Vocals und verschiedenen Instrumenten unterstützt. Dass Georg Schlunegger (Heimweh, Schwyzergoofe) der Produzent ist und die Finger an den Reglern hatte, hört man schon bei den ersten Tönen, und das ist gut so, denn er weiss, wie man erfolgreiche Musik produziert. Auch wenn das erste Stück „Träumer“ etwas stark nach Heimweh tönt, merkt man bald, dass es hier um Hardrock geht. Der Sänger Thomas Graf singt mit Gölä als Duettpartner „Brich mir mis Härz“, eine Rockballade. Die Texte erzählen von Liebe, von Mut, von Zielen und das in einer guten Form. Der Bündnerdialekt bringt noch ein paar Sympathiepunkte. Wer weniger auf die Texte hören möchte, sondern mehr auf die Musik, auch diese Menschen kommen auf ihre Rechnung. Die Gitarren lassen es herrlich rocken und kreischen, der Bass pumpt die Beats und das Schlagzeug hämmert einem die Musik in die Ohren. Wie bereits geschrieben: sauber produziert, ausgewogener Sound, jedes Wort verständlich und gutes Songwriting. Was will man mehr?

Fredi Hallauer

MONUMENTAL

Album: „When I Liked Myself Just A Little Too Much“ (Mouthwatering Records)

Das Album von Monumental ist Musik mit viel Augenzwinkern und trotzdem ersten Fragen. Musikalisch ziehen sie viele Register im Bereich Elektropop, Elektrorock, aber auch Indiepop ist vorhanden. Alles klingt ziemlich verspielt. Sie hinterfragen alles und stellen alles infrage, und dies ist genau das, was Freude macht an dieser Musik und ihren Texten. Mit neun Songs und 27 Minuten ist es ein relativ kurzes Album, denn genau das ist schade. Es wird nie langweilig, gutes Songwriting, und darum hätte man gerne mehr gehört.

Videos auf You Tube oder vom Plattenlabel gibt es keine. Wer trotzdem hören müchte findet unter folgendem Link, aktuelle Musik.

https://mx3.ch/monumental

Fredi Hallauer

JULES MARTINET

EP: „Peak Rose“ (Irascible)

Der Musiker aus Lausanne und Zürich spielte bereits in verschiedensten Bands und mit verschiedensten Musikern. Nun ist er solo unterwegs. Er singt Französisch und seine Texte sind Fragmente, welche er zusammensetzte. Inhalt der Fragmente sind Beziehungen, das Ende von Beziehungen und Ähnliches. Die Musik kann dem Pop zugeordnet werden, ist aber sehr eigenständig und ein wenig eigenwillig. Den Zugang zu diesen Songs zu finden, ist nicht einfach.

Fredi Hallauer

ALBIN BRUN QUARTETT

Album: „Pas De Quatre“ (www.albinbrun.ch)

Albin Brun und seine Musiker:innen sind wohl von den umtriebigen Menschen in der Musikszene. Darum wundert es einen nicht, wenn erst jetzt ihr erstes Album erscheint. Neben Albin Brun (Sopransax, Schwyzerörgeli) spielen Patricia Dräger (Akkordeon), Claudio Strebel (Kontrabass) und Markus Lauterburg (Schlagzeug, Perkussion) mit. Der Albumtitel heisst nicht etwa, dass sie nicht vier sind, sondern ist an den Tanz „Pas de Deux“ angelehnt, und weist darauf hin, dass fast kein Stück im 4/4 Takt ist. Dieses Quartett spielt Musik zwischen Jazz, imaginärer Volksmusik und Improvisation. Die meisten Stücke schrieb Albin Brun, je zwei Stücke stammen von Patricia Dräger und Claudio Strebel. Die Stücke wurden von den verschiedensten geographischen Gebieten beeinflusst, wie Bulgarien, Dingle in Irland, dem Elfenauquartier in Luzern, Island, den Karpaten und weiteren Gebieten der Schweiz. Manchmal sind es auch Hommagen an die Akkordeonistin, an sein Örgeli oder den ehemaligen Schweinestall, welcher nun als Probelokal dient. Diese 13 Stücke sind voller Überraschungen und genaues Hinhören macht sehr viel Spass und erweitert das musikalische Spektrum. Wenn jetzt alles etwas verrückt tönt, die Musik bleibt immer auf ihre Art bekömmlich.

Fredi Hallauer

MICHAEL VON DER HEIDE

Album: „Michael von der Heide singt Knef“ (IGroove)

Hildegard Knef würde am 28. Dezember 2025 ihren 100. Geburtstag feiern. Michael von der Heide mochte die Texte und Lieder von Hildegard Knef schon immer und hat immer wieder Lieder von ihr in seinem Programm gehabt. Anlässlich des runden Geburtstags von Hildegard Knef präsentiert uns Michael von der Heide, dreizehn ihrer Lieder. Es sind nicht nur ihre grössten Hits, sondern auch. So darf man auf diesem Album einige Lieder von Hildegard Knef entdecken oder vielleicht wiederentdecken. Nun sagt man ja, das Original ist immer die beste Interpretation. Das stimmt, aber Michael von der Heide kopiert nicht einfach Hildegard Knef, sondern er singt ihre Lieder. Dazu hat er seine Stimme und seine Phrasierungen plus erstklassige Musiker, welche ebenfalls die Musik eigenständig interpretieren. Wenn Hildegard Knef etwas mit Gypsy Swing begleiten liess, machen das diese Musiker nicht gleich. Also zu hören gibt es tolle Musik im Bereich Swing, Chanson mit schönen jazzigen Soli und natürlich Michael von der Heide, welcher hervorragend singt und interpretiert. Zu hören sind unter anderem „In dieser Stadt“; „Für mich soll’s Rote Rosen regnen“, „Ich brauch Tapetenwechsel“, aber auch „Die Welt ging unter am Zürichsee bei 30 Grad im Schatten“ und drei französische Chansons. Zum Album gibt es natürlich die Tour, oder zur Tour dieses Album.

Fredi Hallauer

TURQUOISE YACHTING CLUB

EP: „Overnight Part One“ (Irascible)

Das Quintett aus Lausanne veröffentlicht mit dieser EP, die erste Hälfte ihres neuen Albums. Es wird nicht nur ein neues Album geben, sondern auch der Stil der Band hat sich bewusst verändert. Auf dieser EP ist der Sound etwas grauer als bisher und sie spielen mit Cool Wave und Postpunk herum. Es sind moderne Sounds mit verschiedensten Synthesizern, aber auch ein paar analogen Instrumenten gespielt. Was uns die Lausanner hier zu Gehör bringen, tönt trotz des etwas düsteren Sounds wohltuend und nicht beklemmend. Wer nicht auf das ganze Album warten kann, kann loslegen und sich diesen Part One anhören.

Fredi Hallauer

ELIO RICCA

Album: „Emotional Hardcore“ (Mouthwatering Records)

Das Schweizer Duo spielt im Widerspruch des Albumtitels. Einmal sind sie emotional und in wenigen Sekunden darauf Hardcore. Sie pendeln zwischen hartem Elektropop und Postpunk. Schöne Hooks, vertrackte Beats oder Texte, die ein Mantra sein könnten, dies und noch viel mehr gibt es in den Songs auf dem neuen Album zu hören. Sie klingen sehr eigenständig und sind sicher nicht jedermanns Sache. Flexible und neugierige Menschen finden sicher Gefallen an dieser Musik.

Fredi Hallauer