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StartseiteBeitrag veröffentlicht von fhallauer(Seite 5)
Saint Stacy ist die Schweizerin Kristina, welche lange Zeit bei Kadebostany den Gesang übernahm. Nun wandelt sie auf Solopfaden. Alle Songs hat sie selbst geschrieben und eingespielt und die Produktion zusammen mit Flex Fab übernommen. Herausgekommen ist ein luftiges Indiepop-Album. Alle Songs sind tanzbar, ja, sie fahren direkt in die Beine. Ihre schöne Stimme fiel schon immer auf und bezirzt einen auch bei dieser Produktion. Das Songwriting ist grossartig und vielseitig. Vielleicht einziger Schwachpunkt ist die manchmal etwas verschwommene Aussprache. Aber auf den Text hört man seltener, wichtig sind hier der Gesamtsound und der Beat, bei welchem man das Handwerk von Flex Fab spürt.
Album: „Halo’s Glitter“ (A Tree in a Field Records)
Das schweizerisch-südafrikanisch/simbabwische Duo brilliert mit einem vibrierenden Afrosoul Album mit Africasound , Deep Soul und etwas Elektronik. Siselabonga sind die Singer/Songwriterin Nongoma Ndlovu und der Perkussionist Fabio Meier. Im Studio haben noch ganz wenige Leute etwas beigesteuert. Die Musik ist gesangs- und perkussionsorientiert. Nongoma Ndlovu hat diese beeindruckende südafrikanische Stimme, aber kann dann auch wieder in sanften, schmeichelnden Soul verfallen. Es gibt Songs die sind a-cappella mit viel Energie. Ein umwerfendes Album, gehört auf jede Worldmusic Bestenliste.
Album: „Kirschblütenboogie“ (A Tree in a Field Records)
Dies ist das zweite Album dieser Supergroup, wie man früher Bands nannte, welche sich aus drei etablierten Musikern zusammensetzten. Hier spielen Fai Baba, Long Tall Jefferson und Paul Märki zusammen. Es ist ruhige Instrumentalmusik mit klarer, heller gezupfter E-Gitarre, flockigem Bass und gebürstetem Schlagzeug. Die Band oder andere Leute fanden schon viele lustige Namen für diese Musik. Ich nenne sie einfach entspannter Hängematten Indie Folk. Diese Klänge entstanden irgendwo in der Ruhe an einem abgelegenen Ort, und genau das vermitteln sie. Wunderschön, unaufgeregt und zart schmelzend.
AD-RIAN ist ein Musiker mit über 40 jähriger Erfahrung. Er spielt solide Rockmusik. Seine Kompositionen sind sehr melodiös und eingängig. Seine charismatische Stimme fliesst wie etwas rauer Whiskey in die Ohren. The Rise ist eine Band, welche sich ebenfalls sehen und hören lassen darf. Mauro Zombicchiatti am Bass und Thomas Wild am Schlagzeug (beide von Polo Hofer Schmetterband), Bernie Weber am Piano und Chris Stalder an der Leadgitarre. Das Resultat sind gute und handgemachte Songs, solide gespielt. Rock aus der guten alten Zeit ohne Firlefanz und Elektronik.
Elie Zoé nannte sich vorher Emilie Zoé, da Elie aber ein stimmliches Problem bekam und die Stimme neu finden musste, fand sie auch einen neuen Namen. Elie Zoé tönt nun viel tiefer und etwas weniger exzessiv im Gesang. Die Songstrukturen sind noch sehr ähnlich. Meistens fangen die Songs ruhig oder leise an, um sich dann zu steigern. Elie begleitet sich an Gitarren und dem Piano, unterstützt wird sie von einem Schlagzeuger. Gesungen wird auf Englisch. Die Songs von Elie Zoé waren schon immer berührend und mit der neuen Stimme haben sie noch die Dimension Sinnlichkeit erhalten. Elie singt von der Natur, erzählt Geschichten, von Veränderungen und Verschiebungen. Dieses Album gehört zu den Geheimtipps.
Die neue Band mit bekannten Berner Musikern und einer Hamburger Sängerin veröffentlicht ihr erstes Album. Bei der Sängerin und Keyboarderin handelt es sich um Jeannette Wolf, bei den Musikern um den Bassisten Higi Bigler, den Gitarristen Urs Gilgen und den Schlagzeuger Tobi Heim, alle drei von den ehemaligen Kummerbuben. Jeannette Wolf singt Deutsch, Englisch und Französisch. Die Band lässt es so richtig grooven, krachen, und manchmal werden sie auch etwas ruhiger. Der Stil ist Indie-Pop mit Chanson-Einflüssen. Gesanglich nimmt uns Jeannette Wolf auf eine Achterbahnfahrt mit, mal frisch, frech und wild, dann wieder eher dunkel oder verträumt. Die Texte sind eher kryptisch, klingen aber gut, vorwiegend die Wortspiele in den deutschsprachigen Teilen.
Der Aargauer Musiker und Produzent nahm sechs neue Songs auf. Dem Dreampop hat er etwas abgeschworen. Seine Songs sind eigenständiger geworden. Sein Gesang ist meist weiterhin sanft und süss, doch er würzt sie mit kräftigen Beats. Das ist wunderschöne Lounge Musik.
Album: „Who Builds The Houses In Your Head“ (Irascible)
Das Duo aus Zürich veröffentlichte ein spannendes Debütalbum. Inhaltlich gehen sie der Frage nach, wie unsere Denkweise entsteht und wie sie beeinflusst wird. Musikalisch setzen sie dieses Thema wunderschön um. Schlagzeug, Gitarre und Keyboard/Synthesizer legen den Boden und darüber singen die beiden, meistens zusammen. Die Frauen- und Männerstimme harmonieren perfekt. Dies ist herrliche Musik zum Hören, Nachdenken und Geniessen.
Dies ist das zweite Album des Rockquintetts aus Luzern. Im Schlafzimmer sollen Gefühle entstehen und diese mit dieser Musik transportiert werden. Das gelingt der Band und vor allem dem Sänger aber nicht. Was zu hören ist, das sind viel Gitarren, also zeitloser Gitarrenrock. Die Gesangsstimme eiert irgendwo herum und der Mann ist weder Sänger noch Shouter. Da gibt es für das Songwriting und den Gesang noch viel Luft nach oben.
Album: „Death Crossed The Street“ (Voodoo Rhythm Records)
Reverend Beat-Man spielte zusammen mit dem 21-jährigen Milan Slick aus Bern. Ihr erstes gemeinsames Album ein. Wie wir es von Reverend Beat-Man gewohnt sind, geht es hier nicht zimperlich zu. Die Musik ist Trash und Synth-Pop ohne Synthesizer, Dark Metal ohne Metal und Rock’n’Roll. Hämmerndes Schlagzeug mit viel Stakkato, kreischende, sägende Gitarren und Gesang, der gefährlich tönt. Milan Slick ist auch von Nick Cave beeinflusst, was man da und dort merkt. Neugierig geworden? Also dann kann man sich das Album anhören. Für schwache Gemüter lieber Finger davonlassen, als nachher schlecht darüber sprechen.
Ritschi hat mit seiner Band seine Lieblingslieder neu verpackt und direkt live eingespielt. Fünf Musiker im Studio und keine digitalen Spielereien, das ergibt diese echte und handgemachte Musik mit Leidenschaft und Seele. Die Musik tönt toll. Piano/Keyboard und Gitarre spielen tolle Passagen und solieren. Bass und Schlagzeug treiben die Lieder voran. Alle Instrumente liegen hinter der Stimme, sind aber immer transparent und deutlich zu hören. Ritschi ist gut bei Stimme und singt sich souverän durch seine Lieblingslieder. Einige sind neu, andere aus seinem grossen Repertoire. Inhaltlich singt Ritschi immer noch viel von der Liebe in den verschiedensten Facetten. Einmal braucht er eine solche Liebe nicht mehr, einmal entschuldigt er sich für sein Verhalten und dann findet er erneut seine grosse Liebe und dies mehrmals. Etwas unglücklich in einer Zusammenstellung, auch wenn die Lieder in verschiedenen Jahren geschrieben wurden. Er kann aber auch andere Lieder schreiben, wie über die alten Zeiten, die wir immer noch haben können, wenn wir wollen. Ein weiteres wunderschönes Lied ist das Lied von der Tochter, für die er alles machte, bis sie dann alt genug war und ihre Entscheidungen selbst traf und schlussendlich auszog. Ein gutes Album mit ein paar inhaltlichen Schwachpunkten, aber auch Stärken.
Dies ist das zweite Album der Harfenistin Kety Fusco. Sie spielt eine elektroakustische Harfe und alle Töne auf diesem Album sind von der Harfe. Sie betont das im ersten Stück, wo sie ihr Instrument ausreizt und Drums und Perkussion damit erzeugt. Iggy Pop steuert einen Sprechtext bei, da er so fasziniert ist von Kety Fuscos Harfenspiel. Die Stücke sind instrumental, zwischen Elektro, häufig tanzbar, Lounge-Musik, Deep Wave und etwas romantischen Melodien. Beim Bonustrack hat sich etwas Richard Clayderman eingeschlichen. Dies ist ein wunderbares Album zum Geniessen, Tanzen, Zuhören und zum Träumen. Kraftvolle Musik im Wechsel zu Klangexperimenten.
Die Urner Band ist nach einer kurzen Pause zurück mit einer EP. Es ist mutige und ehrliche Musik. Manchmal überraschend laut und manchmal sanft und ruhiger. Tanzbar ist diese EP immer. Der Titeltrack ist ein Duett mit Lisa Oribasi. Sehr viel gibt es zu diesen vier Songs gar nicht zu schreiben, ausser dass ich sehnlichst auf mehr warte.
Live: Albumtaufe „Ir Brandig“ in der Mühle Hunziken am 16. September 2025
Bild Kathrin Hallauer
Das neue Album von Trummer, welches letzten Freitag erschien, wurde mit allen Gästen und der Band von Trummer live vorgestellt. Die Gäste waren Sina, Hendrix Ackle, Ursina, Shirley Grimes, El Ritschi, Valeska Steiner, Annina Mossoni, Duo Zaugg & Widmerin, Billie Bird und La Nefera. Wobei Annina Mossoni auch zu Trummers Band gehörte, dort die Tasten spielte. Mit zur Band kamen noch der Bassist Rob Aeberhard und Samuel Baur am Schlagzeug. Das Album wurde als Ganzes eingespielt und auch so präsentiert, die Gäste waren also nicht einfach Featuring-Gäste, nein, sie standen immer wieder auf der Bühne, sangen Backing oder Chor für die anderen. Hendrix Ackle sass oft am Piano und auch El-Ritschi aus Engelberg war immer wieder irgendwo zu sehen, sei es an der Gitarre, Tambourin oder an einem anderen Perkussionsinstrument. Trummer erzählte dazwischen, wie es zu den Liedern kam, oder wie das Lied die Singenden gefunden hat und andere kleine Geschichten. Das Programm bestand mit einer Ausnahme und der Zugabe nur aus den Liedern des neuen Albums, welche live natürlich durch wundervolle Soli der Instrumentalisten oder verlängerte Chöre erweitert wurden. Die Lieder kamen auch live gut rüber. Es war ein starkes, eindrückliches und schönes Konzert. Grandios.
Da es etwas schwierig ist mit den Bildern, hänge ich hier einige an und nicht zwischen den Text.
Live: Nacht der Lieder in der La Cappella am 14. September 2025
Es war wieder soweit, die Nacht der Lieder ging über die Bühne. Dies war die 10. Ausgabe, die 2. Ausgabe in der La Cappella. Es sei hier vorausgenommen, es war eine wundervolle Ausgabe. Zuerst trat der Kopf dieser Serie auf die Bühne, Reto Zeller.
Bild Kathrin Hallauer
Er eröffnete den Liederreigen mit einer neuen Version von „Es gieng au ohni …“. Er gab die Bühne anschliessend für Christine Lauterburg frei.
Bild Kathrin Hallauer
Sie jodelte mit dem Örgeli in den wildesten Tönen mit eingebautem Pfeifen, jodelte dann ein modernes Medley, bei dem sie mit dem Örgeli den Beat markierte. Dann sang sie noch ein Lied mit der Geige. Einfach grandios. Fabian Lau aus Deutschland faszinierte das Publikum mit seinem Gitarrenspiel und dann erst recht mit seinen sehr satirischen Texten.
Bild Kathrin Hallauer
Die erste Überraschung des Abends. Ein Nicht-Liedersänger war der Slam-Poet Remo Zumstein.
Bild Kathrin Hallauer
Seine Geschichten waren teils Mitmachgeschichten und wirklich lustig. Sie regten aber auch zum Nachdenken an, vorwiegend was sind No-Gos. Er überraschte ebenfalls. Die nächste Überraschung war Caroline Bungeroth, die im Kanton Bern lebende Berlinerin.
Bild Kathrin Hallauer
Die Klavierkabarettistin erklärte und sang Mutmachertexte, um sich zu seinem Recht zu verhelfen, und dies erst noch witzig. Sie trat dann als Sopranistin auf mit einem neuen Text zur Königin der Nacht.
Bild Kathrin Hallauer
Dann war Pause. Nachher startete gleich wieder Caroline Bungeroth. Dieses Mal setzte sie sich mit den Unterschieden der deutschen Sprache und der Berner Mundart auseinander, erzählte, wie sie Schweizerin wurde, und spielte auf dem Schwyzerörgeli sie jodelte noch dazu. Zusammen mit Christine Lauterburg, örgelten die Frauen und jodelten. „Mir Senne heis luschtig“ bekam dann noch einen deutschen Anhang.
Bild Kathrin Hallauer
Dies war sehr beeindruckend und witzig. Christine Lauterburg sang noch zwei eher dramatische Liebeslieder, bevor Reto Zeller sang, wieso er das Publikum nicht lobe. Remo Zumstein las kurze Gedichte mit viel Witz und liess sich von den beiden Frauen am Piano und der Geige begleiten. Fabian Lau sang ebenfalls noch zwei Lieder mit viel Ironie. Remo Zumstein griff dann zur Gitarre und sang ein Abschiedslied auf die CS zur Melodie von „Next door to Alice“. Zum Schluss sang Reto Zeller sein bekanntes Schlusslied, immer wieder in neuer Version, und wurde von allen anderen begleitet. Es war wirklich ein sehr gelungener Abend und man entdeckte neue gute Künstler:innen, wenn man sie nicht bereits kannte.