BEATRICE EGLI

Album: „Hör nie auf damit“ (Ariola/Sony Music)

Beatrice Egli, der Schweizer Schlagerexport, präsentiert ein neues Album in Rosa. Im CD-Pack gibt es auch ein Briefchen Blumensamen, ein paar Kleber mit dem Konterfei der Sängerin und ein Booklet mit allen Texten. Beatrice Egli singt Schlager, das ist ein Fact und daran soll niemand etwas kritisieren. Auf diesem Album sind es eher aufgestellte Texte mit Partyschlager-Musik. Alles gut gemacht und gut produziert, die Stimme klingt präsent und die Texte sind akustisch zu verstehen. Eigentlich alles im rosa Bereich. Mich stören da und dort die Texte. Wenn man alte Schlager hört, hat man das Gefühl, die darf man heute nicht mehr so ungefiltert spielen, geschweige denn aufnehmen. Aber bei Beatrice Egli gibt es doch ab und zu Textzeilen, oft wiederholt, wo man Fragezeichen setzen muss, vor allem, wenn es eine junge Frau singt. „Wir haben uns aus Versehen berührt, und aus versehen geküsst. Einmal weiss ein jeder ist sowas wie keinmal“. Zu einem solchen Text soll jede(r) denken, was er will.

Fredi Hallauer

KRUGER BROTHERS

Live: „Train Songs“ im Kulturhof Köniz am 21. Oktober 2025

Bild Kathrin Hallauer

Dieses Mal kamen die Kruger Brothers in der Besetzung Jens und Uwe Krüger und Joel Landsberg plus dem jungen Mandolinenspieler Jonah Horton. Die vier starteten mit einer Instrumentalsuite mit Stücken aus ihrem Repertoire. Es folgten Songs aus Country und Bluegrass und aus der eigenen Feder mit teils längeren Instrumentalteilen. Alle Songs, und Stücke hatten mit Zügen zu tun, egal ob in Europa oder den USA. Dazwischen erzählten sie tolle Geschichten von ihren Zugfahrten und Reisen, als Strassenmusiker und auch auf Tour. Die Geschichten müssen nicht wahr sein, aber sie waren toll erzählt und sehr unterhaltend. Musikalisch zählen die Kruger Brothers immer noch zu den Besten auf Gitarre und Banjo. Was die alles für Töne und Klänge aus ihren Instrumenten herausholten, brachte einen auch beim x-ten Konzert zum Staunen, und oft noch, in welchem Tempo sie das taten. Der junge Mandolinenspieler stand ihnen in nichts nach. Auch er beherrschte sein Instrument und spielte von wilden Rhythmen zu rasanten Soli. Kruger Brothers waren wiederum ein herrliches Erlebnis.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

SAINT STACY

Album: „Beginner Again“ (NSK/Saint Stacy)

Saint Stacy ist die Schweizerin Kristina, welche lange Zeit bei Kadebostany den Gesang übernahm. Nun wandelt sie auf Solopfaden. Alle Songs hat sie selbst geschrieben und eingespielt und die Produktion zusammen mit Flex Fab übernommen. Herausgekommen ist ein luftiges Indiepop-Album. Alle Songs sind tanzbar, ja, sie fahren direkt in die Beine. Ihre schöne Stimme fiel schon immer auf und bezirzt einen auch bei dieser Produktion. Das Songwriting ist grossartig und vielseitig. Vielleicht einziger Schwachpunkt ist die manchmal etwas verschwommene Aussprache. Aber auf den Text hört man seltener, wichtig sind hier der Gesamtsound und der Beat, bei welchem man das Handwerk von Flex Fab spürt.

Fredi Hallauer

SISELABONGA

Album: „Halo’s Glitter“ (A Tree in a Field Records)

Das schweizerisch-südafrikanisch/simbabwische Duo brilliert mit einem vibrierenden Afrosoul Album mit Africasound , Deep Soul und etwas Elektronik. Siselabonga sind die Singer/Songwriterin Nongoma Ndlovu und der Perkussionist Fabio Meier. Im Studio haben noch ganz wenige Leute etwas beigesteuert. Die Musik ist gesangs- und perkussionsorientiert. Nongoma Ndlovu hat diese beeindruckende südafrikanische Stimme, aber kann dann auch wieder in sanften, schmeichelnden Soul verfallen. Es gibt Songs die sind a-cappella mit viel Energie. Ein umwerfendes Album, gehört auf jede Worldmusic Bestenliste.

Fredi Hallauer

LÖWENZAHNHONIG

Album: „Kirschblütenboogie“ (A Tree in a Field Records)

Dies ist das zweite Album dieser Supergroup, wie man früher Bands nannte, welche sich aus drei etablierten Musikern zusammensetzten. Hier spielen Fai Baba, Long Tall Jefferson und Paul Märki zusammen. Es ist ruhige Instrumentalmusik mit klarer, heller gezupfter E-Gitarre, flockigem Bass und gebürstetem Schlagzeug. Die Band oder andere Leute fanden schon viele lustige Namen für diese Musik. Ich nenne sie einfach entspannter Hängematten Indie Folk. Diese Klänge entstanden irgendwo in der Ruhe an einem abgelegenen Ort, und genau das vermitteln sie. Wunderschön, unaufgeregt und zart schmelzend.

Fredi Hallauer

AD-RIAN & THE RISE

Album: „Under One Sky“ (Creative Production GmbH)

AD-RIAN ist ein Musiker mit über 40 jähriger Erfahrung. Er spielt solide Rockmusik. Seine Kompositionen sind sehr melodiös und eingängig. Seine charismatische Stimme fliesst wie etwas rauer Whiskey in die Ohren. The Rise ist eine Band, welche sich ebenfalls sehen und hören lassen darf. Mauro Zombicchiatti am Bass und Thomas Wild am Schlagzeug (beide von Polo Hofer Schmetterband), Bernie Weber am Piano und Chris Stalder an der Leadgitarre. Das Resultat sind gute und handgemachte Songs, solide gespielt. Rock aus der guten alten Zeit ohne Firlefanz und Elektronik.

Fredi Hallauer

ELIE ZOE

Album: „Shiftings Forms“ (Humus Records)

Elie Zoé nannte sich vorher Emilie Zoé, da Elie aber ein stimmliches Problem bekam und die Stimme neu finden musste, fand sie auch einen neuen Namen. Elie Zoé tönt nun viel tiefer und etwas weniger exzessiv im Gesang. Die Songstrukturen sind noch sehr ähnlich. Meistens fangen die Songs ruhig oder leise an, um sich dann zu steigern. Elie begleitet sich an Gitarren und dem Piano, unterstützt wird sie von einem Schlagzeuger. Gesungen wird auf Englisch. Die Songs von Elie Zoé waren schon immer berührend und mit der neuen Stimme haben sie noch die Dimension Sinnlichkeit erhalten. Elie singt von der Natur, erzählt Geschichten, von Veränderungen und Verschiebungen. Dieses Album gehört zu den Geheimtipps.

Fredi Hallauer

THE LOUPETTES

Album: „Jellyfish Barbecue“ (Irascible)

Die neue Band mit bekannten Berner Musikern und einer Hamburger Sängerin veröffentlicht ihr erstes Album. Bei der Sängerin und Keyboarderin handelt es sich um Jeannette Wolf, bei den Musikern um den Bassisten Higi Bigler, den Gitarristen Urs Gilgen und den Schlagzeuger Tobi Heim, alle drei von den ehemaligen Kummerbuben. Jeannette Wolf singt Deutsch, Englisch und Französisch. Die Band lässt es so richtig grooven, krachen, und manchmal werden sie auch etwas ruhiger. Der Stil ist Indie-Pop mit Chanson-Einflüssen. Gesanglich nimmt uns Jeannette Wolf auf eine Achterbahnfahrt mit, mal frisch, frech und wild, dann wieder eher dunkel oder verträumt. Die Texte sind eher kryptisch, klingen aber gut, vorwiegend die Wortspiele in den deutschsprachigen Teilen.

Fredi Hallauer

STRANGE MODES

Album: „Who Builds The Houses In Your Head“ (Irascible)

Das Duo aus Zürich veröffentlichte ein spannendes Debütalbum. Inhaltlich gehen sie der Frage nach, wie unsere Denkweise entsteht und wie sie beeinflusst wird. Musikalisch setzen sie dieses Thema wunderschön um. Schlagzeug, Gitarre und Keyboard/Synthesizer legen den Boden und darüber singen die beiden, meistens zusammen. Die Frauen- und Männerstimme harmonieren perfekt. Dies ist herrliche Musik zum Hören, Nachdenken und Geniessen.

Fredi Hallauer

THE BEDROOM SOUL CLUB

Album: „Fucked Up & Dry“ (Irascible)

Dies ist das zweite Album des Rockquintetts aus Luzern. Im Schlafzimmer sollen Gefühle entstehen und diese mit dieser Musik transportiert werden. Das gelingt der Band und vor allem dem Sänger aber nicht. Was zu hören ist, das sind viel Gitarren, also zeitloser Gitarrenrock. Die Gesangsstimme eiert irgendwo herum und der Mann ist weder Sänger noch Shouter. Da gibt es für das Songwriting und den Gesang noch viel Luft nach oben.

Fredi Hallauer

REVEREND BEAT-MAN & MILAN SLICK

Album: „Death Crossed The Street“ (Voodoo Rhythm Records)

Reverend Beat-Man spielte zusammen mit dem 21-jährigen Milan Slick aus Bern. Ihr erstes gemeinsames Album ein. Wie wir es von Reverend Beat-Man gewohnt sind, geht es hier nicht zimperlich zu. Die Musik ist Trash und Synth-Pop ohne Synthesizer, Dark Metal ohne Metal und Rock’n’Roll. Hämmerndes Schlagzeug mit viel Stakkato, kreischende, sägende Gitarren und Gesang, der gefährlich tönt. Milan Slick ist auch von Nick Cave beeinflusst, was man da und dort merkt. Neugierig geworden? Also dann kann man sich das Album anhören. Für schwache Gemüter lieber Finger davonlassen, als nachher schlecht darüber sprechen.

Fredi Hallauer

RITSCHI

Album: „Lieblingslieder“

Ritschi hat mit seiner Band seine Lieblingslieder neu verpackt und direkt live eingespielt. Fünf Musiker im Studio und keine digitalen Spielereien, das ergibt diese echte und handgemachte Musik mit Leidenschaft und Seele. Die Musik tönt toll. Piano/Keyboard und Gitarre spielen tolle Passagen und solieren. Bass und Schlagzeug treiben die Lieder voran. Alle Instrumente liegen hinter der Stimme, sind aber immer transparent und deutlich zu hören. Ritschi ist gut bei Stimme und singt sich souverän durch seine Lieblingslieder. Einige sind neu, andere aus seinem grossen Repertoire. Inhaltlich singt Ritschi immer noch viel von der Liebe in den verschiedensten Facetten. Einmal braucht er eine solche Liebe nicht mehr, einmal entschuldigt er sich für sein Verhalten und dann findet er erneut seine grosse Liebe und dies mehrmals. Etwas unglücklich in einer Zusammenstellung, auch wenn die Lieder in verschiedenen Jahren geschrieben wurden. Er kann aber auch andere Lieder schreiben, wie über die alten Zeiten, die wir immer noch haben können, wenn wir wollen. Ein weiteres wunderschönes Lied ist das Lied von der Tochter, für die er alles machte, bis sie dann alt genug war und ihre Entscheidungen selbst traf und schlussendlich auszog. Ein gutes Album mit ein paar inhaltlichen Schwachpunkten, aber auch Stärken.

Fredi Hallauer

KETY FUSCO

Album: „Bohème“ (A Tree In A Fields Records)

Dies ist das zweite Album der Harfenistin Kety Fusco. Sie spielt eine elektroakustische Harfe und alle Töne auf diesem Album sind von der Harfe. Sie betont das im ersten Stück, wo sie ihr Instrument ausreizt und Drums und Perkussion damit erzeugt. Iggy Pop steuert einen Sprechtext bei, da er so fasziniert ist von Kety Fuscos Harfenspiel. Die Stücke sind instrumental, zwischen Elektro, häufig tanzbar, Lounge-Musik, Deep Wave und etwas romantischen Melodien. Beim Bonustrack hat sich etwas Richard Clayderman eingeschlichen. Dies ist ein wunderbares Album zum Geniessen, Tanzen, Zuhören und zum Träumen. Kraftvolle Musik im Wechsel zu Klangexperimenten.

Fredi Hallauer