Musik aller Sparten, Konzertbesprechungen, CD Besprechungen. -Kritiken, Interviews, vorwiegend aus der Schweiz. Unter www.musikglobal.com finden sich die internationalen KünstlerInnen, welche nicht in der Schweiz wohnen oder nicht Schweizer:innen sind.
Album: „Who Builds The Houses In Your Head“ (Irascible)
Das Duo aus Zürich veröffentlichte ein spannendes Debütalbum. Inhaltlich gehen sie der Frage nach, wie unsere Denkweise entsteht und wie sie beeinflusst wird. Musikalisch setzen sie dieses Thema wunderschön um. Schlagzeug, Gitarre und Keyboard/Synthesizer legen den Boden und darüber singen die beiden, meistens zusammen. Die Frauen- und Männerstimme harmonieren perfekt. Dies ist herrliche Musik zum Hören, Nachdenken und Geniessen.
Dies ist das zweite Album des Rockquintetts aus Luzern. Im Schlafzimmer sollen Gefühle entstehen und diese mit dieser Musik transportiert werden. Das gelingt der Band und vor allem dem Sänger aber nicht. Was zu hören ist, das sind viel Gitarren, also zeitloser Gitarrenrock. Die Gesangsstimme eiert irgendwo herum und der Mann ist weder Sänger noch Shouter. Da gibt es für das Songwriting und den Gesang noch viel Luft nach oben.
Album: „Death Crossed The Street“ (Voodoo Rhythm Records)
Reverend Beat-Man spielte zusammen mit dem 21-jährigen Milan Slick aus Bern. Ihr erstes gemeinsames Album ein. Wie wir es von Reverend Beat-Man gewohnt sind, geht es hier nicht zimperlich zu. Die Musik ist Trash und Synth-Pop ohne Synthesizer, Dark Metal ohne Metal und Rock’n’Roll. Hämmerndes Schlagzeug mit viel Stakkato, kreischende, sägende Gitarren und Gesang, der gefährlich tönt. Milan Slick ist auch von Nick Cave beeinflusst, was man da und dort merkt. Neugierig geworden? Also dann kann man sich das Album anhören. Für schwache Gemüter lieber Finger davonlassen, als nachher schlecht darüber sprechen.
Ritschi hat mit seiner Band seine Lieblingslieder neu verpackt und direkt live eingespielt. Fünf Musiker im Studio und keine digitalen Spielereien, das ergibt diese echte und handgemachte Musik mit Leidenschaft und Seele. Die Musik tönt toll. Piano/Keyboard und Gitarre spielen tolle Passagen und solieren. Bass und Schlagzeug treiben die Lieder voran. Alle Instrumente liegen hinter der Stimme, sind aber immer transparent und deutlich zu hören. Ritschi ist gut bei Stimme und singt sich souverän durch seine Lieblingslieder. Einige sind neu, andere aus seinem grossen Repertoire. Inhaltlich singt Ritschi immer noch viel von der Liebe in den verschiedensten Facetten. Einmal braucht er eine solche Liebe nicht mehr, einmal entschuldigt er sich für sein Verhalten und dann findet er erneut seine grosse Liebe und dies mehrmals. Etwas unglücklich in einer Zusammenstellung, auch wenn die Lieder in verschiedenen Jahren geschrieben wurden. Er kann aber auch andere Lieder schreiben, wie über die alten Zeiten, die wir immer noch haben können, wenn wir wollen. Ein weiteres wunderschönes Lied ist das Lied von der Tochter, für die er alles machte, bis sie dann alt genug war und ihre Entscheidungen selbst traf und schlussendlich auszog. Ein gutes Album mit ein paar inhaltlichen Schwachpunkten, aber auch Stärken.
Dies ist das zweite Album der Harfenistin Kety Fusco. Sie spielt eine elektroakustische Harfe und alle Töne auf diesem Album sind von der Harfe. Sie betont das im ersten Stück, wo sie ihr Instrument ausreizt und Drums und Perkussion damit erzeugt. Iggy Pop steuert einen Sprechtext bei, da er so fasziniert ist von Kety Fuscos Harfenspiel. Die Stücke sind instrumental, zwischen Elektro, häufig tanzbar, Lounge-Musik, Deep Wave und etwas romantischen Melodien. Beim Bonustrack hat sich etwas Richard Clayderman eingeschlichen. Dies ist ein wunderbares Album zum Geniessen, Tanzen, Zuhören und zum Träumen. Kraftvolle Musik im Wechsel zu Klangexperimenten.
Die Urner Band ist nach einer kurzen Pause zurück mit einer EP. Es ist mutige und ehrliche Musik. Manchmal überraschend laut und manchmal sanft und ruhiger. Tanzbar ist diese EP immer. Der Titeltrack ist ein Duett mit Lisa Oribasi. Sehr viel gibt es zu diesen vier Songs gar nicht zu schreiben, ausser dass ich sehnlichst auf mehr warte.
Live: Albumtaufe „Ir Brandig“ in der Mühle Hunziken am 16. September 2025
Bild Kathrin Hallauer
Das neue Album von Trummer, welches letzten Freitag erschien, wurde mit allen Gästen und der Band von Trummer live vorgestellt. Die Gäste waren Sina, Hendrix Ackle, Ursina, Shirley Grimes, El Ritschi, Valeska Steiner, Annina Mossoni, Duo Zaugg & Widmerin, Billie Bird und La Nefera. Wobei Annina Mossoni auch zu Trummers Band gehörte, dort die Tasten spielte. Mit zur Band kamen noch der Bassist Rob Aeberhard und Samuel Baur am Schlagzeug. Das Album wurde als Ganzes eingespielt und auch so präsentiert, die Gäste waren also nicht einfach Featuring-Gäste, nein, sie standen immer wieder auf der Bühne, sangen Backing oder Chor für die anderen. Hendrix Ackle sass oft am Piano und auch El-Ritschi aus Engelberg war immer wieder irgendwo zu sehen, sei es an der Gitarre, Tambourin oder an einem anderen Perkussionsinstrument. Trummer erzählte dazwischen, wie es zu den Liedern kam, oder wie das Lied die Singenden gefunden hat und andere kleine Geschichten. Das Programm bestand mit einer Ausnahme und der Zugabe nur aus den Liedern des neuen Albums, welche live natürlich durch wundervolle Soli der Instrumentalisten oder verlängerte Chöre erweitert wurden. Die Lieder kamen auch live gut rüber. Es war ein starkes, eindrückliches und schönes Konzert. Grandios.
Da es etwas schwierig ist mit den Bildern, hänge ich hier einige an und nicht zwischen den Text.
Live: Nacht der Lieder in der La Cappella am 14. September 2025
Es war wieder soweit, die Nacht der Lieder ging über die Bühne. Dies war die 10. Ausgabe, die 2. Ausgabe in der La Cappella. Es sei hier vorausgenommen, es war eine wundervolle Ausgabe. Zuerst trat der Kopf dieser Serie auf die Bühne, Reto Zeller.
Bild Kathrin Hallauer
Er eröffnete den Liederreigen mit einer neuen Version von „Es gieng au ohni …“. Er gab die Bühne anschliessend für Christine Lauterburg frei.
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Sie jodelte mit dem Örgeli in den wildesten Tönen mit eingebautem Pfeifen, jodelte dann ein modernes Medley, bei dem sie mit dem Örgeli den Beat markierte. Dann sang sie noch ein Lied mit der Geige. Einfach grandios. Fabian Lau aus Deutschland faszinierte das Publikum mit seinem Gitarrenspiel und dann erst recht mit seinen sehr satirischen Texten.
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Die erste Überraschung des Abends. Ein Nicht-Liedersänger war der Slam-Poet Remo Zumstein.
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Seine Geschichten waren teils Mitmachgeschichten und wirklich lustig. Sie regten aber auch zum Nachdenken an, vorwiegend was sind No-Gos. Er überraschte ebenfalls. Die nächste Überraschung war Caroline Bungeroth, die im Kanton Bern lebende Berlinerin.
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Die Klavierkabarettistin erklärte und sang Mutmachertexte, um sich zu seinem Recht zu verhelfen, und dies erst noch witzig. Sie trat dann als Sopranistin auf mit einem neuen Text zur Königin der Nacht.
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Dann war Pause. Nachher startete gleich wieder Caroline Bungeroth. Dieses Mal setzte sie sich mit den Unterschieden der deutschen Sprache und der Berner Mundart auseinander, erzählte, wie sie Schweizerin wurde, und spielte auf dem Schwyzerörgeli sie jodelte noch dazu. Zusammen mit Christine Lauterburg, örgelten die Frauen und jodelten. „Mir Senne heis luschtig“ bekam dann noch einen deutschen Anhang.
Bild Kathrin Hallauer
Dies war sehr beeindruckend und witzig. Christine Lauterburg sang noch zwei eher dramatische Liebeslieder, bevor Reto Zeller sang, wieso er das Publikum nicht lobe. Remo Zumstein las kurze Gedichte mit viel Witz und liess sich von den beiden Frauen am Piano und der Geige begleiten. Fabian Lau sang ebenfalls noch zwei Lieder mit viel Ironie. Remo Zumstein griff dann zur Gitarre und sang ein Abschiedslied auf die CS zur Melodie von „Next door to Alice“. Zum Schluss sang Reto Zeller sein bekanntes Schlusslied, immer wieder in neuer Version, und wurde von allen anderen begleitet. Es war wirklich ein sehr gelungener Abend und man entdeckte neue gute Künstler:innen, wenn man sie nicht bereits kannte.
Trummer hat sich für sein neues Album wiederum etwas Besonderes überlegt. Er hat zwölf Gäste eingeladen und mit ihnen ein Lied eingespielt und zum Thema weiterführend einen Podcast gemacht. Die Gäste sind: Sina, Hendrix Ackle, Ursina, Shirley Grimes, El Ritschi, Valeska Steiner, Annina Mossoni, Duo Zaugg & Widmerin, Billie Bird und La Nefera. Zwei Lieder singt er alleine. Mit dabei ist auch seine hervorragende Band. Die Lieder gehen von Biografien (teils auch fiktiven) zu Herkunft und das Menschsein im Jetzt. Mit jedem einzelnen Künstler, jeder einzelnen Künstlerin hat er ein Lied geschrieben, welches stilmässig passt. Es sind wunderschöne Texte auf ebensolchen Melodien. Einzelne Songs hervorzuheben, ist ziemlich unfair, aber textmässig muss man sich unbedingt „Pulferkafilied“ und „Ir Brandig“ anhören. Ein grossartiges Album.
Die Pianistin und Sängerin, spielt auch Rhodes und Gitarre. Bei einem Teil der Songs wird sie mit Schlagzeug und anderen Instrumenten unterstützt. Sie hat ihren eigenen und eigenwilligen Stil, welcher als Singer/Songwriter mit gewissen jazzigen Einflüssen, einzuordnen ist. Bei einer Songschreiberin sind natürlich die Songinhalte am wichtigsten. Anna Rey singt in den fünf Songs von Hoffnung, von der Frage: Wer sagt mir, wer ich bin? Sie singt gegen Erwartungen, Rollenbilder und Deutungsmacht. Die Songs kommen unverblümt und direkt daher und sind alles Volltreffer. Mit der manchmal zerbrechlichen Stimme trifft Anna Rey, voll ins Herz. Eine Entdeckung.
Solong ist Komponistin, Sängerin und eine gute Gitarristin. Die vier Songs der EP hat sie in ihrem Wohnzimmer geschrieben, in den Bergen mit ihrer Band arrangiert und aufgenommen. In der Band ist eine Bassistin, ein Synthesizer Mann und ein Schlagzeuger. Solong spielt die Gitarre. Der Gesang ist eher sperrig, verhallt, teils kraftvoll, aber nie einfach zu konsumieren. Die Musik ist ähnlich, nur passt häufig das Sounddesign nicht zusammen, weder rhythmisch noch klanglich. Das soll sicher so sein, aber trotz mehrmaligem Hörens fand ich hier den Zugang nicht.
Leider gibt es kein Video oder Musikbeispiel der EP, darum eine aktuelle Live Session.
Zwei Mitglieder der Bitch Queens gründeten eine neue Band, eben die New Saints. Sie spielen sich die Finger wund und schreien sich die Kehlen heiser, irgendwo zwischen Punk und Metal. Harte Riffs, ebensolche Synthies und ein wildes Getrommel gehören dazu. Beat mässig nehmen sie dazwischen die aktuelle Popmusik etwas auf die Schippe. Die Texte sind ziemlich old-fashioned, sie müssen einfach unziemliche Wörter in der Gegend herumschreien. Vielleicht sind da noch andere Aussagen versteckt, aber ziemlich schwer zu verstehen. Das war mal Punk, ist es aber heute nicht mehr unbedingt. Schon bessere Alben dieser Musiker gehört.
Wolfberg sind Perrine Berger und Nicolas Wolf, beides Kulturakteure. Sie machen Musik zu den Themen Gleichstellung, Gerechtigkeit und Authentizität und schauen mit Ohnmacht auf Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, sie wollen nicht predigen, sondern zum Hinschauen anregen. Die Worte sind oft nur Fragmente, manchmal auch ineinander verschachtelt und zerschnipselt. Gesungen wird auf Französisch. Die Musik besteht aus Schlagzeug, Synthesizer und Gitarre. Einige Titel sind instrumental, die anderen haben längere instrumentale Teile. Das sind Klänge, denen man sich einfach so hingeben kann und die Stimmungen aufsaugen.
Live: Gränzgängig in der Progr Aula am 11. September 2025
Bild Kathrin Hallauer
Ja, das war wiederum ein tolles Konzert aus der Serie Gränzgängig, ein gränzgängiges eben. Unter dem Begriff dürfen alle verstehen, was sie wollen. Der Oudspieler und Sänger Wael Sami Elkholy lebt seit 16 Jahren in der Schweiz. Er studierte in Kairo und in Bern. So kennt er beide musikalische Welten. Viertaktmotor hat dem Oud Spieler ihre Stücke zugeschickt und umgekehrt, und an einem Tag haben sie daraus ein Programm für den Abend zusammengestellt. Sie sahen sich vorher nie. Es war eine spannende Mischung von arabischen Gedichten, welche Wael Sami Elkholy vertonte und die von Viertaktmotor auf Cello, Hackbrett, Kontrabass und Akkordeon in eine neue Dimension gebracht wurden.
Bild Kathrin Hallauer
Was diese Musiker alles für Klänge aus ihren Instrumenten herausholten, was für Rhythmen sie spielten, grossartig. Nayan Stalder schrieb die Musik zu „Anne Bäbi im Säli“ und irgendwie fehlte ihm im Mittelteil etwas, vor diesem Konzert hat er es herausgefunden: das Oud. So spielten sie dieses Stück, sehr an Schweizer Volksmusik erinnernd, mit dem Oud, welches sich hervorragend in diese Klänge einpasste. Ein geniales Konzert.
Das Luzerner Duo ist wieder mit einem neuen Album am Start. Mit Schlagzeug und Gitarre und ein paar elektronischen Gimmicks rocken sie los. Natürlich kommt ihr Gesang noch dazu. Sie rocken herrlich ab. Stilmässig vertreten sie eine grosse Bandbreite von Rockmusik. Energetische Musik vom Besten.