Musik aller Sparten, Konzertbesprechungen, CD Besprechungen. -Kritiken, Interviews, vorwiegend aus der Schweiz. Unter www.musikglobal.com finden sich die internationalen KünstlerInnen, welche nicht in der Schweiz wohnen oder nicht Schweizer:innen sind.
Der Musiker Tender spielt Doomsday Pop, das bedeutet, seine Musik liegt zwischen den Taktstrichen kurz vorher und gerade nachher. Die Songs sind zynisch, kräftig und auch beruhigend. Mit seiner sonoren Stimme kann er die Stimmung gut herüberbringen. Er spielt Tasten, und Synthesizer und singt. Mit dabei sind ein Schlagzeuger und eine Sängerin. Das ist ganz spannende Musik, die Tender Ender hier spielt, und es lohnt sich, diesen Klängen zu lauschen. Viel mehr lässt sich dazu nicht schreiben, hören ist besser.
KimBo ist im Tessin aufgewachsen und wurde in Zürich sozialisiert. So sind ihre Texte auf Mundart und Italienisch, manchmal abwechselnd im gleichen Lied. Sie rappt und singt, und ihr Stil bewegt sich von Hip-Hop zu Afrobeat, Reggaeton, Baile Funk, Soca und R&B. Produziert hat der Produzent von Loredana. Bei diesem Album geht nicht nur die Musik auf den Punkt, sondern auch die Texte. KimBo nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt ganz deutlich, was sie meint, da ist nichts Kryptisches. In einem Lied sagt sie: Wenn ich ja sage, ist ja, und wenn ich nein sage, ist nein, dann kannst du gehen. Ihr Albumtitel ist ein Wortspiel, da weg gah einerseits im Sinne von an einen anderen Ort, andererseits bedeutet es auch verlassen. Das sind tanzbare Songs, modern, jung, dynamisch, offen. Ein Album, das gut gefällt.
Der neue Stern am Schweizer Musikhimmel präsentiert ihre neue EP. Es sind wiederum internationale Popsongs, mit Soul und R’n’B Einflüssen. Ihre Stimme ist schlichtweg umwerfend, warm, voluminös, und sie geht direkt ins Herz. Die Produktion ist ebenfalls erste Sahne. Ihr offenbar wichtigster Song ist „Walk Alone“ und der ist stark, aber auch „Somebody Loves You“. Genial ist auch die Coverversion von Tina Turner „The Best“, sehr eigenständig und ebenso grossartig. Vielmehr kann man zu dieser EP nicht sagen, man kann sie nur geniessen und Amaya Gloor irgendwo live geniessen gehen.
Live: „Jetz singe mir eis“ Mühle Hunziken am 26. November 2025
Bild Kathrin Hallauer
An diesem Abend sang der grösste Chor, nämlich die 500 Personen des Publikums mit Kunz & Co Schweizer Volkslieder aus der ganzen Schweiz. Gleich beim ersten Lied wurde kräftig mitgesungen. Die Reise führte über Luzern, das Tessin ins Wallis und dann ins Appenzell. So ging es weiter mit fast ausschliesslich bekannten Volksliedern. Die Band setzte sich zusammen aus Hackbrett, Örgeli, Kontrabassund den Sängerinnen Natascha und Maruschka Monney.
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Nach der Pause sang die 5./6. Klasse von Rubigen, auf der Bühne, ein paar Lieder mit. Sie sangen auf eigenen Wunsch noch ein rätoromanisches Lied.
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Gegen Schluss kamen alle von der Bühne, mitten ins Publikum und so sang man wirklich gemeinsam ein paar Lieder.
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Die drei Musikanten liessen anschliessend noch so richtig fägen mit einem modernen Tanzstück. Es folgten eine zweite Version von „Vo Luzärn gäge Weggis zue“ und als Zugabe no „S Burebüebli“. Als zweite und letzte Zugabe sang man wie alles gemeinsam „Stets in Truure“. Diese Mitsingkonzerte funktionieren und sind auch grossartig.
Das Duo Stefanie Stauffacher besteht aus Lara Stoll (Texte, Sprechgesang) und Lukas Marty (Synthesizer, Maschinen und allerlei Geräte). Die beiden machen einen eigenwilligen Elektropop. Die Songs sind tanzbar. Lara Stoll spricht und singt Deutsch, Englisch und Schweizerdeutsch. Die deutsch gesungenen Lieder sind spannend, denn das ist die Welt von Lara Stoll, welche aus der Slam Poetry Szene kommt. Manchmal sind die Texte leicht kryptisch, und trotzdem kommt etwas bei einem an. Spannend klingt die Interpretation von „Über den Wolken“. „Friedhof Sihlfeld“, in Mundart, ist ein weiterer Höhepunkt des Albums. Stefanie Stauffacher ist ein Duo, welches neue Massstäbe in der Schweizer Musikszene setzt.
Live: „Road Trip – Die a-car-pella Playlist“ im Kulturhof Schloss Köniz am 23. November 2025
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Die sechs Frauen und sechs Männer sangen an diesem Abend ihre eigene Playlist. Sie umfasste Songs von Linkin Park bis zu den Vengaboys, von Ed Sheeran bis zu Patent Ochsner, von Daft Punk bis zu Coldplay. Oder einfacher gesagt: kreuz und quer durch die Pop- und Rockmusik. Alle hatten schöne Stimmen, sangen das ganze Programm auswendig, intonierten sauber und klatschten und stampften dazwischen den Rhythmus, absolut synchron. Die Geschichte zwischen den Liedern schaffte keinen Bezug zu den Liedern. Da wäre vielleicht etwas weniger Theater und mehr Information, wieso dieses Lied oder wie es in die Geschichte passt, besser gewesen. Der Auftritt hatte fast keine Choreografie, und so konnte man sich auf die ausgeklügelten, wunderbaren, meist eigenen Arrangements konzentrieren. Ein schönes Sonntagsabendkonzert.
Cori Nora, die studierte Musikerin, hat ihr zweites Album am Start. Es sind Midtempo-Songs zu hören, welche vor sich hinrollen. Die warme Stimme, mit welcher Cori Nora ihre Geschichten erzählt und ihre Überlegungen singt, spricht das Herz direkt an. Die Musik besteht aus Piano, etwas Elektronik, Schlagzeug, Bass und da und dort Streicher und Bläser. Das ergibt einen vollen Klang, aber er ist nicht überladen. Wohltuende, federnde Klänge von intelligenter Popmusik.
Das Lea Gasser 5tet ist, wie der Name sagt, ein Quintett, und zwar ein Jazz-Quintett. Dazu gehören Lea Gasser (Akkordeon und Komposition), Samuel Urscheler (Altsaxophon, Sopransaxophon, Flöte), Mirko Maio (Piano, Fender Rhodes), Emilio Giovanoli (Kontrabass) und Romain Ballarini (Schlagzeug). Sibyl Hofstetter bereichert bei ein paar Stücken, das Quintett mit ihrer Stimme. Dies ist keine Akkordeon dominierte Musik, sondern ein Ensemblewerk, wo alle Musiker:innen ihren Platz bekommen. Geschrieben hat Lea Gasser die Musik in Island, dem Land von Feen und Trollen, Gletschern und Geisyren. Es sind eher filigrane Stücke, die manchmal etwas handfester werden und sich zum Kammerjazz zählen dürfen. Musik zum Zuhören und Geniessen, denn es ist wunderbar, was diese Musiker:innen hier spielen, und auch die Kompositionen sind sehr speziell.
Verschiedene Künstlerinnen in der Aula Progr Bern am 14. November 2025
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Dieses Mal stand man in der Aula des Progers. Wer sitzen wollte, durfte auf die Galerie. Vor dem Konzert bekam man eine Karte und wurde so zu einem kleinen Stand gewiesen, wo die Migrantinnen einem empfingen, etwas anboten und man ins Gespräch kam. So kamen wir ins Gespräch mit je einer Frau aus Afghanistan, Eritrea und dem Kosovo, mit Safran, Kaffee und Wurst. Dann begrüssten die beiden Initiantinnen und Schöpferinnen dieser Storybox das Publikum. Schon ging es los. Evelyn und Kristina Brunner spielten ein musikalisch interessantes Stück mit Cello und Schwyzerörgeli. Sie spielten immer wieder zwischen den Tandems, die sangen oder erzählten und auch mit ihnen in den verschiedensten Variationen mit Cello, Örgeli oder 2 Örgeli, Kontrabass.
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Milena rappte einen Text, welcher zusammen mit Nasrat entstand, fünf weitere Frauen unterstützten mit Chor. Der Inhalt war: Meine Schwestern, ihr habt Rechte, und ich will, dass ihr sie kennt. Zwischen den Tandem Darbietungen und mit der Musik von Evelyn und Kristina Brunner gab es immer Videos mit Bildern von der Entstehung dieses Programms, der Herkunft der Frauen und ihrem Leben in Bern-West.
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Zahraa und Künzi hatten eine witzigen Text, den sie reimten auf Torten backen. Da wurde erzählt, wie Zahraa für alle Gelegenheiten Torten bäckt und Künzi Pasta kocht. Sie backen aber nicht nur Torten und kochen Paste, nein, sie backen und kochen auch ihre Rechte und machen sie bekannt.
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Zuhur und Marie-Flo war das nächste Tandem. Marie-Flo singt den Text in verschiedenen Sprachen von der Erinnerung eines Mädchens an die Sprache ihrer Grossmutter.
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Fatma und Jovana lesen einen Text auf Deutsch und Arabisch über einen Samen, der zur Palme wird.
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Nora präsentiert einen Text im Stil von Elektropop mit starken Beats, von Ahlam.
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Das Tandem Anette (Musik, Flöte, Saxophon) und Sumathi (Perkussion) mit einer Sängerin und einer Bassistin präsentierten einen englischen Text von Sumathi.
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Soukey sang und rappte einen Text von Meriem auf Mundart.
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Dita mit Künzi und Frei, sprachen und sangen einen Text, welcher in einem Tanz mündete, und das ganze Publikum und die Frauen, welche auf der Bühne standen, tanzten mit. Der Text lautete im Refrain: Komm, komm, ich bin ein Mensch und du bist ein Mensch. Nicht ganz richtig ist hier, dass der Text nicht von den Migrantinnen alleine stammte: Von ihnen kam die Geschichte und das Lied, das Gedicht oder die Texte entstanden gemeinsam. Mit dem Tanz endete ein toller Event, berührend und sehr professionell durchgeführt. Grossartig. Am 19. Dezember gibt es diesen Event in der heitere Fahne in Wabern noch einmal zu sehen.
Dino Brandão reiste nach Angola, um seinen Wurzeln näherzukommen. Das andere ist: Er hat eine bipolare Störung, oder wie man früher sagte, er ist manisch-depressiv. Daraus entstand ein Film mit dem gleichen Titel wie das Album . Das Album ist auch der Soundtrack zum Film. Nun verhält es sich mit diesem Album so wie mit fast allen Soundtracks: Es hat ein paar starke Songs/Lieder darauf, aber auch Klänge, die wahrscheinlich bestens in den Film passen, aber ohne Bild etwas schwierig sind. Dino Brandão singt auch das erstemal Portugiesisch, die Sprache, welche in Angola gesprochen wird. Dieses portugiesische Lied ist wunderschön. Beeindruckend ist auch „Gwunderfitz“. „Müed“ dauert über 12 Minuten und hat Soundtrackklänge dazwischen, ebenso „Ambient for Snitches“ mit 15 Minuten. Dies ist kein Album, das man sich so anhört, wahrscheinlich vertont es die bipolaren Störungen.
Album: „The Blue Hour“ (A Tree In A Field Recording)
Nadine Carina ist nach einer Babypause zurück. Sie schrieb neue Lieder in den Tessiner Bergen. Ihre Musik ist weniger elektronisch, sondern mehr analog. Ukulele und Gitarre sind die hörbaren Instrumente, dazu elektronische Manipulationen. In den zehn Songs lebt sie die Ruhe, die Stimmung der Blauen Stunde, genau bevor die Sonne unter- oder aufgeht. Mir sind diese Lieder zu minimal und zu ruhig, zumindest wenn man das Album als Ganzes hört.
Das Duo aus Basel und Zürich überzeugt weiterhin mit ihrer schönen und unkomplizierten Musik. Gitarren und schöne Stimme dominieren den Sound. Lost in Lona erzählen auf diesem Boden ihre Geschichten und da lohnt es sich hinzuhören. Indie Folk oder Singer/Songwriter könnten die Schubladen heissen, für diejenigen, welche eine brauchen. Vielleicht tönen viele Stücke etwas ähnlich, was aber bei dieser Schönheit nichts macht, und die Geschichte ist jeweils eine andere. Musik zum hinsetzen oder legen und einfach Zuhören.
Live: „Velvet Songbook“ in der La Cappella am 9. November 2025
Bild Kathrin Hallauer
Die Pianistin, Komponistin und Sängerin Myria Poffet und der Bassist Michel Poffet spielten dieses Programm als Duo, da der Schlagzeuger David Elias im September verstarb. Dieses Programm bestand aus Eigenkompositionen, mit einer Ausnahme. Die Songs handelten von vielen Lebensfragen, wie: Wie ist das wenn jemand alle Erinnerungen vergisst und die anderen sie noch haben, oder: Wer bin ich überhaupt in dieser Welt? Myria Poffet liess die Töne in wunderschönen Harmonien dahin perlen oder machte dazwischen wagemutige Tonkunststücke. Michel Poffet spielte ebenso schöne und warme Harmonien auf seinem Kontrabass, um dann im nächsten Stück wilde Tonsprünge und rasante Läufe zu spielen. Alles passte wunderbar und die beiden sind ein eingespieltes Team, wie es nicht viele gibt. Beide solierten: Myria Poffet mit dem Flügel und Gesang. Wunderbar war die Interpretation von „Simelibärg“. Ein gemütlicher Abend zwischen Jazz und Indie Jazz.
Album: „Live“ (RocknHall Artist Services By Dixiefrog)
Rotosphere ist eine klassische Bluesband ohne Schnörkel und die haben schon viele internationale und nationale Bluessänger begleitet. Nun haben sie auch ihren eigenen Sänger, Mark Slate gefunden. Mit ihm zusammen nahmen sie diese zehn Songs live im Powerplay Studio auf. Herausgekommen ist wundervoller, warmer Blues, der direkt ins Herz trifft. Der satte Sound und der herrliche Groove machen Freude. Dazu kommt der Gesang von Mark Slate, mit einer charismatischen Stimme, die ganz genau zum Blues passt. Eine solide Bluesband mit Musik, die man immer wieder gerne hört.
Luumu ist eine Formation um die Pianistin, Sängerin und Komponistin Adina Friis. Die Formation gibt es in immer wieder neuer Besetzung seit einigen Jahren, aber dies ist das erste Album in Mundart. Luumu spielte ursprünglich Jazz und jetzt ist es Kammerpop, Folk und noch einiges an Jazz. Die Musik ist genial, mit Streichern und Bläsern angereichert, aber auch sattem Bass und solidem Schlagzeug. Gerade dem Schlagzeug merkt man den Jazz immer wieder an und natürlich den Kompositionen. Gerade die Disharmonien in den Liedern, machen sie etwas sperriger. Die Texte erzählen Geschichten aus dem Leben, sind Poesie, trotzdem holpern sie in dieser Singform hier und dort. Diese Lieder schmeicheln sich bisher nicht in meine Ohren, obwohl die Musik es tut.