FOGOSCH

Album: „Live at La Cappella Bern“ (m.schultz@gmx.ch)

Die Berner Formation Fogosch setzt sich zusammen aus Mia Schultz an der Klarinetten, Daniel Woodtli an der Trompete und dem Flügelhorn, Micha Hornung am Akkordeon und am Gesang, Higi Bigler am Kontrabass und Adrian Christen am Schlagzeug und an der Perkussion. Die fünf Musiker:innen kommen sehr eingespielt und kompakt, daher, mit einer Musik und mit Arrangements, die nicht so einfach sind. Der Schlagzeuger legt einen sanften und verspielten Teppich aus, der Kontrabass ist sehr melodiös und ebenfalls verspielt. Der Akkordeonist spielt Melodien und Gegenmelodien sowie Verzierungen, die Trompete und das Flügelhorn führen den Lead im Wechsel mit der Klarinette und manchmal gleichzeitig. Bei einigen Stücken singt der Akkordeonist wunderschön in einem schönen jiddisch. Fogosch spielen Klezmer, welcher von Osteuropa nach Amerika ging und nun zurück ist, darum sind auch jazzige Noten und Passagen darin auszumachen. Die Klarinette drückt in ihrem Spiel alle Gefühle aus, von Fröhlichkeit zu Liebesschmerz und vielem mehr. In „Am Quai“ gibt es ein Klezmer untypisches rasantes Schlagzeugsolo. „Shpiel es“ gehört zu den Paradestücken für die Klarinette und die Trompete brilliert mit etwas anderen Tönen. Die Musik ist handgemacht und Elektronik fand da keinen Platz, also alle Töne wurden mit einem der Instrumente erzeugt. Dieses Album gehört zu den hervorragenden Alben 2025.

Fredi Hallauer

Qeller

Interview:

Am Stäcketöri sprach Fredi Hallauer mit Qeller

2 Songs

Der junge Musiker Qeller arbeitet noch an seiner EP. Zwei Songs sind bereits von ihm erschienen. Er singt deutsch und die Texte sind sehr gesellschaftsrelevant. Die Musik ist wundervoll und sehr ausgeklügelt im Indie-Folk-Stil. Die Texte, wie bereits erwähnt, haben es in sich. Qeller sollte man auf dem Radar behalten.

Fredi Hallauer

LEXY ZELYA

EP: „L“ (Irascible)

Lexy Zela kommt aus Genf. Dies ist ihre erste EP. Sie ist eine Popsängerin, welche sich die frühere Popmusik als Vorbild genommen hat. Darum sind die vier Songs Retro Pop, mit den heutigen modernen Möglichkeiten aufgepeppt. Tanzbare Popmusik.

Fredi Hallauer

MARKUS RÜEGER & GREEN TREES

Album: „Take This World In Your Hands“ (markusrueeger.com)

Der Zürcher Barde und seine Band sind seit einigen Jahren unterwegs. Dieses Album kam mir jetzt in die Hände, obwohl es schon ein paar Jahre alt ist. Es ist aber immer noch das aktuelle Album der Band, und es ist auch Wert, diese Songs anzuhören. Das Quartett spielt mit Gitarre, Whistles, Akkordeon, Posaune, Keyboard und Bass plus ein paar Gastmusiker mit vorwiegend Perkussionsinstrumenten. Die Songs wurden in Irland aufgenommen. Der irische Folk prögt auch die Songs mit der Musik. Stilmässig nennt man das heute Indie Folk, früher war es Folk oder Folkrock. Musikalisch ist es hervorragend gespielt. Alle Bandmitglieder singen, so ist auch immer wieder mehrstimmiger Gesang zu hören. Markus Rüeger zeichnet für die Songs verantwortlich und hat auch den Leadgesang mit einer angenehmen und markanten Stimme. Es ist schon eine Freude, ihm zuzuhören. Dann geht es um die Texte. Der Titel verrät es, die Umwelt, die Natur, die Menschheit und die Erde sind Thema. Es ist ein gesellschaftsrelevantes Album, welches aber auch Freude und Spass macht, beim Zuhören. Beim „Asyl für Ijsbäre“ kommt der Frust, die Wut, der Witz und die Hoffnung sehr stark durch. Die restlichen Lieder sind englisch gesungen, auf der Homepage findet man aber die deutschen Übersetzungen.

Fredi Hallauer

AMAYA GLOOR

EP: „Unfinished“ (Universal)

Amaya Gloor gibt ihre Debüt-EP heraus. Es sind sechs internationale Popsongs. Sie zeigt ihr Können mit verschiedenen Stilen. Meistens mit tollen Beats und tanzbar, dazwischen schöne und melancholische Balladen. Auffallend ist die Stimme von Amaya Gloor. Sie singt klar, mit einer warmen, etwas tiefer gesetzten Stimme, erreicht aber auch immer wieder die oberen Skalen der Tonleiter. Die Stimme ist im erträglichen Mass bearbeitet, wie es leider in der Popmusik heute möglich ist. Das Songwriting kann sich hören lassen und die Produktion ist stark.

Fredi Hallauer

THE YOUNG GODS

Album: „Appear Disappear“ (Two Gentlemen/Irascible)

The Young Gods aus Fribourg sind immer noch da und dieses Mal wieder so richtig wütend, rebellisch und aufbegehrend. Die Gitarre kratzt und jault, der Synthesizer dröhnt und das Schlagzeug jagt harte Schläge in den Sound. Die Stimme ist klar und unmissverständlich, konsequent, sie fordert und klagt an. Die Songs werden vorwiegend englisch, aber auch französisch gesungen. Sie erzählen vom Widerstand gegen das Weltgeschehen, was sollen wir tun, wie machen wir es, dass die Drohnen uns nicht auffressen und Ähnliches. Es wird gefordert, soviel Staub aufzuwirbeln, dass die Drohnen geblendet sind und sich selbst zerstören. Dann hat es auch ein Liebeslied an Franz Treichlers verstorbene Frau, ein wilder Tanz ist es. Ja, The Young Gods können es immer noch und verschmelzen ihren frühen Stil mit der heutigen Zeit. Viel Erfahrung und manche Jam stehen da dahinter. Ein Album, welches Preise gewinnen sollte.

Fredi Hallauer

MARK KELLY & THE PEACEFUL WARRIORS

Album: „Hope“ (Hairy People/Irascible)

Der Musiker aus Vevey wollte nach Soloalben wieder mit einer Band musizieren und fand gute Musiker:innen aus den verschiedensten Genres. Das sind nun die Peaceful Warriors. Gesungen wird englisch. Musikalisch pendelt die Musik zwischen Folk, Afrobeat, einer Prise Funk und ein Schuss Pop, da und dort noch etwas Country. Diese Mischung macht den Sound sehr interessant. Die Stimme von Mark Kelly ist etwas nasal und in der Tenorlage und wirkt dadurch sehr markant. Die Texte versteht man gut. Er singt vom friedlichen Umgang mit dem, was einem das Leben bereithält, er singt von Vergebung und wie wir sie zum Besseren verändern können. Ein sehr spannendes Album.

Fredi Hallauer

FIONA DANIEL

Album: „Transitions“ (Klangfelder Records/Irascible)

Fiona Daniel, Musikerin, Komponistin und Sängerin, wuchs in Zürich und Exeter (GB) auf. Nun lebt sie im Kanton Waadt. Sie singt englisch. Einige Zeit zurück veröffentlichte sie bereits Alben. Aber dann erkrankten ihre Kinder schwer und sie selbst erlitt einen Gehörverlust. Diese Musik, die Klänge und die Songs erzählen von diesen Zeiten, vom Alltag zwischen Spital und zu Hause und die Erfahrungen mit anderen Klängen. Gespielt wird mit Piano, Saiten- und Streichinstrumenten, dazu Stimmen, Elektronik und das alles zusammen sauber produziert. Die Stimme von Fiona Daniel klingt warm, klar und ist sehr berührend. Ein hervorragendes Album, welches Beachtung verdient.

Fredi Hallauer

L LOKO & DRINI

EP: „Summer für Summer <3“ (Sony Music)

Die beiden Zürcher Rapper und Musiker veröffentlichten die 3. EP, den Abschluss der Trilogie. Die sieben Mundartsongs bewegen sich von Deephouse zu Reggaeton und Afrohouse, plus alles was dazwischen und drum herumliegt. Wichtig sind ihnen Melodie, Texte und Rap.  Die Lieder erzählen von Liebe, Beziehungen (auch toxische) und Begegnungen. Die Begleitung ist minimal gehalten sodass die Texte gut herüberkommen und alles tanzbar bleibt.

Fredi Hallauer

TOM LEE

Album: „Best Of“ (Tom Lee Music/iGroove)

Ja, das ist das erste Studioalbum des Thuner Barden. Warum gleich ein Best Of? Tom Lee reiht seit Jahren Song an Lied an Song. So geht das in Ordnung. Er ist ein musikalischer Tausendsassa, singt englisch und Mundart, spielt Rock, Pop und Americana. Das ist handgemachte Musik, ehrlich und qualitativ gut. Das Songwriting kann sich hören lassen. In seinen Texten geht es um, das Leben, um Beobachtungen, aber auch mal tiefgründiger. Seine Stimme ist klar und immer deutlich zu verstehen. Auf dem Album singt er ein Lied mit Cheyenne. George Franco ist ein anderer Duettpartner. Es sind zwei Lieder vom Honky Tonk live aufgenommen, zu hören, darunter „Amerika“ ein sehr aktuelles und kritisches Lied. Man darf es allgemein als Antikriegslied bezeichnen. Diesen Tom Lee und das Album muss man gehört haben.

Fredi Hallauer

FROM KID

Album: „Rain Is Good Weather“ The Orchard/Radicalis)

Das Album von From Kid erzählt Geschichten von aktuellen Themen und allgemeinen Überlegungen. Sie behandeln Veränderungen, unsere Beziehungen zur Natur, Suche nach Unabhängigkeit oder es sind kritische Betrachtungen unserer Gesellschaft. Musikalisch ist es Elektropop der sanften Art. Die Stimme wurde ebenfalls elektronisch manipuliert, was die Verständlichkeit der Texte sehr beeinträchtigt.

Fredi Hallauer

BAZE

Album: „Brot“ (Bakara Music)

Der legendäre Rapper aus Bern präsentiert sein neues Album. Er ist sich treu geblieben, vielleicht noch treuer geworden. Nein, bei Baze geht die Post nicht ab und die Party findet bei ihm nicht statt. Wer sich aber mit kritischen Texten auseinandersetzen will, der liegt hier richtig. Die Musik beschränkt sich auf ein paar elektronische Töne und einem Schlagzeug. Das gibt den Texten ihren Flow und hebt die Texte ins Zentrum. Der Brummbär Baze versteht es poetisch auf die Gesellschaft zu schimpfen und das oft recht konkret und manchmal im gleichen Text auch kryptisch. Die Texte sind reifer geworden, mit einem gelegentlichen „Fuck“ dazwischen. Das ist Baze, wie man ihn kennt und mag oder eben nicht. Baze hat uns aber etwas zu sagen, darum hinhören.

Fredi Hallauer