ALBIN BRUN QUARTETT

Album: „Pas De Quatre“ (www.albinbrun.ch)

Albin Brun und seine Musiker:innen sind wohl von den umtriebigen Menschen in der Musikszene. Darum wundert es einen nicht, wenn erst jetzt ihr erstes Album erscheint. Neben Albin Brun (Sopransax, Schwyzerörgeli) spielen Patricia Dräger (Akkordeon), Claudio Strebel (Kontrabass) und Markus Lauterburg (Schlagzeug, Perkussion) mit. Der Albumtitel heisst nicht etwa, dass sie nicht vier sind, sondern ist an den Tanz „Pas de Deux“ angelehnt, und weist darauf hin, dass fast kein Stück im 4/4 Takt ist. Dieses Quartett spielt Musik zwischen Jazz, imaginärer Volksmusik und Improvisation. Die meisten Stücke schrieb Albin Brun, je zwei Stücke stammen von Patricia Dräger und Claudio Strebel. Die Stücke wurden von den verschiedensten geographischen Gebieten beeinflusst, wie Bulgarien, Dingle in Irland, dem Elfenauquartier in Luzern, Island, den Karpaten und weiteren Gebieten der Schweiz. Manchmal sind es auch Hommagen an die Akkordeonistin, an sein Örgeli oder den ehemaligen Schweinestall, welcher nun als Probelokal dient. Diese 13 Stücke sind voller Überraschungen und genaues Hinhören macht sehr viel Spass und erweitert das musikalische Spektrum. Wenn jetzt alles etwas verrückt tönt, die Musik bleibt immer auf ihre Art bekömmlich.

Fredi Hallauer

ILS FRÄNZLIS DA TSCHLIN

Album: „Tschlin – Wien Retour“ (Zytglogge)

Ils Fränzlis da Tschlin, oder kurz Fränzlis oder Fränzlimusik genannt, kommen von Tschlin im Unterengadin und berufen sich auf die Fränzlimusik aus dem 19. Jahrhundert. Die fünf Musiker:innen an der Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass und Klarinette spielen herrliche Musik, welche manchmal knapp am Kitsch vorbeischrammt und dann wieder richtig schräg ist. Sie tönen mit ihrem Fränzlisound jenseits der Definitionen, dafür umso frischer. Der gemeine Unterengadiner sagt dazu «sakrisch bun“, was so viel wie saugut bedeutet. Da das Unterengadin offen zu Österreich ist, kommen und gehen auch viele Einflüsse hin und her. Die Fränzlis haben nun Musik und Eigenkompositionen vom Engadin bis Wien in ihr Repertoire aufgenommen und für dieses Album eingespielt. Was diese fünf Musiker:innen zustande bringen, ist erstaunlich. Da werden Märsche gespielt, welche normalerweise eine Blaskapelle spielt oder sogar ein Stück der Oberkrainer, aber alles mit dieser Besetzung, aber im typischen Sound. Dort gibt es dann etwas Wienerschmäh und da geht es halburchig zu. Die Streichinstrumente werden richtig kräftig gestrichen, mit etwas Dreck im Ton, sodass die Musik packen wird. Ein richtig tolles Album aus der Sparte Neue Volksmusik, und das ganz in einem Fluss ohne irgendwelche Künsteleien.

Fredi Hallauer

KRISTINA BRUNNER ENSEMBLE

Album: „Fahre“ (www.evelyn-kristina-brunner.ch)

Dieses Album ist ein einziges Werk, in zehn Teile unterteilt. Kristina Brunner erhielt den Auftrag vom Festival Stubete am See und dort wurden dann diese Aufnahmen im August live eingespielt. Das Ensemble besteht aus den herausragendsten Musiker:innen der Volksmusik/Neuer Volksmusik-Szene. Es sind dies: Kristina Brunner (Komposition, Schwyzerörgeli, Cello), Andreas Gabriel (Geige), Gabriel Miranda (Geige, Bratsche), Albin Brun (Sopran- und Tenorsax, Schwyzerörgeli), Sonja Ott (Flügelhorn, Trompete), Jürg Nietlispach (Halszither), Evelyn Brunner (Kontrabass, Schwyzerörgeli), Markus Lauterburg (Perkussion) und Pedro Lenz (Texte und Wort). Das Stück basiert auf den Texten von Pedro Lenz, welcher fünfmal kurze Textpassagen spricht. So wird das ganze Werk sehr stimmig, man merkt, es geht um fahren, um hören und zuhören (gewollt und ungewollt), um einen Platz zu finden und dazuzugehören. Alle diese Themen hat Kristina Brunner mit ihrer Komposition und ihrem Ensemble umgesetzt. Da gibt es viele leise Töne, aber manchmal wird es recht laut. Die Instrumente spielen miteinander und gegeneinander, sie ergänzen sich oder lassen auch noch Raum frei. Jedes Instrument hat seinen Schwerpunkt, auch die Perkussion wirkt solistisch, mit einem sehr leisen Anfang und einem Ende im Donnerwetter. Manchmal reiben die Töne sich aneinander, erzeugen Spannungen und dann wird es wieder Volksmusik, so richtig eingängig. Es lohnt sich bei diesem Werk daran zu bleiben, wenn einem eine Passage nicht so gefällt, kommt sicher bald wieder etwas, was einem gefällt oder einen fasziniert, und nach mehrmaligem Hören gefällt einem plötzlich das ganze Werk. Ein faszinierendes Stück Musik.

Fredi Hallauer

AMBÄCK

Album: „Wolkenbödeler“ (www.ambaeck.ch)

Ambäck ist ein Trio der neuen Volksmusik. Drei Exponenten dieses Musikstils haben sich für dieses, seit zehn Jahren bestehendes Projekt zusammen gefunden. Es sind dies der Örgeler Markus Flückiger, der Geiger Andreas Gabriel und der Kontrabassist Pirmin Huber. Alle drei haben Kompositionen für dieses fünfte Album der Gruppe beigesteuert. Dadurch ist ein recht vielseitiges Album entstanden. Markus Flückiger hat zwei unterschiedliche Stile in seinen Kompositionen. Einmal nimmt er Sequenzen aus traditionellen Stücken und wiederholt die immer wieder, manchmal variiert er sie ein wenig, dazu macht die Geige ähnliches und der Kontrabass spielt Muster (Pattern), die oft im Jazz verwendet werden. Der zweite Stil von Markus Flückiger sind die Stücke, welche er für sein Stöpselbass Örgeli komponierte, nämlich eher traditionell Innerschweizer Stil. Dort zieht die Geige ebenfalls mit und der Bass spielt traditioneller. Der Kontrabassist Pirmin Huber komponiert ziemlich cineastische Stücke. Sie heissen auch „Mi amore“, „Raclette“ oder „Westküste“. Das ist schöne Musik für das Kopfkino. Der Geiger und Bratschist Andreas Gabriel gehört auf die wildere Seite. Seine Kompositionen tönen nach Volksmusik, verändern sich aber stetig und können auch mal in einem Tohuwabohu ausufern, bevor sich die Musiker für den Schluss wieder finden. Das sind herrliche Stücke. Wie gesagt, diese Musik, dieses Album macht Spass, man kann lauschen, das Kopfkino in Betrieb setzen oder einfach dasitzen und Freude an dieser Musik haben.

Da es keine offizielle Musik oder ein Video gibt (zumindest kenne ich es nicht) hier ein Konzert, welches ziemlich genau den Stil und den Sound des neuen Albums abbildet.

Fredi Hallauer

EIGER, MÖNCH & URSCHWYZ

Album: „Nordwind“

Hinter Eiger Mönch & Urschwyz musizieren Evelyn Brunner am Kontrabass und Schwyzerörgeli, Kristina Brunner am Cello und Schwyzerörgeli, Maria Gehrig und Hanna Landolt, beide an der Geige. Die vier jungen Frauen sind eine Streichmusik der Neuen Volksmusik. Evelyn und Kristina Brunner kommen aus dem Berner Oberland und sehen Eiger und Mönch, Maria Gehrig aus Uri und Hanna Landolt aus Schwyz, so ergibt das Urschwyz. Soviel zum Gruppennamen. Auf ihrem ersten Album spielen sie Eigenkompositionen und drei Muothataler Stücke. Widertaktige Passagen liebt das Ensemble, aber auch luftiges und dann wieder handfestes und bodenständiges. Viel Spielfreude und auch Spielwitz sind aus dem Album herauszuhören. Drei Stücke sind aus der Salbit Suite von Maria Gehrig und sind typisch für die Gruppe, „Libelle“ von Evelyn Brunner zeigt wiederum eine andere Seite, welche ebenfalls typisch ist. Eigentlich passt alles zu den Musikerinnen. Ein hervorragendes Album, welches auch eine hohe Messlatte für die neue Volksmusik setzt.

Homepage: https://www.eigermoenchundurschwyz.ch/

Fredi Hallauer

KAPELLE NOGLER

Album: „Kunstspedition“ (Zytglogge Verlag)

Um diese Musik zu geniessen, braucht es keine Erklärungen und zu sagen, es ist Musik zwischen Volksmusik und Klassik, hilft auch nicht wirklich weiter. Darum hier ein paar Erläuterungen. Die Kapelle Nogler gab es einmal in Ardez im Engadin und sie spielte Engadiner Volksmusik mit Violine, Viola, Klarinette und Kontrabass und genau diese vier Instrumente spielt die heutige Kapelle Nogler wieder. Es sind Musiker:innen, welche sich aus dem Umfeld des Zürcher Tonhalle-Orchesters und der neuen Volksmusik zusammengetan haben. Dazu kommt, dass die Geigerin aus der traditionellen Appenzeller Streichmusik Tradition kommt und auch Jodeln kann. Nun zur Musik. Die Engadiner Musik gelangte mit den Zuckerbäckern auch nach Siena, das war um 1830. Dort gefiel sie Rinaldo Franci notiert und arrangiert, natürlich im klassischen Stil. Die heutige Kapelle Nogler nahm die heimatlose Musik wieder zurück in die Schweiz und interpretiert sie wieder in einem Volksmusikstil. Das Repertoire umfasst aber auch heimische Klänge aus dem Appenzell, einen Choral aus der Surselva oder Eigenkompositionen. Eine Eigenkomposition ist sehr spannend. Der Komponist überlegte sich, ob Beethoven sich für die 5. Symphonie von der Schweizer Volksmusik inspirieren lies. So lässt der Komponist Beethoven in seine Tänze einfliessen. Das ist ein Album mit wunderschöner Musik zum Hören und Geniessen.

Homepage: https://www.kapellenogler.ch/

Fredi Hallauer

VIERTAKTMOTOR

Album: „Ändler“

Viertaktmotor sind Nayan Stalder, Hackbrett und Komposition; Raphael Heggendorn, Violoncello; Kaspar Eggimann, Akkordeon und Laurin Moor, Kontrabass. Sie spielen, das, was man neue Volksmusik nennt. Mit ihren Volksmusikinstrumenten spielen sie manchmal nahe an der Volksmusik und dann wieder näher am Jazz, an improvisierter oder experimenteller Musik. Die Klänge fallen aber nur kurz aus der Melodie und so bleibt die Musik für alle bekömmlich. Traditionell ist die Musik nie, sondern sie hat nur Anspielungen. Schon der Albumtitel zeigt das an, Ändler ist eben nicht Ländler. Die einzelnen Titel der Stücke sind teilweise ebenso verwirrlich wie witzig. Da gibt es „Furggulti“ über einen Skilift oder Hügel, „Skytzje Strobs“ oder „Äs heutet“. Klarer sind „Dimitri“ über ein Kind und einen Jazzmusiker, „Eis für aui“ oder zum Schluss „Urchigs“ Alle vier Instrumente kommen zum Vorspielen, am meisten das Hackbrett, das Violoncello und das Akkordeon, aber auch der Kontrabass streicht sich öfter in den Vordergrund. Alle Instrumente werden dazwischen auch perkussiv eingesetzt. Das ist eine wundervolle Musik zum Hören und das Kopfkino in Betrieb zu nehmen.

Fredi Hallauer