BOCKIUS BLASER GÜNTHER BOVET

Album: „Rêverie“ (TCB Music/Galileo Music)

Dieses Album ist purer Jazz und das noch vom Feinsten. Zwei Schweizer und zwei Deutsche füllen den Raum mit Musik, genauer gesagt sie machen die Töne und Klänge erlebbar, welche wahrscheinlich im Raum schweben. Samuel Blaser spielt die Posaune und für ein Stück setzt er sich selbst ans Klavier; Peter Bockius entlockt dem Bass wundervolle Töne, Lucien Bovet musiziert mit dem Schlagzeug und Tilman Günther macht die Brücke am Piano zwischen Rhythmus und Melodie. Das ist Musik zum Zuhören, mit vielen Nuancen und Tönen, die man nicht beim ersten Mal hören entdeckt. Wer sich dieses Album öfter anhört, hört sicher nicht jedes Mal genau dasselbe, je nach der eigenen Stimmung, in der man sich befindet. Die Posaune strahlt Wärme und Ruhe aus, das Schlagzeug spinnt filigrane Muster zwischen der Posaune und dem melodischen Piano. Der Bass überrascht immer wieder mit Figuren und Tönen, welche man in diesem Moment nicht erwartet. Starker Contemporary Jazz.

Fredi Hallauer

FRIYA

Live: in der La Cappella am 22. Februar 2025

Bild Kathrin Hallauer

Diese Formation mit Emmentaler Liedern und Tänzen begeisterte das Publikum sofort. Die Besetzung ist eine Emmentaler-Streichmusik mit Hackbrett, Geige und Bassgeige. Für das Bühnenprogramm kommt noch ein Perkussionist und eine Sängerin dazu.

Bild Kathrin Hallauer

Alle Musiker:innen spielten sehr virtuos und hatten auch musikalischen Spielwitz. Das Programm beinhaltete Lieder aus dem Emmental, die teils bekannt sind und teils weniger. Da gab es natürlich einige sogenannte erdenschöne Lieder wie „Dr Truberbueb“ oder „Abestärn“, aber die Gruppe verstand es, diese Melodien zu modernisieren, ohne sie zu entfremden. Zwei Jodellieder von Jakob Hummel waren auch im Repertoire und dazu erzählte die Sängerin, dass man Jakob Hummel einmal gefragt habe, ob man seine Lieder verändern, modernisieren darf. Seine Antwort war: „Brauchtum ist zum Brauchen da.“ Friya modernisierte also auch diese Lieder im Rhythmus und manchmal in den Harmonien. Spannend waren die Lieder über den Teufel, der Seelen suchte im Emmental, dann aber unverrichteter Dinge wieder weiterziehen musste, da die Emmentaler entweder „chäch“ oder schlau waren und so der Teufel im katholischen Entlebuch fündig wurde. Dazwischen spielten sie immer wieder Tanzstücke, welche sie normalerweise in der Trio-Formation spielen. Als Zugabe gab es einen „Schlungg“, das typische Abschlussstück eines Tanzabends. Alle Musiker:Innen brillierten auf ihren Instrumenten, der Perkussionist setzte auch das „Dängele“ und das „Bäsele“ ein.

Bild Kathrin Hallauer

Die Sängerin sang mal fein, und zärtlich, ein andermal fauchte und kratzte sie und natürlich setzte sie auch alle Register dazwischen ein.

Bild Kathrin Hallauer

Die Namen hinter der Band sind Anna Katharina Hewer an der Bassgeige, Hannes Boss am Hackbrett, Daniela Mathieu an der Geige, Benedikt Utzinger an der Perkussion und Martina Lory am Gesang. Dies war ein wundervolles Konzert und ein sehr unterhaltender und lehrreicher Abend.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

MARC SWAY

Album: „Roots“(Muve Recordings/Musikvertrieb)

Dies ist das siebte Soloalbum von Marc Sway. Wie es der Titel sagt, spürt er seinen Wurzeln nach, welche in Brasilien und in der Schweiz liegen. So singt er neben englisch auf dem Album immer wieder brasilianisch. Musikalisch verbindet er Gesang mit Rhythmus und modernen elektronischen Einflüssen. Es ist sehr geschickt gemacht und stört einander überhaupt nicht, im Gegenteil ergänzt es und unterstützt sich. Marc Sway hat einige Gäste eingeladen. Im Song „Colorblind“ sind die Sunsite-Jodler Sörenberg zu hören. Sie legen einen schönen Gesangsteppich aus, Marc Sway singt darüber und ein dezentes Piano kommt noch dazu, das ist alles und wunderschön. In einem anderen Song singt er ein Duett mit Naomi Ayleen. Beim titelgebenden Song „Roots“ sucht Marc Sway zusammen mit Stefanie Heinzmann die Wurzeln, er seine und sie ihre, es passt aber zusammen. Marc Sway hat ein schönes, wegweisendes und solides Album am Start.

Fredi Hallauer

FLEXFAB

Album: „Pablo Phone Home“ (NSK Music)

Der Produzent aus der französischen Schweiz hat ein neues „Solo“Album produziert. Solo steht in Anführungs- und Schlusszeichen, da natürlich bei einem Produzenten meistens einige Leute, featuring Gäste sind oder sonst einfach dabei. So arbeitet FlexFab auf diesem Album mit der Rapperin Sasha Witt aus Venezuela, dem Schweizer Rapper Manu Kann, der britischen Sängerin Kate Wild, einem kenianischen Ambient Innovator und einem nigerianischen Chor. So sind ganz verschiedene urbane Sounds entstanden zwischen Ambient, Rap, Hip-Hop, Elektro, mit den verschiedensten kulturellen Einflüssen. Vierzehn Titel voller Überraschungen.

Homepage: https://www.flexfabmusic.com/

Fredi

OESCH’S DIE DRITTEN

Album: „Händmade“ (Universal Music)

Die Familienmusik ist seit vielen Jahren unterwegs, auch immer wieder mit einem neuen Album. Nun ist es wieder so weit. Dreizehn Stücke haben die sechs Musiker:innen aufgenommen. Selbstverständlich hört man Melanie Oesch auch Jodeln. Beim Schreiben waren vorwiegend Melanie Oesch und Hansueli Oesch zuständig. Da und dort haben auch noch andere Leute mitgeholfen. Ein Lied ist englisch und ein Cover von Hank Cochran, dem Countrymusiker. Ein Lied ist französisch und eines gibt es sowohl auf Mundart als auch auf Deutsch. Musikalisch ist alles handgemachte Musik, wie es der Albumtitel sagt. Stilmässig pendeln sie zwischen Volksmusik, volkstümlichem Schlager und Skihüttenparty. Die Kompositionen sind interessant, die Texte sind aber nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Ein Album für die Unterhaltung.

Fredi Hallauer

AKKU QUINTET

Live: Werkstattkonzert im L’Ovestino Bern am 3. Februar 2025

Bild Fredi Hallauer

In dem neuen Lokal in Bern finden am Montag immer wieder kleine und feine Jazzkonzerte statt. Am 3. Februar spielte das Akku Quintet. Schlagzeug, Gitarre, E-Bass, Piano, Electronica und Saxophon wurden gehandhabt. Die Musik war sehr stimmungsvoll, manchmal sphärisch, dann wieder real und erdig, da ging es in die Tiefsee und dort in die Lüfte. Musik für das Kopfkino, aber Achtung, die Musiker:innen setzten manchmal harte Schnitte ein. Oft wurde mit Mustern gearbeitet, jedes Instrument ein anderes Pattern, welche zusammenpassten. Manchmal übernahm ein Instrument plötzlich eine Melodie, oder sie glitten alle Richtung Freejazz. Das war sehr spannend, auch was die Band den Instrumenten alles für unkonventionelle Töne entlockten. Neben den Stücken vom letzten Album, gab es auch Werkstatt- oder Laborstücke, welche noch in Arbeit sind, aber an diesem Abend in dieser Form gespielt wurden. Das war ein spannender, interessanter und schöner Montag Konzertabend.

Bilder Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

PEGASUS

Album: „Twisted Hearts Club“ (Gadget/Phonag)

Pegasus hat ein neues Album veröffentlicht. Wie man es von Pegasus gewohnt ist, klingt diese Musik gut und viele Stadionhymnen sind zu hören. Auf das erste Hören ist es einfach Pegasus, mit grossen Melodien, schönem Gesang und guter Arbeit an den Instrumenten. Wer aber genauer hinhört, oder beim mehrmaligen Hören, bemerkt man viele feine Nuancen. Da sind viele kleine musikalische Feinheiten eingeflossen, Spielereien, Auflockerungen, herrliche Übergänge. Der erste Song tönt schon mal verschieden von den anderen Songs, eigentlich fast ein A cappella Song, aber instrumentiert. „Better Now“ könnte von einem Album von Crosby, Still, Nash and Young, stammen. „My Love“ ist ein Duett mit Stefanie Heinzmann mit hohem Niveau. So könnte man noch mehrere Songs herausheben. Pegasus hat auch mit diesem Album wieder einen grossen Wurf gemacht.

Homepage https://pegasustheband.com/

Fredi Hallauer

MEGAWATT

Live:“Rockerherz Zugabe Tour“ im Bierhübeli am 1. Februar 2025

Bild Fredi Hallauer

Die Band betrat pünktlich um 20 Uhr die Bühne und das Publikum sang sofort mit. Megawatt gab alles. Sie jagten Lichtkaskaden über die Bühne, hatten kleine Erhöhungen für Gitarristen und Sänger, auch der Bassist zeigte sich gelegentlich auf einem der Podeste. Das Schlagzeug hatte Licht, das blinkte und so schon optisch stark war. Der Sänger war gut bei Stimme und die Band spielte sich durch das letzte Album und die meisten der anderen Lieder. Bündner Mundartrock ist hoch im Kurs, denn dies war das erste Konzert im Bierhübeli und gleich vollkommen ausverkauft. Der Sänger gab Erklärungen zu einem Teil der Songs, und die waren ausgezeichnet und interessant. Das Lied, welches er bei der Geburt seines Sohnes schrieb, „Liebi für immer“ passt sowohl für Geburten, Hochzeiten und Begräbnisse, überall ist Liebe im Spiel. Megawatt rockte sich hart durch den Abend, die Gitarren kreischten, der Bass pumpte und der Schlagzeuger hämmerte den Beat ins Herz.

Bild Fredi Hallauer

Sie spielten das erste Mal und angeblich ungeprobt „Highway To Hell“ von AC/DC und das sehr stark. Der Sänger kam sehr nahe an das Original und die Gitarren ohnehin. Einmal sang der Sänger ohne Mikrofon hin und sang mit dem Publikum den Refrain eines Liedes, erst als die Gitarren einsetzten, brauchte er das Mikrofon wieder, das Publikum war weiterhin laut genug. Megawatt zeigte, dass Mundart auch im Hardrock geht und begeisterte nicht nur die Fans.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer