ELIO RICCA

Album: „Lovely Underground“ (Lauter Musik/Irascible)

Das St. Galler Duo mit Schlagzeug und Gitarre plus Gesang mag es brachial. Sie sind aber keine Punker, sondern im Rock zuhause. Sie haben viel Energie, der Gesang ist stellenweise gewöhnungsbedürftig. Zu Beginn des Albums tönt die Musik spannend, aber mit der Zeit wiederholt sich alles, also ist das Songwriting noch nicht das gelbe vom Ei. Klar im Duo gibt es weniger Möglichkeiten, trotzdem gibt es Bands die diese besser ausloten. Also da hat es noch viel Luft um das Ergebnis zu verbessern.

Fredi Hallauer

KISSIN BLACK

Album: „Dresscode Black“ (Notte Nera Records)

Die Luzerner Band mit italo-schweizerischen Wurzeln ist mit ihrem zweiten Album zurück. ja hier geht es dunkel zu, aber nicht nur in einem Stil. Kissin Black lassen es rocken und krachen, aber dann werden sie plötzlich romantisch. Der Sänger hat eine Gänsehautstimme die wirklich dunkel ist, trotzdem vermeint man da und dort etwas Farbe und Sehnsucht nach Farbe zu hören. Verblüffend sind Kissin Black mit ihrer Vielseitigkeit in schwarzen Genres. sicher hat es für viele Leute hier etwas dabei, für Romantiker und Rocker und auch für Mystiker. Dieses Album vereinigt schöne Musik, aber es kann einem auch einmal ein Song auf die nerven gehen.

Fredi Hallauer

FRANZ ARNOLD’S WIUDÄ BÄRG

Album: „Rebäll“ (Universal)

Es war ein paar Jahre still um den Innerschweizer Franz Arnold. Nun ist er zurück. Er lebt unterdessen im Bündnerland, hat einen Bauernhof und drei Kinder. Seine Band besteht aber aus den alten Musikerkollegen aus der Innerschweiz, mit einer Ausnahme, man hört nämlich bei „Einä wie dich“ einen Mann im Bündnerdialekt singen. Aber beginnen wir ganz vorne. Franz Arnold ist Rebell geblieben, seine Musik ist wilder Folkrock mit starken Schweizerwurzeln. Hin und wieder wird Franz Arnold romantisch, vor allem wenn es um seine Frau und seine Kinder geht, aber auch das ist nicht kitschig. Auf der anderen Seite singt er wie der Schnabel gewachsen ist, nämlich auch mal Worte wie „Schafsecku“ oder „Stuuri Grindä“. Er ist und bleibt ein sympathischer Innerschweizer Querkopf und Querdenker. Das ist das dritte Album von Franz Arnold’s Wiudä Bärg und ich bin immer noch begeistert. Diese Band sollte viel mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Fredi Hallauer

CARMEN CRESTA

Album: „Aurora“ (Eigenverlag)

Carmen Cresta kommt aus dem Kanton Graubünden und wirbelt die Musikszene recht durcheinander. Zusammen mit einem Bassisten und einem Schlagzeuger lässt sie es ziemlich rocken. Die Musik ist kantig und wild, dazwischen aber auch wieder melancholisch, romantisch. Genre mässig ist das Rock und Bluesrock, auch die Stimme passt. Die junge Frau hat noch den jugendlichen Übermut, die Energie, aber auch das „Himmel Hoch Jauchzend – Zu Tode Betrübt“ was die Jugend so prägt. Die Lieder sind in Mundart und romanisch. Produziert hat Stämpf Schmid (EX QL), was doch auch über das ungeschliffene des erfrischenden Albums etwas aussagt. Carmen Cresta wird wohl bald mit ihrem Wirbelsturm die Schweiz durcheinander bringen.

Fredi Hallauer

COLD BATH

Album: „Something Left“ (Som Squad Records/Irascible)

Ein kaltes Bad ist es nicht, was uns die junge Genfer Band hier bietet, nein es ist sogar ziemlicher heisser Sound zwischen 70iger Rock und 90iger Indie-Pop. Es hat viele Zwischentöne in dieser Musik, Rhythmusechsel kommen vor und auch die Emotionen des Sängers gehen hoch und tief. Das Quartett versteht es Musik zu machen und Analoges wie Elektronisches miteinander zu mischen. Der Schwerpunkt liegt aber auf handgemachter Musik, mal fröhlich dann wieder etwas melancholischer. Spannend ist auch das was die Gitarre da spielt, im Hintergrund und doch sehr präsent. Hinhören lohnt sich und hoffentlich gibt es noch viel von dieser vielversprechenden Band zu hören, auch auf dieser Seite des Röstigrabens.

Fredi Hallauer

GOTTHARD

Interview:

Am Seaside Festival sprach Fredi Hallauer mit Nic Maeder

Doppelalbum: „Defrosted 2“ (Sony Music)

Gotthard war von Frühling bis Ende Sommer mit ihrer Defrosted 2 Tour unterwegs. Sie haben alle Konzerte aufgenommen und die besten Momente nun als Doppelalbum veröffentlicht. Defrosted heisst bei Gotthard, Unplugged. So haben sie natürlich einige andere MusikerInnen mit auf die Bühne genommen. Andy Pupato an der Perkussion, Ernesto Ghezzi am Keyboard zwei Background Sängerinnen und ein Frauen Streichquartett, die G-Strings, prägen diesen unvergleichlichen Sound. Wer jetzt ein Balladenalbum erwartet, liegt falsch. Gotthard geben unplugged sehr viel Power und die Gastmusikerinnen sind auch für den Power verantwortlich. Die G-Strings rocken manchmal fast mehr als Gotthard und auch die Sängerinnen geben volles Rohr. Zu hören sind viele Songs der letzten jahre und natürlich auch die grossen Klassiker wie „Hush“; „Mountain Mama“; „One Life, One Soul“, „Heaven“ und „Anytime, Anywhere“. Verblüffend ist sicher die Version von „Smoke On The Water“. Zusätzlich gibt es zwei brandneue Songs, nämlich „Bye Bye Caroline“ und „What I Wouldn’t Give“. Das Album ist sehr gut aufgenommen, hat einen schönen und warmen Live Sound, und das Publikum ist nicht die ganze Zeit zu hören, auch muss es nicht dauernd mitsingen, so wird das Album zu einem Genuss.

Fredi Hallauer

PABLO INFERNAL

Album: „Monologues“ (Panta R&E)

Das Rockquartett aus Zürich brettert auf ihrem zweiten Album mächtig los. Das ist Rock pur mit vielen Klisches und gleichzeitig auch Anspielungen auf bekannte Songs um sich dann auch sofort darüber und über sich selbst etwas lustig zu machen. Es sind zehn rocksongs zu hören. Die ersten fünf sind eine lockere Folge von Songs, die zweiten fünf gehören zusammen. Es wird eine Geschichte erzählt von der Suche nach der Muse und dem Tritonus (dem teuflischenTon), welcher dann jeweils am Ende jeden Teils erklingt. Vielleicht ist es auch die Geschichte der Band nach ihrer Suche nach ihrem eigenen Sound und so wie das zu hören ist, haben sie ihn für den Moment gefunden.

Fredi Hallauer