LO & LEDUC

Album: „Krise als Chanson“ (Bakara Music)

Dies ist das sechste Studioalbum der beiden Berner Mundartmusiker. Nach einer Pause ist vieles neu. Lo & Leduc sind politisch geworden, singen zwei Lieder auf Deutsch und es sind nicht einfach Partysongs. Das Album beginnt mit einer politischen Klavierballade. Sie heisst „Für Love“ und die Lyrics zeigen, worum es beim Album geht. „Dr Eint behouptet, dass dr Anger immer nume lügt. Dr anger seit, alles, wo dr eint seit, stimmi nid – U die Aller- Aller- Aller- Allermeiste säge nüt“ ist eine der Textzeilen. Die Texte sind klar, und trotzdem muss man aufpassen, um alles genau zu hören und zu verstehen. Mit dem dreimaligen Anhören des Albums erschliesst es sich noch lange nicht ganz. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Zwei andere Textbeispiele: In „Martha“ und anderen Songs offenbart sich das Politische, das Abgründige im Nebeneinander der Dinge: „Am Bahnhofsiigang schwäbe d Giige, Sibe Füfzg dr Huus-Iistee. Visavis vo mir im Abteil hocket eine mitem Gwehr“. In „Loyalty x Many Men“: „Mir hei chly Dräck uf dr Zunge, Goldstoub a de Fingertips, Drohne finge ihri Ziel dank Schwizer Mikrochips“. Es werden immer wieder viele Themen angesprochen, wie Gesundheitswesen, Krankenkassen, Geld Politik, Klima, Religion und viele mehr. Die beiden deutschen Lieder sind textlich sehr stark, trotzdem sind sie für mich weniger berührend als die Mundartlieder. Die Sounds sind elektronisch mit den bekannten tropischen Rhythmen, einfach eine etwas dunklere Stimmung. Tanzen darf man trotzdem dazu. Produziert hat grösstenteils Kali, welcher bereits verschiedene internationale Künstler:innen produziert hat. Mit dabei sind auch Gäste. Badnaiy, To Athena und Pronto sind es konkret. „Krise als Chanson“ ist Lo & Leducs bestes Album und gehört auf jede Bestenliste.

Fredi Hallauer