FRITZ WIDMER – Der Berner Troubadour aus dem Emmental

Buch: Biografie geschrieben von Martin Hauzenberger (Zytglogge Verlag)

Martin Hauzenberger hat eine akribische Biografie über Fritz Widmer geschrieben, aber nicht nur über Fritz Widmer. Da Fritz Widmer so vielseitig war gibt es hier auch sehr viel über die Geschichte der Berner Troubadouren, der Berner Liedermacher, der Schweizerischen Liedermacher, der Folkszene, aber auch der Mundartschriftsteller und vielem mehr zu lesen. Fritz Widmer wurde am 5. Februar in Kirchberg geboren und so sind die Schilderungen seiner Kinder- und Jugendzeit auf dem Lande soweit zurück, dass sich nicht so viele Menschen an die Art des damaligen Lebens vorstellen können. Die Schilderungen basieren auf Aussagen von Verwandten und aus Briefen, welche Fritz seinem Enkel schrieb. Der Weg vom Bauernbub ins Gymnasium ist beschrieben, die Entdeckung der Musik, das Studium und der Militärdienst sowie das Lehrersein. Dann begannen die musikalischen Schritte zum Liedersänger. Spannend ist, dass Fritz Widmer mit drei Kollegen 1963 als Schnitzelbanksänger auftraten und den Wettbewerb gewannen. Es folgen die Geschichte der Troubadouren und später seine lockere Verbindung dazu, aber auch das Konkurrenzverhalten der Berner Kleintheater untereinander. So geht es immer weiter bis zu seiner Erkrankung und dem Tod im Jahre 2010. Es sind nicht nur die guten Seiten von Fritz Widmer erwähnt, sondern auch dort wo er aneckte bei Anderen oder wo er mit sich selber haderte. Fritz Widmer war so vielseitig und wollte soviele Sachen machen. Am Ende seines Lebens versuchte er es noch mit einem Mundartlibretto zu einer Mozart Oper. Da Martin Hauzenberger selber Liedermacher ist und bei den Berner Chansonniers sang ab den 70iger Jahren und die Folk- und Liedermacherszene selber erlebte, merkt man dass er sehr viel sehr gut kennt. Er erzählt von seinen Kollegen und Kolleginnen und vergisst auch Leute wie Hansruedi Egli, Urs Hostettler, Ärnschd Born oder Walter Lietha nicht. Dieses Buch ist sehr detailliert und immer noch sehr spannend zu lesen. Humor und Tragik finden ihren Platz. Die 230 Seiten sind mit Texten aus Liedern und Büchern aufgelockert, Fotos gibt es und direkte Texte von Familienangehörigen, Freund*innen und Kolleg*innen. Ein Buch das eine Epoche der Kultur erzählt und einem einen vielseitigen und spannenden Fritz Widmer näher bringt.

Fredi Hallauer