MARIO BATKOVIC

Album: „Introspectio“ (Invada Records)

Mario Batkovic, der Akkordeonist aus Bern, hat sich wieder einmal ein bisschen neu erfunden. Er spielt seine Musik nicht nur auf dem Akkordeon, sondern auch mit einem 40 stimmigen Chor, oder mit Synthesizern, unterstützt durch modulare Synthesizer und Schlagzeug. Aber ganz der Reihe nah. Das erste Stück ist ein Text aus dem Jahre 130, welchen er vertont hat. Der Chor tönt wie eine Kirchenorgel oder mario Batkovic sein Akkordeon, wenn er es sehr getragen spielt. Dann kommt ein Stück welches Mario Batkovic, Clive Deamer und Matt Williams zusammen komponierten und auch zusammen spielen, da werden alle Register mit Akkordeon, Synthies und Schlagzeug gezogen. Es folgt ein weiteres Stück mit einem anderen Synthie Mann, das etwasa ruhiger ist und dann noch mit einem Saxophonisten zusammen. Die letzten beiden Stücke spielt Maria Batrkovic alleine, einmal mit Synthesizer und einmal mit dem Akkordeon. Sein Synthesizer Spiel ist eigentlich eine Erweiterung des Akkordeons. Das alles ist sehr spezielle Musik und wer sich dabei melodiöse Akkordeonmusik vorstellt, der liegt falsch. Es sind Muster, Wiederholungen, Geräusche und mehr, welche sich zu einem Klanggebilde oder -gemälde zusammenfügen. Manchmal braucht es Nerven und manchmal kann man das Kopfkino in Betrieb nehmen. Die Musik welche Mario Bastkovic spielt ist sicher einzigartig.

Fredi Hallauer

RODAS

Album: „Rodas“ (R-Tunes)

Rodas ist ein Trio, welches seit fünf Jahren existiert und nun das Debütalbum veröffentlicht. Rodas ist romanisch und heisst Räder. Das Trio besteht aus Corin Curschellas (Gesang, Dulcimer), Patricia Draeger (Akkordeon) und Barbara Gisler (Cello). Bernd Bechtloff steuert als Gast, gelegentlich treibende Perkussion bei. Dieses Album ist ein Meisterwerk, dies sei hier vorweggenommen. Die warme Stimme von Corin Curschellas wird umspielt, verstärkt, in Stimmung versetzt durch das Akkordeon und das Cello. So wachsen die drei zu einem Ganzen, eben einem Trio zusammen. Musik und Texte, Stimme und Stimmung, alles ist Eins. Stilmässig ist es grundsätzlich Folk, zwischen Tango, jazzig, Tarantella, keltisch und Schweiz. Nun zu den Liedern. „Zuckerbäcker“ eröffnet sehr stark. Es geht um die Menschen welche aus Armutsgründen die Schweiz verlassen mussten, und diejenigen, welche von Afrika kommen, wir die gerne nach Afrika gehen, die Umwelt und unser eingebildetes Gebahren mit Subventionen und so. Dann braucht es nur einen Virus und alles steht Kopf. Es folgen romanische Lieder, sehr unterschiedlicher Art, aber grossartig gesungen und gespielt. „Es hed es Schneeli gschnijet“, ein Volkslied wird umwerfend interpretiert. Da kann man ab Akkordeon, Cello und Gesang nur staunen. Das Trennungslied „Bahnhof SBB“ gehört zu den Balladen. Der Kühreihe „Loba Loba“ spricht für sich. Es ist ein Geniestreich dieses Stück nicht als Chor oder Sologesang aufzuführen, sondern in dieser Trio Besetzung. Bei „La Stria Saira Per Saira“ flippen die drei zu Beginn richtig herrlich aus, um dann in eine liebliche Melodie zu verfallen. Nicht so lieblich ist der Text von „A Mim Rhi“. Nein nicht Basel, sondern am Anfang des Rheins handeln diese schaurigen Geschichten. Wie gesagt, dieses Album ist grossartig und bei jedem Anhören entdeckt man neue verzaubernde Harmoniewechsel und viel mehr. Rodas gehört zu sicher auf die Liste, Album des Jahres, obwohl erst April ist.

Fredi Hallauer